*OBACHT*
Dieser Eintrag ist seeeeehr lange. Richtig lange. Und böse ist er streckenweise auch, aber das erkennt man ja schon an der Kategorie. Vorab: Ich liebe das Kind wirklich! Ich verstehe sie nur nicht immer.....
Bevor das goldene Kind am Samstag zum Plätzchen backen kommt (AAAAAAH!!!), fehlt hier ja noch der Eintrag aus den Herbstferien, als sie uns mit einem Besuch beglückt hat.
Mal ganz davon ab, dass ich von den Freitagskindern erzählen wollte oder vom Knatsch im Verein, dass ich jetzt ein neues Auto fahren „darf“, weil es meine alte Mühle zerlegt hat, ich einen neuen Job habe, es meiner Mutter „relativ“ geht und die Miezen wachsen und wachsen und immer schöner und toller werden, die Seifenproduktion natürlich läuft (Homepage updaten!!!!), ich in Pullman City irre Fotos geschossen habe und die hier einstellen wollte und wir –wie immer im Dezember- zu mal grad gornix kommen. Ich liefere all das nach. Irgendwann. Ich sag nicht das Jahr.
Here weg go.
Das goldene Kind –ihre Hochvorzüglichkeit- Celine-Cathrine Anastasia Marie von und zu Bommel-Schlagenberger wollte ein paar Tage Herbstferien bei uns verbringen. Soweit so gut. Dem stehen aber ein paar Schwierigkeiten entgegen. Erstens können wir nur am Wochenende, da arbeitende Bevölkerung und zweitens wird Celine in den Ferien verschifft. In den Oster- und Herbstferien Städteurlaub aka Bildungsurlaub (London, Paris, Mailand, New York und so weiter und so fort). Im Sommer ab ans Meer. Der Oberhammer war in diesem Sommer ein von ihr (!!!!!) ausgesuchter 5-Sterne-Club in Spanien, wo sie schon einmal waren und ausgerechnet dort wollte sie wieder hin, WEIL dort am Pool bedient wird und man sich die Getränke nicht selbst holen muss! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Dekadentes Biest. Von mir hat sie das nicht.
Das letzte Wochenende der Ferien, waren wir also dran. Freitagsabends waren wir mit dem Verein beim Griechen verabredet, da eine größere Feier anstand. Die Kleene untern Arm geklemmt und nix, wie hin da. Hatte ich mal erwähnt, dass sowohl sie, wie auch der Meinige „etwas“ unleidlich werden, wenn sie Hunger haben? Nein? Ich könnte sie erschlagen. Alle beide. Und natürlich hatten beide Hunger. Großen Hunger!
Wir also erst einmal einen großen Vorspeisenteller bestellt, damits an der Stelle schon losgeht und bitte etwas Ruhe ist! Sie saß zwischen mir und dem Meinigen, weil die „Dorfkinder“ sie nicht leiden können. Okay, sie ist eine Prinzessin, sie ist dekadent, zickig, eigenwillig, rechthaberisch und schnell bockig, aber die Dorfkinder benutzen ihren Verstand nur über die Eltern. Wenn die „Spring!“ rufen, plärren die Kids „Wie hoch?“. Da herrscht noch Zucht und Anstand und es wird gemacht, was die Eltern sagen. Auch wenn es das Streichen des Balkongeländers von außen ist, obwohl man Höhenangst hat. Die kuschen. Punkt. Ich weiß nicht, was ich besser finden soll oder darf. Anderes Thema…
Wir drei an dem Vorspeisenteller rumgeknabbert. Stimmt nicht: Das goldene Kind, mit offenem Mund voran darüber hergefallen. Wir beiden Großen, ein wenig mitgegabelt. Aber, kleines Beispiel gefällig? Sie: „Oh, gefüllte Weinblätter, die mag ich!“ halbiert eine und verfrachtet sie in den Mund. Ich: „Die esse ich auch super gerne!“ und möchte die andere Hälfte aufpicken und futtern. Da hatte ich aber nicht mit der Geschwindigkeit von ihr gerechnet, sie stopft sich die eine Hälfte rein UHUND presst die zweite Ganze (Und somit letzte!) gerade noch dazu. Mund obervoll, ich sprachlos. Kann die mal mit mir teilen? Der Teller war für alle da und soooo viel Vegetarisches fand sich da jetzt nicht. Hab ich was gesagt? Nein. Ich hab da keinen Erziehungsauftrag. Ich fands trotzdem blöd, rechnete aber mit einem großen Hauptgang auf meiner Seite und liess sie fressen essen.
