Plateforme

27.02.2009 um 23:44 Uhr

Bisexualität

von: Paulinchen   Kategorie: Erotik

Aus gegebenen Anlass mal wieder das Thema Sexualität, Bisexualität. Ich hab mich schon öfter zu dieser Thematik geäußert.

Für mich ist interessant, was bedeutet eigentlich bi? Ich kenne die normale Definition. Aber was heißt es denn nun wirklich? Ist man dann ständig auf der Suche nach beiderlei Geschlechts? Führt man zeitweise monogame Beziehungen mit einem Geschlecht? Oder ist immer die gleichgeschlechtliche Affäre nötig? Akzeptieren die Partner das, partizipieren sie womöglich davon? Sind wir nicht alle irgendwie ein bißchen „bi“? Kinsley hat das mal behauptet, wurde kritisiert.

Die Erfahrungen und Meinungen, die man im Netz findet, sind manigfaltig. Ich hab mal vor kurzem den Satz gehört: „Es ist keiner dauerhaft bi, irgendwann entscheidet man sich. Es gibt keine 75jährigen Bisexuellen.“ Hat m. E. Christian gesagt in „Nip/Tuck“. Ist es so? Oder gibt es die bisexuellen 75jährigen? Wie erfolgt dann die Entscheidung zur Homosexualität oder zur Heterosexualität?

Prominente Beispiele gibt es einige. Vor allem bei den Frauen, was ja dem Trend entspricht. Auch im Foren, Chats, Communitys wird man einige bisexuelle Frauen finden. Vielleicht gehen Frauen offener mit ihrer Sexualität um, vielleicht sind sie probierfreudiger. Es kann auch sein, dass sie ihren Männern einen Gefallen tun wollen; welcher träumt nicht vom „flotten Dreier“. Wobei das sicher auch einige Frauen gern hätten, mal zwei Männer.

Als prominentes Beispiel der Herren fällt mir spontan eigentlich nur Jürgen Domian ein. Und der hat mal gesagt, dass er feste Beziehungen vor allem mit Männern führt, mit Frauen eher ONS.

Was die Frage offen läßt, ist Mann oder Frau dann eher der Homosexualität geneigt?

Ich selbst habe schon einmal gesagt, dass ich dieses Schubladendenken nicht mag. Ich mag den Ausdruck „bi“ auch nicht. Vllt. weil es zu sehr dem Trend entspricht und Männer immer vor Freude jauchzen. Es verspricht ihnen ganz neue Erfahrungen. Vllt. auch, weil Männer sich so schwer tun, sich so zu bekennen. Sie sind immer hetero, auch wenn sie bei ihrer Partnerin das gerne hätten. Der Penisneid, wer hat den größeren. Und überhaupt würde ICH doch nie einen Mann anfassen oder mich anfassen lassen. Es gibt auch Frauen, die das sagen.

Dabei verspricht es ganz neue Erfahrungen. Frauen sind viel sensibler im Umgang mit Frauen, sie wissen einfach was sie wo und wie tun. Das müßte ja auch auf Männer zutreffen. Der Sex unterscheidet sich aber nicht so sehr, wie man vllt. glauben mag. Schließlich „kommt“ man immer an der gleichen Stelle oder so. Wer mag nicht oral befriedigt werden, von jemanden, der weiß, was er da tut? Oder mit den Fingern? Und Spielzeug gibt es ja auch noch, was man immer, nicht nur in gleichgeschlechtlichen Beziehungen oder für sich allein, einsetzen kann. Oder gibt es immer noch jemanden, der das so schlecht findet, der das überhaupt nicht will? Möglich, soll es geben. Es soll Frauen geben, die nicht auf Oralsex stehen und wohl auch Männer. Man sollte es probieren.

Die Erfahrung zeigt auch, dass gerade Frauen eher eine andere sexuell attraktiv findet, ohne überhaupt den Gedanken der gleichgeschlechtlichen Liebe zuzulassen. Männer finden Männer selten attraktiv, man könnte ja schwul sein. Und wer will das schon? Ja, wir haben heute nichts mehr gegen Schwule. Aber selbst will man es nicht sein, der Sohn soll es nicht sein, die Tochter nicht.

