Saint Sunniva in den Stahlkammern

17.08.2017 um 08:47 Uhr

Irgendwo

Stimmung: vergnügt
Musik: Ofenbach - Be Mine

Heeeeey! Wo bin ich denn hier wieder gelandet? Ich muss so eine Art Flux-Kompensator haben, der mich aber nicht in einer anderen Zeit, sondern an irgendwelchen merkwürdigen Orten auftauchen lässt. Es könnte die Erde sein, aber auch ein anderer Planet.

Kann leider nicht viel schreiben, sitze neben einer Pizzeria an einem Platz, der Aue heißt und nicht sehr gut vor dem Regen schützt.

Viele verrückte Dinge sind passiert, ich kann nicht glauben, dass erst 2 Wochen vergangen sind. Demnächst mehr, hoffe ich.

31.07.2017 um 21:03 Uhr

Das Finale

von: Amanita   Kategorie: Komische Gebäude

Stimmung: erst mal'n Kaffee :)
Musik: Wolfsheim - Find You're Gone

In wenigen Stunden werden die grünen Lichter auf dem Router verlöschen und ich verschwinde im Funkschatten des Anbieterwechsels (haben bei V*odafone das Sonderkündigungsrecht ausgeübt, es dauert aber dann noch ein paar Tage, bis wir wieder online sind). Daher noch schnell ein paar Zeilen.

Das Schlimmste des Umzugs ist vorüber - der Großtransport am 26. Mit 31 Kubik hatte der Spediteur uns berechnet, uns 75 Kisten gebracht - und hatte sich doch verschätzt. Gegen 13 Uhr hieß es "Nichts geht mehr", und bei sage und schreibe 38 Kubik wurde der Lkw, jetzt schon leicht überladen, verschlossen. Von 7.30 an schufteten die Umzugshelfer wie gedopt, ich auch - während der Kronprinz lieber sorgsam sein historisches Faller-Häuschen mit vierfachem Klebeband sicherte, als eine Kiste vollzupacken.

Da wir schon 23 Kisten in Dreilinden hatten und 36 bei IKEA und weitere 75 vom "Falken" gekauft hatten - und der Kronprinz insgesamt 4 und Baby 2 gepackt hatten - komme ich auf nicht weniger als 128 Kisten, die ich innerhalb ein paar Tagen allein gepackt habe.

Es goss in Strömen, als sich unser Konvoi auf die A 7 begab, und es hörte bis hinter Würzburg nicht auf. Doch je mehr wir uns Braunschweig näherten, desto heller wurde es, und ein dramatisch schöner, gewittriger, goldüberfluteter Himmel begleitete uns, bis es dunkel wurde. Wir trafen gegen 8 ein. Der Lastwagen kam eine Stunde nach uns an, so haben wir noch kurz mit dem Vermieter und mit der Erzherzogin gequatscht. Dann ging es ans Auspacken und Montieren. Die Erzherzogin hatte einen großen Topf Suppe, reichlich belegte Brötchen, Kaffee, Wasser und Bier mitgebracht - und zu Babys Freude natürlich auch Benja und Diana. Die drei rannten aufgeregt herum und begannen dann in Babys neuem Zimmer, das sich immer mehr mit Kisten füllte, zu spielen.

Ich weiß nicht, mit was der "Falke" seine Mannen gedopt hatte (Pervitin?), aber die beiden Kurden unter seinem Kommando schufteten ohne Unterlass bis 3 Uhr morgens und wollten nicht einmal was essen, nur ein bisschen Kaffee und Wasser trinken. Kaum, dass sie ächzten - selbst bei den schwersten Teilen nicht. Oh Wunder, sie hatten meinen Schrank der Schrecken tatsächlich im Arbeitszimmer untergebracht - einen Wolkenkratzer von einem Schrank, schwerer als eine Krönungskutsche, ein Erbstück aus der Adenauerzeit. Ich hatte bis zum Schluss Bammel, er könne zu hoch sein.

Auch Babys Hochbett stand wieder wie eine Eins, obwohl das ein gefinkeltes Teil mit 'zig anschraubbaren Extras ist. Habe reichlich Trinkgeld dem Rechnungsbetrag hinzugefügt. Da ich aber nicht sicher war, dass der Chef das nicht für sich behalten würde, habe ich den beiden Jungs nochmal je einen Fünfziger extra zugesteckt, als der Chef gerade nicht hinsah.

Die Erzherzogin und ich halfen, indem wir leichtere Sachen nach oben schleppten (Stühle, Korbsessel, Lampen, Einzelteile...), der Kronprinz war allerdings verschwunden unter dem Vorwand, er müsse etwas in die Garage bringen. (Er hatte sich zum Schlafen ins Auto gelegt!!!! VerrücktZur Strafe habe ich ihm hier gestern, nachdem er Babys Fahrrad in unser Auto gepackt hatte, um das Fahrrad herum bis zur Decke Stofftaschen, Kleinteile und Plastiktüten gestapelt. Da durfte er dann gestern Nacht auch schleppen, denn es war niemand zum Helfen da - hähäh :))))Sonstige

Das Wochenende verbrachten der Prinz und ich ohne Baby im alten Marmorpalast, da wir noch vieles zu erledigen hatten (z.B. Ärzte, ich auch noch Kundschaft - musste heute z.B. mit Sinck zu einem Bestattungsunternehmen, das Groß-Anzeigenkunde bei der "Letzten Runde" ist und für das ich eine Themenseite schreiben muss.)