Den Hauptgang hat sie übrigens nicht ganz geschafft, weil sie die Vorspeisen bereits fast alleine inhaliert hatte. Dazu: Sie fragt, ob die Souvláki aus Rind wären? Sie esse nämlich kein Schwein, das sei eklig! (Das ist neu, ihr Leibgericht ist Schnitzel…Kein Kalbsschnitzel!) Nö, meint der Meinige, das wäre immer aus Schwein oder auch mal aus Lamm, aber man kann ja mal fragen. Tun wir auch bei der Bedienung, die bestätigt das Schwein, meine Nichte: „Nehm ich trotzdem!“ Hab ich was gesagt? Natürlich nicht. Das ist Kinderlogik, dagegen kommt man sowieso nicht an. Oder wie meinte eine Freundin neulich: Bei Kinder gibt es immer nur lose-lose Situationen. Oder aber auch: Diskutiere nie mit einer Vierjährigen. *feix*
Der Rest des Abends verlief unspektakulär, wir haben noch ein wenig gespielt und dann ging es ins Bett. Zusammen spielen ist wichtig. Wird daheim nicht so viel gemacht. Da wird zusammen gepaukt, bis die Rübe qualmt. Mindestens (!!!!) vier Stunden am Tag. Ergo freut es sie, wenn man sich mit ihr hinhockt und sich mit ihr beschäftigt, ohne Stress und schon gar nicht, nur sie alleine und ihr Gameboy (Heißt das noch so? Keine Ahnung.). Sie bringt auch immer schöne Spiele mit, die sie geschenkt bekommt und trifft die Selektion nach: Kann man gut bescheißen, kann man schlecht bescheißen. Die Wahl zwischen: Da kann Pelegrina gewinnen, dort kann Pelegrina nicht gewinnen, hat sie hoffentlich ad acta gelegt. Der Beste gewinnt, finito. Und das bin meistens ich. Ebenfalls finito. Lasse ich sie absichtlich gewinnen? Nö. Das Leben ist hart und grausam. Tzaja…. Freitagsabends möchte der Meinige noch so gerne Kniffel spielen, es findet sich aber kein Kniffelblock. Den wollen wir dann samstags besorgen, wir wollen sowieso shoppen gehen.
Samstag:
Der Meinige muss auf die Kegelbahn -Bundesligaspiel- womit Schützenhilfe seinerseits entfällt, ab jetzt bin ich auf mich alleine gestellt. Vorher ein *TUSCH*
*Sidekick*
Das mit dem shoppen gehen, war schon vorher geplant. Das Kind ist immer angezogen, wie eine rumänische Kartoffel-Bäuerin*. Blöde Klamotten, blöde Jacken, die Haare doof, die Schuhe doof. Wobei letzteres anstrengend ist, sie hat Schuhgröße 40/41, mit 12 Jahren! Find da mal g´scheite, schmale Kinderschuhe, die was hermachen. (Obwohl das geht, sie hat Freundinnen, die aussehen, wie Hannah Montana (JA, ich weiß, wer das ist, wir haben oft Kinder da! Args!). Topmodisch, bis ins letzte Detail und die Eltern müssen das ja auch irgendwo kaufen. Nüch?) Ergo, wollte ich sie bisl pimpen. Was süß ist, denn ausgerechnet ich, laufe eher cool als streng der Mode nach durch die Gegend. Wenn alle Welt plötzlich lila tragen muss, ist das für mich noch lange kein Signal, meinen kompletten Kleiderschrank neu zu füllen.
Das letzte Mal gesehen, hatte ich Celi an meinem Geburtstag und so langsam muss da mal etwas in die richtige Richtung geschehen. Abgeholt hat sie am Freitagmittag der Meinige, weil ich bis Abends arbeiten musste, wir hatten irgendeine dusselige Auswertung zu fahren, auch egal. Dann haben mich die Beiden eingesammelt und mir fiel erstmal die Kinnlade. Zum einen, geht sie mir mittlerweile bis knapp unters Kinn –wir erinnern uns, ich habe zarte 1,83 m- und dann trug sie einen todschicken halblangen Wollmantel (Auf Nachfrage: Aus Madrüd! Das ist eigentlich Madrid, aber sie hat die übliche näselnde Aussprache, der oberen Zehntausend), eine enge moderne Jeans und drüber schwarze hohe Reiterstiefel. Sah gut aus, sah top aus! Nur die Haare immer noch, wie eine Konfirmantin. Wir haben abends noch lange Haare bürsten geübt. Hat ihr scheinbar noch keiner gezeigt, wie das geht, ohne dass es ziept. Und da sie Haare bürsten hasst, konnte Super Pele wenigstens das mit dem Ziepen beenden. Ich, Held ich. *schulterpatt*
*Ich möchte hiermit keine kompletten Völker verunglimpfen. Eben jene Begrifflichkeit ist sozusagen historisch gewachsen und wenn ich mal ganz viel Zeit habe, denke ich mir etwas Neues aus, bis dahin muss das goldene Kind die Rumänin erdulden! Aber ich hoffe, es weiß wenigstens jeder, was und wie das gemeint ist.