Im Grunde komme ich immer wieder zu der Erkenntnis, ich mag dieses Schubladendenken nicht. Ich mag diese Definitionen der sexuellen Orientierungen nicht. Jeder hat so seine eigene Sexualität für sich gefunden, weiß was ihm wo gefällt, wie er das auslebt oder auch nicht.Man muß auch nicht alles, was man sich mal so in Tagträumen ausmalt, wirklich ausprobieren. Manches wird man probieren, manches nicht, manches will man nicht probieren, manches sollte man, manches macht man nur einmal.

Interessant ist das Outing, egal in welche Richtung, immer für die Anderen. Es hat so den Ruch des Verbotenen. Noch immer. Mancher träumt insgeheim davon, es doch mal zu probieren und traut sich nicht, findet keine Gelegenheit. Was angesichts des WWW ja einfacher ist.

Was haben die Leute nur ohne das weltweite Netz getan, wie haben sie gelebt, wie haben sie ihre Partner kennengelernt, wie sind sie „fremdgegangen“? Es ging, man möge es kaum glauben.Und es gab sogar „früher“ Schwule, Bisxuelle, Fetischten, S/Mler etc. Ist alles keine Erfindung des Internets.

Das Fazit des Ganzen für mich ist: Sex ist einfach nur Sex und für jeden anders, ob nun mit gleichgeschlechtlichen oder anderen Partnern, zu dritt, zu viert, zu fünft, hart, nicht so hart, Blümchensex usw. Das mag jeder für sich und mit seinem Partner entscheiden.

http://www.blogigo.de/Plateform/Sexuelle-Orientierung/11/

27.02.2009 um 00:25 Uhr

Krankheit

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Nein, ich war nicht krank. Mein Internet war nur krank. Das ist aber heute wieder gesund, vorerst. Und wenn das Internet kränkelt, kränkelt die ganze Person. Allein der Gedanke, es geht nicht, macht krank. Es fällt einem genau dann soviel ein, was man hätte goggeln können, nachsehen, lesen etc. Wenn es denn wieder geht, fällt einem nichts mehr ein. Prima trotzdem, dass es wieder geht. Oder gerade deswegen. Schließlich fehlt es zum Schreiben, Mailen, Chatten und so ganz profan zum Rechnungen bezahlen. Worauf man getrost verzichten könnte oder so.

Woran lag es? Am Putzmarathon vom Wochenende. Merke: Putze nicht soviel, es kann nur Schaden anrichten.

Dieses „wir putzen dann mal Fenster“ artete wahrhaftig in einen Putzmarathon aus. Alles wurde umgemodelt, geputzt, abgewaschen, gewaschen. Zwei Tage nonstop. Das Ergebnis kann sich dann sehen lassen. Kurzfristig, nichts hält ewig. Der Nachteil am Putzen ist im Grunde sieht man anschließend nicht, was es für ein Aufwand war. Einmal dabei können Frauen wohl nicht wieder aufhören. Selbst die Nachbarn hatten ihre helle Freude an unserem Putzmarathon, Ausschütteln von Decken, Fensterputzen mit Handy-Fotoshooting. Es war schon lustig, für diese besonders. Und wieviel Müll man runter bringen kann? Wozu der Aufwand dienen sollte, ist mir bis heute nicht klar. Es war wohl der Spaß an der Sache und die Erkenntnis, man hat einfach zu viel Kram. Die Schränke singen noch immer ein Lied davon oder gerade wegen des Putzmarathons. Alles was nicht niet- und nagelfest war, aber dann doch dank der Ossi-Mentalität nicht in den Müll konnte, wurde vorerst im wahrsten Sinne des Wortes hineingworfen. Das Nächste dürfte dann ein Schrank-Aufräum-Marathon sein.

Und wie Nessi so klar bemerkte, hab ich immer noch zu viel Klamotten, obwohl ich doch im Sommer erst säckeweise ausgemistet habe. Na dann!

Das Ende vom Lied war, dass das Netz nicht mehr funktionierte. Die Computerecke wurde auch aufgeräumt, diese hatte es auch wirklich nötig. Keiner kann sich vorstellen, wie dreckig es in solchen Ecken sein kann. Brachte aber nur den Erfolg, dass am Rechner die Netzwerkkarte rausfiel, warum auch immer und erst mal nichts mehr ging (Netz).

