Boys don´t cry

12.04.2007 um 07:48 Uhr

Immer noch Nachtdienst

von: Ryan

Irgendwie leb ich grade in einer völlig anderen Welt, irgendwie dachte ich auch nicht, dass es mir so schwer fallen würde tagsüber zu schlafen. Ich hab mich gestern um halb 8 hingelegt - die Sonne schien, die Vögel zwitschern ... man liegt im Bett und ist totmüde und wartet einzuschlafen und ... nix ... man dreht sich um ... nix ... Vögel zwitschern immer noch und irgendwas ganz tief im Körper sagt: "Also das ist eigentlich nicht die biologische Zeit zum schlafen." - Gut, gegen 9 hab ich das letzte Mal aufm Wecker geguckt und bin dann doch eingeschlafen - Punkt 12 war ich wieder wach ... und zwar so wach, dass ich nicht wieder einschlafen konnte. Toll. Mal gucken wie es gleich mit dem schlafen ist. Ich bin auch irgendwie nicht wirklich müde, aber man merkt, dass man sehr verlangsamt reagiert, auch wenn man denkt, man würde adäquat reagieren - man tut es nicht.

Heute Nacht durfte ich auch richtig arbeiten, da ich heute Springer für´s gesamte Krankenhaus war. Also auf jeder Station Bettenrunden mitmachen, Leute die ausm Bett gefallen waren wieder reinheben, Medikamente ausleihen und von A nach B irgendwas bringen. Das war ganz lustig, weil man sich dauernd mit irgendwem unterhalten hat, Grüße von einer Station zur nächsten tragen durfte.

Blöd war irgendwann gegen 2 Uhr nachts: Patient auf Chirurgie hat irgendwie so eingeblutete, dass sie in den Schock geraten ist (Volumenmangelschock für die Mediziner unter uns). Gut, Not-OP, gucken wo die Patientin hinblutet und Blutung stoppen. Eigentlich nicht mein Problem ... außer wenn es plötzlich heisst, dass ich mit in den OP soll ... öhm, ich? Ich nix OP können, ich noch nie im Leben im OP gewesen, nee nee ... ich musste noch beim ZVK-legen assistieren und dann kam Gott sei dank schon die Rufbereitschaft für den OP und ich war ausm Schneider.

Im übrigen wird man sehr kälteempfindlich im Nachtdienst. Ein vorgewärmtes Bett wäre jetzt total großartig.

10.04.2007 um 08:12 Uhr

Nachm Nachtdienst

von: Ryan

Musik: Johnossi - Man must dance

Immer noch wach ... wir haben 8 Uhr, ich hab seit 1,5 Stunden Feierabend ... und ich fühle mich eigentlich ganz fit. Also ich fühl mich nicht müde, nur erschöpft. Aber Nachtschicht macht schon was mit einem. Ich war vorhin beim Ortsamt und hab mich umgemeldet (endlich mal, ich schieb es seit Monaten vor mir her, mittlerweile durfte ich schon nen Strafgeld zahlen). Gut, also der nette Beamte vor mir gibt mir nen Zettel: "Bitte ausfühlen, da Ihre Adresse, hier dies und jenes und da unten ne Unterschrift." Und ich hatte den Zettel in der Hand ... und diesen Zettel ausfühlen erforderte meine gesamte Konzentration und ich war trotzdem leicht überfordert. "Entschuldigung, wo muss ich unterschreiben?" - "Da unten links." - Weiss ich wo links ist um diese Uhrzeit?!

Irgendwie isses auch nen komisches Gefühl von der Arbeit zu kommen, während alle anderen um einen herum in der Bahn zur Arbeit gehen. Ich fühl mich echt nicht müde ... ich sollte ... höchstwahrscheinlich werd ich auch sofort gleich wegknacken, sobald mein Kopf das Kissen berührt ... ich bin auch zu gar nichts anderem mehr fähig. Ich hab versucht in der Bahn zu lesen und mir sind die Buchstaben vor den Augen verschwommen. Ich könnte einkaufen gehen ... aber ich hab das Gefühl als sei mein Reaktionsvermögen eingeschränkt, mal von meiner Auffassungsgabe zu schweigen ... außerdem regnet es.

Also Heia-gehen. Es gibt in dieser kalten, verregneten, morgendlichen Welt nichts für mich. Zumindest nichts besseres als schlafen. Gute Nacht!

