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03.04.2013 um 00:38 Uhr

Erkenntnisse

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Meine Oma hat immer gesagt, die Zeit vergeht so schnell. Mit zunehmendem Alter vergeht Zeit immer schneller. Und ich habe gedacht, was die redet. Zeit konnte gar nicht schnell genug vergehen.

Heute denke ich anders. Wenn ich meine letzten „Aufzeichnungen“ betrachte, dann ist viel Zeit vergangen und dann doch wieder nicht. Komisch, oder?

Erst mal ein bissel zur Selbsterkenntnis: Ich bin eine dumme Kuh und lerne nicht aus meinen Fehlern. Irgendwann sollte es Frau mal kapieren. Ist aber nicht so. Sollte einem wirklich zu denken geben, das trifft auf viele Lebenslagen zu.

Es ist immerhin so viel Zeit vergangen, dass ich die ärztlichen Untersuchungen im Jahre 2012 abgeschlossen habe. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, mit welchem Ergebnis. Eigentlich mit keinem, aber so ist es halt.

Die Zeit in der Jugendgruppe habe ich auch absolviert. Schön war es nicht, aber ich war ja oft krank. Also habe ich alles einfach so hingenommen, wie es kam. Die Damen und Herren waren wohl sehr zufrieden, mit den Jungs kam ich klar. Der Teamleiter bestätigte mir Engagement, allerdings durfte ich ihm dieses Wort erst buchstabieren, sonst könne er es nicht schreiben.

Bei Paulchen und dem Miststück ergaben sich keine gravierenden Änderungen im Jahr 2012.

Nun schreiben wir lange das Jahr 2013. Ich habe schon Ostersonntag gesagt, es riecht draußen wie Silvester. Irgendwo gab es ein Feuerwerk, es roch nach Schnee, es schneite. Es sah also wirklich so aus und wenn man es recht bedenkt, so lange ist es nicht mehr bis Silvester.

Das Wetter geht einem gelinde gesagt auf den nicht vorhandenen Sack. Aber ob das so ist oder nicht, dem Wetter ist das egal, es ändert sich nicht. Im Gegenteil sind für die nächsten Tage wieder Schneefälle angesagt.

Haben wir April? Waren in der vergangenen Jahren nicht die Heizungen schon abgedreht. Man darf sich also auf die Rechnung nächstes Jahr freuen.

Wie dem auch sei, ich bin eine dumme Kuh. Das bezieht sich natürlich immer auf das Miststück, denn da ändert sich nie wirklich was.

Aber es bezieht sich auch auf mein „berufliches“ Leben. Vor einigen Wochen traf ich einen alten Bekannten, der mir erzählte, dass in der Kirche wieder Leute gesucht werden. Für April. Und ich dachte, gute Idee. Kirche, da hast deine Ruhe. Ich habe diese Zeit damals sehr genossen. Fand sie z. T. idyllisch. Natürlich, wenn das Wetter kalt, regnerisch, stürmisch ist, ist die Zeit dort nicht angenehm. Aber das übersteht man.

Natürlich habe ich das meiner Fallmanagerin erzählt. Ich würde gerne in die Kirche. Und natürlich würde ich auch auf Nachfrage etwas anderes machen. Außerdem ergab es sich dann noch, dass in der Presse eine Ausschreibung zur Nichtschülerprüfung zum staatlich anerkannten Erzieher stand.

Wollte ich das nicht immer?

Also habe ich mir in einem Informationsgespräch das Ganze angehört. Ich war hin- und hergerissen. Der Bildungsträger hat diese Qualifizierung auf 2 Jahre reduziert, weil, wie öfter in der Presse zu lesen, hören war, Bund und Länder sich über die Jahre der Erzieherausbildung streiten. Nun dauert das Ganze zwei Jahre, inklusive Prüfung, diverser Praktika und des so genannten Anerkennungsjahres. Ich war ganz gut informiert, schließlich beschäftige ich mich schon seit einiger Zeit mit diesem Thema und kenne auch einige Erzieher, Leute, die im sozialen Bereich arbeiten etc. So stellte sich mir schnell die Frage, ist das noch zu schaffen. Die Durchfallquote liegt dann auch bei 90 %.

Ich habe lange darüber nachgedacht, machst du das, machst du das nicht, willst du dir in deinem Alter das noch antun? Es ist mit Sicherheit nicht einfach. Die Stunden in der Schule, die Fahrten, der lange Tag. Alles das. Es gibt so einige, die mich für komplett verrückt erklärten, dass ich das überhaupt in Erwägung zog. Andere waren sofort der Meinung, was denkst überhaupt nach, natürlich schaffst du das, und endlich was mit Perspektive. Deine Couch ist dich erst mal los, selbst, wenn du nicht als Erzieher arbeiten willst, kannst dann noch anderes im sozialen Bereich machen. Verständlich ist, dass du nicht unbedingt mit Babys arbeiten möchtest (Rücken).Da wird sich dann schon finden.