Der Anlass des Ganzen war dann der Besuch Paulchen's mit Krankenschwester und Sozialtante. Ob die das bemerkt haben, darf bezweifelt werden. Wie auch! Wie es sich gehört, hat Frau für diesen Besuch Kuchen besorgt, den Tisch mit den kleinen Kaffeetassen (als Insider die Vögeltassen, Tassen mit Vogelmotiven) gedeckt. Und da es Rosenmontag war, wurden auch Pfannkuchen besorgt. Mit dem Schock des Tages: 7,80 Euro. Man hat wohl den ganzen Laden gekauft, es waren aber nur 3 Pfannkuchen und drei Morenköpfe. Preise!

Die Erkenntnis des Besuches: Wie kommen manche zu ihrem Job? Ist eine Frage, die nicht neu ist, die man sich immer mal wieder stellen kann. Lustig war das Ganze nicht, anregend oder aufregend auch nicht. Die Sozialpädagogin glänzte schon mir ihrer Aussage: „Haben Sie aber eine schöne Wohnung!“ Klischeedenken erster Güte. Außerdem wußte ich das, was nichts mit obigem Marathon zu tun hat. Dann fragte sie noch so nebenbei, ob sich das hier nicht schwer putzen läßt, wenn sie an das Glasteil der Schrankwand denkt (amerikanische Küche). Hab ich mir, ehrlich gesagt, noch nie Gedanken drüber gemacht. Ich putze das Teil, wenn es dreckig ist. Fertig.Ach ja und bewirten brauch ich sie doch eigentlich auch nicht. Das war's eigentlich. Die Unterhaltung war schleppend, Paulchen bestitt sie größtenteils, wobei das Gesagte der Sozialpädagogin nicht wirklich gefiel, lies es doch allerhand Kritik an der therapeutischen Arbeit zu.

Neue Erkenntnisse gab es für mich nicht. Ein Fazit wurde nicht gezogen. Warum die Damen die Wohnung nun besichtigt haben, ist mir bis heute schleierhaft.

Zum Ende packte ich Paulchen noch ein paar Beutel. Er nahm Lebensmittel, Tiefkühlkost etc. mit. Sonst schlepp ich diese Beutel ja hin. Die Damen betrachteten das auch alles genau. Mir wurde erst später von Paulchen gesagt, dass, als ich den Vorratsschrank öffnete, ein paar leere Flaschen umfielen. Da hatte man wohl Bedenken, ich würde ihm Alkohol mitgeben. Naja. War gar keiner drin, bis auf zwei Flaschen Köstritzer. Man gut, dass ich mir die Frage vergniffen hatte, ob er nicht auch eine Flasche Bier mitnehmen will. Spaß ist nicht angsagt.

Irgendwann im April ist dann der Besuch. Deswegen ja dieser ganze Aufwand und in der Folge wohl ca. einmal monatlich.

Am Samstag hat Paulchen Geburtstag (24), der nächste Besuch steht an. Das Internet geht auch wieder, war auch nicht wirklich schwer zu beheben. Glücklicherweise. Und mein Seelenzustand ist etwas besser.....


21.02.2009 um 02:06 Uhr

Beziehungen, Dicke Titten, Skat und Politik

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Hmh und nun sitz ich hier und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Nicht, dass ich das nicht schon seit Tagen vor hatte, aber weil ich halt nicht weiß, wo ich anfangen soll: Rechner aus und gut. Hat auch was Gutes für sich, schließlich sind so viele Menschen abhängig von diesem Ding. Heißt aber auf der anderen Seite nicht, dass es da so ein oder zwei Dinge gibt, über die Frau gerne mal näher geschrieben hätte. Die Gedanken kommen bekanntlich beim Schreiben. Das ist sowas wie Selbstpsychologie.

Beziehungen – das uralt Thema schlechthin. Mein Vater hat neulich, ich war auf seinem Geburtstag, den Ausspruch getätigt: Mit 40 fangen heute die Leute an, sich neu zu orientieren. Er hat ja vllt. Recht, keine Ahnung. Woran liegt es nun? Hat man dann früher länger ausgehalten? Das Thema gab es schon und klar hat man sich „früher“ nicht so schnell getrennt. Wer dachte in den Weltkriegen beispielsweise an Trennung? Da hatte man andere Sorgen. Aber überhaupt war die DDR das Scheidungsparadies. Es ging ja relativ schnell und kostete nicht die Welt. Selbst hinterher war man nicht unbedingt ärmer. Was ich vergass zu erwidern, meine Eltern trennten sich auch um ihren 40. Ist also doch nicht alles so ganz anders.