09.04.2007 um 18:04 Uhr

vorm Nachtdienst

von: Ryan

Die Ostertage sind so gut wie überstanden und ich muss gleich zur Arbeit - Nachtschicht. Irgendwie nen ganz seltsames Gefühl, weil ich ja heute schön ausschlafen konnte, nen bissle was in der Wohnung gemacht, alles ganz entspannt und es ist ja nun schon abends ... und ich weiss, dass ich trotzdem inner Stunde aufbrechen werde um zur Arbeit zu gehen und morgens erst wieder kommen werde.

Wenn ich nicht all zu müde bin und ich bis 8 Uhr morgens durchhalte, werd ich noch einkaufen gehen, bzw. meinen Pfandflaschenberg entsorgen. Ich war die letzten Nächte prophylaktisch schon die meiste Zeit wach. Aber nachts kommt ja auch nichts gescheites im Fernsehen. Erst hab ich mir Herr der Ringe angeschaut - großartiger Film, ich stehe ja total auf diese "Märchenwelt". Danach hab ich zwischen MTV und einem tschechischen Film hin und her gezappt.

Ich hab nen Entschluss gefasst zum Thema: "Ich bin verliebt und trau mich nichts zu sagen" - Ich werde die Schiene, die ich jetzt fahre, noch 3 Monate weiter durchziehen. Entweder es entwickelt sich was oder ich "entliebe" mich oder es bleibt dieser Status quo. Im letztern Fall werde ich ihr meine Gefühle offen legen - allerdings erst nach den Prüfungen.

Ich möchte uns irgendwie so ne komplizierte Situation ersparen, wo wir doch beide grade kurz vorm Examen stehen und ... für mich fühlt sich meine Entscheidung richtig an. Vielleicht ärgere ich mich auch im Nachhinein, weil wir beide so voreinander hineiern und es nicht gebacken kriegen und gerne wollen - keine Ahnung. Sie hat ihre Handtasche mal wieder bei mir vergessen, bzw. bei mir gelassen, also ein weiterer Grund uns diese Woche nochmal zu sehen. Oder sie hat sich neulich ein Buch bei mir ausgeliehen, weil sie es UNBEDINGT zum lernen brauchte, um es mir 2 Tage später zurück zu bringen. Vielleicht interpretier ich auch wo was rein, wo nix ist.

08.04.2007 um 05:51 Uhr

Es ist ätzend verliebt zu sein

von: Ryan

Musik: Olli Schulz & der Hund Marie - Die Ankunft der Marsianer

Ich hatte eigentlich nen ganz tollen Abend - nachdem ich mit ner Freundin fast ne halbe Stunde auf andere Freunde gewartet hab, standen wir nen bissle doof und verloren in einer Disco rum, bis meine beste Freundin dazu kam und die sagte: "Hier ist doof, lass mal wo anders hingehen." Also bin ich mit ihr zusammen losgezogen ... und es war großartig. Wir haben geredet, uns über die letzten Monate ausgetauscht, was in unserem Leben so vorgefallen ist, sind in nen halbes duzend Kneipen rein, wo grade die Musik gut war, hab hier und da nen Bier getrunken, haben getanzt, geredet, und wieder getanzt. Uns an alte Zeiten erinnert und ... es war toll ... ich kann mich sonst selten einem Menschen so offenbaren, aber bei ihr tut es mir sogar gut. Und seltsamer Weise sagt sie immer das Richtige im richtigen Moment.

Schön war auch folgendes Erlebnis noch ziemlich am Anfang des Abends: Wir standen so vor dieser Disco, in die wir zuerst rein wollten. Wir haben ziemlich lange auf unsere anderen Freunde gewartet und ich sag als die dann endlich da waren: "Naja, jetzt können wir auch noch 5 Minuten auf xy (meine beste Freundin)warten." Große Augen von Fräulein-"ch hab mir gestern die Arme aufgeschnitten und erwarte heute deine volle Aufmerksamkeit." Sie meinte dann auch sofort: "Naja, hätte ich das gewusst, dass xy auch kommt ... ich mag sie ja nicht." - "Sie mag dich auch nicht." schiesst es aus mir heraus - ich hab mich so über ihren Satz geärgert - und was soll man dazu sagen? "Entschuldigung, ich treff mich nie wieder mit xy, du hast ja recht, du weisst absolut über jeden Menschen bescheid, auch wenn ich sie länger kenne, aber viiiielen dank für deine professionelle Einschätzung."