*Sidekick ENDE*
Wir sind trotzdem shoppen gegangen. Auf dem Zettel:
-Kniffelblock
-2 Dosen Kokosnußmilch zum woken. (=> Ein Gericht in einem Wok zubereiten. Ein Wok ist eine große Pfanne. So in der Art. Naja, fast. Also, falls das hier ein Mann lesen sollte.)
Korrektur: Normale Menschen, sausen damit Eiskanäle runter. ;-)
-Klamotten schauen
-Einfach so, blöd rumbummeln
Haha, noch ein Sidekick
Fürs woken, haben wir die Kurze am Freitagabend zu Feinkost Albrecht geschleppt, bisl Gemüse besorgen, wohlwissend, dass wir es nicht zum Wochenmarkt schaffen werden, die bekommt man morgens nämlich nicht aus dem Bett! Und jetzt der Hammer: Sie war noch nie bei A*L*D*I. Noch nie! Wie geil ist das denn? Der Meinige und ich, haben uns beim Knabberzeuch geduckt und uns erstmal weggeworfen vor lachen, während sie mit großen Augen den Markt inspiziert hat. Anschließend hat sie mit meiner besseren Hälfte den Korb mit Chipsen und Flipsen gefüllt, sie könnte ja bei uns verhungern und daheim, gibt es den Krempel nicht. Wegen mir. Man lebt nur einmal.
Zurück zum Samstag und der Shoppingmeile. Wir einmal hoch- und runter geschlendert, was gefuttert und dann die einzelnen Läden unsicher gemacht. Zum Essen muss ich sagen, dass ich nach wie vor Angst habe, wenn sie neben mir mit Messern und Gabel hantiert. Die Fish und Chips von der Mordsee –in so einem wackeligem Papiertütchen- (Ausruf: „Cool, wie in London!“ Das mag ich nicht an ihr, oller Angeber!) hat sie sich wieder überall hin geschmiert und ich stand mit einem Stapel Servietten daneben und trug die Supervision darüber, dass sie nicht wieder alle Passanten im Umkreis von fünf Metern beschmiert. Wird das irgendwann besser?
Dann in so einen Kruschel-Laden (Cri-Cri, Nanu-Nana, Butlers, wie sie alle heißen). Was sucht sie sich aus? (Von ihrem Geld, wohl gemerkt) Einen Kugelschreiber, auf dem hinten –an einem Schnürchen- ein Boxhandschuh aus Plastik sitzt. Knopf drücken, Boxhandschuh fliegt. Das hat sie im Laden schon gefühlte vierhundert Mal gemacht und außerdem ist es wahrscheinlich, ihr vierhundertster idiotischer Kugelschreiber. Ihr Geld, nicht meines. Aber wer hat nach bezahlen und verlassen des Ladens das Ding im Gesicht, direkt neben dem Auge? Genau: Ich. Kurze Debatte, über sowas macht man nicht, Pele kann auch entschlossen! Ding weggepackt, Ruhe.
Weiter zum Klamotten shoppen. Wer auch immer ihr das letzte Outfit verpasst hat, SIE war das bestimmt nicht. Ganz scheußlicher Geschmack. Ich hätte ja was springen lassen, aber nicht die Sachen, die sie wollte, also weiter. In den Buchladen. Da konsternierte sie nach 10 Minuten, dass keine Bücher für sie da wären. Habe ich erst nicht verstanden, da standen etliche Meter Kinder- und Jugendliteratur. Die kenne sie alle. Jaja….
