Saint Sunniva in den Stahlkammern

22.05.2017 um 23:50 Uhr

Wie viel denn noch?

Stimmung: wie das Wildpferd, das in einem türkischen Film so lange unter Wasser gedrückt wird, bis es sich nicht mehr wehrt
Musik: Rammstein - Jetzt kommt die Sonne

Und wieder endet ein wunderschöner langer Tag im Irrenhaus A*llgäuer Steige. Es wäre kein wunderschöner langer Tag, wenn in den letzten paar Stunden nicht noch sehr viel passiert wäre. Und zwar dieses hier:

Das Baby hat sich mit Depressionen (?), zumindest einer schweren Traurigkeitsattacke ins Bett gelegt, obwohl es in der Deutscharbeit eine gute Note hatte und ihm eine Belohnung in Aussicht gestellt wurde.

Der Kronprinz fürchtet sich davor, dass ihm beim Bewerbungsgespräch ein unzureichendes Gehalt angeboten wird. Er fürchtet den Kredit, der geplatzt ist, und er fürchtet, dass wir keine Wohnung bekommen wegen Schufa. Und der Kronprinz ist kein Mensch, der sich besonders leicht fürchtet (ich habe mir schon oft seine Furchtlosigkeit gewünscht...)

Immer noch waldbrandartige Kopfschmerzen.

Pueraria mirifica ist der letzte Nebbich, außer fett wird man davon gar nichts. Ich fühle es, und die Waage hat es prompt bestätigt, nachdem ich eine neue Batterie eingelegt und sie mittels eines zerknüllten Stückchens Tempo am Rausfallen gehindert habe.  (o.K., manche Leute ziehen es vor, fett zu sein als faltig, denen mag das Wunderpülverchen helfen ;)) Für die Kohle bei dem Effekt hätte ich mir lieber zwei fünfgängige Menüs plus anschließender doppelter Portion Torte im Maritim gönnen sollen :)

Die Zeitarbeitsfirma hat nicht angerufen.

Terrorkid verlässt noch in dieser Woche das Land. ... ... ... ...

Terrorkid macht mich wahnsinnig, aber ich kann ohne Terrorkid nicht leben...! Ich habe nicht einmal den Ansatz einer Idee, wie das gehen soll... ... ... ...

Erstmals in meinem Leben werde ich jetzt meine Antidepressivadosis von 20 auf 40 mg steigern. Das ist die erlaubte Tageshöchstdosis.

Wohl bekomm's, und möge mich der Teufel holen, wenn er mich noch sexy findet (was ich nicht glaube). 

22.05.2017 um 13:19 Uhr

Du bist nichts, du existierst nicht, und jetzt werde ich dich zerquetschen

Stimmung: zerquetscht
Musik: keine

Prolog

Das Jobcenter verlangt einen Reisepass von Baby. Der alte ist 2012 abgelaufen und auf ihrem Passbild sieht sie sich auch nicht mehr sehr ähnlich.

"Das Baby ist doch bei mir im Pass eingetragen, und der gilt doch noch?"

"Nein, das gilt inzwischen nicht mehr. Jeder braucht einen eigenen Reisepass."

"Das dauert aber doch so lange..."

"Sie brauchen nur eine Bescheinigung, dass der Pass beantragt wurde. Die geben Sie hier unten ab, und das reicht mir dann schon, dann kann ich Ihren Antrag fertig bearbeiten."

Akt I (Exposition)

Recherche im Internet ergibt: Auch für Kinder muss ein biometrisches Bild erstellt werden. Wir gehen, unter viel Gemaule von Baby, ein biometrisches Bild machen. Kosten für das Bild: 17,80 EUR, Parkgebühren: 6 EUR. Recherche im Internet ergibt weiterhin: Alter Pass muss mitgebracht werden. Na ja, ha'm wir ja alles parat, noch von der (versuchten) Hauptantragsabgabe her.

Akt II (Epistase)

Um die lange Schlange im zentralen Passamt zu umgehen, das zugleich auch Meldestelle und Ausländerbehörde ist, folge ich dem Tipp des dortigen Infomitarbeiters und begebe mich zur uns am nächsten gelegenen Außenstelle. Der Bus fährt nicht mehr die direkte Strecke, sondern man muss umsteigen, der Anschlussbus geht nur 3 x pro Stunde, zu Fuß bin ich schneller. Verschwitzt komme ich an. Glücklicherweise hat die Außenstelle 1/2 Stunde länger auf als befürchtet, dafür hat sie nur an 2 Tagen in der Woche auf. Nur eine von zwei Mitarbeiterinnen ist gerade beschäftigt, dennoch lässt man mich 1/4 Stunde vor der Glastür warten, während man drinnen herzhaft gähnt. Ich wühle unterdes die Bilder und Babys alten Pass hervor, damit alles gleich da ist.

