Juwel
Mein Vater hat aufgehört, sich um die Welt zu kümmern. Er hat mir sein Erbe übergeben. Erbe hat nichts mit ummauerten Grund zu tun, nichts mit Wohnraum, nichts mit Immobilie, nichts mit Grundstücken und Nießbrauch. Erbe ist eine Sache von Aufgabenübertragung von einem auf den nächsten... ein mehr oder weniger bewusster Akt.
Diesen Akt hat mein Vater endgültig begangen, indem er mir zum letzten Mal die Hand gab... und das war etwas völlig anderes, als eine dieser "Show-Umarmungen", die neuerdings in dieser Familie grassierten... es war tatsächlich die Übertragung dieser Aufgabe, und seines Vertrauens in mich. Er gab mir seine linke Hand, sie war kraftvoll, obwohl er schon vollkommen geschwächt war... "die Linke kommt von Herzen"... wenige Tage bevor er seinen Körper verließ.
Er sagte: "Ich schaffe das." Es hieß in der Tat: "Du schaffst das." - "Du bist ich." - "Ich schaffe das."
Erbe hat nichts mit Mauern zu tun. Erbe hat mit Aufgabenübertragung zu tun. Irgendwann wird Wohnraum frei sein und Erbe wird sich darum nicht mehr drehen müssen. Doch momentan zeigen die Leute durch Erbe im Sinne von ummauerten Raum noch ganz gut ihr wahres Gesicht... und so wird die Aufgabe, das wahre Erbe dessen, der geerbt hat, klar.
Mein Vater vererbt in erster Linie ungelöste Dinge, um die er sich jetzt nicht mehr kümmern kann und will. Das ist die "Software".
Er vererbt in zweiter Linie ein Haus.
Das ist die "Hardware".
Die Aufgabe des wahren Erben, also dessen, der die Software erbte, ist, sich um die Hardware in rechtschaffener Weise zu kümmern und nicht wieder zu fliehen und den anderen das Feld zu überlassen, wie so oft.
Ich habe gemerkt, wie ich das Feld immer wieder den anderen überlassen habe, und habe jetzt erst gemerkt, wie sehr dies willkommen war, und wie *böse* man ist, dass ich jetzt Anstalten mache, das Feld NICHT mehr zu räumen, sondern zu bleiben und zu kämpfen wie Arjuna.
Jetzt fallen Masken, jetzt sehe ich Gesichter, die ich vorher nie sah, sondern höchstens erahnte... manchmal erschrecke ich, manchmal werde ich wütend, manchmal äußert sich meine Empörung in emotionalem Schreien oder in hilflosem Weinen. Erschütterung, Unglaube... das muss erst irgendwie wegvibriert werden... bevor es weitergehen kann, vernünftig und klar, wie mein Vater war.
Ich renne nicht weinend weg, ich bleibe.
Das ist ein Versprechen.
Isso.
An mein Ideal
Liebe bedeutet die Flügel benutzen,
und den Schnabel, wie du.
Zu fliegen und zu krähen,
no matter what, unermüdlich.
Mein Ideal ist die Nebelkrähe -
Leben kommt von nebeL...
Unter ihren Flügeln der globale Rangierbahnhof,
jeder hat seinen Platz im Zug, jeder seine Schienen.
Eine versehentlich falsch gestellte Weiche
höchst erreichbarer Lebenskitzel.... mehr ist nicht drin.
Alles fährt brav hin und her, unermüdlich.
Heimlich wütend, scheinbar machtlos,
tieftraurig und darmträge.
Man traut sich nicht zu kacken,
behält seinen Scheiß lieber bei sich,
no risk.
Ab und zu schaut wer zu dir hoch, zum Ideal,
und fällt kurzzeitig aus seinem Gleis...
Man hilft sich gegenseitig solidarisch wieder aufs Gleis,
no prob.
Ich schau auch zu dir hoch
und es kribbelt tief im Bauch...
Doch wie alle bleib ich hocken
in meinem No-risk-and-All-inclusive-Zug,
fluglahm, maulfaul und darmträge...
und beschämt.
(Danke, Lhatara, für das Bild!)