Boys don´t cry

25.09.2011 um 02:21 Uhr

Gedanken zu einem ereignisreichen Wochenende

von: Ryan

Ja, wie der Titel schon sagt - Wochenende war bislang schon sehr ereignisreich. Eigentlich hab ich schon seit Mittwoch WE. Mittwoch letzter Dienst, und danach - wie verhext - bin ich nur unterwegs. Hier was trinken, da was machen. ich hab keine Ahnung wie das im Moment kommt. Manchmal mache ich Monate lang nix und keine Sau meldet sich - und irgendwie bin ich seit Mittwoch mittag nur unterwegs und treffe mich hier und da auf´m Bier, war schon auf´m Kiez und auf 2 Partys. Auf´s Reeperbahn-Festival bin ich spontan mit ´ner Freundin, richtig abrocken. Danach auf unsere Examensparty - heute erst Essen bei meinem Bruder, danach zu meinem schwulen Kumpel auf seine House-Party. Wow, geil. Ich bin ein total komunikativer Gesellschaftsmensch. Kommt wohl daher, dass ich mit so vielen Geschwistern aufgewachsen bin.

Naja, was ich sagen wollte: ich hatte eine echt harte Zeit hinter mir (und jetzt wieder vor mir). Ich hab irre viel gearbeitet, viele Überstunden gesammelt, kam häufig oberabgeschossen nach Hause, fühlte mich nicht gewertschätzt, ausgebeutet. Ich hangel mich dann an einem Gedanken hoch: Ich suche mir ein Ereignis, dass richtig richtig cool werden muss und freu mich wie ein Kleinkind drauf. Ich plane, kaufe neue Klamotten, versuche meine Freunde mit ins Boot zu holen und einfach eine tolle Zeit zu haben. Ja, so war das mit diesem WE auch. Ich hab mich irre auf das Festival gefreut und auf die Party. Und dann kam scheinbar dank guten Kahrma alles andere auch super dazu. Ich hab´s mir so verdient zu feiern und dementsprechend gut wurde es. Meine Freundin (fast) immer mit dabei - die hatte auch irre Spaß, obwohl wir beide echt wenig geschlafen haben. Und das Schicksal meint es wirklich gut mit mir: Bislang klaterfrei!

Aber worauf ich eigentlich hinaus will, mir ist mal wieder was klar geworden. Ich wundere mich selbst ein kleines bisschen, aber ich scheine wirklich ganz gut bei Menschen anzukommen. Wie meine ich das? Es gibt so Menschen in meinem Leben, mit denen unterschwellig immer was mitschwingt. Was mitschwingt? Auf jeden Fall mehr als Freundschaft. Wie umschreibe ich das jetzt am Dümmsten? Ich hab da ein Beispiel: Ich hab eine Freundin, erst nur eine Arbeitskollegin, später wurde wir wirklich gute Freunde. Und sie hat mir mal gesagt (natürlich betrunken ehrlich): "Wenn ich meinen Freund nicht hätte, und du deine Freundin nicht - dann würde ich dich so flachlegen! Oder sofort heiraten!" Ja, mir gehts mit ihr genauso, muss ich zugeben. Da ist immer eine gewisse ... gewisse ... ähm ... positive Spannung zwischen uns. Ich mag sie irre gerne. Wir freuen uns überschwenglich, wenn wir uns sehen. Wenn wir nüchtern sind, haben wir uns sehr gut im Griff. Sobald wir betrunken sind, hängen wir nur aufeinander. Wir "stützen" uns gegenseitig, Arm in Arm wie die allerbesten Kumpels. Gestern ist mir aufgefallen, wie sie mir dabei häufig sehr zärtlich übern Rücken gestreichelt hat, dann gibt´s noch ein/zwei/drei betrunkene Küsschen auf die Wange und gelalltes "Ich hab dich so lieb!!" Gut, da kann man sich jetzt nichts bei denken ... aber Herr Gott wir sind alle erwachsen und wissen, dass es dann doch nicht so unschuldig ist, wie man versucht zu tun. 