Was soll man sonst sagen? Ich hab auch nen bissle was reininterpretiert alla: "ICH hab mir die Arme gestern zerschnitten und du willst heute Abend Zeit mit deiner besten Freundin verbringen - und wo bleibe ich? Du hast mich gestern schon hängen lassen, und nun hast du deine beste Freundin miteingeladen? Wie kannst du sowas tun?" Und nach diesem "Sie mag dich auch nicht." war Ruhe, sie hat kein weiteres Wort mit mir gewechselt. Es ist ja so, sie musste Wahrheiten verteilen und ich hab mit Wahrheiten geantwortet - selbst Schuld wenn man damit nicht umgehen kann. Denke ich zumindest - und es fühlt sich richtig an - und nachdem wir dann aus dieser Disco raus waren, hat mir der Abend mit meiner besten Freundin total gut getan. Wir gehen viel zu selten feiern. Wir haben getanzt als ob es keinen Morgen gibt, haben uns gegenseitig vor Verehern/innen gerettet, unsere Herzen einander ausgeschüttet und es war einfach schön.

Und wie ich ihr mein Herz ausgeschüttet hab ... "Du wirkst verknallt" sagte sie zu mir und ich nicke. "Kennst du noch Steffi von meinem Geburtstag?" - Sie nickt. "In die bin ich ganz furchtbar verliebt." - "Nein?!" - "Doch." - "Ryan ... nein ... wie hast du das denn gemacht? Ich kenn dich so gar nicht ... WAS war da zwischen euch in diesen Nächten?!" - "Ja nix, nur so ganz viel kuscheln ... ganz viel inniges kuscheln ... du weisst ... so ganz viel SCHÖNES kuscheln ... so nie-wieder-loslassen-kuscheln ..." - "Süüüß ... Ryan, versprich mir, dass du im nächsten Leben ne Frau wirst ..."

Naja, ich dachte eigentlich ich könnte mit dieser Situation im Moment leben ... so ganz langsam abwarten, gucken was draus wird ... so in Sachen "Ryan-ist-verliebt" ... aber ich vermiss sie schon sehr. Ich bin verliebt, wenn ich den Menschen permanent bei mir haben muss und leide, wenn es mal nicht der Fall ist. Und alles erinnert mich an sie. Jede Ecke in Hamburg, an der wir mal zusammen vorbei gelaufen sind und wie sie nachts ihren Arm um meine Taille legt und sich dichter ankuschelt ... und es zerfrisst mich, dass sie nicht bei mir ist ... ich hatte als Single so ein großartiges Leben, unabhängig, keine Konflikte mit dem anderen Menschen, ich war irgendwie so auf mich gestellt (was mir gut getan hat, keine Frage) ... und nun wo ich verknallt bin, hab ich das Gefühl als sei ein Teil von mir irgendwie bei ihr ... ich bin irgendwie kein Ganzes mehr, weil sie mir fehlt - und nur sie. Ich vermiss sie furchtbar sehr - ich hab sie vorher als wir "nur" Freunde waren mal locker 2 Wochen nicht gesehen und es war okay, aber jetzt ... jetzt möchte ich sie nur noch bei mir haben, ganz nah bei mir und ... ich bin sehr sentimental heute.

07.04.2007 um 02:01 Uhr

Ryans psychosoziale Unfähigkeit

von: Ryan

Musik: Olli Schulz & der Hund Marie - Weil die Zeit sich so beeilt

Ja, mein Tag war wie erwartet - um 2 ins Bett, um 4 wieder aufgestanden, halbtot die Schicht hinter mich gebracht, schlafen und mit Freunden treffen.

Und irgendwie war es mal wieder das alte Spielchen. Seit unserem 16. Lebensjahr haben bestimmte Leute Depressionen, Abstürze etc pp. Und lassen die ganze Welt und insbesondere den engeren Freundeskreis dran teilhaben. Ne Freundin von mir ist grade sehr verliebt, hat nen stressiges Studium und kommt grade überhaupt nicht mit sich selbst klar. Sie arbeitet selbst im Gesundheitswesen und sie weiss, dass ich mich mal selbst verletzt habe. Gut, wir sitzen also inner Kneipe und sie cremt sehr offensichtlich neben mir an ihrerm Arm rum und ich nur: "Was hast du denn ..." und seh diverse oberflächliche Schnitte an ihrem Arm (sie war kurärmelig unterwegs) und sie nur: "Das müsstest du doch kennen." Ich hab nur von meinem Bier genippt und gar nichts gesagt - ich wollte dazu auch irgendwie nichts sagen. Und sie: "Ryan, mir gehts im Moment echt schlecht und ..." Ich bin daraufhin aufgestanden und erstmal 5 Minuten vom Tisch weg.

