Das geheimnisvolle Blog ins zauberhafte Nichts

04.05.2008 um 06:01 Uhr

...Und so endet es.

von: Solus

Musik: Radiohead - How to disappear completely

Es ist doch so; wenn man ein Blog hat, sollte man doch relativ regelmäßig etwas hineinschreiben, und schön wäre es dann auch noch, wenn das Hineingeschriebene halbwegs interessant ist oder zumindest einen gewissen Informationsgehalt besitzt. Ärgerlicherweise ist das aber für mich nun irgendwie nicht mehr möglich - Ersteres, wie auch Zweiteres. Eine der Ursachen dafür ist, daß ich mich in den letzten Monaten doch ziemlich von meiner Umwelt entfernt habe. Wirklich nahe war ich ihr natürlich schon damals nicht, als ich hier angefangen habe, aber inzwischen ist es sogar so, daß mich selbst die Dinge nicht mehr berühren, die damals noch irgendeine Reaktion hervorgerufen hätten. Die CDU bastelt weiter fröhlich am Polizeistaat, ganz Europa schimpft gen Tibet und kehrt dabei den heimischen Problemherd "Tschetschenien" vollkommen unter den Tisch, Germanys Next Topmodel ist ohne Bruce Darnell viel besser und jetzt muß nur noch Heidi Klum weg...über all das könnte ich schreiben, aber kann es eben nicht, denn es ist mir egal, es macht mich müde. Und dazu kommt noch, daß wenn ich denn doch einmal ein Thema hätte, welches in mir einen Hauch von Ungleichgültigkeit entzünden würde, besäße ich keinerlei Motivation, dann darüber auch zu schreiben. Bestes Beispiel dafür ist dieses simple Geschreibsel hier - wieviele Wochen ich nun schon dessen Realisierung vor mir herschiebe, kann man sich kaum vorstellen. Höchstens ausrechnen - muß man nur mal auf das Datum des letzten Eintrags schauen und dann eine Woche addieren. Oder auch einen Monat; Zeitgefühl habe ich auch keins mehr, Bah ! Na jedenfalls ist das Einzige, was ich noch so halbwegs hinbekomme, das permanente Zeittotschlagen, das Warten auf das Ende des jeweiligen Tages. Theoretisch könnte ich dieses Blog nun als Tagebuch fortführen, also jeden Tag einen komplett leeren Eintrag hier hineinsetzen, nur selbst dazu habe ich keine Lust. Also tue ich das einzig Vernünftige und erkäre hiermit den tragischen, dramatischen, und sicherlich auch traurigen Tod dieses Blogs, damit die eventuell noch vorhandenen Besucher nicht weiter hier nachschauen, ob da nicht bald einmal etwas Neues zu lesen wäre.
Das kann man sich ab sofort sparen, alles andere bleibt aber natürlich so, wie es vorher schon war, und das Blog selbst existiert natürlich auch weiter, damit sich auch nachfolgende Generationen an den ganzen tollen, alten Einträgen erfreuen kann.

Zum Schluß gibt es nun noch einmal Musik, eine Komposition aus vergangenen Tagen, nämlich meinen großartigen und vorallem total abwechslungsreichen Megahit "The Fun They Had", welchen ich genau am 18.3.1996 auf meinem Amiga1200 vollendet habe. 12 Jahre ist das her.
Scheiße, wo ist nur die Zeit hin.

The Fun They Had

21.02.2008 um 05:45 Uhr

Traumfrauentausch

von: Solus

Musik: Antony & The Johnsons - Hope there's someone

Das wäre natürlich schon blöd ! Da bin ich seit Jahren der Meinung, meine Seelenverwandte würde Sarah heißen, und dann treffe ich sie zufällig vorletzte Nacht im Traum und sie stellt sich mir mit "Mercedes" vor. Jahre lang nach der falschen Frau gesucht. Aber wahrscheinlich war es eher die eines guten Freundes, mit dem ich am Tag zuvor die Frage aufwarf, ob die Frau seiner Träume nicht vielleicht eine Spanierin ist. Warum, würde jetzt zuweit führen, nur falls sie das denn wirklich ist und mir im Traum erschien, dann würde das ja bedeuten, daß ich meinen guten Freund mit seiner Seelenverwandten virtuell betrogen habe. Also sogut wie...es ist nicht viel mehr passiert, als daß wir aufeinanderlagen. Aber vielleicht hat sowas ja innerhalb der Traumebene eine viel höhere Bedeutung. In einer Welt voller Symbolik und Andeutungen wäre die Darstellung von Geschlechtsverkehr in Form der Verkettung von Geschlechtsorganen viel zu plakativ. Da bedeutet "Aufeinanderliegen" allein vielleicht ja schon leidenschaftliche und dauerhafte Kopulation. Falls ja, ergäbe sich da natürlich noch eine weitere Problematik: Ist es moralisch notwendig, mich dafür bei meinem guten Freund zu entschuldigen ?
Ich meine, ich kann ja nichts dafür. Es war kein luzider Traum, sprich ich war nicht Herr meines Handels. Nur ist das nicht genauso der Fall, wenn sich in der Realität zwei vergebene, aber nicht miteinander liierte Personen stark betrinken und es dann miteinander tun ? Wenn es dann am nächsten Tag heißt "Tut mir Leid, Schatz, aber wir hatten etwas getrunken, wußten nicht mehr was wir taten, und da ist es passiert." ist das doch genauso schäbig, als wenn kein Alkohol im Spiel gewesen wäre. Entsprechend wäre die Entschuldigung "Das war aber kein Klartraum." auch nicht zulässig, oder ? Man könnte jetzt natürlich noch sagen, daß die Entscheidung zum Alkoholkonsum ja noch bei klarem Verstand getroffen wurde und damit abzuwenden gewesen wäre, während man ja das Träumen wiederum nur mit Mühe abwenden kann. Doch wenn es sich bei dem betrunkenen Fremdgeher um einen Alkoholiker handelt, ist für ihn der Alkoholkonsum ja auch nur mit Mühe abwendbar, aber das macht die daraus resultierende Tat auch nicht weniger schlimm. Also stehe ich hier durchaus vor einem Problem - ich habe zuviel Kanal Telemedial geschaut. Anders kann man sich nicht erklären, warum ich mir über SOWAS Gedanken mache.

23.01.2008 um 22:13 Uhr

Neuanschaffung

von: Solus

Musik: Kraftwerk - Das Modell

Auf Wunsch von 1mishou ein Bild von mir samt brandneuer Brille...

Hat mir eine Fielmannverkäuferin angedreht. Ansich erst einmal in Ordnung, denke ich, aber auf Dauer werden es wohl doch eher Kontaktlinsen werden. Brillen sind doof !

20.01.2008 um 09:02 Uhr

Alles kaputt.

von: Solus

Musik: Beirut - In The Mausoleum

Alles kaputt.

Fußgelenke knacken laut bei Kreisbewegungen.
Beine schmerzen mit der Zeit nach normaler Belastung,
Schenkel zu dick, Geschlechtsteile sehen seltsam aus, Fertilität aber leider vorhanden.
Becken schmerzt hin und wieder; erst Anzeichen von Rheuma ?
Bauch zu dick, Magen sehr nervös, linke Niere beherbergt einen Stein,
Linkes Handgelenk knackt laut bei Kreisbewegungen.
Operationsnarbe oberhalb des Bauchnabels.
Herz schlägt laut und stark, auch mit den Tabletten gegen Hypertonie.
Rücken knirscht, Schulder permanent verspannt,
Ständig sehr lautes Knacken bei ruckartigeren Halsbewegungen,
Leisere Geräusche beim Kreisen des linken Armgelenks.
Rachen anfällig für Krankheitserreger, Schleimhaut weist Imunschwäche auf,
Zunge oft belegt, ständig neue Löcher in den Zähnen. Amalgam-Minen.
Nasenschleimhaut auf Grund von jahrelanger Nasenspray-Abhängigkeit dauerhaft angeschwollen.
Myopie mit -2,25 links und -3,00 rechts; leichter, nicht-sichtbarer Schielfehler vorhanden.
Linkes Innenohr durch Cholesteatom stark angegriffen und teilweise zerstört; permanenter Tinnitus vorhanden.
Rechtes Ohr gesund, aber eventuelle Hörsturz-Anfälligkeit.
Augenbrauen zu dick, Haare werden schnell fettig.
Starke Schlafrhymthmusstörungen; Gehirn fühlt sich an wie Schwarzes Loch.
Alles kaputt.

10.01.2008 um 07:01 Uhr

Wenn die Chefin auf die Couch bittet

von: Solus

Musik: The Avalanches - Frontier Psychiatrist

Ich muß ein Geständnis machen; ich habe neulich "Galileo" angeschaut. Gut, eigentlich läuft das recht oft bei mir, weil ich als gewissenhafter Konsument natürlich an den Produktionsabläufen jener Waren, die mir so tagtäglich im Supermarkt entgegenlächeln, interessiert bin. Und ich schau mir auch immer wieder gern den Beitrag über die Außenreporterin an, die mit einem Regenschirm vom 10m-Brett ins Wasserbecken springt und dabei fast ersäuft. Aber dieses "Wissens-Magazin" besteht ja nicht nur aus Schleichwerbung und Wiederholungen von Quatschbeiträgen, nein, neuerdings schlägt man die Sendezeit mit auch noch Ausbildungsplatzbewerbungsberichten tot. Ich glaube so einmal die Woche darf nun der Zuschauer immer hautnah dabei sein, wenn ein Kleinkapitalist drei Bewerber durch diverse Reifen springen läßt, um herauszufinden, welcher von denen am geeignetsten für die Stelle ist, die er anbietet.
Neulich ging es nun um einen Ausbildungsplatz als...Großgastronomiefachfrau, oder irgendsowas in der Art. Die genaue Bezeichnung habe ich vergessen, aber da die Teilnehmer während der Prüfungen nur Kaffee servieren, Wurstbrote verkaufen und an der Kasse arbeiten mußten, war das sicherlich sowie kein echter Ausbildungsberuf, sondern nur sowas wie "Anlernen zur Kellnerin", nur eben blumiger ausgedrückt. Aber das ist auch egal ! Das eigentlich Interessante stellte nämlich schon davor das erste Bewerbungsgespräch dar. Die etwa 45jährige Besitzerin des Restaurants hatte sich nämlich für das Gespräch ganz clevere Fragen einfallen lassen. Anstatt typischer Standardfragen wie "Warum haben Sie sich gerade bei unserem Betrieb beworben ?" (beste Antwort darauf ist "Sie Spinner; ich hab mich natürlich überall beworben und mir es scheißegal, wo ich arbeite, hauptsache ich habe überhaupt einen Job !") fragte die Mittelständlerin nach der Lieblingsjahreszeit, der Lieblingsfarbe und nach dem Lieblingsgetränk des Bewerbers. Hausfrauenpsychologie par excellence, denn daraus wollte die Gute tatsächlich herauslesen, wie die Bewerberinnen so ticken. "Herbst" antwortete Eine, als nach der Lieblingsjahreszeit gefragt wurde, dann ein Schnitt und die Chefin erklärte, daß jemand, der Herbst als Lieblingsjahreszeit nennt, sich nach Wärme und einem sicheren Ort sehnt. Natürlich könnte das Mädchen auch leidenschaftlich Drachen steigen lassen, was nur im Herbst so richtig geht und das laut Freud seiner Frau bestimmt Fernweh und Rastlosigkeit bedeuten würde, aber das kam der Chefin nicht in den Sinn. Stattdessen fragte sie als nächstes nach der Lieblingsfarbe und das Mädchen antwortete mit "Schwarz und Weiß". Wieder ein Schnitt und Frau Kalwass für Arme erklärte, daß diese Farben ja überhaupt nicht zum Herbst passen, das Mädchen also total unausgeglichen sein muß (Nebenbei: Laut Wiki steht steht die Farbe Weiß in China für den Herbst...). Auch hier könnte man spekulieren, ob die Bewerberin vielleicht mit einem Afrikaner liiert ist und das deshalb gesagt hat, oder ob sie vielleicht sehr gern Schach spielt, oder zumindest schlechte Computerspiele von Peter Molyneux.  Sie könnte also durchaus die totale Strategin sein, aber nein, Herbst und unbunte Farben passen nicht zusammen - wer sowas sagt, hat doch mindestens eine gespaltene Persönlichkeit ! Voll psycho ! So Eine kann man doch nicht einstellen !
Eine andere Bewerberin wurde nach dem Lieblingsgetränk gefragt und antwortete mit "Fanta". Böser Fehler ! Fanta geht gar nicht ! Also jetzt nicht, weil diese Limonade im Dritten Reich erfunden wurde, nein, sondern weil Fanta-Trinker noch nicht im Erwachsenendasein angekommen, also noch ziemlich kindlich und verspielt sind. Zumindest nach den Mental-Theorien der Restaurantfrau, die hinzufügte, daß sie wohl lieber so etwas wie "Kaffee" als Antwort gehört hätte, denn natürlich trinkt jeder Erwachsene auf der Welt Kaffee. Auch wenn ihm das bittere Gesöff überhaupt nicht schmeckt, oder er auf Grund von Bluthochdruck keine koffeinhaltigen Getränke trinken darf, er tut es natürlich trotzdem, denn er ist ja erwachsen. Leider hat niemand Wein oder Schnaps als Lieblingsgetränk genannt, denn mich hätte dazu die Meinung dieser Psychlaubergerin wirklich mal interessiert. Ist das nun ein Erwachsenengetränk, und wenn ja, stellt man dann als Arbeitgeber lieber solche Leute ein, auch wenn sie vielleicht Alkoholiker sind, oder sind Wein und Schnaps eher Kindergetränke, denn wenn ich so an diverse Jugendherbergen zurückdenke, haben die meisten dort damals den ganzen Tag nichts anderes getrunken.

