Advent, Advent... die Beziehung brennt!
Irgendwas muss gerade in der Luft liegen. Ist es die Weihnachtszeit und die damit verbundene Besinnlichkeit, die uns aufgezwungen wird? Krach, durchdrehende Herren, verzweifelte Damen allerortens. Am Wochenende auch im Hause Garfield-Maus. Garfield war auf Krawall gebürstet, warum weiß keiner, er selbst am allerwenigsten. Dabei fing es eigentlich gut an, unser vorerst letztes gemütliches Zuhause-Wochenende.
Freitags kommt der Herr immer früher nach Hause, damit wir zusammen einkaufen gehen können. Und laufen. Als er letzten Freitag reinkam, hatte er einen großen Umschlag in der Hand und meinte gleich: "Sieht schlecht aus..." Nur ein paar Tage zuvor hatte ich eine Bewerbung abgeschickt, die mir wirklich sehr wichtig war. DAS war mein absoluter Traumjob! Nun also ein großer Umschlag... drin, natürlich, meine Unterlagen. Der Job war schon weg, obwohl ich mit meiner Bewerbung so schnell gewesen war. Wurde wahrscheinlich intern vergeben - fies sowas. Dann braucht man doch nicht zu inserieren! Naja, egal. Ich war enttäuscht, klar, aber Garfield munterte mich auf. Wir gingen laufen, die Endorphine strömten, die Enttäuschung war nicht mehr so groß. Drei Bewerbungen, drei Absagen, juchhu! Kann ja nur besser werden... Nach dem Laufen Wochenendeinkauf, ziemlich entspannt, und schließlich gemeinsames Kochen. Wir haben den Schafskäse aus dem Kochblog probiert - säähr lecker!!! Alles in allem ein schöner Abend.
Samstag war früh aufstehen angesagt, denn wir mussten noch ein Taufgeschenk besorgen. Wir stürzten uns ins Getümmel und waren beide schnell genervt. Mich versöhnten die drei unschlagbaren Beruhigungsstrategien:
1. Shoppingerfolg (Ich habe das Gewünschte gefunden - Patenkind bekommt nun ein Kinderbesteck. Total niedlich und was Dauerhaftes.)
2. Essen (Da reicht schon ein Cheeseburger und ich bin glücklich...)
3. Geschenk (Garfield hat mir einen Adventskalender gekauft, weil ich doch so auf sowas stehe und ihm das auch gaaaanz subtil verklickert habe.)
Garfield dagegen wurde immer muffliger. Ich wollte ihm was zu Essen ausgeben, er wollte nix. Ich fragte natürlich an jedem Stand, ob er nicht auf dieses oder jenes Appetit hätte, es sähe doch alles so lecker aus. Ist das ein Frauending, sich nie mit einer Antwort zufrieden zu geben? Jedenfalls nervte das Garfield ganz gewaltig. Ich merkte das irgendwann auch und hielt erstmal die Klappe. Man muss ja nicht noch weiter provozieren. Da hatte ich die Rechnung aber ohne Garfield gemacht, der mein Schweigen nicht für rücksichtsvoll oder besänftigend hielt, sondern sich dadurch provoziert fühlte. Frei nach dem Motto: Wenn die nix sagt, ist die sauer. Stimmt gar nicht, nur eventuell vielleicht ganz manchmal. Wir zickten uns also leicht an, auf dem Nachhauseweg, beim Kaffee, beim Abwaschen. Die Stimmung war aufgeladen, und zwar nicht positiv. Trotzdem wurde gemeinsam lecker gekocht, alles schien irgendwie wieder gut.
Nach dem Essen wollte ich mit Garfield zusammen duschen, er wollte nicht. Ich wollte sicher gehen, dass er nicht noch sauer ist, also setzte ich mich auf seinen Schoß und fing an zu knutschen. Er machte begeistert mit, wollte schnell mehr. Ich also - eher neckend: "Ne, ich geh' jetzt duschen. Ich stinke total nach Schnitzel." Daraufhin er: "Naja, so geht die Leidenschaft dahin..." Mit Seufzer! Grundsätzlich wäre ich sogar bereit gewesen, weiter zu machen, aber diese Bemerkung brachte mich sofort auf 180. Wie konnte er nur behaupten, zwischen uns gäbe es keine Leidenschaft mehr? Hallo? Nachträglich kam raus: Er hatte es auch halb scherzhaft gemeint, aber da ich nunmal darauf ansprang... Gna! Ich würgte die Diskussion schnell ab und ging duschen. Danach duschte er und legte sich dann zu mir auf's Sofa. Ich kuschelte mich an, er streichelte meinen Rücken, alles schien wie immer. Aber er war eher ruhig, stöhnte nur ab und zu über die Doku, welche ich mir reinzog. Trotzdem war ich guter Hoffnung, dass der Streit irgendwie beendet war. Ha! Kaum waren wir im Bett, legte der Herr richtig los! Warf mir die übelsten Dinge vor: Ich würde Sex als Machtmittel benutzen, offensichtlich wäre er nicht mehr interessant genug für mich, ich würde ihn bevormunden (Die Essen-Geschichte vom Nachmittag...) etc.pp. Und natürlich kam auch der Klassiker - das bringt er immer: IMMER müsse ER sich entschuldigen, IMMER wäre ER schuld, wenn wir streiten. Ich sage das ja nicht gern, aber leider ist es so. Oft macht er ein Problem aus einer Sache, in der ich null Problem sehe. Ergo ist er irgendwie am Streit schuld. Und warum soll ich mich entschuldigen, wenn ich unberechtigterweise angegriffen werde? Irgendwann kam Garfield wieder runter, wir versöhnten uns so halb, ich schlief ein.