Das hat sie sicherlich total vor den kopf gestossen und ich weiss auch, dass ich ja eigentlich für meine Freunde da sein möchte und helfen möchte ... aber ich wollte das nicht. Ich konnte es auch nicht. Ich weiss, dass sie Probleme hat und dass es im Moment heftig ist und sie leidet bestimmt, das zweifel ich nicht an ... aber ... nee. Ich konnte mir das nicht anhören, ich wollte damit nichts zu tun haben. Es war auch irgendwie so ... ich weiss gar nicht wie ich das formulieren kann ohne dass es sich vorwurfvoll anhört ... es war so offensichtlich. So ein plumper Hilfeschrei. Sicherlich muss man jeden Hilfeschrei ernst nehmen ... aber das war so nach: "Schau wie schlecht es mir geht, und DU weisst wie schlecht es einem gehen muss, damit man SOWAS macht." Ich versteh das auch irgendwie nicht - sie wollte dass wir (bzw. ich) das sehen. Ich wollte nie, dass jemand meine Schnitte sieht bzw. die Narben. Ich habe keine einzige Hose im Schrank, die nicht mindestens bis übers Knie geht und ich habe mir NIE in die Arme geschnitten.

Der Abend war eigentlich ganz nett - man redet über dies und jenes und wir mögen uns ja auch alle, immerhin kennen wir uns seit fast 10 Jahren. Naja, irgendwann ging die betreffende Freundin aufs Klo ... und kam nicht wieder ... bis ich ner andere Freundin gesagt hab, dass mir das irgendwie zu lange dauert, ob sie nicht mal nachschauen könnte ob alles in Ordnung sei. Zwei Minuten später: "Ryan, kannst du mal kommen?" Ich habs mir fast gedacht ... naja, sie saß dann apathisch aufm Klodeckel, die andere Freundin, die nach ihr gesehen hatte war so: "Mmh, und jetzt?" und sie hatte sich natürlich geschnitten. "Ich muss Druck abbauen." - Ich nur: "Ja ist klar." Es hat "nicht mal" geblutet. "Ich hab Verbandszeug in meiner Tasche." Oh also geplant ... gut. Ich hab dann echt schweigend ihren Arm desinfiziert, ne Kompresse drauf gemacht, geklebt ... und sie (diejenige welche nun Patientin war): "Ryan, willst du gar nichts dazu sagen?" Ich hab dann nur geseufzt und meinte: "Ich kann dir nicht helfen, ich würd´s gerne, aber ich kann nicht."- "Wie meinsten du das jetzt?" - "Ich hab dir oft gesagt, dass du in Therapie sollst, du reitest dich dauernd in die Scheisse. Am laufenden Band "passieren" dir solche Sachen." - "Ja aber was soll mir Therapie bringen?" Wieder Seufzer von mir. "Dann ist das wohl der falsche Zeitpunkt für dich in Therapie zu gehen." und bin dann irgendwie nur raus.

Die andere Freundin war dann noch mit ihr alleine da und sie haben geredet (im nachhinein hab ich von der Freundin gehört, das Gespräche wäre um die ewigen leidigen Themen gegangen und einsichtig war sie auch nicht). Aber ich bin dann zurück zu den anderen und hab das irgendwie ganz weit weg geschoben von mir.

Später meinte die Freundin, die bei ihr geblieben ist, zu mir: "Auf dich hört sie." Aber was soll ich machen? Ich hatte stundenlange Gespräche mit ihr, ich kenne ihre Probleme und ich hab ihr Lösungsvorschläge ohne Ende gemacht und sie nimmt auch irgendwie nichts an. Mal nebenbei der wichtige Faktor, dass ich selbst genug Leichen im Keller hab, die ich im Gegensatz zu ihr nicht breittrete und öffentlich mache ... aber ich fühl mich halt ganz stabil zur Zeit (meistens) und ich mag es stabil zu sein, und irgendwie hab ich auch Angst ausm Gleichgewicht zu geraten, wenn sich jemand an mir festhält. Mal davon abgesehen, dass ich nicht glaube, dass sie retten kann.