Prinz hatte mit Rosemarie alle Hände voll zu tun, unsere liebe alte Drama-Queen musste natürlich prompt mit Verdacht auf einen erneuten Schlaganfall ins Krankenhaus gebracht werden. Fünf Stunden später stand sie mit dem Kronprinzen, gestiefelt und gespornt und mit ihrem besten Strohhut, auf der Matte und wollte mit dem Prinzen einkaufen gehen. Es war nur ein kleiner Blutdruckabfall gewesen! Fast packte mich die Wut, weil sie den Kronprinzen daran hinderte in der Wohnung zu arbeiten, obwohl das dringend notwendig war, und weil die Beiden natürlich auch die ganze Zeit das Auto besetzt hielten. Es stand auf dem Klinikparkplatz rum. So war am Ende nichts in der Bücherei abgegeben, zur Post und zum Recyclinghof gebracht worden, und laden hatte natürlich auch niemand können...

Währenddessen schwitzten Martin, der seine Hilfe beim Anstreichen angeboten hatte, und ich beim Abkleben und Streichen von Babys ehemaligem Zimmer. Weil Martin nicht Rosemarie begegnen wollte (die beiden sind seit Monaten zerstritten!) zischte er mit sicherem Instinkt 2 Minuten, bevor Seine Hoheit und Rosemarie vom K*aufland zurückkehrten, ab...

Der Kronprinz ist gestern Nachmittag abgedüst, und ich halte hier noch bis morgen die Stellung. Schriftkram erledigen, Kundengespräche, so lange wir noch Telefon/Internet haben, weil der Axel von InterFace nur noch diese Woche da ist, bevor er in Urlaub geht, und wenigstens noch 2 Sachen vorher in trockene Tücher gebracht werden sollen (Geldnachschub könnte bei mir wirklich nicht schaden! Der Umzug verschlingt fast so viel Geld wie Scotts Antarktisexpedition!Traurig).

Es ist merkwürdig, hier in der ausgeräumten, dunklen Höhle an einem Bistrotischchen zu sitzen und zu schreiben, es ist etwa so gemütlich wie eine leere Theaterbühne bei "Arbeitslicht", wo einem das dunkle Loch mit den unbesetzten Zuschauerrängen entgegengähnt. Ich schlafe auf einer neu gekauften Luftmatratze und habe es eigentlich recht bequem, nur habe ich vergessen genug frische Wäsche einzupacken. Macht nix, dann gehe ich eben dreckig, Umzug ist nun mal mit Dreck gekoppelt :) Ab und zu rumpelt ein Gewitter vorbei.

Heute Morgen wurde ich von einem rhythmischen Dröhnen geweckt, das das ganze Haus beben ließ. Das waren die Dachdecker mit den neuen Betonelementen für das Flachdach. Immer denke ich, die Bude stürzt ein und ich werde von panzersperrengroßen Betonklötzen begraben...

Habe auch wieder das Abbruchhaus besucht und festgestellt, dass ich mit meiner Einschätzung, es ginge jetzt langsamer, richtig lag. Hatte am Freitag noch ein Viertel des Hauses gestanden, so steht jetzt noch ein Achtel.

Am Freitag sahen eine Menge Leute zu, wie die Abrissbagger, auf dem Schuttberg auf ihren Ketten schwankend, ihre dinosaurierhaften Köpfe drehten und wendeten und mit spitzen Zähnchen immer wieder organische Teile aus der Westflanke ihrer Beute rissen. Dünn und zerzaust, aber immer noch monumental, ragt sie jetzt in den Himmel, nach wie vor neun Stockwerke hoch. Ich glaube, der Plan ist, nicht wandweise von West nach Ost abzureißen, sondern rund um die Betonsäule herum, die das Rückgrat des Gebäudes bildet.

Also wird am kommenden Wochenende keine letzte Wand, sondern ein letzter Schacht stehen. Der Balkon im 9. Stock, von dem aus ich imme geraucht und heruntergeblickt habe, ist noch da, der Konferenzraum auch, doch die Büros sind bereits verschwunden. FREIRAUM FÜR ALLE #nocapitalism hat ein Sprayer übers Wochenende im Erdgeschoss an der Wand hinterlassen.

Bevor ich am Freitag zum Abbruchhaus ging, schaute ich an Babys Exschule vorbei, um wie abgesprochen im Sekretariat das Zeugnis und die restlichen Sachen von Baby zu holen. Auch dort hatten inzwischen Bagger und Bauarbeiter das Regime übernommen, der ganze Bau war abgesperrt. Es sollte an der Rückseite einen Zugang zum Sekretariat geben, doch ich fand keinen, alles war verschlossen. Da bekam ich einen Anfall von Borderline-Zorn und trat ein paar Mal brüllend gegen ein, zwei Türen. Prompt kam jemand gelaufen.

