Boys don´t cry

14.02.2007 um 00:46 Uhr

Ach ja

von: Ryan

Mein Leben läuft so vor sich hin. Es ist stressig, ich habe viele Dinge zu erledigen und ich tue sie auch, weil sie eben getan werden müssen. Auf der anderen Seite weiss ich selbst, dass ich maule wenn ich unterfordert bin und sobald ich es mal nicht bin, bin ich gleich überfordert. Glaube ich zumindest.

Ich bin nicht unglücklich und im Grunde genommen habe ich tausend Kleinigkeiten, über die ich mich aufregen könnte, was ich aber nicht tue, weil ich mir denke: "Ach ja.", schulterzucke und das war´s irgendwie. "Kannst du mir beim Umzug helfen?" - "Klar." Wo waren sie bei meinem Umzug?, "Kannst du am Wochenende Spätdienst machen?" - "Klar." Wieso fragt man immer mich, ob ich Dienste tauschen kann? Ich sag bei sowas auch schnelle "Ja" als ich denken kann, weil ich wohl im Grunde meines Herzens ein guter Mensch sein muss.

Zu dem Stress um mich herum denke ich mir auch nur seufendes "Ach ja." Ich arbeite grade auf einer Neurologie - ist schon sehr interessant was im Gehirn eines Menschens vorgehen kann, und obwohl es schwere Erkrankungen sind, hat man nicht viel zu tun außer Medis stellen, Akten ausarbeiten und nen bissle mit den Patienten quatschen. Ich hab heute aus lauter Langeweile angefangen andere Stationen zu fragen ob ich denen nicht irgendwie helfen kann. Irgendwen waschen - obwohl ich waschen hasse.

Dann haben mich heute abend zwei Freundinnen besucht, die (wie immer) meinen Alkohol leergesoffen und meine Zigaretten geraucht haben - und nebenbei ihren Seelenmüll bei mir abgeladen haben. Die beiden sind mal wieder furchtbar unglücklich verliebt - ich versteh es nicht wie oft man sich verlieben kann - und die beiden tun das lustiger Weise immer paralell - versteh ich nicht ... aber naja ... was soll man schon sagen zu sowas?

Im Moment habe ich echt eine sehr gesunde neutrale Einstellung. Ich bin wie die Schweiz. Die Konflikte anderer interessieren mich nicht und ich hab auch keine Aktien bei sowas. Ich leb friedlich für mich selbst, kriege zwar diverse Einblicke in andere Welten aber lasse mich nicht beeinflussen. Ich versteh mich mit jedem gut und Ende. Ich mag meine Einstellung zur Zeit obwohl sie gleichgültig wirkt. Aber gleichgültig wirkt wohl noch zu extrem, ich bevorzuge doch eher neutral. Es geht mir weder gut noch schlecht, keine Tendenz zu einer Seite, komplette 0-Stellung.

Im übrigen ist Valentinstag morgen, bzw. in 4 Minuten - und ganz ehrlich: scheiss Kommerztag. Okay, ich bin Single, was soll ich anderes sagen als etwas negatives? Aber wäre ich glücklich mit dem Stress einer Beziehung als mit dem Stress Single zu sein? Im Moment begnüge ich mich mit dem "Prä-Examens"-Stress. Reicht doch oder? Erstmal was berufliches aufbauen und dann kommt alles andere. Das war´s auch zum hier und jetzt.

Was ist in der vergangenen Zeit passiert? Wir haben die 7. Woche, in der ich kotzfrei bleiben wollte - hat gestern nicht geklappt - Rückfall. Finger in den Hals ... und ja ... irgendwie konnte ich es nicht aushalten. Aber was nützen Vorwürfe? Ich schaff´s lange durchzuhalten ohne und die nächste Phase wird noch länger als 7 Wochen. Ich bin wirklich zuversichtlich trotz Rückfalls. Ich weiss, dass ich es kann.

Noch was ganz Spektakuläres am Wochenende: Mein Bruder und ich waren mit seinem Auto unterwegs zu Freunden ... Glatteis und uns ist natürlich prompt ein Auto reingeditscht ... total spektakulärer Unfall (vorsicht: KEINE Ironie). Ich bin echt froh, dass uns nicht mehr passiert ist. Ich hab nur nen riesen Hämatom an Schulter, Ober- und Unterarm. Mein Bruder hatte nen leichtes Schädel-Hirn-Traum. Das Auto: Totalschaden. Die gesamte Beifahrerseite war geknautscht, die Tür hat man nicht mehr aufgekriegt (und ICH war der Beifahrer). Naja, wir sind irgendwie beide noch ganz eigenständig aus dem Auto gekommen, mein Bruder hat sich nur tierisch aufgeregt und ist fast auf den anderen Autofahrer losgegangen. Ich war eher so alla: "Komm runter, ist ja nix passiert." Aber ich hab das auch nicht gerafft in dem Moment, ich war ziemlich ruhig bis zu dem Moment wo der Polizist unser Auto angeguckt hat und meinte: "Dass da nicht mehr passiert ist ... wir rufen mal doch nen Krankenwagen." Und ich nur: "Ach quatsch, ich bin Krankenpfleger." und der Polizist: "Okay, halten Sie mal die Hände ruhig ausgestreckt." Und obwohl ich mich innerlich total ruhig gefühlt hab, haben meine Hände gezittert. Und ich meinte dann nur: "Okay, ich ruf kurz Freunde an, die uns eigentlich erwarten." Ich hatte das Handy schon in der Hand und mein Bruder die ganze Zeit: "Boah, ich hab irgendwie Kopfschmerzen." Und ich WOLLTE noch sagen: "Na besser wenn du doch noch mal nen Schädel-CT kriegst." aber das konnte ich nur noch denken ... und bin kollabiert. 1A umgekippt. Wie im Film - sagte mein Bruder - Augen verdreht und Beine weggesackt. Das nächste was ich wieder mitbekommen hab, wie ein Sani mir in die Pupillen geleutet hat und mich nach meinem Namen gefragt hat. Also Unfallklinik, 3 Stunden rumgesessen (man hätte ja auch in der Zeit ne Hirnblutung schieben können, aber denen war das wohl egal ...) kurz durchgecheckt und dann durften wir wieder nach Hause. Der Tag war dann auch irgendwie gelaufen. Spektakulär hab ich den Unfall aber nicht empfunden (obwohl mir ganz anders wird, wenn ich Fotos vom zerknautschen Auto sehe). Mir gings ja eigentlich gut, ich bin nur einmal umgekippt - und der Arm tut weh.

