Sternentanz

20.07.2010 um 21:56 Uhr

Umzug

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Musik: Barbra Streisand - A Time For Love

  

In drei Tagen zieht mein Liebster bei mir ein. Dies habe ich zum Anlass genommen, andernorts ein neues Blog zu beginnen. Ich wechsle den Anbieter, weil ich dort die Möglichkeit habe, einzelne Beiträge, die nicht für die allgemeine Öffentlichkeit, sondern nur für einen vertrauten Freundeskreis bestimmt sind, durch ein Passwort zu schützen. 

07.04.2010 um 10:25 Uhr

Happy Birthday, kleines Blog!

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Musik: Barbra Streisand - The Way We Were

 (c) Almut Bieber/pixelio

Heute auf die Minute genau vor fünf Jahren fing alles an. Damals wagte ich den Schritt in die Öffentlichkeit, hinaus aus den Seiten meines Tagebuchs und munter hinein ins Web 2.0. Mein Garten war damals noch leer und kahl und meine Wohnung erholte sich gerade von einem deftigen Wasserschaden. Ich schwelgte in einer zarten Liebesgeschichte, die, wie ich schon damals wusste, nicht von Dauer sein würde und mir dennoch unendlich kostbar war. Auch der Mann, den ich heute liebe, begleitete schon meinen Weg, obwohl ich nicht im Geringsten ahnte, dass aus uns beiden eines Tages ein Liebespaar werden sollte. Anfangs dümpelte mein Blog noch weitgehend unbeachtet im Blogigo-Einheitsbrei umher, doch wie so oft befeuerte ab Herbst 2005 der unvermeidliche Liebeskummer das allgemeine Leserinteresse. In dieser Zeit begann ich oft und regelmäßig zu bloggen. Wie schon für viele andere hier wurde das Bloggen für mich zu einem wichtigen Heilmittel, um meinen Kummer zu bewältigen. 

Im September 2005 kam es auch zur ersten persönlichen Begegnung zwischen mir und meinem Liebsten - wobei ich noch immer nicht den leisesten Schimmer hatte, dass mir soeben der Mann meines Lebens über den Weg gelaufen war. Parallel zu meinem Liebeskummer hatte ich in diesen Monaten auch mit meiner Doktorarbeit zu kämpfen, die ich noch im gleichen Jahr über die Bühne bringen wollte. Und im Oktober 2005 verewigte sich Constanze in meinem Gästebuch. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft! Damals kommentierte sogar mein Schatz noch auf meinem Blog. Kein Wunder, bahnte sich doch in den letzten Monaten des Jahres 2005 unsere Liebe ihren Weg, die schließlich zur Jahreswende 2005/2006 nach einem ersten Wiedersehen ihre Erfüllung fand. Die Erfahrungen der vergangenen Wochen fasste ich einige Tage später in einem wunderschönen Märchen zusammen und entdeckte Parallelen zu bereits existierenden Geschichten. 

Mit dem Bestehen meiner Doktorprüfung fiel im Februar eine zentnerschwere Last von mir ab. Danach war ich endlich wieder frei, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mich wirklich interessierten, zum Beispiel mit Matriarchatsforschung, Büchern, beglückenden Begegnungen, albernen Spielereien und immer wieder mit der Liebe. Mit einer umfassenden Analyse meiner Liebeserfahrung ging schließlich mein erstes Jahr als Bloggerin zur Neige.    

Zur Feier des Tages habe ich alle Bilder der Einträge bis April 2006 repariert und wiederhergestellt, damit auch jene, die vielleicht erst später dazugestoßen sind, sind noch einen Eindruck von jenen Tagen verschaffen können. (Die kleine Linksammlung wird unter Umständen fortgesetzt.)