"Was ist denn, was ist denn, nun machen Sie doch nicht so einen Lärm, wir haben doch eine Klingel!"

"Tut mir leid, die habe ich gar nicht bemerkt", grinste ich, "vielen Dank fürs Aufmachen!" Im Sekretariat bekam ich einen großen Umschlag ausgehändigt, der Babys Zeugnis, ein paar selbst verfertigte Poster und ein Abschiedsgeschenk der Klassenlehrerin enthielt."

"Die Frau R. fand es so schade, dass Baby nicht zur Abschiedsfeier gekommen ist", flötete die Sekretärin. R., du verlogenes Stück, dachte ich wütend, antwortete aber freundlich: "Ja, wir fanden das auch sehr schade, Baby wäre so gerne gekommen, aber gerade an dem Termin war unser Möbeltransport, da war leider gar nichts zu machen. Jedenfalls vielen Dank für die Sachen, wir melden uns noch bei Frau R...."

Ich machte, dass ich rauskam, ohne zuvor in die Kiste mit Gratis-Äpfeln zu greifen, die immer dort steht, damit sich jeder bedienen kann. Mit Babys Sachen setzte ich mich vors Gerichtsgebäude, um auszuruhen, zog das Zeugnis aus dem Umschlag und las. Na, immerhin hat Baby zwei Zweien, das wird sie ein bisschen trösten, dachte ich.

Auf Seite 2 standen in winzigkleiner Schrift die vernichtenden Worte:

Anastasia Isabel Carlotta Garbarek wird NICHT versetzt

"...aber sie sollte schon noch zur Abschiedsfeier kommen und schön Flöte spielen und nette Lieder singen mit den Klassenkameraden, mit denen sie im September nicht ins Schullandheim fahren wird", ging es mir durch den Kopf. "Was für eine öffentliche Demütigung. Das ist doch blanker Zynismus." Ich konnte nicht verhindern, dass mir die Tränen in die Augen schossen, während drüben das Abbruchhaus weiter ausgeweidet wurde und der inzwischen stärker gewordene Verkehr gleichgültig dahinfloss.

Nun ja, wenn jemand heulend vor dem Justizpalast sitzt, dann fällt es wirklich niemandem auf - immerhin könnte ja gerade mein Mann verurteilt worden sein oder sonst etwas. Nein, hier ist bloß ein kleines Mädchen gebosst und seelisch misshandelt worden... Jedenfalls, die Tritte gegen die Tür hatten sie sich redlich verdient und für mein teenagerhaftes Verhalten schämte ich mich nicht im Geringsten (manchmal bin ich halt Babys große Schwester) :)

(Der Kronprinz hätte mir allerdings gehörig den Kopf gewaschen deswegen.)

Machte noch einen Kurzfilm vom Abriss, tigerte in Richtung Frauenärztin, wo ich die Spirale allerdings noch nicht gelegt bekam, weil dazu die Periode abgewartet werden sollte (war aber nicht unglücklich darüber, da mich's vor dem Eingriff gruselt). Immerhin bekam ich eine komplette Untersuchung nebst Ultraschall, mit dem erfreulichen Ergebnis "all systems go".

Ging dann nach Hause, bzw. in mein Exzuhause, überreichte dem Kronprinzen die Sachen, damit er sie Baby mitbringen konnte, briet zum Mittagessen Maultaschen (Küchensachen gibt's hier ja noch) und bestellte später im Netz, aus reinem Trotz, eine wunderschöne Kommode für den Fernseher (unsere alte war vor längerer Zeit zusammengebrochen und auf dem Recylinghof gelandet, wir brauchten also ohnehin eine) in höchst wunderlichem Leuchtendblau. Wenn die Farbe wirklich so ist wie auf der Abbildung, dann ist es die eigenartigste und prächtigste Fernsehkommode auf dem ganzen Planeten. Vielleicht ist ein Dschinn drin?

Terrorkid leistet bereits geheime Wühlarbeit, um wieder zurückzukommen. Seine Familie weigert sich allerdings partout, ihre Mangoplantage für ihn zu verkaufen. So ein Ärger aber auch!

"Lass mal", sagte ich, "wir machen das schon. Bringst du mir und Baby 'ne Mango mit?", fragte ich.

"Ist im Flieger nicht erlaubt. Aber ich schicke euch 'ne ganze Kiste", prahlte Terrorkid, das Früchtchen.

Mangoplantage!! Je obster die Nahrung, desto vita die Mine! Der Papa von Madame Oyarzabal, meiner unfähigen katalanischen Schwägerin, hat übrigens eine Feigen- und Pfirsichplantage. Jetzt fehlt nur noch eine Erdbeer- oder Kirschplantage, und wir könnten alle zusammen eine Smoothiefabrik aufmachen :)))

Ssssssssssssso!! :) FröhlichFröhlich

P.S. Habe bis eben gearbeitet und tatsächlich noch was zustande gebracht.

