Gedichte,
Kurzgeschichten,
Momentaufnahmen

23.11.2006 um 02:13 Uhr

Zur Nacht (22.11.2006)

von: AngelInChains   Kategorie: Lyrik: Mystik

From bloodstained silk
To solemn darkness
The deep blue ocean
Breathes in algid solitude

She's wandering
Through serpent fields
Of blackened ivy
Loudlessly

Dark, gleaming eyes
Hostility
An Elven's tear
Not more

Sheds, beneath the silent moon
The withered ground of ashes

~*~

Das Seidenkleid, von Blut befleckt
Verfaerbt zu dunkler Pracht
Benetzt vom Duft des Ozeans
Tuerkiser Hauch der Nacht

So wandert sie
Durch Efeuwaelder
Giftig, krank
Und schweigt

Bis dunkles Dasein sie verschreckt
Und sich ihr's Boese zeigt
Ein Traenlein faellt, nicht mehr

Benaesst den kalten Stein
Ueber den ein Schatten wacht
Im Aschegrund, im Mondenschein

~*~

cn P

22.11.2006 um 22:21 Uhr

Interpretation von J. W. von Goethes "Wandrers Nachtlied"

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!

 

In diesem Gedicht, das J. W. von Goethe unter dem Titel "Wandrers Nachtlied" im simplen Kreuzreim-Schema verfasst hat, wird der Hunger eines Reisenden nach Gefluegel, und seine Sehnsucht nach einem weichen Bett beschrieben. Die Person, als "Wanderer" bezeichnet, scheint eine laengere Reise hinter sich gebracht zu haben, verdeutlicht durch Vers 5: "ich bin des Treibens muede". Dass er sich nach einer Mahlzeit, explizit nach Gefluegel sehnt, wird in den Versen 1-4 deutlich: Es ist die Rede von einem Wesen, das sich in der Hoehe aufhaelt, demnach muss es sich um einen Vogel handeln. Auch die Phrase "doppelt mit Erquickung fuellest" spricht dafuer, denn ein Vogel versorgt den Menschen sowohl mit nahrhaftem Gefluegelfleisch, als auch mit weichen Daunenfedern, mit denen beispielsweise Kopfkissen gestopft werden. Hier finden wir also erneut einen Bezug auf des Wanderers Muedigkeit, auch deutlich in Vers 3: "Den, der doppelt elend ist" - Der Wanderer leidet also nicht nur unter Hunger, sondern auch unter einem hohen Schlafbeduerfnis. Wie dringlich ihm die Nahrungsaufnahme ist, wird in Vers 6 beschrieben, es ist gar von "Schmerz" die Rede, doch auch "Friede" und "Lust" werden mit der Nahrungsaufnahme und dem Schlaf verbunden, was sicherlich uns allen nicht unbekannt erscheint. Ein weiterer Hinweis darauf, dass der Wanderer Hunger verspuert, laesst sich zuletzt noch einmal im 8. Vers entschluesseln, in dem es heisst: "ach kommt in meine Brust". Zwar endet gekaute Nahrung im Magen, unterhalb der Brust, muss diese jedoch erst einmal passieren, bis sie an ihrem Bestimmungsort angelangt ist.

cn P

09.11.2006 um 01:28 Uhr

Rost (9.11.2006)

Ein fahler Schein durch die milchigen Fenster
Halbtransparent und eisern das Dach
Obwohl seit Jahrzehnten
Unzaehlige Menschen passierten
- Dieser Ort, er ist und bleibt stumm.

 

Die kalten Mauern schlucken jeglichen Laut
Jegliche Waerme flieht durch die Tore
Hier drin nicht mehr als ein Vakuum
Seele und Geist - alle Gedanken
Haben nicht Raum in der Leere.

Und an diesem Ort, gar grausige Fratzen
Seelenlos-kuehl, apatisch erstarrt
Sie haengen wie Tafeln
Eines Grabes - Epitaphen
- In diese Folge reiht alles sich ein