Boys don´t cry

26.08.2007 um 00:52 Uhr

Big Frustration

von: Ryan

Ich weiss gar nicht was schreiben soll, um auszudrücken wie meine Lage derzeit ist. In wenigen Wochen ist meine Ausbildung vorbei ... nen großer und superwichtiger Abschnitt in meinem Leben neigt sich dem Ende zu und ich weiss nicht was danach kommt. Ich weiss gar nichts und ich hab das Gefühl völlig in der Luft zu schweben. Auf der einen Seite freue ich mich das hinter mich gebracht zu haben und ich bin stolz auf meine Entwicklung - aber alles was danach ist, ist noch so ungewiss, dass ich wirklich mit fundamentalen Ängsten zu kämpfen habe.

Ich freue mich darauf kein Schüler mehr zu sein, aber ich habe Angst vor dem Neuen, rausgerissen zu werden aus meiner gewohnten und auch irgendwie sehr geliebten Arbeitsumwelt. Ich mag dieses Krankenhaus, ich mag die Leute und ich will auch weiterhin zeigen was ich kann und was ich gelernt hab und ich habe einfach Angst, dass mein "Talent" in einem Pflegedienst oder Altenheim untergeht. Ich mag es zu lernen und mich weiterzuentwickeln und ich hab Angst, dass ich meine ganze Kompentenz verlerne oder stagniere, wenn ich nicht gefordert werde. Und dann diese Ungerechtigkeit ... ich dachte, wenn ich hart arbeite und alles aus mir raushole, wird das irgendwie zur Kenntnis genommen ... aber irgendwie ist das nicht so. Ungerecht ist diese Welt im Moment, furchtbar ungerecht. Das ist das passenste Wort dafür.

Im Moment gehe ich jeden Tag zur Arbeit und frage mich wofür. Ich arbeite viel, irgendwie mehr als alle anderen, hab nen scheiss Dienstplan, arbeite schon wieder am Wochenende und arbeite schon wieder eine pervers lange Zeit am Stück durch - und wofür? Ich weiss es nicht ... es ist einfach nur extrem unbefriedigend jeden Tag sein Bestes geben zu wollen unter scheiss Umständen und nicht zu wissen, ob es überhaupt irgendjemand registriert, der irgendwie in der Lage einem daraus einen Vorteil zu geben.

Das ist genauso wie folgender Fall, den ich seit einigen Tagen mit ner Patientin erlebe: Sie ist extrem fordernd - okay, man darf ihr zugestehen, dass es ihr extrem schlecht geht und grade weil es ihr so schlecht geht, nimmt man sich nen paar Minuten mehr Zeit und versucht alles so zu machen, wie sie sich es wünscht - und egal was man macht und egal wieviel Zeit man investiert, diese Patientin hält jegliche Mühe für selbstverständlich und es kommt kein einziges Mal das Wort "Danke" über ihre Lippen. Stattdessen nörgelt sie, dass das was man ihr gibt, noch zu wenig ist. Ich gebe mir Mühe ihr Abendbrot so hübsch wie möglich zu gestalten und es kommt so nen Satz wie: "Warum ist da keine Gurke dabei?" oder "Mit der Butter waren Sie aber sparsam ..." - und nach solchen Sätzen hat man schon Lust seine Arbeit auf das Minimalste zu beschränken - aber das kann ich nicht, weil ich irgendwie noch den Willen hab ... naja, nicht den Willen aber die Hoffnung, dass ich doch alles irgendwie gut mache und das irgendwie registriert wird, wieviel Mühe ich in meine Arbeit reinstecke.

Und genauso gehts mir grade mit der Leitung ... sieht jemand wieviel Mühe ich mir gebe? Ich müsste mir keine Mühe geben, ich könnte da auch ganz locker meine Stunden absitzen, so wie einige aus meinem Kurs das seit einigen Wochen halten ... aber so nen Typ bin ich nicht und irgendwie fühle ich mich schon extrem ausgenutzt. Ich habe Überstunden ohne Ende ... die Leitung hat Kollegen eingestellt mit extrem vielen Minusstunden ... muss ich das verstehen? Im Moment ist echt verkehrte Welt angesagt.

Und sonst so ... ich esse und esse und esse ... ich hatte so großartig abgenommen und ich bin endlich, endlich wieder im mittleren Normalgewicht ... und im Moment fange ich dieses aus-Langeweile-Essen wieder vermehrt an. Ich war heute Abend eigentlich auf 2 verschiedenen Feiern eingeladen ... aber ich konnte mich nicht motivieren und hab beide Veranstaltungen abgesagt. Völlig unmotiviert soziale Kontakte wahrzunehmen. Vielleicht auch zu müde, weil ich schon so lange arbeite und noch kein Ende in Sicht ist. Ich hab das Gefühl, ich lebe nur für die Arbeit.

Mein Schatz hat grade 4 Tage frei, sie ist zu ihren Eltern gefahren, die nicht wie wir in Hamburg leben und sie kommt morgen Abend wieder - und ich vermiss sie furchtbar und freue mich sehr auf morgen abend, wenn ich sie dann wiedersehe.


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