Stimmung: Niedergeschlagen
Musik: Bob Dylan - It's All Over Now, Baby Blue
Nur um etwaigen Missverständnissen von vornherein vorzubeugen: Ich spreche in dem nachfolgenden Beitrag nicht von meiner Partnerschaft.
Die Eifersucht gehört im Reigen meiner Gefühle nicht gerade zum engsten Kreis. Ich neige nicht zu eifersüchtigen Reaktionen und hatte in meinem Leben bislang nur selten Anlass dazu. In den wenigen Fällen, in denen ich einen Anflug von Eifersucht verspürte, war diese lediglich der sichere Vorbote eines bevorstehenden Abschieds. Insofern basierte sie auf einem untrüglichen Gespür für subtile Signale, die ich zu jenem Zeitpunkt nur noch nicht deuten und einordnen konnte, und war Ausdruck einer realen und berechtigten Wahrnehmung. Umso schwieriger ist es für mich, mich nun in einer Situation mit diesem Gefühl konfrontiert zu sehen, in der ich es als absolut unangemessen und unangebracht empfinde. Sie gilt nicht nur jemandem, dem ich einzig und allein mit bedingungsloser Liebe begegnen möchte, sondern bringt mich auch noch in Konkurrenz zu einer Person, die meinem Herzen sehr nahe ist. Ich fühle mich albern und kindisch dabei, und doch kann ich es nicht ändern: Wenn ich sehe, wie viel spontane, überschäumende Zuneigung ihr entgegenflutet, während ich daneben verblasse und verstumme, dann macht mich das traurig - und der subtile Triumph in ihrer Stimme (von dem ich mir nicht einmal sicher bin, ob ich ihn mir nicht nur einbilde) weckt meinen Zorn.
Dabei gibt es kaum eine Situation, in der Eifersucht absurder wäre. Ich sehe ganz nüchtern die Gründe für die unterschiedliche Aufmerksamkeit, die mir und ihr zuteil wird. Es ist eine Frage von Zeit und Energie, von Intensität und Präsenz, aber auch von Witz und Ideenreichtum. In all diesen Punkten ist sie mir weit voraus, und ich werde sie niemals einholen. Es ist auch eine Folge von Entscheidungen, die auf meiner Seite häufig anders ausgefallen sind als auf der ihren. Und nicht zuletzt ist Liebe ein Geschenk, das nicht errungen oder erkämpft werden kann. All das weiß ich und es hilft mir, meiner Eifersucht Einhalt zu gebieten. Und trotzdem fühle ich mich gerade auf schmerzliche Weise einsam, ausgeschlossen und zurückgewiesen.