In wie weit diese bescheuerten Fragespielchen letztendlich nun die Entscheidung der Chefin beeinflusst haben, kann man schlecht sagen. Es haben nämlich gleich zwei der drei Bewerberinnen einen Ausbildungsplatz bekommen, und ob die Verlierin nun die Herbstliebhaberin war, weiß ich leider nicht mehr. Wahrscheinlich hat sie aber doch eher verloren, weil sie während der anderen Testaktionen einem Kunden das Wurstbrötchen ohne Serviette in die Hand gedrückt hat. Auch ein ganz schlimmer Fehler, denn wer keine Servietten um die Brötchen wickelt, hat keine Berührungsängste mit dem Brötchenbestandteil Mehl, und Mehl ist bekanntlich weiß - wie die weiße Flagge, das Zeichen der Kapitulation. Das Mädchen hätte also die Ausbildung sowieso ganz schnell aufgegeben. Aber mit dieser Aktion hat sie sich verraten und die clevere Chefin kann sich nun sicher sein, Dank ihrer psychoanalytischen Fähigkeiten die richtigen Bewerber eingestellt zu haben. Als ein Hoch auf die Psychologie !

21.12.2007 um 05:44 Uhr

Wir haben 27 Zwöfjährige gefragt...

von: Solus

Musik: Tegan & Sarah - Back in your head

Wer kennt sie nicht, diese kleinen Büchlein aus der Schulzeit, die man, nachdem irgendwann jemand die Welle ins Rollen gebracht hatte, von jedem Klassenkameraden in die Hand gedrückt bekam und dort alle wichtigen Daten von sich hineinschreiben mußte. Hobbys, Lieblingsmusik, -Film, -Essen, -Buch, was man generell so mag und was nicht - eben all die ganzen Informationen, deren Gültigkeit wahrscheinlich schon dann abgelaufen war, wenn das nächste Buch ausgefüllt wurde. Kinder sind ja ganz spontane Gesellen. Da ist morgens noch Schnitzel ihr Lieblingsessen und abends plötzlich stehen sie total auf Lungenhaschee.
Dennoch habe ich mir einmal die Mühe gemacht, sämtliche Daten aus meinem guten, alten Schulfreunde-Buch, übrigens in Finnland hergestellt, statistisch zu erfassen und so eine Momentaufnahme zu kreieren, wie 27 Elf-bis-Zwölfjährige 1993 so getickt haben. Dazu sei noch kurz gesagt, daß in den einzelnen Kategorien eine Mehrfachnennung möglich war, und ich mich nicht in mein eigenes Buch eingetragen habe, somit also aus der Statistik herausfalle. Ich werde aber darauf eingehen, was ich zu dem Zeitpunkt wohl geschrieben hätte.

Also, beginnen wir mit der ersten, noch recht langweiligen Kategorie, und die heißt...
Lieblingsschulfach:
Wahrscheinlich die einzige Kategorie, in der sich meine Antwort komplett gegen den Mainstream gerichtet hätte, denn mit 17 mal genannt liegt hier mein absolutes Hassfach ganz weit oben: Sport !
Etwas überraschend hingegen Platz 2 mit 9 Stimmen ist das Fach Deutsch. Da könnte man fast meinen, vor 14 Jahren wäre die Welt noch in Ordnung gewesen, aber der wahrscheinlichere Grund für das Ergebnis wird wohl eher die Bindung zwischen Fach und (sehr netter) Klassenlehrerin sein.
Mit 6 Stimmen auf Platz 3 hat es laut Auszählung das Fach Englisch gebracht, obwohl die Lehrerin nicht der Liebling aller Schüler war. Ich mochte sie und hätte neben Mathematik sicherlich auch Englisch als Lieblingsfach genannt, was natürlich vorallem mit meiner primären Freizeitaktivität, dem exzessiven Computerspiele spielen zusammenhing. Die waren ja hauptsächlich auf Englisch, sodaß ich entsprechend schon ein paar Worte augeschnappt hatte und natürlich auch ganz heiß darauf war, endlich alles zu verstehen. Die anderen 6 Schüler, die Englisch als Lieblingsfach bezeichneten, hatten hingegen sicherlich eine profanere Motivation, denn schon damals schwebte der Satz "Ohne Englisch kommt man heute nicht mehr weit !" wie ein Säbel über unsere Häupter. Man konnte in allen anderen Fächern noch so gut sein, aber wer mit Englisch nicht zurecht kam, das war jedem klar, der würde später wahrscheinlich mal nur das Müllauto fahren, sofern natürlich dessen Armaturen dann inzwischen nicht auch auf Englisch beschriftet wären. Da muß man doch das Fach einfach lieben...
Seien zum Schluß noch die exotischen Antworten genannt: Pause, Ausfall, Werken

Auf zur nächsten, ebenfalls noch recht uninteressanten Kategorie...
Hobbys:
Auf Platz 1 mit 11 Stimmen liegt Schwimmen, vielleicht weil wir im Schuljahr zuvor alle Schwimmunterricht hatten (den ich übrigens tatsächlich erfolgreich bestanden habe, nachdem ich in der allerletzten Lerneinheit stolze 15 Meter im seichten Bereich des Beckens geschwommen bin). Dich gefolgt und jeweils 9 mal genannt wurden Radfahren und Lesen. Okay, damals war die Welt wirklich noch in Ordnung ! Die beiden neumodischen Hobbys, die ich auf jeden Fall genannt hätte, nämlich Fernsehen (5 mal genannt) und Computerspiele (2 mal genannt) liegen da noch recht weit hinten und würden heutzutage wahrscheinlich eher die Statistik anführen.
Außerdem noch in mein Buch geschrieben: Reiten, Tanzen, Malen, Judo, Schlafen, Rappen, Musik hören, Faulenzen (4 mal genannt) und ein wahrscheinlich ziemlich eintöniges Hobby namens "Runtergehen".

Aber genug davon, jetzt wird es endlich interessant mit der Kategorie...
Lieblingspopgruppe:
Und die beliebteste Popgruppe 1993 ist...*Trommelwirbel*...Ace of Base ! Die Schweden wurden 14 mal genannt und befinden sich damit weit vor meinen damaligen musikalischen Helden "2 Unlimited", die nur 6 meiner Mitschüler verehrten. "Snap" erreicht mit 3 Stimmen knapp Platz 3 vor "Snow" und Michael Jackson mit jeweils 2. Außerdem genannt: Enrage, Shade, Fanta4 und Die Prinzen.
Aber an der Stelle muß man auch mal sagen; das war damals alles wenigstens noch Musik - Sowas wird heute gar nicht mehr hergestellt ! Das war damals noch Musik, die wurde mit der Hand gemacht. Mit der Hand auf dem Keyboard, immer und immer wieder die selben vier Noten spielend...um gleich mal zur nächsten Kategorie überzuleiten...

Lieblings-Hit:
Nein, "All that she wants" wurde nicht 14 mal genannt, sondern nur 6 mal, genauso wie "No Limit", sodaß es keinen eindeutigen Sieger gibt. Mein damaliger Lieblingshit, das ebenfalls von 2 Unlimited stammende "Tribal Dance" bekam immerhin noch 3 Stimmen, während sich "Wheel of Fortune" (wiederum Ace of Base) mit nur 2 Stimmen begnügen muß. So steht es insgesamt plötzlich 9:8 für 2 Unlimited. Ich habe es ja gesagt - Kinder sind schrecklich spontan ! Außerdem genannt natürlich, wenn auch nur zweimal "What is Love" von Haddaway, wie auch einmal "Mr.Vain", "Informer", "Saft" und "Exterminate".
Absonderlichkeiten gibt es aber auch. So trotzten vereinzelt Kinder der Charts-Diktatur und nannten als Lieblingshit  "Arschloch", "Mit Dir vielleicht" und sogar "Das Modell". Letzteres übrigens genannt von der wunderbaren, hübschen, schlauen, schwarzhaarigen Tanja Brockhaus, die leider damals nicht auf mich, sondern auf meinen besten Freund Christian stand. In Geschichte saß sie mal neben mir und meinte, daß sie gern in der Vergangenheit leben würde. Die ist wahrscheinlich inzwischen ein Goth, hört 80er-Elektro-Pop und besucht Mittelalterfeste. Und sie hatte Anfang des Monats Geburtstag - leider zu spät gesehen, sonst hätte ich ja mal die Telefonnummer, die sie vor 14 Jahren in mein Büchlein geschrieben hat, anrufen und ihr Alles Gute wünschen können, gefolgt von einer Einladung in ein Restaurant zwecks Reden über alte Zeiten mit anschließendem Geschlechtsverkehr, falls erwünscht natürlich...

Aber genug davon und auf zur nächsten Kategorie:
Lieblings-Film:
Hier konnte sich kein wirklicher Favorit herauskristallisieren."E.T. - der Außerirdische" schafft es aber immerhin auf 3 Stimmen, dicht gefolgt von "Dirty Dancing" mit 2. Die restlichen Antworten sind bunt gemischt; Rambo 3, Rambo 2, Powerman, "Police Agedmey", Karate Tiger, King Kong, Kevin allein zu Haus, Quarterman, Mein Freund mit der kalten Schnauze, Kuck mal wer da spricht, DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER, Over the Top oder Manta Manta seien hier genannt. Auffällig an dieser Aufzählung ist natürlich ein ganz spezieller Film, von dem man nicht erwartet hätte, daß ihn ein Zwölfjähriger kennt und auch noch gern hat. Die Rede ist natürlich von "King Kong", der auch schon damals ziemlich viele Jahre auf dem Buckel hatte und daher für Jugendliche vielleicht nicht so interessant ist...

Nächste Kategorie,
Lieblingsbuch:
Schon damals haben Eltern versucht, lesefaule Kinder mit Hilfe von Buchadaptionen beliebter Fernsehfilme und -serien vom diabolischen Flimmerkasten wegzulocken. Ich bekam mal eine traurige ALF-Weihnachtsgeschichte geschenkt (was aber nicht mein Lieblingsbuch wurde. Das wäre dann eher das Lustige Taschenbücher, Nr.93), und ganze 4 Kinder haben scheinbar von ihren Eltern das Buch zum E.T.-Film geschenkt bekommen, tatsächlich auch brav gelesen und für gut befunden. Wendy, Pumuckl und Das Aufklärungsbuch (?!) kommen immerhin noch auf 2 Stimmen, der Rest sind wieder nur Einzelnennungen, wie z.B. Die schönsten Pferdegeschichten, Robin Hood, Mädchenträume, Mein Freund Hasso, Nicht ohne meine Tochter, Feivel, Arielle oder In einem Land vor unserer Zeit.

Auf zur nächsten Kategorie, das...
Lieblingsessen:
Spaghetti wurde 10 mal in mein Buch geschrieben, und zwar in 11 verschiedenen Schreibweisen, und muß sich mit Pizza (ebenfalls 10) den ersten Platz teilen. Die restlichen Einzelnennungen sind recht gewöhnlich wie z.B. Pommes, Grießbrei, Lasagne, Hühnchen, Eierkuchen, Reis und Spinat (irgendein Ferkel gibt es eben in jeder Klasse...) Ich persönlich hätte sicherlich Makkaroni mit Tomatensosse genannt, die es ja bei uns seit Anbeginn der Zeit abwechselt mit Spaghetti jeden Sonnabend Mittag gibt.

Lieblingstier:
Des Menschen bester Freund gewinnt hier natürlich haushoch mit 17 Stimmen; hätte ich zur damaligen Zeit sicherlich auch genannt. Platz 2 erreichte das Pferd mit 8 Stimmen, Platz 3 müssen sich Katze und Meerschwein mit jeweils 4 Stimmen teilen, dicht gefolgt vom Hasen mit 3 Stimmen. Es folgen Hamster, Tiger und Delfin mit 2 Stimmen, und jeweils nur einmal von meinen Klassenkameraden genannt wurden Hai, Fuchs, Puma, Gepart, Wellensittich und Stinktier. Gerade was Hai und Stinktier angeht, würde mich wirklich mal interessieren, was so eine Nennung über den psychologischen Zustand der betreffenden Person aussagt, bzw. ob das Indizien sind, in welche Richtung sie sich im Laufe des Lebens entwickelt. Die betreffende Person mit dem Stinktier, Marie heißt sie, hat leider keine Telefonnummer angegeben, sonst hätte ich sie für diese Auswertung ja mal anrufen und fragen können, ob sie sich eigentlich regelmäßig wäscht oder gar einen Fäkalienfetisch entwickelt hat.

