Das geheimnisvolle Blog ins zauberhafte Nichts

31.01.2006 um 08:16 Uhr

Solusinema: Perfect Blue

von: Solus

Seit Wochen denke ich ich mir schon "Mensch, wo Du doch so oft Filme anschaust, schreib doch mal eine Filmkritik. Interessiert zwar niemanden, aber es ist immerhin besser, als...auch egal, schreibe eine Filmkritik." und nun habe ich einen Film gesehen und werde ganz spontan etwas darüber schreiben. Toll, oder ? Also...

Film: Perfect Blue (1997, Satoshi Kon)
Story: Mima, Star der erfolgreichen Girlgroup "Cham", hat sich dazu entschieden, dem J-Pop-Business den Rücken zu kehren und sich vollständig auf die Schauspielerei zu konzentrieren. Mit ihrer Nebenrolle in einer Psychothriller-Serie verwandelt sich jedoch auch ihr Leben immer mehr in einen Horrorfilm. Als ein Mord geschieht, beginnt für Mima die Realität und die Fiktion der Serie miteinander zu verschmelzen.
Mein Senf dazu: Animes, die sich dem typischen Anime-Clischee widersetzen, sind ja ansich gar nicht so schlecht, und nachdem mich Regisseur Satoshi Kon mit "Tokyo Godfathers" schwer begeistern konnte, hatte ich von dem Film viel erwartet. Leider konnte mich "Perfect Blue" ganz und gar nicht begeistern. Die Storyelemente hat man alle schon mal irgendwo besser gesehen. Vorallem das Spiel mit der Realität und der Frage nach dem Mörder funktioniert nur bedingt, weil man als Zuschauer auf Grund des ständigen Wechsels irgendwann keine Lust mehr hat, sich darüber Gedanken zu machen. Weniger wäre hier mehr gewesen. Das Gegenteil läßt sich über die grafische Qualität sagen. Stellenweise wirken die Hintergründe doch sehr detailarm. Das hat man auch 1997 schon besser gesehen. Zumindest die musikalische Untermalung ist ganz passabel und schafft es, einige langweilige Szenen aufzuwerten.
Fazit: Kann man einmal anschauen, muß man aber nicht.

29.01.2006 um 09:08 Uhr

Allein in der Dunkelheit

von: Solus

Ich mußte vor ein paar Tagen in den Keller, allein. Das sollte ja im Grunde für mich kein Problem darstellen, denn ich bin doch erwachsen und habe weder Angst vor Schattenmonstern, noch vor Spinnen. Gut, vor Spinnen ekel ich mich zu Tode, aber ihre mögliche Präsens an einem Ort sind kein Grund für mich, diesen nicht zu besuchen. Aber die restlichen "Gefahren", die so ein Keller aufweisen kann, sollten ja eigentlich kein Problem für mich darstellen. Und doch verhielt ich mich bei meinem Kellerbesuch etwas...vorsichtig. Als ich die Tür aufgeschlossen hatte, hielt ich erst einmal für einen kurzen Moment inne, um zu hören, ob da vielleicht auf der anderen Seite der Tür irgendetwas angerannt kam. Dem war natürlich nicht so, also machte ich schnell die Tür auf, das Licht an und ging leise die Treppe hinunter. Unten schaute ich vorsichtig nach links und rechts, bevor ich schnell zur Kellerkammer eilte, die ich jedoch erst aufschloß, nachdem ich mich vergewissert hatte, daß da gerade nichts und niemand den Gang entlang kam. Ich zerrte schnell die Getränke heraus, die meine Mutter in die Kammer gestellt hatte, überprüfte noch einmal den Gang und schloß schnell die Kammer wieder zu. Auf dem Weg zurück zur Treppe sah ich in der Dunkelheit der anderen Ganghälfte etwas glänzen. Keine Ahnung, was das war, wollte ich auch gar nicht wissen. Stattdessen lief ich rückwärts die Treppen hinauf, machte das Licht aus, so schnell wie nur möglich die Tür zu, und hielt meinen Fuß dagegen, bis ich den Schlüssel im Schloß hatte, um die Tür zu verschließen. Hätte ich aus irgendeinem Grund nochmal da runter gemußt, ich wäre wahrscheinlich nicht gegangen. Und so schnell will ich auch nicht wieder darunter. Albern, oder ? Und Kindisch.
Ich weiß noch, wann ich zum ersten Mal allein in einen Keller mußte. Es war im zweiten Schuljahr gewesen, als mich meine Klassenlehrerin im Schulgarten dazu aufforderte, in den Keller des nahegelegenen Hauses zu gehen, um dort aus einer Kammer eine Gießkanne zu holen. Ich schaute sie mit großen Augen an und nahm ängstlich den Schlüssel entgegen. In dem Moment bereute ich es, zu den Klassenbesten zu gehören. Einem dummen Schüler hätte sie nicht mit so einer verantwortungsvollen Aufgabe betraut. So ging ich schweren Herzens und mich selbst verfluchend langsam die Treppe hinunter, schloß die schwere Eisentür auf, machte das Licht an und schlich den ewiglangen Gang entlang, der in Wirklichkeit wahrscheinlich gar nicht mal so lang war, wie er mir im Gedächtnis geblieben ist. Wahrscheinlich habe ich mich auch immer wieder umgedreht, und zum schnellen, lauten Takt meines Herzens ein fröhliches Lied gepfiffen, das weiß ich alles nicht mehr so genau. Aber ich weiß noch, daß plötzlich ein Klassenkamerad zu mir stieß und sagte, daß ihn die Lehrerin geschickt hatte um zu schauen, was ich denn so lange im Keller machen würde. Wie lange ich mich wohl da unten aufgehalten hatte ?
Witzigerweise handelt es sich übrigens, wenn ich von einem Keller träume, immer genau um diesen Keller. Irgendwelche schlimmen Träume hatte ich aber in dem Zusammenhang seltsamerweise noch nicht. Im Gegensatz zum Dachboden. Der ist, wenn mal so ein Boden in einem Traum vorkommt, immer der des Wohnhauses, in dem ich die ersten vierzehn Jahre meines Lebens verbracht habe. Erst neulich war ich im Traum wieder da oben und stand an unserer alten Bodenkammer, als plötzlich mein Vater erschien und mich zur anderen Seite, in die Wäschekammer zerren wollte. Ich schaute in sein Gesicht und sah, daß darüber ein schwarzer Schatten lag. Ich schrie "Du bist gar nicht mein Vater und willst mich nur dorthin bringen, weil dort ein Monster auf mich wartet. " In dem Moment erinnerte ich mich nämlich an einen Alptraum, den ich vor Jahren mal hatte, da wohnte genau dort im Wäschebereich ein bösartiges Monster. Als wir dann jedenfalls dort waren, stellte sich heraus, daß der Schattengesichtige doch mein Vater war und in dem Raum nur Nußknacker herumstanden. (Mein Problem mit den nichtvorhandenen Alpträumen hat sich also nicht gebessert...)
Jedenfalls ist das schon ein bißchen seltsam, warum ich gerade Keller und Dachböden nicht mag. Vielleicht ist es ja tatsächlich die Dunkelheit, die auf Grund der schlechten Beleuchtung immer noch vorhanden ist. Ich hatte ja als Kind auch immer Angst im Dunkeln; konnte nie ohne Licht einschlafen. Und wenn ich nachts aufweckte, redete ich mir ein, daß diese bunten Punkte, die man in der Dunkelheit ja sehr gern mal sieht, mich vor fremden Wesen beschützen würden - so als Schutzschild. Vielleicht sollte ich, wenn ich das nächste Mal in den Keller muß, einfach das Licht auslassen und mir vorstellen, daß ich so ein Schutzschild habe. Dann laufe ich zwar ständig gegen irgendwelche Wände oder falle gar die Treppe hinunter, aber wenigstens habe ich keine Angst mehr.

