Boys don´t cry

18.10.2008 um 00:59 Uhr

Dauer-Erschöpfungs-Zustand

von: Ryan

 

Irgendwie ist es heute wieder schlimm. Ich hab endlich frei nach einem 12-Dienste-Marathon - wobei ich mich eigentlich nicht beschweren dürfte, denn ich mach mich zur Zeit nicht tot auf der Arbeit. Die Dienste sind angenehm, wir schaffen unsere Arbeit, bleiben sehr selten mal länger - die Patienten bleiben allerdings aus. 1/3 der Betten ist leer - chronisch seit einigen Wochen, keiner weiss woran das liegt. Aber das ist - meiner Meinung nach - auch gut so. Allerdings muss ich die Station nicht finanzieren, ich denke selten wirtschaftlich. Auf der anderen Seite ist die Bettenbelegung auch nicht meine Baustelle.

Die letzten Dienste waren Nachtdienste - ruhige, sehr angenehme Nachtdienste, zumindest vom Arbeitsaufwand her. Ich konnte so vor mich hin tüddeln, dies und jenes machen, was sonst so liegen bleibt am Tage. Das einzige was mich richtig runterzieht ist, dass ich in 3 Nächten 2 Tote hatte. Eine ältere nette "Oma" die einfach morgens tot im Bett lag - die hat sich heimlich verdrückt. Ich wollte morgens die Infusionsflasche wechseln und guck ... und sie ist tot ... und ich wechsel noch die Flasche und plötzlich merke ich: "Scheisse! Sie ist wirklich tot." Naja, sowas passiert. Ein friedlicher Tod, ohne Zweifel, sie sah zufrieden und entspannt aus. "Sie scheint sich bei dir wohl gefühlt zu haben" sagt meine Kollegin noch, naja, aber es ist trotzdem immer schwer.

Durch die zweite Nacht hab ich alle Patienten lebend rausgekriegt, aus der dritten leider nicht mehr ... junger Mann, vielleicht Ende 20, Suizid - in MEINER Schicht. Ich hatte eigentlich nen anderen Eintrag vorher schon geschrieben, aber das war echt zu detailreich und sowas kann man keinem antun - denke ich zumindest. Nur ganz knapp: Ich hab ihn gefunden, wir haben ihn reanimiert über ne Stunde lang und wir haben uns echt Mühe gegeben ... aber wir haben ihn nicht ins Leben zurück bekommen.

Und diese ganze Geschichte hat mich echt etwas traumatisiert. Ich hab immer noch die Bilder vor Augen und es war echt unschön und dadurch, dass er sich mit nem Messer suizidiert hat, war alles - wirklich alles - voller Blut. Wir haben bei der Rea nur im Blut gekniet, ich hab die Schweinerei sauber machen können - also wirklich die gesamte Schweinerei, also Fussboden, Notfallkoffer, Leichnam- und irgendwie belastet mich diese Geschichte doch erheblicher als ich dachte. Ich hatte bis jetzt auch noch nicht die Möglichkeiten mit irgendwem darüber zu reden, dem ich vertraue. Gut, ich hab das Gespräch auch noch nicht gesucht, es gibt ja immer irgendwen den man zuschwallen kann, ob derjenige das nun möchte oder nicht ...

Zumindest jetzt habe ich frei - ich genieße es mal nen paar Tage für mich zu haben - auf der anderen Seite bin ich echt super unmotiviert und irgendwie auch resigniert und unzufrieden. Ich wollte doch was Bewegendes machen in meinem Leben, irgendwie "Großes" - nicht nur jeden Tag zur Arbeit und zurück und an meinem freien Tagen vorm Fernseher sitzen - leider hab ich genau das heute gemacht. Ich konnte mich zum Einkaufen motivieren - aber mehr dann auch nicht. Und diese Zustand fühlt sich irgendwie sehr resigniert und unzufrieden an. Ich hab viel vor - aber irgendwie fehlt mir die Motivation - rede ich mir zumindest ein - vielleicht fehlt mir auch die Kraft. Vielleicht brauch einfach 24 Stunden um mich wirklich von so nem langen Arbeitsmarathon zu erholen.

Vielleicht bin ich auch einfach nur ungeduldig und zu anspruchsvoll an mich selbst. Das kann durchaus sein. Vielleicht ist das einfach nicht vereinbar - auf der einen Seite der überaus aufopfernde Super-Pfleger zu sein und nebenbei auch noch ein tolles aufregendes Privatleben zu haben. Im Moment isses wirklich in keinster Weise aufregend. Meistens bin ich zu erschöpft für Aufregung.

Für morgen hab ich mir vorgenommen etwas früher aufzustehen - nicht wieder wie heute um 15.00 (scheiss Nachtdienst) und mal etwas mehr zu schaffen, zum Beispiel ein Geburtstagsgeschenk für meine Süße zu kaufen. Die hat nämlich in 14 Tagen Geburtstag und irgendwas Nettes werde ich wohl finden können. Aber ich hab leider noch gar keine Ahnung was ... für erotische Fotos von mir selbst, hab ich leider grade nen kleinen Rettungsring um die Hüfte, also fällt diese Idee dieses Jahr flach - im übrigen war das nen Scherz, nicht dass es im Nachhinein heisst "Der hatte das wirklich vor!"

Vielleicht hat auch wer von euch ne schöne Idee? Liebe Frauen, was wünscht ihr euch zum Geburtstag?

