Plateforme

29.12.2009 um 19:44 Uhr

Weihnachten

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Heiligabend ging natürlich weiter. Schließlich war es erst gegen 18.00 Uhr. Ich bekam irgendwann eine SMS mit dem Inhalt: Ich bin bei ihr und komme dann gegen 20.30 – 21.00 Uhr. Gut. Das war dann nicht ganz so. Erschienen ist er erst gegen 0.05 und natürlich war alles ganz harmlos, sie werden sich zukünftig immer mal zum Kaffee treffen.

 Der erste Feiertag verging, zum zweiten hatte sich Nessi angemeldet. Die auch pünktlich erschien, er war mit ihr verabredet und ging dann auch trotz Kreislaufprobleme. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie man dann aufspringen kann. Er blieb dann bis zum anderen Mittag bei ihr. Hat zwischendurch noch ein paar Mal mit Nessi geschrieben (netzintern) und eigentlich sollten wir ihn auch abholen, aber er kam dann von allein.

 Es ging ihm nicht gut. Wir waren auch nicht so nett zu ihm, dass er es verstehen konnte und wollte. Aber nichtsdestotrotz bestellten wir essen, wir kümmerten uns um ihn, bis es dann wieder klingelte, sie anrief, und er wie ein junges Reh aufsprang, um zu ihr zu gehen. Natürlich wollte sie ihm nur was Wichtiges sagen, alles ganz harmlos.

 Das war dann doch zuviel. Ich rief seine Mutter an, fragte deren Freund höflich, ob er mit einen persönlichen Gefallen tun konnte und die Sachen von IHM von mir abholen. Das bejahte er. ER ging dann, verstanden hat er es nicht.

Am Montag wurden dann die Sachen abgeholt. Seine Mutter war ziemlich fertig, wie immer also. Sie holten ihn dann von ihr ab, er könne wohl nicht alleine. Es gingen noch ein paar SMS hin und her, er rief mal an, kam dann sogar gegen Abend, um ein paar Minuten später zu verschwinden.

 Heute holte er sein Fahrrad, ich sah ihn nur durch Zufall. Gegen Abend schlug er wieder bei mir auf, trank einen Kaffee und verschwand wieder. Er trägt wieder einen Verlobungsring. Konkretes hat man nicht erfahren.

 Ich war sauer. O, ja das war ich. Traurig, enttäuscht. Alles in allem.

 Unsere gemeinsame Bekannte rief an, die mir dann auch noch mal sagte, was ich für ein großes Schaf sei. Danke, ich weiß das. Sie wollte dann mal mit seiner Mutter sprechen, hatte wohl deren Telefonnummer verlegt. Bei ihr meldet er sich nicht mehr, wundert mich nicht wirklich.

 Ich nutzte die Gelegenheit, er war ja noch nicht wieder bei seiner Mutter. Bei Ihr kann er nämlich nur ab und zu übernachten. Ich rief seine Mutter an, richtete ihr aus, dass sich die Puppe gemeldet hab, sie anrufen wird und außerdem ist „IHR Sohn ein ziemliches Miststück“.

 Das ist einfach so. Die Nachfrage kam per SMS, verstanden hat er es nicht.

 Nun wird er wohl auch nicht mehr zum Kaffee kommen. Wäre ich jedenfalls nicht, bei ihm kann man sich da nicht so sicher sein. Mir war es ein Bedürfnis, es auszusprechen. Hab ich nun getan.

 Noch etwas zu meinem Sohn: Er ist entlassen und hat ihn auch bei mir gesehen. Das war für ihn natürlich ein Schock, sie kennen sich mehr oder weniger. Und Paulchen hält ihn für einen Penner, wörtlich. Er hat sich dann eine Weile gar nicht gemeldet und mir dann eine ganz nette SMS geschrieben, dass er mir nur Glück wünscht, dass ich mit ihm schon viel zu viel erlebt habe, und wenn ER mit weh tut…. Hat er ja nun, aber das tut wohl in diesem Fall nichts zur Sache.

