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18.11.2011 um 01:27 Uhr

Baustellenstop

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Die Baustellen gibt es immer noch. Sie sind auch immer noch überflutet. Es wird auch nicht wirklich daran gearbeitet. Im Herbst und Winter wird auf Baustellen wohl selten gearbeitet. Oder es gibt keine Pumpe, und wenn es sie gäbe, wo sollte sie stehen.

Die Unzufriedenheit ist immer in sich begründet. Man ist mit sich unzufrieden. Nun kann man das benennen oder nicht, man kann Fragen, warum es so ist , und wie man es ändern könnte. Das führt aber zu recht wenig. Natürlich könnte einem jemand sagen, was man hätte wann anders machen können. Konstruktiv ist das nicht.

Heute hatte ich neben dem Miststück, das auch mal wieder eintrudelte, Besuch. Unverhofft klingelte es und Peti stand vor der Tür. Ich hab mich sehr gefreut. Natürlich hatte sie wie immer wenig Zeit und das Miststück war auch da, so hielt sich unser Gesprächsstoff in Grenzen. Ihr geht es sichtlich gut.

Und sie sagte was, was mich schon seit langem beschäftigt. Sie hat mal wieder viel Kontakt mit einer „alten“ Freundin und Ex-Kollegin von ihr, weil diese sich, für viele nicht überraschend, von ihrem Mann getrennt hat oder trennen will und einen Freund hat. Auf gut deutsch: sie geht fremd. Und da dem so ist, kann sie nur mit Peti darüber reden. Darüber kann man nicht mit jedem reden.

Genau das ist es, was mich schon lange beschäftigt. Ich habe sehr viel Redebedarf. Es gäbe so viel zu bereden. Mit dem Miststück kann ich das aus vielen Gründen nicht wirklich. Ich habe kein Problem damit, dass er ein Mann ist. Im Grunde kann ich mit Männern immer besser reden, aber er gehört nicht zu diesen. Was einen beziehungstechnisch sehr zu denken geben sollte. Keiner ist da, mit dem man reden könnte. Peti ist dafür sehr gut geeignet, aber ich möchte sie nicht ständig mit meinem Mist auf den Keks gehen, weiß ich doch, dass sie immer viel um die Ohren hat, familiär, beruflich.

Wer bleibt dann noch? Nessi. Nun auch das geht nicht mehr so ohne weiteres. Natürlich hab ich immer sehr viel mit ihr geredet, einiges auch ausgelassen (gerade wenn es um Sex ging). Ich vermisse sie schon. Auch wenn es mir so manches Mal auf den Geist ging. Ja, ich weiß das und ich weiß auch, dass die jetzige Situation ihre Gründe hat. Wir immer von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgingen.

Und dann frage mich, woran liegt es denn? Natürlich kann man nicht mit jedem reden. Aber es muss doch auf der großen weiten Welt jemanden geben, mit dem man das kann. Bin ich zu wählerisch? Genau das ist es. Ich brauche keine gut gemeinten Ratschläge, wenn überhaupt dann konstruktive. Verständnis und Loyalität. Das kann man leider nur selten erwarten.

Wenn ich mir so meine jetzigen Kolleginnen ansehe, dann fallen alle aus. Das ist einfach so. Ich weiß bestimmt viel über deren Privatleben. Da gibt es auch eine, die meint, sie ist immer viel allein und hätte wahrscheinlich ganz gerne noch eine Freundin, aber wenn ich mir das Gesagte so anhöre, dann ist das nicht passig. Ich brauche keine Moralaposteln, im Gegenteil. Mein Leben und meine Gedanken sind dafür ganz bestimmt nicht geeignet.

Darum mache ich vieles jetzt mit mir selber aus. Ich habe nicht mal die Lust, es hier zu posten. Da fehlen die Zeit, die Worte und irgendwie gab es das auch alles schon mal.

Klar hab ich neulich mit Nessi telefoniert und klar hat sie, sie merkt schon an meiner Stimmlage, wenn etwas nicht stimmt, erzählt, worum es geht. Aber die richtige Reaktion oder eine von mir erwartete Reaktion blieb aus. Ja, es gibt das Miststück. Das ist der Punkt, den sie nicht versteht.