Stattdessen geht aber gleich weiter zur nächsten Kategorie,
Berufswunsch:
Krankenschwester (plus "Säuglingsschwester") kommt hier auf 3 Stimmen, Kindergärter und (Auto)Schlosser auf 2, der Rest sind wieder Einzelnennungen, die da wären: Arzt, groß zu sein, Rechtsanwalt, Pilot, Kellnerin, Sparkassenangestellter, Sekretärin, Tanzlehrerin, Polizistin, Kurrier, Tourenfahrer, Stewardess und Reiseleiterin. Wie man als Kind von solchen öden Berufen wie Sekräterin oder Sparkassenangestellter träumen kann, ist mir hierbei ziemlich suspekt, aber vielleicht gingen ja die Eltern diesen Berufen nach und wurden von den Kindern noch als Vorbilder angesehen. Ich selbst wüßte jetzt gar nicht, was ich da wohl geschrieben hätte. Zu meiner Kindergartenzeit hatte ich immer als Berufswunsch Springbrunnen- oder Leuchtreklamenbauer angegeben, genauer gesagt wäre es natürlich eher der jeweilige Designer gewesen, aber was es mit 12 Jahren war...da hätte ich vielleicht "Irgendwas am Computer" geschrieben, nehme ich an.

Jetzt wird es noch einmal interessant, denn die letzte Kategorie heißt
"Was ich nicht mag":
Und gewonnen hat ganz klar die Lehrerin Frau Riebel mit 12 Stimmen (sicherlich +6 weiteren Stimmen von denen, die allgemein "doofe Lehrer" geschrieben haben). Das war unsere Musiklehrerin und so retrospektiv betrachtet muß man sagen, daß diese Frau wahrscheinlich an einer ersthaften psychologischen Störung litt. Wir bekamen sie in der fünften Klasse zum ersten Mal und sie hat es tatsächlich innerhalb weniger Wochen geschafft, daß sämtlichen Schülern die Freude an der Musik vergangen war. Ihre Taktik: Schreien, beschimpfen, mit der Note 6 um sich werfen und für die Liedleistungskontrolle ein Lied auszuwählen, mit dem man die Kinder richtig schön quälen kann. Das war in unserem Fall der "Der Vugelbärbaam", im Originaldialekt alle Strophen auswendigzulernen, und wer es eine Woche später nicht Wort für Wort konnte, bekam eine schlechte Zensur. "No laß se nar sitzn, so schläft jo drbei, Vugelbärbaam, Vugelbärbaam. Un hot se's verschlofn, so hol mersch no ei, hol mersch no ei, ei-jo!" Das ist für einen Fünftklässler natürlich eine verdammt schwierige Aufgabe, und so gab es entsprechend viele schlechte Zensuren, inklusive einer 6, als ein Schüler während des Vortrags in Tränen ausbrach und nicht mehr weitersingen konnte. Ich bekam übrigens auch eine 6, weil ich meinen Eltern klar gemacht hatte, daß dieses Lied zu lernen unzumutbar ist, sodaß sie Selbiges per Brief meiner Musiklehrerin mitteilten. Sie gab mir daraufhin eine 6 und wollte sich mit meinen Eltern treffen. Das war ihr Fehler. Ich weiß nun nicht genau, was meine Eltern mit ihr während dieses Gesprächs angestellt haben, aber mir wurde daraufhin die 6 wieder aberkannt, ich durfte ein anderes Lied zur Kontrolle singen, und in der ersten Musikstunde nach diesem Gespräch hat uns die Lehrerin die ganze Zeit nur Notenschlüsselmännlein malen lassen. Dann fand sie aber sehr schnell wieder in ihre alte Form zurück und blieb entsprechend der am meisten gehasste Lehrer.
Aber kommen wir wieder zurück zu unserer statistischen Auswertung. Mit 7 Stimmen ebenfalls ziemlich unbeliebt war auch ein Mitschüler namens Danilo H. - schlecht in der Schule, aus ärmlichen Verhältnissen stammend, leicht aggressiv, auch schon mal rechtsradikale Parolen verbreitend...das Übliche eben. Aber er hat sich dann eigentlich im Laufe der Zeit zurückgehalten und war zu mir sogar recht nett, wahrscheinlich weil er irgendwann zu der Erkenntnis gekommen ist, daß wenn man schon selbst schlecht in der Schule ist, man es sich vielleicht nicht gerade mit dem einflußreichen Schlaumeier in der Klasse verscherzen sollte. Außerdem mit 7 Stimmen genannt Schule allgemein, die bereits erwähnten "Doofen Lehrer" mit 6 Stimmen und dann kommt auch schon die unbeliebteste Schülerin. Jacqueline B. war ihr Name, ebenfalls ungebildet, aus ärmlichen Verhältnissen stammend, und dazu auch noch häßlich wie eine Pfütze in Aue. Wäre ja alles halb so schlimm gewesen, wenn sie wenigstens nett gewesen wäre, aber auch in der Hinsicht gab es bei ihr erhebliche Mängelerscheinungen. Dafür kann ich kein explizites Beispiel nennen, das muß man mir jetzt einfach mal glauben. Ich kann mich aber noch erinnern, daß wir mal zur Weihnachtsfeier so ein albernes Spiel gespielt haben, wo wir in einer Reihe (abwechselt Junge-Mädchen) über einen Tisch liefen und wenn die Musik ausgeschaltet wurde, mußten sich die zwei Personen auf dem Tisch einen Kuss geben. Ich befand mich dummerweise genau hinter Jacqueline und natürlich wurde, als wir auf dem Tisch waren, die Musik ausgeschaltet. Ich habe es wirklich versucht. Versucht mich mit aller Kraft zu überwinden und den Ekel hinterzuschlucken. Ich habe mein Bestes gegeben...und bin dann doch schreiend aus dem Zimmer gelaufen, anstatt sie zu küssen. Die Lehrerin mußte mich wieder reinholen, was sie erst schaffte, nachdem ich sie auf einen Händedruck runtergehandelt hatte. Ich weiß nicht mehr, wie Jacqueline darauf reagiert hat, aber ich denke und hoffe auch ein bißchen, daß das ein höchst-traumatisches Erlebnis für sie war.
Nungut, was haben wir noch...unsere Englischlehrerin Frau Sikula mit 3 Stimmen, Hausaufgaben und Torsten wurden zweimal genannt (da könnte ich jetzt noch die Geschichte vom "Anti-Torsten-Club" herauskramen, aber die erzähle ich ein anderes Mal), außerdem noch Ronny, Marcel, wenn die Pizza kalt wird, Zunge (?), Krieg, Hass, Prügel (vom Vater oder von Mitschülern ?), Fisch und Herr Nagel, unser Sportlehrer.

Bleibt noch der Vollständigkeit halber die Kategorie "Ich wünsche Dir..." und 19 Mal wurde mir hier Viel Glück im Leben gewünscht, Gute Zensuren (7 Mal), Glück in der Liebe / Gesundheit / schöner Beruf je dreimal, sowie Geld und ein langes Leben einmal. Dabei ist noch anzumerken, daß im Grunde nichts davon wirklich eingetreten ist, was durchaus bedauerlich ist.

Ja, damit endet nun diese vollkommen unnütze Auswertung, die es noch nicht einmal Wert ist, ein Fazit darüber zu ziehen. Darum höre ich an dieser Stelle auch einfach auf zu schreiben.

02.12.2007 um 05:54 Uhr

Der letzte, deutsche Schnee

von: Solus

Ab sofort ist die neue, und was noch besser ist kostenlose Erdmöbel-Weihnachts-Single runterladbar.

"Der letzte deutsche Schnee" heißt sie, und Erdmöbel wollen damit wahrscheinlich nicht nur weihnachliche Freude verbreiten, sondern auch mit den letzten 12 Monaten abschließen. Vor einem Jahr berichtete ich ja schon wenig begeistert über "Weihnachten ", ihre eingedeutschte Coverversion von "Last Christmas", und war dann noch weniger von der Nachricht begeistert, daß ein ganzes Album mit solchen Coverversionen folgen würde. Das ist zwar ansich relativ brauchbar ausgefallen, aber es geht eben trotzdem nichts über eigenes Material. Ich denke, die Kritik mußten sich Erdmöbel in den letzten Monaten oft anhören, sicherlich auch einhergehend mit der Frage, ob sie nach ihrem Wechsel zu einem Major Label nun kommerziell geworden sind, und darum setzt man jetzt eben unter diesem Kapitel den unkommerziellen, selbstgeschriebenen Schlußpunkt. "Der letzte deutsche Schnee" ist vielleicht etwas inhaltsarm und dafür sehr refrainlastig, aber das ist nun mal die typische Form für ein seasonbedingtes Lied. Und wie heißt es doch so schön; einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul. Also will ich auch gar weiter nörgeln, sondern sage einfach: Wer will, klickt hier !

20.11.2007 um 09:47 Uhr

Offener Brief an David Lynch

von: Solus

Musik: Angelo Badalamenti - Country Waltz

Dear David Lynch,

Your plan of building the "Universität des unbesiegbaren Deutschland" in Berlin put me in great euphoria and happiness. How fantastic it would be, to have a man of your format in strong connection with my country ! Only hours later the sad news reached me, that the capital's administration forbid the construction only to save a forest. Damn those treefuckers ! So I started to ask myself, how this great project can be saved. And as the Chinese use the same word for "defeat" and "chance", I see a big chance in this terrible decision, a big chance for my hometown Chemnitz.

You must know, Chemnitz is a very nice little town. Of course the landscape around here is not as beautiful as the scenery of Twin Peaks, and we have no elephant man in the zoo, but at least here are living bums on the street, that look as ugly as the one in your "Mullholland Drive" (by the way, that scene scared the shit out of me !). Also the people of Chemnitz are very friendly. We're dancing and playing funny games all the time and we are open-minded to people, who tell us about a better life. But what is even more important for you, there is a great place where you can build your university, a big hole directly in the middle of Chemnitz called the "Conti-Loch". It is there for many, many years and our mayor would be doing everything for you, if you buy this hole and put a building in it. And don't fear that nobody will come to your school ! We have a lot of dumb nazis here, who will, after hearing the name of your university, happily paying their last shirt for joining your courses. Even my aunt will properly join, because she has a chronic tinitus and is currently looking for a meditation course.

So come to Chemnitz - the door to the Erz-Mountains and home of the Karl-Marx-Head, and bless us with the presence of your "Universität des unbesiegbaren Deutschland" ! You won't regret it !

P.S. If you have some money left, it would be very kind of you to build us (and for your own advantage as well) an airport too...

15.11.2007 um 10:10 Uhr

Huch, Schnee !

von: Solus

Kommt mir das nur so vor, oder schneit es dieses Jahr früher als sonst ? Zumindest habe ich den ersten Schneefall komplett verpasst. - ich schob irgendwann Abends die Gardinen zur Seite und da war er schon überall. Schade eigentlich, denn der erste Schnee ist ja schon etwas ganz besonderes, die Ouvertüre für die festlichen Dezember-Wochen sozusagen. Wenn Weihnachten ein Kinofilm wäre, der erste Schnee wäre der Moment, in dem das Licht ausgeht.
Als Kind habe ich mich immer sehr auf diesen speziellen Moment gefreut, und meine Mutter hat natürlich meine infantile Leichtgläubigkeit ausgenutzt, indem sie jedes Jahr darauf wartete, daß der Himmel voller Schnee hing, um mich dann daran zu erinnern, daß wenn man laut "Schneeflöckchen, Weißröckchen" singt, es zu schneien beginnt. Dann verließ sie den Raum, damit ich das "heimlich" in die Tat umsetzen konnte, und tatsächlich - kurze Zeit später schneite es auch schon. "Hast Du etwa Schneeflöckchen, Weißröckchen gesungen ?" fragte mich meine Mutter dann im gespielt strengen Ton und ich schüttelte natürlich den Kopf. "ICH doch nicht, sowas würde ICH doch NIE tun !".

Inzwischen weiß ich natürlich, daß ich von meiner Erzeugerin gar schändlich reingelegt wurde, und seit ich das weiß, hat es sich auch endgültig ausgeschneeflöckchend. Dafür habe ich inzwischen aber ein anderes Lied gefunden, das vielleicht keinen Schnee von Himmel fallen läßt, aber zumindest den perfekten Soundtrack dafür darstellt. Das Lied nennt sich Untitled 3, oder auch Samskeyti (Attachment) von Sigur Rós. Als ich dieses Stück vor sechs Jahren zum zweiten Mal hörte, da war sofort dieses Bild in meinem Kopf; am Fenster stehen, in den weißblauen Himmel schauen und gespannt darauf warten, daß die erste Schneeflocke am Fenster vorbeischwebt, was auch sogleich passiert, gefolgt von immer mehr und mehr Flocken, die schon bald die gesamte Landschaft bedecken. Passt perfekt !
Und vielleicht kann dieses Lied es sogar tatsächlich schneien lassen, denn rein zufällig ist doch vor ein paar Tagen eine neue EP von Sigur Rós erschienen, auf der sich Untitled 3 als Unplugged-Version befindet. Das wurde von den deutschen Fans rauf- und runtergespielt, und jetzt haben wir den Salat - Anfang November und überall Schnee. Und bevor die sich nicht an der Platte totgehört haben, wird das Wetter wahrscheinlich auch nicht besser werden. Also stopft die Löcher in Euren Pudelmützen, kauft noch ein weiteres Paar Ohrenschützer und genug Taschentücher für den Ernstfall ! So, wie das Wetter jetzt ist, so wird es auch noch einige Wochen lang bleiben...

