Sternentanz

28.03.2010 um 14:45 Uhr

Tränen gelacht

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Vergnügt
Musik: Johannes Brams - Violinkonzert in D-Dur, op. 77 - 1. Allegro non troppo

 (c) jutta rotter/pixelio

Wieder mal meine Schwester (alles natürlich völlig aus dem Zusammenhang gerissen):

"Ich reihe in diesem Teil meiner Geschichte nicht nur ein erotisches Erlebnis ans andere. Dazwischen gibt es immer wieder Dialoge, zum Beispiel reden die beiden über Bücher."
"Ja, klar, wie man das halt so macht: 'Der Sex war toll, Schatz. Was hältst du eigentlich von Goethes Werther?' (...) Genug gefickt. Jetzt: Literatur!"

Ich hätte mich fast verschluckt vor Lachen. 

22.01.2010 um 19:33 Uhr

Schwulst

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Noch immer vergnügt
Musik: Barbra Streisand - The Way He Makes Me Feel


(c) S. Hofschlaeger/pixelio

"Was schreibst du da eigentlich die ganze Zeit? Ein psychologisches Fachbuch?" - "Nein." - "Aha. Also Schwulst. Wohl wieder so 'ne Räuberposse."

Man muss dazu wissen, dass ich in jungen Jahren, so mit Anfang Zwanzig, mal den Rohentwurf einer herzerwärmenden Geschichte über ein junges Mädchen und einen Räuberhauptmann verfasst habe. Die Handlung spielte irgendwann im 17. Jahrhundert in den französischen Wäldern und dürfte, wie ich gestern gelernt habe, wohl dem Genre der Nackenbeißer zuzuordnen sein. Von diesen wiederum hat meine Schwester in jungen Jahren eine Menge konsumiert, so dass sie weiß, wovon sie redet.

Der oben erwähnte Dialog war Auftakt für einen heiteren Abend, in dessen Verlauf ich mehrfach Tränen lachte. Es gibt niemanden, der mich so zum Kichern bringen kann wie mein Schwesterlein.

23.05.2009 um 23:22 Uhr

Kinderreicher Samstag

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Glücklich
Musik: Sportfreunde Stiller - Ein Kompliment

 (c) Echino/pixelio

Kinderbesuch in München. Rolltreppen und Fahrkartenautomaten. Rätsel und Spiele im Museum . Leuchtende Kinderaugen. Jubelrufe. "Bruno, es war toll mit dir." Knöpfe drücken. Blitzschnell reagieren. Nessies Triumphgesang. Wettrennen der Tiere. Spielen mit Paula, Äsop und Knut. Ein improvisiertes Football-Match zu dritt. Überschwängliche Zuneigung und Zärtlichkeit. Der indonesische Buddha im Räumungsverkauf. "Wann hast du denn mal wieder frei?" Stürmische Küsse zum Abschied. Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.

Ach, es ist herrlich, Tante zu sein!

29.12.2007 um 10:41 Uhr

Familienglück

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Froh und dankbar
Musik: Mary Black - Fields of Gold


(c) creativeraven/pixelio

Was ist das nur für ein Glück, in so einer wundervolle Familie hineingeboren worden zu sein! Ich mag sie alle so sehr - meine Mutter, meinen Vater und meine beiden Schwestern. Die Weihnachtstage im Kreise meiner Lieben waren so wohlig, warm und wonnig, wie man es sich nur wünschen kann. Natürlich haben wir alle unsere Ecken und Kanten, und gerade die letzten Jahre waren oft geprägt von schwerwiegenden Konflikten. Und doch ändert das überhaupt nichts an der Liebe, die ich für sie empfinde, und an der Geborgenheit, die sie mir schenken. Das Verhältnis zu meinen Eltern ist liebevoll und entspannt. Ich stehe auf eigenen Füßen, lebe mein eigenes Leben, fühle mich frei und unabhängig - und freue mich jedes Mal, wenn ich sie sehe. Besonders innig und vertraut ist die Beziehung zu meiner jüngsten Schwester. Ich habe sie einfach unbändig lieb und fühle mich ihr sehr nahe. Es ist schön, dass sie ganz in meiner Nähe wohnt, wir uns regelmäßig sehen und ich so rege Anteil nehmen kann an dem, was sie beschäftigt und bewegt. Zu meiner anderen Schwester besteht seit einigen Jahren eine größere Distanz, da sie mit ihrer Familie ihr eigenes Leben lebt und wir uns nur selten sehen oder hören. Auch ist mir manches von dem, was sie durchlebt und durchlitten hat und wie sie heute die Welt betrachtet, fremd. Dennoch spüre ich bei jeder unserer Begegnungen eine liebevolle Verbundenheit, der auch schwierige Zeiten und familiäre Konflikte nichts anhaben konnten und die mich froh und dankbar macht.