Es gab eine Menge zu bedenken, die Entscheidung fiel mir nicht leicht.

Das Jobcenter war mir natürlich keine Hilfe. Sie bekräftigte mich stark in meinen Bedenken und offerierte mir auch, es wird sicherlich in nächster Zeit ähnliche Angebote durch uns geben. Wir bedenken Sie dann. Aber vllt. gibt es auch keine neuen Angebote durch uns. Wir haben schließlich mehrere Erzieherhelfer „in Ausbildung“. Wir müssen erst mal sehen, wie das wird und wie die unterkommen.

Ich weiß, dass diese Maßnahme hier im Ort nicht besonders gut läuft, da ich dort eine Bekannte habe, die daran teilnimmt. Auch da sind die Praktika und die Finanzierung dieser nicht gewiss. Zum Anderen gibt es in jedem größeren Ort hier im Umkreis diese Lehrgänge.

Natürlich kann man darüber mit dem Jobcenter nicht sprechen. Die sind ihrem Arbeitgeber über loyal und müssen das sicher auch sein.

Der Eindruck, der aber bei allen anderen entsteht, ist der, dass mal wieder auf Grund einer gesellschaftlichen, politischen Nachfrage schnell was zusammengestrickt wurde, was nicht viel Sinn und Verstand hat. Könnte im Übrigen auch auf die Qualifizierung zum Erzieher zu treffen. Neu ist diese Erkenntnis ja nicht. Nur den Behörden ist diese Erkenntnis natürlich neu, ja sie ist sogar falsch.

So hat meine Fallmanagerin sich immer sehr bedeckt gehalten, ob überhaupt ein Bildungsgutschein erteilt wird.

Zu guter Letzt habe ich mich dann entschieden. Jawohl, ich mache das. Es ist vllt. die einzige Chance, die sich bietet, dies zu tun. Wer weiß, ob in naher Zukunft etwas stattfindet.

Meine Fallmanagerin wollte nun, dass ich bei meiner Hausärztin die Tauglichkeit prüfen lasse.

Ich hatte den Eindruck, dass dies ungewöhnlich ist und von den anderen Teilnehmern der Qualifizierung nicht verlangt wurde. Die Maßnahme findet ja in einem anderen Landkreis statt.

Dazu muss ich dann noch sagen: Da ich ja unbedingt in die Kirche wollte, meine Bereitschaft für einen 1-Euro-Job damit mal wieder erklärt habe, erhielt ich auch vor einigen Wochen einen. Natürlich nicht in der Kirche.

Es kam da zu mehreren Versuchen. Ich landete dann in einem Hort der Grundschule in meiner Nähe. Weit ist es also nicht.

Dies ist natürlich eine Maßnahme, die genau dem Profil entspricht: Arbeit mit Kindern. Ich hätte sie also nie ablehnen können.

Ich war auch gar nicht abgeneigt. Natürlich hätte ich mir gewünscht, die Zeit bis zur Qualifizierungsmaßahme noch anders nutzen zu können, aber naja was soll es.

Bei dem Gespräch im Hort war dann gleich klar. Eine zusätzliche Erzieherin war nicht gesucht, eher ein Mädchen für alles, also jemand, der all das macht, was die Erzieherinnen nicht machen möchten. Mir wurde gleich gesagt, mit den Kindern hätte ich nicht viel zu tun. Ich solle mich darum kümmern, dass immer Tee zur Verfügung steht, die Teetassen abwaschen, Staub wischen, Obst- und Gemüse bereitstellen. Und die Buskinder zum Bus bringen.

Der Widerspruch in sich. Einerseits sollst du mit den Kindern nichts zu tun haben, dafür gibt es gut ausgebildete Fachkräfte, anderseits darfst du natürlich die Kinder zum Bus begleiten und die Verantwortung übernehmen. Nebenbei gesagt gibt es in dem Hort noch einen Bufdi, der also die gleichen Arbeiten übernimmt. Den Busdienst kann man sich also teilen. Den Abwasch auch.

Dass ich davon nicht begeistert war, kann man sich gut vorstellen. Wieder so eine Dienstmädchenmaßnahme. Davon habe ich wirklich genug. Nicht zuletzt ist derartiges auch gar nicht statthaft.