Und nochmal zu meinem Leben: Der Abend gestern war total schön - auch wenn ich heute den ganzen Tag vor Müdigkeit kaum aus den Augen gucken konnte. Warum bedanken sich Frauen eigentlich für schöne Abende?

05.04.2007 um 20:46 Uhr

Der Katholik bekommt Damenbesuch

von: Ryan

Musik: Olli Schulz & der Hund Marie - Und dann schlägt dein Herz

Eigentlich bin ich totmüde von der Schicht ... wirklich müde, mir ist kalt und ich will eigentlich nur noch in mein Bett ... Klingeling, Telefon: "Hi Ryan." Steffi dran, ich freu mich natürlich total. "Ryan, ich hab so Lust heute Abend noch was zu machen, wie fit bist du?" - "Ach, nicht sooo sonderlich fit." - "Hast du morgen Frühdienst?" - "Jepp, also ich möchte heute schon früh schlafen gehen." - "Aber du machst noch was mit mir oder?" ... wer könnte nein sagen? Ne Menge Leute, aber ich zur Zeit nicht ...

Und wie wird das ausgehen? Nein, ich werde natürlich nicht früh ins Bett kommen. Ich werde morgen totmüde in der U-Bahn sitzen auf dem Weg zur Arbeit und mir wünschen zu sterben, weil ich nur 3 Stunden gepennt hab oder gleich verschlafen. Ich werde mich morgen durch meinen 8 Stunden Dienst schleppen und mich verfluchen, dass ich Ja gesagt hab.

...

Und dann hat sie angerufen: "Also wir kommen vorbei, trinken mit dir ein Bier und schubbsen dich um 22.00 ins Bett und danach gehen wir weiter feiern." Super, jetzt bin ich im Stress ... Wohnung aufräumen, was zieh ich an? Woah ... Und das alles weil unsere Natur will, dass wir uns erfolgreich fortpflanzen.

05.04.2007 um 18:17 Uhr

A catholic boy

von: Ryan

Irgendwie hab ich im Moment nichts erfreuliches zu berichten. Ich komme mal wieder nicht ausm Tee und hab ziemlich wichtige Dinge zu erledigen ... und denk mir: "Ach wenn nicht heute, dann halt morgen." und diese Einstellung und Motivationslosigkeit nervt mich furchtbar.

Dann hatte ich heute meinen ersten Dienst mit meiner geliebten Kollegin Christiane. Ich hab mich da echt nicht drauf gefreut ... aber ich hab´s überstanden. Alle Nase lang wurde ich angetatscht - dieses "freundschaftliche" am Arm rumtatschen - ewig viel Platz im Zimmer aber nein, sie muss mir genau auf den Füßen stehen. Dann dieses ewige Rumgeschleime: "Ryan ist ja der beste Schüler, den wir seit laaangem hatten, Ryan ist so fleissig und arbeitet schon fast perfekt." und dieses "fast" hat sie mir dauernd unter die Nase gehalten. Irgendwann kam der Satz: "Du hast super Grundkenntnisse, aber aus dir mach ich nen ganz tollen Pfleger." Aha, großartig ... was soviel heisst wie: Das Grundwissen reicht nicht.

Sie hatte sehr viel Spaß mich dauernd spezielle Dinge zu fragen, auf die ich nie im Leben kam. Und plötzlich hatte ich das Gefühl völlig inkompetent und total ungeeignet für meinen Beruf zu sein. Bei allem was ich getan hab, hat sie mir über die Schulter geschaut, mich verbessert und Vorschläge gemacht, was ich noch alles machen kann. Das ging etwas so: "Also das hast du ganz großartig gemacht, ich bin begeistert, dass du so eigenständig arbeitest, ABER ..." Und da diese Frau mein Zeugnis schreibt und ich jetzt keine Lust auf Stress hab, hab ich das ganze Spiel über 8 Stunden mitgespielt: "Danke für dein Lob, da freu ich mich aber bla blubb." und wenn sie was erklärt hat, super interessiert tun.