Steffi macht das scheinbar nix aus. Ich kann ehrlich behaupten, ich bin echt vorsichtig geworden. Ich will treu sein. Und ich verhalte mich auch so. Langsam ist auch der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mir sehr sicher bin, dass Steffi DIE Frau meines Lebens ist. Ich bin mir so sicher, dass ich mit ihr den Rest meines Lebens verbringen will, dass ich die Verlobung plane.Ich hab mich schon zwei mit ihren beiden besten Freundinnen getroffen, um eine Idee zu bekommen wie der Ring aussehen sollte. Es ist toll zwischen Steffi und mir, wir verstehen uns super, ich liebe sie sehr, ich denke sie mich auch. Wir leben wirklich gut zusammen. Was ein bisschen eingeschlafen ist (und das kann ich ja mal ganz offen erzählen, wo hier eh alle Namen geändert sind) - der Sex. Sex ist echt nicht mehr so ein großes Thema. Aber ich denke (um es mal zu rechtfertigen), wir sind jetzt über 4,5 Jahre zusammen. Ist doch irgendwie klar, dass man dann nicht jeden Tag übereinander herfällt und dass dann Alltagsprobleme geklärt werden müssen und Erotik eher ´nen niederen Wert bekommt im Alltag. Wir gehen zum Beispiel äußerst selten gemeinsam schlafen, durch den Schichtdienst. Häufig sehen wir uns nur ein paar Stunden am Tag - wir haben sogar neulich eien Woche gehabt, in der wir nur telefoniert haben. Ich hatte Nachtschicht und sie Spätdienst. Ich hab morgens um halb 8 etwa nach Hause, hab sie geküsst als sie noch schlief und legte mich daneben. Sie stand um 11 auf um zum Spätdienst zu gehen, hat mich geküsst während ich schlief. Ich bin um 20.00 zur Schicht los, sie kam erst gegen 22.00 nach Hause. Also nur damit keine falschen Gedanken kommen: Wir haben Sex, aber nicht häufig. Wenn wir dann mal Zeit zusammen haben, müssen eben auch Dinge organisiert werden. Gemeinsame Termine, wann gehen wir zusammen einkaufen? Wer macht was beim Hausputz, und überhaupt: wie war eigentlich unser Leben? Was super läuft, ist reden. Wir reden wirklich viel und das finde ich wirklich toll an unserer Beziehung. Wir erzählen uns wie unser Tag war, waqs wir gut fanden, was nicht so gut gelaufen ist, wir können Probleme ausdiskutieren, wir können wirklich produktiv miteinander streiten. Natürlich streiten wir auch mal böse miteinander, so dass wir ´ne Stunde miteinander nicht mehr reden und böse sind, aber das ist normal. Letzte Woche war ich wirklich unfair und hab ihr was vorgeworfen, was gar nicht ihre Schuld war. Ich war einfach frustriert, sauer und hab´s an ihr ausgelassen. Und das hab ich ihr auch gesagt, dass ich in dem Moment eigentlich wahrscheinlich sauer auf meinen Chef war, aber sie stattdessen angemacht hab wegen einer völlig belanglosen Sache und hab mich entschuldigt. Ich halte uns beide für sehr selbstreflektiert und wir gestehen unsunsere Fehler voreinander schnell ein - und ich glaube, das ist der Grund weswegen wir wirklich gut zueinander passen und es wirklich gut läuft.

Zurück zu der Party und meiner Freundin, mit der ich betrunken gerne flirte. Steffi war ja auch da - und ich musste mir von ihr immer "Feedback" holen. Ich bin dann zu Steffi, hab sie kurz geküsst und sowas gesagt wie: "Ich bin mit Karin unterwegs, ja?" Steffi war eher genervt, die hatte auch Leute getroffen, die sie mag und selten trifft und dann kam eher was wie: "Ja und? Wenn Karin oder du an der Theke vorbei lauft, bringt mir einer aber ein Bier mit?!" - "Ja alles mein Schatz, ich liebe dich!" - "Spinner!" Und später- sehr viel später als nicht mehr all zu viele Leute da waren, haben Karin und ich getanzt. Und Herr Gott im Himmel - ich wusste nicht wie Karin tanzen kann. Sie kann wirklich sexy tanzen. Und wir hatten echt viel Körperkontakt. Und ich bin mir fast sicher, dass wir beide das ein bisschen geil fanden. Immerhin hatten wir den Pegel und die Gelegenheit uns näher zu sein als wir uns beide eingestehen wollen. Ich fand´s sehr toll - muss ich zugeben. "Fremde Haut" bei wem, den ich eh schon irre attraktiv finde. Und selbst da wundere ich mich, dass ich immer mal wieder treudoof zu meiner Freundin dackelte und nöllte: "Schatz, alle tanzen, tanzt du auch mit mir?" und Steffi natürlich mitten im Gespräch unterbrochen: "Ryan, sag mal, du siehst aber dass mich unterhalte? Ich will jetzt nicht tanzen!" - "Okay, ich tanz dann wieder Karin!" - "Ja mach das." Yeah, Freifahrtschein. Irgendwie fühle ich mich trotzdem ein bisschen schuldig, weil ich dann meine Hände auf Karins Hüften hatte und etwas inniger getanzt hab als meinem Gewissen gut tut. Aber Steffi wollte nicht tanzen und ... ja ... 

