Paris, Paris...

17.12.2009 um 06:34 Uhr

Unruhen in den Pariser Vorstädten...

von: jeary

Begründet durch die Feststellung, daß Freitag Morgen halb sieben nicht allzu viele Leute online sind, bei denen ich meine vorweihnachtliche Hibbeligkeit loswerden könnte (welche Überraschung...) und durch einen Kommentar meines Sprachlehrers zum Thema "Unruhen in den Banlieu", der wie "jaja, in Montreuil ging damals die Post ab" klang, habe ich mich heute mal ein wenig auf die Suche begeben. Nur ein wenig, weil ich so viel Zeit nun auch nicht mehr habe, aber ich habe da einen Spiegelartikel gefunden...

 Spiegel: Randalierer zünden in Frankreich 300 Autos an

Der stammt noch dazu aus diesem Jahr. Man vergesse alles, was ich über ruhige, viel zu teure Pariser Vororte gesagt habe. Das hier ist das Ghetto! :silly: 

Ehm... naja... zur Verteidigung: Bei uns gab's nur Tränengas, in St. Denis wird geschossen. ;) 

.oO(WG-Zimmer-Räumung für spätestens Anfang Juli planen...)

 

J.-

11.12.2009 um 12:03 Uhr

Szenen in der Métro... (3)

von: jeary

Ziemlich spät aus der Kletterhalle gekommen, müde, genug Menschen unterwegs, um nach einem Sitzplatz zumindest suchen zu müssen. Umsteigen in "Nation", ein leichtes Vibrieren in der rechten Magenhälfte zeigt an, daß die 1 augenscheinlich schon im Anflug ist, also Sprint.1 Kurz nach dem Warnsignal Sprung in die Bahn2, hinter mir Tür zu, erstmal durchatmen und wieder gerade hinstellen. Ich guck also das erste Mal gerade aus und sehe mich einer Gruppe von knapp zehn jungen Männern in Armeekluft gegenüber, alle mit der Maschinenpistole unter'm Arm. Huch! Einer kann sich angesichts meiner Kulleraugen das Grinsen nicht verkneifen, fängt aber einen bösen Blick von jemandem, den ich dann mal instinktiv in der Befehlskette höher einsortiere. 

Positiver Punkt: Im Umkreis dieser kleinen Gruppe gibt es Sitzplätze ohne Ende. Also die Sitzplätze, die sie nicht blockieren, weil sie da rumstehen - dürfen die sich nicht hinsetzen oder können sie es nicht?

Negativer Punkt: Die Menschen, die trotzdem im Umkreis sitzen, erscheinen ungemein nervös. Also über das Pariser Maß hinaus nervös. Mmh. Musik lauter, Augen zu, who cares? Obwohl ich mir angesichts der immer wieder auf die MGs huschenden Blicke meines Sitznachbarn das Grinsen meist nicht verkneifen kann.
(Und ich selbst rede mir die ganze Zeit ein, daß die Dinger sicherlich gesichert sind und ein ruckartiges Anfahren der Métro nicht zu einem Unglück führen kann... ;))

Vermutlich ein Trupp der armen Menschen, die sich tagtäglich auf den Bahnhöfen komisch angucken lassen müssen auf dem Weg in die Heimat - ich hab da irgendeine Basis in der Nachbarschaft.

 

J.-

 

1 Ja, ich weiß, ich mache mich gerne über die Leute lustig, die zu einer Bahn sprinten, wenn doch vier Minuten später die nächste kommt - gestresste Großstädter und so. Da sich abends diese Zeiten allerdings bis zu unglaublichen acht Minuten Wartezeiten ausdehnen können und ich kein Buch in der Tasche hatte...

2 Man lernt es mit der Zeit. Reinhopsen nach dem Warnsignal, rausspringen bevor die Bahn wirklich steht - das alles möglichst, ohne sich zu verletzten. Die ersten Fälle zumeist getriggert durch einen beherzten Schubs des ungeduldigen Franzosen hinter mir. 

 

02.12.2009 um 11:27 Uhr

Szenen in der Métro... (2)

von: jeary

Nicht direkt in der Bahn selbst, aber in einem der unterirdischen Gänge, die einen angeblich zur nächsten Bahn führen sollen. (Ich vermute eine Form verkehrter Optimierung: Wie kann ich die Gänge auf engstem Raum umeinander legen, um effektiv die längsten möglichen Wege zu erreichen...)

