Boys don´t cry

06.11.2008 um 23:38 Uhr

Berlin

von: Ryan

Ich bin zurück aus dem Berlin-Urlaub. Resumé: War klasse aber oberanstrengend. Im Moment bin ich sogar sehr froh, dass es vorbei ist. Arbeiten kann kaum stressiger sein. Aber es war auch sehr lustig. Hotel war klasse. Supergünstig aber trotzdem ganz klasse. Zwar auf´s nötigste beschränkt, was man so braucht eben. Ein Bett, Schreibtisch, kleiner Fernseher, Schrank, Licht hier und da, eigenes Badezimmer aber alles sauber und alles nett. Und von außen sah es wirklich sehr edel aus, so dass Steffis erste Reaktion war: "Bist du sicher, dass das UNSER Hotel ist?" Morgens immer riesiges Frühstücksbüffet - den ersten Morgen haben wir uns gleich so überfressen an Brötchen, Aufschnitt, Obst, Rührei und Bacon, dass wir uns nochmal ne halbe Stunde hinlegen mussten.

Und dann natürlich noch: Mein Dad. Großartig Zeit mit ihm verbringen zu können. Steffi hat sich auch ganz gut mit Händen und Füßen verständigt, wir haben eigentlich fast nur Englisch gesprochen - überall. Mir ist irgendwann nicht mal mehr aufgefallen, dass ich in deutschen Restaurants auf Englisch bestellt hab.

Ich war sehr aufgeregt vor dem ersten Treffen nach so vielen Jahren mit meinem Vater und meinem Onkel. Steffi und ich standen da vor dem Restaurant in dem wir verabredet waren und warteten - Wetter war im übrigen die gesamte Zeit richtig mies, bewölkt, nebelig aber bis auf wenige kleine Schauer hat es eigentlich nicht geregnet - naja wir warten da so auf die beiden. Und sie kommen uns entgegen - auf einer nicht all zu belebten Straße. Und mein Onkel: "That´s Ryan and his Girlfriend." und mein Vater: "No, that are two girls." und läuft weiter ... nen halben Meter an mir vorbei. Und ich guck ... mein Onkel schon stehen geblieben und freute sich wie doof mein Dad weiter läuft ... und er läuft ... und läuft ... ganz bequem, guckt hier und da ins eine und andere Schaufenster ... und ich nur irgendwann als er schon 40 Meter weiter gegangen war: "DAD!" er dreht sich um: "Ryan?!", freute sich dann aber, dass ich es war.

Dienstag hatten sich Dad und mein Onkel extra für uns freigehalten, also ging es los auf eine endlose Sightseeing-Tour durch die Stadt - mit meinem Vater als absoluten Berlin-Experten. Zumindest hat er so getan. Das ging so los, dass er erzählte, da sei ein Platz - großartiger Platz, wunderschön, MÜSSEN wir sehen! Wir also hin ... da war da nix außer ne kleine Betoninsel mitten in der Straße. Dann hatte er sich ausgerüstet mit diversen Berlin-Broschüren, Stadtkarten etc. und so weiter - brauchte aber immer ne halbe Stunde bis er unseren Standpunkt gefunden hatte, sah dann super wichtig mit seiner kleinen Lesebrille in die Karte und sagt: "I know where we are ... but ... oh no ... let me see ... mmh ..." Immer wenns mal wieder so weit war, mussten wir anderen drei nur grinsen. Mein Onkel verdrehte immer nur die Augen und flüsterte mir zu, dass er das Spiel von zur Genüge kennen würde und von Steffi kam so nen Spruch wie: "Na endlich weiss ich von wem du den Orientierungssinn wie ne Schrankwand hast!"