23.10.2007 um 09:34 Uhr

Review: Radiohead - In Rainbows

von: Solus

Musik: Radiohead - I might be wrong

Eigentlich kaum verwunderlich, gleichzeitig aber auch etwas erschreckend, daß schon am Erscheinungstag des neuen Radiohead-Albums "In Rainbows" sofort im Netz die ersten Reviews zu finden waren. Spätestens zwei Tage später hatten sich alle großen und kleinen Musikmagazine ihre Meinung gebildet und sie auch online kundgetan. Man will natürlich aktuell sein, das ist nicht überraschend, nur wenn man einmal bedenkt, daß es von dem Album keine vorher erschienene Presse-Version gab, zeigt das im Grunde überdeutlich, wieviel Zeit sich so ein Musikredakteur heutzutage für ein Album-Review nimmt, nämlich zu wenig. Das wiederum ist ebenfalls gar nicht so überraschend, aber irgendwie hat man sich ja doch jedes Mal beim Lesen eines CD-Reviews insgeheim vorgestellt, daß der Redakteur sich über Tage hinweg mit dem Werk beschäftigt hat, oder ?
Nun, ich habe mir immerhin 12 Tage Zeit für "in Rainbows" genommen, was zwar sicherlich auch nicht ausreichend ist, denn Radiohead-Alben benötigen ja noch einmal besonders viel Zeit, bis man sie einschätzen kann, aber ich will es trotzdem einmal versuchen. Und auch wenn "In Rainbows" nicht so heterogen ausgefallen ist, wie das Vorgängeralbum, werde ich zwecks Übersichtlichkeit meine Einschätzung auf eine Einzelkritik der zehn neuen Lieder aufbauen. Beginnen wir also ohne weitere Verzögerung mit...

15 Step
Radiohead haben ja letztes Jahr bis auf "Faust Arp" sämtliche neuen Lieder des Albums während ihrer Tour mehrfach live gespielt, sodaß ich also schon ungefähr wußte, was mich erwartet. Als ich "15 Step" damals zum ersten Mal als Liveversion hörte, keimten in mir eher zwiespältige Gefühle auf. Einerseits wirkte der Song frisch und anders, und könnte dem musikalischen Spektrum der Band einen weiteren Farbton verleihen, auf der anderen Seite funktionierte er aber einfach nicht. Dem Anfang fehlte es an Substanz und generell klang das alles etwa zu eintönig. Das hatten auch Radiohead gemerkt, denn 15 Step veränderte sich während der Tour. Nicht viel, aber man merkte zumindest, daß sie daran arbeiten. So war ich mit dem Klick auf die Playtaste des Winamps vorallem erst einmal gespannt, ob die Studioversion endlich funktionieren würde. Und tatsächlich, sie tut es. Das Geflecht aus Schlagzeug und hektischen, übersteuerten Beats trägt den Song, diverse atmosphärische Klänge sorgen für die nötige Abwechslung. Außerdem hat man von der gruseligen Idee, Kindergeräuche in das Lied einzubauen, nahezu vollständig abgesehen. In einem Artikel auf der Homepage einer britischen Musikschule war nämlich vor ein paar Monaten zu lesen, daß Radiohead zu Gast waren und zusammen mit kleinen Kindern Aufnahmen gemacht haben. Dazu gab es auch Fotos, die vorallem klatschende Kinder zeigten, womit auch klar war, welches Lied die Plagen verschandeln würden. Im Endprodukt ist davon aber nur noch zweimal kurz ein von den Kindern gerufenes "Yeah!" zu hören. Für die Eltern der kleinen Bestien, die extra das Album kaufen, weil IHR KIND darauf zu hören ist, sicherlich enttäuschend, für den Rest der Menschheit eine Wohltat.

Bodysnatchers
Radiohead rockt. Das tun sie ja im Gegensatz zu früher kaum noch, sodaß wenn sich doch ein Rocksong auf ein Album verirrt, erst einmal der Generalverdacht besteht, er würde hauptsächlich existieren, um die Fans der ersten Stunde glücklich zu machen. Das kann auch tatsächlich der Fall sein (Go to sleep), aber meistens steckt dann doch noch mehr dahinter (2+2=5). Und glückerweise kann man auch das energetische Bodysnatchers dazuzählen. Vom Sound her nichts Neues, und Thoms Stimme wurde schlecht abgemischt, aber ansonsten durchaus gelungen.

Nude
Endlich ist es als Studioversion auf einem Album angekommen ! Nude, auch als "Big Ideas" bekannt, wird von Radiohead seit knapp 10 Jahren hin und wieder live gespielt und hat entsprechend den Status einer Legende. Als mir Radiohead vor zwei oder drei Jahren einmal in einem Traum begegneten, sagte ich ihnen, daß sie dieses Lied doch endlich einmal veröffentlichen sollen, und tatsächlich haben sie auf mich gehört.

Natürlich kann nun die finale Version den Erwartungen aber nicht ganz standhalten. Die Albumversion ist soweit in Ordnung, wenn man mal von der nicht ganz so clever gelösten Überblendung vom Zuckerwatte-Intro zur kühlen Bassline absieht. Es ist eben nur...wenn man die gottgleiche Liveversion kennt und liebt, die Radiohead am 2.4.98 in San Francisco aufgeführt haben , fällt die Studioversion dagegen ziemlich ab. Es fehlt die Hammond-Orgel, die dem Stück einen etwas rauen, aber auch hymnenhaften Charakter verlieh. Es fehlt auch die zusätzliche Textstelle; "She kisses you with tongues and pulls you to the bed...". In dem Moment packt einem das Lied doch erst ans Gemächt. Doch das wurde nun alles weggelassen, stattdessen heult Thom Yorke die Melodie und wird dabei von schmalzigen Geigen unterstützt. Man könnte sogar fast sagen, "Nude" wurde entmannt, glattpoliert und in verdorbenen Honig versenkt ! Und wenn ich mir das recht überlege, muß ich darum eigentlich sogar meine eben getroffene Aussage zurückziehen. Die Albumversion ist nicht in Ordnung ! Das Lied war vor zehn Jahren schon perfekt und jetzt hat man einfach alles kaputt gemacht.
Wehe, auf dem nächsten Album ist eine Studioversion von "True Love Waits" !

Weird Fishes - Arpeggi

Der nächste Schock. Was haben Radiohead denn aus diesem Lied gemacht ?
Bei seiner Uraufführung 2005 hieß es noch ausschließlich "Arpeggi" und bestand nur aus Steichern, Glockenspiel und den namensgebenden Arpeggien eines Synthesizers mit Arpeggiator-Feature. Für die Unwissenden; "Arpeggiator" ist eine Funktion bei Hard- und Software-Synthesizern. Man gibt einfach ein paar wenige Parameter an, wie die Note, die Tonart oder auch den Bereich, also z.B. den G-Dur-Dreiklang, und schon spielt der Arpeggiator jene Töne, immer wieder und wieder, rauf, runter, oder beides - wie man es möchte. Und wenn man dazu dann noch hin und wieder den Akkord wechselt, ergeben sich so schon fast ganze Lieder.
Nun produzieren ja mit dieser Arpeggiator-Funktion auch DJ Dolphin, Heinz Trance und wie die ganzen Gestalten aus den Technosampler-Werbungen alle heißen ihre Alben, und hätten Radiohead auf die gleiche Weise einen Song gemacht, wären die Album-Reviews gespickt mit entsprechenden Kritiken und Vergleichen. Keine große Komponierkunst, das kann doch jeder, etc. etc...also muß irgendwann einer der Jungs die Idee gehabt haben, das Problem zu umgehen, indem sie einfach die Arpeggien ganz klassisch mit einem richtigen Instrument spielen. Und das ist nun genau das, was man auf dem Album wiederfindet - ein Klangteppich bestehend aus Gitarrengeklimper, der von einem recht trocken abgemischten Schlagzeug in ein vollständiges Lied verwandelt wird, das, wenn man sich nach mehrmaligen Hören mit all dem erst einmal angefreundet hat, dann doch durchaus zu Gefallen weiß. Das Lied ist also sozusagen ein "Grower", wie wir coolen Radiohead-Fans sagen, aber ein kleines Fragezeichen bleibt letztendlich doch, ob Weird Fishes nicht noch viel mächtiger sein würde, wenn die Instrumentierung weniger weltlich, sprich elektronischer ausgefallen wäre.

All I Need
Ein polarisierendes Stück Liedgut. Die einen verfluchen es, oder beschimpfen es gar mit "das klingt wie U2", andere finden "All I Need" richtig toll. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich genau dazwischen. Das Lied ist schon in Ordnung, ja, aber es klingt eben alles auch irgendwie angestaubt. Wäre "All I Need" vor ein paar Jahren erschienen, Radiohead hätten einen Klassiker mehr, den sie auf ihren Konzerten spielen könnten. So aber ist man als Fan inzwischen vielleicht nicht Bessere, aber andere Musik gewöhnt. Es ist eben auch immer alles eine Frage des richtigen Zeitpunkts. "Exit Music" würde wahrscheinlich auf die selben geteilten Reaktionen treffen, käme es jetzt erst auf die Welt.

Faust Arp
Wurde als einziger Song auf dem Album noch nie live gespielt und stellt somit das Überraschungsei auf dem Album dar. Und überrascht ist man tatsächlich, denn wir haben es mit einem nur 2 Minuten langem, einfach gehaltenem Stück zu tun. Gitarre, Steicher, Thom Yorke. Mehr will es nicht sein, mehr braucht es auch nicht. Nett.

Reckoner
Seit 2001 geistert ein Lied namens "Reckoner" auf den Konzerten herum. Das wurde nun scheinbar entgültig begraben, denn das "Rechoner" auf dem Album klingt anders und hat einen komplett anderen Text. Aus einem lauten Rocksong wurde ein lauter Popsong. Thoms Gesang klingt wunderbar traurig, das gesamte Lied ist in einem Hauch von "I will" gehüllt. Trotzdem stellt es für mich nicht die ganz große Offenbarung dar. Irgendetwas fehlt. Das gewisse Etwas wahrscheinlich.

House Of Cards
Optimisten werden sagen, daß der Song ziemlich entspannt ist, Pessimisten hingegen finden ihn schlichtweg schnarchig. Im Grunde wäre alles auch nur halb so schlimm, wenn das Lied nur nicht so lang sein würde. Aber weil Radiohead eine sadistische Seite besitzen, die sie auf jedem Album an irgendeiner Stelle ausleben müssen, stellt "House of Cards" nun sogar den längsten Track auf dem Album dar. Na Vielen Dank.

Jigsaw Falling Into Place
Hieß ursprünglich "Open Pick" und kann sich ebenfalls zu den Gewinnern zählen, die mit dem Sprung auf das Album nun besser klingen, als vor einem Jahr. Mir persönlich fehlt zu dem Lied aber dennoch der nötige Zugang. Es ist...nett, um schon wieder ganz bewußt dieses Adjektiv zu benutzen. Es ist aber auch nichts, was eine andere Band nicht auch hinbekommen hätte. Radiohead haben ihre persönliche Note zu wenig herausgearbeitet. Darüber muß man sich auch nicht unbedingt beschweren, aber man kann.

Videotape
Zum Schluß des Albums noch ein letzter, kleiner Schock, der in die gleiche Richtung geht wie die erste Reaktion auf "Weird Fishes". Von "Videotape" hatte man eigentlich auch erwartet, daß es ganz großes Kino werden würde, doch stattdessen liefern Radiohead nun gerade Mal ein Homevideo ab. Das Klavier klingt unspektakulär, Thoms Stimme ist erneut sehr trocken abgemischt. Dazu setzen bald noch merkwürdige Drum-Spielereien ein und lassen, wenn man das Lied vorher schon kannte, unweigerlich die Frage aufkommen, was Radiohead denn mit dem wunderschönen "Videotape" veranstaltet hat. Aber auch hier gilt wie bei "Weird Fishes", daß man seine Erwartungen beiseite schieben und den Song mehrmals anhören muß, bis man ihn mag, denn so unüberlegt ist diese Version nämlich gar nicht. Radiohead haben ganz bewußt den Song wieder auf den Boden zurückgeholt, um die Wirkung einer auf Magnetband gebannten Realität nicht mit der Live-Realität gleichzusetzen. Würde man ein Lied über eine Hochzeit singen, dann müßte das ja auch größer klingen, als wenn man ein Lied über ein Videoband singt, auf dem die Hochzeit aufgenommen wurde. Und die Drums stellen natürlich das rhythmische Stolpern der Kassette im Videorekorder dar. Da hatten Radiohead doch noch ein paar kluge Gedanken und lassen so "In Rainbows" zwar nicht mit einem Knall, aber in Würde enden.

