Boys don´t cry

11.10.2008 um 00:57 Uhr

Seuchen und andere alltäglichen Katastrophen

von: Ryan

Ich arbeite mal wieder - und arbeite - und arbeite - jeden Morgen das gleiche Spiel: Schlafen bis 10, duschen, was essen, bissle aufräumen in meiner verdreckten Einzimmerwohnung, die ich auch nicht schaffe zu putzen, wenn ich Spätdienst habe. Dann zur Arbeit, bis 22.00 arbeiten, nach Hause, Fernsehen, Computer, schlafen und das Ganze von vorne. Meine Freundin sehe ich so GAR NICHT, weil die Frühdienst hat, da bleibt nur nen kurzes Telefonat am Abend wenn ich von der Arbeit komme und sie grade schlafen geht.

Und ich habe mich sehr auf meinen Urlaub gefreut, den ich eigentlich in 2 Wochen antreten wollte ... nun bin ich irgendwie nicht mit Urlaub im Dienstplan eingeplant sondern mit ner fetten Nachtdienst-Woche ... ganz super. Da hat wieder einer Mist gebaut oder sie trauen sich nicht mir zu sagen, dass sie mir MAL WIEDER den Urlaub streichen wollen. Aber das können die knicken, da komm ich mit meiner armen gebrechlichen Oma, die operiert wird, und um die ich mich dringend im Urlaub kümmern wollte. Ich hab keinen Bock mehr auf diese Faxen von meinen obersten Chefs. Neulich im Spätdienst wollten die mir noch nen Nachtdienst andrehen so alla: "Da ist wer auf ner anderen Station krank geworden, eure Nachtwache geht auf diese Station und du kannst ja ne Doppelschicht machen, hängt "einfach mal so" nen Nachtdienst hinten dran" Ja klar ... ey ... so seh ich aus als wäre ich scharf auf nen 18 Stunden Dienst ... wer in der freien Marktwirtschaft arbeitet denn bitte 18 Stunden?? Von mir wird es natürlich erwartet, weil ich nen sehr sozialen Beruf habe und mich ja ständig aufopfere ... ist richtig ... irgendwann ist dann auch mal Schluss ... ich hätte nicht mal frei gekriegt am nächsten Tag, nee. Da erwarten die von mir, dass ich um 8 schlafen geh und um 13.00 wieder zum Dienst antanze ... so gut passt man auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter auf.

Eigentlich darf ich mich gar nicht beschweren, wir haben grade nen angenehmes Leben, wir haben kaum Patienten, es ist "ruhig". Aber im Krankenhaus gibt es ja immer etwas zu tun. Medikamentenschränke aufräumen, Kühlschränke, Notfallkoffer etc. kontrollieren, irgendwelche Lagerräume aufräumen und auseinander nehmen ... man findet immer was. Und sehr beliebt: Putzen. Man kann alles putzen und desinfizieren und alles muss ja irgendwann mal geputzt werden. Meine Mädels haben also geputzt und ich hab mich um nen verwahrlosten männlichen Patienten 3 Stunde gekümmert und hab versucht aus dem wieder sowas wie ein menschliches Wesen zu machen. Der Mann war mal grade ende 20, zwar starker Alkoholiker, hatte jetzt aber irgendwie dauernd Husten und hatte auch sehr viel Gewicht verloren - also mal ins Krankenhaus um zu gucken, was da so los ist. Ich nehm den also auf und krieg fast die Krise als ich die ersten Läuse in seinem ungeschnittenen Haar springen seh. Also mit Goldgeist dran und hab den Typen da 2 Stunden unter der Dusche eingeweicht, hab den prophylaktisch schon mit Krätze-Mitteln behandelt, hab den geschrubbt, den Bart mühsam mit ner Schere gestutzt, rasiert, grob Haare geschnitten, umgezogen, seine Sachen in nen Müllbeutel geschmissen, ihn in nen Krankenhausnachthemd gesteckt ... und dann ... ich könnt kotzen ... hab ich ihn zum Röntgen zuschoben ... und ich komme grade mit dem wieder auf Station, da gröllt unsere Ärztin: "Ryan! Der Patient hat ne offene Tuberkulose!" Okay, gute Nachricht: Der Patient weiss endlich wieso es ihm so schlecht geht seit Wochen. Wir haben eine Diagnose. Schlechte Nachricht: Der hat MICH 20.000 Mal angehustet während ich ihn schick gemacht hab ... ohne Mundschutz etc. Geil ... ich hab also in nen paar Wochen nen Termin zum Blutabnehmen, damit sie gucken können ob ich mich angesteckt hab, weil der Scheiss super ansteckend ist - ich flippe aus. Da gibt man sich 2 Stunden seines Lebens die größte Mühe eine arme gequälte Seele von dem Schmutz der letzten paar Monate zu säubern ... und ganz ehrlich: andere Krankenschwestern hätten den Mann nicht angefasst. Unsere Ärztin hat sich sogar geweigert den zu untersuchen bis er geduscht hat und da ich nen Mann bin und ... nun ja ... sowas bleibt dann an mir hängen. Und ich habe mir Mühe gegeben, verdammt nochmal! Und zum Dank wirste mit ner Krankeheit konfrontiert, die auf der gleichen Stufe wie Cholera und Pest in der Ansteckungsgefahr steht und die zwischen 1800 und 1900 echt viele Todesopfer forderte. Die "Schwindsucht". In welchem anderen Job wird mit man mit Seuchen konfrontiert??

Ich sollte echt irgendwas dummes studieren gehen. Ich bin schon wieder gnadenlos begeistert von meinem Job - mal davon abgesehen, dass der Typ echt super eklig war und zum Dank stecke ich mich (vielleicht) mit Tbc an ...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSchussel schreibt am 11.10.2008 um 01:10 Uhr:In welchem anderen Job wird mit man mit Seuchen konfrontiert??

    Mein Göttergatte musste sich gegen Hepatits B drignend impfen lassen, da ein Schüler in seiner Klasse damit infiziert war.....

    Aber hey, ich gebe dir Recht! So ein Scheiß!!!! Hätte man dir ja wohl mal im Vorfeld sagen können, oder?
  2. zitierenfeefiona schreibt am 01.11.2008 um 16:54 Uhr:zitat einer arbeitskollegin, nachdem ihr ein anderer kollege wieder mal drecksarbeiten gab:

    hierarchie = hier arschi (und dabei bitte auf sich selbst zeigen)!

Diesen Eintrag kommentieren