Ich habe das auch geäußert, aber mit wenig Erfolg. Da die zuständige Mitarbeiterin des Trägers der Maßnahme mir mehr oder weniger versicherte, man könne an der Zeit etwas drehen, war ich einverstanden. Die Arbeitszeiten im Hort sind alles andere als schön, der Dienst geht von morgens 6 bis 8 Uhr und von 13 bis 17 Uhr. Die Horterzieherinnen haben natürlich einen ähnlichen Dienst, können sich das aber wochenweise einteilen bzw. arbeiten stundenweise noch in der nahe gelegenen Kindertagesstätte, so dass dieser Nachmittagsdienst teilweise weg fällt.

Okay, ich ließ mich darauf ein, arbeitete von 12.30 bis 17 Uhr. Zufrieden war ich nicht. Aber mit dem Kompromiss konnte ich leben.

Hätte ich leben können.

Ein-Euro-Jobber, das muss man auch wissen, ist nicht in der Lage, seine Arbeitszeit einzuhalten. Er benötigt Hilfe. Das ist ein Fakt, kann man sicher irgendwo nachlesen. Deswegen wird schon seit Jahren erwartet, dass Stundenzettel geschrieben werden, Tätigkeitsnachweise erstellt werden. Märchenbücher sind sicher manchmal weniger märchenhaft. Natürlich schreib ich auch solche Zettel, hatte in der Vergangenheit auch damit keine Probleme, aber die Hortleiterin war damit nicht einverstanden. Wusste sie doch nicht, dass ich zwar nur ab mittags arbeite, mir aber dennoch 6 Stunden schreibe. Das geht nicht, das kann sie nicht unterschreiben.

Ich konnte daran nichts ändern, schließlich wurde mir das irgendwie so offeriert.

Die zuständige Mitarbeiterin des Maßnahmeträgers sagte mir dann am Telefon, die solle sich nicht so haben und unterschreiben.

Es gingen ein paar Tage ins Land, bevor sich die Damen selbst unterhalten konnten.

Muss ich erwähnen, dass wir uns nicht besonders mögen? Liegt auf der Hand. Weder die Hortleiterin mag mich, noch ich sie. Auch die Dame des Maßnahmeträgers gehört nicht zu meinen Freundinnen, wir hatten schon mal das Vergnügen.

Das Ende vom Lied war, dass von dieser Absprache keiner was gewusst hat. Die gute Dame könnte doch nie gestatten, dass ich mir 6 Stunden schreibe, obwohl ich nur 4 arbeite, dass müsse ich verstehen. Das wäre ja Betrug. Das Jobcenter könnte das evtl. genehmigen, das müsste ich absprechen.

Natürlich möchte das Jobcenter das nicht, auch das liegt auf der Hand, schließlich jegliche Äußerungen, ich könnte das körperlich nicht schaffen, gehen nicht, weil ich die Qualifizierung möchte. Das wäre absurd (was verständlich ist). Persönliche Ressentiments wurden seitens der Hortleitung nicht geltend gemacht, warum sollten sie auch.

Das Ende vom Lied ist, die Arbeitszeit wurde nun aufgeteilt.

Soweit so gut.

In der Ferienzeit wird die Arbeitszeit nicht so aufgeteilt. Gründonnerstag hatte ich also Dienst von 9 bis 15 Uhr. Da ich aber das Formular zur Untersuchung bei meiner Hausärztin vom Jobcenter abholen wollte – das Jobcenter scheint Geld sprich Porto zu sparen, man muss sich neuerdings, man hat ja auch Zeit, immer alles abholen und danach noch zu meiner Ärztin wollte, das wäre dann nicht zu schaffen. Das Jobcenter hat nur von 9 bis 16.00 Uhr geöffnet, wie die Sprechzeiten bei der Ärztin zum Gründonnerstag waren, war mir unbekannt, konnte mir aber vorstellen, dass dies nicht lange sein würde. Also sprach ich die Hortleitung daraufhin an, ob es möglich wäre, meinen Dienst entsprechend zu verschieben. Im Übrigen gab ich keine Einzelheiten bekannt, nur dass ich zum Jobcenter müsse und dann in deren Auftrag zum Arzt. Das ging natürlich nicht, schließlich hätte ich das eher anmerken müssen. Dass ich das nicht eher wusste, spielte keine Rolle. Da meine Fallmanagerin selbst nicht mehr erreichbar war, sprach die Hortleitung bei einer anderen Mitarbeiterin des Jobcenters vor, die dann bestätigte, ich könne nach Dienstschluss zum Jobcenter und am Dienstag nach Ostern dann zum Arzt gehen.

Ja, was soll man da machen. Da bleibt einem keine andere Wahl.

Das Formular holte ich Gründdonnerstag, meine Hausärztin erreichte ich nicht mehr. Heute, Dienstag nach Ostern, machte ich dann von 6 bis 8 Dienst und ging dann zum Arzt.

Zwischenzeitlich war ich extrem erkältet.