Noch ein wenig stöbern, dann hatte sie keine Lust mehr. Ab in die Spielwarenabteilung, eines großen Kaufhauses, Kniffelblock holen. Ich bin gerne bei den Spielwaren, dadurch erklären sich auch solche Sachen, wie Grillhähnchen aus Plüsch, die bei mir daheim rumfliegen. Da aber Mademoiselle schon die Lust verloren hatte, wurde sie bockig. „Naaaaaaaaaaaaain, kein Kniffelblock!“ Oh, doch. Der Meinige hat sich das gewünscht, das haben wir schon ewig nicht mehr gespielt und außerdem darf jeder Wünsche äußern, was das Spielen angeht. (Gründe, warum hier das Desaster anfing weiter unten. Höhö…..)
Hat jemand mal in letzter Zeit einen Kniffelblock gekauft? Nein? Die kosten ein Ver-mö-gen! Unglaublich. Auf den Schrecken nochmal bei den Puzzeln stöbern. Ich liebe puzzeln, sie eigentlich auch, aber wie gesagt, keinen Bock mehr. Nach etlichem Genörgel, das hier:
Sie: „Tanti, können wir nun endlich gehen?
Ich: Wer Tanti sagt, muss heimlaufen!
Sie, unsicherer Blick, traut sich nicht zu lachen, wird nervös. Sachma: Fällt die immer noch auf so einen Quatsch rein? Würde ich sie jemals laufen lassen? Obwohl...sie hat Tanti gesagt… NEIN, ich würde sie niemals laufen lassen. Mein Bruder würde dafür sorgen, dass sie Alcatraz wieder öffnen und ich im finstersten Keller die nächsten 30 Jahre mein Dasein friste. Bei Wasser und schimmeligen Brot. Drunter macht ders nicht!!!
Wir gehen. Bekommen unterwegs noch die Kokosmilch und fallen daheim erstmal auf die Couch. Sie auf ihre Bettcouch in der Bibliothek, die sie liebt und wo sie wahnsinnig gerne ist und ich schnorchel mich im Wohnzimmer ein Ründchen weg. Der Meinige kommt, ich fange an, Gemüse zu schnippeln.
„Was ist daaaaaaas?“
„Zucchini!“
Sie probiert einen kleinen Zippel und verschwindet damit im Wohnzimmer, wenig später holt sie sich noch einen Zippel und verschwindet wieder. Beim dritten Ma, hätte ihr es auf EINMAL die kleine rote Pfefferschote weggefressen. Jaja.
„Hast Du es ihm unter die Nase gehalten?“
„Ja.“
„Hat er zuerst dran geschnuppert?“
„Ja.“
„Und warum hast Du es dann nicht wieder weggenommen? Selbst dran schuld!“
*schweigen*
„Pelegrinaaaaaaaaaaa?“
„Hm?“
„Das schmeckt gut, aber sags nicht der Mam, sonst muss ich das daheim immer essen!“
„Em, Schatz, die Logik entgeht mir gerade. Wieso solltest Du daheim eben NICHT essen, was Dir schmeckt?“
„Weil ich dann nur noch Grünzeug bekomme!“
Aha….
Sie kennt nicht viele Gemüse, was mich wundert, fragt aber, was ich da so treibe und philosophiert so nebenbei, das sie immer beim BESTEN (war klar….) Lieferservice der Stadt Wokgerichte bestellen. Aha, sprich, sie hat noch nie gesehen, WIE das zubereitet wird. Aber natürlich haben sie immer nur die BESTEN Gerichte. Jaja, args. Das nervt nicht wenig. Der Meinige holt den Wok, der sie plättet. Noch nie bei A*L*D*I, noch nie einen Wok gesehen. Sie beäugt ihn, dann wieder meine Schnippeleien. Warum ich x verschiedene Schüsseln benutzen würde? Ich erkläre ihr die unterschiedlichen Garpunkte der Gemüse und wann ich sie zugebe, damit sie Biss behalten und nicht zermatschen. Das interessiert sie total. Deswegen, bekommt sie auch zu Weihnachten ein Kochbuch. Wurde schon mit Bücherfrau Jari abgestimmt. :o)
Anschließend beim essen überfrisst sie sich, aber das kennen wir ja. Küche sauber machen, kniffeln. Wieder Gemaule und dann nach zehn Minuten die simple Erkenntnis: „Üch, bün nücht der Typ für Glücksspül jedweder Art!“ Jaaaaa, sie redet wirklich so, ich nehms dann auch am Wochenende mal auf, glaubt mir ja keiner, der sie nie life erlebt hat. Erklärung: Promi-Papa, der etliche Rhetorik-Seminare heimgesucht hat, wegen Job und so. Leider spricht er nicht flüssiges, dialektfreies Deutsch, weil er sich so sehr konzentriert, das man denken könnte, hinter jedem Wort, sei ein Punkt. Da zieht er auch die Stimme immer etwas runter. Fürchterlich, aber er muss mir ja nicht vorlesen.