Dem aufmerksamen Leser werden nun nach dem Studium meiner Einzelkritiken vielleicht zwei Dinge aufgefallen sein.
Erst einmal hatte ich zu den Liedern zwischen "Weird Fishes" und "Videotape" nicht sonderlich viel zu sagen. Das Wort "nett" fiel ein paar Mal, oder ich nörgelte etwas herum - aber das war es dann. Und das liegt daran, daß die Stücke auch gar nicht so viel hergeben. Mich erinnert das Album sehr an die "Amnesiac", das ebenfalls keine musikalischen Monolithen aufwies, die einmal aufgerichtet über allem stehen und die man schon aus der Ferne sieht. Und wöllte man jemanden ein Lied von Radiohead vorspielen, um Interesse bei ihm für diese Band zu wecken, man würde weder zu besagter "Amnesiac", noch zu "In Rainbows" greifen. Nur während man 2001 noch viele Überraschungen geboten bekam und die Songs auch einen etwas experimentellen Charakter besaßen, somit also viel interessanter waren, kommt das neue Album äußerst konventionell daher. Es beginnt großartig, es endet großartig, aber dazwischen fehlt es an Wahnsinn, Innovation oder zumindest an Qualität auf höchsten Niveau. Radiohead müssen ja nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, nur möchte ich auch kein Album haben, das stellenweise schon fast nach einer B-Seiten-Sammlung klingt. (Was andererseits natürlich in Ordnung ist, wenn alle Lieder so schön wie "How I made my millions" wären).
Der zweite große Kritikpunkt, der sich durch mein Review zieht, ist die Abmischung des Albums. Vorallem wenn man es über Kopfhörer anhört, klingt "In Rainbows" teilweise so, als wäre es in irgendeinem kleinen Hinterhofstudio produziert. Vielleicht liegt es daran, daß einige oder gar alle Tracks binaural aufgenommen wurden, die Alben davor hatten jedenfalls mehr Volumen, wie auch eine bessere Instrument-Aufteilung. Vorallem das Schlagzeug ist stellenweise zu mittig positioniert und klingt viel zu trocken. Eventuell ist das auch alles gewollt, um eine privatere Atmosphäre zu schaffen. Intimität statt Konzernhalle. Radiohead sitzen bei mir in der Küche und spielen nur für mich allein. Kann man machen, aber nur wenn die Lieder, die man dann spielt, auch wirklich etwas hergeben. Wobei wahrscheinlich selbst Idioteque niemandem mehr kalte Schauer über den Rücken jagt, wenn man es auf binaural-aufgenommenen Kochtöpfen performt.

Fazit: Trotz meiner überkritischen Herumnörgelei finde ich "In Rainbows" nicht so schlecht, wie es jetzt vielleicht scheint. Es ist nur eben frustrierend, wenn man an vielen Stellen fühlt, daß alles noch viel besser hätte sein können und noch viel mehr drin gewesen wäre, als nur ein nettes Album.
Im Dezember erscheint dann übrigens die Special-Edition auf CD, sodaß zumindest noch eine kleine Hoffnung besteht, daß das Album, welches bis jetzt ja nur in häßlicher 160kbpsMP3-Qualität erhältlich ist, so dann doch noch etwas besser klingt, und da sich auf der dazugehörigen BonusCD ganze 8 weitere Stücke befinden, habe ich die Hoffnung, daß damit alle Songs, die Radiohead in den letzten vier Jahren geschrieben haben, damit unter das Volk gebracht sind, sodaß die Jungs unbelastet die nächste, hoffentlich bessere Schaffensperiode anbrechen können.

09.10.2007 um 09:31 Uhr

Peanut butter

von: Solus

Musik: Tschaikowski - Nussknacker Suite Hauptthema

Erdnussbutter - das unbekannte Wesen.
Zumindest für mich, denn bisher sah ich diesen geheimnisvollen Brotaufstrich nur von Weitem und stets befand sich eine Glasscheibe zwischen uns, denn wenn man Erdnussbutter irgendwo erspäht, dann doch im Fernsehen, wenn gerade eine amerikanische Serie läuft. Meist sind es übergewichtige Sitcom-Darsteller, die mit der Familie am Frühstückstisch sitzen und sich fleißig das Hülsenfruchtstreichfett auf die Schnitten schmieren, oder auch einfach mal so mit der puren Hand ins Butterglas greifen, um sich dann einen großen Patzen davon in den Mund zu stecken. In meinen kühnsten Fantasien konnte ich mir nie ausmalen, wie toll das doch schmecken muß, diese ambrosiaeske Masse purer geschmacklicher Freude, die für unzählige amerikanische Großfamilien das Hauptnahrungsmittel darstellt. Als ich dann noch "Claire" aus der amerikanischen Fernsehproduktion "Lost" sah, wie sie seufzend am Strand saß, sehnsüchtig auf das Meer hinausblickte und bedeutungsschwanger zu der Erkenntnis kam "Ich bin zwar mit dem Flugzeug auf einer mysteriösen Insel abgestürzt und werde seitdem von mutierten Eisbären, cholerischen Rauchmonstern und psychopathischen Fremden bedroht, aber was mich wirklich richtig ärgert ist, daß es hier keine Erdnussbutter auf der Insel gibt !", habe ich seitdem den Entschluß gefasst, daß bevor ich ins Gras beiße, ich erst einmal noch in ein Erdnußbutterbrötchen beißen werde.

Heute war es nun endlich soweit. Ein kleines Gläschen güldener Freude wartete darauf, von mir gekostet zu werden. Endlich würde ich zu dem kleinen Kreis von Europäern gehören, deren Lippen schon einmal jenes Kultnahrungsmittel aus Übersee berührt haben. Also entzweite ich ein Brötchen, strich behutsam die Erdnussbutter darauf und biss dann hinein, in das zubereitete Mahl. Und schon entbrannte in mir eine einzige Frage  - Was ist denn das für ein Dreck ?!

Also erst einmal fand ich es schon überraschend, daß Erdnussbutter derartig nach Erdnüssen schmeckt. Hätte man vielleicht auch schon eher drauf kommen können, aber ich meine, Apfelsaft schmeckt doch auch nicht nach Äpfeln, und Bierwurst nicht nach Bier, da muß Erdnussbutter doch nicht zwangsläufig einen penetranten Nussgeschmack besitzen. Den hat man doch schon nach zwei Bissen satt ! Aber was noch schlimmer ist, das Zeug hat die Konsistenz von Schuhcreme. Da bleibt einem nicht nur sprichwörtlich die Spucke weg, wenn sich diese zähe Masse im Mund verteilt. Was für eine Enttäuschung ! Dagegen ist selbst Nudossi eine geschmackliche Offenbarung.

Letztendlich ist damit das Fazit meinerseits eindeutig: Erdnussbutter ist eine Ausgeburt der Hölle, die auf die Erde gesandt wurde, um kulinarischen Terror zu verbreiten. Aber zumindest verstehe ich nun endlich, warum in den Sitcoms immer künstliche Lacher eingespielt werden, wenn jemand diesen unsäglichen Brotaufstrich isst. Bei der Darstellung einer Person, die ernsthaft und frohgelaunt Erdnussbutter verspeist, kann es sich schließlich nur um einen Scherz handeln.

04.10.2007 um 04:32 Uhr

Die groooooße Youtubevideoparade

von: Solus

Was ich schon lange einmal tun wollte, ist auf ein paar youtube-Videos hinweisen. Aber keine Angst, weder werde ich hier das einäugige, "I will survive"-singende Alien oder den besoffenen, burgermampfenden David Hasselhoff präsentieren, sondern wirklich tolle Videos, die hoffentlich noch nicht bekannt sind.

Also fangen wir direkt an mit einem jungen Mädchen, das die Welt darum bittet, ihre Lieblingsband "Tokio Hotel" in Ruhe zu lassen...
Ha, ein kleiner Scherz, wirklich beginnen möchte ich mit "Musik 2000". Dabei handelt es sich um einen Zusammenschnitt aus der brittischen Comedysendung "Look around you", die in ihrer ersten Staffel die mehr oder weniger wissenschaftlichen Lehrvideos aus den 80ern parodierte, und in ihrer zweiten Staffel nun auf das klassischere Fernsehen direkt abzielt. So werden wir Zeuge eines professionellen Wettbewerbs, der ermitteln soll, welche Musik denn im Jahr 2000 gehört werden wird.
-> Musik 2000 , Spielzeit 10min.

Weil wir gerade beim Thema Musik sind, geht es gleich weiter mit "A Boy like Tom". Der legendär-peinliche Auftritt von Tom Cruise bei Oprah Winfrey ist natürlich wirklich schon ein verdammt alter Internetvideohut, aber ein findiger Videokünstler hat sich nun daran gemacht, den Auftritt in eine wahnwitzige Videocollage zu verwandeln und die mit Patrick Wolfs "A Boy like me" zu unterlegen. Sollte auch für diejenigen, die mit der Musik nichts anfangen können, recht unterhaltsam sein, zumal nicht nur Tom Cruise, sondern auch all die bescheuerten jungen Frauen im Publikum mit ihren strahlenden Gesichtern in den Fokus gerückt werden.
-> A boy like Tom , Spielzeit 3.50min.

Das hier ist vielleicht wirklich schon jedem bekannt, aber falls nicht, könnte es ja auf die eine oder andere Katzenbesitzerin inspirierend wirken...

Aber werden wir nun wieder etwas ernster und widmen uns Mark Twain. Über seine Person wurde Mitte der Achtziger ein netter Knetgummi-Kinderfilm hergestellt, der eine für Kinder wahrscheinlich etwas zu gruselige Szene enthält, die Mark Twains Roman "The Mysterious Stranger" zusammenfasst. Der letzte Satz geht leider etwas unter, darum hier noch einmal komplett: ""It is true, that which I have revealed to you; there is no God, no universe, no human race, no earthly life, no heaven, no hell. It is all a dream -- a grotesque and foolish dream. Nothing exists but you. And you are but a thought -- a vagrant thought, a useless thought, a homeless thought, wandering forlorn among the empty eternities!"
-> The Mysterious Stranger , Spielzeit 5min.

Als nächstes hätte ich noch eine Folge von "Sprockets", eine alte Sketchreihe mit Mike Myers aus Saturday Night Life. Zusammen mit Gaststar Kyle MacLachlan (Twin Peaks, Dune) begibt er sich auf die Suche nach "Germany's most disturbing home videos". Soll wohl alles eine Parodie auf die deutsche Kunstszene der Achtziger sein und ist eigentlich auch weniger witzig, als mehr skuril. Aber kann man ja trotzdem mal gucken, also...
-> Sprockets , Spielzeit 8.48min.

Erfreuen wir uns zum Schluß noch am Intro der alten Kinderserie "Kidd Video", die ich früher immer Sonnabend Vormittag auf RTL geschaut habe, obwohl ich sie langweilig fand. Aber man hat damals eben jeden Scheiß geguckt. Es gab ja sonst nichts...
-> Kidd Video , Spielzeit erfreuliche 1.28min.

02.10.2007 um 09:03 Uhr

"Your ears should be burning"

von: Solus

Musik: Radiohead - Nude (live)

Die Nachricht schlug gestern ein wie eine Bombe - das neue Radiohead-Album ist ab dem 10.Oktober erhältlich. Das ist natürlich erst einmal bombig für den Radioheadfan ansich, wartet der doch schon seit mindestens 2003 auf das siebende Studioalbum. Das eigentlich Bombige an der Bombennachricht betrifft aber alle Musikbegeisterten, denn Radiohead gehen mit ihrem Album neue Wege...

Den meisten wird sicherlich sofort das Releasedatum aufgefallen sein - während man auf ein Album heutzutage schon mal ein halbes Jahr nach dessen Ankündigung warten muß, um es endlich hören zu können, wird "In Rainbows", so heißt das neue Album, schon in 10 Tagen erscheinen. Und zwar als Download im Radioheadschen Eigenvertrieb, und dieser Download kostet...soviel man will. Der Kunde ist zum ersten Mal tatsächlich König und darf selbst bestimmen, wieviel er für den Download zahlt - das können z.B. 19,99 Pfund, oder aber tatsächlich 0,00 Pfund. Auf Anfrage wurde es inzwischen noch einmal bestätigt, wer für das neue Album nichts zahlen möchte, zahlt eben nix !