06.04.2010 um 01:06 Uhr

Außenansicht und Innenansicht

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Glutäugig
Musik: Leonard Cohen - Hey, That's No Way To Say Goodbye

 (c) Gerhard Fraßa/pixelio

Es ist erstaunlich, wie sehr Außenansicht und Innenansicht manchmal auseinanderklaffen. Heute las ich in einem anderen Blog einen Beitrag, in dem es um mich ging. Eine Frau zeichnete nach, was sie hier gelesen hatte. Und das Bild, das sie zeichnete, war vollkommen anders als das, welches ich von meiner Situation habe. Mir ist klar, weshalb sie es so sieht. Ich kann verstehen, dass jemand, der sich rein auf die Informationen in diesem Blog stützt, zu einer derartigen Einschätzung der Sachlage kommen kann. Das Problem dabei ist, dass ich hier stets nur einen Bruchteil der Informationen darlege, die zu dieser Konstellation gehören. Ich ergehe mich in Andeutungen und rudimentären Skizzen, deren Lücken sich mit den wildesten Phantasien füllen lassen. Das macht es unwissenden Beobachtern schwer, das gesamte Bild zu erfassen. Natürlich habe auch ich meine blinden Flecke und sehe manche Dinge vielleicht nicht so klar, wie ich es sollte. Aber soweit kann ich meiner Intuition und Menschenkenntnis schon vertrauen, dass ich nicht gänzlich im Dunkeln tappe.

03.04.2010 um 19:53 Uhr

Genesungsgedanken

von: Nimien   Kategorie: Heilsames

Stimmung: Sehnsüchtig
Musik: Loreena McKennit - Full Circle


(c) Ingo Anstötz/pixelio

Meinem Rücken geht es besser. Viel besser. Handstandüberschlag kann ich noch nicht machen, aber für ein wenig Gartenarbeit hat es heute immerhin schon gereicht. Dafür ist mein Liebster jetzt krank. So gesehen ist es vielleicht gar nicht so tragisch, dass aus unserem ursprünglich anvisierten Ostertreffen nichts geworden ist. Zumindest versuche ich mir das einzureden. Denn in Wahrheit vermisse ich ihn natürlich ganz schrecklich. Zum Glück beflügelt mich die Aussicht, dass wir unser Wiedersehen in ein paar Tagen nachholen werden.

02.04.2010 um 09:01 Uhr

Grober Schnitzer

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Sonnensehnsüchtig und rückensteif
Musik: Michael Bublé - I'm Your Man

 (c) sparkie/pixelio

Ich habe meine Geschichte bestimmt schon 47-mal Korrektur gelesen, und trotzdem ist mir erst gestern ein gewaltiger Schnitzer in der Handlung aufgefallen, über den ich wirklich schon früher hätte stolpern müssen. Aber selbst meine beiden Lektorinnen haben ihn nicht bemerkt, und vielleicht ist er ja doch nicht so offensichtlich, wie er mir vorkommt. Aber seit mir die Unachtsamkeit aufgefallen ist, kann ich meinen Blick nicht mehr davon wenden. Und nun zerbreche ich mir den Kopf, wie ich sie am elegantesten ausbügeln kann. Zwei Alternativen stehen zur Debatte: Tausche ich lediglich ein paar Begrifflichkeiten, muss ich mir über weitere Änderungen keine Gedanken machen, lasse mir aber damit eine interessante dramaturgische Zuspitzung entgehen. Falls ich die Idee jedoch aufgreife, muss ich sie auch in die bestehende Handlung einflechten, und das erweist sich gerade als ausgesprochen schwierig.

01.04.2010 um 13:37 Uhr

Stein vom Herzen

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Erlöst, erleichtert, glücklich
Musik: Madeleine Peyroux - This Is Heaven To Me

 (c) chaosbadgirl/pixelio

Eines der größten Wunder unserer Liebe ist der Umstand, dass wir es jedes Mal wieder schaffen, auch den verzwicktesten Knoten, den bittersten Streit, die düsterste Krise aufzulösen und in liebevolle Heiterkeit zu verwandeln. Am Ende ist dann alles wieder frei und leicht. Mir fällt ein Stein vom Herzen.