Akt III (Peripetie)

"Einen Kinderreisepass? Nein, tut mir leid, das geht nicht. Ohne die Unterschrift von Ihrem Mann kann ich nichts machen, die kommt bitte zusammen mit Ihrer auf dieses Formular hier, und mit Datum bitte, sonst gilt es nicht."

"Warum muss denn mein Mann unterschreiben?"

"Vorschrift. Es gibt zu viele Kindesentziehungen."

"Oh? Sogar hier?" (Ich wusste nicht, dass das ein so verbreitetes Problem ist, dass man deshalb gleich jedes Elternteil unter Generalverdacht stellt. Merkwürdig...) 

"Überall. Deshalb diese Vorschrift. Außerdem müssen Sie das Kind mitbringen."

"Aber das Kind ist in der Schule!"

"Dann müssen Sie nachmittags kommen. Das Kind muss selbst unterschreiben."

"?!" (Das Kind ist zwölf!!)

"Außerdem müssen Sie nachweisen, dass das Kind Ihr Kind ist."

(Oh?! Ich ...ähhhhh....habe das Kind selbst zur Welt gebracht - jedenfalls bin ich ziemlich sicher, dass das das Kind ist, das ich zur Welt gebracht und 12 Jahre lang nach bestem Wissen und Gewissen und seeeeeeehr viel Arbeitsaufwand aufgezogen habe...!?)

"Das Kind ist aber doch in meinem eigenen Pass eingetragen, der gilt noch!"

"Tut mir Leid, das kann gar nicht sein! Das geht schon seit 2006 nicht mehr!"

"Der ist von 2007, und ich bin danach damit in die USA gereist!"

"Oh, wowww!" (Respektvoll gehauchter Einwurf von der Seite - die Kollegin hat ihr Mittagsschläfchen ob der Sensation unterbrochen.)

"Etwa mit dem Kind?"

"Genau!" Zum Beweis zeigte ich ihr den Pass nebst Eintrag Babys plus Einreisestempel.

"Versteh' ich nicht. Da muss jemand was verschlafen haben. ...Jedenfalls geht das jetzt nicht mehr." 

"Na gut. Dann weiß ich das. Können Sie mir wenigstens schon mal einen Zettel mitgeben, dass ich hier war?"

"Wofür?"

"Für das Jobcenter. Die haben mir mitgeteilt, ein solcher Zettel reiche für die Bearbeitung meines Antrags."

"Was denn für einen Antrag?"

"ALG II."

"Ich kann Ihnen keinen Zettel mitgeben, ohne dass mir ein kompletter Passantrag vorliegt. Wie ich Ihnen erklärt habe: Sie kommen nachmittags mit dem Kind und dem Formular mit den Unterschriften beider Eltern. Nicht zu vergessen die biometrischen Bilder. Ach ja, und bringen Sie natürlich die 37,80 EUR für den Pass mit."

"Nicht bei Abholung? Muss ich das wirklich gleich bezahlen?"

"Ja."

"Das ist sehr teuer. Ich habe kein Einkommen. Verstehen Sie? Ich bin im ALG-II-Antragsverfahren."

Die Dame schaut nachdenklich und fasst mich dann scharf ins Auge. "Warum brauchen Sie denn dazu eigentlich einen Pass?"

"Damit mein Antrag bearbeitet werden kann."

"Kinder unter 16 sind überhaupt nicht ausweispflichtig!"

"Oh..? Ich habe es aber schriftlich, dass ich einen beantragen soll."

"Versteh' ich nicht!" Die Dame schüttelt den Kopf, als ob sie mich für bescheuert hält. "Na ja. Einen Perso für Ihr Kind hätte Ihnen das Jobcenter hinterher auf Antrag rückerstattet. Den bekommt das Kind aber, wie gesagt, erst ab 16, weil es vorher nicht ausweispflichtig ist. Einen Reisepass dagegen... den müssen Sie komplett selbst bezahlen."