Wir sind dann so die Straße des 17. Juni langgelaufen und mein Vater sagte immer nur, dass das Brandenburger Tor ganz in der Nähe ist, gar nicht weit weg - lohnt sich nicht nen Bus zu nehmen. Mein Onkel grinste immer nur, stubbste mich an und zeigte auf die Schilder: Brandenburger Tor 6,8 km - aber GLEICH UM DIE ECKE. Auf diese Weise haben wir es auf jeden Fall geschafft das reichhaltige Frühstück zu verdauen und abzulaufen. An dem Tag hab ich mir auch dicke fette Blase gelaufen. Alles wurde abgelaufen, Siegessäule, Brandenburger Tor, Pariser Platz, Unter den Linden, Bebelplatz, sämtliche Kirchen, Alexanderplatz, Olympiastadium, Check Point Charly, Potsdamer Platz, Kuhdamm rauf und runter, Gedächniskirche, Holocaust Mahnmal (mein Vater auch lustig: "A Cemetery!"= "Ein Friedhof!"), Reichstag, Hauptbahnhof, West Side Gallerie und alles was irgendwie wichtig aussah, musste beguckt und fotografiert werden. Und da man in Berlin so einiges begucken und knippsen kann, waren wir echt im Stress. Pausen gab´s nur einmal zum Mittagessen oder mein Vater Starbucks erblickt hatte - er ist starbucks-süchtig und da Starbucks scheinbar grade die Weltherrschaft an sich reissen möchte - warum steht sonst ein Starbucks neben dem nächsten? - haben wir viel Kaffee getrunken zwischendurch.

Mein Dad ist echt so geil - unser persönlicher Berlin-Führer und Stadtguide. Er tat immer so, als ob er alles kenne, alles wüsste und stellte sich dann immer ganz demonstrativ vor uns und fing an mit: "Also, dass ist das Waxfiguren-Museum von Madam Tussaudes, das ist das einzige Waxfiguren-Museum in ganz Deutschland ..." - "Dad, in Hamburg haben wir auch eins." - "Ja das weiss ich, also: Das ist das einzige Waxfiguren-Museum in Deutschland außer dem von Madam Tussaudes in Hamburg." - "Dad, das ist in Hamburg ist nicht von Madam Tussaudes. Das ist das Panoptikum." - "Äh, ja ... auf der anderen Seite sehen wir ..." - Aber am geilsten war wie er uns versucht hat zu verklickern, dass die Niedersächsische Vertretung die Botschaft einer kleinen Stadt aus Luxemburg sei. Wir waren die meiste Zeit aber ganz brav und haben nur gegrinst und genickt, und heimlich die Informationstafeln gelesen, die mein Vater natürlich nicht gelesen hatte.

Ungesund gegessen hab ich ... vorwiegend frittierte und gebratene Lebensmittel. Currywurst ist in Berlin echt lecker, dazu Pommes - lecker, lecker. Eigentlich haben wir nur so nen Fastfood Zeug gefuttert. Und natürlich jeden Abend was trinken. Vorwiegend Bier und wenn´s schmeckt und man im Urlaub ist, auch mal eins übern Durst. Bis auf Dienstag mussten mein Vater und mein Onkel geschäftlich tagsüber einiges erledigen, aber wir haben uns fast jeden Abend getroffen - bis auf einen Abend, an dem mein Vater sagte, es würde länger werden, wir würden schon schlafen, wenn sie fertig seien. Steffi ist früh vorm Fernseher eingeschlafen und ich hatte noch Hunger und bin dann alleine zu nem Imbiss gestiefelt - und treff da prompt meinen Onkel, der auch Hunger hatte und grade ne Currywurst futterte. Und dann saßen wir da und haben so 2-3, vielleicht auch 4 Bier getrunken und geredet - das war echt klasse.

Und jetzt hab ich ne sehr, sehr anstrengende Woche hinter mir. Ich muss mal gleich die 300 Fotos sortieren, die ich geschossen hab. Am Wochenende gehts wieder zur Arbeit - kann ja nicht mal halb so anstrengend sein, wie diese Gewaltmärsche durch Berlin ...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenClarice schreibt am 07.11.2008 um 07:42 Uhr:schön, dass du spass hattest und das treffen mit deinem vater und onkel so gut verlaufen ist... wünsch dir wieder einen guten start in den arbeitsalltag
  2. zitierenMarlies schreibt am 07.11.2008 um 10:25 Uhr:Na, das hört sich doch super an! Es heißt übrigens East Side Gallery - nur zur Info ;-)
  3. zitierenGAST schreibt am 07.11.2008 um 17:14 Uhr:blöde frage, aber wenn du so ein gutes hotel hattest, verrätst du uns mal den namen und die adresse? wäre toll... hab demnächst auch paar tage berlin geplant. danke!!

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