Stimmung: Sehnsüchtig
Musik: Metallica with the San Francisco Symphony Orchestra - Nothing else matters
(c) pixelio (Fotograf unbekannt)
Unterschiedlicher hätten die beiden Bücher kaum sein können, die ich in den letzten Wochen gelesen haben. Da wäre zunächst Virginia Woolfs "Mrs. Dalloway" aus der SZ-Bibliothek - und auf der anderen Seite der letzte Band der Harry-Potter-Serie, "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes". Es ist kaum möglich und sicherlich auch nicht angemessen, diese beiden Bücher zu vergleichen. Und dennoch liegen diese beiden Leseerfahrungen für mich so nah beieinander, dass sich die eine in der anderen spiegelt. "Mrs. Dalloway" ist zweifellos hohe Literatur, poetisch, kunstvoll und mit großer Sorgfalt aus Worten gewoben, die sich spiralig und mäandernd zu einer Geschichte formen. Doch es war anstrengend, dieses Buch zu lesen. Oft lag es tagelang unberührt auf meinem Nachtisch, weil ich nicht in der Stimmung war, die Lektüre fortzusetzen. Ich kann nicht bestreiten, dass der Roman eine gewisse Faszination auf mich ausübte. Vor allem die Darstellung der wahnhaften Erkrankung eines der Protagonisten beeindruckte mich. Und doch war es nicht die pure Leselust, die mich bei der Stange hielt, sondern eher ein grundlegendes Interesse am Werk Virginia Woolfs. Ich weiß nicht, ob ich durchgehalten hätte, wenn das Buch 800 Seiten dick gewesen wäre.
Ganz anders "Harry Potter". Joanne K. Rowling hat eine flotte Schreibe, einen trockenen Humor und ein besonderes Talent, Handlungsfäden zu spinnen und auf geschickte Art und Weise miteinander zu verknüpfen. Eine große Dichterin aber ist sie nicht. Beim Lesen drängten sich mir mit schöner Regelmäßigkeit Querverweise zu anderen Werken auf - sei es "Star Wars", "Mission Impossible" oder "Der Herr der Ringe" - und hie und da war mir die Handlung dann doch zu unwahrscheinlich oder allzu sehr an den Haaren herbeigezogen. Dennoch habe ich das Buch in einem Rutsch verschlungen. Ich lag gemütlich auf der Couch und habe einen ganzen Tag lang nichts anderes getan als zu schmökern. Am Ende packte mich die Geschichte derart, dass ich mit Tränen in den Augen weiterlas, und wäre das grässlich-kitschige Schlusskapitel nicht gewesen, ich hätte das Buch vollauf befriedigt zur Seite gelegt. Aber das war's dann auch. "Harry Potter" ist für mich jedes Mal ein kurzes, aber intensives Lesevergnügen, das keine großen Spuren hinterlässt. (Ganz anders als beispielsweise "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende, die ja auch der Kinderbuchliteratur entstammt, mich aber auf Jahre hinaus völlig verzaubert hat.)
Unterm Strich ist mir Virginia Woolf ein wenig zu versponnen und Joanne K. Rowling auf Dauer doch zu seicht. Meine Lieblingslesewelten liegen irgendwo in der Mitte. Ich liebe mitreißend erzählte Geschichten in prächtig fabulierter Sprache, mal fein und zart, mal satt und saftig. Max Frisch ist so einer, der mich zu fesseln vermag, obwohl auch er keineswegs der linearen Erzählweise frönt. Michael Ende, Jane Austen oder Isabel Allende gehören ebenfalls zu meinen Favoriten. Die großen Geschichtenerzähler sind es, die mich am meisten in ihren Bann schlagen, denn ich liebe es, in eine Geschichte einzutauchen und mich auf den Schwingen der Phantasie davontragen zu lassen. Und wenn mich dann auch noch die Sprache begeistert, in der diese Geschichte erzählt wird, ist mein Glück vollkommen.