Ich spüre den Startschuss zu den typischen, rasenden Kopfschmerzen, die bei mir zuverlässig den höchsten Stresslevel, gepaart mit Wut, die nicht herausgelassen werden darf, anzeigen. Ich mache, dass ich den Saal verlasse - es besteht nämlich die riesige Gefahr, dass ich anfange zu schreien, schreien, schreeeeeeeeeiiiiiiieeeeeeeeeeeeeeeeeen wie Montserrat Caballé, wenn sie dem Großinquisitor übergeben wird. Wenn ich aber nicht schreien kann, muss ich mich übergeben, und ich seh' hier keine Toilette.

Akt IV (Retardation)

Ich klage dem Kronprinzen am Phone mein Leid und steige in den Bus, der gerade vorbeikommt. Kosten für den kompletten Spaß: 4,40 EUR (Hin- und Rückfahrt.) Die Kopfschmerzen sind noch im Steigen begriffen. Erstmals in meinem Leben habe ich auch noch Herzschmerzen dazu - ich hoffe, dass ich mir wenigstens die nur einbilde. Völlig vernichtet, zertreten wie eine Ameise, ohne Möglichkeit, das Hartz-IV-Verfahren endlich zum Abschluss zu bringen, ohne Geld, ohne Perspektive und ohne Kinderreisepass, komme ich zuhause an (oder besser: in der Behausung, die bis vor kurzem noch mein Zuhause war).

Akt V (Katastrophe)

Dies ist das Land, in dem ein Anis Amri ungehindert Amok fahren konnte. Dies ist das Land, in dem ein Franco Soundso von der Bundeswehr sich unbemerkt von allen Verantwortlichen als Syrer ausgeben und einen Anschlag planen kann. Dies ist das Land, indem eine unauffällig aussehende, aber mit Vergangenheit ausgestattete Frau Tschtzschäpe sich durch einfaches Mundhalten 1. interessant und wichtig machen und 3. bis heute ihrer Verurteilung entgehen kann ... Ich fasse den Entschluss, im September AfD zu wählen. Wenn ich schon zerquetscht werde, kann ich sie wenigstens noch einmal erschrecken.

19.05.2017 um 22:44 Uhr

Tirili, tirilo, tirila-a :)

Stimmung: also geht's noch :)
Musik: EAV - Küss die Hand, Herr Kerkermeister

Mal wieder, und wie bei uns üblich, hängt der Haussegen schief. Weil! Der Prinz hat nächste Woche ein Bewerbungsgespräch in der Gegend, in die der Umzug geplant ist. (Erster Househunt endete schon, statt mit einem schnellen Zuschlag, mit einem preisbedingten Totalflop! Aber das wäre auch zu schön gewesen.)

Der Umzug ist Thema Nr. 1 (ich muss bereits Tag und Nacht Ladungen für den Recyclinghof zusammenstellen - Hauptproblem ist Baby, unser Messie, der sich grundsätzlich nicht trennt. Ich werde ihr morgen eine "Dennis-Karl-Kiste" hinstellen (der unerschrockene Entrümpler aus "Das Messie-Team"), daneben eine "Vielleicht"-Kiste, damit ihr das Sortieren leichter fällt.)

Da ich zunächst mal in der anvisierten neuen Gegend keinerlei Kundschaft habe und dort wie hier nach einer Zeitarbeitsfirma suchen muss, die was für mich hat, sind wir, neben einer Miete, die nur halb bis 5/8 so hoch ist wie hier, auf einen Kronprinzenverdienst angewiesen, der diesen hier erreicht, wenn nicht gar toppt. Andernfalls muss der Kronprinz "nein" zu dem potenziellen Arbeitgeber sagen, und entsprechend angespannt ist er jetzt.

Während er also angespannt am Tisch saß und die Zähne in ein Stück Melone schlug, während er auf Fred wartete, der ihn zu einem Politikwissenschaftsvortrag abholen wollte (der Glückliche darf auf einen Politikwissenschaftsvortrag, und ich muss enrümpeln, wie fair ist denn das!!?), rief ausgerechnet meine alte Dame aus Amerika an. Ob ich nicht den Sommer über als Gesellschafterin bei Mrs. F. bleiben wolle, sie habe ihre letzte Gesellschafterin verloren, weil deren Mutter ins Pflegeheim gemusst habe und sie jetzt nach Baltimore sind, und sie habe Angst allein im Haus. Sie würde gut zahlen, ich würde toll untergebracht (oh ja, ich kenne das Haus von Mrs. F., es ist mit allen Schikanen!) und sie würde, sofern sie nicht ins Krankenhaus müsse, immer für mich kochen (oh ja, sie kocht sagenhaft! Außerdem wohnen meine Eltern einen knappen Kilometer entfernt.)