Es ist schon komisch, ich lag vorhin so auf meiner Couch, allein, der TV zeigte einen Horrorfilm, ich liebe Horrorfilme, allerdings war dieser nicht gerade horrormäßig. Egal. Und überhaupt dachte ich: Mein Gott, ist das nicht so was wie das wahre Glück? Du liegst hier, keiner stört, keiner will die Fernbedienung, keiner will irgendwas und überhaupt...

Den Vorgeschmack des Beziehungsknatsches hatte ich erst am Wochenende. Auch Frauen können zicken. Oder, so wird mir wohl mancher Mann jetzt zustimmen, nur Frauen können zicken. Das brauch ich in keiner Geschlechtsausführung, weder männlich noch weiblich. Im Grunde weiß sie das auch. Ich hab es eh bestenfalls ignoriert. Sie hat nicht Unrecht in vielen Dingen, das Thema ist auch uralt, damit habe ich mich schon dutzendfach auseinandergesetzt.

Wer kann schon über seinen Schatten springen? Ich habe das nie behauptet. Von mir schon gar nicht. Ich ändere mich im hohen Alter nicht mehr. Ich war und bin nie der Kuscheltyp gewesen. Ja, ja ich weiß, Frauen kuscheln gerne und sind soooooooo romantisch. Ich bin dann halt keine Frau. Basta.

Überhaupt das beste am Sex mit Ronald und Co. ist, dass sie nach dem Sex aufstehen und wieder gehen. Der Sex ist gut, die Unterhaltung auch und danach hat Frau ihre Ruhe. Ist natürlich vollkommen unweiblich. Ich weiß. Ändert aber rein gar nichts an meinem Empfinden.

Ronald selbst habe ich schon länger als 14 Tage nicht gesehen. Ich weiß gar nicht, was da los ist. Die Finanzkrise schlug zu, die Arbeit wackelt, der Betrieb arbeitet teilweise in Kurzarbeit. Kann sein, dass das der Grund ist. Aber vllt. liege ich auch vollkommen falsch. Vllt. hat ihm auch irgendwas nicht gepaßt. Männer sind genauso ein Buch mit 7 Siegeln wie Frauen.

Klar er hatte sich das letzte Mal Zeit genommen. Der Sex war gut, wie immer also.

Das einzige Andere war, dass das Telefon klingelte. Seines. Und wer dran war, kann man sich gut denken. Ich fand es irgendwie köstlich, als er ihr dann versicherte, er wäre noch auf der Autobahn. Ob sie das wirklich geglaubt hat, keine Ahnung. Gesagt hat sie wohl nichts im Nachhinein.

Lustig finde ich es schon, wenn Mann dann so von Ekstase auf ganz belangloses Telefonat mit Frauchen umstellen kann. Immer wieder bemerkenswert.

Will sagen, die große Suche, die mich wochenlang bewegte, hat sich verflüchtigt. Momentan bin ich wieder ganz Single und froh darüber.

Geändert hat sich aber eines so gar nicht. Ich telefoniere immer noch nächtelang mit W. Gestern vier Stunden, die halbe Nacht. Heute hat er Nachtschicht, auch morgen.

Was ist es nun? Wenn ich darauf mal eine Antwort finden würde. Die Gefühle spalten sich klar, einerseits würde ich ihn gerne mal treffen, andererseits ob das was bringt.

Ich bin kein Männerversteher. Es hat so abstruse Züge, die ich gar nicht in Worte fassen kann. Nicht zuletzt gab es ja auch eine kleine Pause, ich habe es gerade noch mal gelesen, was ich damals schrieb. Weihnachten.