Und wenn einem PERMANENT einer über die Schulter guckt (und das noch in einer körperlichen Nähe, die einem unangenehm ist), wird man unsicher und macht auch automatisch Fehler. Ich konnte echt nicht selbständig arbeiten, dauernd hat sie mir irgendwas aus der Hand genommen um es mir "besser" zu zeigen. Im Nachhinein hab ich allerdings gehört, dass sie sogar die Ärzte in ihren Arbeiten korrigiert, um diese mit ihrem unendlichen Wissensschatz zu bereichern.

Nebenbei wurde ich über mein Privatleben ausgequetscht. Sie wollte ALLES wissen. Ob ich Geschwister habe, was meine Eltern beruflich machen, meine Kinderkrankheiten, die ich so durchgemacht hab ... urg ... und dann kamen wir auf Karfreitag und Religion ... und ich hab ne neue Methode gefunden sie mir vom Hals zu halten. Ich bin nicht schwul ... sondern stocken katholisch. Aber sowas von. Gott sei dank kann ich lügen ohne rot zu werden. Sie fragte dann ganz interessiert: "Und du gehst dann doch auch beichten oder?" - "Ja ziemlich regelmäßig, das gehört für mich irgendwie dazu." - "Aber du bist nicht so tief katholisch wie man das kennt, oder?" - "Nein, aber es gibt schon Aspekte am Katholizismus, die mich sehr begeistern." Sie lachte dann so komisch und fragte so GANZ NEBENBEI NUR SO AUS SPASS: "Aber das sind doch die Katholiken mit kein Sex vor der Ehe? Das ist doch echt etwas altmodisch." und ich nur toternst: "Wieso?" Plötzlich lachte sie nicht mehr und ich hab diesen vorwurfsvollen "Du hast also gesündigt und unverheiratet Geschlechtsverkehr gehabt"-Blick aufgesetzt, wie es nur Katholiken können. Und sie nur: "Nee jetzt mal ernsthaft ... aber du hattest doch bestimmt schon mal ne Freundin, oder?" - "Ja, aber die haben das verstanden ..." Sie schluckt und ich tue als müsste ich ihr jetzt unbedingt meine ultimative Lebensweisheit von "Kein-Sex-vor-der-Ehe" vermitteln. Und ich hab vermittelt ... dass ich das ja irgendwie beängstigend finde, wie man sich körperlich jemanden hingeben kann, denn man nicht liebt und wie überbewertet Sex in der heutigen Gesellschaft ist und das Sex ja Gefühle kaputt machen könnte und man sich schon für die einzig wahre Liebe aufsparen sollte. Aber ich sei ja sonst ganz normal, bis auf diesen kleinen Aspekt in meinem Leben wo ich halt anderer Meinung bin als andere. Das hat sie sichtlich schockiert.

Eigentlich hätten wir morgen nochmal Dienst zusammen gehabt ... jetzt muss sie leider Überstunden abbauen ... ach schade ... *g*

02.04.2007 um 18:51 Uhr

Horror-Schicht

von: Ryan

Ich bin so tot ... erstmal hab ich heute echt wenig geschlafen, musste mal wieder um 4 aufstehen um zur Frühschicht zu dackeln. Eigentlich waren wir heute gut besetzt, eine examinierte Schwester, meine Wenigkeit, eine Schülerin ausm ersten Kurs und ne Praktikantin - also mal in der Reihenfolge aufgezählt, wie wir in der Nahrungskette auf Station rumrennen. Schon bei der Übergabe sagte meine examinierte Kollegin: "Irgendwie ist mir komisch." Ne halbe Stunde später hatte sie dicke Fieber und hat nur noch so lange durchgehalten bis nen examinierter Springer von ner Zeitarbeitsfirma da war. Und dann ging´s los mit dem Stress. Da ich die Patienten alle kannte und den "Überblick" hatte, war ich also ab sofort Chef ... der Springer stand so auf Station rum alla: "Und was soll ich jetzt hier?" Die holen auch nur die unfähigsten Leute zu uns ... ich hab dann erstmal eingeteilt, dass der Springer mit der Praktikantin die bettlägerigen Leute wäscht und ich mich mit der erst-Kurs-Schülerin um den Rest kümmer. Und egal um was es ging (wenn es nur darum ging, dass alle gefrühstückt hatten), ich musste ÜBERALL meine Augen drauf haben. Also unsere andere Schülerin war meine größte Hilfe, die hat so Sachen wie Blutdruckmessen, hatte die Termine der Patienten im Kopf und hat ne Menge gesehen, wo ich meine Augen nicht mehr drauf hatte, z.B. "Oh da muss nen Bett bezogen werden, das mach ich fix."