31.03.2010 um 20:46 Uhr

Garden State

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Traurig, glücklich, sehnsüchtig, wehmütig - alles auf einmal
Musik: Robbie Williams - Morning Sun

Es war im November 2005, als ich den Mann meines Herzens, von dem ich damals noch gar nicht wusste, dass er es war, in einer Mail fragte, welche Filme er denn gerne mit mir schauen würde. Er dachte daraufhin laut und zählte eine ganze Reihe von Filmen auf, die er mochte und die ihn beeindruckt hatten. Seine Aufzählung endete so: "Ich würde einen Film nehmen, bei dem ich mich vom Anfang bis zum Ende wohl fühlen kann und von dem ich weiß, dass es dir wahrscheinlich nicht anders gehen wird. Ein Film, der trotzdem nicht (...) unnötig intellektuell ist, sondern für das so wunderbare Mädchen in dir, das ich so gerne habe. Ja, ich besinne mich bei meiner Wahl auf meinen Geschmack, uns beide und die Schönheit der Kleinigkeiten und nehme Garden State."

Tatsächlich war 'Garden State' der erste Film, den mein Liebster und ich je zusammen gesehen haben, damals in jenen denkwürdigen Tagen, als unsere Liebe begann und wir in der verwunschenen Zeit zwischen den Jahren eng umschlungen auf dem Bett in meinem Zimmer saßen. Doch weil ich müde war von all den sinnlichen Entdeckungen der vergangenen Stunden und auch gehörig abgelenkt von den noch ausstehenden Erkundungsreisen, blieb mir der Film nur sehr bruchstückhaft in Erinnerung. Heute Abend sah ich ihn zum zweiten Mal und eigentlich zum ersten Mal "richtig", also so, dass ich konzentriert der Handlung folgen konnte. Es ist ein wunderschöner, zauberhafter Film, liebevoll und herzerwärmend, ein Film, der alles in sich trägt, was ich an meinem Schatz so liebe und was unsere Geschichte so kostbar und einzigartig für mich macht. Und vielleicht war es ein gutes Vorzeichen, dass ich ihn ausgerechnet heute angeschaut habe, an einem Tag, der für uns beide so unendlich schwer ist und dessen Ausgang über unsere weitere Zukunft entscheiden wird. Der Film macht mir Hoffnung und er macht mir Mut, denn er erinnert mich an das, was wirklich wichtig ist.

31.03.2010 um 15:14 Uhr

Hexenschuss

von: Nimien   Kategorie: Heilsames

Stimmung: Gedrückt
Musik: Frédérik Chopin - Nocturne Nr. 8 in Des-Dur, op. 27/2

 (c) Tobias Bräuning/pixelio

Heute Morgen ist mir ganz unversehens und unvermutet die Hexe ins Kreuz gefahren. Da mir gleichzeitig der Kreislauf zusammengesackt ist, blieb mir nichts anderes übrig, als mich hinzulegen, wohl wissend, dass das bei beißenden Rückenschmerzen die denkbar schlechteste Strategie ist. Tatsächlich dauerte es dann auch Stunden und bedurfte einer gehörigen Dosis an Schmerzmitteln, bis ich überhaupt wieder in der Lage war, aus der waagerechten in die senkrechte Position zu kommen. Momentan laufe ich mit einem Umschlag mit Knoblauchtinktur und einem Katzenfell im Rücken durch die Wohnung, da sanfte Bewegung immer noch das beste Heilmittel gegen die Hex' ist. Zum Glück habe ich eine wahnsinnig liebe Familie. Meine Schwester, die mein Hilferuf heute aus dem Schlaf riss, kam sofort, um mir beizustehen, und nun, da sie andere Verpflichtungen hat, haben meine Eltern eine Schicht übernommen. Ich bin so dankbar für ihre tatkräftige Unterstützung und mehr noch für die Wärme und liebevolle Zuwendung, die sie mir angedeihen lassen. Die brauche ich nämlich gerade am allermeisten.