 Ob ich nun geheilt bin?


 

24.12.2009 um 17:59 Uhr

Heiligabend

Gewartet hab ich bis zum 14. Dezember. Am 14. Dezember klingelte es beizeiten, ich lag noch im Bett und mein Sanitärmonteur stand vor der Tür. Dafür hatte ich keine Zeit, nun ist die Wanne bis heute noch nicht richtig abgedichtet.

Später rief ER an, sagte, er hätte wieder Streß mit Ihr und evtl. schaut er abends vorbei. Dem war dann so. Am späten Nachmittag tauchte er dann auf mit den Worten: „Du wolltest mich, jetzt hast Du mich!“

Wollte ich das?

Was soll ich sagen? Ich hab keine Ahnung, ob ich das wollte oder nicht. Es ist Heiligabend. Und seit gut 4 Stunden ist ER spurlos verschwunden. Ich hab keine Ahnung, wo er ist. Ich kann es mir denken, er könnte bei IHR sein. Die ganzen letzten SMS ihrerseits zielten darauf. Und er? Nun ja, keine Ahnung, kommt wohl nicht davon los.

Natürlich mach ich mir auch Sorgen. Schließlich könnte er irgendwo umgekippt liegen. Weiß man es? So unwahrscheinlich ist das nicht. Erreichbar ist er nicht, seine Mutter will ich nicht unnötig beunruhigen, Sorgen macht sie sich eh schon genug. Wenn sie jetzt noch weiß, er ist wieder bei Ihr.

Diese 10 Tage waren nicht einfach. Das auf keinen Fall, manchmal hab ich mich gefragt, was und waurm machst Du das? Ist es das Wert? Wir waren beim Amt, wir haben Behördenwege erledigt. Wir waren sogar bei IHR im Keller und haben Sachen mitgenommen, was ihm sichtlich schwerfiel. Er war depremiert, am Boden; mehr als einmal. Ich müßte ihn trösten. Er hatte Kreislaufzusammenbrüche, Entzugserscheinungen. Alles mögliche...

ER ist wie ein kleines Kind, wenn es nicht so klappt, wie er will, ist er sauer. Dauert das Einkaufen am Tag vor Heiligabend zu lange, ist er sauer. Sagt man ihm, dass das Verhalten nervt, dass das Simsen nervt, dass man sich nichts vorschreiben läßt, ist er sauer oder zumindestens irritiert. Es ist nicht einfach.

Auch mit Nessi hatten wir Spaß, obwohl es auch da so einige Zwischenfälle gab. Es war auch schön. Seine Mutter ist ganz einfach überbesorgt, und ich find das süß.

Mein Vater war auch da, er war weniger erfreut. Irgendwas störte ihn. Und Paulchen, der heute da war, fand IHN alles andere als berauschend. Die Aussage: „... du hast wohl doch was mit dem Penner...“ läßt darauf schließen.

Nun ist ER weg. Und mir gefällt es wieder nicht. Dabei hab ich heute noch zu einer gemeinsamen Bekannten sagt, nochmal das Ganze nicht. Ist das so?

Ich hab gerade einen Bekannten angerufen, der immer alle Meldungen (DRK) erhält. Passiert ist ihm wohl nichts. Bin ich da beruhigt?

Nicht wirklich. Mir wäre es (fast) lieber. Nun bin ich mir sicher, er ist vorhin Tabak holen gegangen (welch ein Klischee) und dann zu ihr. Er hat auch einen Schlüssel von mir. Das kann noch was werden. Die Sachen, die bei mir sind, müssen wieder abgeholt werden.

Und soll ich nun wieder warten? Wieder alles von vorn? Das darf nicht sein. Ich sollte klüger sein. Es gäbe soviele Geschichten zu erzählen zu diesem ganzen Thema, aber mir fehlen die Worte.

Heiligabend.