Und jetzt? Er hat schon mehr als einmal geäußert, dass wir uns sehen sollten. Gab es eine zwischendurch? Klar, die gab es, die wohnte gleich um die Ecke. Ich verstehe das, wenn es um die Ecke möglich ist, warum sollte man sich da 120 km antun. Es ist einfacher. Er hat es mir erzählt, klar ich kann auch gut fragen, so leicht entzieht man sich meinen Fragen nicht. Man kann nicht diplomtisch ablenken, auf sowas falle ich schon gar nicht rein. Und der Kündigungsgrund dieser Techtelmechtel ist typisch männlich. Sie war ihm nicht schlank genaug, er hatte ein Problem mit ihren 115 F. Dabei ist das doch der Traum der Männer: Dicke Titten. Aber halt nur dicke Titten, die anderen Körperteile sollten schon leicht sein, leicht beweglich. So ungefähr hat er ihr das wohl auch gesagt. Und sie ruft ihn wohl immer noch an.

Verstehe dann einer die Frauen, würde Mann mich nach dem ersten Sex abservieren und eine solche Bemerkung machen, wäre ich wohl stinksauer.

Ich überlege also ständig, ob es überhaupt Sinn hat. Nichts ist unmöglich, vllt. passe ich auch nicht in das äußerliche Bild. Mal abgesehen von ganz anderen Dingen, über die ich selten spreche und die demzufolge auch kaum jemand weiß. Paulchen beispielsweise, auch von Nessi weiß er nichts. Und auch Nessi ist noch so ein Problem, was würde sie sagen, wenn?! Dabei bedeutet ein Treffen ja nicht automatisch gleich eine dauerhafte Beziehung. Siehe oben.

Momentan, d. h. dieses Wochenende, ist die Sache eh vom Tisch. Morgen erscheint Nessi. Man kann sagen wie immer am Wochenende. Aber dieses Mal hat das Ganze noch einen ganz anderen Grund. Am Montag erscheint Paulchen hier mit einem Pfleger bzw. Krankenschwester und der Stationspsychologin. Sie wollen die Wohnung besichtigen, um zu klären, ob er seine Besuche hier machen kann. Soziale Bindungen. Bei seinem Vater war er schon, hat auch einiges darüber erzählt. Die Besuche dort werden aber nur Tagesbesuche sein.

Und weil Paulchen am Montag vormittag hier auftaucht, ist mir so ganz beiläufig eingefallen, dass ich wenigestens noch meine Fenster putzen müßte. Man kann, wen wundert es bei der Witterung, kaum noch durch gucken. Frau will ja auch nicht, dass das dann so aussieht. Andernfalls wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Wetteränderung ist nicht in Sicht.

Nessi machte sofort den Vorschlag, sie würde gerne meine Fenster putzen, sie putzt gerne Fenster. So wird sie morgen meine Fenster putzen. Jawohl! Außerdem muß noch die Matratze, Spielwiese, oder wie man das auch immer bezeichnet, Paulchen schläft ggf. auch drauf, raus. Kann ich alleine so gar nicht. Ich kann nicht mehr schwer tragen. Es ist einfach so. So haben wir also volles Programm im Putzen, Abwechslung muß sein.

Zur Anmerkung: Ich habe sie nicht genötigt, ich hätte natürlich meine Fenster selbst geputzt. Schließlich ist es ihr Hobby, warum sollte ich das abschlagen. Mir wird zwischenzeitlich was anderes einfallen. Wurde alles auf das Wochenende verschoben.

Warum ich das bekräftige? Weil es genau die Aussage sein könnte, die, wenn auch nur durch die Blume, irgendwann mal fällt. Das sind auch die Dinge, die mich dann zur Weißglut treiben. Was ihr auch bewußt ist....

Was Paulchen betrifft, er freut sich darauf. Er freut sich auch auf die Besuche hier. Genau weiß noch keiner genau, wie das abläuft. Geändert hat sich wohl seine Vorstellung, dass er danach gleich eine Wohnung beziehen kann. Wohnungen in der Größenordung und zu den entsprechenden Preisen gibt es hier nicht gerade wie Sand am Meer.