Zurück zum würfeln. Ich (Held, ich!) werfe in der ersten Runde einen Kniffel! Großer Jubel, passiert nicht oft, der Meinige gibt mir die High-Fife und beglückwünscht mich. Das Kind fällt vor Entsetzen fast in Ohnmacht und will SOFORT aufhören! Ist nicht. Drei Leute, drei Runden. Schade, aber so sind die Regeln. Ich gewinne haushoch, sie ist dunkelrot, vor Zorn. Bemerken wir das? Nö, wir sticheln noch schön: Das sie nur stänkert, weil sie nicht bescheißen kann, beim würfeln. Da wird sie aber sehr, sehr still, denn GE-NAU-SO isses.
Nächste Runde, wir spielen „Elfer raus“. Sie will wieder irgendwas anders haben, ICH lese laut die Spielregeln vor, weils Menne nicht kennt. „Aber daheim….. „, setzt sie an. Daheim, sage ich ihr, wird auch nach den Regeln gespielt, ich kenn doch meinen Bruder! Sie daraufhin:
„Jetzt mache ich Euch fertig!“
Wir zwei großen Bösen, zwinkern uns zu, in stillem Einverständnis, dass wir sie verlieren lassen. Wer das Spiel kennt, weiß, dass man da schön taktieren kann und die anderen verlieren lassen kann. Was auch der SINN des Spieles ist! Erste Runde: Sie verliert. Zweite Runde: Sie verliert. Dritte Runde: Sie gewinnt, hatte ein gutes Blatt und erklärt sich zum Sieger des gesamten Spiels. Öhm… nein. Ich rechne ihr vor, das sie insgesamt über dreißig Miese hat, der Meinige nur drei und ich vier. Tza, da hilft auch alles debattieren und rumbocken nicht. So sorry…
Das nächste Spiel, schickt uns auf die Bretter. Oder viel mehr sie! Es heißt „Das magische Labyrinth“. Das Prinzip ist (Bitte mal bei Amazonien schauen, da sieht man es gut) ein unterirdisches Labyrinth, wo man oben mit einem Holz-Zauberlehrling herumfährt und wenn man den Weg nicht kennt, plumpst unten die magnetische Kugel runter.
Am Anfang etwas tricky, wo sind die Wände? Ständig plumpst die Kugel, aber so nach und nach, wissen wir, wo es lang geht. Bis……..
……kurz vor Ende des Spiels, das Kind gleich am Anfang nicht mehr weiß, wo sie hin muss. Dazu zur Erklärung: Man muss immer zurück ins Häuschen, wenn man die Kugel verloren hat und da das am Anfang oft geschieht, weiß man sehr schnell, wo die Wände sind, weil man da die immer gleichen Wände "abfährt". Wonderwoman (Das spreche ich ihr aber schon länger ab!) weiß es nicht mehr!!! Nach dem dritten Zug!!!! Ich: Ich weiß es, ich weiß es!!!! Der Meinige: Ich ahauch, ich ahauch! Ob einer von uns Beiden, ihr helfen würde? Nö, sag ich. Der Meinige meint, dass es was kosten würde, wenn er es ausspuckt. Sie fragt wieviel? Er will zwei Euro. Und ich schnapp fast über. Die Kurze fetzt in den Flur, da steht ihre Tasche und kramt im Portemonnaie. Und ich muss den Meinigen doch mal ernsthaft fragen, was er da macht????? Er bezweifelt, dass sie ihm zwei Euro gibt. Sie tut es, er sagt ihr den Zug. Ja, spinn ich denn? Hallo?
*SchonwiedereinSidekick*
Wir diskutieren das noch ganz ruhig aus, als sie weg ist. War es okay oder nicht? Kann man sich einen Weg erkaufen? Ist das gut fürs Leben, so ans Ziel zu kommen? Die Diskussion endet offen, wir wissen es nicht. Tage später kommt aber ein Schrei aus dem Wohnzimmer:
„Das darf doch nicht wahr sein!“
Ich gehe nachschauen, was den Meinigen so erbost. Er hat sein Kleingeld-Glas in der Hand. Dort hinein verfrachtet er immer sein Kleingeld, damit das Portemonnaie nicht so dick ist, mag er nicht. Alle Nase lang, nimmt er etwas heraus, wenn er Karten spielen geht oder so etwas. Dort hin hat er auch –oben auf- die zwei Euro von Celi geschmissen, als die ihren komischen Deal gemacht haben, das hält er nun in der Hand. Was los sei, frage ich. Er hält mir das Geldstück unter die Nase und sagt, das seien keine Euro, das sei ein Fünf-Sloti-Stück! Und tatsächlich: Polengeld. Em, hallo? Ich ruf sie an und will wissen, ob sie uns mit Absicht beschissen hat.