10.12.2009 um 07:23 Uhr

Warten

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Schlaflosigkeit. Gegen zwei Uhr bin ich ins Bett. Habe noch etwas gechattet, telefoniert und war wirklich todmüde. Ich schlief dann auch fast gleich ein, um gegen 4.45 wach zu werden. Hilfe! Und dann döste Frau noch bis gegen 6. Man könnte ja hoffen, er ruft so gegen 6.30 etc. an. Tut er nicht, man kann aber nicht wieder schlafen, guckt ständig auf die Uhr und das Telefon klingelt natürlich nicht. Wie sollte es auch.

Man konnte auf die absurdesten Ideen. Ob man vllt. selbst mal durchklingelt? Vllt. traut er sich ja nicht. Dann würde er ja wissen, dass er anrufen kann.

Es ist zum Schreien. Es ist pupertär. Und ich verachte es selbst. Aber wer kann schon aus seiner Haut?

Angerufen hab ich (bisher) nicht, weil es wäre dann endgültig. Was sollte ich sagen/schreiben, ich melde mich ein letztes Mal, weil... Dann ist es das letzte Mal, und ich hab nicht mal mehr die Hoffnung. Dann gibt es vllt. gar kein Zurück mehr. Und genau das will ich ja nicht.

Die Versuchung ist groß. Einfach mal versuchen. Um sich dann eine Abfuhr zu holen. Brauch ich das?

Und die Zeit vergeht und das Telefon klingelt nicht. Die Türglocke sowieso nicht. Es bleibt still. Warten. Warten auf etwas, was nicht passieren wird.

Ich habe es gewußt, ich wußte es, als alle sagten, der meldet sich wieder.

Zweckpessimismus.

Heute abend ist Weiberabend. Abwechslung. Aber der Gedanke drängt sich sofort auf. Wenn Du 18.00 Uhr das Haus verläßt und notwendigerweise bei ihm vorbei gehst, vllt. siehst ihn ja. Und überhaupt beim letzten Weiberabend stand er doch plötzlich vor Deiner Tür. Er kam dann später noch.

Es dreht sich alles nur darum. Egal, was man macht oder nicht.

Warten.

Das ist einfach falsch. Das ist kindisch. Und allein die Erkenntnis dessen reicht überhaupt nicht aus.

Man kann nicht aus seiner Haut.

Und ganz eigentlich bin ich so auch gar nicht. Ich bin nicht der Hinter-Her-Telefonierer, Schreiber etc. Ich hab das bisher bei ihm nicht getan und bei allen anderen im Grunde auch nicht. Warum jetzt? Wenn das mit mir jemand machen würde, wäre ich auch sauer. Sehr sauer. Lange sauer.

Und es ist gleich halb 8 und warten......

Wer wartet, hat wahrscheinlich nichts anderes zu tun oder so....

Wenn es denn so wäre. Man wartet auch, wenn man etwas zu tun hat. Man kann warten und etwas tun.Und man wartet unterbewußt, was mein Schlafverhalten wohl deutlich zeigt.



09.12.2009 um 22:52 Uhr

Warten

von: Paulinchen   Kategorie: Zitate

Auf etwas zu warten, nimmt uns die Zeit, die wir später nicht mehr haben, wenn wir sie brauchen.

 (Damaris Wieser, deutsche Lyrikerin)

 

09.12.2009 um 22:40 Uhr

Infantil

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Wenn ich meine Stimmung beschreiben sollte, würde ich als Erstes sagen: infantil. Es ist alles irgendwie kindisch. Ich kann mich nicht begreifen, und das alles hier erst recht nicht.

Aber nichtsdestotrotz ein Zwischenstandsbericht für mich:

Gestern hat es ununterbrochen geregnet. So wie die Stimmung war halt das Wetter. Das Vorstellungsgespräch dauerte 1,5 Stunden. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, sowohl ich kann mir noch überlegen, ob ich will, als auch die Geschäftsleitung. Auf Grund meiner beruflichen Qualifikation kommt vor allem das Projekt Werbestudio, Druckerei und Bewerbungen schreiben mit Jugendlichen in Frage. Das beginnt im März, ist also noch viel Zeit. Wie schon gedacht, ist es eine Entgeltvariante mit 32 Wochenstunden zur fachlichen Anleitung und vor allem Motivation von Jugendlichen.