20.10.2007 um 23:55 Uhr

Ungeordnete Verhältnisse

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Leise Sehnsucht
Musik: Herbert Grönemeyer - Mensch

 (c) EmmaN/pixelio

Heute Morgen habe ich mir ein Programm aus dem Internet heruntergeladen, mit dem man Genogramme erstellen kann. Spaßeshalber habe ich mich einmal an meiner eigenen Familie versucht und mir damit bewusst gemacht, aus was für komplexen Familienverhältnissen ich stamme. Zwar bin ich selbst in einer rundum geordneten, harmonischen Familie aufgewachsen, doch in der Generation meiner Großeltern war allerhand geboten: Scheidung, Adoption, kindliche Todesfälle, Seitensprünge, uneheliche Kinder und zerbrochene Familien. Es fasziniert mich, mir vorzustellen, welche Dramen sich im Leben meiner Ahnen abgespielt haben mögen, und ich empfinde es als ungemein anrührend, mich in dieses Netzwerk menschlicher Schicksale eingesponnen zu sehen, verwoben und verbunden mit den Geschichten jener, die vor mir da waren.

20.01.2007 um 23:30 Uhr

Sangeskunst und Kinderlachen

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Glücklich
Musik: Mary Black - Both Sides The Tweed

 (c) Uwe Steinbrich/pixelio.de

Gestern Abend war ich bei einem Vortrag, den meine Schwester in unserem Frauenprojekt gehalten hat. Genau genommen war es gar kein richtiger Vortrag, sondern eine intensive Entdeckungsreise durch das Reich des Atems und der Stimme. Ich habe mein Schwesterchen zum ersten Mal in einem solchen Rahmen erlebt (auch für sie war es eine Premiere) und war einfach nur begeistert, mit welcher Leichtigkeit sie den Abend aus dem Ärmel schüttelte. Sie hat eine große Begabung, sich zu präsentieren, ihr Wissen in amüsante und ansprechende Worte zu kleiden und dem Ganzen durch ihr schauspielerisches Talent das nötige Feuer zu verleihen. Davon abgesehen genoss ich es sehr, meinen Atem und meine Stimme auf die von ihr angeleitete Art und Weise zu erkunden. Und was die Präsentation vor Publikum angeht, kann ich von ihr noch eine Menge lernen!

Überhaupt hatten wir beide ein paar sehr schöne Tage. Bedingt durch den Sturm verbrachten wir den ganzen Donnerstagabend in liebevoller Muße miteinander - und ähnlich war es am Freitag. Unsere langen, vertrauten Gespräche ließen mich wieder einmal deutlich spüren, wie sehr ich sie liebe und wie sehr mir ihr Glück am Herzen liegt.

Heute morgen fuhren wir gemeinsam zu meinen Eltern, wo auch schon die Kinder unserer anderen Schwester auf uns warteten. Der heutige Tag verging zwischen Legosteinen und Prinzessinnenkleidern und ich freute mich sehr über die Begeisterung, mit der mein kleiner Neffe mir seinen neuen Basketball vorführte. Ansonsten ist ja eher meine Schwester die über alles geliebte Spiele-Tante - ich für meinen Teil halte beim Spielen nie so lange durch -, doch völlig unabhängig davon, wie sehr ich selbst in das Geschehen involviert bin, genieße ich es jedes Mal sehr, die Kinder um mich zu haben. Und außerdem finde ich bei meiner Mutter fast immer irgendein Buch, in das ich mich interessiert vertiefen kann. Diesmal waren es zwei Bücher über ayurvedische Ernährung.

03.12.2006 um 22:10 Uhr

Wouldn't It Be Loverly

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Glücklich und dankbar
Musik: Patty Griffin - Icicles

Am Freitag hatte ich endlich einmal wieder Gelegenheit, meine Schwester und ihren besten Freund bei einem ihrer Auftritte zu erleben. Ich liebe es so sehr, die beiden singen zu hören! Ihre Stimmen harmonieren wunderbar miteinander und zu ihrem Repertoire gehören so viele Lieder, die ich mag: "Come What May" und "Someone To Watch Over Me", "Somewhere" und "I Could Have Danced All Night", "Angels" und "Into The West". Doch sie singen diese Lieder nicht einfach nur, sie interpretieren sie, schwelgen in Harmonien, improvisieren und lassen jede Note aus dem Augenblick heraus neu entstehen. Die Musik, die sie gemeinsam ins Leben rufen, berührt mich ungemein. Versunken und versonnen saß ich da, manchmal mit geschlossenen Augen und über weite Strecken mit einem entrückten Lächeln auf dem Gesicht, und ließ mich einhüllen von diesem wundervollen Gesang. Auch im Publikum gab es begeisterte Stimmen - und das obwohl die Rahmenbedingungen für die beiden alles andere als einfach waren. Ach, es ist ein Jammer, dass meine Schwester sich gegen eine Karriere im Rampenlicht entschieden hat! Ich kann ihre Beweggründe zwar nur zu gut verstehen und bestens nachvollziehen. Und dennoch bedauere ich es zutiefst, sie nicht öfter auf der Bühne sehen zu können. Für mich sind das jedesmal Sternstunden.

