Solo zu zweit

28.06.2009 um 22:28 Uhr

Geistes.blitz

Es stimmt ja. Prinzipiell ist man in Liebesdingen schon mal ein gutes  Stück weiter, wenn man weiß, was man NICHT will.  Von Männern, die mich unter fadenscheinigen Gründen in ihre Wohnung locken, habe ich vorerst die Nase voll.  Schön einen auf nachbarschaftliches Fernsehgucken machen und mich dann anspringen wollen! Da schwankt man doch zwischen: wie dreist ist das denn oder wie verzweifelt muss man(n) sein?!  Jedenfalls habe ich auch von Männern genug, die jahrelang einfühlsam den fetten Freund mimen, um mir dann zwischen Autobahnklo und einem LKW-Fuhrpark den Laufpass zu geben. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Wie denn auch? Am Abend vor unserer Trennung hat Telefon-Exfreund sich ja noch ganz normal verhalten. Ich meine, wir waren unterwegs in einen GEBUCHTEN Urlaub. Selbst als halbwegs kritischer Mensch – wie soll man denn da bitte auf die Idee kommen, dass Telefon-Exfreund die erstbeste Autobahnraststätte anfahren würde, um  mich mit seinem anscheinend über Nacht gekommenen Geistesblitz zu konfrontieren, dass wir jetzt besser kehrtmachen.  Das ist mir ein Rätsel und wahrscheinlich wird es das für immer bleiben.  

24.06.2009 um 22:48 Uhr

Zuviel.Glück

Meistens kommt im Leben ja alles auf einmal. Ich persönlich habe nichts gegen zu viel Glück einzuwenden. Ein bisschen Glück zu viel kann nicht schaden.  Davon zehrt man ja nun einfach auch in unglücklichen Zeiten.

Ich befürchte, über die ganze Telefonfreundstory habe ich vergessen, meinen Nachbarn zu erwähnen. Natürlich war  Nachbar noch nicht vom Bildschirm verschwunden. Ganz im Gegenteil:  Als ich völlig in meinem Glück mit Freund aufging, zeigte sich Nachbar platonisch präsenter als je zuvor.  Wenn Freund nicht gerade anrief, stand garantiert Nachbar vor der Tür.

Das plötzlich wieder aufgeflammte Nachbarschaftsinteresse erreichte seinen Höhepunkt als wir uns traditionsgemäß Sonntagabend zum Tatort verabredet hatten. Er begrüßte mich auf seinem Sofasitzend- splitterfasernackt. Ich sagte: “ Nachbar, Du wirst Dich erkälten.“ Nachbar sah das anders. Er dachte, wir würden jetzt sportlich werden. An diesem Abend setzte er alles daran, unser großartiges  platonisches Verhältnis wieder in alte Bahnen zu lenken. Ich sagte: “ Ich habe mich verliebt.“ Nachbar begriff das nicht. Er dachte, ER sei gemeint. Ich machte ihm begreiflich, dass  es jemand anderen gibt.

Wochenlang blieb Nachbar hartnäckig. Und ich auch.  Drei Tage nachdem Freund mich an der Autobahnraststätte abserviert hatte, schlug ich Nachbar endlich wieder unser platonisch-traditionelles Tatortgucken vor. Ich brauchte  jetzt männliche Unterstützung. Als Nachbar antwortete, dass auch er sich verliebt habe, wusste ich, dass damit nicht ICH gemeint war.

 

22.06.2009 um 23:10 Uhr

Trennungs.gespräch

Freund und ich hatten einen Wochenendtrip geplant. Wir saßen im gepackten Auto und fuhren unserem gebuchten Urlaubziel irgendwo im Süden entgegen. Ich war glücklich. Und Freund - der hatte im Vorhinein nicht nur den Eindruck erweckt, dass auch er sich auf unseren Ausflug freute, er hatte es zudem mehr als ein Mal gesagt. Wir hatten circa dreizehn von dreihundert Kilometern zurückgelegt, als Freund  die erste Autobahnraststätte anfuhr. Ich dachte,  Freund müsse pinkeln. Er parkte sein Auto.  Ich wollte ihn sagen hören: „Bin gleich wieder da.“ Und hörte ihn sagen: „Lilly, wir müssen nach Hause fahren.“

Ich hörte die Autos an uns vorbeidüsen und Freund, der versuchte, eine Erklärung zu finden. Aber es gab keine Erklärung.   

In diesem Moment endete unser Glück. An einer Autobahnraststätte irgendwo Richtung Süden.  Vielleicht könnte ich Freund die Tatsache verzeihen, DASS er mich verlassen hat. WO er mich verlassen hat, werde ich jedoch niemals entschuldigen können.  Ein Trennungsgespräch an einer Autobahnraststätte ist völlig deplatziert. Das gehört da nicht hin. Das ist einer langjährigen Freundschaft wie Freund und ich sie führten nicht würdig.

Wir schwiegen.  Dreizehn  Kilometer lang. Als wir uns verabschiedeten, sagte er: „Es ist doch nicht alles vorbei.“ Dann sagte er: „Du bist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben.“

Und dann fuhr ich davon.

14.06.2009 um 17:52 Uhr

Herz.bruch

Aber kaum ein Gefühl ist grausamer und unglücklicher und schmerzhafter  als die Enttäuschung und die Wut und die Trauer und das Elend,  wenn das Verliebtsein ein plötzliches Ende nimmt.

Vielleicht hätte ich es besser wissen müssen.  Das Spiel mit der Liebe habe ich noch nie gut beherrscht. Irgendwo gleicht mein Liebesleben  einer überdimensionalen  Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Spielplatte.  Ach, was sag ich. Mein Liebesleben ist ein einziges, unendliches Mensch-Ärger-Nicht-Spiel.  Knapp vor’m Ziel fliege ich immer raus.

Ich war schon immer besser im ich.tu.so.als.ob zocken. Ich.tu.so.als.ob ich mich nicht ärgere? Ich.tu.so.so.als.ob ich nicht verletzt wäre? Ich.tu.so.als.ob  ich ihn nicht vermissen würde? Das Spiel hilft mir gerade nicht weiter. Denn mein Herz ist gebrochen und in diesem Zustand kann man kein Spiel der Welt gewinnen.