Es klingt alles hochtrabend, wie immer in solchen Gesprächen. Wenn man nicht wüßte, dass kaum etwas so heiß gegessen wird wie gekocht, könnte man es fast glauben. Allerdings weiß ich nur zu gut, dass es vor allem um Beschäftigungsverhältnisse für Jugendliche geht, die im Grunde nicht wirklich was bringen. Die vielbesagte Hilfe für die Jugendlichen in privaten oder beruflichen Bereichen findet auch nur in Form von Sanktionen statt. Das SGB II läßt dafür ja sehr viel Spielraum.

Das ist das, was mir an allem am Meisten mißfällt. Die Jugendlichen sind mehr Mittel zum Zweck, um selbst oder für andere Beschäftigung zu garantieren. Ist eine große Unterstellung, aber nicht von der Hand zu weisen, wenn man sich näher mit dem Phänomen der Beschäftigungsgesellschaften beschäftigt.

Ich muß mir darüber allerdings momentan wenig Gedanken machen, das bis März noch viel Zeit ist. Und im Grunde hab ich eh keine andere Wahl. Die Alternative sieht ja noch bescheidener aus.

Also warte ich ab, wie sich die Geschäftsleitung entscheidet, rede beim nächsten Termin mit meinem Fallmanager (Freitag), ob sich evtl. Alternativen dazu für mich ergeben könnten, und ansonsten laß ich es auf mich zukommen.

Wieder ein Jahr von der Straße weg. Wenn sich das mal ändern würde....

Was das andere Problem betrifft, hat sich gar nichts ergeben. Meine Gedanken kreisen ständig darum, passiert ist allerdings gar nichts. Geschlafen hab ich wenig.

Heute war Paulchen da. Er hatte Anhörung, also in den nächsten Wochen wird er entlassen. Ansonsten geht es ihm gut, er macht auch einen guten Eindruck. Er arbeitet viel, ist viel unterwegs. Er hofft, da er mit seinem Chef gut auskommt, dass die Arbeit auch über dieses Praktikum erhalten bleibt.

Infatil? Nun ich hab tatsächlich etwas gemacht, was man getrost als solches bezeichnen kann. Seit einiger Zeit chatte ich ab und an mit seiner Ex, die im Übrigen so alt ist wie mein Sohn und in Bayern lebt. Sie erzählt mir ihre halbe Lebensgeschichte, ist alles nicht spektakulär und auch nicht ungewöhnlich. Über ihn reden wir selten. Warum auch. Allerdings sagte sie mir heute, dass er sie angsimst hat. Gestern gegen 6.30. - Da geht Seine ja auf Arbeit. - Weiter war nichts, sie konnte nicht antworten, sie hat kein Guthaben auf ihrem Handy. Spontan bot ich ihr an, ich kann ihm ja schreiben, hab ja die Handynummer noch, weil ich immer noch diese beiden SMS gesperrt habe, um sie mir vor Augen zu halten. Ich schrieb dann auch: Also ich soll Dir sagen, T. ist wach. Sie kann nicht schreiben. :-P

Es erfolgte weder bei ihr noch bei mir eine Reaktion. Schon erstaunlich. Scheint zu mißfallen, obwohl er ja den Kontakt forciert hat. Weil ich denken könnte, es ist Sturm im Paradies?

Es ist kindisch, ich sollte die SMS löschen, dann hab ich wirklich keine Handynummern mehr, kann nichts mehr schreiben oder anrufen. Der Kontakt ist Geschichte. Die SMS kann ich eh auswendig, und sie zu lesen, bedeutet nur dieses grauenvolle Entsetzen: Warum? Und es ist ziemlich offensichtlich, dass ich die Tür nicht zu lassen würde.