Ich habe heute grade in meinem Kalender gelesen, dass er vergangenes Jahr um diese Zeit bei ihr war. Es ist vollkommen egal, warum das so war. Es war so. Niemand wird nachvollziehen können, warum sie das wollte. Momentan will sie mit ihm nichts zu tun haben und kann gar nicht verstehen, dass es mal so war. Man kann spekulieren. Ich kann mich gut erinnern, was meine holländische Freundin, die momentan aber auch nicht verfügbar ist, sie hatten sich nach Holland abgemeldet und sind wohl noch nicht zurück, sagte, als sie Nessi kennen lernte. Sie war ganz überrascht, dass Nessi und das Miststück „etwas miteinander hatten“, sie dachte fest, sie liebt Frauen, sie liebt mich. Das hat diese Frau in einer halben Stunde gesehen. Beachtlich. Wunderte mich nicht so ganz, aber zeigt wohl so manches andere.

Mir fehlt jemand. Ich merke das jetzt. Dabei rede ich grade nicht vom Sex, aber das wohl auch. Im Moment lebe ich, ACHTUNG, ziemlich asketisch. Stört mich auch nicht wirklich momentan. Es hätte schon Gelegenheiten gegeben (natürlich nicht mit dem Miststück, der ist nüchtern nicht so ohne weiteres daran interessiert bzw. kann das nicht rüber bringen). Es fehlt mir jemand, mit dem ich reden kann, über alles, ohne irgendwelche moralischen Bedenken, ohne dass dieser völlig überfordert ist, ohne dass mir zweifelhafte Ratschläge, Fragen oder Hilfen geboten werden. Das ist nicht einfach. Ich stelle da wirklich hohe Ansprüche. Möchte auch bemerken, dass ich die selbst nach bestem Wissen und Gewissen erfülle.

Mir fehlt jemand für viele Unternehmungen. Mit Nessi ging das alles, klar. Mehr oder weniger. Ich weiß, dass ich viel gemeckert habe, weil ich die Zuwendungen ihrerseits nicht wollte, den Sex nur bedingt wollte. Ich weiß, dass es auch darum scheiterte. Nicht nur am Miststück. Auch ihre Freundin, die ich nicht ausstehen kann, die wie ein rotes Tuch für mich ist, und, natürlich, ich für sie auch, spielt dabei eine Rolle.

Das Miststück taucht öfter auf, auch gehe ich öfter zu ihm Das lenkt mich ab. Wir haben auch Spaß miteinander. Ich weiß auch nicht, ob ich mich dauerhaft lösen könnte. Das würde mir schwer fallen. Auch wenn es nicht tiefgründig ist. Es ist keine Beziehung, weder im klassischen, noch in meinem Sinne. In seinem sicherlich schon, vielleicht. Keiner weiß das genau. Er ist halt da. Das ist es momentan was zählt, auch wenn es mich nicht befriedigt. Im Sinne von Sex sowieso nicht. Im Sinne von Vertrauen, Loyalität erst recht nicht.

Es gibt niemanden anders, der diesen Platz einnehmen könnte. Gefühlsmäßig wird das vielleicht nie der Fall sein. Wie sagte Nessi neulich, Du bist halt nicht der Kuscheltyp. So ist das, bei ihm war das immer anders. Aber momentan nicht mal das.

So schlage ich mich mit meinen Baustellen rum. Und habe weder für die Eine noch für die Andere eine Lösung. Ich werde sie auch nie haben, manche Dinge kann man nicht ändern, weil es eigentlich nicht die eigene Baustelle ist. So ist das Leben….

Und darum fehlt jemand, jemand, mit dem man darüber reden könnte….

Ich warte auf die Zeit, wenn ich wieder über 2,3 Liebhaber zur gleichen Zeit berichten kann. Die Zeiten gab es schon mal. Wenn sie wiederkommen, wenn ich dazu wieder in der Lage bin oder mich damit ablenken kann, vielleicht geht es mir dann besser. Die Baustellen sind dann nicht mehr so unüberwindbar, werden einfach akzeptiert.

01.11.2011 um 00:23 Uhr

Überflutete Baustellen

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es ist schon spät. Ich war schon im Bett und konnte doch nicht schlafen. Ich bin nicht nah am Wasser gebaut, aber die Tränen rollten doch. Manchmal kann man nicht anders, auch wenn es sinnlos ist.

Hatte ich nicht vor knapp 14 Tagen schon gemeint, es sei „GENUG“. Nun dann kann ich dies hier, jetzt und heute noch einmal bekräftigen.