18.11.2006 um 19:20 Uhr

Kindertag

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Fröhlich
Musik: Barbra Streisand - Kiss Me In The Rain

In den letzten Monaten hatte ich kaum Gelegenheit, meine kleine Nichte und meinen Neffen an den Wochenenden zu sehen, weil ich ständig alles mögliche um die Ohren hatte oder andere Verabredungen dazwischen kamen. Heute aber waren die beiden da und ich durfte ein paar wunderschöne Stunden mit ihnen verleben. Obwohl sie sehr an meiner kleinen Schwester hängen, die sie regelmäßig bei meinen Eltern sehen und die mit ihrer kreativen Fantasie und ihrem unglaublichen Erfindungsreichtum eine hinreißende Kinder-Animateurin ist, verteilte sich ihre Aufmerksamkeit zwischen uns diesmal recht gleichmäßig. Wir besuchten den Spielplatz, spielten Fußball und Basketball, erkundeten verborgene Pfade, entdeckten einen Weidenbaum, an dessen Zweigen zwischen verdorrten Blättern junge Kätzchen sprossen, verputzten Pfannkuchen mit Apfelkompott, spielten mit der uralten Puppe meiner Kindertage, die noch immer in meinem Kleiderschrank lebt, schauten uns Videoclips auf YouTube an, jagten uns gegenseitig mit Lego-Figuren übers Parkett und lauschten gemeinsam der Geschichte von der Schönen und dem Biest. Es ist jedes Mal schön mit den Kindern - und wenn sie fort sind, breitet sich in meiner Wohnung wieder eine himmlische Ruhe aus.

16.11.2006 um 00:01 Uhr

Heilig bis zur Schmerzgrenze

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Aufgebracht

Meine Mutter hat eine Freundin, die kurz vor der Erleuchtung steht. (Oder hat sie die gar schon hinter sich? Ich bringe das immer so leicht durcheinander.) Jedenfalls verbringt sie seit rund zwanzig Jahren den größten Teil ihrer Zeit damit, zu beten und zu meditieren, Energiearbeit zu leisten und sich der geistigen Heilung zu widmen. Seit gut 15 Jahren ist sie zudem eine glühende Anhängerin von Sathya Sai Baba und oft in Indien anzutreffen. Sie glaubt fest daran, dass Sai Baba eine Inkarnation Gottes ist, und sieht sich im Besitz der absoluten, unumstößlichen Wahrheit. Wie so viele Menschen in der Guru- und Esoterikszene predigt sie besonders gern von der Liebe - der reinen, allumfassenden Liebe selbstverständlich, die sich mit solchem Kleinkram wie persönlichen Beziehungen nicht mehr lange aufhält.

Meine Mutter hatte sie nach langer Zeit mal wieder zu sich eingeladen - wie immer zu einem üppigen Mahl und ausgiebigem Geplauder. Als nun das Gespräch auf die Krankheit kam, die meiner Mutter im vergangenen Sommer so zugesetzt hatte, da besaß diese Frau doch glatt die Dreistigkeit, meiner Mutter zu sagen, dass sie krank geworden sei, weil "das Licht" sich infolge ihrer emotionalen Verstrickungen aus ihr zurückgezogen habe. Wenn ich so etwas höre, geht mir auf der Stelle der Hut hoch. Ich empfinde diese Aussage als lieblos, anmaßend und unverschämt. Ganz abgesehen davon, dass ich sie inhaltlich für hanebüchenen Unsinn halte, ist sie weder hilfreich, noch notwendig. Meine Mutter hat im Sommer schon genug gelitten. Wem ist damit gedient, ihr jetzt auch noch den schwarzen Peter zuzuschieben und die Krankheit quasi als eine Strafe Gottes für spirituelles Fehlverhalten darzustellen? Und das von einer, die für sich beansprucht, im Geiste der Liebe zu sprechen!