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenAngeldust schreibt am 18.10.2008 um 08:41 Uhr:Uuuuuuuuh Frauen und Geschenke... Ganz schweres Thema selbst für eine Frau, denn jede ist da anders. Vielleicht weißt du ja ob sie sich vielleicht etwas neues für die Wohnung wünscht. Oder vielleicht Schmuck oder Parfüm? Sowas kommt meistens gut an. Auch wenn ich da jetzt mehr an mich denke :) aber ich bin eine Frau dann kann es ja nicht soooo falsch sein. Also viel spaß beim Shoppen und viel Glück bei der Suche.
  2. zitierenSandy schreibt am 18.10.2008 um 14:56 Uhr:Du weist wo du mich findest wenn du reden willst ......
  3. zitierenspacybiny schreibt am 18.10.2008 um 15:07 Uhr:Also ich würde mich nicht über Parfum freuen - wäre mir zu einfallslos. Worüber ich mich immer sehr gefreut habe, waren selbstgebastelte(!) Gutscheine für etwas Schönes. Ein Musicalbesuch z.B. Oder ich habe mal einen hübschen Handtaschen-Katalog gebastelt bekommen mit 8 Modellen drin, von denen ich mir eines aussuchen durfte. Fand ich auch klasse. Wenn dir die Zeit und Fantasy für so etwas fehlt, dann würde ich auch Schmuck empfehlen. Ein Ring oder eine Halskette. Dann aber nur wenn du den Geschmack deiner Freundin kennst :-)
  4. zitierenMarlies schreibt am 18.10.2008 um 19:30 Uhr:Nachdem ich von meinem (inzwischen Ex-)Freund einen Spongebob-Rucksack mit Tasse und Schlüsselanhänger (!!!) bekommen hatte, sag ich allen Leuten immer, was ich mir wünsche. Frag sie doch einfach mal, ob sie irgend einen bestimmten Wunsch hat.Über Parfum würd ich mich übrigens auch nicht unbedingt freuen. Aber den Musical-Besuch find ich z.B. auch ne super Idee. Soweit ich mich erinnere, wohnt ihr doch in Hamburg, oder? Da hast du ja alles vor der Haustür (König der Löwen, Tarzan & Jane, ...)
  5. zitierenengelsche schreibt am 19.10.2008 um 16:16 Uhr:Musical ist immer gut. Und wenn sie das nicht mag, oder es vielleicht doch bissle zu teuer ist (soviel verdient man ja nicht als Pfleger, oder?) dann eben andere Tickets für ne Band die sie mag. Oder ihr geht mal zum Quatsch-Comedy-Club. Ich fands klasse! ;-)
    Oder du 'entführst' sie an ihrem Geburtstag... schönen Ausflug. Ans Meer z.B. + schönes Essen in einem Restaurant dort?

    Parfum ist einfalls los, sorry...

    Viel Erfolg bei der Suche...
  6. zitierenAngeldust schreibt am 20.10.2008 um 17:52 Uhr:ICH HABE VON MIR GESPROCHEN UND WOLLTE NUR NETT SEIN. MANN MANN MANN IHR KÖNNT NICHT LESEN ODER... TZZZ dullis
  7. zitierenJan schreibt am 27.10.2008 um 12:31 Uhr:Moin und Hallo,
    oha, ich habe echt geschluckt, als ich die Zeilen las. Ich arbeite in der Pflege (Psychiatrie geschlossene Suchtstation), kenne Nachtdienste zur genüge. Bin dabei alleine auf Station und kenne dieses Gefühl alle Patienten gut durch die Nacht bringen zu wollen, kennen allerdings genauso die eigenen Ansprüche und kenne die Hilflosigkeit in solchen Situationen.
    Ein Suizid ist nie deine Schuld,dafür bist du als zeitlich begrenzte "Hilfsinstitution" nicht der Auslöser für ein Leid was sich meistens über Jahre oder Jahrzente entwickelt. Natürlich berührt es einen, gerade bei so jungen Menschen, und natürlich fragt man sich ob man richtig gehandelt hat. Dein Gefühl ausgelaugt zu sein wird definitiv mit deiner Auseinandersetzung damit zu tun haben. Auch wenn die restliche Zeit nicht so arbeitsintensiv war. Suizidalität hinterlässt oft Schuldgefühle, bei dir, bei Angehörigen und Partnern.
    Seine Entscheidung lag nicht bei dir, das solltest du dir klar machen. Das weißt du wahrscheinlich, aber manchmal muß man gerade dies nochmal gesagt bekommen.
    Mir geht es oft genauso und es ist schwer mit Menschen darüber zu sprechen, die diese Arbeitsbelastung in der Form nicht kennen. Diese Geschichten machen Angst und hilflos. Kannst du mit Kollegen darüber gut sprechen, oder hast du eine Vertrauensperson vor Ort. Manchmal hilft auch der Seelsorger einer solchen Einrichtung. Bei mir hilft es mit meiner Frau darüber zu sprechen, sie Arbeitet auf einer Intensivstation und versteht diese Zwiespältigkeit von Helfen und Hilflosigkeit.
    Vielleicht schenkst du deiner Freundin/ Frau ein schönes gemeinsames Erlebnis. Karten für ein Konzert, mit gemeinsamen Essen, oder machst ein gesamtes Wochenende daraus. Städtereise z.B.

    Ich bin zwar keine Frau und verstehe Sie nicht immer, aber ich glaube das könnte gefallen.
    Und nun mach die Glotze aus und geh los!
    Gruß,
    Jan

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