28.03.2010 um 17:54 Uhr

Warten

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Müde
Musik: Ludwig van Beethoven - Symphonie Nr. 7 in A-Dur, op. 92 - 2. Allegretto

  
(c) Lysann Morgenstern/pixelio

Warten ist ein Zustand der Untätigkeit, in dem wir Zeit verstreichen lassen, bis ein bestimmter Zustand oder ein Ereignis eintritt. Wir sind dieses Ereignisses gewärtig, d.h. wir erwarten es, rechnen damit, sind darauf eingestellt und halten es für wahrscheinlich. Wenn das, worauf wir gewartet haben, dann wider Erwarten doch nicht eintritt oder sich der erwartete Zeitpunkt nach hinten verschiebt, sich ein ums andere Mal verzögert und hinauszieht, erzeugt das eine lähmende Ruhelosigkeit, eine rastlose Unzufriedenheit, die uns innerlich zerfrisst und aushöhlt. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob wir auf unser Lebensglück, die Frühlingssonne oder eine verspätete Bahnverbindung warten. Der Effekt ist immer der gleiche.

28.03.2010 um 14:45 Uhr

Tränen gelacht

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Vergnügt
Musik: Johannes Brams - Violinkonzert in D-Dur, op. 77 - 1. Allegro non troppo

 (c) jutta rotter/pixelio

Wieder mal meine Schwester (alles natürlich völlig aus dem Zusammenhang gerissen):

"Ich reihe in diesem Teil meiner Geschichte nicht nur ein erotisches Erlebnis ans andere. Dazwischen gibt es immer wieder Dialoge, zum Beispiel reden die beiden über Bücher."
"Ja, klar, wie man das halt so macht: 'Der Sex war toll, Schatz. Was hältst du eigentlich von Goethes Werther?' (...) Genug gefickt. Jetzt: Literatur!"

Ich hätte mich fast verschluckt vor Lachen. 

26.03.2010 um 23:27 Uhr

Der Sammler

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Bewegt
Musik: Natalie Cole - The Very Thought Of You

Ich las "Der Sammler" von John Fowles, die Geschichte eines gehemmten jungen Mannes, dessen einzige Leidenschaft das Jagen und Sammeln von Schmetterlingen ist - und die schöne Kunststudentin Miranda, die er jahrelang aus der Ferne anschmachtet. Als er überraschend im Toto gewinnt, kauft er ein einsames, abgelegenes Haus auf dem Land, renoviert das großzügige Kellergewölbe und bereitet alles vor, um sie als 'Gast' zu sich zu holen und sie dort unten einzusperren.

Ich hatte vor vielen Jahren einmal die Verfilmung dieses Romans aus den Sechziger Jahren gesehen, mit Samantha Eggar und Terence Stamp in den Hauptrollen. Schon der Film war ein eindringliches Kammerspiel, das Buch übertraf ihn jedoch noch bei weitem. Es ist ausgesprochen raffiniert aufgebaut: Im ersten Teil erzählt Frederik Clegg, der Entführer, die Geschichte aus seiner Sicht. Im zweiten Teil schildert Miranda in Tagebucheinträgen ihren erschütternden Leidensweg und das Geschehen erscheint plötzlich aus einer völlig neuen Perspektive. Dabei überzeugen auch die sprachlichen Unterschiede. Frederiks grober, etwas holpriger und sperriger Erzählweise stehen Mirandas intelligene, feinsinnige und in Wortwahl und Ausdruck geschliffene Analysen gegenüber.

Die beiden Protagonisten haben keine Chance, zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Zu verschieden sind ihre Charaktere, zu unterschiedlich ihre gesellschaftliche Herkunft, zu emotional verkrüppelt und sozial inkompetent ist dieser Mann, dem es eigentlich nur darum geht, die Schönheit der jungen Frau zu besitzen, der ihrer Seele und ihrem Geist aber in keiner Weise gewachsen ist. Es ist eine leidvolle, verzweifelte Geschichte und sie hat kein Happy End. Frederik ist verliebt in eine schöne Hülle, deren lebendigen Inhalt er nicht zu fassen vermag. Selbst seine Sehnsucht, von ihr wiedergeliebt zu werden, erschöpft sich in statischen Phantasien eines perfekten, kleinbürgerlichen Ehelebens. Er ist nicht einmal in der Lage, sich seiner Angebeteten ernsthaft sexuell zu nähern. Im Grunde ist sie für ihn nur wie einer seiner seltenen Schmetterlinge, deren tote Schönheit er hinter Glas verewigt.