Natürlich ist mir klar, dass diese Frau das ohne jede böse Absicht gesagt hat. Sie glaubt fest an das, was sie verkündet, und richtet ihr gesamtes Leben danach aus. Wahrscheinlich war sie sogar überzeugt davon, meiner Mutter durch das Aussprechen dieser hehren Wahrheit etwas Gutes zu tun. Das ändert in meinen Augen jedoch nichts an der Lieblosigkeit ihres Verhaltens. Offenbar hat sie den Kontakt zur fühlenden Wirklichkeit menschlicher Herzen völlig verloren. Zum Glück ist meine Mutter mittlerweile schon wieder gefestigt genug, sich von solchen Worten nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Aber ich weiß, dass Sätze wie diese sich als Giftpfeile erweisen können, deren verheerende Wirkung sich erst im nachhinein entfaltet - besonders gerne in jenen Momenten, in denen wir durch Kummer und Sorge geschwächt sind. Meine Mutter und ich haben vorhin lange über dieses Thema geredet und ich hoffe sehr, dass ich sie mit meinen Ansichten stärken und dem schleichenden Gift etwas entgegensetzen konnte.

Göttin, was bin ich froh, dass ich dieser Art der Spiritualität schon vor vielen, vielen Jahren den Rücken gekehrt habe! Ohne Zweifel war das eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

26.09.2006 um 20:31 Uhr

So entstehen Missverständnisse

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Erotisch
Musik: Mary Black - Moments

Eben hat mich meine Schwester wegen der grünen Kiste angesprochen, die ich alle vierzehn Tage kommen lasse. Sie dachte, ich hätte ein Problem damit, dass ich die Kiste bezahle, sie das darin enthaltene Obst und Gemüse aber mitverwendet. Ursache für diese Annahme war, dass ich bei unserem Kurzurlaub in Franzensbad wohl eine Bemerkung fallen gelassen habe, in der ich diesen Sachverhalt erwähnte und noch ergänzend hinzufügte, dass meine Schwester manchmal Freunde einlädt und dann für alle kocht. Sie nahm nun an, ich hätte das gesagt, weil es mich stört, dass sie quasi auf meine Kosten Leute einlädt. Für mich war es aber nur ein Beispiel dafür, dass ich es als selbstverständlich betrachte, dass ihre Freunde bei uns mitessen und jederzeit herzlich willkommen sind. Ich wollte damit gerade den Gegensatz betonen zwischen ihrer Einstellung, die ganz genau zwischen ihren und meinen Freunden unterscheidet und alle Dinge in dieser Wohnung nach "mein" und "dein" differenziert, und der meinen, die sehr viel stärker in Kategorien von "wir" und "unser" denkt. Natürlich sind es ihre Freunde, aber wenn sie hierher kommen, dann sind sie eben auch meine Gäste und ich freue mich, wenn sie sich wohlfühlen.

12.08.2006 um 11:16 Uhr

Heilquellen und Herzensräume

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Verschlafen
Musik: Das leise, gleichmäßige Ticken der Uhr

Seit einer Woche habe ich Urlaub. Die ersten drei Tage verbrachte ich mit meinen beiden Schwestern in Franzensbad zu einem kleinen Wellnessaufenthalt. Es war seit Jahren das erste Mal, das wir wieder zu dritt etwas unternommen haben, und angesichts der Tatsache, dass unsere Beziehungen während der letzten beiden Jahre immer wieder von Konflikten geprägt waren, erschien uns dieses Unterfangen durchaus abenteuerlich. Doch ich habe es in vollen Zügen genossen und mich wunderbar erholt. Zwischen Massagen, Saunabesuchen, Badevergnügungen, Spaziergängen und geruhsamen Nickerchen blieb uns genügend Zeit für intensive Gespräche. Wieder einmal erhielt ich einen noch tieferen Einblick in das derzeitige Leben und die Seelenregungen meiner jüngeren Schwester und auch meine Zuneigung zur jüngsten ist nach wie vor wach und lebendig. Ich fühle mich ihnen beiden sehr verbunden, und das obwohl ich sie in den nächsten Wochen wohl kaum sehen werde. Mein Liebster nimmt gerade mit Abstand den größten Raum in meinem Leben ein und daneben bleibt wenig Platz für andere Dinge. Das ist gut und richtig so und doch finde ich es manchmal schade, dass meine Herzenswelten gerade so merkwürdig voneinander getrennt sind und sich kaum Überschneidungen und Schnittmengen dazwischen ergeben wollen.

