Solo zu zweit

26.04.2009 um 17:46 Uhr

Handy.Verbot

Telefonfreund hat angerufen. Vorgestern und gestern. Und auch noch dazwischen. In der Nacht von vorgestern auf gestern hat er mich anderthalb Stunden telefonisch unterhalten. Gegen halb vier am Morgen  schlief er mitten im Satz am Telefon ein. Ich hörte ihm noch ungefähr zehn Minuten beim Schlafen zu, legte dann schweren Herzens auf und war hellwach. Telefonfreund schlief in der Ferne und  wachte morgens zwar nicht neben mir, dafür auf seinem Telefon auf. Vielleicht sollte er einfach sein Telefon heiraten.

 Ja, so sieht der Alltag  zwischen Mann und Frau in Zeiten moderner Kommunikationsmittel aus.  Ohne Telefon wären Freund und ich seit Jahren aufgeschmissen. Und es hat ja durchaus Vorteile:  Ganz grundsätzlich kann man als Frau auch in rosa Snoopy-Schlafanzug und roten Puschen auf dem Sofa sitzen und muss sich keinerlei Gedanken über die Optik machen, während man sich in den Vorstellungen des Telefonpartners wohlmöglich gerade im schwarzen Negligee mit nix drunter auf dem Bett räkelt.

Während ich trotz dieser Tatsache Telefonfreund ja viel lieber wiedersehen würde, scheint er mit der Telefonsituation völlig zufrieden. Kann einfach mal jemand Freund das Telefon wegnehmen?

23.04.2009 um 22:59 Uhr

Auf.Wiedersehen

Wie jeder Begegnung mit meinem Telefonfreund in den letzten Jahren folgte auch dieser ein Abschied.  Ich weiß nicht, ob oder wann wir uns wiedersehen werden. Ich weiß, was Telefonfreund heute zu Abend gegessen hat. Und ich weiß, was er am Tag nach unserem Treffen und danach den Tag und danach den Tag und am Wochenende und vorvorgestern und vorgestern und gestern getan hat. Er hat mich jeden Tag angerufen. Einmal hat er nachts angerufen. Seitdem weiß ich, dass wenn wir uns wiedersehen würden, er mich wieder küssen wollte.  

Ich weiß, dass es mir noch nie so schwer gefallen ist, Telefonfreund Aufwiedersehen zu sagen wie an dem Morgen nach unserem  Kuss auf dem kleinen Platz unter dem großen Baum. Ich weiß nicht, ob Telefonfreund morgen anrufen wird und übermorgen und überübermorgen. Ich weiß, dass ich ihn wiedersehen will. Und sonst weiß ich nichts.     

16.04.2009 um 23:20 Uhr

Wiedersehen

Ich habe meinen Telefonfreund getroffen. Ganz spontan und ohne Umschweife. Er fragte mich, ob ich ihn morgen besuchen komme und ich sagte ja.  So einfach kann’s gehen.

Wir saßen draußen vor einer Bar, tranken Wein und unterhielten uns. Stundenlang. Als wäre nie ein Telefon zwischen uns gewesen.  Und dann liefen wir durch seine Stadt.  Das erste Mal seit mehr als einem Jahr gingen wir gemeinsam spazieren.

 Und komischerweise fühlte es sich seltsam gewohnt an, als  er mitten in der Nacht auf einem kleinen Platz unter einem großen Baum  meine Hand nahm und mich küsste. Und ich küsste ihn.   

01.04.2009 um 22:02 Uhr

Schrecken mit Ende...

Ich bin ja  kein großer Fan der HAURUCK-Methode.  Wenn ich mich dazu durchringe, ein Ende mit Schrecken zu veranstalten, bereu ich‘s sowieso am nächsten Tag. Jedes Mal. Hat mich die Erfahrung gelehrt.

Dann doch lieber der Schrecken ohne Ende –  in der Hoffnung, dass es sich irgendwann ausschreckt. Langsam, leise und ohne HAURUCK, einfach so.

Weil man irgendwann müde davon ist,  auf eine Liebeserklärung zu hoffen, die niemals kommen wird. Weil man es satt ist, jemanden zu bewundern, der das nicht wert ist. Weil man sich nicht mehr schönmachen will für jemanden,  der – egal wie viel Mühe man sich gibt – sowieso betont, dass andere Frauen schöner sind. Weil man keine Lust mehr hat zu warten, keine Lust mehr hat, über Gespräche nachzudenken, die eigentlich völlig inhaltslos sind. Weil man irgendwann  kapiert, dass es sich hier  gar nicht um den Traummann handelt. Weil man irgendwann selbst erkennt, dass man ihn gar nicht will.   

Kein Ende mit Schrecken, keine gutgemeinten Ratschläge von Dritten, kein HAURUCK , sondern nur eines hat geholfen: Aussitzen und warten - Um irgendwann ganz schlicht und einfach festzustellen, dass mein Nachbar überhaupt gar nicht zu mir passt.