Ich ärger mich jetzt noch über diesen Springer. Ich sag zu dem: "Magste da mal ne Ringer anhängen? Da stehen die Infusionsflaschen und in der Schublade sind die Infusionsschläuche." guckt der Springer mich nur ganz doof an. "Also Infusionen auf ner fremden Stationen anhängen ... das trau ich mich hier ja nicht." - Äh, hallo? Das ist keine Transfusion, sondern NUR Ringer. Gut, also hab ich die Infusionen alle angehängt, hab mir ne Ärztin geschnappt und gesagt: "Geh mal durch die 3 Zimmer und drückt bei den Infusomaten auf Start." - "Wieso?" - "Weil ICH kein Examen hab, und der Springer sich nicht traut." Genau das gleiche Theater bei Sondennahrung: "Ich trau mich nicht, ich hab das so lange nicht gemacht und irgendwie kenn ich das gar nicht ..." WO KRIEGEN SOLCHE LEUTE IHR EXAMEN HER? Ich nur: "Das ist nicht gefährlich, das ist ein Schlauch, der geht in den Magen und da soll nur diese Flüssigkeit reintröpfeln." - "Und wenn der Schlauch in der Luftröhre sitzt?" - "Deswegen habe ich vorhin kontrolliert ob der Schlauch noch im Magen liegt!" - Der Springer guckt mich an, als ob er solche Dinge zum allerersten Mal in seinem Leben hört und sagt: "Aha."

Ich hab irgendwie um 10.00 angefangen zu dokumentieren (für alle Patienten, meine Lieblingsschwester Christiane hat unserer Schülerin verboten zu dokumentieren - es gibt viele Dinge, auf dieser Welt, die ich nicht verstehen muss ...), hab nebenbei versucht zu frühstücken - da kollabiert natürlich nen Patient - es ist so klar, dass sowas passiert, wenn ich quasi alleine nen Dienst mache ... ich hab den Patienten innerhalb von 5 Minuten an die Intensivstation verkauft.

Irgendwann gegen 12 hatte ich den totalen Ausraster. Man muss sich vorstellen: Die Visite ist fertig und muss von MIR ausgearbeitet werden, unsere Ärzte ändern so gerne Medikamente und damit die Mittagsmedis wieder aktuell sind, muss man die Visite ausarbeiten bevor die Patienten ihre Mittagsmedikation nehmen. Man muss sich das so vorstellen: Ich sitze hochkonzentriert über den Akten und um mich herum ist Chaos. Die Ärzte sabbeln, der Springer hat das Radio aufgedreht, die Praktikantin schäkert mit dem Springer, das Telefon klingelt im 5 Minuten Takt (außer mir fühlt sich auch keiner befugt mal dran zu gehen) und dauernd: "Ryan, der Patient soll jetzt sofort Marcumar kriegen sagt Frau Doktor so und so." - "Ryan, die Infusion ist durch." - "Ist der Patient schon beim MRT?" - "Ryan, Frau xy hat sich die Magensonde schon wieder gezogen, die musst du neu legen." - "Ryan, der Zugang bei Herrn yz sieht komisch an, kannst du dir den angucken?" ... und dann war Feierabend bei mir ... ich hab die Hälfte der Leute ausm Dienstzimmer geschmissen, Telefon geschnappt und mir ne Mitschülerin als Aushilfe organisiert.

So nen Dienst übersteh ich nicht nochmal ... und das tollste: Meine geliebte Schwester Christiane hat es doch wirklich geschafft: wir haben gemeinsame Frühdienste. Super, ich freu mich ja total drauf (vorsicht: *Ironie*)

01.04.2007 um 15:14 Uhr

Lovefool

von: Ryan

Musik: Ska Punk

Lovefool ... aber sowas von foolish ... wir waren gestern grillen. War auch total lustig und nett und "meine" Steffi auch dabei. Wir standen da alle ganz entspannt im Hinterhof rum, haben bis tief in die Nacht gegrillt und man konnte so ab 23.00 kaum noch was sehen. Wir mussten die Würstchen im Schein der Taschenlampe begutachten. Ich stand dann irgendwie auch immer in der Nähe des Grills, nen Bier in der Hand und hab so getan als hätte ich Ahnung vom Grillen. Ein Schritt nach hinten und irgendwie kam da nix mehr ... Ryan also hintenüber gefallen, Unterarm am Dornenstrauch zerkratzt und die linke Hand aufgeschürft, und irgendwie war mir auch schwindelig. Ich wurde 3 Mal gefragt, ob ich mir irgendwie den Kopf gestossen hätte und ich kanns nicht mehr richtig sagen.