15.07.2006 um 00:37 Uhr

Viel Glück und viel Segen

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Träumerisch

Mein Schwesterchen hatte Geburtstag. Als sie heute Abend aus S. zurückkam, wo sie einmal in der Woche arbeitet, bereitete ich ihr einen herzlichen Empfang mit Blumen, Geschenken und einem Meer aus Teelichtern. Wir überlegten, noch essen zu gehen, doch sie hatte in der Nacht zuvor recht wenig geschlafen und mochte sich nicht mehr dazu aufraffen. Also entschieden wir uns spontan für Salat und Früchtejoghurt, grünen Tee und Wein und improvisierten auf diese Weise ein schmackhaftes Geburtstagsmenü. Später befragten wir das I Ging nach einem Orakelspruch für ihr kommendes Lebensjahr und zu meiner Überraschung gab es eine Antwort, die hervorragend zur Situation der nächsten Monate passte und uns beide zuversichtlich stimmte, dass wir diese "interessanten Zeiten" gut überstehen werden. Wir plauderten noch gemütlich über Gegenwart und Zukunft, über gefühltes und reales Alter, die Marotten unserer Eltern, das Ticken der biologischen Uhr und die fehlende Notwendigkeit, um jeden Preis Kinder zu bekommen. Es war ein schönes Gespräch und ich freue mich, dass wir auch am Wochenende noch Gelegenheit haben werden, Zeit miteinander zu verbringen.

12.07.2006 um 00:39 Uhr

Zwiespalt

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Hin und her gerissen

Zwei Seelen wohnen, ach!, in meiner Brust. Die eine ist meine Schwesternseele, die andere die der Geliebten. Seit gestern ist es offiziell: Mein Liebster wird in acht Tagen zu mir kommen und dann voraussichtlich den größten Teil des Sommers hier verbringen. Nach all den Wochen des Sehnens und Wartens freue ich mich natürlich riesig, ihn bald wieder in die Arme schließen zu dürfen, und die Aussicht auf eine längere Zeit des Miteinanders bedeutet mir sehr viel. Doch alles hat seinen Preis und es gibt einen Wermutstropfen in diesem heiteren Glück: Meine Schwester, die ein Zimmer bei mir hat, wird sich in den kommenden Wochen wohl wieder verstärkt zu meinen Eltern zurückziehen. Es ist ihr einfach zu eng, wenn drei Menschen sich in unserer Wohnung drängen, und sie fühlt sich unbehaglich, wenn mein Freund längere Zeit da ist. Ich kann es ihr nicht verdenken. Auch ich wäre sicher nicht begeistert, wenn sie wochenlang eine dritte Person bei uns einquartieren würde - obgleich ich mehr Gefallen an gemeinschaftlichem Miteinander finde als sie. Doch unsere Wohnung ist nicht allzu groß und es gibt kaum Möglichkeiten, sich aus dem Weg zu gehen. Die Räume sind ziemlich hellhörig, so dass es schwer ist, sich wirklich zurückzuziehen.

Nun wäre das alles kein allzu großes Problem, wenn die Dinge so lägen wie immer. Meine Schwester war in all den Monaten meist nur zwei oder drei Tage in der Woche in München, fühlte sich hier nie wirklich heimisch und kam fast nur her, wenn sie berufliche Verpflichtungen hatte. Doch in letzter Zeit gerät einiges bei ihr in Bewegung. Heute Abend sagte sie mir, dass sie zum ersten Mal, seit wir beide in dieser Wohnung wohnen, wirklich Lust hätte, auch einmal für längere Zeit hier zu sein, und ihr gerade sehr nach einem gemeinsamen "Schwesternsommer" wäre. Auch ich spüre die große Harmonie, die zwischen uns beiden herrscht, und freue mich sehr darüber. Doch der Besuch meines Freundes lässt sich nun einmal nicht verschieben (abgesehen davon, dass ich das auch auf keinen Fall wollen würde).

Da stehe ich nun mit meinen beiden Seelen. Ich stecke nicht wirklich in einem Entscheidungsdilemma, denn die Entscheidung ist klar: Da ich so wenig Gelegenheit habe, meinen Liebsten zu sehen, sind mir die Tage, an denen wir zusammensein können, natürlich besonders kostbar und ich will nicht darauf verzichten. Das versteht meine Schwester und sie hat nicht einen Augenblick deswegen gemurrt oder mir Vorhaltungen gemacht. Eine nachhaltige Trübung unseres positiven Verhältnisses ist derzeit nicht zu befürchten. Aber leicht ist es nicht für sie, das spüre ich ganz deutlich. Es tut mir so leid, dass ich sie quasi jedes Mal, wenn mein Liebster zu Besuch komme, aus unserer Wohnung verjage, und obwohl ihr einsiedlerisches, eigenbrötlerisches Wesen sicher seinen Teil dazu beiträgt, fällt es mir doch jedes Mal schwer, mit dieser Zwickmühle konfrontiert zu werden.

Nun hoffe ich natürlich, dass ich nicht vollends zwischen Schwarz und Weiß wählen muss, dass sich Lösungen finden lassen und es Kompromisse geben wird, mit denen alles Beteiligten gut leben können. Allerdings ist mir klar, dass das nicht einfach wird.

