Boys don´t cry

13.11.2012 um 14:57 Uhr

Grün und blau

von: Ryan

Urlaub, 4 Tage arbeiten, krankgeschrieben. Super Timing. Diesmal bin ich derjenige, der richtig leidet. Eigentlich schimpfe ich den ganzen Tag. Egal, ich bin so angefressen.

Was ist passiert? Ich hatte ´nen Unfall, Rückweg von der Arbeit. Eine Autofahrerin hatte falsch geparkt, ich wollte langsam am Auto vorbei mit dem Fahrrad - auf Höhe der Fahrertür reisst sie mit Schwung die Tür auf, und die hab ich volles Rohr mitgenommen. Ganz ätzende Nummer, meine rechte Seite ist blau und geprellt, weil ich die Tür abgekriegt hab, meine linke Seite ist ebenfalls blau, weil ich darauf gefallen bin. Ich weiss nachts trotz Schmerzmittel nicht wie ich liegen soll.

Die Frau war super erschrocken - und ich hatte eine ganz neue Selbsterfahrung: Ich stand total unter Schock. So schlimm hab ich das noch nie erlebt. Als ich vom Fahrrad gefallen bin, kam mir der Sturz unendlich lang vor. Während des Fallens dachte ich noch: "Scheisse, das wird gleich richtig, richtig wehtun." Ich hab die Frau sogar noch getröstet und ihr gesagt, dass es nicht so schlimm sei (sie hat so furchtbar geweint vor Schreck), hab mein Fahrrad kontrolliert ob irgendwas kaputt ist - und erst Minuten später ist mir aufgefallen, dass Blut auf der Strasse und meiner Hose ist. Ich hatte zwei Platzwunden an der Hand und das Blut lief mir die ganze Hand und den Arm runter während ich mein Fahrrad kontrolliert hab. Mir tat auch nix weh. Unfassbar. 

Mein Glück: Der Unfall war 30 Meter von einer Notaufnahme entfernt und weil die Hand doch ziemlich stark blutete, bin ich da mal hin gelaufen - nur mal kurz hin und fragen, ob das genäht werden muss. Alles kein Drama, tut ja nicht mal weh. Nochmal Glück: Auf dem Weg zur Notaufnahme kam mir eine meiner besten Freundinnen entgegen, die grad aufm Weg zum Auto war und dort arbeitete. Ich noch ganz fröhlich auf sie zur "Hey, was für ein Zufall dass wir uns sehen! Wie gehts deinem Mann und deinem Hund?" - Sie total entsetzt: "Wie siehst du denn aus?" - "Ach, hatte grad einen kleinen Unfall, ich dachte ich zeig die Hand mal ´nem Arzt in der ZNA." - "Ryan, du bist leichenblass, ich hol einen Rollstuhl, du klappst gleich ab." - "Ach, pah! Rollstuhl? Spinnst du?! Lass uns eine rauchen, bevor ich da reingehe, wer weiss wie lange ich warten muss." Ich hatte grad zwei Züge von der Zigarette genommen, da merkte ich: Oh, mir ist irgendwie sehr schwindelig, ein Rollstuhl ist doch nicht die schlechteste Idee.

Meine Freundin hat sich echt super lieb um mich gekümmert, hat alles ausgefüllt, weil ich nicht schreiben konnte, hat Steffi angerufen, mir was zum kühlen gebracht und mit dem Arzt gesprochen, dass ich keine 4 Stunden warten musste trotz knallvoller ZNA. Danach hat Steffi übernommen. 

Nochmal Glück: nix gebrochen. Wir saßen da zu dritt in der ZNA und wir alle drei: Oha, die Finger sehen aber komisch aus, da ist mindestens einer gebrochen. Nee, war aber nicht. Hand wurde genäht - ich kam mir beim Nähen vor wie das letzte Kleinkind. Ich hab zwar stillgehalten, aber musste Steffis Hand halten - an einer Stelle war die Lokalanästhesie nicht so gut angekommen und das waren die letzten zwei Stiche - lohnt sich ja wegen zwei Stichen nicht noch wegen Schmerzmittel zu picksen. 

Ja und jetzt sitz ich hier, krankgeschrieben. Ich muss Ende der Woche nochmal zum Chirurgen, Nähte kontrollieren lassen und die restlichen Verletzungen nachdokumentieren lassen. Wie gesagt: In der ZNA tut nix weh. Und zuhause bin ich um 5 Uhr morgens aufgewacht und bin vor Schmerzen fast durch die Decke gegangen. Die rechte Hand ist blau und dick, ich kann nur Daumen und Zeigefinger bewegen (Tippen klappt, Brot schmieren alleine nicht). Am rechten Oberschenkel und Knie hat ich den Abdruck der Autotürkante - linker Ellenbogen und Schulter sind geprellt und blau, da bin ich drauf gefallen, ebenso die linke Hüfte und Oberschenkel - ich weiss nachts nicht wie ich liegen soll trotz Schmerzmittel.