20.07.2017 um 21:58 Uhr

Der Fall Baby

von: Amanita   Kategorie: Komische Gebäude

Stimmung: abgehetzt
Musik: Jamiroquai - Deeper Underground

Habe nicht viel Zeit zum Schreiben, jede Minute kann der Kronprinz zurückkommen. Dann muss ich aufhören zu faulenzen und mindestens 3 Kisten packen und noch eine Runde bügeln.

Waren heute mit Baby beim Kinderpsychiater, um ihre Selbstmordneigung abzuschätzen, wir haben sehr lange Gespräche getrennt voneinander geführt, er hat Materialien von Baby angeschaut, er meinte, die Zeit sei sehr kurz (na ja, haben auch nur sieben Wochen auf den Termin warten müssen)... Akute Selbstmordgefährdung bestehe derzeit nicht, aber Baby habe offenbar eine Störung der Impulskontrolle , neige zu impulsivem Handeln, die Pubertät käme hinzu, und wenn auf der neuen Schule wieder viele krisenhafte Situationen auf einmal auf sie einstürzen, könne es sein, dass sich die Selbstmordneigung wieder steigere, sie auf jeden Fall auch wieder depressiv werden könne.

Also sehr gut auf sie aufpassen und dafür sorgen, dass sie auch am neuen Ort eine verhaltenstherapeutische oder kinderpsychiatrische Begleitung bekäme, asap. Immer wieder nachfragen - auch wenn sie blockt - "Wie ist es dir heute gegangen, was hat dir gefallen, was hat dir nicht gefallen" &c., nicht provozieren lassen...

In Deutschland, so sagte der Psychiater, werde erst das Hauptsymptom behandelt, also die Depression, bevor man von dort aus auf das Grundleiden schließe, während man in Amerika zuerst vom Grundleiden ausgehe und die Depression als Folgeerscheinung davon ansehe. Das Grundleiden sei ADS.

Daher einerseits die leichte Störbarkeit der Konzentration, wenn ihr etwas keinen Spaß mache (Mathe) - wenn ihr aber etwas Spaß mache, sei sie im Gegenteil so darauf fokussiert, dass sie sich von nichts ablenken lasse und alles andere als unwichtig betrachte (Schreiben, Lesen, Daddeln). Dass das zu Konflikten, teils sogar zu schweren, mit der Schule und auch im Freundeskreis und mit den Eltern führe, sei zu erwarten.

Medikamente nicht notwendig, Einweisung nicht notwendig, Optimismus zum neuen Schuljahr und zum Umzug gut, aber die Lage könne sich wieder verschlechtern, siehe oben.

Jetzt hat das Leiden immerhin einen Namen...

Baby fragte besorgt, ob das eine sehr schlimme Krankheit sei, oder eine, wegen der man sie auslachen werde, und dann wollte sie, wie immer den Vorteil ihrer Lage sehend,  zum Trost ohne Verzögerung bei H*ugendubel einkehren, um ein Manga, ein Manga-Zeichenlehrbuch, einen Band "Warrior Cats" sowie ein warmes Käsesandwich zu bekommen.

Am Dienstag kann Baby noch einmal zum Psych, dann sind wir im Weltall. Wir Erwachsenen kommen nach dem Umzug noch einmal für ein, zwei Tage zurück, Baby darf solange bei Benja bleiben, und das will sie auch.

Neue Probleme gibt es mit Rosemarie, sie will immer noch nicht umziehen, aber auch keinen Putzdienst etc., sie will alle Vollmachten entziehen, müsste aber eigentlich eher Vollmachten einrichten für den Fall, dass sie ihre Geschäfte nicht mehr selbst erledigen kann. Heute rief nämlich ihr Arzt an, und der Kronprinz kam mi düsterer Miene von dem Gespräch zurück. Kognitive Fähigkeiten sollten jetzt getestet werden, sie konfabuliere, meinte ihr Arzt, eigentlich dürfe sie keine Zeit mehr verlieren und sich um ein betreutes Wohnen kümmern...

"Das passt wieder alles gut", seufzte der Kronprinz.

"Na, jetzt bringen wir erst mal unseren Umzug über die Bühne, wirst sehen, nach ein paar Wochen will Rosemarie auch", meinte ich. Dienstag treffen wir uns jetzt erst mal mit der stellvertretenden Putzdienstchefin und besprechen die Haushaltsnotwendigkeiten von Rosemarie.

Habe die erste Hälfte des vereinbarten Umzugspreises überwiesen. Die Firma hatte vergessen, die 60 bis 80 Kisten einzuberechnen, die wir noch brauchen. 23 sind schon in Dreilinden und etwa 18 stehen hier noch, die können wir noch vollpacken, aber spätestens ab Montag brauchen wir weitere Kisten. Die Dame versprach uns am Montag welche zu schicken, ich hoffe, dass das so bis Mittag klappt, sonst kriegen wir nicht alles gepackt! Am Wochenende sind wir nämlich noch auf einem Familienfest, aber da eh nicht genug Kartons da sind, macht es nicht wirklich etwas.