Ich denke, ich gehe ins Bett und langweile niemanden weiter mit meiner derzeitigen Lebenslage, immerhin bin ich so neutral wie man grade nur sein kann. Und ich muss morgen vorm Dienst noch Alkohol kaufen - für nach den Dienst ... ich hab mit einer Kollegin Dienst, die ich irgendwie ... das kann man gar nicht beschreiben wie die drauf ist. Zum einen: Sie baggert mich an, zum zweiten: Ich bin der Meinung, sie ist bekloppt. Nicht flappsig gemeint, sondern ernsthaft. Die kam heute an: "Ryan, schau mal wie schön das Aktenblatt aussieht, was ich grade geschrieben hab." (Sie ist nen Jahr jünger als ich aber schon examiniert) und ich sagte nur: "Ja stimmt, sehr ordentlich." und dachte aber gleichzeig: "Hä? Was soll das?" Und irgendwie ist sie auch so .... uninteressant (freundlich ausgedrückt), nicht als Frau aber so rein menschlich.

Sie lächelt IMMER, aber eher ein verdeckendes Lächeln. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen wie ein ehrliches Lächeln bei ihr aussehen würde. Sie wirkt einfach durch und durch affektiert. Und gleichzeitig wirkt sie als bräuchte sie immer jemanden der neben ihr steht und sagt: "Ey super, dass du den richtigen Namen aufs richtige Blutröhrchen geklebt hast." Und sie macht sich wie gesagt an mich ran, sie sitzt dauernd neben mir, sucht irgendwie dauernd Körperkontakt, beim Frühstück, bei der Übergabe, aufm Flur, in der Küche ... dauernd ein "zufälliges" Tätscheln an meinem Arm, meiner Schulter, sie schaut dauernd in meine Richtung und guckt, ob ich nicht zufällig gucke. Am geilsten war noch als ich im Dienstzimmer saß, was geschrieben hab, sie kommt rein, macht die Tür zu und sagt: "Hu, wir ganz alleine im Dienstzimmer ... wenn jetzt einer kommt ..." und kicherte ganz komisch, so dass ich nicht wusste, ob ich sagen sollte: "Sag mal hackt es bei dir?" oder: "Liebe Christiane, möchtest du ein bisschen Diazepam um von deinem komischen Trip runter zu kommen?"

Ich mein, ich leb ich echt schnell überall ein und wenn mir jemand sympathisch ist, alber ich auch total schnell mit den Leuten rum - aber angemessener Weise. Und diese Frau mag ich nicht und sie sagt auch irgendwie solche Dinge immer in den falschen Moment und in einer Art, die ich echt nicht ab kann. Wir kennen uns keine 3 Tage und sie tut als hätten wir ne dicke Affäre ... nebenbei ist sie auch als Krankenschwester irgendwie ... naja ... sie rennt dauernd durch die Gegend und hat irgendwie zu nix Zeit, wenn man sie um was bittet - aber was produktives hat sie in der heutigen Schicht auch nicht geschafft. Hauptsache man tut so als sei man beschäftigt.

Lösungsmöglichkeiten für die nächste Schicht mit meiner geliebten Schwester Christiane: 1) ich betrinke mich ausgiebig danach, 2) Ich melde mich krank - ich hab den Noro Virus, die Cholera, die Pest oder schlimmeres, 3) ich oute mich ausführlich und eindeutig. Mit abgespreizten kleinen Finger an der Kaffeetasse werde ich während der Pause ihr gegenüber sitzen, mit überschlagenen Beinen leicht wippend und eine Tonlage höher als sonst höher werde ich von meinem (imaginären) Verlobten schwärmen und ihr von den Problemen aus der Sicht eines durch und durch schwulen Mannes erzählen. Ich hoffe das ist ein Schock für sie oder sie ist wenigstens ein wenig schwulenfeindlich ... ansonsten hab ich für die nächsten 5 Wochen die Cholera oder Tuberkulose und kann leider nicht arbeiten.


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