Gruselig fand ich übrigens den Hinweis auf Wikipedia, dass die Geschichte offenbar den einen oder anderen Serienkiller inspiriert zu haben scheint.

25.03.2010 um 20:18 Uhr

Kuriert

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Bitter
Musik: Leonard Cohen - Waiting For The Miracle

(c) Viktor Schwabenland/pixelio

Das beste Heilmittel gegen überbordende Sinnlichkeit ist kalte Ernüchterung.
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25.03.2010 um 07:16 Uhr

Den Tag begrüßen

von: Nimien   Kategorie: Alltagsallerlei

Stimmung: Heiter
Musik: Meine Schwester - Colours Of The Wind

 (c) Jens Bredehorn/pixelio

Eben war ich eine halbe Stunde walken auf meiner gewohnten Runde durch den Ostpark. Der Gesang der Vögel, die Morgensonne und das Glitzern des Hachinger Baches begleiteten mich auf meinem Weg. Die Rabatten vor dem Michaeligarten sind schon sauber geräumt. Hie und da spitzen die ersten Krokusse und Stiefmütterchen aus der grauen Erde. Eine duftende Tasse Tee, ein ayurvedisches Müdli, ein warmes Schaumbad und die neue EMMA werden mich nun weiter in den Tag hinein begleiten. Der Frühling ist doch etwas Wunderbares!

24.03.2010 um 21:09 Uhr

"Frau, komm!"

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Erstarrt
Musik: -

  
(c) Michael Werner Nickel/pixelio

Soeben las ich in der neuen EMMA zwei Artikel über die Massenvergewaltigungen der letzten Kriegstage 1944/1945, unter deren Folgen die Opfer zum Teil noch heute leiden. Da die Deutschen als 'Volk der Täter' galten, wurden diese Traumatisierungen lange Zeit tabuisiert. Chantal Louis berichtet über das 'Lebenstagebuch'-Projekt, das den betroffenen Frauen dabei helfen soll, ihr Lebenstrauma zu verarbeiten. Außerdem wurde ein gekürzter Auszug aus einem Buch von Ingo von Münch abgedruckt ('Frau, komm!' Die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen 1944/1945). Beide Artikel waren erschütternd.

"Jede der Frauen wurde durchschnittlich 17 mal vergewaltigt. 'Das ist aber eben nur der Durchschnitt. Eine Frau zum Beispiel fiel ihren Vergewaltigern 70 mal zum Opfer.' Die jüngste Vergewaltigte war sieben Jahre alt." (Das vererbte Trauma, EMMA 02/2010)

"Für den von ihr gedrehten Film, der die Grundlage für das spätere Buch 'BeFreier und Befreite' bildet, hatte eine Marline von Werner ihrer Vergewaltigung geschildert. Dazu Helke Sanders: 'Jedes Mal bin ich wieder neu ergriffen von Marline von Werner, die beschreibt, wie der junge russische Vergewaltiger auf ihr einschläft und sie erkennt, dass er noch ein Kind ist und sie dann beginnt, ihn zu streicheln.'" (Verdiente Strafe für die Frauen der Täter?, EMMA 02/2010)

"Andrzej Szczypiorski, der polnisch-jüdische Schriftsteller, der nach dem Aufstand in Wahrschau 1944 in ein KZ deportiert worden war, erzählt in seinem 'Selbstportrait mit Frau' (...): 'Als der Franzose fertig war, begann der Holländer. Und als der Holländer fertig war, begann der Ukrainer. Und als der Ukrainer fertig war, begann der Pole. Und dann der zweite Pole. Und dann der Zigeuner. Und dann wieder ein Zigeuner. Und dann die anderen und noch andere und noch andere. Und am Ende, als die Frau aufgehört hatte zu atmen und ihr Körper mit dumpfem Gepolter aus der Kate gefallen war, nahmen die anderen die zweite Frau, die zunächst schrie und weinte, bettelte und fluchte, vielleicht sogar zu ihnen betete, als hätte damals irgendwer auf der Welt an Gott geglaubt und an die steinernen Tafeln, und das dauerte lange, bis alle außer mir und einem sterbenden alten Juden, der immerzu weinte, ihren Samen abgegeben hatten. - Die zweite Frau überlebte, sie lag später schweigend unter dem Fenster, das Mondlicht auf ihrem Gesicht wie der Verband auf einer Wunde, ihre Augen weit geöffnet und blind, die arme Deutsche, die arme deutsche Frau der letzten Kriegstage, der arme Mensch." (Verdiente Strafe für die Frauen der Täter?, EMMA 02/2010)