"Warum nicht?", sagte ich. "Falls sich mit der neuen Arbeit jetzt nichts ergibt..." Plötzlich hatte ich Heimweh nach der prächtigen Siedlung mit ihren Palmen und Golfplätzen, und Baby würde sicher auch gerne ein paar Wochen da verbringen, Strand und Pool und Ausfahrten und jede Menge wilde Tiere, ganz abgesehen davon, dass die Großeltern sie natürlich gewaltig verwöhnen (nur Smartphone und PlayStation sehen sie nicht so gern!)

"Ich werd's ihr vorschlagen", sagte meine Mutter. Sie weiß, wenn meine Antworten sehr einsilbig sind und wenig Emotionen verraten, dass der Kronprinz mithört. (Der Kronprinz und meine Mutter können sich seit einem gigantischen Streit Anno '10, von dem keiner mehr weiß, worum es da eigentlich ging, absolut nicht riechen.) Deshalb beendeten wir das Gespräch ziemlich schnell.

Und richtig, kaum hatten wir aufgelegt, da giftete der Kronprinz schon los: "Was baldowert ihr hinter meinem Rücken aus? Will die uns wieder mal auseinanderbringen? Hast du den Umzug vergessen?" Er ließ sich überhaupt nicht beruhigen, glaubte mir nicht, dass der Vorschlag auch für mich überraschend gekommen sei, und Baby mitnehmen, das gehe ja nun mal gar nicht, das sehe nach Trennung aus, etc. etc. Mehr als "Aber Prinz...Prinz...aber..." kriegte ich gar nicht heraus, weil er mich nicht zu Wort kommen ließ.


Dann klingelte glücklicherweise Fred. Der Kronprinz schaltete auf fröhlich und ließ sich nicht das Geringste anmerken, als er die Jacke überwarf und sich verabschiedete, aber seine Augen sagten Wir sprechen uns noch. Kronprinz wittert beim kleinsten eigenen Schritt, den ich unternehme, gleich Hochverrat, während er durchaus häufig sein eigenes Ding verfolgt und selbstverständlich davon ausgeht, dass ich damit einverstanden bin.

Schon allein deshalb packt mich der Trotz. Ein paar Wochen in Amerika verbringen, Mrs. F. spazierenfahren, für sie einkaufen, mich mit ihr unterhalten und fernsehen stelle ich mir durchaus netter vor als die bedrückte Stimmung, der Stress hier in unserem räumungsklagebedrohten Palazzo und so banale Fragen wie die, wie viele Tischtücher ich behalten soll (eigentlich essen wir derzeit immer von Sets, aber Tischtücher braucht man eben auch mal zwischendurch... und sie kosten schauerlich viel, wenn man sie neu kauft... und selbst wenn es schäbige sind, kann man sie noch zum Verpacken und, nicht zu vergessen, zum Quilten oder für eine Halloweenparty benutzen... :))

Hatte heute im Abstellraum ganz hinten einen zugebundenen Gelben Sack gefunden. Was war drin? Ein Kopfkissen mit echten Gänsedaunen. Das konnte nur von Rosemarie stammen. Es war ziemlich dreckig. Ich freute mich dennoch mega über den Fund, weil der Kronprinz ein neues Kissen brauchte. Ich würde es bei 60 Grad waschen, trocknen und das alte wegschmeißen. Sicherheitshalber zog ich, bevor ich die Waschmaschine anschmiss, einen Bezug mit Reißverschluss über das Kissen. Das erwies sich als kristallkugelmäßige Hellsicht :) Nach dem Waschgang öffnete ich den Bezug und sah innendrin prompt, statt des erhofften sauberen Kissens, einen fetten Haufen zusammengeklumpter dunkler Daunen. Das Kissen hatte sich einfach aufgelöst. Ein paar Fetzen der Umhüllung ließen sich noch finden, völlig mürbe und durchlöchert. Hatten wohl schon Mäuse drin genistet. Wohl bekomm's ihnen, dachte ich, die hatten eine echte Luxussuite. Na, dann geht eben dieses zum Recyclinghof. Ich packte es nass wie es war in den Gelben Sack zurück und stellte den beiseite zum Abtransport.