Als das Internet noch elitär war, vor einigen Jahren, man noch wirklich Menschen traf, hatte ich mal einen guten E-Mail-Freund, der mir ab und an versicherte, wenn es dir mal zu viel wird, komm doch für ein paar Tage her. Diese E-Mail-Freundschaft, die zwar einige Jahre ging, es nie in die Realität schaffte, gibt es nicht mehr. Aber genau das ist es, was ich jetzt möchte, einfach Koffer packen und weg, weit weg. Türen zu und fort. Fortlaufen. Wohin, keine Ahnung.

Natürlich geht das nicht. Man hat Verpflichtungen und das nötige Kleingeld für’s Abhauen fehlt auch.

Ich wünsche mir oft, dass es jemandem im Leben gäbe, auf den man Vertrauen kann, der einem in solchen Situationen sagt: Kopf hoch, wird schon. Sicher solche Menschen hat es schon gegeben. Mein Ex hat immer behauptet, das kriegen wir hin. Hingekriegt haben wir / er es denn im wahrsten Sinne des Wortes. Auch Nessi hat das oft gesagt, nun sie ist nicht wirklich mehr da. Sie geht das nichts mehr an. Wessen Schuld? Nun darüber kann man lange nachdenken, aber zu einem wirklichen Ergebnis kommt man nicht.

Heute Nachmittag bin ich dann erst mal los. Natürlich zum Miststück, ich weiß ich sollte mir mal einen passenden Namen für ihn ausdenken, aber eigentlich und uneigentlich ist er ja passend. Natürlich kann er mich nicht aufmuntern, versucht es auch gar nicht. Fragt zwar, was los ist, ist aber mit einer lapidaren Antwort zufrieden. Er ist seit einigen Tagen nüchtern, mal wieder. Ganz andere Baustelle, wie so viele.

Klar, das ist eine Baustelle, aber nicht die, die mich zum Heulen bringen könnte. Zum Heulen bringen mich die Machenschaften meines Ex, der aber, wie könnt es anders sein, seine Hände in Unschuld wäscht. Er kann nichts dafür. Ich bräuchte ihn nicht mal zu fragen, die Antwort kann ich mir so geben.

Vor einigen Wochen erreichte mich ein Anruf, Nummer hätte mir bekannt sein müssen, war es aber im ersten Moment nicht. Eine Nummer aus der Stadt, in der er jetzt wohnt bzw. nicht mehr wohnt. Eine Ex von ihm. Sie sind zwar seit mehr als 2 Jahren auseinander, er hat seit langem wieder eine Neue oder auch nicht, das ändert sich ständig. Aber sie war so gefrustet, dass sie mir so einiges, mir durchaus bekanntes, erzählen musste. Sie wolle Strafantrag gegen ihn stellen. Heute schrieb sie mir dann, sie macht es nicht. Es wird nicht erfolgreich sein, das hat ihr die Polizei und der Strafanwalt bestätigt. Es würde nur Geld und Nerven kosten. Und irgendwann wird er die Strafe schon bekommen. Kann man so stehen lassen oder nicht.

Was soll ich dazu sagen? Das es mir alles bekannt ist, dass ich es nicht ändern kann. Dass ich machtlos dagegen bin. Ich kenne alles, was er über mich sagt. Ich weiß, ich bin an allem schuld und neuerdings auch sein Sohn, Paulchen. Ich weiß nur, dass ich die Nase gestrichen voll habe. Ein Thema, was nach fast 10 Jahren Trennung, nach 2 Jahren Scheidung, mehr als nur abgeschlossen sein sollte und doch nicht ist.

Heute wohnt er wohl nicht mehr in der Stadt, nur zeitweise bei dieser Frau. Ansonsten irgendwo wieder hier. Mich interessiert es nicht wirklich, wo er ist, mich interessiert nicht wirklich, was er macht, wie viele Frauen er betrügt, sowohl physisch, als psychisch, als auch finanziell. Das ist mir persönlich alles egal. Sorry, mein Mitleid mit meinem Geschlecht hält sich aus vielen Gründen in Grenzen. Aber der Rest kann mir nicht egal sein.

Ich bin genauso schlau wie vorher. Ich habe keine Lösungen. Nicht mal einen Ansatz. Ich ordne wieder meine Gedanken, hoffe auf das Beste und weiß doch, es wird nicht einfach werden. Und ich möchte so gerne mal Land sehen. Und nicht nur viele, viele überflutete Baustellen…..