23.03.2010 um 20:58 Uhr

Küssen statt streiten

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Zaghaft hoffnungsvoll
Musik: John Williams - The Throne Room

 (c) Moni Sertel/pixelio

"Ich will nicht mit dir streiten. Ich will dich küssen", sagst du und mir fällt ein Stein vom Herzen. Solange du mich küsst, gibt es keinen Grund zu streiten.

21.03.2010 um 19:22 Uhr

Grammatikalisches Missverständnis

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Heiter
Musik: Sergei Rachmaninov - Klavierkonzert Nr. 2 in c-Moll, op. 18 - 3. Allegro Scherzando

 (c) RainerSturm/pixelio

Soeben habe ich festgestellt, dass eine anhaltende, vor sich hin schwelende Unstimmigkeit zwischen meinem Liebsten und mir einem grammatikalischen Missverständnis geschuldet war. Während ich eine Reihe von Sätzen, die er mit dem kleinen Wörtchen 'wenn' eingeleitet hatte, durchgehend temporal gedeutet hatte, hatte er sie ausschließlich konditional gemeint. Das löst nun zwar nicht unser Problem, erklärt aber zumindest, warum wir derart aneinander vorbeigeredet haben.

21.03.2010 um 17:02 Uhr

Schreibend die Welt neu erfinden

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Erleichtert
Musik: Alexandra - Illusionen

 (c) Rike/pixelio

Wenn ich das, was mir widerfährt, aufschreibe, erhält es eine neue Qualität. Es wird intensiver und distanzierter zugleich. Indem ich meine Geschichte erzähle, werde ich zur Gestalterin meines Schicksals, tauche bewusst ein in das Geschehen und gewinne gleichzeitig Abstand dazu. Es allein schon als Geschichte zu verstehen, verändert die Beschaffenheit des Erlebten. Vielleicht ist das der Grund, warum ich so gerne blogge und seit 25 Jahren Tagebuch schreibe.

20.03.2010 um 18:32 Uhr

Frühlingsäquinoktium

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Voller Sehnsucht
Musik: Mari Boine - Balu BaDJel Go Vuoittán

 (c) AngelaL/pixelio

Seit ein paar Tagen ist mein Garten frei von Schnee. Der Frühling kommt spät dieses Jahr. Grau und kahl liegen die Blumenbeete zwischen dem fahlen Rasen. Nur ein paar Krokusse und Schneeglöckchen, das grüne Laub der Christrosen und die zarten Triebe der Tulpen und Narzissen malen Farbtupfer auf die graubraune Leinwand. Ich fürchte, der alte Lavendelbusch hat den grimmigen Winter nicht überstanden. Auch die Zwergrose auf meinem Balkon, die ich im Herbst in ihren Topf gepflanzt habe, wirkt äußerst mitgenommen. Es muss sich erst zeigen, ob sie austreiben wird. Ich hoffe inständig, dass wir von weiteren Kälteeinbrüchen verschont bleiben und der Frühling wiedergutmacht, was er uns so lange vorenthalten hat. Mein Herz sehnt sich nach Licht, Sonne und Wärme, nach dem zarten Grün der Bäume, nach Osterglocken und Blausternchen, nach Morgentau und lauer Luft. Winter war es lang genug. Jetzt wird es Zeit für die überbordende Sinnlichkeit des Frühlings. Und wenn ich sehe, wie die Tulpentriebe sich scharf durch das alte Laub vom Vorjahr bohren, dann ziehe ich meinen Hut vor seiner geballten Kraft.

