Stimmung: Total Fertig
Hallo Leute,
heute komme ich endlich wieder dazu, mich zu melden. Eins vorweg: Der Krebs ist wieder da.
Musste ja am Donnerstag wieder in die Klinik. Habe es
einfach nicht mehr ausgehalten. Solche Schmerzen habe ich noch nie gehabt. Mir
tat vom Rücken her, der ganze Unterleib weh. Die Ärzte wussten auch erst auch
erst mal nicht, wo die Schmerzen herkamen. Haben mir dann irgendwelche starken
Schmerzmittel gegeben. Haben aber überhaupt nicht geholfen. Habe nur nach den
Ärzten gerufen. So nach 3-4 Stunden haben sie sich dann entschieden, mir ein
Morphin zu geben. Danach ging es. Hat aber nur so 3 Stunden geholfen, dann gab
es die nächste Spritze. So gegen zwei oder drei Uhr morgens meinte dann der
Nachtarzt (nicht von meiner Station), dass er mir nichts mehr geben dürfe, weil
es sonst zu viel wäre. Ich dachte ich höre nicht richtig. Ich quälte mich vor
Schmerzen und der Arzt wollte mir nichts mehr geben. Hab ganz schön Radau
gemacht und dann auch alles bekommen. Leider hatte das Morphin bei mir auch die
Wirkung, das ich nichts mehr bei mir behalten konnte. War nur am Kot... Selbst
MCP hat nicht geholfen. Ärzte meinten, man brauche ein paar Tage um sich an das
Mittel zu gewöhnen. Hatten zum Glück recht. So nach einer Woche ging es.
Freitag hatte ich dann mein erstes Gespräch mit dem
Oberarzt. Erklärte mir, dass der Krebs wieder da ist und auch nicht mehr
operabel ist. Jetzt ginge es darum zu klären, was man jetzt tut (Strahlen,
Chemo ....) um den Krebs zu bekämpfen und wo die Schmerzen herkommen. Mehr
sagte er erst mal noch nicht. War trotzdem ein Schock. Bin erst mal raus und
hab nur noch geheult.
Freitagabend war dann auch klar, wo die Schmerzen herkamen.
Hatte zwar ein akutes Nierenversagen. Aber das war von den Schmerzmitteln, die
vorher schluckte. Für die Schmerzen selbst sollte das Nierenversagen aber nicht
verantwortlich sein. Die Schmerzen kamen vom Tumor. Heißt: Tumor kleiner -
Schmerzen kleiner.
Hatte am Samstag dann nochmal ein ausführliches Gespräch mit
meinem Arzt. Hat mir ganz genau erklärt, was nun Sache ist. Wollte auch nicht
das er mit irgendwas hinter den Berg hält. Wollte die ganze Wahrheit mit allen
Konsequenzen wissen. Sagte mir, dass er kein Prophet sei. Es kann jetzt ganz
schnell gehen, aber auch ein paar Jahre sind noch drin. Schei..!!! Genaues
könne er mir erst am Montag sagen, wenn alle Alternativen mit den andern Ärzten
und mir besprochen sind. Übers Wochenende sollte erst mal mit der
Schmerztherapie begonnen werden.
Ich habe dem Arzt aber noch klar gemacht, dass ich für
vieles offen bin. Ich will aber ein lebenswertes Leben. Vor allem keine
Schmerzen. Habe keinen Bock auf Behandlungen, die mein Leben zwar verlängern,
aber es dafür zur Hölle machen, nur damit die Ärzte ihr Ego aufgebessert haben.
Dann lieber kurz aber intensiv. Versteht mich nicht falsch. Ich habe noch nicht
aufgegeben. Noch lange nicht. Ich werde Kämpfen. Aber nur wenn es Sinn macht.
Hier aber erst mal meine neue Diagnose:
Deutliche Größenprogredienz der präaortalen locoregionären
Lymphknoten im Oberbauch mit nun konglomeratartiger Darstellung von 6,6 x 3,1
cm.
Mir wurde erklärt, das sind Metastasen in der Nähe der
Bauchspeicheldrüse. Sehr dicht an der Wirbelsäule und genau zwischen zwei
Hauptadern. Da der Bursche schon ganz schön groß ist, drückt er genau in ein
Nervenzentrum. Das verursacht auch die großen Schmerzen.
Weiterhin schwirren noch irgendwo am Dünndarm weitere
Metastasen rum. Habe mal nicht den ganzen Befund aufgeschrieben.
Am Wochenende wurde versucht herauszufinden, wie viel
Schmerzmittel ich brauch. War eine ganz schöne Tortur. Aber bis Mittwoch hatten
sie es im Griff. Bekomme jetzt ein Schmerzpflaster (Morphin), ein paar Tropfen
und mehrere Tabletten. Wenn alles nicht hilft, versprachen mir die Ärzte auch
ein paar Spritzen für zu Hause.