Aber das dicke Ende kommt noch. Wie erklär ich das jetzt? Kurz vorweg: Karin ist dann nach Hause und alle okay. Mit Karin war da nix mehr. Sagen wir so, mein Marktwert war an dem Abend auch wieder voll ausgetestet. Ich brauch das manchmal. Ich hab teilweise so ein niedriges Selbstwertgefühl, obwohl ich das laut Meinung meiner Umwelt nicht haben müsste. Ich achte schon sehr auf mein Äußeres. Sagen wir so: ich hab mehr Klamotten als meine Freundin. Und ich bin derjenige, der vor jeder Party mindestens eine Stunde vorher Modenschau macht und sich nicht entscheiden kann, was er anzieht. Steffi greift ziemlich zielsicher in den Kleiderschrank, aber ich zieh mich 2 Minuten vor´m Losgehen noch dreimal um. Ich hab sehr häufig in meinem Leben gehört, dass ich gut aussehe. Ich achte sehr auf mein Aussehen, dass meine Haare sitzen (ich hab immer Haarspray dabei), einfach auf meine Style. Ich sehe nicht so alt aus wie ich bin. Ich werde nie auf mein tatsächliches Alter geschätzt, trotz Zigaretten und Alkohol sehe ich aus wie anfang 20. Ich bin zwar nicht besonders groß und eher schlank als durchtrainiert, aber ich scheine was an mir zu haben, was Frauen mögen. Und grade wenn ich auf so ´ner Party bin wie gestern, merke ich dass ich einfach gut ankomme. Und dann bin ich auch noch einer der wirklich wenigen Pfleger. Also auf solchen Feiern ist immer Frauenüberschuss. 

Ich hab vorhin mal Bilder gesichtet, die mittlerweile von der Party online gestellt wurden. Und ich bin wirklich häufig auf Fotos, wo ich mit Azubinnen oder Krankenschwestern oder eben Ärztinnen in die Kamera grinse. Um mal kurz eingebildet zu sein: Ich kann mir echt viel erlauben, weil ich gut aussehe. Ich bin nicht The Man of the Year. Niemals. Aber ich bin mir sicher, meine Beliebtheit hab ich nicht alleine wegen meines netten Charakters. Ich hab sogar eine sehr coole, ehrliche Kollegin, die mal sagte: "Ich arbeite gerne mit Ryan, nicht weil er fleissig ist, sondern damit ich als Single was zum gucken hab!"

Zum eigentlich Thema. Nachdem Karin dann weg war, hab ich mit einigen Mädels getanzt. War auch alles super und Spaß. Manchmal bin ich auch ein bisschen naiv und denke echt nur Spaß. Und dann merkte ich irgendwann: Bei einer ist nicht nur Spaß. Eine Ärztin. Ich kenn sie gar nicht mal so gut. Ich weiss wo sie arbeitet, ich hab sie schon mal gesehen als ich auf einer Nachbarstation was geholt hab, ich weiss wie sie heisst. Ich bin mal mit ihr alleine im Fahrstuhl gewesen. Kennt ihr diese Grey´s Anatomy-Szenen im Fahrstuhl? So war das. Wir zwei alleine - sie sieht wirklich gut aus. Und es war wieder so ein Arbeitstag, der dich frisst. Der dich 10 Jahre altern lassen kann in 8 Stunden. Und ich musste was wegbringen und wollte mit dem Fahrstuhl auf meine Station zurück. Sie stieg ein, schaute mich an und ich dachte: "Wow, okay, DAS ist der gute Moment für diesen Tag. Mit dieser hübschen Frau alleine auf 4 Quadratmetern, nett!" Ja, Männer sind so - ich bin mir sicher seid der Coca Cola Light Werbung: Frauen auch!! Wir haben erst ein bisschen schüchtern hin und her geschaut, uns dann angeschaut. Kurz ein paar Worte alla "Wer bist du, wer bin ich." und dann tschüss. Aber seitdem (bilde ich mir ein) verheissungsvolle Blicke - manchmal - ganz selten - wenn wir uns sehen. 