Um mal aus einem Artikel von greenplastic.com einen nicht näher genannten amerikanischen Produzenten zu zitieren: "Radiohead ist die beste Band der Welt; wenn Du für die Musik der besten Band der Welt zahlen kannst, was Du willst, warum solltest Du 13$ oder 0,99$ für Musik eines weniger talentierten Künstlers bezahlen ? Sobald Du einmal diese Tür geöffnet hast und Musik legal verschenkst, bin ich mir nicht sicher, ob es noch einen Weg davon zurück gibt." Der Autor dieses Satzes denkt da natürlich auf in einem etwas zu lokalem Level. In Deutschland z.B. ist Radiohead ja nur ein Geheimtipp. Entsprechend interessiert es vorerst auch niemanden, ob sie ihre Musik verschenken. Und wahrscheinlich gibt es auch von vielen Seiten Einspruch, daß sie wirklich die beste Band der Welt sind. Im Grunde sind sie natürlich die legitimen Beatles-Nachfolger, nur ist die globale Musiklandschaft inzwischen sehr viel größer als damals und der Mainstream-Musikgeschmack hat sich in mehrere Untermainstreams gespaltet. Es ist gar nicht mehr möglich, eine Band oder einen Künstler über den Rest zu stellen und zum König zu erklären, weil dieser König nicht seine Funktion für jeden Konsumenten erfüllen könnte. Selbst so eine universelle Band wie Radiohead kann das nicht, und so wird wahrscheinlich, sollte diese Preispolitik etwas in Bewegung setzen, es eher die Produzenten beeinflussen, anstatt die Konsumenten. Soll heißen, der Musikliebhaber wird nicht zu dem Entschluß kommen, kein oder nur wenige Geld mehr für das neue Album seines Lieblingskünstlers auszugeben, weil andere gezeigt haben, daß das möglich ist, sondern es könnte eher andere erfolgreiche Musikgrößen dazu animieren, es Radiohead gleichzutun. Ein David Bowie z.B., der nicht nur musikalisch, sondern auch wirtschaftlich immer visionär agiert hat, wird sich sicherlich gestern in den Hintern gebissen haben, nicht zuerst den Schritt gegangen zu sein, und könnte, wenn er denn mal wieder ein neues Album produziert, dann nachziehen. Aber auch der Rest, von den alteingesessen U2, bis hin zu Coldplay, die sowieso immer wieder gern mal Radiohead kopieren, könnten viele Musikschaffende in den kommenden Jahren in den Eigenvertrieb wechseln und ihren Fans dann ein Nahezu-Gratis-Album spendieren. Diese Art von Einfluß besitzt Radiohead nämlich tatsächlich,  und daraus könnte dann doch der gesamte Musikmarkt auf den Kopf gestellt werden.

Bis dahin wird es sicherlich wohl noch etwas dauern, aber wenn es einmal soweit sein sollte, wird Radiohead als einer der Auslöser dafür in den Geschichtsbüchern landen. Die großen Revolutionäre, die ganz frech die kapitalistische Musikindustrie stürzten. Eventuell wird dann aber auch verschwiegen, daß die Jungs trotzdem dafür gesorgt haben, daß sie ein paar Mark dazuverdienen, denn neben dem Download, für den man ja natürlich auch den üblichen Betrag bezahlen kann, wenn man will, gibt es auch noch eine Sonderedition zu kaufen - besteht aus dem Album, einer zweiten CD mit 8 weiteren neuen Liedern, das Ganze extra noch einmal auf Vinyl, sowie als Download, plus Artwork, Photo- und Textbuch. Kostet zusammen stattliche 40 Pfund und ist dann doch erst Anfang Dezember erhältlich. Selbst die visionärsten Revolutionäre haben eben zu hause ein Frau sitzen, die ziemlich stinkig werden kann, wenn Abends nicht die Brötchen auf dem Tisch liegen...

28.09.2007 um 21:28 Uhr

Unser Lied

von: Solus

Eigentlich wollte ich gar keine rein instrumentalen Stücke mehr schreiben, aber nachdem so nebenbei etwas halbwegs Brauchtbares entstanden war, mußte ich das natürlich auch zu Ende bringen. Das Ergebnis nennt sich nun "Unser Lied", klingt stellenweise so langweilig wie all meine anderen elektronischen Kompositionen, wurde aber von meinem befreundeten Testpublikum doch recht positiv aufgenommen. "Ist zumindest keine Zeitverschwendung, sich das mal anzuhören." meinte der eine, während der andere sogar fand "Ist eines Deiner besseren Lieder - wohl vorallem, weil Du diesmal nicht singst.". Also möchte ich meine unzähligen Fans hier nicht weiter auf die Folter spannen und komme zur offiziellen Veröffentlichung...

Unser Lied

Den Inhalt meines großartigen Stückes verrate ich als ernsthafter Künstler natürlich nicht. Nur soviel; auch wenn sich die Trompete eher wie ein Jagdhorn anhört, wird da nicht die Geschichte eines Jägers erzählt.

23.09.2007 um 19:50 Uhr

Projekt 2009 - der Weg zu einer wirklich funktionierenden Regierung

von: Solus

Musik: Basia Bulat - Snakes And Ladders

Regierungspolitik läuft zur Zeit in etwa so ab: Die CDU hat plötzlich einen ihrer typischen Geistesblitze, der z.B. so aussehen kann: "Wir könnten doch mal HartzIV um 50% kürzen.". Daraufhin verkündet der Koalitionspartner, vertreten durch Kurt Beck, der unrasiert aber gewaschen vor die nächst-beste Kamera springt "Solange die SPD mitregiert, wird HartzIV nicht gekürzt !". Während die Gazetten noch mit dem Druck dieser Aussage beschäftigt sind, läßt ein bekannteres Gesicht der Christdemokraten zum Interview bitten und philosophiert darin über noch viel tiefgreifendere Maßnahmen. In unserem Beispiel wäre das so etwas wie "Man könnte sogar überlegen, HartzIV ganz abzuschaffen und alle Bürger bei Verdacht auf Arbeitslosigkeit einfach zu liquidieren." Natürlich ist jetzt die Aufregung groß und Sozial-Hardliner Beck beruft sofort die nächste Pressekonferrenz ein, um der Welt mitzuteilen: "So geht das aber nicht ! Nicht mit uns Sozialdemokraten ! Wir sind maximal bereit, HartzIV um 50% zu kürzen !". Die CDU gibt dann enttäuscht klein bei und nimmt den Kompromiss an.

Dem ausgefuchsten Leser wird es aber vielleicht aufgefallen sein; so ein richtiger Kompromiss ist das ja eigentlich gar nicht, denn die CDU hat doch genau das bekommen, was sie eigentlich auch wollte, und nicht nur das, ihr Koalitionspartner denkt auch gar nicht daran, es ihr einmal gleich zu tun, um so entweder selbst aktiv Regierungspolitik zu betreiben oder zumindest die überzogenen Gesetzesentwürfe des Partners zu neutralisieren. Der Grund dafür ist, daß für die SPD jeder theoretisierte Sprung ins politische Extrem des Möglichen die Forderung nach einer Politik wäre, für die DIE LINKE steht. Und mit der will man doch nichts zu tun haben. Pfui bäh aber auch - diese vermaledeite Linkspartei !
Würde die SPD z.B. plötzlich fordern "Wir sollten HartzIV erhöhen", gefolgt von der Übersteigerung "Wir sollten eigentlich HartzIV sogar abschaffen und durch eine gerechtere Unterstützung ersetzen.", könnten Gysi, Lafontaine und Co. sofort darauf hinweisen, daß das ja schon seit Langem in deren Parteiprogramm steht, und wären nicht schon so viele Wähler auf den Links-Zug aufgesprungen, hätte die SPD so etwas nie gefordert, sodaß man jetzt erst recht Die Linke wählen sollte, um die Politik der SPD und damit der Regierung noch mehr zu beeinflussen.
Die SPD kann also weder Politik antäuschen, noch auf die Aufmerksamkeits-Trommeln schlagen, ohne dabei ins nächste Umfragetief zu stürzen - ein Zustand, der die Partei in eine Horde verkrampfter, handlungsunfähiger Fliegengewichtsboxer verwandelt hat - sich ständig in der Rückwärtsverteidigung befindend und vom verbündeten Gegner immer wieder vorgeführt. Und so hat sich das von vielen gewünschte pragmatische Regierungskonstrukt der Kompromiss-Mitte seit Beginn des Merkelschen Amtsantritts recht schnell in eine Mitte-Rechts-Administration verwandelt, die sich selbst und die Bürger permanent über die Medien manipuliert, um einseitig-ideologische Politik betreiben zu können. Dabei wäre es tatsächlich interessant gewesen zu sehen, ob etwas Vernünftig-produktives herausgekommen kann, wenn der "head of state" mit einer linken und einer rechten Gehirnhälfte arbeitet.

Dank des sozialdemokratischen Totalausfalls wird daraus nun bis zur nächsten Bundestagswahl jedenfalls nichts werden. Also lasst uns doch 2009 einen anderen Schritt gehen, eine neue Richtung, die das Experiment wiederholt und dabei alles besser macht. Dazu müssen wir es zur nächsten Wahl einfach hinbekommen, daß CDU und DIE LINKE auf jeweils 40% der Stimmen kommen und eine Koalition bilden müssen !
Ich weiß, das könnte etwas schwierig werden, aber wenn dann z.B. die CDU plötzlich sagt "Lasst uns doch einfach alle Leute verhaften, die schon einmal ein Terrorcamp besucht haben.", gefolgt von der Überspitzung "Am besten sollten wir gleich alle verhaften, die sich generell schon einmal im arabischen Raum aufgehalten haben - dort campen die Terroristen doch sowieso an jeder Ecke...", kann Die Linke gleich zurückschießen und ihre eigene Über-Forderung stellen: "Wir sollten die Terroristen dazu ermutigen hier in Deutschland ihre Terrorcamps zu betreiben, diese dann selbst als Bürger besuchen und uns ausbilden lassen. Der ständige Umgang, den die Terroristen dadurch mit uns Deutschen haben, hilft ihnen sich zu integrieren, und irgendwann verstehen und achten sie dadurch unsere Kultur und lassen das terrorisieren sein, während wir selbst ebenfalls ein neues Verständnis für unsere islamischen Freunde gewinnen." Die CDU lehnt natürlich dankend ab, die Linken lehnen aber auch deren Vorschlag ab, und so bleibt einfach alles beim Alten - der BND wirft weiterhin ein Auge auf Terrorcampbesucher, schlägt bei Gefahr zu und kann somit vielleicht sogar einen ganzen Terrorring sprengen, anstatt daß nur einzelne Personen ins Gefängnis wandern. Funktioniert super und Deutschland bleibt ein weiteres Verschlimmbesserungsgesetz erspart.

Das CDU-LINKE-Modell könnte also wirklich Deutschland voranbringen, sodaß wir also zur nächsten Wahl unbedingt dieses bereits erwähnte 40%-40%-Ergebnis anstreben sollten. Dazu müssen natürlich erst einmal alle anderen Parteien an der 5%-Hürde scheitern, denn um eine Regierungsbeteiligung der Linken zu verhindern, würden wahrscheinlich notfalls sogar Schwarze, Rote, Gelbe und Grüne eine Koalition bilden - hauptsache die Linken kommen nicht an die Macht...
Also alle bisherigen Partei durchfallen lassen, außer einer neuen, extra für die Wahl gegründeten Partei: DIE NEUTRALEN. Sie tut nichts, bleibt jeglicher Politik gegenüber gleichgültig und verpflichtet sich mit keiner anderen Partei eine Koalition einzugehen. Ist also vollkommen unnütz, verhindert aber ein 50%-50%-Verhältnis, welches wiederum die Möglichkeit zuließe, daß einzelne Politiker von der jeweils anderen Partei dazu "überredet" werden könnten, bei bestimmten Gesetzesentwürfen gegen ihre Partei zu stimmen. 20% für die Neutralen ist in dem Zusammenhang also ein recht kluges Ziel und erspart dazu allen nicht CDU-Wählern das unangenehme Erlebnis, auf dem Wahlzettel bei den Christdemokraten ihr Kreuzchen zu machen, denn die CDU befindet sich in den Umfragen ja zur Zeit gerade bei 40% - kann man also gleich so lassen.