Dazu warte ich viel zu sehr.







07.12.2009 um 22:38 Uhr

Endgültig

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Die ganze Nacht nicht geschlafen. Es ging nicht. Dabei behaupte ich doch immer, schlafen sei mein Hobby. Scheint momentan ganz anders zu sein.

Früh fängt man dann an, auf die Uhr zu gucken. Geht sie jetzt nicht auf Arbeit? Ob er dann anruft? Wenigstens? Tat er nicht.

Angerufen hat eine Dame vom Amt, ich hab morgen ein Vorstellungsgespräch. Es gibt ein paar Dinge, die mir daran mißfallen. Erstens ist es ziemlich weit weg, zweitens ist es in einer Fimra, in der ich mit Sicherheit anecken werde (wegen des Betriebsklimas). Jugendliche betreuen. Man wird sehen. Der größte Vorteil daran ist, dass ich vormittags nicht zu Hause bin, nicht warten muß, spät nachmittags erst erscheine und dann vllt. nur bedingt Lust, Interesse und Sinn danach habe, auf ihn zu warten. Wie sich das entwickelt, wird sich morgen oder so herausstellen. Finanziell bringt es nur bedingt einen Vorteil, das Nettogehalt dürfte nicht höher sein als die jetztigen Bezüge.

Ich hab sogar mal die Wohnung verlassen, ich spüre eine ständige Unruhe in mir. Irgendwann hab ich dann seine Mutter angerufen, die nichts Neues wußte, mir aber sagte, er käme nachmittag zu ihr, um sein Geld zu holen. Das war er dann auch. Er hat seine Mutter nach ihrem Befinden gefragt, was angesichts der Vorfälle schon eine Frechheit sein dürfte. Er hatte tatsächlich die Absicht zu gehen, aber nachdem sie „zusammengebrochen“ war, konnte er sie ja nicht alleinlassen. Sie haben sich ausgesprochen, versuchen es miteinander. Wie lange wird sich zeigen. Wegen der Entgiftung wurde nichts unternommen, sie sei der Meinung, es sei nicht nötig. Vllt. reicht ja eine Therapie (!). Sie werde sich darum kümmern. Außerdem trinkt er höchstens einen „Flachmann“ zur Zeit. Er will es selber in Griff kriegen.

Ich bin echt am Zweifeln. Ist es so? Trinkt er jetzt weniger? Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Hab ich es forciert? Ich hab doch seine Entzugserscheinungen gesehen, gesehen, wie viel er braucht. Soll das jetzt anders sein? Mal abgesehen davon, dass es immer noch viel ist. Und eine Engiftung.... Nun gut.

Ob ich Thema war, habe ich nicht gefragt. Es hat mich nicht wirklich interessiert. Die Ablehnung noch einmal zu hören, würde mir sehr zu schaffen machen. Mir macht das Ganze schon jetzt mehr zu schaffen, als es sollte.

Jeder ist davon überzeugt, wenn es nicht mehr klappt, kommt er zu mir. Ehrlich gesagt, ich bin immer weniger der Meinung. Ich glaube wirklich, dass er mit mir abgeschlossen hat. Das ist das, was mir am Meisten weh tut. Wahrscheinlich würde es mir leichter fallen, zumindestens momentan, wenn es nicht so endgültig wäre. Seine Mutter hatten einen tollen Vorschlag. Ich überlege mir, wie ich ihm die Tür weise. Wobei fraglich ist, ob ich das schaffe. Sie machte den Vorschlag, ich soll ihn freundlich hinein bitten und mich dann bei ihr für ihn bedanken. Prima!

Und auch morgen kann ich wieder warten, Rosenstolz hören. Allerdings habe ich ein paar Termine, ein Vorstellugnsgespräch, einen Behördentermin, so hält sich in dieser Zeit das Warten in Grenzen.

Man sollte klüger sein.....



06.12.2009 um 21:24 Uhr

Gedanken

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Nachdem ich diese Ereignisse ausführlich geschildert habe, fühle ich mich vllt. besser. Vorübergehend.