Gott sei dank bin ich stets in Gesellschaft von diversen Krankenschwestern. Und gestern Abend hatten wir sogar noch einen angetrunkenen Arzt dabei. Sowas sollte einen beruhigen ... ganz im Gegenteil! Wir saßen dann da am Küchentisch, mein blutender Arm auf Küchenpapier und alle drum rum: "Wir sollten die Wunde spülen, da ist ganz schön viel Schmutz drin. Das gibt bestimmt ne Entzündung!" - "Was ist denn so schlimm an ner Entzündung?" - "Er kann daraufhin eine SEPSIS entwickeln und sterben!" - "Achsooo!" - "Wir sollten die Wunde mit Wiskey spülen!" kommt vom werdenden Arzt. "Wenn du mir Wiskey über den Arm kippst, bring ich dich um!" - "Wieso? Das desinfiziert doch!" - "Ich glaub, ich hab noch nen Verbandskasten im Auto." Ein Pfleger läuft los, um den Verbandskasten zu holen. "Wir müssen irgendwie die Steinchen aus der Wunde holen, hat einer ne Pinzette?" - "Nee, aber ne Gabel, wenn wir die mit Wiskey abspülen, ist die auch so gut wie steril." - "Mir ist schlecht." - "Ja Ryan, du siehst auch ganz blass aus. Nicht dass du dir doch den Kopf gestossen hast." - "Meinst du er hat nen Schädel-Hirn-Traum?" - "Möglich wäre es ja. Ryan, sag mal wer du bist und wo du bist." - "Ey, sag mal, knallt ihr jetzt alle ab?" - "Naja, somnolent isser noch nicht. Leg dich mal lieber auf die Bank." - "Aber wenn er zwischen die Hirnhäute blutet, unterstützt das die Blutung." - "Ryan, guck mal ins Licht, ich will deine Pupillenreaktion ..." - "Nimm die scheiss Taschenlampe aus meinem Gesicht!" - "Ich glaub die Pupillen sind entrundet." - "Das kann nicht sein, dann müsste ich tot sein." - "Ryan, ich mach mir Sorgen ... du hast keinen Radialispuls ..." - "Du bist doch zu blöd zum Pulsmessen, probier mal die Carotis." - "Pfoten weg von meinem Hals!"

Der Kumpel kommt mit dem Verbandskasten: "Guck mal, da ist sogar Jod drin und sterile Kompressen - oh das Jod ist seit 2 Jahren abgelaufen." - "Ach das geht noch ..." - "Nee nimm lieber den Wiskey." - "Ihr kippt mir KEINEN Wiskey über den Arm." - "Doch, Ryan, es muss sein." - Schweigen, Ryan schüttelt den Kopf, alle anderen nicken. "Ich will den Verband machen! Ich will! Ich will!" - "Wie war denn das mit dem Wischen beim Säubern? Von innen nach außen oder von außen nach innen?" - "Ach, mach einfach mal wie du denkst." - "MACH WIE DU DENKST? Das ist mein Arm!" - "Komm, Ryan, trink mal nen großen Schluck Wiskey, dann tut´s nicht so weh." - "Er sollte keinen Wiskey trinken, wenn er Schocksymptome hat!" - "Vielleicht sollten wir doch lieber nen Notarzt rufen." - "Notarzt? Ach quatsch, wir arbeiten alle im Krankenhaus, das schaffen wir schon." - "So, Ryan, trink nochmal nen großen Schluck und dann gehts los - du sagst bescheid wenn´s weh tut." - "BESCHEID!"

Nach der ganzen Aktion war mir richtig schlecht. Gleichzeitig hab ich Kopfschmerzen entwickelt - wahrscheinlich bedingt durch die Panik um mich herum oder den Wiskey. Naja, die anderen sind danach auf jeden Fall aufm Kiez und ich wurde von der guten Steffi nach Hause gebracht. Zuhause angekommen meinte sie: "Du bist doch ganz schön blass, ich mag dich eigentlich nicht so alleine über Nacht lassen, deine Kopfschmerzen machen mir doch Sorgen ..." ... oh happy Day ... *g*