Ein Gewitter nach dem anderen donnert über unser Tal hinweg, mittags regnete es Bindfäden. Gestern wurde mit dem Abriss des alten Bürohochhauses begonnen, in dem mein früheres Projekt beheimatet war. Es wird nicht spektakulär gesprengt, sondern zuerst wurde das Nachbarhaus geschleift, der Schuttberg eingeebnet und darauf zwei Zangenbagger platziert, die jetzt das Haus, neun Stock plus Penthouse, Stück für Stück zerlegen.

Gestern war ich da und machte Fotos, und heute bin ich nochmals hin, weil ich sehen wollte, wie weit sie waren. Es fehlte jetzt etwa ein Viertel des Gebäudes, das Penthouse war schon gestern nicht mehr da, und der eine Zangenbagger knabberte am Treppenhaus und riss Steine heraus, wie ein Geier, der genüsslich Häppchen für Häppchen von einem Dinosaurierkadaver abzupft. Sie werden ab jetzt noch etwa sechs Tage brauchen, schätze ich, also werde ich auf alle Fälle nächste Woche noch mal vorbeischauen.

Der Kronprinz findet meine Leidenschaft für Hausabrisse makaber und will sich meine Dokufotos von der Zerlegung nicht anschauen.

Am Abend meldete sich überraschend Terrorkid, und zwar - das nicht so überraschend, denn das kenne ich schon von ihm - in freundlichster Plauderlaune. Oh, wie schön mein neues Haus sei! Ob dort nicht noch eine Wohnung frei sei? (Hehehe! Vielleicht in der Nachbarschaft....?!) Das wäre so eine coole Gegend mit so vielen opportunities, er werde auf jeden Fall auch hinkommen. Tja, was sag' ich? Terrorkid ist nie verschwunden, er ist nur manchmal nicht sichtbar, wie Vollmond und Neumond und Springflut und Nippflut. Er hat zwar noch nicht gesagt, wann er zurückkommt, aber ich bin sicher, dass er sich irgendwann wieder materialisiert wie der Terminator aus seiner Quecksilberpfütze :)

In den USA gab es mal eine sonderbare Geschichte: Da hatte eine Frau einen Geliebten, der zog immer heimlich mit ihr, von einem Haus ins nächste, wo sie halt immer mit ihrem offiziellen Mann hinzog, und hauste stillvergnügt auf dem Dachboden. Immer sorgte er dafür, dass seine Anwesenheit von niemandem als der Frau bemerkt wurde - was schon ein ziemliches Kunststück ist, nicht wahr? - und zwar, und jetzt kommt's, nicht weniger als 27 Jahre lang!!! Dann ist entweder die Sache aufgeflogen, oder einer der beiden ist gestorben, ich weiß nicht mehr, wie das ausging...

Nächste Woche haben der Kronprinz und ich alle noch ausstehenden Arzttermine auf einen Tag gelegt. Er muss zum Zahnarzt. Ich kriege u.a. bei der Frauenärztin ein neuartiges Ding verpasst, das "Kyleena" heißt und haargenau wie eine dieser kleinen P*laymobilpflanzen mit 2 Blättern aussieht, die bei uns überall in der Gegend rumliegen. Es ist sogar grün :) Das soll dafür sorgen, dass mein Zyklus ordentlich getaktet ist, die Blutung aber nach und nach aufhört. Jetzt im Moment habe ich mit der verschärften Ärger, entweder rote Niagarafälle oder -  bahhhh, wer sich leicht ekelt, bitte gleich zum nächsten Abschnitt springen :))) -  kilometerlange schwarze Fäden, die aussehen wie eine bösartige außerirdische Lebensform und außerdem nicht gerade nach Lavendel duften. Das dringt zwar glücklicherweise nicht auf die Außenseite der Kleidung, aber mir reicht's schon, wenn ich das rieche!

Ich teile Krankheiten in "gefährliche", "unangenehme", "praktische" und "blöde" Krankheiten ein, und diese gehört eindeutig zu den "blöden" (da sie weder schmerzhaft ist, noch als Entschuldigung gilt, nicht zu arbeiten - eben einfach lästig).

Der Wirkstoff ist Levonorgestrel, was mein Körper schon in den 80er Jahren freundlich, aber nebenwirkungsfrei zur Kenntnis nahm, also befürchte ich auch jetzt nichts in Richtung Haarausfall, Depressionen, Gewichtszunahme oder Ausfransen an den Rändern. Der Kronprinz ist skeptisch, aber die Vorteile sind, neben sauberer Unterwäsche, verlängerter Schutz für Knochen und Herz. Jetzt schauen wir mal, wie's mir damit geht. 




