Boys don´t cry

02.08.2013 um 16:36 Uhr

die Leichtigkeit des Urlaubers

von: Ryan

Ich weiß schon seit Tage nicht, was ich hier schreiben soll oder was es wert wäre darüber zu berichten. Was Spannend war, ist lange her - und im Moment passiert nicht viel. Ich hab Urlaub und erlebe wenig. Tagsüber lange schlafen, etwas Haushalt machen, den neuen Laptop einrichten, mein Buch weiterlesen, eventuell mit jemanden was trinken gehen. Ja, das war´s schon. Ein ruhiges Leben - aber ich bin unterfordert. Kaum etwas worüber es sich lohnen würde sich aufzuregen.

Außer vielleicht: Steffis Bruder hat ebenfalls Urlaub und hat sich grade für eine Woche bei uns einquartiert. Nicht weiter schlimm, aber mir wurde das mitgeteilt mit folgendem Satz: "Ist das okay, wenn er über´s Wochenende bleibt?" Ja klar. "Vielleicht bleibt er auch länger." Länger bedeutet in dem Zusammenhang über eine Woche. Generell nicht schlimm - immerhin hat sich mein Bruder schon viel länger bei uns einquartiert und durchgeschnort. Aber der war auch irgendwie umgänglicher. Und es war mein Bruder, also beheimatet in dieser, relativ reinlich, hat sogar mal den Staubsauger geschwungen, war generell viel unterwegs und musste natürlich arbeiten. Steffis Bruder hingegen kennt sich in Hamburg null aus, geht aufgrund Urlaub eben nicht arbeiten und ist generell etwas unselbstständig - gut, der Junge ist auch erst Anfang 20. Da darf man noch ein wenig unselbstständig sein - aber meinen Urlaub hab ich mir generell etwas anders vorgestellt als jetzt Steffis kleinen Bruder nonstop am imaginären Rockzipfel zu haben - Steffi hat das Problem nämlich nicht, die geht ja arbeiten. Ich persönlich find´s ja unverschämt Verwandte einzuladen und sich dann selber 10 Stunden auf Arbeit zu verpissen. 

Wie gesagt, ich gehe grad in meiner Hausmütterchen-Rolle sehr auf. Man hat ja auch sonst nicht viel zu tun, das bisschen Haushalt ... jetzt räume ich hinter zwei Leuten her, die auch noch genetisch verwandt sind miteinander und dementsprechend ein ähnliches Unordentlichkeits-Potential haben (das Erfinden neuer Wörter zeugt von Kreativität).

Aber mit dem Alter wird man ruhiger - nicht mehr aufregen, einfach machen. Wenigstens muss ich nicht arbeiten - obwohl ich heute Nacht geträumt hab, ich würde in einem riesigen Altersheim arbeiten, die anderen Kolleginnen sind unfreundlich, gehen lieber rauchen anstatt mir zu helfen, die Patienten klauen mir meine Zigaretten und beschmieren die Wände mit Fäkalien - so´n Scheiß träume ich im Urlaub. In dem zweiten Traum, den ich hatte, ist ein Kumpel von mir aus unserem Haus ausgezogen - in Wirklichkeit lebt der nicht mal im gleichen Stadtteil wie ich - aber in meinem Traum wohnte er in der Wohnung unter uns, und obwohl ich ihn da NIE besucht hatte, war ich furchtbar traurig, dass er wegzieht - nicht nur traurig, nein, beinahe verzweifelt. Von Steffi träume ich irgendwie nie - die ist wahrscheinlich in meinem Traum auf Arbeit oder sonst wo.

Ansonsten hab ich viel gemacht, was sonst so liegen bleibt - Knöpfe annähen, die Wohnung gründlicher putzen als sonst, Steffis neuen Laptop einrichten - sie hat ja jetzt einen Studentenstatus wurde ich neulich aufgeklärt - hab Glasflaschen und Papiermüll weggebracht, Gitarre geübt, mich mit den Tieren wieder mehr beschäftigt - Nagetiere sind auch so anspruchslos. Einmal am Tag frisches Futter schnippeln, ab und zu mal rausnehmen und lieb haben und natürlich einmal die Woche den Käfig sauber machen. Die sind nicht so wie ein Hund, mit dem man sich 5-8 mal beschäftigen muss. Und natürlich versuche ich was von dem guten Wetter zu nutzen, aber es ist echt anstrengend draußen zu sein, obwohl ich beim ersten Sonnentag zu meiner Frau sagte: "Der erste, der sagt, es sei zu warm, haue ich persönlich!" Deswegen sage ich nicht, es ist zu warm, ich find´s lediglich anstrengend draussen zu sein. Außerdem sagte meine Zahnärztin beim letzten Termin: "Bitte setzen Sie sich im Moment nicht in die knalle Sonne, Zähne nach ner Wurzelbehandlung reagieren seltsamer Weise empfindlich darauf." Aha, okay.

Ich muss zugeben, ich genieße es sehr für allen möglichen Quatsch Zeit zu haben, die Tageszeitung gründlich zu lesen und sich danach in Ruhe zu überlegen, was man als nächstes anstellen könnte. Meine Freunde haben natürlich auch von meiner Freizeit profitiert, hier mal nen Kaffee trinken, da abends zum Bier treffen, aber nachdem ich einige Leute teilweise vier Tage in Folge gesehen hab, brauche man auch etwas Zeit für sich. Sonst geht man sich schnell auf die Nerven. Heute Abend könnte ich zum Beispiel auf ne Party mit zwei Freunden, aber ich weiß noch nicht ob ich nicht zu träge bin von der ganzen Freizeit. Auch das ist eine Phase, die man sich im Urlaub durchaus mal zugestehen darf, finde ich - einfach mal nix machen müssen.


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