20.03.2010 um 10:12 Uhr

Das literarische Duett

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Frühlingsfroh
Musik: Barbra Streisand - Ordinary Miracles

 (c) berwis/pixelio

Mittlerweile habe ich mich dazu durchgerungen, zwei sehr nahen, vertrauten Freundinnen meine Geschichte zu lesen zu geben. Das hat mich einiges an Mut gekostet und ich war doch ziemlich nervös, als ich die Texte losschickte. Immerhin liegt zweifaches Herzblut darin: Zum einen enthält die Geschichte inhaltlich eine hohe Selbstoffenbarungskomponente und zum anderen ist schon das Schreiben an sich eine ausgesprochen persönliche Angelegenheit. Ich entblöße mich nicht nur durch das, was ich erzähle, sondern auch dadurch, wie ich es tue. Die Worte und Formulierungen, die meiner Geschichte Gestalt verleihen, sind mindestens ebenso sehr Ausdruck meiner Persönlichkeit wie die Inhalte der Erzählung. Von daher bin ich ausgesprochen froh und erleichtert, dass ich bislang in erster Linie positive, ja, sogar begeisterte Rückmeldungen erhalten habe. Natürlich habe ich es mit wohlwollenden Leserinnen zu tun, aber da ich auch kritische Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge geerntet habe, gehe ich einfach mal davon aus, dass das Lob genauso ehrlich gemeint war.

Das größte Kompliment kam von jener Freundin, die meinte, dass sie beim Lesen streckenweise völlig vergessen habe, dass sie ja Korrektur lesen solle, so sehr sei sie ins Geschehen eingetaucht. Am Dienstag rief sie mich an und wir verbrachten Stunden damit, den Text durchzugehen, über ihre Anmerkungen und unsere Gedanken zur Geschichte zu reden, kleinere Unebenheiten zu glätten und lose Enden auszumerzen (von denen es zum Glück nicht allzu viele gab). Ich erzählte Anekdoten aus dem Entstehungsprozess und wir diskutierten gemeinsam über mögliche Hintergründe und Motive der handelnden Personen. Hach, was war das für ein vergnüglicher Abend! Unser literarisches Duett hat mir mindestens ebenso viel Freude bereitet wie das Schreiben selbst.

17.03.2010 um 07:51 Uhr

Frühlingserwachen

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Sehnsüchtig
Musik: Loreena McKennit - Come By The Hills

 (c) Susanne Schmich/pixelio

Nun ist er also da, der Frühling. In meinen Adern fließt er ja schon lange. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt solch einen sinnlichen Hunger, so eine unstillbare Sehnsucht verspürt habe. Natürlich bin ich selbst daran keineswegs unschuldig, denn ich gebe ihr durch geeignete Lektüre, die kontinuierliche Überarbeitung meiner Geschichte und das Schwelgen in erotischen Phantasien beständig Nahrung. Angesichts der Tatsache, dass mein Liebster in der Ferne weilt, ist das nicht unbedingt die vernünftigste Strategie. Natürlich wäre es klüger, mich in der Zwischenzeit eher sachlichen Dingen zuzuwenden, etwa meiner Steuererklärung oder meiner Altersvorsorge oder ähnlich aufregenden Angelegenheiten. Der Frühjahrsputz, den ich kürzlich begonnen habe, ist zur inneren Abkühlung nur bedingt geeignet, da die Hausarbeit auf mich eher anregend wirkt und mich in erstaunlich sinnliche Stimmung versetzt. Aber ich will es ja nicht anders. Letztlich möchte ich auf die warme, wohltuende Lebendigkeit, die mein Verlangen mit sich bringt, gar nicht verzichten. Umso schöner ist es, dass die Natur sich endlich erbarmt und uns ein paar wärmere Tage schickt. Die klirrende Kälte und das ewige Eis wollten so gar nicht zu meinen Seelenregungen passen.