18.07.2017 um 11:41 Uhr

Dreilinden

von: Amanita   Kategorie: Komische Gebäude

Stimmung: perfekt
Musik: Rainmakers - Let My People Go Go

Bis Mitternacht hatten wir gepackt und aufgesattelt, und wir wussten immer noch nicht, was uns erwartete, als wir nachmittags gegen 3 in Dreilinden einrollten. So nenne ich unser neues Dorf, weil dort drei gewaltige Linden genau vor unserem neuen Domizil stehen.

Schon von außen sah ich, es war nicht nur eine gute Wahl, es war ein Volltreffer.

"Guck mal", versuchte ich mein angekränkeltes Baby aus dem Tiefschlaf zu rütteln, "ist das nicht toll, wir haben sogar gekreuzte Pferdeköpfe auf dem Dach!" Es gibt auch ein Monogramm am Fachwerk, das die Vorderseite der ersten Etage umschließt. Der Vermieter und seine Frau erwarteten uns, sie waren sehr freundlich.

Die Wohnung lag in der ersten Etage, hatte einen wunderbaren Schnitt und war so strahlend weiß, dass wir Angst hatten, unsere staubigen Kisten und Rattanmöbel hineinzustellen! Es gibt ein großes Wohnzimmer, ein großes und ein kleines Schlafzimmer, eine gigantische Riesenküche, die doppelt so groß ist wie unsere jetzige, sodass sogar ein Esstisch Platz hat (Geräte und Möbel müssen wir uns allerdings noch zulegen) und ein kleineres Zimmer, das wir als Arbeitszimmer verwenden wollen und das ich aus Jux "Studierstube" getauft habe.

Das Bad ist etwas klein, aber es hat Tageslicht und der schmale Badschrank passt auf jeden Fall hinein.

"Wir nehmen das kleine Schlafzimmer für uns, das große ist für das Kind", erklärte ich der Vermieterin, die diese Regelung toll fand.

Ich konnte Baby nicht mal dazu bringen, sich für ihr neues Zimmer zu begeistern, obwohl das wirklich eine Wucht mit zwei Fenstern über Eck und minestens 20 Quadratmetern ist. Drei Häuser weiter soll es gar einen Pferdehof geben. Sie rollte sich auf ihrem mitgebrachten Sitzsack zusammen und schlief ein. Ich war besorgt, ob sie etwa sie eine Krankheit ausbrütete. Wir Erwachsenen sahen uns derweil alles an, den Garagenhof, den paradeplatzartigen Garten, das Waschhaus, den Keller...

"Wie finden Sie es denn?", fragte der Vermieter.

"Ich bin einfach nur geplättet", sagte ich. "Es ist toll."

Wir schleppten zwei Stunden lang die mitgebrachten Kisten, duschten dann erstmals in unserer neuen Wohnung und zogen uns um, weil wir bei Tamara, der Schwester der Erzherzogin, beim Grillen eingeladen waren. Baby legte sich dort einfach aufs Sofa und schlief weiter. Abends im Hotelzimmer wurde sie jedoch munter und wollte wieder daddeln. "Nix da", sagte ich, "jetzt wird geschlafen!"

Ich überschlage im Geiste die Finanzen. Der Kronprinz und das Baby bestehen auf Totalverdunkelung in ihren Schlafzimmern, es gibt aber keine Rolläden, also müssen wir drei Verdunkelungsplissees anbringen lassen. Dann noch die Basics für die Küche: Herd, Spüle, Kühlschrank, Spülmaschine :) Menno, ich wusste nicht, dass ein Umzug in unserer Größenordnung so viel kostet wie eine Karibikkreuzfahrt. Aber das sind wir uns jetzt mal wert.

Wer das Ganze nicht so gut zu verkraften scheint, ist Terrorkid. Nachdem er mich mal wieder wochenlang ohne Nachricht gelassen hatte, was er selbst eigentlich gerade tue oder was für Beschlüsse er gefasst hat, erzählte ich ihm vom Umzug und schrieb ihm allerlei, das nach Liebesbrief klang.

Aber statt einer freundlichen Antwort reagierte er darauf mit einer Flut von Beschimpfungen, ein echter Anfall von Borderline-Zorn mal wieder. Er ging mit keinem Wort auf irgendwas ein, was ich ihm geschrieben hatte, und warf mir an den Kopf, ich hätte Hazy irgendwelche "Geheimnisse" über ihn verraten, sodass der jetzt Gerüchte über ihn, Terrorkid, streue, und zwar gegenüber seiner, Terrorkids, Familie.

"Ich habe gar nichts verraten", sagte ich, "wir haben kaum gesprochen, und überhaupt, wieso deine Familie? Ihr seid doch gar nicht aus derselben Stadt!"

"Er ist aus...", antwortete Terrorkid und nannte einen Ortsnamen, der wie eine pakistanische Version von "Tötensen", "Ibbenbüren" oder "Großenkneten" klang. (Man täusche sich da nicht, ein "Großenkneten" dort kann durchaus 400.000 Einwohner haben - aber unser echtes Großenkneten hat mit Sicherheit die weitaus städtischere Infrastruktur. Beispielsweise beklagte sich Terrorkid einmal, dass seine Heimatstadt, die einwohnermäßig immerhin so groß ist wie München (!), nicht mal eine vernünftige Sprachschule bietet!!) 