Zum Thema Wohnung: Nessi hat ihre Kündiung bekommen. Die Wohnungen werden zum Ende des Jahres bzw. nächstes Jahr „zurückgebaut“. Sie hat schon Angebote bekommen, die größten Teils so gar nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Meinen schon gar nicht. Ghetto. Randgebiete nur mit Migranten und Arbeitslosen. Die Vorstellung alleine würde mich krank machen. Selbst Paulchen hat gesagt, dass er dort nie freiwillig hinziehen würde, dort kann man nur zum Alkoholiker werden, was ja dem Klischee des Arbeitslosen entsprechen würde. Er würde sich dort auch nie abends vor die Tür trauen. Was ich auch verstehen kann.

Eine Wohnung, die in einem noch „guten“ Stadtgebiet liegt, haben wir uns vorige Woche angesehen. Sie wird sie nehmen.

Bei der Besichtigung kam dann ein Ostalgie-Feeling auf. Eine Wohnung, wie sie zu DDR-Zeiten gebaut wurde und die sich nicht wirklich verändert hat. Sie war noch mit Blümchentapete, mit Tapetenleisten, die Steckdosen stammen noch aus den 60iger Jahren. Herrlich. Eine Wohnung, wie man sie gerne zu DDR-Zeiten gehabt hätte. Heute ist das anders, heute teilt man die Stadtgebiete in betucht und weniger betucht ein. In Ghetto.

Sie wird saniert und kann dann irgendwann bezogen werden. Umzugskosten zahlt der Vermieter.

Außerdem hatte mein Vater dann noch seinen 70. Geburtstag. Ich habe mich selber eingeladen, wußte ich auch, dass er im Grunde auf dieses Ereignis nicht viel Wert legt. Im Bus habe ich schon seinen alten Kumpel und gleichzeitig meinen Patenonkel getroffen. Später trafen dann noch seine Skatfreunde ein. Es war lustig. Ich als einzigste Frau, die Herren unterhielten sich über Sport und Skat, wovon ich überhaupt keine Ahnung habe. Aber ich hab versprochen bis zum 80. lerne ich Skat, damit wir dann ein Skatturnier veranstalten können. Das Ganze war einfach nur vollkommen heavy.

Ich habe jetzt eine Ahnung davon, was man unter „demographischen Faktor“ versteht. Wird ja immer viel darüber geschrieben. Ich bezweifle immer, dass wir alle älter werden. Muß ja nur in die Zeitung gucken. Aber dort: Es wurde von Leuten erzählt, die ich nicht annährend kannte und natürlich ihrem Alter (95, 80 etc.). Es war schon lustig. Irgendwie. Ich mußte mich nur diskret im Hintergrund halten und anhören, was man so zum Besten gab. Männergespräche. Und Gespräche über Geld. Es gibt Rentner, die gut klar kommen mit ihren Renten und Altersarmut. Es ist schon wahr, auch wenn man immer dann Eindruck hat, alle Leute müßten doch sehen, was hier so passiert, wie schlecht alles ist. Es ist einfach nicht wahr, es gibt genügend Leute, die sehen das nicht, die können das gar nicht sehen, denen geht es gut. Mehr oder weniger. Die ganze andere Probleme haben als Existenzangst, Armut oder was die Menschen sonst so bewegt, die an alte Zeiten denken, weniger Kriminalität, alte kommunistische Ideale oder was auch immer. Die über jetztige politsche Entwicklungen nicht mehr nachdenken wollen, nicht verstehen oder einfach den Klischees erliegen, die in den Zeitungen stehen. Und auch mit 70 und älter sagen: Früher hab ich immer gesagt, man muß wählen gehen, damit man etwas bewegt. Jetzt aber sage ich, was soll man wählen, es ändert sich ja doch nichts.


21.02.2009 um 00:29 Uhr

Leben

von: Paulinchen   Kategorie: Zitate

 

Das Leben ist an die Lebenden vergeudet.

 (aus "Six feet under")

05.02.2009 um 03:11 Uhr

Hart aber Fait, Thema 20 Jahre Mauerfall, viel Geld, wenig Gefühl

von: Paulinchen   Kategorie: Politik

Es war mir gar nicht so sehr bewußt, vllt. vielen nicht. Warum wird jetzt soviel über die DDR geschrieben, über Ossis und Wessis? Richtig, 20 Jahre Mauerfall. Die Auflösung dieses Staates. Vom Volke.

Es gibt Diskussionsrunden ohne Ende. Und das Ende vom Lied ist? Eine wirkliche Angleichung gibt es in Deutschland wohl nicht. Die Jammerdeutschen könnte man sagen.

