Saint Sunniva in den Stahlkammern

01.11.2017 um 18:52 Uhr

Er lässt uns nicht fallen...

Stimmung: unschlüssig
Musik: keine

Wieder einmal glaubt der Kronprinz, jetzt sei der große Durchbruch da. Er gratuliert mir zum heutigen Bewerbungsgespräch, als hätte ich den Job schon in der Tasche - dabei besteht dazu nicht der geringste Anlass. Ich glaube nicht, dass ich den Job bekomme, und falls doch, werde ich mich dort bis auf die Knochen blamieren, weil ich das, was verlangt wird, überhaupt nicht kann.

Es werden 20 Leute für IT-T-Support gesucht, und davon habe ich keinen blassen Schimmer. Die Erzherzogin meinte, das sei egal, man suche in erster Linie Leute, die englisch sprächen, gefragt wurde ich allerdings heute ausschließlich nach IT. O.K., ich habe niemandem etwas vorgemacht... Das Baby ist nach wie vor depressiv und war schon wieder tagelang nicht dazu zu bewegen in die Schule zu gehen.

Gefragt, was für ein Problem sie diesmal habe, sagte sie, zur Schule gehen sei sinnlos, weil ihre Eltern auch zur Schule gegangen seien und dennoch nur Scheißjobs bekommen hätten. Dem kann man eigentlich nur zustimmen, aber mir wird ganz anders, wenn ich mich jetzt wegen meiner "Scheißjobs" auch noch vor meiner eigenen Tochter schämen muss...

Kein Geld, Waterboarding von meinen Eltern (die ich schon lange nicht mehr um Hilfe bitte - aber einmal waterboarden tut gut, rückt die Verhältnisse ins rechte Licht und lässt kein zu gutes Lebensgefühl bei dem Versagerhaufen aufkommen, denn ein gutes Lebensgefühl hat besagter Versagerhaufen nicht verdient).

Wollt ihr was über mein Lebensgefühl hören? Bitte sehr. Mutlosigkeit, nackte Verzweiflung und Traurigkeit, dazu das Gefühl, ganz allein auf dem Planeten zu sein. "Das Dasein in seiner Wesensbestimmtheit ist das Hinausgehaltensein in das Nichts..."

"Ich glaube nicht mehr an Gott", sagte der Kronprinz, und ich sagte (ich gebe zu, das war sarkastisch): "Ich schon. Schau mal, er hält uns zwar so ein kleines bisschen im 12. Stock an den Füßen aus dem Fenster, aber keine Angst, er lässt uns schon nicht fallen."

Immerhin hat sich für Terrorkid die ewige Pythonerei gelohnt... Er tritt in wenigen Tagen einen neuen Job an. Zwar verdient er da anfangs auch nicht gerade die Welt, aber dafür ist er zur Weihnachtsfeier nach London eingeladen. Neid :)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierentiker schreibt am 02.11.2017 um 13:51 Uhr:"Das Dasein in seiner Wesensbestimmtheit ist das Hinausgehaltensein in das Nichts..."


    Gott, der einen kopfunter aus dem Fenster hält und dann doch noch zu einer Weihnachtsfeier nach London verhilft.
    Was für ein erfrischend und gar nicht wehleidiger, fatalistischer Text!
  2. zitierenAmanita schreibt am 23.11.2017 um 15:22 Uhr:Ich weiß nicht, woher das Zitat kommt: Nietzsche, Heidegger oder Sartre :))

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.