Etwas komplizierter erscheint da natürlich die Wähler der anderen Parteien dafür zu überzeugen, DIE LINKE zu wählen. Einige Leute, vorallem Stamm-SPD-Wähler werden partout nicht wollen - die wählen dann eben die Neutralen, aber der Rest muß da schon durch und für die Sozialisten stimmen. So illusorisch ist das aber ja eigentlich gar nicht, denn z.B. so ein Grüne-Wähler, wenn der mal ins Parteiprogramm der Linken schaut, wird er überrascht feststellen, daß die sogar noch grüner als die Grünen sind. Zur Bundestagswahl 2005 hatten die Grünen zum Beispiel keine Meinung zum Thema "Tempolimit für Autobahnen", die Linken hingegen waren der Umwelt zu Liebe explizit dafür. Außerdem träumt doch die Linkspartei von einer Zukunft, in der es kein Geld mehr gibt. Und Geld besteht bekanntlich aus Papier, welches noch bekanntlicher durch das Abholzen von Bäumen gewonnen wird. Ohne Geld sterben also weniger Bäume - eine wundervolle Vorstellung, die jeden Öko sofort dazu bringen müßte, der Linken seine Stimme zu geben. Das sind schließlich die wahren Grünen...und auch die wahren Gelben !
Ja, auch der gemeine FDP-Wähler, der sicherlich gewisse Vorbehalte gegenüber Lafontaine und Co. besitzt, wird seine Meinung ganz schnell revidieren, wenn er einmal in das Programm Der Linken schaut und über dessen Konsequenzen nachdenkt. Was da drin steht ?  - erst einmal "Jedem/jeder Schulabgänger(in) einen Ausbildungsplatz", aber was noch wichtiger ist: "Weiterer Ausbau der Kindertagesstätten zu Bildungseinrichtungen" und "Schaffung eines Netzes von Ganztags-Kitas und Ganztagsschulen". Das heißt also in der Praxis, daß in einer von der Linkspartei angestrebten Gesellschaft das Kind schon frühzeitig in die Fremdpflege abgeschoben werden kann, damit die Eltern weiter ungestört arbeiten können. Das Kind ist also jeden Tag im Kindergarten, lernt dort schon fleißig für den späteren Berufsalltag und kommt mehr oder weniger nur zum Schlafen nach hause, bis es die Schulreife erlangt, um ab dann von Früh bis Mittags brav in der Schule zu lernen und den gesamten Nachmittag mit Hausgaben oder anderen Gruppenaktivitäten (natürlich ebenfalls mit edukativem Hintergrund) zu verbringen, ohne dabei seine Eltern vom Arbeiten abzuhalten. Und wenn das Kind die Schule verläßt, macht es sofort eine Ausbildung und dann ab in die Berufstätigkeit. So nebenbei werden natürlich noch schnell ein, zwei Kinder gezeugt, was ja kein Problem mehr darstellt, weil man sich danach um die Plagegeister nicht weiter kümmern braucht und gleich wieder weiterarbeiten kann, bis man in Rente geht. Ganztägig Lernen->Ganztägig Arbeiten (und Gebären)->Sterben. So soll nach der LINKEN das Leben eines Bürgers aussehen, der damit ja eigentlich zum perfekten Arbeiter wird - der Traum eines jeden Kapitalisten, und damit auch der Traum eines jeden FDP-Wählers.

Die CDU-LINKE-Koalition ist also eigentlich zum Greifen nahe. Mit ein bißchen Koordination und gutem Willen könnten wir in zwei Jahren die Weichen für eine bessere Zukunft stellen - eine Zukunft unter einer Regierung, die endlich in beide Richtungen überdrehte Gesetzesentwürfe ausgespuckt, welche sich jedoch gegenseitig neutralisieren und den Bürger somit nicht weiter belästigen.
CDU und DIE LINKE - das Patentrezept gegen bescheuerte Politik !

27.08.2007 um 10:45 Uhr

eine heutigative Frage

von: Solus

Musik: Beirut - Postcards from Italy

Wie heißt eigentlich das Fremdwort für "damalig" ? Also "damalig" im Sinne von "Mein damaliges Ich war da noch ganz anderer Meinung, ais ich es heute bin." Ich hatte dafür neulich in einem ICQ-Gespräch einfach mal das Wort "präteritativ" (von "Präteritum" abgeleitet) erfunden und benutzt, aber mein Gegenüber stellte sogleich fest, daß es dieses Wort bei Google gar nicht gäbe. "präteritös" oder "präteritär" gibt es übrigens auch nicht; nur bei "prätemporal" findet es ein paar wenige, bedeutungslose Treffer. Letzteres klingt aber eigentlich auch eher nach Star Trek, die Raumschiff Voyager Ära um genau zu sein. "Mein Bioscan hat ergeben, daß sich ihr cerebraler Cortex in einem prätemporalen Fluß befindet. Das dürfte der Grund sein, warum sie in die Vergangenheit blicken können." - "Ist das schlimm, Doktor ?" - "Nein, Fähnrich Kim, diese Fähigkeit nennt sich >Erinnern<. Das kann jeder Mensch !" - "Schade. Und ich dachte schon, ich hätte nach 200 Folgen endlich mal eine interessante Storyline bekommen...". Mit dem Vokabular schlechter Science Fiction sollte man sich am besten auch gar nicht weiter abgeben, also zurück zu meiner Frage; welches Wort nimmt man denn da nun ? "präterital" wäre noch eine Möglichkeit, da spuckt Google auch gleich einen Verweis auf duden.de aus, welche das Wort als "das Präteritum betreffend" definiert. Klingt erst einmal ganz gut, nur mit knapp 270 Suchtreffern, die sich allesamt um die Erklärung der deutschen Grammatik drehen, scheinbar auch nicht passend. Eine weitere Spur führt von dem Wort "Präteritum" weg zur anderen Vergangenheitsform, dem "Imperfekt". Zum gleichnamigen Adjektiv findet es auch gleich jede Menge Einträge, nur stimmt da der Kontext nicht. "imperfekt" wird nur als Gegenstück zu "perfekt"/"vollständig" benutzt, also ist es auch nicht das Richtige, oder ?

Also, hat jemand das richtige Wort parat ? Wenn ja, dann ist das hoffentlich kein allseits Bekanntes, bei dem ich mich dann schämen muß, daß es nicht kenne, bzw. es mir entfallen ist. Falls keiner eine Antwort hat, möchte ich an dieser Stelle schon einmal aufrufen, ab sofort das Wort "präteritativ" zu benutzen, damit dieses von mir erfundene Adjektiv mein Vermächtnis an die Welt wird. Ich möchte, daß in hundert Jahren einmal die Menschen über mich sagen "Aus präteritativer Sicht gesehen war dieser Mensch verdammt klug, aus heutiger Sicht sogar ein Genie !"

Dabei fällt mir gerauf auf, welches Fremdwort benutzt man eigentlich für "heutige"...

10.08.2007 um 08:04 Uhr

The Kids aren't alright

von: Solus

Musik: Knorkator - Ich verachte Jugendliche

Waghalsigkeit gab es schon immer, ja, aber das selbstdestruktive Verhalten der Jugend heutzutage ist schon irgendwo neu. Seien es die S-Bahn-Surfer, die für den kurzen Adrenalinschub ihr Leben riskieren und Selbiges wohl in einigen Ländern wie Südafrika auch schon zu Hauf verloren haben, sei es das inzwischen überall zelebrierte Koma-Saufen, der in gewissen Kreisen praktizierte vorsätzliche Sex mit AIDS-Kranken oder aber, wie ich neulich in einem Sommerloch-Fernsehbericht sah, nun inzwischen auch das Heranhängen an Schiffen, die in den Flüssen fahren, bzw. das Hineinspringen in Selbigen von hohen Brücken, bei dem auf Grund des niedrigen Wasserstandes auch schon mal das eine oder andere Genick brechen kann. Harmloserer Nervenkitzel scheint den Pubertätsdurchschreitern nicht mehr zu genügen. Es muß eine reele Gefahr existieren - die von den Teilnehmern wahrscheinlich trotzdem noch unterschätzt, aber im Unterbewußtsein durchaus wahrgenommen wird.
Das gab es natürlich auch schon in Ansätzen vor 50 Jahren, nur haben sich diese Tätigkeiten seitdem immer mehr zum Mainstream entwickelt, wohl auch auf Grund einer immer ausgeprägteren Gleichgültigkeit und allgemeinen Sorglosigkeit der Jugendlichen. Da stellt sich mir natürlich Frage, wie die Jugend so in 20-30 Jahren ticken wird. Gehört das Spiel mit dem Leben dann entgültig zum Alltag der Jugendkultur ?

Ich hoffe das sehr, denn ich habe schon die eine oder andere Geschäftsidee, mit der man in Zukunft viel Geld verdienen könnte. Der Klassiker wäre natürlich echte "Death-Matches" zu veranstalten - so wie in dem Film "Battel Royal", nur natürlich auf freiwilliger Basis. Eine gewisse Anzahl Jugendliche bekommen Waffen ausgehändigt und dürfen sich dann in einem abgegrenzen Areal gegenseitig jagen und töten. Wer übrigbleibt, gewinnt - einen unzensierten Premiumaccount bei Flickr.com oder etwas in der Art. Aber vielleicht ist diese Idee schon etwas zu progressiv, denn sie setzt nicht nur vorraus, daß die Teilnehmer dazu bereit sind, für etwas Spaß und Nervenkitzel mit ziemlicher Sicherheit den Löffel abzugeben, sie müssen in dem Fall auch noch selbst anderen das Leben nehmen, und das sollte zumindest in 30 Jahren weiterhin moralisch problematisch sein. Beim jugendlichen Spaß der nahen Zukunft muß also wie schon jetzt der Tod per "Unfall" (U-Bahn, Alkohol, Wasserstand, etc.) und nicht durch Mord eintreten.
Das können ja technische Hilfsmittel übernehmen, und so hätte ich als weitere Geschäftsidee diverse Spielzeuge im Sinn, wie z.B. die "Funbomb": Man stelle sich eine bunt bemalte Plastikkugel vor, etwa so groß wie ein Handball. Mit Hilfe eines auf der Kugel befindlichen Displays und zwei Köpfen läßt sich eine Zeitdauer einstellen und mit einem größeren Knopf wird die Funbomb schließlich aktiviert. Nun können die jungen Teilnehmer das spannende Spiel beginnen - das Spielprinzip kann dabei selbst gestaltet werden, aber der empfohlene Grundmodus würde in etwa so aussehen, daß sich alle im Kreis aufstellen und immer nach mindestens 2 Sekunden die Funbomb von einer Person zur Nächsten werfen. Jeder, der die Funbomb bekommt, muß laut bis Zwei zählen, oder wer mutig ist auch noch weiter, denn innerhalb der vorher eingegeben Zeit wird die Funbomb irgendwann plötzlich explodieren und derjenige, der sie gerade in der Hand hält, ist dann eben tot.
Das erinnert natürlich an das bekannte Russische Roulette, nur ist es sehr viel spaßiger - vorallem weil am Ende jemand explodiert. Da fallen dann hinterher solche Sätze wie "Hihi, Du hast da ein Stück Melanie im Haar hängen." oder "LOL, Da liegt Michaels Kopf - Wer hat Lust auf eine Runde Fußball ?" Ja, gesprochene Chatabkürzungen und Fußball wird es sicherlich in zwanzig Jahren noch geben, aber gerade solche Spielzeuge wie meine tolle Funbomb könnten eine beliebte Ergänzung zu den normalen Freizeitaktivitäten werden.
Eine andere Idee wäre, für die etwas intelligentere Zielgruppe, ein modernes Galgenraten. Das von mir entwickelte Spielzeug ist in dem Fall aber nicht das Seil, sondern der Stuhl, auf dem sich der Spieler stellt, bevor er seinen Kopf in die mitgelieferte Schlinge legt. Dann wird der Stuhl per Fußtritt aktiviert und stellt Quizfragen. "Wie heißt der Erfinder der Ununoctium-Bombe ?", "Wann starb Britney Spears ?", "Wer war für den dritten Weltkrieg verantwortlich ?" - bei jeder falschen Antwort senkt sich der Stuhl automatisch um einen halben Zentimeter. Nach einer vorher eingestellten Anzahl von Fragen ist damit natürlich irgendwann Schluß, oder eben schon vorher, wenn der Spieler zuviele Fragen falsch beantwortete.
Aber noch einmal zurück zur "Funbomb"; deren LocalExplosion-Technologie könnte auch serienmäßig ihren Weg ins Handy finden. Das würde nicht nur den Innenminister freuen, der dann Terrorverdächtige gleich per Fernsteuerung in die Luft jagen kann, auch die jugendlichen Besitzer könnten somit 24 Stunden am Tag dem wunderbaren Nervenkitzel ausgesetzt sein, plötzlich in tausend Teile gesprengt zu werden. Einfach das Stichwort "Knallfrosch" an JAMBA schicken, und schon kann der Spaß beginnen, denn einmal pro Monat sendet der Klingeltonanbieter zu einer zufällig ausgewählten Zeit an einen zufällig ausgewählten Teilnehmer das Sprengkommando. Das Handy explodiert, der Besitzer ist tot, und wenn Freunde gar die Explosion zufällig gefilmt haben und das Video dazu auf youtube stellen, bekommen sie zehn Klingeltöne geschenkt.
So könnte ich immer weitermachen - vom vergifteten Alkopop in der Disko bis hin zum etwas harmloseren Party-Brettspiel "Mensch, erblinde doch nicht!" (auf dem Brett befindet sich ein computergesteuerter Laser...) gibt es unzählige Möglichkeiten, die gelangweilte Jugend von Morgen zu amüsieren, und für mich als alter Sack von Morgen daran ordentlich zu verdienen. Aber ich werde mich mit der Realisierung meiner Ideen beeilen müssen, denn auch andere haben scheinbar schon den Trend erkannt...
Kaba-Kick
Das japanische Spielzeug "Kaba-Kick": Russisches Roulette für Kinder