Die nächsten Tage wird Rosenstolz rauf und runter laufen. Selbstmitleid. Ich werde wieder mehr chatten. Man muß sich der eigenen Attraktivität versichern. Schließlich hat man versagt. Ich will mit dieser Anderen nicht konkurrieren. Ich bin 14 Jahre älter als sie. Schwerer. Und vom Niveau wollen wir gar nicht reden.

Ich weiß auch, dass mir was erspart bleibt. Seine Sucht. Sein Kampf. Mein Kampf mit dieser Sucht. Meine Nachbarn, die mich zweifelnd ansahen (wenn er früh zum Schlecker ging, um Nachschub zu holen). Sie sind sicher auch froh, dass ich leiser bin (der Neid halt ;-P). Ich brauche niemanden mehr Erklärungen abzugeben, warum ich das tue. Ich brauche meiner Familie nichts zu erklären.

Das sind doch alles positive Sachen oder? Ich kann wieder tun, was ich will und wann. Ich habe die Wohnung für mich. Ich kann fernsehen, chatten, Besuch empfangen oder auch nicht. Theoretisch könnte ich mir auch einen anderen Mann zulegen. Aber davon bin ich erst mal wieder geheilt.

Der Platz im Herzen ist besetzt. Es ist halt so.

Ich fühle mich so ungerecht gegenüber Nessi. Sie fängt mich auf, sie mußte schon soviel mit mir bewältigen. Was mach ich eigentlich? Sie liebt mich wirklich. Habe ich das verdient? Nein. 

Ich habe mich wieder in einen Mann verliebt, der ist es nicht Wert ist. Der es früher nicht Wert war, der es jetzt nicht ist.

Es tröstet einen bedingt, dass ihn auch keiner versteht. Seine Familie nicht, gemeinsame Bekannte nicht, seine Ex nicht. Was findet er an ihr? Warum tut er mir das an? Warum will er das Gute nicht?

Ob es nun, wie so mancher vermutet, der Sex ist, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass unser Sex schlechter war. Anders vllt. Nein, ich glaube eher, Männer brauchen keifende, zanksüchtige, eifersüchtige Frauen. Frauen, die gelassener sind, ruhiger, toleranter etc.,damit können sie nicht umgehen. Es mag mir jetzt der Eine oder Andere widersprechen, Ausnahmen haben schon immer die Regel bestätigt, aber die Erkenntnis ist für mich nicht neu. Ich habe das schon mehrmals feststellen müssen.

Auf alle Fälle wird es nun wieder ruhiger in meinem Leben. Obwohl so sicher kann man sich da bei mir nie sein. Das Wichtigste ist allerdings, dass mir nicht nur ER fehlt, sondern auch eine wirkliche Aufgabe. Vllt. war auch das ein Grund, ich habe mir mit meinem Helfersyndrom eine Aufgabe gesucht.

Fortsetzung folgt wie immer – irgendwann.....



06.12.2009 um 21:03 Uhr

Alter schützt vor Torheit nicht

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Habe mir grade meinen letzten Tagebucheintrag durchgelesen und kann mich dem nur vollinhaltlich anschließen.

Ich bin verrückt. Total.

Im Grunde ist es so. Menschen ändern sich nicht wirklich.Im Grunde bleiben sie gleich. Auch ihre Schwächen bleiben gleich. Oder gerade die. Man wird ruhiger im Alter, gelassener, stärker. Vllt., im Einzelfall. Aber wenn es darauf ankommt, versagt das alles.

