So, Rosa ist nach langem Wochenende auch mal wieder im Lande.
Das Wochenende begann schon Donnerstag mit einem Sauna-Besuch. Schön drei Stunden im Wasser bzw. Schwitzkasten rumgegammelt, mit Honig eingeschmiert, herrlich entspannend. Obwohl ICH die Entspannung ja nun nicht unbedingt bräuchte, höm. Freitag waren wir morgens nicht laufen, obwohl wir uns das fest vorgenommen hatten. Stattdessen bummelten wir rum: Frühstück, duschen, Sachen packen. Mittags ging's dann los, einmal quer durch die Republik. Endziel war Norddeutschland, mit Zwischenstopp bei Freundin T. nahe Frankfurt. Dort trudelten wir Freitag nachmittag ein, früher als erwartet. Garfield war vorher super aufgeregt, weil er Angst vor T. hatte. Oder eher vor dem, was ich ihr so über ihn erzählt habe. In seiner Vorstellung reden wir Frauen über ALLES! Stimmt natürlich nicht, auch wenn ich mit T. tatsächlich sehr viel bespreche. Zum Glück legte sich Garfields Aufregung schnell. Ob das nun am Chilli, an T.s einnehmender Art oder am Alk lag, keine Ahnung. Ich atme jedenfalls auf, er findet sie nämlich sehr nett, meine liebe T. Zunächst gab es Tee, dann ging's in die Stadt. Geplant war Weihnachtsmarkt, der hatte aber zu. Kleinstadt... Also nur ein kurzer Bummel durch die Fußgängerzone, bevor wir uns zu Hause auf's Chilli stürzten. Ich hatte T. gesteckt, dass Garfield sowas gern isst und sie hat die Chance genutzt und bei ihm ganz klar gepunktet. Nebenbei gab's Wein, danach Schoki und Chips. Alles in allem ein sehr schöner, entspannter Abend. Und rückblickend das Highlight des Wochenendes, denn die Taufe war... gähn. Aber von vorn:
Samstag war ja Taufe angesagt. Mein großer Tag, denn ich sollte Patentante werden. Morgens düsten wir also von Frankfurt nach Münster, wo nachmittags die Party steigen sollte. Wir kamen pünktlich an und machten das volle Haus noch voller. Neben der Familie des Babys (Mama, Papa, Schwester) waren noch Onkel und Tante sowie Oma und Opa des Täuflings da. Im Klartext heißt das: Mein Cousin und seine Frau nebst Töchterlein und meinem Patenkind (Im Folgenden und für immer "Mchen" genannt.), mein anderer Cousin samt Frischangetrauter, meine Tante und mein Onkel. Plus Hund und Vögel. Die Patenkindschwester, stolze vier Jahre alt, war ob des vielen Besuchs noch hyperaktiver als sonst, also sehr anstrengend. Wollte ständig bespielt werden. Zum Glück waren wir schon aufgerödelt, brauchten uns also nur auf's Sofa zu pflanzen und der Dinge harren, die da kommen. Erster Wehmutstropfen: Mchen schlief selig, konnte von mir also nicht bekuschelt werden. Zweiter Schock: Mein Cousin eröffnete mir, dass ich ein Fürbitten vorlesen müsste. Ha! Ich und lesen, in einer Kirche? Wo ich dieser ganzen Religionsgeschichte doch sowieso schon äußerst skeptisch gegenüberstehe? Immerhin hatte Patentante Nummer 2 alles vorbereitet, ich musste also wirklich nur noch lesen. Die nächsten zwei Stunden vergingen mit Rumsitzen (100 min), Neuigkeiten austauschen (5 min) und einem Videospiel (15 min). Zur Beruhigung (???) wurde dem hyperaktiven Kind ein Videospiel eingelegt, da durfte sie sich dann beschäftigen. Mögen es Kinder, wenn man lispelt? Winnie Pu lispelt. Der Sprecher in dem Videospiel lispelte auch. Seltsam.
