Boys don´t cry

05.01.2009 um 00:17 Uhr

2009

von: Ryan

Musik: Amy McDonald

Zu erst: ein frohes neues Jahr an alle! Schon wieder ein neues Jahr - unglaublich. Mein Neujahr war im übrigen ziemlich gut - im Vergleich zu den letzten Jahren, wo ich Silvester entweder ganz alleine vorm Fernseher verbracht hab oder verstossen von anderen Leuten ebenfalls alleine. Dieses Jahr nicht. Fast wäre es so gekommen. Immer noch ein Thema in meinem Leben: Pärchen xy, wo ich mit x eines Tages mal nen ONS hatte und y (von dem ich nix wusste, also bin ich unschuldig) seit über nem 3/4 die beleidigte Leberwurst miemt und ich deswegen aus deren sozialen Leben komplett ausgeschlossen werde, obwohl diese Leute zu MEINEM sozialen Leben gehörten - aber der Freundeskreis besteht aus Kekskrümmeln und alles wird zerbröselt, was sich auf meine Seite schlägt. Wenigstens gibt es Menschen, die das tun - wofür ich unendlich dankbar bin. XY hatten also ne dicke Silvesterparty geplant, ALLE waren eingeladen, inklusive meine Lebensgefährtin, nur ich wurde wieder speziell ausgeladen - kein schönes Gefühl. Zum Glück haben mich nen paar Mädels überredet mit ihnen tanzen zu gehen - und es war echt gut - mal davon abgesehen, dass ich ewig nicht mehr tanzen war und vergessen hatte, dass es Menschen gibt, die mich sehr wohl um sich haben möchten. Das war wirklich schön.

Und ansonsten hab ich frei und versuche zu lernen wie es ist, so die Zeit ohne Arbeit rum zu kriegen - und es ist nicht leicht, wenn man erst so lange jeden Tag was vor hatten - nämlich arbeiten und dann plötzlich mal Zeit mit sich selbst verbringen muss. Ich hab die Zeit genutzt um Dinge zu tun, zu denen ich sonst nicht komme. Hab Computerspiele rausgekramt, DvDs geguckt und viel geschlafen. Oder einfach mal mit ner Pakcung Chips vorm Fernseher versacken - hab ich auch schon ewig nicht mehr getan. Morgen Abend gehts dann wieder in den Nachtdienst, meine Kolleginnen unterstützen im unermüdlichen Kampf gegen die Krankheiten des älteren Volkes. Im Kampf gegen volle Schutzhosen, alte empfindliche Haut, die nur darauf wartet aufzugehen und zu stinkenden, nicht abheilenden Wunden werden zu wollen. Im Kampf gegen zuviele Patienten in zu wenig Zeit, Im Kampf gegen die Akten (alles was nicht schriftlich irgendwo steht, ist nicht gemacht), der Kampf gegen die eigene Müdigkeit und Erschöpfung - aber ich hatte jetzt ja genug Zeit um mich selbst ausführlich zu pflegen.

Ja, wieder mal ein Jahr vorbei und die Zeit rennt und rennt ... mittlerweile wird mir meine eigene Vergänglichkeit um so gegenwärtiger. Neulich hat ich mich mit ner Freundin unterhalten - sie ist im gleichen Alter - und mir stachen ihre Krähenfüße ins Auge. Keine schlimmen Falten, eher diese Art von Falten, die sich sehr früh in ein Gesicht einbrennen und die bedeuten, dass man einfach nur gerne lächelt mit dem ganzen Gesicht. Aber sie sind mit das erste Mal so deutlich und so ausgeprägt bei der Freundin aufgefallen. Selbstverständlich hab ich ihr das nicht gesagt - sondern stattdessen mein eigenes Spiegelbild um so genauer betrachtet - und bei mir gehts auch los. Seitdem creme ich wie ein Bescheuerter meine Augenpartie ein mit der kleinen Hoffnung, dass mich teure Anti-Aging-Cremes davor bewahren mein eigenen Älterwerden im Spiegel mit ansehen zu müssen.

Oder neulich meine Freundin. Sie sagte, sie freue sich darauf mit mir zusammen zu ziehen - und wenn alles gut läuft, könnten wir ja weiter schauen ... was meinen Frauen, wenn sie sagen "Weiter schauen?" Mir dämmert da was aber ich trau mich kaum drüber nachzudenken. "Ich werde dieses Jahr 26" sagte sie seufzend. "Ich kann mir nicht mit 30 überlegen, dass ich 4 Kinder haben möchte." Und sie hat recht.

Aber es erschreckt mich. Ich hab das Gefühl, es ist erst nen halbes Jahr maximal her, als ich mit 16 mit meinen Kumpelinnen über die Reeperbahn gelaufen bin nächtelang. Scheiss drauf was morgen ist. Jetzt geht das nicht mehr. Schwupps isses 10 Jahre später, ich muss fit für meinen Job sein, um Geld zu verdienen und mein jugendlicher Leichtsinn ist dem erwachsenen Verantwortungsgefühl gewichen. Ich freu mich, wenn ich nach nem Red Bull kein Herzflattern krieg oder nachm 4. Bier umfalle - das hab ich alles früher literweise zu mir genommen ohne Herzflattern oder aufsteigende Müdigkeit. Man wird halt älter ...

Und was hab ich erreicht? Nicht viel - zumindest kommt es mir so vor. Ich hab nen Job, der mir mittlerweile keinen Spaß mehr macht, der mich am Rande zum Burn-Out-Syndrom bringt und ansonsten hab ich auch nichts worauf ich wirklich stolz sein könnte. Ich hab immer noch nix gelernt, worauf ich wirklich stolz sein könnte, ich hab immer noch keine Kunstausstellung gehabt oder ein Buch geschrieben - aber mein Job blockiert mich und meine Zeit auch zu sehr, als dass ich meine Fähigkeiten in irgendeiner Weise ausbauen könnte.

Also was hab ich mir für dieses Jahr vorgenommen: Etwas ändern!

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenCharly schreibt am 05.01.2009 um 00:33 Uhr:Etwas ändern ist das Stichwort, Ryan. Du machst Dich in diesem Krankenhaus kaputt. Deine Freundin hat vor längerer Zeit schon den Absprung geschafft. Ich denke, Du hättest auch gute Chancen in einem anderen Krankenhaus, vor allem bessere Arbeitsbedingungen. Und Du bist doch ein guter Krankenpfleger, der sicher mit Kusshand woanders genommen wird. Versuch es doch einfach mal! Ich bin sicher, dass sich dann auch Deine ganze Einstellung ändern wird.
  2. zitierenClarice schreibt am 05.01.2009 um 08:14 Uhr:dir auch ein gutes neues jahr und: charly hat recht!
  3. zitiereninge schreibt am 05.01.2009 um 13:59 Uhr:viel glück dabei!
  4. zitierenGrossstadtpflanze schreibt am 19.01.2009 um 21:42 Uhr:Hi! Du hört beim Blog-Schreiben die gleiche Musik wie ich ;) (-> siehe mein Eintrag vom 7.11.) Das mit dem Job der meine Kreativität und meine Zeit blockiert kommt mir nur allzu bekannt vor. Die Nummer mit dem Burn-Out auch.

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