Ich hatte an diesem 26. November meinen Eintrag verfasst. Ich konnte nicht schlafen, legte mich aber wieder hin, um vom Telefon geweckt zu werden. ER. Er kommt vorbei. Das tat er dann, erzählte mir, dass es wieder Streß gab. Momentan wäre es so, dass er gegen Abend zu ihr kommen darf und früh, wenn sie auf Arbeit (1 €) geht, die Wohnung verlassen muß. So blieb er hier, wir hatten unseren Spaß. Er trank, alles wie immer. Er blieb auch weiter. Sie telefonierten mal, sie schrie so laut, dass ich sie, obwohl er im Badezimmer telefonierte, bis auf meine Couch hörte. Er blieb weiter. Seine Mutter war beruhigt, gewöhnte sich sehr schnell an den Gedanken, dass wir nun ein Paar sind. Sie mag sie gar nicht, sie ist zänkisch, ihre Kinder sind unmöglich, sie ist eine „Nutte“ etc. Und so war es dann auch, wir waren ein Paar.

Ich wußte nicht so recht, wie mir geschah. War mit der Situation überfordert. Wollte ich das?

Er trank viel. Ansonsten befanden wir uns nur im Bett. Mein Vater kam vorbei, wobei ich ihn aufforderte, die Wohnung kurz zu verlassen. Er ging derweil zu seiner Mutter, kam schnell wieder. Nessi war hier. Zwischenzeitlich war er auch da bei seiner Mutter. Kam aber lange, bevor sie ging. Und wir hatten zu dritt Sex. Für ihn eine Premiere.

Den ganzen Sonntag war ich unruhig, wußte ich doch, dass Paulchen aufschlagen wollte. Er mußt sein Geld holen, ich forderte ihn auf, erst nachmittag wieder zu erscheinen. Paulchen kam dann ganz unerwartet gegen 10.45, verschwand aber wieder, weil eine Freundin ihn abholte. Wollte und kam dann auch nachmittag wieder. Zwischenzeitlich war ER da. Es gefiel ihm gar nicht, dass ich wollte, dass er wieder ging. Paulchen kennt ihn. Ich kann Paulchen ihn nicht im betrunkenen Zustand als meinen „Neuen“ präsentieren. Das ist offensichtlich. Er war beleidigt, ungerecht. Aber er ging. Ich entschuldigte mich sogar. Er war betrunken, am Boden, und ich schick ihn weg. Das war nicht in Ordnung. Aber die Alternative ging auch nicht. Er kam wieder.

Am Dienstag hatte er einen Behördertermin, sein Kreislauf spielte verrückt. Er konnte oder wollte nicht gehen. Wir gingen nachmittags zum Arzt. Ich war dabei. Die Ärztin kommunizierte mit mir, ich war Ansprechpartner. Eine Entgiftung ist nötig. Den Schein dafür holte ich am Donnerstag ab. Selbst hatte ich auch noch einen Termin, er war allein bei mir. Trank. Seine Mutter hatte irgendwie Wind davon bekommen, dass er wieder trank (obwohl das schon seit Wochen so ist). Sie war erzürnt, traurig usw. Wir gingen nachmittags zum Kaffee zu ihr. Sie war dann gar nicht so böse auf ihn, weil ja alles schon „organisiert“ war. Wir sind ein schönes Paar. Sie freut sich so. Usw. Er war froh, dass ich es seiner Mutter erklärte. Das ersparte ihm viel.

Ich hab ihn mehr als nur einmal aufgefangen.

Natürlich hatte ich Zweifel. Alle um mich haben Zweifel. Keiner verstand mich. Ich mich auch nicht. Muß ich mir das antun? Habe ich von Süchten nicht genug?

Ich hätte ihn vor die Tür setzen können. Aber nein, das konnte ich nicht. Ihn nicht. Nie. Ich bin verrückt nach diesem Kerl. Warum auch immer.

Am Freitag sollte er dann zu ihr kommen. Regal abbauen, Fernsehen, Stereoanlage etc. Samstag wollte dann eine gemeinsame Bekannte von uns diese Sachen zu seiner Mutter bringen.

Sie simsten die halbe Nacht. Beschimpften sich und was auch immer. Als der Wecker klingelte, wollte er nicht, ging aber dann, verabschiedete sich von mir auf später. Ich wollte mit Nessi telefonieren, ich wollte die Ereignisse schildern. Mit irgend jemand mußte ich reden.

