Boys don´t cry

24.08.2008 um 21:43 Uhr

Familienfrust vom Surfer-Boy

von: Ryan

So, es ist eine Woche später und ich bin zurück in Hamburg - und der Urlaub war wirklich klasse. Ich hab wirklich nicht einmal an die Arbeit gedacht - genau wie es sein sollte. Aber irgendwie ist Urlaub haben ja auch auf eine gewisse Weise stressig. Wir haben unheimlich viel unternommen, waren von morgen bis Abends unterwegs, waren viel am Strand, haben das Surf-Ding durchgezogen, auch wenn wir abends dann mit Muskelkater im Bett lagen. Wir haben viel Sonne abgekriegt, ich bin also echt knackigbraun - meine Freundin nennt mich immer nur "Surfer-Boy".

Und nun bin ich wieder zuhause und hab meinen Hintern heute schon den ganzen Tag vorm Rechner geparkt und versuche mich von meiner stressigen Woche zu erholen. Meine Schwiegereltern in Spä haben mich im übrigen beim kennen lernen nicht gefressen und mir auch sonst kein leid angetan, wie ich es befürchtet habe - nein, sie mögen mich sogar. Besser kann´s doch gar nicht sein.

Aber es ist mal wieder nicht alles klasse - ich bin zwar entspannt und erholt, allerdings war die nächste Woche mit meinem Vater verplant, den ich eh viel zu selten sehe - das letzte Mal vor 1 Jahr als er zufällig mal in Deutschland war - er lebt ja in Amerika. Und eigentlich hatte er mich eingeladen meine zweite Urlaubswoche in den Staaten zu verbringen ... ja die Flugtickets hab ich schon vor 7 Tagen stornieren können, weil ihm plötzlich einfiel, dass er doch beschäftigt ist und gar keine Zeit für mich finden wird. Aber er will ja in naher Zukunft nach Hamburg und mich besuchen ... ja ja ... das sind so einige seiner Sprüche, die er dauernd bringt und die am Ende doch noch heisse Luft sind. Und das schlimme ist, das macht er schon sein ganzes Leben lang mit mir.

Meine Mutter sagte schon "Na, ob du deinem Vater da so trauen kannst." - und ich ganz übermütig: "Doch, er hats ja versprochen!" und Mutti: "Naja, er verspricht immer viel ..." Und nun bin ich mal wieder echt enttäuscht. Dazu muss man vielleicht erklären, dass ich das Ergebnis einer heissen und fettigen Affäre bin und überhaupt nicht geplant. Meine Eltern haben sich geliebt, aber sie kannten sich kaum und dementsprechend ging die Beziehung schnell in die Brüche ... sie haben sich getrennt als ich wenige Monate alt war und ich glaube sie haben sich schon echt zusammengerissen wegen mir. Vielleicht wäre sie schon viel früher getrennte Wege gegangen. Und er ist eben immer unzuverlässig, verspricht viel und letztendlich kommt kaum was dabei rum. Und wnen wir uns dann mal sehen, versucht er alles in 3 Stunden gut zu machen, was er die letzten 24 Jahre versäumt hat. Er hat andere Kinder in Amerika, um die er sich scheinbar besser kümmert, aber die sind eben auch in seiner näheren Umgebung - und ich halt nicht. An meinen Geburtstag hat er dieses Jahr auch mal wieder nicht gedacht. Vielleicht ist mein Stiefvater, der jetztige Mann meiner Mutter noch mehr Vater gewesen, auch wenn er mich mehr oder weniger ablehnt. Aber er war da oder besser: anwesend.

Mir fällt jetzt erst auf, dass ich nie zu einem Mann "Papa" gesagt hab. Meinen leiblichen Vater hab ich beim Vornamen genannt, weil da irgendwie nie wieder "Vater-Sohn-Gefühle" waren oder sich entwickeln konnten und ich wollte immer schon sehr deutlich zeigen, dass mein Stiefvater nicht mein richtiger Vater ist und hab den auch beim Vornamen genannt.

Vielleicht bin ich auch deswegen so empfindlich in der Beziehung, weil ich grade ne Woche mit Steffis Eltern erlebt hab. Da stimmt natürlich auch nicht immer alles 100% aber es war total schön. Man hat richtig deutlich gesehen wie sehr sich ihre Eltern freuten, als wir zur Haustür reinkamen, gleich Kaffee und Kuchen aufm Tisch gestellt und "Jetzt setzt euch erstmal und erzählt mit uns" und "Schön, dass unsere große Tochter da ist und dass wir ihren neuen Freund endlich kennen lernen!" Ihre Eltern lieben sich noch, anders als bei meiner Mutter und meinem Stiefvater, die nur noch aus Gewohnheit zusammen leben. Das ist nicht so kompliziert wie bei uns, ich bin ja das einzige Kind meiner beiden Eltern, hab aber echt viele Halbgeschwister, die ich alle mehr oder weniger kenne, die auch wiederrum auch von anderen Frauen und Männern meiner Eltern sind. Das ist alles irgendwie schwer und meistens sogar ziemlich verwirrend und irgendwie bin ich auf Steffis Familie echt neidisch - aber ich kann in diese Familie ja einheiraten irgendwann.

Aber vielleicht ist das in unserer schnellebigen und modernen Welt so. Vielleicht sind die Menschen auch einfach immer verwöhnter und kaum noch zufrieden zu stellen mit dem was sie haben. Wer weiss. Früher war eh alles anders. Für meine Oma war das ne Katastrophe, dass ich geboren wurde, weil meine Eltern auf der Freien-Liebe-Schiene unterwegs waren und es ja einfach mal undenkbar ist, Kinder in die Welt zu setzen ohne verheiratet zu sein. "Naja, aber süß isser, der Bastard." hat Oma mal gesagt - Oma ist erzkatholisch. Ich mag Oma, sie ist ein lieber Mensch aber so ehrlich, dass es schon manchmal wehtut - das hab ich im übrigen geerbt.

Und was mach ich jetzt? Frustrierter Weise trink ich mal wieder abends Bier - Cheers!


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