Ich: Sag mal, Hase. Da haste uns aber betrogen oder?
Sie: Wiesooooooooo? (Ist das scheinheilig? Ich weiß es nicht….)
Ich: Weil das keine Euro waren, sondern ein Fünf-Sloti-Stück
Sie: Das war so in meinem Portemonnaie.
Eins-A oder? Nicht einmal gelogen, die Schnur um ihren Hals, hat sich nicht zugezogen und sie ist sauber raus. Denkt sie. Beim Plätzchen backen am Wochenende, wird das gewechselt. In Euros. Tantis betrügt man nicht. So sind die Regeln. Soll sie sehen, wie sie das los wird, aber an uns nicht. Möchte ich nicht.
*Ende des dreihundersten Sidekick*
Wir spielen noch ein wenig. Ich zeige ihr, wie sie ihre langen Haare kämmt, ohne sich die Kopfhaut runterzureißen. Ab ins Bett.
Sonntag:
Wir gehen auf den Flohmarkt. War sie so auch noch nicht, höchstens in der Schule, aber noch nie auf so einem hammer Großen, wie diesem. Und siehe da: Sie findet es uninteressant. Sie weiß nicht, wonach sie suchen soll. Ohne Auftrag eine gelangweilte Celine-Cathrine Anastasia Marie. Und das geht ja schonmal garnicht. Ich lasse so gaaaaaaanz nebenbei fallen, dass ich da und dort schon Plätzchendosen gesehen habe…….. Und *zorsch* geht die Suche los. Ich bin so doof. Ich bin so unendlich doof. Kopf=> Tisch. Was bin ich so doof.
Jedes Jahr, gibt es Knatsch, weil sie nur mit einer kleinen Plätzchendose anreist und dann mit Gewalt ZUVIELE Plätzchen reinquetscht. Und alle gehen kaputt. Und böses Tanti nimmt wieder eine Handvoll raus und Kind kreischt. Ihre Eltern wollen nicht, dass sie sich mit zu viel Zucker vollstopft, darum nur kleine Dose. SIE kann nicht teilen, darum das Gequetsche. Auf diesem Flohmarkt ersteht sie eine Dose, die so groß ist, dass drei Panzer darin im Kreis fahren können. Außerdem noch ein Buch, weil wir ewig an einem Bücherstand hängen bleiben. Ein Buch, das sie kauft, um MIR zu imponieren, das sie aber NIE und NIMMER lesen wird! Nie! Ich habe lange einen Band über flämische Maler der Renaissance in der Hand. Ein Steckenpferd von mir und nach meinem nächsten Banküberfall, kaufe ich mir einen schicken Jan van Eyck oder so. Hach, seufze ich herum, Doppel-Hach. SIE schnappt sich den Geschichtsband daneben und kauft ihn, ohne einmal reinzuschauen, nur um ihn mir unter die Nase zu halten: „Und das habe ich gekauft!“ Ich blättere ihn an, keine Bilder, nur Text und Schautafeln, außerdem ist sie mies in Geschichte, weil es sie nicht interessiert. Verstehe ich nicht, aber ihr Geld.
Danach pünktliches Abliefern bei dem Eltern und am Abend Nachgang mit ihrer Mutter, wie es so lief. Wir wären cool. Aha. Sind wir cool, frage ich den Meinigen? Nö, sagt der, lässig und entspannt, aber nicht cool. Doch, alles wäre cool gewesen, wir, die Spiele, das Essen, das shoppen, alles cool.
Und noch nicht richtig wieder entspannt, von diesem Intermezzo, taucht sie am Samstag zum Plätzchen backen auf. Auch das, werde ich wieder so minutiös hier festhalten, wie diesen Bericht. Mein Ziel: Ihr das in zwanzig Jahren zum Buch drucken lassen und ab diesem Zeitpunkt mit großen Geburtstags- und Weihnachtsgeschenken rechnen, ich werde nämlich damit drohen, es zu veröffentlichen. Soweit der Plan.