Und ich sagte auch: Vielleicht ist das ja alles kein Thema mehr, vllt. bleibt er ja da.

Seine Mutter rief an. Sie hatte gehört, dass es gewaltigen Streß gibt. Sie macht Szenen. Er schrieb mir, er sagt bescheid, wann ich ihn abholen soll (Kreislauf). Und so machte ich mich fertig. Es kam keine Nachricht, die Zeit verging und mir war eins klar: Er bleibt bei ihr. Ich packte seine Sachen zusammen.

Gegen 15.00 Uhr klingelte es dann, seine Mutter stand mit dem Sohn von ihr vor der Tür, heulend. Sie holte die Sachen!

Ich bekam dann von ihm eine SMS mit dem Inhalt: Ich möge nicht mehr anrufen, schreiben. Er ist wieder mit ihr zusammen und will mit mir keinen Kontakt mehr.

Später telefonierte ich noch mit seiner Mutter, die mir dann erzählte, wie das dort ablief. Sie wurde nicht reingelassen. Sie mußte sich über Nachbarn ins Haus schleichen, erst nach mehreren Klingeln an der Wohnungstür, wurde von ihr geöfffnet. Sie wurde beschimpft von ihr, sie hätte dort nichts zu suchen. ER hat gar nichts gesagt, hatte aber wirklich alles abgebaut, sich dann erst nach dem Abbauen entschlossen zu bleiben. Sie will ihn nicht mehr sehen, er kann sicher mal wieder kommen, aber dorthin geht sie nie mehr. Ob sie das durchhält, ist eine andere Frage. Mütter und noch dazu fast 80.

Abends war ich dann bei meinem Kollegen von der Kirche zum Geburtstag. Er ist vor kurzem 30 geworden. Ich war nicht ich selbst, wie man sich vorstellen kann. Hab bei Nessi übernachtet,die wohnt dort um die Ecke. Nebenbei gesagt beim Sachen zusammen packen, landeten dann auch Sachen von mir (Sextoy) in seinen Sachen. Nicht genug, ich stellte bei Nessi fest, ich hatte seine Krankenkassenkarte. Die brachten wir dann Samstag vorbei. Samstag abend waren wir tanzen. Wir tranken zu viel. Ich habe einen tierischen Kater. Noch immer. Im Rausch schrieb Nessi einige SMS an ihn, worauf ich dann von ihm wieder eine schöne SMS bekam. Er will keinen Kontakt mit mir, er ist glücklich. Bedankte sich für die Krankenkassenkarte.

Ich mußte das so konkret niederschreiben. Ich will einfach irgendwann mal nachlesen, wie es wahr. Ich will es nicht vergessen. Jeder ist davon überzeugt, dass er wieder vor meiner Tür stehen wird. Beim nächsten Streß, der kommen wird. Ich bin nicht ganz so überzeugt, vllt. ist es Zweckpessimismus, keine Ahnung, aber ich denke, er traut sich das nicht. Aber ganz egal wie. Ich hoffe doch, ich finde die Kraft, ihm die Tür zu weisen. Es kann und wird nicht gut gehen. Ich bleibe auf der Strecke. Das ist mir nicht neu. Das hatten wir schon, vor vielen Jahren. Und ich habe nichts daraus gelernt. Die Erkenntnis ist hart.

Und auch die Erkenntnis, das Probleme schwimmen können. Das wußte ich auch schon immer, trotzdem habe ich gestern betrunken.

Wenn ich mir das so durchlese, würde ich denken, wir sind Teenager. Dieser ganze Ablauf klingt nach Teenagerverhalten oder so. Forties? Das glaubt doch keiner....

Heute bin ich das erste Mal seit mehr als einer Woche allein in meiner Wohnung. Ich vermisse ihn! Auch diese Erkenntnis ist hart. Obwohl ich doch so gern allein bin. Nessi sagte, sie entdecke ganz neue Seiten an mir. Wohl wahr.......