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04.07.2015 um 02:36 Uhr

2015

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Wir haben das Jahr 2015. Und selbst das ist bald wieder vorbei. Irgendwie. Ich war richtig schockiert, als ich las, der letzte Eintrag 2013. Wirklich solange?

Dann liest man da so, und ist gleich noch mehr schockiert. Womit man sich so beschäftigt hat in den letzten Jahren. Das ist ja grauenvoll. Briefe an das Miststück. War man das wirklich?

Davon mal abgesehen, hat sich nicht viel geändert. Die Gedanken, die antrieben, treiben immer noch. Werden sie es mal nicht tun, das ist wohl die Frage.

Was das Miststück betrifft, ich sage mal so, es gibt ihn noch, vielleicht. So genau kann man das auch wieder nicht wissen. Er hat da so ein paar Frauen oder auch nicht. Es ist mir wirklich egal. Mit Nessi habe ich WhatsApp Kontakt. Das ist aber auch so ziemlich alles. Eigentlich.

Dany hat wieder Krebs. Und allein, wenn ich das schreibe, denke ich, so ein Mist, womit DU Dich beschäftigst. Sie hat doch wirkliche Sorgen.

Detlef, mein ehemaliger, schwuler Nachbar, ist nicht mehr mein Nachbar. Sein Lebensgefährte hatte irgendwann die Nase voll und hat sich getrennt. Detlef war am Boden zerstört, tief erschüttert, suizidgefährtet (mit Ankündigung). Er wohnt nicht mehr im Ort, ist weggezogen, einfach mal so, weil er in dieser Stadt nicht mehr wohnen wollte. In dieser Stadt fühlt er sich nicht sehr wohl, sagt er. Er vermisst unser kleines Städtchen, die paar Bekannten, die er hatte. Wir haben sporadisch Kontakt.

Meiner Püppi, meiner Enkelin, geht es hoffentlich gut. Ich sehe sie selten. Ob das nun immer an der Entfernung liegt, an den fehlenden finanziellen Mitteln ihrer Eltern, ich kann es nicht beurteilen. Sie wird auch ein Geschwisterchen bekommen. Im Herbst. Die Entscheidung kann ich persönlich nur schwer nachvollziehen. Ich war immer die Ein-Kind-Mutter und wollte auch die Ein-Kind-Oma bleiben. Zumal ich der Meinung bin, wenn man mehr oder weniger mit einem Kind schon überfordert ist, wie soll das mit zwei Kindern sein? Mit zwei Kindern wäre ich wahrscheinlich auch überfordert gewesen. Das war auch der Grund. Es ist aber so, wie es ist. Ich muss das auch nicht verstehen. Das ist die andere Seite.

Was mich am Meisten umtreibt in den letzten Tagen, ist aber eine ganz andere Tatsache. Ich habe es schon 2013 geschrieben. Diese Inaktivität. Die ist einfach so. Warum es so ist, wie es ist, dafür gibt es vielleicht Gründe oder auch nicht, man kann das auch psychologisch untersuchen, was aber nicht wirklich was ändert. Man kann auch mit dem Nichtstun beschäftigt sein. Diese Unzufriedenheit.

Ich wundere mich darüber nicht. Warum sollte ICH auch zufrieden sein? Was wäre ein Grund zufrieden zu sein? Ich bin lange in einem Alter,  da möchte man etabliert sein, angekommen. Das bin ich nicht. Die Meisten werden von sich gedacht haben, sie werden mal was ganz Großes. Erfinden das Fahrrad neu, entdecken ein Wundermittel, komponieren ein tolles Musikstück. Was auch immer. Den Wenigsten gelingt das wirklich. Ja. Ist das beruhigend? Für mich nicht. Wenn jetzt jemand antwortet, dann mach doch. Dann hat er Recht, die Frage ist dann aber, was? Ich habe immer gedacht, irgendwann wird es schon mal DAS geben, die andere Karriere, die Geld, Einfluss; Macht bringt. Nein. Was man falsch gemacht hat, wenn man das wüsste, könnte man es beantworten.

Euphemistisch gesagt, ich bin Hausfrau. Diese Aussage ist eine glatte Lüge, denn wenn ich was nicht bin, ist es Hausfrau. Es mag Frauen geben, die sind vollkommen zufrieden damit. Ich war es nie, werde es nie sein.

Ich war mal wieder ein paar Tage arbeiten. Anfang des Jahres. Eine sogenannte zusätzliche pädagogische Tätigkeit in einer Kindergruppe. Kenne ich ja schon. Allerdings hätte man in dieser Einrichtung gern gesehen, dass diese pädagogische Tätigkeit nicht stattgefunden hätte, sondern mehr eine Reinigungstätigkeit. Was ich  ablehnte. Es ist nichts Schlimmes daran, wenn geputzt wird, das muss so sein, darin ist nichts Ehrenrühriges. Aber ich finde darin keine Befriedigung.

Ich hatte dort die tollsten Erlebnisse, die zum Teil auch lustig waren oder auch traurig, je nach Betrachtung. Wir haben uns  ganz gut verstanden. Mir ist es gesundheitlich nicht immer leicht gefallen. Das habe ich gemerkt. So wie ich auch gelernt habe, dass es mir fehlt, dieser Termindruck. Warum ist der Bericht noch nicht fertig, das Telefon klingelt und gleichzeitig muss man Besucher koordinieren, Kinder beruhigen, was auch immer. Das was die Anderen bemängeln, hätte ich gerne mal.

Das es mir dann nicht unbedingt gefallen würde, dass ich es vielleicht auch nicht mehr schaffen würde, das bezweifle ich gar nicht.

Und dann die familiäre Situation. Die hat sich nicht verändert. Der Sohn meldet sich, wie gesagt, sehr selten. Man selbst möchte nicht stören und lässt sie natürlich in Ruhe. Das wollten wir ja auch so. Ist also nicht ungewöhnlich. Nessi ist beschäftigt, mit Job, Personalrat, Förderverein, Weiterbildung, Eltern, Kumpels etc. Das Miststück mit seinen Frauen, mit Alkohol.

Ich bin mit nichts beschäftigt und dazu noch zu faul!

Das Allerschlimmste ist, dass die "älteren Leute" ein Leben haben. Meine Ex-Schwiegermutter ist in den letzten Jahren aufgeblüht. Mein Vater ist telefonisch nur schwer erreichbar. Es geht nur noch die T-Net-Box ran, weil er telefoniert. Mit wem? Keine Ahnung.

Die haben tatsächlich ein Leben.

Ich kann das nicht wirklich fassen.

Es gab da mal so was wie Liebhaber. Gab es mal. Ronald war vor kurzem mal da, ich hatte aber einen Termin, ich sollte mich melden. Dabei blieb es. Da muss man sich ja duschen, fertig machen, aufräumen und überhaupt.

Schrecklich. Klar.

 

 

 

 


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