Stimmung: Heiter
Musik: Sarah McLachlan - Full of Grace
Der Mann, den ich liebe, verändert mein Leben. Jahrelang war ich ein eingefleischter Fernsehmuffel, doch in letzter Zeit hat mein Liebster mich mit einem hoch ansteckenden Serienvirus infiziert. Es handelt sich um den House-Diagnostik-Virus aus der Familie der Krankenhaus-Serien. Schuld daran ist ohne Zweifel die Angewohnheit meines Freundes, sich seine Lieblingsserien auf DVD zu bestellen. Dadurch war er in der Lage, mich schon früh einer hochkonzentrierten Dosis des Krankheitserregers auszusetzen. Der Beginn der Infektion verlief dennoch schleichend. Mein Immunsystem hielt erstaunlich lange stand und es herrschte ein Gleichgewicht der Kräfte, das nur donnerstags zu sichtbaren Symptomen führte - dann nämlich, wenn "Dr. House" werbefrei im ORF gesendet wurde.
Dass die Krankheit sich unbemerkt ausgebreitet hatte, bemerkte ich erst, als ich mich dabei ertappte, nach einer verpassten Folge dem darauf folgenden Dienstag entgegenzufiebern, um das Versäumte auf RTL nachzuholen. Der endgültige Zusammenbruch erfolgte am vergangenen Wochenende. Offenbar geschwächt von vorangegangenen Konflikten und einem Ansturm sorgenvoller Gedanken streckte mein Immunsystem gänzlich die Waffen und ergab sich. Ich schnappte mir die gesammelten DVDs der 3. Staffel, die mein Liebster in heimtückischer Absicht in München zurückgelassen hatte, und knallte mich vor den Fernseher. Die Krankheitsdauer umfasste das gesamte Wochenende und die beiden sich anschließenden Feierabende. Danach war die Staffel-Box zu Ende und meine Sorgen hatten sich in Luft aufgelöst. Das letzte Mal, als ich mich einem derartigen DVD-Marathon hingegeben hatte, hatte ich mir immerhin gerade die drei Extended Editions des "Herrn der Ringe" gekauft. Mit einer Fernsehserie war mir das bis jetzt noch nie passiert.
Vermutlich hat "Dr. House" eine geradezu kathartische Wirkung auf mich. Den ganzen lieben, langen Tag über bin ich freundlich, diplomatisch, unterstützend und einfühlsam (oder versuche es zumindest), versetze mich in die Perspektive meines Gegenübers und bemühe mich, dessen Irrungen und innerseelische Verwicklungen auf sanfte Art zu entwirren. Da ist es unheimlich entspannend, am Abend einem Arzt zu begegnen, der sarkastisch, zynisch und bärbeißig ist, alle ihm nahestehenden Menschen bedenkenlos vor den Kopf stößt und seine Patienten durch und durch respektlos behandelt. Natürlich schadet es nicht, dass er außerdem hochintelligent, gebildet, musikalisch, gutaussehend und ein brillanter Diagnostiker ist. Jedenfalls hat er mir am vergangenen Wochenende, als alle anderen Hilfsmittel versagten, schnell und effektiv geholfen, abzuschalten und das Gedankenkarussell in meinem Kopf zum Stillstand zu bringen. Danke, House!