So manche Aussagen bringen mich dann aber auf die Palme. Ja, es mag Vorbehalte geben zwischen Ossis und Wessis. Aber regionale Unterschiede gibt es in Deutschland generell. Welcher Preuße mag schon die Bayern und umgedreht?

Wir wissen auch nicht viel voneinander. Woher auch? Die Ossis kennen sich in der Geschichte der Bundesrepublik nicht gut aus. Das war ja nicht unbedingt Thema in unserem Unterricht. Umgedreht ist es ähnlich, das Wissen besteht wohl eher aus Klischeewissen.

Nun ist man sich in all diesen Diskussionsrunden einig, nicht nur, dass wir zu wenig voneinander wissen, sondern auch, dass wir vieles auch überbewerten. Nach vorn schauen ist die Devise. So ist es wohl.

Die Ostdeutschen sind befragt worden, halten sich nicht für vollwertige Bundesbürger, glauben nicht an diese Demokratie. Westdeutsche hat niemand befragt. Aber es ist wohl eine Sache der Definiton. Was ist Demokratie? Leben wir in einer Demokratie?

Das glauben wohl viele nicht. Politikverdrossenheit kann man nicht an Himmelsrichtungen im Land ausmachen.

Wenn man dann aber mal mit den Klischees aufräumen würde, das wäre doch mal ein Fortschritt. Denn angeblich glauben die wenigsten Ostdeutschen, dass sie heute besser leben als in der DDR. Wie definiert man denn besser leben? Man vergleicht das mit Hartz IV. Das ist mehr als nur zynisch. Beides hat miteinander nichts tun. Und ob ein HartzIV-Empfänger schlechter lebt als in DDR, das kann man gar nicht ermessen. Die Zeiten waren ganz anders. Im Übrigen wurde die Aussage bestritten (Hart aber fair). Demnach lebte man in der DDR schlechter.

Und bitte warum? Von dem ganzen politischen Spektakel abgesehen, das es in der DDR gab, was aber die meisten doch nur wenig beschäftigte.

Das große Problem der DDR war die bankrotte Wirtschaft. Das ist unbestritten. Die Wirtschaft in unserer Republik ist (noch) nicht bankrott trotz Finanzkrise, auch wenn einen die Nachrichten hierzu in letzter Zeit sehr bedenklich stimmen. Die Betriebe waren verrottet, es war kein Geld da und auch kein Interesse zur Sanierung. Die Städte waren kaputt. Ganze Viertel verfielen allmählich. All das ist wahr. Allerdings kann man ähnliches auch jetzt beobachten. Es sind Milliarden in den Aufbau Ost geflossen. Sagt man. Wo sie geblieben sind, weiß so mancher nicht. Manches hat man wunderschön saniert, Halberstadt, Quedlinburg, Leipzig werden immer wieder genannt und sind stellenweise wunderschön. Anderes ist immer noch arg sanierungsbedürftig. Wenn ich an „unsere“ Geschäftsstraße hier denke. Ich habe es nicht ausgerechnet, es stehen aber bestimmt 50 % der Geschäfte leer. Und die Bürgersteige, High Heels-tauglich sind sie nicht.

In der DDR sind fast alle Menschen arbeiten gegangen. Das war sicher nicht immer der Wunsch der Leute, es war nicht immer der Traumjob. Es gab bis in die 70iger Jahre sogar die verfassungsmäßige Pflicht zur Arbeit. Wer also nicht arbeiten ging, wurde eingesperrt. Es brachte das Geld, jeden Monat. Unabhänig davon wie schlecht es dem Betrieb ging. Sicher verdiente mancher so wenig wie heute HartzIV-Empfänger, aber gereicht hat das Geld dann doch immer irgendwie. Das Vermögen in der DDR war nicht gering und im Gegensatz zu heute hat man es den Leuten nicht angesehen.

Die Aussagen, die so gemacht werden, stimmen einfach nicht. Die Grundnahrungsmittel waren sehr billig. Ein Brötchen kostete 5 Pfennig. Aber dass es sie immer gab, ist eine glatte Lüge. Die Bäcker waren schon kurz nach Öffnung ausverkauft, die Leute kauften viel mehr Brot und Brötchen als heute. Mancher verfütterte das subventionierte Lebensmittel auch an das Vieh. Fleisch, es gab eine Fleischkrise in der DDR.

