Boys don´t cry

08.06.2007 um 01:42 Uhr

Lernstress

von: Ryan

Eigentlich ist gar nicht so viel passiert. Steffi ist bei ihrer älteren Schwester, mein Bruder war heute Abend aufm Bier da und wir haben gequatscht. Er meinte, ich wirke sehr verliebt und er freut sich.

Ansonsten lerne ich viel. Ich hab so Panik durch diese Prüfung zu fallen, dass ich mich echt zwingen muss jeden Tag meine 6-8 Stunden durchzuziehen. Aufstehen, duschen, Kaffee kochen und ab an meine Lernsachen. Rauchen, lernen, rauchen, lernen, essen, lernen, rauchen, lernen. So geht das die letzten paar Wochen schon. Abends eventuell mit wem treffen ... oder lernen, so wie heute. Ich hab noch nie in meinem Leben soviel gelernt - und trotzdem hab ich das Gefühl, dass ich mehr machen könnte, wenn ich wollte. Aber irgendwann kommt auch der Zeitpunkt, wo ich merke, dass nichts mehr hängenbleibt, was ich grade gelernt habe - dann gibt´s ne Stunde Pause mit Fernsehen, Essen oder what ever und dann gehts weiter. Meine Wohnung wird tapeziert mit kleinen Merkzetteln von Dingen, die ich dringend auswendig können muss. In der Küche liegt mein Medizinbuch, um mich herum meine Ordner, aufgeschlagene Anatomiebücher, überall kleben kleine Zettel was ich noch durcharbeiten muss und im Flur hängt die Liste mit Themen, die ich alle durchabeiten muss und täglich abgeharkt wird, welches Thema ich ausführlich bearbeitet hab. Meine Zettel mit dem Kurzbeschreibungen jeglicher Krankheiten liegen auf meinem Bett und werden in jeder Werbepause durchgegangen oder mitgenommen, wenn ich U-Bahn fahre.

Ich bin so froh, wenn das alles vorbei ist. Mein Bruder sah das nur und meinte: "Na, das müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn du dein Examen nicht schaffst." und das einzige was ich dazu dachte (nicht gesagt habe): "Was weisst du denn schon ..." Ich fühl mich immer noch inkompetent und doof. Ich will nicht nur gut sein, nein ich muss großartig sein ... ich will in der Prüfung sitzen und denken: "Okay, Thema Herzinfarkt - das hast du gut gelernt, das kannst du denen auswendig runterbeten, kein Problem."

Und ich merke wieder, dass mein eigener Ergeiz mir das Genick bricht. Ich bin so anspruchsvoll - vor allem hab ich diesen Anspruch an mich selbst. Unfehlbar. Und ich befürchte, dass ich von mir wieder viel zu viel erwarte - ich muss schlank sein, äußerst kompetent, ich muss alle beeindrucken können ... und vergesse dabei, dass die Leute mich nur meiner selbst willen mögen und nicht nur, weil ich furchtbar unfehlbar bin. Auf der anderen Seite halte ich meine eigenen Fehler für so groß, dass ich sie doch mit irgendwas kompensieren muss, um überhaupt liebenswert zu sein. Aber wer sieht sich schon selbst so, wie die anderen einen sehen?

Vielleicht versteck ich mich auch grade hinter meinen Büchern um nicht an die Zeit denken zu müssen, in der Steffi und ich uns verstecken müssen - die für uns beide tierisch schwer wird und was da alles auf uns zu kommt.


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