Meine Ärztin störte das allerdings gar nicht so, was mich verwunderte. Zwar bin ich der Meinung man sollte seine Bazillen nicht auch noch verteilen, aber das sehe ich wohl nur so.

Und nun kommt es: Ich wurde untersucht, befragt, ob ich mir das zutraue usw. Sie hat natürlich nichts dagegen, wenn ich das möchte. Bei der Untersuchung hatte ich dann einen sehr hohen Blutdruck. Sie unterschreibt die Tauglichkeit nicht, erst, wenn das mit dem Bluthochdruck geklärt wird und mit diesem Blutdruck kann ich auch nicht arbeiten gehen.

Nun bin also wieder zu Hause, eine Erklärung für den Bluthochdruck habe ich schon, der liegt wohl ganz einfach in dieser Situation begründet.

Morgen bekomme ich dann das 24 Stunden Gerät, das letzte vor einem halben Jahr ist mir buchstäblich um die Ohren geflogen. Der Blutdruck war damals aber in Ordnung.

Einen Termin zur Darmspiegelung habe ich auch, weil da was nicht so ist, wie es sein sollte. Ich habe seit fast 14 Tagen meine Periode, und davor war auch nur eine Pause von 8 Tagen. Also medizinisch gesehen könnte da einiges passieren, was ich zum jetzigen Zeitpunkt so nicht unbedingt wollte.

Natürlich könnte ich etwas verspätet beginnen, vielleicht am 15. April. Die Maßnahme beginnt am 4. April. Das ganze Gezeter hat also eh lange gedauert.

Meine Fallmanagerin sagte, ich solle mich erst mal ausruhen, in Ruhe gesund werden und dann mal sehen.

Und mal ehrlich, es wäre schon so schwer, wenn man dann auch noch krankheitsbedingt später anfängt oder ausfällt, sich unter Druck setzt, was soll da dann raus kommen?

Die Qualifizierung ist als erst mal Geschichte. Und ich? Ich habe Zeit. Ich muss mir das nicht antun. Man hat seitens des Jobcenters kein Verständnis für mich gezeigt, mir war schon vorher klar, dass ich ähnlich auf die Situation reagiere. Natürlich ist die Maßnahme nicht so, wie sie sein sollte. Ist das nicht auch Betrug? Raus geschmissenes Steuergeld?

Ich würde es so sehen. Wichtig ist meine Tätigkeit im Hort nicht, das könnten die Erzieher durchaus selbst tun. Müssten sie auch, gäbe es keine 1-Euro-Jobber oder Bufdis. Zum Berufsbild eines Erziehers gehören durchaus auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Nicht zuletzt könnten bei einigen Tätigkeiten auch die Kinder hinzu gezogen werden, die sollen das ja auch lernen und wertschätzen.

Was vermitteln wir eigentlich den Kindern? Für niedere Arbeiten gibt es ja ein paar andere Dumme.

Ich setze mich vorläufig nun nicht mehr unter Druck. Und vllt. sollte man darüber nachdenken, ob es nicht nötig wäre, derartiges Mal publik zu machen.

Die Erkenntnis ist, die ich hoffentlich nie wieder vergessen werde, melde dich  nie wieder freiwillig für irgendwas. Es kommt nichts bei raus!

Was habe ich die 2 Stunden auf Arbeit gemacht? Ich habe Tee gekocht, Teetassen abgewaschen, Staub gewischt, Blumen gegossen. Die Mitarbeiterin des Maßnahmeträgers wollte übrigens, nach Vorlage meiner Tätigkeitsnachweise, daraus vllt. noch eine zweite oder dritte machen. Je nachdem, was ich so zu tun habe. Deren Arbeitsplatz, der jährlich aufs Neue befristet wird, muss auch irgendwie erhalten bleiben. Das muss man auch verstehen.

Naütrlich muss ich mir eingestehen, dass es durchaus Frauen gab/gibt, die mit dieser Tätigkeit sehr glücklich waren. Die Dame, die zurzeit als Bufdi tätig ist, macht dies schon 10 Jahre. Meine Vorgängerin, ich lernte sie mal kurz kennen, war auch sehr zufrieden und freut sich, das bald wieder tun zu dürfen. Sie wird die Bufdi-Stelle übernehmen.

Das ändert nichts an meinen Gefühlen. Man kann halt nur schwer über seinen Schatten springen.

Die Themen Miststück und Paulchen vertage ich, denn auch die könnten umfangreich sein.

 

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenJOblogt schreibt am 07.04.2013 um 11:43 Uhr:Die Typen, die die 1 Euro Jobs erfunden haben sollten mal selbst in einem solchen Arbeitsverhältnis arbeiten.
  2. zitierenPaulinchen schreibt am 09.04.2013 um 00:41 Uhr:Müssen sie aber nicht, das ist der Fehler daran.

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