"Er ist ein Arschloch, und du vertraust ihm mehr als mir!"

"Wie gesagt, ich habe nichts verraten, schon gar keine Intimitäten über dich. Wenn der Gerüchte über dich streut, streu doch einfach über ihn welche", schlug ich vor. Aber Terrorkid, in seinem irrationalen Borderline-Zorn, war überhaupt nicht zu bremsen. Er verlangte, ich solle Hazy dazu bringen, Nacktbilder von sich zu schicken, damit er ihn "in der Hand habe".

Ich verstand die ganze Aufregung nicht, tippte mir ein paarmal an die Stirn und anwortete: "Ich tue, was ich kann, aber auf dem Level bin ich mit Hazy nicht, ich kann also nichts versprechen. Muss jetzt los, bis Montag :)"

Irgendwann, das wusste ich, würde sich Terrorkid schon wieder normalisieren. Womöglich sind ihm die Medikamente inzwischen ausgegangen, seine Family übt Druck auf ihn aus, dass er endlich arbeiten geht (verständlicherweise, muss ich sagen) und will ihn nicht nach Deutschland zurück lassen (aus der Sicht der Familie ebenfalls verständlich - nach D zurück hat ja erst in Verbindung mit einem Job einen Sinn, und Spaßreisen müssen schließlich bezahlt werden). Alles Konflikte, die in dieser extremen Heftigkeit nur ausbrechen können, weil in diesem verschrobenen Land niemand eine Freundin oder einen Freund bzw. ein Sexualleben haben darf...

Hat mit artgerechter Menschenhaltung bzw. mit Pflege der Regenerationskräfte der arbeitenden Bevölkerung nicht viel zu tun, finde ich. Aber das ist selbstverständlich Ungläubigensicht und zählt nicht. Okay, ich mische mich gar nicht ein, macht watt ihr volt, ihr Auserwählten :) Aber ein Unterschied in der statistischen Lebenserwartung von fast 20 Jahren zwischen euch und uns würde mir schon zu denken geben....

P.S. Habe Terrorkid ein paar Bilder vom neuen Haus geschickt. Er scheint sich wieder beruhigt zu haben, jedenfalls schickte er ein schönes lächelndes Selfie von sich. Wie üblich wurden mir die Knie weich, als ich ihn sah... In Gedanken schickte ich ihm einen Kuss auf die Neese... und weiß nicht, ob ich ihn jemals wiedersehe. Doch unwahrscheinlich ist es nicht - wir kennen ja Terrorkid und seine ungeheure Hartnäckigkeit und Zähigkeit (das, was er immer seine "Kriegerseele" nennt und in direkter Linie auf seine edlen Vorfahren zurückführt) :)))

14.07.2017 um 13:42 Uhr

Schwebend

von: Amanita

Stimmung: schwebend
Musik: Skunk Anansie - Brazen

Habe eine Mail bekommen, dass Babys neuer Reisepass fertig sei, und bin losgezogen, um ihn abzuholen. Freute mich darüber, dass wir den Pass im Dienstleistungszentrum des Stadtviertels beantragt haben. Das hat zwar nicht sehr oft pro Woche auf, aber dafür kommt man gleich dran, weil nichts los ist.

Unterwegs hatte ich ein ungewohntes Gefühl am Fuß. "Hey...ich kann... laufen", dachte ich verdutzt. Monatelang bin ich nur gehumpelt, wegen der scheußlichen Fersenspornschmerzen, aufgrund derer ich den Fuß in allen möglichen Schonhaltungen aufgesetzt und verdreht hatte. Daher das ungewohnte Gefühl: Der Fuß bewegte sich normal. Er trug Gewicht. Meine Schritte griffen aus und waren federleicht. Ich hatte das Gefühl zu schweben ... Die scheußliche Spritze gestern, die noch dazu ein hässliches schwarz verkrustetes Loch an der Innenseite meiner Ferse hinterlassen hat, hat sich wirklich gelohnt. Procain und Cortison. Manchmal ist eben ein Ende mit Schrecken &c. ... :)

Ich sollte hier ganz und gar nicht sitzen und schreiben, denn ich muss 1000 Dinge erledigen, vor allem: Kunden anrufen und Verabredungen für nächste Woche treffen - Baby aus dem Bett werfen - vor allem aber packen, packen, packen, und zwar so viele Kisten wir möglich, denn heute Abend beladen wir den gemieteten Sprinter, und der Kronprinz wird ungehalten, wenn keine volle Ladung erreicht wird und nicht alles fix und fertig zum Beladen parat steht. Morgen um 7 geht's los, tot oder lebendig!

Morgen Nachmittag sehen wir zum ersten Mal die Wohnung, und das sorgt für angenehme Gänsehaut :) Hoffentlich sind unsere Nachbarn keine Ekel, hier hatten wir mit der Nachbarschaft ein Riesenglück gehabt, und das war den immensen Preis unseres Palazzos eigentlich fast schon wert...