Donnerstag, letzte Woche, Rückweg von der Kletterhalle. Am Umsteigepunkt Stalingrad ist ein nicht gerade breiter Gang komplett von einer Menschentraube verstopft. Mittendrin Mann, Mitte 30, mit einem schreienden Mädchen, vielleicht fünf/sechs Jahre alt, an der Hand. Herbe Diskussion ringsrum, öfter mal "Appelez la police!" dazwischen. 

Ich stehe nicht wirklich auf die Stehenbleib-Und-Guck-Gewohnheit, deshalb versuche ich vorwärts zu kommen. Das gestaltet sich aber nicht allzu einfach, weil ich mit diesem Wunsch ziemlich allein dastehe, deshalb komme ich nicht umhin, mitzubekommen, was abgeht. 

 Der Mann, tendenziell arabischer Abstammung (was in diesem Viertel von Paris mehr als normal ist), hat die Kleine mehr oder weniger über den Gang geschleift. Sie hat sich gewehrt, wie sie konnte und die ganze Zeit "Nein" und um Hilfe geschrien. Das hat die Aufmerksamkeit der Vorbeigehenden erweckt, die ihn aufgehalten haben und zur Rede stellten.
Es wurde mehrfach ringsrum davon gesprochen, daß er keine Papiere für die Kleene hätte (Hier ließ mich mein Französisch ein wenig im Stich - gibt es in Frankreich Papiere für Kleinkinder? Ich mein, es gibt doch nicht mal eine Meldepflicht...), was er damit begründete, daß er nicht ihr Vater, sondern ihr Onkel wäre.

Soweit habe ich die Szene mitbekommen. Wie sie ausgegangen ist, weiß ich nicht, da ich irgendwann doch erfolgreich war, mich aus der Menschenmenge zu befreien, um zur nächsten Bahn zu kommen. In diesem Fall nicht aus Desinteresse, sondern eher aus Unwillen, mich dem Schaulustigentum anzuschließen.

 

Das ist nun einige Tage her und ich weiß immer noch nicht, was ich davon halten soll.

Einerseits finde ich es gut, daß reagiert wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob in Deutschland wirklich jemand auch nur hochgucken würde, wenn ein Kind durch die Gegend gezerrt wird. In dem Moment, wo behauptet wird: "Hey, das ist meine Nichte, schwierige Phase, wissen sie ja... ich muß sie nur noch nach hause kriegen und dann kommt sie ins Bett." - ich glaube, da wird man in Deutschland ziemlich schnell in Ruhe gelassen, oder? Gerade in Großstädten.
Ich möchte die Deutschen an dieser Stelle nicht schlechter machen, als sie sind. Aber so wie ich das Verhalten gerade Kindern gegenüber bisher erlebt habe... nun ja... ich weiß es nicht.

Andererseits wird mir immer etwas unwohl, wenn ich einen Bürger nichteuropäischer Abstammung sehe, der von einer Gruppe eindeutig Weißer irgendeiner Untat beschuldigt wird, wie es in diesem Moment der Fall war. Mir stellt sich die Frage, ob genauso reagiert würde, wenn ein blütenweißer Mann, vielleicht noch im Anzug, ein kleines blondes Mädchen hinter sich herzieht, vielleicht noch ringsrum um Entschuldigung bittet für die Störung, sehr höflich, sehr korrekt...? Ich habe einfach das Gefühl, daß dann weniger Leute irgendetwas anstößiges vermuten würden. 

Im Endeffekt... scheißegal, ob es ihr Onkel war oder nicht - ich finde es gut, daß reagiert wurde. Dann kommt er eine Stunde später nach hause, wegen dem Ärgernis, daß noch die Polizeit gerufen und die Personalien aufgenommen werden mußten. Ob nun Schwarzer oder Weißer, wenn dadurch ein Kind weniger verschleppt und mißbraucht wird - was soll's.
Solange man sicher gehen kann, daß diese Kontrolle sich wirklich auf das Mädchen an seiner Seite und nicht auf seine Hautfarbe bezieht...

 

J.-

29.11.2009 um 11:15 Uhr

Mein erstes Mal... (1)

von: jeary

... in Unterwäsche in der Sauna

Ich habe es getan! Nach wochenlangem Ringen habe ich mir nun doch ein Abonnement in einer der hiesigen Kletterhallen geholt. 220 Euro, vier Monate. Da denkt der Magdeburger Kletterer, der zuvor 10 Euro je Semester überwiesen und dann viermal die Woche in der Halle aufgeschlagen ist, etwas genauer drüber nach. Schlußendlich siegte aber die Sucht.