Es gab immer Schnaps und Zigaretten in der DDR. Hmh, ich weiß genau, welche Schwierigkeiten man hatte eine Flasche „Goldbrand“ zu bekommen. Das war Bückware. Und Zigaretten Marke F6, Cabinett oder Semper gehörten auch dazu. Bestimmte Zigarettenmarken und Schnapsmarken mag es immer gegeben haben, die Regale wurden damit aufgefüllt, aber die, die die Mehrheit wollten, waren wie vieles andere auch Bückware (Ware, die man nur mit Beziehungen erhielt, hervorgeholt von der Verkäuferin unter dem Ladentisch).

Und Konsumgüter? Das war das große Manko der DDR, es gab kaum etwas. Alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde an den Westen verscheuert. Und teuer waren sie auch noch. Ein Farbfernseher kostete mal schlappe 6.000 Ostmark, das konnte schon ein halbes bis Jahresgehalt entsprechen.

Es war nicht so ganz einfach, das Einkaufen in der DDR. Es war zeitaufwenig. Und so ganz nach dem Prinzip, Beziehungen schaden nur dem, der keine hat, hatte die meisten Leute doch so ihre Netzwerke, um ihren Kram irgendwoher zu bekommen. Eine Hand wäscht die andere.

Es war nicht einfach, aber die Weihnachtsbraten waren trotzdem immer gesichert, die Jugendweihefeste, Geburtstagsfeiern oder was auch immer. Jeder hatte wohl auch seinen Fernseher, seine Waschmaschine und seine Schrankwand. Es ging, auch wenn es schwer war.Nicht aus finanzieller Sicht, das Geld hatten die meisten ohne weiteres, es war schwer, weil es das Zeug halt kaum gab. Finanzielle Schwierigkeiten gab es genauso wie Arbeitslosigkeit offiziell sowieso nicht. Trotzdem kennt auch jeder DDRler, vor allem aus den jungen Jahren der DDR, in denen die Löhne noch niedriger waren, auch Zeiten, dass am Ende des Geldes noch viel Monat über war.

Man kann es nicht ernsthaft mit HartzIV vergleichen, das geht einfach nicht. Da verkennt man die Brisanz an HartzIV, das wenige Geld, die Gängelei und die Perspektivlosigkeit. Tafeln gab es in der DDR nicht; man wußte auch nächsten Monat gibt es wieder Geld und für große Engpässe gibt es halt die Jahresendprämie (13. Monatsgehalt abhängig von der Planerfüllung, gezahlt im Februar).

Trotzdem wird keiner ernsthaft behaupten, dass man damals besser lebte als heute. Wer würde dann auf seinen Westwagen (oder auch Ostwagen) verzichten, wer auf seinen Rechner, auf seine Spülmaschine, sein Handy, sein DVD-Rekorder? Wer vermißt ernsthaft die Stasi, die einen Arbeitsunfall leicht zum Spionageakt machen konnte? Wer vermißt seinen Konsum, seine HO? Usw.

Diese ganze Diskussionen tragen wohl viel eher dazu bei, dass man sich noch weniger annährt. Und das sollte man wohl – nach 20 Jahren. Darin versteht man sich in unserer Gesellschaft gut, man kann die Leute gegeneinander ausspielen. Die Wiedervereinigung hat viel Geld gekostet. Hmh, sie hat aber auch viel eingebracht. Oder machten damals Konzerne nicht Milliardenumsätze? Dass es vielen Wessis heute schlechter geht also vor 20 Jahren liegt sicher nicht an der Wiedervereinigung. Und verdammt noch mal den Soli bezahlen auch die Ossis! In Ostdeutschland sind mehr arbeitslos, weil hier viele Betriebe massiv Personal abgebaut haben, viele Betriebe dicht gemacht haben und natürlich der Anteil der berufstätigen Frauen, politisch gewollt, höher war als im Westen. Das sind Fakten, die mit Sicherheit eine Rolle spielen.


Vielleicht ist in 20 Jahren das Thema Ossi und Wessi nicht mehr so aktuell. Mancher wird es erleben?! ;-)