11.06.2006 um 21:23 Uhr

Leid lässt sich nicht teilen

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Bedrückt, aber ruhig und gefasst

Den größten Teil dieses Wochenendes habe ich bei meinen Eltern verbracht. Meine Mutter ist krank. Sie ist zwar nicht bettlägrig, aber zermürbt von schlimmen Schmerzen und niederschmetternden Aussichten. Meine jüngste Schwester war seit Mittwoch bei ihr und auch mein Vater steht ihr nach Kräften bei. Ich wollte bei ihnen sein, sie begleiten und unterstützen, so gut ich konnte. Leider gibt es kein Rezept für solche Situationen. Da sein, reden, zuhören, ihr tatkräftig zur Seite stehen und sie immer wieder in den Arm nehmen - das ist alles, was wir im Moment für sie tun können. Es ist schwer, das Leid eines geliebten Menschen so hautnah mitzuerleben, aber wir alle fühlten uns getragen von einem starken Gefühl der Verbundenheit und tiefer Zuneigung.

Am Samstag sprach ich auch noch lange mit meiner Schwester. Dabei wurde mir wieder einmal bewusst, wie groß unser menschliches Bedürfnis ist, das Unfassbare zu erklären und damit auch zu kontrollieren. Doch ich glaube längst nicht mehr daran, dass alle Krankheiten eine seelische Ursache haben, selbst wenn Zusammenhänge mit Konflikten und Belastungen zuweilen auffällig sind. Ich glaube nicht, dass wir krank werden, weil wir etwas lernen sollen - auch wenn ich niemals ausschließen würde, dass Krankheiten uns Tore öffnen können, die uns in gesundem Zustand womöglich verschlossen geblieben wären. Wir werden krank, weil Krankheiten ein Teil des Lebens sind, weil es Viren, Bakterien, Zellwucherungen und Verfallserscheinungen - manche harmlos, manche grausam - nun einmal gibt. Und wenn es uns trifft, dann schadet die Frage "Warum ich?" oft mehr, als sie nützt. Die einzige Frage, die uns vielleicht weiterhelfen kann, ist: "Was nun?"

27.05.2006 um 22:06 Uhr

Tantenfrohsinn

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Heiter mit nachdenklichen Einschlüssen

Nach meinem Einkauf heute war ich noch bei meinen Eltern, wo gerade auch die beiden Kleinen zu Besuch waren. Meine kleine Nichte beschloss, mir einen ausgiebigen Tantennachmittag zu bescheren, hängte sich an mich wie eine Klette, war unglaublich verschmust und schleppte mich voller Begeisterung von einem Spiel zum nächsten. Ich durfte feststellen, dass ich eine absolute Niete bin, wenn es darum geht, einen Frosch aus Knetmasse zu modellieren, meine Technik bei der Kissenschlacht sich aber durchaus bewährt. Es war ein höchst vergnüglicher Nachmittag und ich habe ihn sehr genossen.

25.05.2006 um 23:22 Uhr

Zwei Frauen auf der Insel

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Wohlig müde

Der heutige Tag bescherte mir einen Besuch mit meiner Schwester auf der Fraueninsel. Der Himmel zeigte sich bedeckt, doch die Insel ist bei jedem Wetter schön. In den Gärten grünte und blühte es, die mächtige, uralte Linde zeigte sich in neuem Kleid und die Luft war frisch und klar vom Regen. Das Marzipan aus dem Klosterladen schmeckte köstlich wie eh und je und auch die Bienenwachskerzen dufteten sehr vertraut. Wir schlenderten, vertieft in eine nahe, liebevolle Unterhaltung, über die Pfade und Wege der Insel, erfreuten uns an den blühenden Blumen, Bäumen und Sträuchern und erneuerten Schwesternbande. Gegen Abend lud mich H. zum Essen in die "Linde" ein. Es war ein verspätetes Geburtstagsgeschenk, an dem wir beide unsere Freude hatten. Ich selbst hatte mit meinem Geschenk für sie kürzlich ebenfalls goldrichtig gelegen und so stellten wir zufrieden fest, dass wir trotz unserer seltenen Kontakte immer noch einen verlässlichen Draht zueinander haben. Sie lebt ihr Leben seit einigen Jahren mit größerem Abstand zu ihrer Herkunftsfamilie, aber nichtsdestotrotz wird die Schwesternmagie sofort wieder lebendig, wenn wir uns sehen. Schön ist das!