Bisheriger Erkenntnisstand: Richtige Entscheidung. Ich habe das Abo seit Dienstag und habe etwa ein Viertel der Eintritte weg, die ich brauche, damit sich die Karte gelohnt hat. Soweit zum Finanziellen. Interessanter ist allerdings das... ehm... wie nennen... nennen wir es psychologische Komponente?
Ich habe mich in den letzten Monaten hier nicht recht wieder erkannt, insbesondere im Umgang mit Menschen. Ich bin verschlossen, ängstlich und sehe zu, daß ich möglichst nicht in Situationen komme, die in irgendeiner Form schwierig werden könnten. Achso und schwierig ist alles, was mit Verträgen, genau zu verstehenden Gesprächen und Sprache eigentlich allgemein zu tun hat. Man könnte auch sagen, ich buddel' mich ein, um bloß keine Fehler zu machen. (Diese Beschreibung ist im Rahmen der schriftstellerischen Freiheit überzogen, ich gehe natürlich zur Uni, rede dort drei Worte mit den Leuten (hauptsächlich mit den Spaniern) und ich verlasse auch hin und wieder mein Zimmer, um in die Küche zu huschen und mir was zu essen zu holen. *zwinker*).
Der Kontrast dazu: Anett in Kletterhalle. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, daß dort Leute rumspringen, die genauso krank im Kopf sind wie ich (darauf stehen, sich an Nylonseile zu hängen...) oder daß die Anfangsthemen einer Konversation ziemlich zahlenlastig sind (Wie lange kletterst Du? Welcher Grad? Wie oft die Woche willst Du kommen?) und damit gut zu händeln. Ich habe keine Ahnung - aber dort glaubt mir jedenfalls keiner so richtig, daß ich schüchtern sein kann.
Und ich bin irgendwie wieder mehr ich selbst. Also.... auch in der Uni. Den armen Pablo hab ich Freitag in der Mittagspause dermaßen zugequatscht... *lach* in drei Sprachen, je nachdem, was mir gerade einfiel.

Achso, ich sollte wenigstens noch den Bezug zur Überschrift hinkriegen, was?

In der Halle gibt es jedenfalls auch eine Sauna. Ich wurde Gott sei Dank vorgewarnt, daß es in Frankreich eventuell nicht so ganz normal ist, da nackelig reinzugehen. Wer hätte gedacht, daß die hier so schamig sind? Ich habe mich dann bemüht, die entsprechenden Informationen irgendwo zu beziehen, aber meine Ansprechpartner für französische Kultur (Kommilitoninnen, Sprachlehrer) sind leider soweit Anteil der französischen Kultur, daß sie noch nie eine Sauna von innen gesehen habe. Und meine Kletterpartner sind Kerls und als solche eher dafür, daß ich mich nicht der französischen Art und Weise anpasse.
Endgültigen Aufschluß brachte dann Nachfragen in der Umkleidekabine - also Badeanzug. (Meine Badehose ist nicht auffindbar, sollte jemand meiner bisherigen Besucher etwas selbiges in seinem Gepäck gefunden haben: In einen Briefumschlag und her damit!)

Damit hätten wir dann schon mal den ersten Punkt, der mir an der französischen Saunakultur nicht so wirklich gefällt. Es stünde mir wahrscheinlich frei, die Kleidung einfach wegzulassen, aber irgendwie... ist es dann schon komisch. Zudem bin ich nicht sicher, ob sich nicht doch irgendwer belästigt fühlen könnte, wenn das nicht üblich ist. Auf jeden Fall habe ich das Bedürfnis, mir für jeden Saunagang einen neuen Satz Klamotten mitzunehmen, weil es einfach ieh ist, wieder in das naß geschwitzte Zeug reinzukriechen.

Punkt 2: Ich hab mich erstmal gewundert, weil ich auf den ersten Blick keinen Ruheraum gefunden habe. Nicht mein Fehler, es gibt keinen. Der Franzose geht für zehn Minuten in die Sauna, geht kalt duschen, fühlt seine Wasserflasche auf und geht mitsamt der Wasserflasche wieder rein in den Schwitzraum. Dementsprechend werden die Saunagänge immer kürzer und der Franzose im Allgemeinen immer taumeliger.
Die Alternative ist, sich in der Ruhepause in der Umkleide aufzuhalten. Aber Entspannung ist das natürlich nicht, weil dort, je nach Tageszeit, immer Gewusel ist, mal mehr und mal weniger. Außerdem wirkt es etwas seltsam, wenn man da nur rumsitzt. Ich glooob ja, die dachten, ich guck mir nur Frauen an da. Das nächste Mal muß ich mir ein Buch mitnehmen, ist unauffälliger. ;) Auf jeden Fall hab ich nicht vor, mich an die französische Art und Weise anzupassen. Ich hab's die ersten zwei Durchgänge versucht, weil mein Kletterpartner da noch mit da war, aber das hat mich mal nur fertig gemacht, kreislauftechnisch - und Entspannung ist es dann wirklich nicht mehr.

