Stimmung: Glücklich, erfüllt, inspiriert und sprühend
Musik: Johannes Brahms - Violinkonzert in D-Dur, op. 77 - 1. Satz: Allegro non troppo
Schon in den Adventswochen lag mein Liebster mir in den Ohren damit, dass er unbedingt in den neuen Film von James Cameron gehen wollte. Einmal im Leben wolle er einen 3D-Film im Kino sehen. Nun muss man wissen, dass ich normalerweise mit Alien- und Actonfilmen nicht viel anfangen kann (obwohl mir 'Terminator 2' überraschend gut gefallen hat). Und nach den Trailern, die ich gesehen hatte, in denen blaue Aliens durch einen knallbunten Urwald krochen, schien dies nicht die Art von Film zu sein, die mir Vergnügen bereiten konnte. "Ich mag lieber Filme, die eine gute Geschichte erzählen", maulte ich. Doch mein Schatz gab keine Ruhe und schließlich ließ ich mich breitschlagen, zwei Karten für die Nachmittagvorstellung zu reservieren.
Wir saßen also im Kino, hatten lächerliche Brillen auf und ich machte mich auf das Allerschlimmste gefasst. So völlig ohne positive Erwartungen an einen Film bin ich bislang nur bei 'Transformers' ins Kino gegangen (ebenfalls eine Liebesgabe an meinen Herzallerliebsten) und damals entsprach das dann auch ungefähr dem, was über die Leinwand flimmerte. Doch was mich diesmal erwartete, nahm mich zu meinem Erstaunen völlig gefangen. Sicher, die Geschichte ist banal und schon hundertmal da gewesen. Eine Art 'Der mit dem Wolf tanzt' meets 'Star Wars' im Regenwald. Aber ich habe nun einmal ein Faible für ökofeministische Botschaften und matriarchale Gottheiten, selbst dann, wenn sie im Science-Fiction-Gewand daher kommen. Ein Rausch an Lichtern, Farben und Formen, gepaart mit einem eindringlichen Soundtrack, zog mich in seinen Bann. Vielleicht liegt es daran, dass ich persönlich nie Erfahrungen mit Drogen gemacht habe und von daher noch Nachholbedarf hatte. Jedenfalls ging ich in der simpel gestrickten Story vollkommen auf, lachte und weinte, während mein Liebster, ohne den ich diesen Film wohl niemals gesehen hätte, etwas konsterniert daneben saß. Er fand das cineastische Drama nämlich nur mittelmäßig. Vermutlich ging es ihm wie jenem jungen Jedi von den Fünf Filmfreunden , der in seiner Filmkritik schrieb:
"Der Film wurde nicht als Action-Spektakel des T2-Machers beworben, sondern als 'Vom Regisseur von Titanic'. Und Cameron, der aber sowas von im Einklang mit seiner femininen Seite ist, wird nicht müde, in Interviews zu betonen, er habe ein Chick-Flick gedreht. Ein gefühlvolles Werk. Einen 300 Millionen Dollar Frauenfilm. Mit wichtiger ökologischer und spiritueller Botschaft. Wenn jetzt noch Celine Dion singt, wäre das wirklich ein Grund sich zu erschießen."
Celine Dion singt nicht. Leona Lewis tut es. Ein selten banales Liedchen. Ansonsten aber war der Film erste Sahne. Nicht so ein anrührendes Kunstwerk wie "Billy Eliot", nicht so wortgewaltig wie "Cyrano von Bergerac" und nicht so herzzerreißend wie "Das Leben ist schön", aber doch ein 160-minütiges Kinoerlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Und das Beste ist, das der Film auf Jahre hinaus Stoff für unzählige Lacher liefern wird. Kostprobe gefällig? James Cameron's Avatar meets Disney's Pocahontas und 18 Dinge, die ich durch Avatar gelernt habe .