12.05.2006 um 20:54 Uhr

Schwestern

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Zärtlich und liebevoll

Eben habe ich fast eine Stunde lang mit meiner Schwester telefoniert. Nicht mit der "kleinen" Schwester, mit der ich zusammenwohne, sondern mit der mittleren von uns dreien, die ich nur selten sehe. Sie lebt ihr eigenes Leben und das füllt sie ganz und gar aus. Mehr noch: Es macht sie glücklich. Ihre Worte waren durchdrungen von einer tiefen Lebendigkeit und einem Strahlen, das ich so schon lange nicht mehr an ihr erlebt hatte. Denn noch vor einem halben Jahr schien ihre Welt in Scherben zu liegen. Ihr Herz war wund und müde von all den Belastungen, die auf sie einstürzten, und sie hatte kaum noch die nötige Energie, den nächsten Tag zu überstehen. Doch sie hatte den Mut, sich diesem Verwandlungsprozess zu stellen und ihn aus eigener Kraft zu meistern. Gerne gebe ich zu, dass ich mich mit meiner Einschätzung ihrer damaligen Situation offenbar geirrt habe. Ich bewundere sie für den Weg, den sie gegangen ist, und gönne ihr die reiche Ernte, die sie gerade einbringen darf, von ganzem Herzen.

Ursprünglich wollten wir uns morgen Abend treffen, doch leider ist kurzfristig etwas dazwischengekommen und so werden nun wohl noch ein oder zwei Wochen ins Land gehen, ehe wir uns wiedersehen. Ich freue mich schon sehr darauf.

25.12.2005 um 21:40 Uhr

Weihnachtsimpressionen

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Froh und müde
Musik: Im Nebenzimmer verfolgen meine Eltern eine Oper ("Der Liebestrank" von Donizetti)

Heilig Abend hätte kaum schöner sein können. Die Wohnung festlich geschmückt. Die Stimmung entspannt und heiter. Lauter Menschen, die ich liebe, in einem Raum versammelt. Der Duft von Tannenzweigen und Bienenwachskerzen. Meine Schwester serviert ein köstliches Weihnachtsmenü mit einem geradezu dionysischen Nachtisch. Später widmen wir uns mit unerschütterlicher Hingabe der Interpretation traditioneller Weihnachtslieder, obwohl deren Klavierbegleitung in einer unsäglichen Tonhöhe notiert ist. Wir dürfen uns zwischen Bass und Koloratursopran entscheiden. Als wir schließlich alle heiser sind, gibt es Geschenke. Meine Schwester schafft es, mich in den drei Sätzen ihrer Weihnachtskarte dreimal auf liebenswürdige Weise darauf aufmerksam zu machen, dass sie es sehr begrüßen würde, mich weniger oft am PC zu sehen. Ich muss grinsen, als ich das Päckchen öffne und ein Schreibset darin vorfinde. Und noch mehr, als sie kurze Zeit später selbst am Rechner sitzt, um mit Feuereifer die Computerspiele auszuprobieren, die sie meinem Vater geschenkt hat. Zwei Bücher von Cambra M. Skade entführen mich aus der christlichen Symbolwelt in den wilden, weiblichen Raum. Und ein nächtliches Telefonat hüllt mich warm und zärtlich ein. Wundervolle Weihnacht!

Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass das Zuflussrohr am Spülbecken ein Leck hat. Mein Vater widmet sich den weihnachtlichen Klempnerarbeiten mit viel Geduld, doch ohne großen Erfolg, während meiner Schwester, die nur noch ayurvedische Kost gewöhnt ist, die selbst kreiierten Schokonocken mit Birnenkompott vom Vorabend schwer im Magen liegen. Wir wechseln den Standort und fahren alle gemeinsam ins Haus meiner Eltern. Der Rest des Tages vergeht recht geruhsam und unspektakulär. Raclette statt Rehbraten, weil mein Schwesterchen in Sachen Verdauung noch nicht wieder ganz auf der Höhe ist. Ich langweile mich ein bisschen und wundere mich darüber, was für einen Unterschied es für mich macht, ob wir alle hier oder dort sind. Schaffe es aber trotz Langeweile nicht, mich dazu durchzuringen, am ersten Weihnachtsfeiertag etwas für meine Doktorarbeit zu tun. Lieber nehme ich noch ein wohlig-warmes Bad und verewige meine Weihnachtsimpressionen in einem Weblogeintrag. Ich bin eben unverbesserlich.

15.12.2005 um 10:50 Uhr

Zwei mal drei ist vier

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Müde, aber froh
Musik: Joan Baez - Birmingham Sunday

Gestern hatte meine Schwester einen Auftritt bei der nachmittäglichen Weihnachtsfeier einer Kinderklinik - und zum ersten Mal seit Monaten konnte ich mal wieder dabei sein und sie live erleben. Sie spielte "Weihnachten mit Pippi Langstrumpf", sang und hopste herum und war einfach hinreißend. Die Kinder machten begeistert mit, korrigierten Pippis Textfehler bei den Weihnachtsliedern und jubelten, als sie zum Zwecke der Glättung ihres Plätzchenteiges mit Schuhen darauf herumsprang. (M. erzählte mir nach der Vorstellung, dass sie diesen Part völlig spontan improvisiert habe, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der vorbereitete Salz-Mehl-Teig wegen der Kälte zu hart war, um ihn mit dem Nudelholz zu bearbeiten.) Es hat so viel Spaß gemacht, sie mal wieder in ihrem Element zu erleben!