Nach und nach traf der Rest der Taufgesellschaft ein. Andere Oma und Opa, Uroma, andere Patentante sowie die Schwägerin meines Cousins mit Mann und Kind. Der Mann ist ein richtiger Proll, das Kind einen Monat jünger als Mchen. Herr Proll erging sich den Rest des Tages darin, was sein Junior schon so geleistet hat. Wir hörten Bäuerchen-, Pinkel- und Windelgeschichten. Kennen junge Eltern keine anderen Themen mehr, als die Ausscheidungen ihrer Kinder? Bis zum Kaffee dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, ich sah meinem Schatz bereits an, dass er sich seeeeehhhhr langweilte. Immerhin, der Kuchen sagte ihm zu. (Nebenbei: Meine Plätzchen kamen super an, nicht nur beim hyperaktiven Kind. Ein Loblied auf die Puddingplätzchen!) Dann ging's zur Taufe, wobei mir erst in der Kirche dämmerte, dass wir bei den Katholiken waren. Ich war die ganze Zeit von einer evangelischen Taufe ausgegangen... Katholiken! Das sind ja die ganz Strengen! Naja, ich hab's überstanden. Das Gelaber war eher langweilig und für mich als Atheist oftmals fragwürdig, ich musste Dinge versprechen, die ich so nie einhalten werde (Von wegen, Erziehung im Glauben und so...), es wurde gesungen, Mchen verschlief alles, die Taufkerze ging relativ schnell an. Alles kein Ding, dafür gehören mir jetzt 25 Prozent des Kindes ;-) Der Rest des Tages schleppte sich so dahin: Essen, trinken, mit dem hyperaktiven Kind spielen, Mchen bekuscheln. Mir grauste vor dem Sonntag, denn Garfield war sichtlich gelangweilt.
Sonntag morgen waren Mchens Mama und das hyperaktive Kind weg, so dass meinte Tante und ich das Baby für uns hatten. Tantchen durfte ihre neue Enkelin anziehen und wickeln, ich durfte füttern. Hach! So süß! Die Kleine ist einfach entzückend! Und wie sie nach dem Fläschchen geben schnauft! Als hätte sie gerade einen Marathon hinter sich. Garfield brach noch schnell einen Streit vom Zaun, aus lauter Langeweile, kriegte sich aber wieder ein. Nach einem kleinen Spaziergang mit Baby und Cousin war auch der Rest der Bande wieder da. Mchens Mama war stinkesauer, wohl weil das Kind nicht warm genug angezogen/zu lange draußen/wasauchimmer war. Irgendwas ging ihr gehörig gegen den Strich und sie machte meinem Cousin eine Szene. Ich bekam die blanken Fragen. Erstens: Wartet man mit sowas nicht, bis man allein ist? Zweitens: Was hatte sie für ein Problem? Dem Baby ging's prima, ganz doof sind wir ja auch nicht! Und überhaupt: Warum lässt sich mein Cousin das bieten? Wo sind bloß seine Eier geblieben??? Egal, nicht aufregen. Seine Sache. Auch die Frau... nervtötend. Aufregen lohnt nicht. Der Streit hat mich doch etwas schockiert, deshalb habe ich mich erstmal versteckt. Im Kinderzimmer, beim hyperaktiven Kind. Dort waren auch schon Onkel und Tante der Kleinen. Wir haben dann echt komplizierte Spiele gespielt und uns gefragt, wieso man sich vor seinen Gästen so aufführt etc. Zwischendurch wollte ich Garfield dazuholen, doch der saß im Wohnzimmer und weigerte sich, mitzuspielen. Offenbar gefiel es ihm so mitten auf dem Schlachtfeld. Vielleicht wollte er aber auch nur heimlich das Baby beobachten. Eigentlich zeigte er kein Interesse am Mchen, aber hinterher gestand er mir: als er da so allein saß, moserte sie rum. Er ging hin, stopfte ihr den Schnuller wieder ins Mäulchen und kraulte ihr das Bäuchlein, woraufhin sie wieder einschlummerte. Er war ganz stolz auf seinen beruhigenden Einfluss. Er versteckt es, aber irgendwo sind da doch Papaqualitäten!
Wir hielten durch bis zum Kaffee, ätzend lange. Nachdem die Luft wieder rein war, verließen wir das Kinderzimmer und guckten das Video von der Taufe. Juchu! Die ganze langweilige Zeremonie nochmal! Nebenbei bemerkt: Ich sah scheiße aus. Das ist doch echt seltsam: Man guckt in den Spiegel, findet sich gut, geht los. Und dann sieht man sich auf Video oder Fotos und sieht voll daneben aus. Verstehe ich nicht. Ist wohl eines dieser Phänomene. Da das Mittagessen ausgefallen war, gab es frühzeitig Kaffee, danach machten wir uns schleunigst auf den Weg. Überraschenderweise bekam ich zum Abschmied nochmal das Baby gereicht... *schmelz*. Es nieste mich an! Es lächelte mich an! Mein Hormonmotor sprang an und ich wurde vom Kinderwunsch beseelt. Nach diesem Wochenende war ich definitiv nicht mehr fähig, vernünftige Entscheidungen zu treffen und wäre garantiert Risiken eingegangen. Zum Glück ist mein Liebster Realist und zumindest etwas desillusioniert durch das hyperaktive Kind.
Witzig: Kaum saßen wir im Auto, fiel die Langeweile von uns ab und wir redeten die ersten drei Stunden nonstop. Wir hatten wohl einiges nachzuholen...