Grübelte noch eine Menge über den Kronprinzen, die aktuelle Sachlage (es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hartz IV und einem neuen Zeitarbeitsjob, der mir just gestern von der lieben Zuhälter(=Zeitarbeits-)firma Cargo in Aussicht gestellt wurde, aber noch nicht fix ist) sowie Hazy und Terrorkid nach. Letztere benehmen sich nach wie vor sonderbar. Whatsapp heute. Ich frage Hazy: "Hast du Terrorkid heute gesehen?" - Hazy darauf: "Nee, ja, ich weiß nicht." - "Wie? Hast du, oder hast du nicht?" - "Was weiß ich! Nein, hab ich nicht. Geh mir doch nicht dauernd mit dem auf den Zeiger." - "Jetzt erklär mir doch endlich mal, warum ihr euch zerstritten habt!" - "Wir haben uns nicht zerstritten, er geht mich einfach nichts an, und ich ihn nichts, ja?" Ergo bin ich so schlau als wie zuvor. Und Terrorkid selbst ist nicht viel gesprächiger, kaum dass er grüßt. Er habe ein Problem. Aha, ganz was Neues! Terrorkids zweiter Vorname ist "Problem". "Welches denn?", frage ich (und hoffe, dass er sich keine Kohle von mir leihen will). Aber er sagt einfach gar nichts!

Später sagt er, es gebe bei ihm ein Familienproblem. Oh, Neuigkeiten! Der Name dieser Familie lautet übersetzt "Sehr große, sehr traditionsreiche Familie mit jeder Menge absolut riesengroßer Probleme" :) Würden Terrorkid und ich heiraten, könnte ich meine Probleme noch beisteuern, dann wäre der Problemreichtum des Clans Weltliga"Was denn für eins?", frage ich, werde jedoch auf "später" vertröstet.

Der Rest ist Schweigen und das dauert bis zur Stunde an. (Ich vermute, dass irgendjemand daheeme sich den Fuß mit der Axt abgehackt hat, an Cholera erkrankt ist, vom IS entführt oder vom örtlichen Imam mit einem grauslichen Bannfluch belegt wurde, und jetzt hat Terrorkids Papa, der früher für Zia-ul-Haq Rebellen massakriert hat und auch heute noch niemals ohne Knarre aus dem Haus geht, bei Todesstrafe befohlen, Terrorkid müsse so-fort heimwärts jetten, den Turban in den Familienfarben aufsetzen und zu seiner Rechten sitzend am Großen Familienrat teilnehmen, damit das Problemchen alsbald gelöst werden könne :) ) Na ja. Wenigstens geht es nicht um Geld :)))

17.05.2017 um 00:58 Uhr

Die Blogroll von heute ist irgendwie... ominös :)

Stimmung: amüsiert
Musik: keine

Wir sind... (Trollfutter)

Erkenntnis und Zweifel... (Schatten sind viele)

Sommer 2017... (Schmutzhöhe)

Das war es dann... (mijonis Welt)

ein regnerischer Dienstagmorgen... (indalo)

...oh nein, ich habe meinen Ehering verloren... (Fleischlos_gluecklich)

...und das Nichts kreist um die Sonne... (Saint Sunniva in den Stahlkammern)

Mal läuft es gut, mal läuft es schlecht... (Schwarz auf Weiß)

Denn der Herr ist ein Gott des Rechts... (Schwester Marias Bibel Blog)

Das zieht sich ganz schön hin... (S.F. - wie in Science Fiction)

Lichtblicke... (ungebremst ins Chaos)

Tag 21... (Reise zu den Sternen)

 

Die Aufgabe für Literaten von Rokoko T. Offline, Leiter des Kurses Kreativer Blödsinn im Literaturinstitut Leipzig-Ober- und Unterfrohna:

Bitte schreiben Sie aus dieser Blogroll eine Kurzgeschichte von max. 1 DIN-A-4-Seite Länge!Beschäftigt

Die Aufgabe für Verschwörungstheorieforscher von Hillu von St. Kosmasdamian zu Götzgeorge, Leiterin der Sektion Verschwörungen beim Beklopp Verlag Kloppenburg:

Bitte ermitteln Sie den Code (Pluspunkte für Geschwindigkeit) und erläutern Sie die Herrschaft der Bilderberger über die Gehirne von Bloggern anhand der verwendeten Sprachbilder!Beschäftigt

Die Aufgabe für die blogigo-Admins von Amanita:

Bitte richten Sie eine automatische Blockierung für alle "Blogbeiträge" ein, die die Worte "jordan", "jordan air" oder "cheap jordan air" enthalten :) (Pluspunkte für Geschwindigkeit!) P.S. Das ist ernst gemeintBeschäftigt

 

 

16.05.2017 um 10:54 Uhr

...und das Nichts kreist um die Sonne...