Nochmal Glück gehabt: Ich wollte an dem Tag unbedingt meine neue Winterjacke tragen, obwohl es zu warm war - ich bin mit T-Shirt und Winterjacke zur Arbeit gefahren. Hätte ich die nicht angehabt, hätte ich mir wahrscheinlich Schulter oder Ellenbogen gebrochen. Nochmehr Glück: Ich hatte keinen Helm auf und hab nix am Kopf abbekommen. Das war auch so Gedanke beim Fallen: Hoffentlich hau ich mir nicht den Kopf an.

Was auch echt fies ist: Ich hab an der Hand noch eine relativ tiefe Hautabschürfung, die Naht selber an den Fingern tut kaum weh, die Prellungen und die Schürfwunde sind so fies, das gibt eine große Narbe. Aber wenn die Haut weg ist, kann man ja nicht nähen.

Ja und jetzt sitz ich hier zuhause und mir ist schweinelangweilig. Ich weiss nicht, was ich tun soll. Ich kann ja auch recht wenig machen. Und den ganzen Tag nur lesen und fernsehen ist auch doof.  Ich nehm schon alle Pakete der Nachbarschaft an, weil ich wohl der einzige bin der zuhause rumhockt. Was macht noch so nervt ist, dass ich gehandicapt bin. Beim Duschen die Hand hochhalten und aufpassen, dass der Verband nicht nass wird und dass man keine Bewegung macht, die wehtut. Haarewaschen ging noch einhändig, aber beim Rasieren brauchte ich Hilfe - ich kann mich mit links nicht rasieren. Flaschen alleine aufdrehen kann ich nicht, ich kann kein Brot schmieren, Steffi muss mein Essen klein schneiden.

Noch ein letztes - ich muss Pause machen, ich verkrampf die geprellten Finger doch zu doll beim Tippen - heute ist Tag der Nettigkeit, und ich hab grad Strafanzeige gegen die Unfallverusacherin gestellt. Wollte ich eigentlich nicht, weil sie mir auch leid tat, aber mein Anwalt-Bruder sagte, ich muss das unbedingt machen.

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenMaxyII schreibt am 13.11.2012 um 15:31 Uhr:Genau das selbe ist meinem Freund vor gut drei Jahren auch passiert. Nur hat er sich die Ecke der Autotür direkt in die Brust gerammt. Der Unfallverursacher, der die Tür plötzlich aufgerissen hatte, hat die aber wohl ebenso schnell wieder zu gemacht und ist auf und davon ohne sich um meinen Freund gekümmert zu haben. Mein Freund ist dann wieder aufs Fahrrad gestiegen und Heim gefahren, wo er schließelich zusammengebrochen ist. Nach einer Moralpredigt des behandelnden Arztes, warum er sich nicht direkt in ärztliche Behandlung begeben hätte und ein paar Tagen im Krankenhaus, ging es ihm dann wieder ganz gut. Er hat keine bleibenden körperlichen Schäden, nur eine unschöne Narbe und die Wut im Bauch, dass der Idiot der Schuld war, einfach abgehauen ist. Kurz und gut, ich finde es auch richtig, die Unfallverursacherin anzuzeigen. Auch wenn sie es nicht gewollt hat, trägt sie die Schuld und muss angemessen zur Rechenschaft gezogen werden
    Ich wünsch dir gute Besserung!
  2. zitierenIris schreibt am 13.11.2012 um 15:44 Uhr:So böse das klingt, aber ich liebe deinen schreibstil. Gute Besserung ;)
  3. zitierenHedera schreibt am 13.11.2012 um 16:04 Uhr:Wärst du ein auto (entschuldige den vergleich) würdest du bei so massigen Schäden auch niemandem sagen; ist doch egal. es sei denn, dein auto steht kurz vor der verschrottung und der unfallverursacher ist wirklich ein kumpel und der ärger lohnt nicht. du bist mehr wert als ein haufen blech, also bist du auch schmerzensgeld wert. das kann dir niemand übelnehmen. und entschuldige den vergleich mit einem auto!
  4. zitierenPaulinchen schreibt am 13.11.2012 um 17:55 Uhr:Gute Besserung!
  5. zitierenIris schreibt am 14.11.2012 um 13:16 Uhr:
    Hedera:Wärst du ein auto (entschuldige den vergleich) würdest du bei so massigen Schäden auch niemandem sagen; ist doch egal. es sei denn, dein auto steht kurz vor der verschrottung und der unfallverursacher ist wirklich ein kumpel und der ärger lohnt nicht. du bist mehr wert als ein haufen blech, also bist du auch schmerzensgeld wert. das kann dir niemand übelnehmen. und entschuldige den vergleich mit einem auto!

    aber der ist gut! also der Vergleich:)

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