Boys don´t cry

16.05.2010 um 01:01 Uhr

Rückfall

von: Ryan

Es ist soweit - ich hatte Angst davor. Ich wusste, dass Rückfälle bei nem Burnout normal sind. Aber ich hab gehofft, dass es nicht soweit kommen würde. Natürlich war es hart zu arbeiten, klar, ich hatte ja auch nach der langen Auszeit keine Kondition mehr.

Und was passiert? Seit einigen Tagen wieder Herzrasen, aber es ging. Ich dachte, es ginge mir gut. Also weiter arbeiten. Dann eine Schicht, in der ich kaum noch sprechen konnte vor Erschöpfung. "Geht´s dir gut? Du zitterst am ganzen Körper." sagte ne Kollegin von ner anderen Station, bei ner gemeinsamen Raucherpause. Da ist es mir erst aufgefallen, dass ich wirklich zitterte. Ein Warnsignal. Aber wie immer: alle Signale ignoriert. Wie immer. Alte Verhaltensweisen.

Aber ich wollte doch durchhalten. Ich wollte arbeiten. Ich wollte es so sehr. Ich wollte wieder normal und gesund sein. Ich hab mich so angestrengt. Aber genau das war wohl die falsche Taktik. Meine Geschäftsführung hat mir schon beim letzten Mal gesagt, ich müsse beim "nächsten Mal" in unbezahlten Urlaub. Was ich nicht wollte. Ich hab Panik, dass dieses "Nicht-Arbeiten" mich kranker machen würde als das arbeiten selbst. Ich hab Angst, dass mir die Decke auf den Kopf fällt, alle noch schlimmer wird, wenn ich keinen Sinn in meinen Tagen hab. Depressionen durch Nichts-Tun. Und zum zweiten ist da mein fehlendes Gehalt. Ich nage nicht am Hungertuch und ich hab Erspartes, aber auch das ist eines Tages zu ende und meine Neurose fragt gleich sofort, was ist, wenn es ewig dauert bis ich arbeiten kann? Was ist wenn ich Schulden mache? Ich hab Angst und alle Angst-Schubladen gehen gleichzeitig auf.

Und heute morgen - ja heute morgen - ein verhängnisvoller Tag - noch einer in meinem Leben. Ich bin aufgestanden. Ich hab geduscht - und fing an zu weinen. Und hörte nicht mehr auf. So kann man nicht arbeiten. Natürlich könnte ich das, aber wie sieht das aus wenn der Pfleger an deinem Bett die ganze Zeit seine Tränen wegwischt. Also krank melden. Mal wieder. Es kotzt mich so an. Ich bin´s so leid krank zu sein. Ich bin´s mehr leid als alles andere.

Ich fühl mich furchtbar. Ich fühl mich als hättte ich versagt. Ich bin wieder an meiner hohen Erwartung gescheitert. Und ich glaube, ich bin mal wieder in ner Depression drin. Emotionaler Einbruch, sagte meine Freundin. In mir drin fühlt es sich furchtbar an. Ängste, Traurigkeit, Hilflosigkeit. Ich versuche mit Wein mein Inneres zu deckeln. Ich hasse es, ich hasse mich.

Was werde ich machen? Unbezahlter Urlaub, einige Monate, und versuchen nebenbei nicht durchzudrehen. Ich werde mich ablenken. Ich male viel mein "Malen nach Zahlen", ich hab mir schon nen großes neues Bild ausgesucht und bestellt, was ich in Angriff nehmen kann. Und sonst so? Ich weiss es noch nicht. 


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