Stimmung: unwirklich
Musik: Roger Taylor - Killing Time

An Tagen, an denen Baby und ich das Auto brauchen, fahre ich den Kronprinzen zur Arbeit. Seine Dienstzeiten sind unregelmäßig, daher war es heute viertel fünf, als wir ins Industriegebiet aufbrachen. Es ist eine Fahrt von rund 20 Kilometern, und es geht schnell, so lange alle Ampeln noch schwarz sind. Dennoch erwacht der Maschinensaal Deutschland um diese Zeit rumpelnd, fauchend, knallend und schnaufend nach und nach zu seinem getakteten Leben, Polen, die in ihren Lkws übernachtet haben, öffnen bei brummender Standheizung gähnend die Vorhänge und schauen kritisch aufs Wetter, die ersten Gläubigen trudeln von ihrer Pilgerfahrt zum täglichen Produktivitätsgottesdienst ein.

Ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht.

Es gab Zeiten, da war diese Uhrzeit für uns noch mitten in der Nacht. Wenn man einmal aus dem Bett ist, geht es, aber einen ganzen Tag lang voll durchzuhalten finde ich schwierig, wenn man so früh angefangen hat. Auch der Kronprinz legt sich als erstes eine Weile hin, wenn er nachhause kommt.

Ich fuhr zurück, glücklicherweise immer noch ohne Stau, und schlief noch eine halbe Stunde, denn um 5.45 Uhr ist Aufstehzeit für mich und Baby, die zur Schule auch einen weiten Weg hat. Wegen der unzähligen Baustellen muss man Umwege fahren und weiß nie, an welcher Stelle man am kürzesten im Stau steht. Es ist gut, wenn man Schleichwege weiß, aber auch die können urplötzlich durch eine neue Baustelle versperrt sein. Ich musste Baby zum Schwimmbad bringen, das am gegenüberliegenden Ende der Stadt liegt.

Danach musste ich zur Pfandleihe und zur T*argo, was für den Kronprinzen einzahlen, und weil die erst um 9 aufmachen, hatte ich noch viel Zeit. Ich stellte mich auf den Parkplatz vom großen R*ewe in der Nähe des Schwimmbads und schaute nachdenklich auf den dort aufgebauten Obststand, der gewöhnlich um 7 aufmacht, doch in diesem Jahr wurde anscheinend noch nicht genug geerntet.

Ich habe in den letzten Jahren sommers dort immer eine Zeitlang verkauft, was sehr lustig war. Aber dieses Jahr werde ich es nicht tun. Habe lange hin und her überlegt. Aber allein, dass ich bei guter Laune eine 6-Stunden-Schicht lang immerzu mit Leuten sprechen soll,die mich dabei auch noch ansehen, kann ich mir derzeit überhaupt nicht vorstellen. Ein Zeichen für die riesige Verstörung, die mich derzeit in den Krallen hat. Es verstört mich noch mehr, dass ich mich zum Verkaufen nicht in der Lage fühle, denn das ist mir noch nie schwer gefallen, momentan aber völlig unmöglich.

Trotz meiner innerlichen Beunruhigung bewegte ich mich träge, als sei ich eine Touristin, die spazieren geht, so lange es noch kühl genug ist. Ich sah mir eine Weile die Blumen beim R*ewe an, stellte fest, dass es noch keine Impatiens gab, kaufte Salat und Zigaretten und setzte mich dann in die angegliederte Frühstückskaffete. Nachdem die Berufstätigen mit ihrem Kaffee-to-go und ihren Pulled-Pork-Brötchen alle abgezischt waren, kamen Rentner. Wenn ich in Rente wäre, würde ich grundsätzlich nie früh aufstehen, es sei denn, die Queen Mary oder sonst ein Kunstwerk von Meyer-Papenburg käme in meiner Gegend durch :)

Als es Zeit wurde in die City zu fahren, fand ich einen Parkplatz nahe beim Powerman-Büro. Der Parkplatz kostete bis 9 Uhr nichts, und so beschloss ich, mich spontan bei Powerman blicken zu lassen und nachzufragen, ob sich inzwischen jobmäßig wieder etwas getan habe. Sie bedauerten. Aber ich kann das ganz offiziell für Plast auf dem Eingliederungsvertragszusatzzettel für Bewerbungen verbuchen, also war der Besuch nicht ganz umsonst.