Die neue Wohnung ist auch nicht gerade billig, aber einen Tod muss man sterben, wie der Kronprinz sagt, und wir bekommen ein Stück Garten dazu. Perfekt!

Ende Juni hatten wir um eine Schulbefreiung für Baby gebeten, damit sie früher in die Sommerferien käme, weil in Niedersachsen die Sommerferien zu Ende sind, wenn sie hier beginnen. Wir bekamen keine! Unsere Schule ist der Meinung, Baby brauche keine Sommerferien, und sie würden Baby keine geben, so lange sie nicht behördlich mit Wohnsitz umgemeldet sei.

Natürlich hatten wir ewig lange keinen neuen Wohnsitz, weil die Wohnungssuche sich so hinzog. Auch zur behörlichen Ummeldung, bei der wir anwesend sein müssen, wird es zumindest bis nach dem großen Umzugstermin nicht kommen können, da der Kronprinz zwischen altem und neuem Job nur eine Woche frei hat.

Unsere Schule schaltete auf stur. Täte ihnen leid, aber so sei nun mal das Gesetz. Ihre schriftliche Antwort auf unsere Anfragen lautete: "...im Falle der Zuwiderhandlung...Erziehungs- und Zwangsmaßnahmen."

Zwangsmaßnahmen!! Ich höre noch Babys Klassenlehrerin, eine der falschesten Personen, denen ich je begegnet bin - wie ich inzwischen finde - wie sie im Elterngespräch zu uns mit Trauermiene sagte: "Ihr Kind... ist unglücklich... Ihrem Kind...geht es nicht gut... Ihr Kind... braucht Hilfe... Was können wir tun, um dem Kind zu helfen?..."

Nun, dem Kind könnt ihr offenbar am besten helfen, indem ihr ihm die Sommerferien streicht, unter Androhung von Zwangsmaßnahmen - nicht wahr, ihr Süßen? Ich fand schon immer, dass sich hinter vorgeblichem Gutmenschentum (ich benutze jetzt absichtlich dieses Wort, da unser Fall deutlich macht, wie wenig gut Gutmenschen im Zweifelsfall sind!) nichts als Herrschsucht und Kontrollwut verbirgt.

Aber sie hatte selbst empfohlen, dass Baby zur Kinderpsychologin geschickt werden sollte - und mir damit die allerbeste Waffe in die Hand gegeben, mit der ich sie jetzt schlagen konnte. Für die psychotherapeutische Behandlung braucht man nämlich eine ärztliche Diagnose, und die lautete in Babys Fall: Depression.
 

Ich also mit Baby zum Kinderarzt. Ihm den Fall geschildert. Er runzelte die Stirn.

"So etwas habe ich noch nie gehört! Das ist ja fast schon unzumutbar für das Kind. Wenn Sie erlauben, spreche ich selbst mit der Schule. Wenn die nicht einlenken, stelle ich ein Attest aus."

Als ich am nächsten Tag zu ihm kam, um das Ergebnis des Gesprächs zu erfahren, sagte er: "Sie haben mir nicht die volle Wahrheit erzählt! Ihr Baby hatte schon reichlich Fehltage! Die Schule hat gesagt, deshalb werde das Gesetz buchstabengetreu angewandt!"

"Ja, aber warum hatte sie die Fehltage? Weil sie krank war", erwiderte ich. "Sie ist seit April in psychotherapeutischer Behandlung wegen Depression, unter anderem weil sie in der Schule unglücklich ist. Zumindest die Klassenlehrerin weiß darüber Bescheid, vielleicht kennt aber die Direktion den Fall nicht so genau.... Die Lehrerin selbst hatte mir empfohlen, Baby zur Psychologin zu schicken, weil das Kind krank wirke und sich nicht konzentrieren könne. Was soll ich denn dazu jetzt sagen? Ich könnte zur Direktion gehen und zu Recht sagen: 'Ich habe Ihnen vor zwei Jahren ein gesundes, fröhliches, lernwilliges, begeisterungsfähiges, vielseitig interessiertes und selbstbewusstes Kind gebracht, das sich gefreut hat, auf diese Schule zu kommen. Was bekomme ich jetzt zurück? Ein verunsichertes, unglückliches, psychisch geschädigtes Wrack, das immer mal wieder mit Selbstmord droht, ganz besonders wenn es in die Schule muss. Was haben Sie eigentlich hier mit meinem Kind gemacht, dass es in so einem Zustand ist? ... Und Sie gönnen dem Kind nicht mal eine Erholungspause, damit es mit frischen Kräften einen Neustart machen kann!"

Der Kinderarzt schaute mich nachdenklich an. "Da haben Sie völlig Recht. Das sehe ich genau so."

Wenig später ging ich mit einem offiziellen Befreiungsattest wegen psychischer Erkrankung zum Schulsekretariat und gab ihn dort ab. Baby hat Ferien :P Na, wenigstens halbe Ferien.