28.07.2007 um 18:32 Uhr

Die Waldmeisterlimonadenaffaire

von: Solus

Musik: Angelo Badalamenti - Freshly squeezed

Ich durfte neulich einer oberflächlich gesehen recht amüsanten Szene beiwohnen. Ein Freund von mir hatte mich gebeten, ihm bei einer Windows-Installation samt Einrichtung beizustehen, und wie wir dann später am Tisch saßen, Bratnudeln aßen und Waldmeisterlimonade tranken, kam plötzlich seine Mutter herein, blickte auf den Tisch und fragte empört: "Habt Ihr etwa die Waldmeisterlimonade vom Vater getrunken ?!".
Es folgte ein Dialog, der ganz leicht an einen Loriot-Sketch erinnerte. Ich kann nun leider nicht mehr alles wortgetreu wiedergeben, was für die Erschließung der Komik nötig wäre, aber es folgte auf jeden Fall zuerst noch einmal eine erneute Empörung, daß der Sohn es tatsächlich gewagt hatte, sich an der Waldmeisterlimonadenflasche des Vaters zu vergreifen, sie hinter dem Rücken seines Erzeugers garstigerweise zu schänden, indem er sich ihres Inhaltes bemächtigt hatte, und er kann sich ja vorstellen, wie sein werter Herr reagieren wird, wenn er davon erfährt. Der leicht irritierte Sohn versuchte die alberne Szene zu beenden, in dem er sagte, daß da wahrscheinlich noch eine zweite Flasche irgendwo wäre. Ob er sich sicher sei, war daraufhin die Frage, gefolgt von der erneuten Feststellung, daß wir uns tatsächlich an Vaters Waldmeisterlimonade vergangen hatten. Dem Sohn fiel aber nun endlich das rettende Argument ein - die Flasche war ja schon halb leer gewesen, als er sie aus dem Kühlschrank genommen hatte. Der Vater mußte also selbst auch schon vom Saft der Galium Odoratum getrunken haben. Die Mutter inspizierte schnell die inzwischen leere Flasche des ambrosiahaften Kohlensäuregetränks, wohl um irgendwie die Wahrheit dieser Aussage festzustellen, und verließ dann wieder etwas beruhigter das Zimmer. Als ich daraufhin den ertappten Brausedieb fragte "Dein Vater ist wohl sehr Waldmeister-affin ?", lachte er und antwortete "Nein, überhaupt nicht. Das ist gerade alles totaler Quatsch gewesen ! Das ist dem doch völlig egal."

Da wundert man sich natürlich, was die Mutter mit diesem Auftritt bezwecken wollte, denn selbst wenn sich mein durstiger Freund denn tatsächlich an einer heiliggesprochenen Limonadenflasche des Vaters vergriffen hätte, diskutiert man doch vor dem Besuch nicht über so etwas großartig herum. Er meinte dann später, als wir noch einmal bei diesem Thema waren, daß seine Mutter wohl damit Aufmerksamkeit erhaschen und so mit mir kommunizieren wollte, aber das halte ich für eine falsche Einschätzung, denn wir hatten ja vorher kurz schon miteinander geredet, bevor sie von ihrem Sohn aus dem Zimmer geworfen wurde. Und das wird dann wohl eher der springende Punkt gewesen sein - mein guter Freund hatte nämlich seine Mutter in meinem Beisein nicht sehr nett behandelt. Als sie bei unserer Ankunft fragte, was sein neuer Computer gekostet hätte, antwortete er kurz und knapp "Geld !". Natürlich hatte die Mutter in diesem Moment die Frage nicht zufällig gestellt, denn sicherlich war die Frage schon vorher einmal gefallen, zusammen mit einer ähnlichen Antwort, und in meinem Besein, so hatte die Mutter wahrscheinlich gehofft, würde ihr Sohn den Anstand bewahren und so das Geheimnis lüften müssen. Hat er letztendlich auch, aber eben ohne Anstand. Und als die Mutter später ins Zimmer hereinkam, mit mir kurz geredet hatte und dann noch stehen blieb, wedelte ihr Sohn mit der Hand und meinte schroff "Brauchst Dich jetzt hier nicht weiter hinzustellen. Gibt noch nichts zu sehen !". Da ist es natürlich verständlich, daß die Mutter den Drang verspürte, mir zu zeigen, daß sich ihr Sohn doch nicht alles erlauben könnte, und so wurde daraus wiederum die Waldmeisterlimonadenaffaire geboren. Dabei tat sie das, was sie schon früher einmal in meinem Beisein getan hat - mit dem Vater drohen, der wohl früher die eigentlich einzige Respektsperson im Haus war und deshalb in Streitgesprächen immer von der Mutter in Form einer Drohung vorgeschickt wird. Ich weiß noch, wie mein guter Freund vor Jahren einmal sein Zimmer etwas umgeräumt hatte, und im Zuge dessen einer seiner Schränke blockiert war. Natürlich kann es der Mutter egal sein, wie ihr Sohn sein Zimmer einräumt und ob er noch Zugang zu allen Möbelstücken besitzt, aber als sie das neue Raumdesign sah, drohte sie auch gleich wieder,  daß wenn sein Vater das heute Abend sehen würde, er darüber sehr verärgert wäre. Dabei wirkt der Vater alles andere als cholerisch. Zumindest weiß er, daß man seinen Sohn lieber in Ruhe läßt, wenn Besuch da ist, denn sonst kann das auch mal ganz schnell zu einer eher unvorteilhaften Szene führen.
In der Beziehung kann ich mich wirklich glücklich schätzen, und das ist die Erkenntnis an diesem Tage gewesen, daß bei mir beide Elternteile das wissen und auch darauf achten, die Interaktion mit meinem Besuch auf einem möglichst niedrigen Niveau zu halten. Das sind so Dinge, die man erst zu schätzen weiß, wenn man einmal in den Abgrund geschaut hat.

07.07.2007 um 18:33 Uhr

Geht gar nicht !

von: Solus

Musik: Blumfeld - Tics

Was überhaupt nicht geht, ist von einer Schnitte oder einem Brötchen abbeißen und das erst einmal irgendwo hinlegen, um später davon wieder abzubeißen. Ich fand es schrecklich, wenn das früher Mitschüler mit ihrem Pausenbrot gemacht haben - schnell mal abbeißen und dann wieder in die Brotdose, für die nächste Pause. In dem Moment, in dem man das angebissene Nahrungsmittel ablegt, wird es meiner Meinung nach zu Abfall. Kann man nicht mehr essen, so mit dem Abdruck von Zähnen darauf und den Bakterien aus dem Mund, die sich dann auf der Oberfläche des Nahrungsmittels befinden. Das passiert natürlich auch schon, wenn man die Nahrung in der Hand behält, sodaß wahrscheinlich nur die Perspektive, daß man die Biss-Spuren von Nahem nicht so deutlich erkennt, es mir ermöglicht, überhaupt etwas ohne Besteck essen zu können. Ich schaue mir das meistens lieber auch gar nicht so genau an.
Was übrigens auch überhaupt nicht geht, ist aus anderer Menschen Gläsern trinken oder deren Besteck benutzen. Ich habe glaube ich schon mit sechs, sieben Jahren angefangen, nicht mehr von Mamas oder Papas Glas zu nippen, oder etwas von deren Gabel in den Mund zu stecken. Es ist einfach widerlich, mit seiner Lippe ein Glas zu berühren und plötzlich daran Fremdspeichel zu schmecken, oder gar zu riechen. Und beim Besteck; ich finde es ja schon schlimm genug, wenn das Messer oder die Gabel nach altem Spülwasser riecht - Wasser, in dem sich alte Essensreste befanden. Entsprechend ist das natürlich der hygienische Supergau, wenn ich weiß, daß das Besteck schon im Mund eines anderen Menschen steckte.
Was eigentlich auch überhaupt nicht geht, ist eine Badewanne, die man mit anderen Menschen teilen muß. Selbst wenn diese anderen Menschen sehr reinlich sind, hatten sie ja doch Körperkontakt mit dem Kunststoffbottich, ja hinterließen wahrscheinlich irgendwo ein paar ihrer Körperhaare, vielleicht sogar ihrer Schamhaare. Mit so etwas will man doch nicht in Berührung kommen ! Aber da ich nun mal leider bei meinen Erzeugern wohne, bleibt mir dummerweise nichts anderes übrig, als die Badewanne mit einen Eltern zu teilen. Natürlich spüle ich sie aber vor jeder Nutzung ordentlich aus. Erst mit einem starken, kalten Strahl, um tote Makropartikel zu entfernen, dann mit kochend-heißem Wasser, um möglichen Keimen den frühzeitigen Exodus zu bereiten.
Was weiterhin überhaupt nicht geht...

02.07.2007 um 11:40 Uhr

Innovation am Arsch der Welt

von: Solus

Musik: Damien Rice - Cold Wasser

Neuer Monat, neuer Blogeintrag. Und es gibt sogar eine ganz tolle Neuigkeit: Chemnitz ist um eine Sehenswürdigkeit reicher ! Neben dem majestätischen Hochhaus "Hotel Mercure", dem gigantischen Karl-Marx-Kopf und dem beeindruckenden Versteinerten Wald dürfen sich die zahlreichen Besucher unserer gemütlichen Stadt ab sofort am Anblick eines hochmodernen Bauwerkes ergötzen; dem ersten oberirdischen Kurzzeit-Großkältespeicher Europas !
Und was besonders toll ist, dieses Ding befindet sich nur wenige Meter von meinem Haus entfernt. Kann ich mir den ganzen Tag anschauen, dieses weiße Türmchen, und in der Nacht ebenfalls, denn man hat es sich nicht nehmen lassen, den Speicher zu beleuchten und Eigenwerbung darauf zu projizieren.


Russland meldete schon Interesse an, den Slogan abzukaufen, um ihre Kriegsfähigkeit zu bewerben. Die Stadtwerke wären von einem Verkauf auch gar nicht abgeneigt, wo sie doch schon ihren letzten Spruch "Wir machen alle kalt !" 2003 für viel Geld an die Amerikaner verkauft haben.

Was dieses Ding eigentlich bringt ? Nun, ganz einfach - es kühlt in der Nacht 3.5 Mio Liter Wasser mit Hilfe überschüssiger Wärme des nahegelegenen Heizkraftwerkes, um dieses Wasser dann tagsüber, wenn die Kälte für das städtische Museum oder diverse Fleischtheken im Supermarkt benötigt wird, zur Verfügung zu stellen. Wie man mit Wärme kühlen kann, weiß ich dabei jetzt auch nicht so genau - wahrscheinlich mit Hilfe einer Vorzeichenänderung. Der Hauptnutzung dieser Installation liegt im übrigen aber wohl doch eher in der Analyse des Verfahrens, um in naher Zukunft viel größere, effizientere, oberirdische Kurzzeit-Großkältespeicher zu bauen. Der Supercomputer, der diese Daten auswertet, wird übrigens komplett mit dem gespeicherten Wasser gekühlt, was zu der hochphilosophischen Frage führt, was denn zuerst da war: Das Wasser, welches den Computer kühlt, oder der Computer, der das Wasser beim Kühlen beobachtet. Wahrscheinlich Ersteres.

Ich überlege jetzt natürlich schon, ob ich nicht den neu entstandenen Standortvorteil meines Zimmers auf wirtschaftliche Weise nutzen könnte. Es wäre ja zum Beispiel möglich, Eintritt zu verlangen, damit die Touristen von meinem Zimmer aus den oberirdischen Kurzzeit-Großkältespeicher anschauen können. Natürlich gäbe es dann auch Münzfernrohre an meinem Fenster, sowie stündliche Vorträge von mir, in denen ich die Funktionsweise des Speichers erläutere. Meine Mutter könnte auch in das Geschäft einsteigen und in der Küche eine kleine Kantine aufmachen, um überteuerte, warme Würstchen zu verkaufen, und mein Vater dürfte aus leeren Joghurtbechern kleine Miniatur-Großkältespeicher basteln, die er dann im Wohnzimmer als Andenken verkauft. Das eingenommene Geld würde ich natürlich sparen, bis ich genug zusammenhabe, um von meinem Zimmer aus eine gläserne Brücke zu errichten, die bis über den Speicher reicht. Echte Kältespeicherfans zahlen sicherlich Höchstsummen, um mal direkt über einem echten Großkältespeicher stehen zu können.
Aber ich warte natürlich erst einmal ab, ob sich der oberirdische Kurzzeit-Großkältespeicher überhaupt bewährt. Nicht, daß sie das Ding in einem Jahr wieder abbauen und ich dann auf meinen ganzen Joghurtbechern sitzenbleibe. Wäre jedenfalls nicht das erste Gebäude in Chemnitz, bei dem man sich verplant hätte.


Seit über einer Woche steht dieses Bierzelt schon vor dem Großkältespeicher. Es wird gefeiert, als hätte man das achte Weltwunder erschaffen. Seltsamerweise wurde in den letzten Tagen kein neuer Gerstensaft angeliefert - da fragt man sich schon, ob im Speicher wirklich nur Wasser gelagert wird.