Punkt 3: Hygiene. Die gleichen Franzosen, die sich unten in der Halle nach jedem Weg die Hände desinfizieren (hier ist gerade so eine Ohne-Wasser-Desinfektionscreme total hip, wegen Grippe A), gehen in ihrer brackigen Badehose in die Sauna, ohne Handtuch, und schwitzen so munter vor sich hin. "Kein Schweiß auf's Holz" gibt's hier also nicht. So ein Grippevirus macht ja auch vor der Saunatüre halt. (Mag wirklich so sein, von wegen der Temperaturen, die da drin herrschen, keine Ahnung, aber ich find's ekelig.)

Punkt 4: Was ich so um mich rum mitgekriegt habe, bei den jungen Männern, ist Sauna hier noch ein Wettkampf. Also nicht Entspannung nach dem Klettern, sondern weiter Sport: "Wer am längsten durchhält...". Nun ja, männliches Ego. Betrifft mich nicht direkt, kann mir also egal sein, solange sie nicht vor meinen Augen zusammenbrechen und ich sie rausschleifen muß.


Zusammengefaßt trifft mich eigentlch nur Punkt 2 wirklich. An Punkt 1 werd ich mich gewöhnen müssen, die anderen beiden... naja, ich hab mein Handtuch dabei und gut, und mein Ego braucht keine Saunabestätigung. (Die hol ich mir - hoffentlich - unten in der Halle. Für meine Entspannungsphasen werd ich noch eine Lösung finden. Ich brauche Minimum zehn Minuten Ruhe zwischendurch und die könnte man mit einem Buch schon in der Umkleide rumkriegen, wenn's nicht zu voll ist. Perfekt wäre natürlich ein Bademantel und zwischendurch Kletterer gucken gehen, aber ich schätze, da komm ich mir dann auch komisch vor, wenn ich die einzige bin, die's macht. 

 

J.-

P.S.: Artikel wird wahrscheinlich mit einiger Verspätung veröffentlicht, weil ich noch Photos nachreichen will... 

P.P.S.: Planänderung. Da ich heute nicht wirklich motiviert bin, noch in die Halle zu fahren, gibt's den Artikel heute, Photos werden nachgereicht. Ich danke für Ihr Verständnis. ;)

 

22.11.2009 um 18:42 Uhr

Huch...

von: jeary

Musik: Skunk Anansie - Intellectualise My Blackness

Ehm... ups... ja, hallo erstmal an alle, ich lebe übrigens noch. ;)

Nachdem mein erster Blogeintrag einem Systemabsturz zum Opfer gefallen ist (fragt mich nicht...), jetzt nochmal. Nummer 1 war nicht groß interessant, mehr die Aussage, daß ich nichts zu sagen habe. Zur Frustkompensation bin ich dann nochmal ein Stücke rausgegangen, mit dem festen Vorsatz, ein paar Bilderchen aus Vincennes mitzubringen... nun ja, solange der fast leere Akku mitgemacht hat, habe ich das auch umgesetzt. 

   

 

Ich habe versucht, einfach so mal ein wenig in der Gegend rumzuknipsen. Die Straße oben kann man schon als typisch beschreiben, denke ich. (Bestätigen können das bisher nur C. und die Eltern...) Kleine Häuschen, kleine Bäumchen und dazwischen eine Einbahnstraße.

Zum Ende des Akkus bin ich noch auf dem Friedhof gelandet. Ich war in Deutschland nicht auf vielen Friedhöfen, aber das ganze Gewusel aus unterschiedlich großen und gestalteten Grabmälern erschien mir doch sehr fremd. Ist das bei uns auch noch üblich? 

(Gibt's jetzt Ärger mit der Ethikpolizei, weil ich auf einem Friedhof photographiert habe? Darf man das eigentlich?)

 

So viel erstmal als Lebenszeichen heute...

J.-