Meine Eltern ließen sich dieses Ereignis natürlich auch nicht entgehen und zur Feier des Tages wollten wir danach noch etwas essen gehen. Allerdings hatten wir Pech: In der Vorweihnachtszeit darf man an sowas nicht mal denken. Die beiden Gaststätten, die wir mit knurrenden Mägen aufsuchten, waren proppenvoll und es gab nicht einmal eine Aussicht auf einen freiwerdenden Tisch. Weihnachtsfeiern allenthalben. Also kehrten wir zu unserer Wohnung zurück und meine Mutter zauberte aus den noch im Kühlschrank vorhandenen Essensresten ein köstliches Süppchen und ein paar überbackene Toasts, die uns satt, wohlig und zufrieden machten. Das nenne ich kochen können!

Nachdem meine Eltern sich wieder verabschiedet hatten, klang der Abend aus mit einem langen, schönen Telefonat und der Erkenntnis, dass es überhaupt nicht genügt, wenn zwei Menschen dieselbe vernünftige Einsicht haben, solange sie beide unvernünftig genug sind, alle guten Vorsätze sofort in den Wind zu schlagen, wenn es darauf ankommt. Wie um alles in der Welt soll ich nur in den kommenden Wochen die Disziplin aufbringen, mich den kargen Mondlandschaften meiner Doktorarbeit zu widmen, wenn ich doch so viel lieber durch den Regenwald tanzen würde?

01.12.2005 um 00:13 Uhr

Kinderbesuch

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Angefüllt mit tausend Gefühlen

Heute und morgen sind mein fünfjähriger Neffe und meine vierjährige Nichte bei meiner Schwester und mir zu Besuch und wir stürzen uns kopfüber in das Vergnügen, Tante zu sein. Der heutige Abend war wunderschön und voller Leben. Wir bauten gemeinsam einen kleinen Schneemann, der nun, geschmückt mit Schal, Mütze und Kürbisnase, in unserem kleinen Garten steht und uns vergnügt anlacht, wenn wir aus dem Fenster schauen. Später spielten die beiden Kegeln auf dem Wohnzimmerparkett, kugelten sich vor Lachen und bekamen ganz heiße Ohren vor Aufregung. Außerdem packten wir einige uralte Zaubertricks aus, die schon uns damals beeindruckt hatten, als wir noch Kinder waren. Kennt ihr "Hänsel und Gretel ha'm Teller zerbrochen"? Es ist ein derart lächerlicher Trick, dass es mir schon fast peinlich war, die Kinder damit zu foppen. Man klebt sich ein Stückchen Papier auf die Nägel der Zeigefinger und trommelt dann mit diesen auf dem Tischrand herum, während man sein Sprüchlein aufsagt:

Hänsel und Gretel ha'm Teller zerbrochen
Hänsel fliegt fort, Gretel die auch
Hänsel kommt wieder, Gretel die auch

Bei "Hänsel bzw. Gretel fliegt fort" schnellen die Hände nach oben und wenn sie wieder auf dem Tisch landen, ist es nicht mehr der papierbestückte Zeigefinger, der sich zeigt, sondern der leere Mittelfinger. Wenn die beiden zurückkommen, nimmt man den umgekehrten Weg. Wie gesagt: Ein banaler Trick, aber die Kinder waren völlig hin und weg. Und ich hätte mich wegschmeißen können vor Lachen, als sie anfingen, in unseren Kragen, hinter den Ohren oder hinter dem Stuhl nach dem verschwundenen Hänsel und der verschwundenen Gretel zu suchen. Genau dasselbe haben wir als Kinder damals auch gemacht! Und ich weiß noch, was für ein großer Tag es für mich war, als ich endlich den Trick durchschaut hatte.

Der Abend klang mit einem langen Einschlafritual aus: Geschichten vorlesen, Märchen erzählen und schließlich zwei todmüde Kinder, die sich mit Händen und Füßen dagegen wehren einzuschlafen, in den Schlaf zu wiegen. Ich saß am Bett der beiden, hielt zwei kleine Hände in den meinen und summte eine einfache Melodie, die mir in diesem Moment spontan eingefallen war. Unermüdlich wiederholte ich die schlichte Tonfolge, bis den beiden Süßen die Augen zufielen und sie endlich friedlich schlummerten. Nun werde ich auch bald ins Bett gehen, denn morgen geht es weiter!