Es ist toll zu flirten. ICH finde, das ist normal. Das ist interessant. Vielleicht spricht da auch mal wieder meine männliche Libido, die sich mit möglichst vielen Partnerinnen vermehren will - nein, ich bin wirklich treu. Ich war´s nicht immer, aber ich will´s sein. Aber mal ab und an ein interessanter Blickkontakt - ich bin ja nicht tot. Naja, aber diese Ärztin war auch auf der Party - und wir haben uns nicht unterhalten. Nachdem Karin weg war, hab ich mir ihr getanzt - ein bisschen mehr "Dirty Dancing" als mein Gemüt verträgt. Boah die hat echt schmutzig getanzt. Zu ihrer Entschuldigung, sie war auch betrunken und hemmungslos. Zu meiner Entschuldigung: ich bin mindestens 3 mal bei Steffi aufgeschlagen und fragte sie, ob sie nicht mal mit mir tanzen könne und irgendwann kriege ich nur solche Antworten: "Halt´n Sabbel, irgendwer tanzt schon mit dir!"... und dann hab ich mich auch gar nicht mehr so schlecht gefühlt als ich dann mit der Ärztin getanzt hab. Und ich hab ein bisschen Panik vor Montag ... wie das immer so ist auf Betriebsfeiern. WEIL sie hatte ihre Hand an meinem Hintern ... und unter meinem T-Shirt. Auch wenn ich sie da weggeschoben hab ... aber es war mega heiss. 

Okay, genau das ist das Fazit aus dem heutigen Eintrag: Ich hab mit ner Frau getanzt und ich fand´s heiss. Und es war nicht meine Freundin. Und ich werde sie sicherlich auf der Arbeit wiedersehen. Sicher liebe ich meine Freundin. Und solange ich abends zu ihr ins Bett steige, ist alles okay. Ich hab Steffi sogar sowas erzählt wie: "Ich glaub die Ärztin, mit der ich getanzt hab, war mega voll, die hat mir an den Arsch gelangt" und Steffi nur sehr geschwisterlich, humorvoll: "Oh Gott, wie konnte sie nur?" Und damit war das Thema erledigt. Für Steffi.

Für mich ... ich bin da ambivalent. Aber ich weiss nicht wieso. Eine bessere Frau als Steffi gibt es nicht. Sie ist mein Herz, meine Seele, mein Alles. Sie ist mein Leben. Sie SOLL mein Leben sein. Ich organisiere ihr grade eine Verlobunsring. Ich kann alles mit ihr. Sie liebte mich als ich die heftige Depression hatte, sie liebt mich, wenn ich schimpfte, wenn ich schreie, wenn ich lache und weine. Sie liebt mich zuhause in unserer Wohnung, aber sie liebt mich auch auf Acker aufm Festival, schmutzig und betrunken. Es ist egal, sie liebt mich wie ich bin. Und ich liebe sie, egal ob sie was Dummes macht (ich hasse Leute, die dumme, unüberlegte Dinge machen), ich liebe sie, wenn sie Gitarre übt (und im Moment trifft sie kaum einen guten Ton), ich liebte sie als ich sie betrunken ins Zelt tragen musste, weil sie eine halbe Flasche Wiskey alleine getrunken hatte. Ich liebe sie, so wie sie ist. Mit all ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten. Auch wenn ich mich ärgere über sie, ich liebe sie. 

Und dann kommt Karin wieder, wir zwei betrunken und es ist aufregend wenn sie mir über den Rücken streicht. Und dann diese Ärztin ... und es ist aufregend. Das war das einzige Positive am Single-Sein: die Aufregung. Kennenlernen, Erobern, Flirten, Knistern. Generell vermisse ich es nicht Single zu sein. Ich war unendlich unglücklich und hatte gleichzeitig soviel Liebeskummer ... aber ich fühl mich schon wieder schuldig. Kaum ist da der Hauch eines Knisterns - selbst wenn Steffi daneben sitzt - krieg ich ein schlechtes Gewissen. Wahrscheinlich ist das auch gut so. Aber es ist aufregend. Und machmal vermisse ich es. 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenMajas_Traumwelten schreibt am 26.09.2011 um 01:10 Uhr:Naja, nur weil man in einer Beziehung lebt, ist man ja noch nicht blind und gefühlskalt dem anderen Geschlecht gegenüber ;-) Aber vielleicht solltest Du mit Steffi mal über euer Sexleben reden, ich glaube, dass es wichtig ist, das eben nicht zu vernachlässigen. Apropo Verlobung - wie wärs mit einer Nacht im Hotel - mit nem schönen Abendessen und dann feiert ihr eure Verlobung im Whirlpool ;-) Lg, Maja
  2. zitierenHedera schreibt am 27.09.2011 um 14:52 Uhr:manchmal möchte man sich einreden (ich wäre da die erste!), dass es völlig normal ist, wenn im laufe einer langen beziehung der sex einschläft. komisch, ich höre auch immer wieder von paaren, die auch nciht mehr unbedingt täglich und mehrfach welchen haben aber weitaus regelmäßiger als ich. und wenn die beziehung irgendwann nur noch zu einem bruder/schwester gedöns mutiert, dann ist es zwar schön sagen zu können, dass man sich so wahnsinnig gut kennt und vertraut und all das...aber das ist genau auch das, was irgendwann zu langweilen droht. Pepp in eine Beziehung und in das Geschlechtsleben zu bringen ist manchmal irre anstrengend, vor allem wenn einer oder beide anstrengende Jobs haben, unterschiedliche Arbeitszeiten etc. aber genau in dieser phase eine verlobung/heirat zu planen..hört sich für mich fast an als ob du euren beziehungstot verkünden würdest, so leid mir das tut. ihr heiratet, versteht euch immer noch super, weil ihr euch ja so irrsinnig gut kennt (erinnert mich ganz stark an max frisch:
    Du sollst Dir kein Bildnis machen


    Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen kön­nen, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu fol­gen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig ­werden: weil wir sie lieben; solang wir sie lieben. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie grei­fen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man liebt -

    Nur die Liebe erträgt ihn so.

    Warum reisen wir?

    Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für alle Mal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei -

    Es ist ohnehin schon wenig genug.

    Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedes Mal [...]


    Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.

    „Du bist nicht“, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte: „wofür ich dich gehalten habe.“

    Und wofür hat man sich denn gehalten?

    Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat [...]


    In gewissem Grad sind wir wirklich das Wesen, das die andern in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umgekehrt! auch wir sind die Verfasser der andern; wir sind auf eine heimliche und unentrinnbare Weise verantwortlich für das Gesicht, das sie uns zeigen, verantwortlich nicht für ihre Anlage, aber für die Ausschöpfung dieser Anlage. Wir sind es, die dem Freunde, dessen Erstarrtsein uns bemüht, im Wege stehen, und zwar dadurch, dass unsere Meinung, er sei erstarrt, ein weiteres Glied in jener Kette ist, die ihn fesselt und langsam erwürgt. Wir wünschen ihm, dass er sich wandle, o ja, wir wünschen es ganzen Völkern! Aber darum sind wir noch lange nicht bereit, unsere Vorstellung von ihnen aufzugeben. Wir selber sind die letzten, die sie verwandeln [...])
    Sorry, das war jetzt ein auszug und irre lang. hab es gelesen als teenie eigentlich, fand es immer toll. und ich finde für mich: es stimmt. irgendwann reizt eben dann die andere haut mehr als guttut und irgendwann reicht das kurze fühlen und das "ich hätte mehr haben können" nicht mehr, dann überschreitest du doch die grenze, weil ein leben mit einem geliebten partner doch nicht nur aus sich kennen und fertig bestehen sollte sondern auch aus prickeln...immer wieder mal.... hach, wie erklär ich es dir...ich denke, du weißt das schon selbst...




  3. zitierensunnysightup schreibt am 30.09.2011 um 12:44 Uhr:@Hedera: Hier eine andere Perspektive: Ich habe jemanden geheiratet, für den ich ähnlich empfinde. Dem ich in Jogginghosen ebenso gut gefalle wie im Minirock, der mich und den ich sehr tief und durch und durch kenne, jemand, den ich nicht in Frage stelle und der das auch mit mir nicht tut. Wir sind nicht unkritisch miteinander, aber wir akzeptieren den Anderen im Rundumpaket. Eine Ehe, die nicht immer aufregend ist (aber manchmal eben doch) und die tatsächlich immer mal Raum gelassen hat für Flirts und Sehnsüchte. Und was soll ich sagen: Ich fühle mich sicher und geborgen und gar nicht tot, es fühlt sich kuschlig an, und ja, das ist auch manchmal langweilig, aber ich denke, es ist eine Typfrage, welche Tendenz man bevorzugt, die erregende Rätselvariante oder die Bildnisvariante - auch das dauerhafte Rätsel hat seine Tücken, und tatsächlich habe ich über die Jahre noch vieles entdeckt, was mich überrascht hat, Bildnis hin, Bildnis her.
    @Ryan: Ich musste lächeln, als du deine Gefühle für Steffi beschrieben hast, genau wie über die Eroberungsfantasien. Ich finde mich darin wieder und es ist (in meinen Augen) weniger ein Widerspruch, als man vielleicht denken könnte. Und wenn schon: Widersprüche sind nicht immer relevant.
    Sonnige Grüße!

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