Boys don´t cry

21.10.2005 um 20:16 Uhr

Wie es mir so geht

von: Ryan

Musik: Depeche Mode - Precious

Ja, eigentlich gut. So lala.

Ich lenke mich ab, ich versuche der Wahrheit nicht ins Auge zu sehen, ich höre viel Musik und ich habe wieder angefangen zu malen. Eigentlich sehr positiv.

Meine Arbeit ... ich erwarte zuviel, dadurch dass ich weiss, dass ich es eh niemanden recht machen kann. Egal, wie ich arbeite, ich hab das Gefühl, die anderen sehen nicht was ich tue. Dadurch hab ich auch schon fast keine Lust mehr irgendetwas extra zu machen. Ich versuche das, was ich machen muss, so gut wie möglich zu machen. Aber ... auf Chirurgie war ich immer sehr begeistert, heute ist das nicht mehr so.

Ich rauche wieder ziemlich viel. Scheiss drauf, ich kanns mir jetzt nicht abgewöhnen, ich hab auch eigentlich keinen Grund, er wäre mein Grund gewesen, aber ... ja, wie das eben ist.

Er - ich versuche zu reflektieren. Er wirkt so perfekt, er kann mich für soviel begeistern, ich fühle mich so wohl bei ihm. Bei ihm mag ich mich selbst sogar. Das war noch nie so. Und er ist der erste Mann, vor dem ich nicht versuche wegzulaufen. Mal davon abgesehen brauche ich dringend Sex. Und ich möchte mit niemand anderen schlafen als mit ihm. Ich könnte wahnsinnig werden bei dem Gedanken.

Aber er weiss, dass er mich nur enttäuschen wird. Und er ist zu lieb um das zu tun.

Ich empfinde mein Leben im Moment als wahnsinnig langweilig und alles was ich tue wirkt so unbedeutend. Meine Freunde sind langweilig oder ich erwarte zuviel. Ich will soviel vom Leben und ich will meine Zeit so gerne nutzen. Ich möchte soviel machen und soviel unternehmen, aber irgendwie hat keiner Zeit.

Meine Freunde melden sich nicht von alleine, wir sehen uns nur wenn ich mich melde alla: "Was macht ihr heute Abend?" - "Ja wir gehen da und da hin." - "Ist in Ordnung wenn ich mitkomme?" - "Klar, ist super." Aber es kommt nie mal so von alleine: "Ryan, wir wollen heute Abend was machen, kommst du mit?" Auf Geburtstage werde ich anstandshalber eingeladen. Zumindest kommt es mir so vor.

Meine Exfreundin will mich wieder. Wir haben seit der Trennung 2 Mal telefoniert, beim letzten Mal hat sie geweint. Ich hab kurz drauf mit nem guten Kumpel von uns beiden geredet und er meinte, sie käme mit der Situation nicht klar und sie vermisst mich mehr als sie dachte. Und irgendwie hätte sie wohl auch geäußert, dass sie mich zurück haben wolle.

Aber das hat mir klar gemacht, dass es mir nicht so geht. Nein ich will sie nicht, ich mag sie menschlich sogar gar nicht mehr. Im Grunde genommen hat sie sich zu einem Menschen entwickelt, den ich mit seinen Werten und seinem Verhaltem verabscheue. Aber ich hab diesen Menschen geliebt. Aber ich hab mich in eine ganz andere Frau verliebt.

Frauen - "Such dir doch ne nette Freundin, gibt soviele hübsche Frauen." Ich will keine Frauen mehr, ich kanns mir auch gar nicht mehr vorstellen. Überhaupt nicht mehr. Seltsam. Vielleicht sperr ich mich auch gegen alles weil ich so fixiert auf ihn bin.

Ich bin erkältet, huste mir die Lunge aus dem Leib und trinke Haufenweise Bronchialtee. Und rauche trotzdem wie bekloppt. Mir tun die Bronchien teilweise schon beim Atmen weh.

Und mein Rückfall - ich steh morgens unter der Dusche und denk mir jedes Mal wieder: "Was hast du getan?" Aber was nützen Vorwürfe im Nachhinein? Nichts, das traurige ist, dass ich es verstecken kann und es wird niemanden auffallen wie extrem mein Verhalten in emotional weniger gefestigten Situationen ausschlagen kann. Nicht dass ich es freiwillig jemanden zeigen würden, nein ich schäm mich auch dafür. Aber wie leicht trägt man sowas durch die Welt. Man sitzt mit Menschen an einem Tisch, trinkt Kaffee, unterhält sich und niemand weiss, dass man eine zerschnittene Wade hat. Jedem würde der Atem stocken, alle wären zu tiefst schockiert und vielleicht würde man erahnen können wie es manchmal innerlich in mir aussieht - aber so wirds nie sein.

Auf der anderen Seite möchte ich auch nicht, dass irgendwer weiss wie verletztlich ich emotional sein kann, dass ich teilweise krankhafte Depressionen habe und mich emotional manchmal in Zuständen befinde, die ich kaum ertrage. Nicht oft, aber es ist definitiv ab und zu so. Bei der Trennung war es schlimm, und jetzt dieser Rückfall. Die meiste Zeit bin ich trotzdem stabil. Vielleicht werde ich damit alt.

Das traurige ist, dass soviele liebe Menschen mir hier antworten. Dafür bin ich auch wahnsinnig dankbar. Aber den Menschen, denen ich in die Augen schaue täglich, die wissen nichts davon. Denen kann ich mich nicht so öffnen. Ich konnte es bei meiner Ex, aber auch nicht in dem Ausmaß. Ich glaub selbst bei ihr, hab ich nur die Oberfläche von dem angekratzt. Und bei ihm - es bringt eh nichts sich darüber Gedanken zu machen. Ich würde den meisten Menschen in meiner Umgebung eh erst erlauben in meine kaputte Seele einzutauchen, wenn ich wüsste, dass sie mich so sehr lieben, dass es sie nicht verschrecken würde.


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