Sonntag morgen kuschelte er sich nicht an, so wie sonst. Ein schlechtes Zeichen! So richtig gut drauf war er nicht. Trotzdem wurde schließlich gekuschelt, eins kam zum anderen und der Herr wollte mehr. Ich aber nicht, denn mir steckte der Streit noch in den Knochen. Natürlich war Garfield sauer - auf sich selbst. Ließ mich das aber spüren, indem er sich abwandte. Ganz falsche Vorgehensweise! Der nächste Streit kam und ging. Wir einigten uns schließlich darauf, nicht mehr im Bett zu streiten (Nervt mich total!) und vor allem nicht mehr über dieses leidige Sex-Thema. Ich weiß nämlich überhaupt nicht, worüber sich der Kerl beschwert. Wir tun es im Schnitt jeden zweiten Tag! Und es ist nicht so, dass ich ihn ständig abweise! In einem Punkt hat er aber Recht: Die Initiative geht nicht mehr so oft von mir aus. Irgendwie hat meine Lust nachgelassen. Dieses "Ich will jetzt unbedingt Sex"-Gefühl ist seltener geworden. Es ist schwer, sich das einzugestehen. Und wenn der Partner dementsprechende Bemerkungen macht, fühlt man sich natürlich sofort angegriffen. Ich hab's Garfield erklärt, er hat verstanden, dass es nicht an ihm liegt oder daran, dass er nicht mehr so interessant ist. Trotzdem zieht er sein Selbstbewußtsein in der Beziehung immer noch daraus, deshalb ist und bleibt es ein heikles Thema. Beim Frühstück stellte ich folgende Theorie auf: Den meisten Sex hat man, klar, am Anfang. Irgendwann normalisiert sich das langsam. Bei uns wurde diese heiße Anfangsphase bedingt durch die Fernbeziehung ziemlich in die Länge gezogen. Mit dem Zusammenziehen hat es sich dann fast schlagartig normalisiert: etwa jeden zweiten Tag geht's zur Sache. Eine völlig normale Entwicklung, an die Garfield sich aber erst gewöhnen muss. Er interpretiert da eben ein Nachlassen meiner Gefühle rein. Bis zu einem gewissen Punkt gebe ich ihm ja recht, Sex ist ein Indikator. Aber eben nicht der einzige! Und überhaupt hat der Mann keinen Grund, sich zu beschweren - was er auch selbst erkannt hat.
So richtig war die Stimmung aber immer noch nicht wieder gut, es schwelte. Wir gingen laufen und ich redete nicht so viel wie sonst. Mir fiel einfach gerade nichts ein! Garfield fühlte sich aber wieder provoziert - siehe Samstag - und das Unglück nahm seinen Lauf... Irgendwann standen wir im Wald und schrien uns an. Auch schön. Garfield kann sich so richtig schön in schlechte Stimmung reinsteigern, tut sich dann intensiv selbst leid und wird ziemlich gehässig. Bis er wieder normal wird, das kann dauern. Hat es gestern auch. Er blickte erst wieder langsam klar, als ich ihn fragte: "Willst du, dass ich gehe? Wenn du mir jetzt sagst, du willst allein sein, dann gehe ich." Natürlich wolle er das nicht, der arme Kerl fing fast an zu heulen. Er verstand sich ja selbst nicht. Ab diesem Punkt konnte man wieder normal mit ihm reden und diskutieren. Das Feuer loderte noch ein paarmal kurz auf, aber letztendlich schafften wir es, uns wieder zusammenzuraufen. Danach hatten wir noch einen richtig schönen Restnachmittag und Abend. Ganz ohne Sex.
Fazit von Garfield: Er hat keine Ahnung, was mit ihm los war. Er schämte sich vor sich selbst und hat sich seitdem bestimmt dreimal für das versaute Wochenende entschuldigt. Ich nehm's ihm nicht übel, er soll sich ruhig auch mal austoben. Aber dank meiner Konfliktscheue und Harmoniesucht sind solche Streits für mich eben immer mittelschwere Katastrophen. Außerdem sind wir die nächsten beiden Wochenenden ausgebucht, somit war dies also fast unser einziges ruhiges Adventswochenende. Naja, Hauptsache wir kriegen uns am Ende immer wieder ein...

) Ich lasse mich also überraschen - muss ja keine Bindung für's Leben sein.
