Und wieder...
Heute vor genau einem Jahr habe ich einem Mann mein Herz geschenkt. Klingt ziemlich pathetisch, ist aber so. War auch eine ziemlich große Sache für mich. Es hat sich damals auch genau so angefühlt - groß, wichtig, bedeutend. Obwohl es gar nicht so ablief: Wir lagen auf der Couch und haben zu romantischer Musik rumgeknutscht. Das ist das Tolle am Anfang einer Beziehung, dass man sowas noch macht. Wenn man dann später danach fragt, wird man blöd angeguckt. Zurück zum Thema... Wir hatten uns eine Woche nicht gesehen und unsere letzte Begegnung war etwas seltsam gewesen. Ich gebe zu, ich war vor ihm - nennen wir ihn J. - geflohen. Jetzt also auf ein Neues. Ich wollte alles wieder gut machen, vor allem, dass ich ihn eine Woche lang in Unsicherheit gelassen hatte. Wie beginnt man so ein wichtiges Gespräch? "Okay" sagte ich. Er hob seinen Blick mühsam von meinem Ausschnitt und fragte "Was, okay?". Und ich darauf: "Okay, wir können das machen. Zusammensein. So richtig, offiziell." Er hat sich seeehr gefreut. Klingt natürlich mehr, als hätte ich J. mein Auto verkauft, als mein Herz zu Füßen gelegt. Und an dieser Rede hatte ich eine Woche gebastelt! Naja, nicht an dieser. Meine Rede war eine kleine feine Rede zum Thema "Ich bin zwar beziehungsscheu, aber ich riskiere es jetzt einfach" gewesen. Rhetorisch und dramaturgisch ausgereift. Was am Ende rausgekommen ist, siehe oben. Wie immer in solchen Situationen, fällt einem dann wieder nix mehr ein. Die Botschaft ist trotzdem angekommen. Im Übrigen hatte ich nicht nur an der Rede eine Woche gefeilt, sondern auch eine Woche lang darüber nachgedacht, ob ich das Wagnis überhaupt eingehen soll. Ich hatte mich mit meiner besten Freundin besprochen - die praktischerweise auch eine gute Freundin von J. ist und mir deshalb eine gute Ratgeberin sein konnte, innerlich Pro- und Contra-Listen erstellt, das ganze Programm. Und mich schließlich für J. entschieden. Was, selbst im Nachhinein betrachtet, eine gute Entscheidung war. Auch wenn er knappe sieben Monate später auf meinem armen Herz rumgetrampelt ist und es nicht mehr wollte. Das nur der Vollständigkeit halber.
Tja, das war vor einem Jahr. Damit sollte das Thema jetzt abgeschlossen sein. So retrospektiv betrachtet ist das alles sogar ziemlich lustig. Irgendwie.
Jetzt aber, um das Ganze hier mal wieder in unterhaltsamere Bahnen zu lenken, was richtig Lustiges. Eine Episode aus der Rubrik "Die blödesten Anmachen der Welt":
Es war letztes Wochenende. Meine Cousine hat ihre Hochzeit nachgefeiert. Womit rechnet man bei einer Familienfeier am allerwenigsten? Jemanden kennenzulernen. Ich habe mich trotzdem, wie man so sagt, schön gemacht. Ich sah' auch echt klasse aus - das volle Programm: elegantes Kleid, Haare hochgesteckt, dezent geschminkt. Ganz passabel. (Sooo eitel bin ich dann auch nicht. Aber ich war mit meinem Spiegelbild ganz zufrieden.) Unter den Gästen befand sich ein (!!!) Single-Mann mit dem ich nicht verwandt bin - der Onkel der Braut, R.. Onkel klingt so alt... er mag wohl Mitte dreißig sein, ein Nachzügler. Ich kenne R. seit ich denken kann, da er bei jedem Geburtstag meiner Cousinen anwesend war. Ich hatte ihn in allen peinlichen Phasen der Pubertät gesehen und er mich. Es gab für mich nichts asexuelleres als R. Er saß auch den ganzen Abend brav neben seinen Eltern und hat das Geschehen beobachtet. Als sich langsam Aufbruchstimmung verbreitete, ging er dann zum Angriff über. Ich unterhielt mich gerade mit meiner Cousine nebst Gatten, als R. "angeschlendert" kam. Und sich ins Gespräch einmischte. Dreist riss er das Gespräch an sich, unterhielt sich zunächst mit der Braut um dann ganz allmählich auf mich umzuschwenken. Er ging ganz elegant vor, stieg mit folgendem Satz ein: "Und? Wie ist es bei dir so mit Männern?" Hä? Nochmal hä? Was soll das? Wir kennen uns kaum! Ich druckste also etwas rum, gestand, dass es da niemanden gibt, momentan. Er, sofort ermutigt, teilte mir ganz plump mit, dass ich was für ihn wäre, wenn ich nicht so jung wäre. Ich musste lachen. Sehr unsensibel, ich weiß. Fand er wohl auch, und fragte, warum. Ob er denn nichts für mich sei. Ich rettete mich in Arroganz. Natürlich ironisch gemeint sagte ich: "Mein letzter Freund war Tierarzt. Darunter mach' ich's nicht mehr." Ein Brüller, oder? War natürlich scherzhaft gemeint, um dem penetranten Kerl durch die Blume zu sagen, dass er allein vom Niveau nicht mein Typ ist. Er war beleidigt und zog ab. Später erfuhr ich, dass er danach direkt zu meiner Schwester ging - die jünger ist als ich! Mit ihr wechselte er drei harmlose Sätze, dann kam die Knallereröffnung: "Und? Wie ist es bei dir so mit Männern?" Sie druckste ebenfalls rum, er erwähnte, dass er mit mir auch schon darüber gesprochen habe (?), meine Schwester floh. Was für ein notgeiler (Entschuldigung!) Arsch! Ein Wunder, dass er es danach nicht bei unseren noch jüngeren Cousinen versucht hat!
Und mit dieser Story, über die ich mich eine Woche später immer noch totlachen könnte, verabschiede ich mich für heute. Anziehen, Tasche packen, ab zum Sport.