Es hatte geheißen, dass ab Anfang Mai der alte Büroklotz mit dem Penthouse, in dem das Projekt, für das ich 2014 bis 16 gearbeitet hatte, seinen Sitz gehabt hatte, abgerissen werden sollte (das Nachfolgeprojekt meines Projekts, für das ich noch eine Doppelseite Ideen geliefert hatte, musste jetzt umziehen). Aber das Gebäude, 1962 der Stolz des Stadtviertels, jetzt ein Lost Place, steht noch komplett und senkrecht mit allen seinen 11 Stockwerken da, wenn auch von Bauzäunen umgittert. Jemand hatte im schon 2014 unbenutzten 6. Stock mit Fingerfarbe einen Smiley ans Fenster gemalt. (Es waren eigentlich zum Schluss nur noch der 4. und der halbe 9. Stock in voller Benutzung gewesen. Einer Bewerberin, die zu uns zum Vorstellungsgespräch gekommen war, machte das fast leere Gebäude, in dem schon bei schwacher Windstärke gespenstisches Geheul die Flure erfüllte, solche Angst, dass sie die Flucht ergriff und sich nie wieder meldete). Neben dem Haupteingang ist kürzlich aus irgendeinem Grund ein zweiter Eingang eingerichtet worden, sogar - aber hallo! - mit Travertin-Einfassung.

Das lebensgroße bronzene Statuenpärchen neben dem alten Eingang hatte auch noch keiner abtransportiert. Der Bauzaun war jetzt sehr dicht dran. Ich hoffe, für die zwei, die ich Franz und Minna getauft habe, wird ein neuer Platz gefunden, weil ich sie immer irgendwie lustig gefunden habe - trotz der modernen Formgebung und Oberflächengestaltung sind es, gut erkennbar, zwei richtige wohlgenährte, behäbige Spießer im Mantel, die scheinbar ihren Spaziergang unterbrochen haben und verdutzt auf das Hochhaus schauen - "er" darauf zeigend und unter seinem Hut daran hinaufschauend, "sie" staunend den gekrümmten Zeigefinger an den Mund gelegt, als würden ihr, ganz im Gegensatz zu sonst, die Worte fehlen.

Wahrscheinlich geben sie die Empfindungen im Stadtviertel wieder, als das Haus ganz frisch gebaut war - es war damals ganz sicher das höchste der Innenstadt. Seither sind viele weitere dazugekommen. Ich wüsste 'ne Menge ausreichend sonderbarer Orte in der Stadt, wo Franz und Minna bestens hinpassen würden...

Ich betrat die Eingangshalle, die völlig leer war, bis auf ein paar Pappbecher und seltsamerweise eine Klobürste, und schaute mich um. Es würde das letzte Mal sein. Wahrscheinlich bin ich einer der letzten Menschen, die das Haus noch von innen sehen, dachte ich. Bald kamen zwei Bauarbeiter von draußen herein und verwiesen mich mit stark rumänischem Akzent freundlich, aber bestimmt des Platzes. Ich fragte sie, ob sie wüssten, was mit den Statuen passieren werde, aber sie wussten es nicht. Eine merkwürdige Frau tigerte vorbei, die eine Jogginghose und darüber ein sehr seltsames kittelschürzenartiges Kleid trug. (Später sah ich einen Typen auf einem Mountainbike mit monstertruckartig aufgepumpten Reifen, und noch später eine komplett sportlich durchgestylte Omi von gut und gerne 80, mit Helm und Radlerhose, die sich auf dem MTB mit Siegermiene den Berghang hinaufkämpfte).

Es wurde Zeit für meine Geschäfte, also zog ich 1. einen Parkschein 2. meiner Wege. Jetzt bin ich wieder zuhause, ich sollte arbeiten, aber ich fühle mich zu schlecht, um etwas Gescheites zu formulieren, also lasse ich es erst mal.