Montag habe ich dann den Therapievorschlag bekommen. Leider
gibt es nicht so viel Alternativen. Die klassische Behandlung mit Cisplatin und
5FU oder eine neue Studie, die verschiedene Medikamente kombiniert. Allerdings
sind davon noch nicht alle Medikamente in Deutschland zugelassen. In England
und in den USA war die neue Methode wohl sehr erfolgreich. Bei 40% der
behandelten Patienten konnte zumindest ein Rückgang der Metastasen erreicht
werden. Auch geht diese Chemo nicht so auf die Nieren, die bei mir leider von
der ersten Chemo schon geschädigt sind.
Habe mich für die Studie entschieden. Auch weil man nach 6
Wochen schon erste Ergebnisse sieht, und sofort umstellen kann, wenn die Chemo
nicht anschlägt. Ich gehe aber davon aus, dass sie wirkt.
Habe nun am Dienstag mit der Chemo angefangen. Bekomme alle
drei Wochen eine Chemo-Infusion. Danach muss ich immer für zwei Wochen
Tabletten schlucken. Das Mittel nennt sich Capecitabin. Jeden Tag sechs Stück.
Morgens und Abends jeweils drei. Ist ein ganz schöner Hammer. Danach geht es
mir immer total Miss. Mir ist nicht schlecht, oder so, sondern es geht einen
nur dreckig. Auch kommen schon andere Nebenwirkungen zum Tragen. Die äußern
sich im Nervenzucken. Weiß nicht wie ich es anders beschreiben soll. Es ist
einfach so, dass wenn ich mich hinlege, ab und zu mal meine Arme oder Bein zu
Zucken anfangen. Nicht doll, und man sieht auch nichts. Es so ein Gefühl und
sehr unangenehm. Aber mir haben die Ärzte gesagt, dass es sehr häufig vorkommt.
Danach habe ich dann eine Woche Pause und es geht wieder von vorne los.
Insgesamt bekomme ich 12 Zyklen. Drückt mir die Daumen.
Donnerstag konnte ich dann entlassen werden. Die Schmerzen
hatte man einigermaßen im Griff und die Tabletten kann ich erst mal zu Hause
nehmen. Bin aber erst mal zu meinen Eltern. Hatte noch einen großen Kampf mit
einem Arzt, bei der Entlassung. Der wollte mir einfach nicht, die versprochenen
Schmerzspritzen (Morphin) verschreiben. Dabei habe ich diese noch jede Nacht
einmal gebraucht, weil die Pflaster ihre volle Wirkung erst nach 24-72 Stunden
entfalten. Hab mich dann einfach aufs Bett gesetzt und den Oberarzt oder das
Rezept verlangt. Auf einmal war alles kein Problem. Weiß nicht, was das immer
soll.
Bis jetzt habe ich irgendwie sehr sachlich berichtet.
Vielleicht auch ein wenig Durcheinander. Aber ich bin auch noch von den
Schmerzmitteln etwas Daun. Im Inneren sieht es bei mir leider etwas anders aus.
Bin immer noch total fertig und habe es immer noch nicht ganz begriffen. Sah
doch alles so gut aus. Habe gerade mit der Weiterbildung angefangen. Habe so
darum gekämpft und mich auch so darauf gefreut. Und jetzt wieder dieser Schlag
in den Nacken. Frage mich immer wieder:
Warum denn ich? Was habe ich falsch gemacht? Was soll ich
noch aushalten?
Am meisten tuen mir meine Eltern leid. Konnte meinem Vater
gar nicht in die Augen sehen. Waren voller Tränen. Konnte richtig sehen, wie er
leidet. Bin doch sein einzigstes Kind. Muss auch für meine Eltern so schlimm
sein. Vor allem, weil sie nichts tuen können. Meine Mutter spielt die starke
Frau, und läst sich nichts anmerken. Organisiert alles und macht den ganzen
Schreibkram. Hätte ich allein nicht geschafft. An was man alles denken muss!
Rentenkasse, Arbeitsamt, Krankenkasse .........Aber ich merke auch, wie sie
leidet. Schon alleine für die beiden, lohnt sich das Kämpfen. So das war's erst
mal. Hoffe ich komme in Zukunft wieder öfter zum Schreiben. Leider haben meine
Eltern nur einen ganz langsamen Internetanschluß, und deshalb dauert alles
etwas länger.
Entschuldigt, wenn alles etwas Durcheinander und lang war.
Musste mir aber mal alles von der Seele schreiben.
Liebe Grüße
Micha