28.01.2006 um 09:07 Uhr

Allein in der Dunkelheit, Vorwort

von: Solus

Unter all den schrecklichen Erfindungen, welche die Menschheit bis jetzt hervorgebracht hat, sind sie wahrscheinlich die zwei Schlimmsten: Dachboden & Keller !
Das klingt jetzt vielleicht für den ersten Moment etwas überraschend, aber wovor hat denn der Mensch am meisten Angst ? Die Atombombe ? Pff...die benutzt sowieso niemand, und wenn doch, trifft es nur die Leute in der Hauptstadt. Daß ein Asteroid die gesamte Erdbevölkerung auslöscht ? Quatsch, die Amis können das Ding doch vor dem Aufschlag sprengen. Vogelgrippe ? Nein, ich bin doch kein Huhn und außerdem habe ich den ganzen Medizinschrank voller Tamiflu. Allein in den Keller gehen ? Passe !
Ja, in den Keller oder auf den Dachboden geht niemand gern allein. Schließlich bieten diese Orte gleich mehrere Möglichkeiten, vorzeitig ins Gras zu beißen. Das fängt schon an der Tür an, sobald man diese aufgeschlossen hat und öffnet, denn sogleich blickt man in eine undurchsichtige Dunkelheit. In diesem Moment kann natürlich sofort das Tentakel eines Schattenmonsters hervorgeschossen kommen, sich um Deinen Körper wickeln und ihn in die Dunkelheit zerren, wo es Dich auf der Stelle ausweidet und genüßlich verschlingt. Speziell Kellertüren bieten dazu noch das Risiko, daß hinter ihnen ein wütender Massenmörder steht, der bei seiner Flucht durch das Kellerfenster gekrochen war und seitdem darauf wartet, daß jemand die Tür aufmacht. Mit viel Glück steht da aber kein Mörder und die Monster lassen einen in Ruhe, sodaß man sich zum Lichtschalter tasten und das Licht einschalten kann, welches die Dunkelheit aber leider nur mäßig zurückdrängt. Es bleiben natürlich viele dunkle Ecken übrig, in denen Gefahr lauern kann. Aber selbst, wenn man mit einer sehr hellen Taschenlampe in den Keller geht, kann man recht schnell sein Leben verlieren, indem man zum Beispiel von einem Geist zu Tode erschreckt wird. Denen macht das Licht ja nichts aus. Und wenn man zu Tode erschreckt wird, muß man natürlich für immer und ewig selbst als Geist an diesem finsteren Ort umherwandeln. Das stelle ich mir ziemlich langweilig vor, denn man hat in so einem Keller oder Boden ja kein Fernsehen, und sieht durch die viel zu kleinen Fenster auch kaum etwas von der Welt. Und die Gespräche so von Geist zu Geist, die werden sicherlich auch recht schnell verdammt langweilig. "Na, wie bist Du gestorben ? " - " Ich wurde zu Tode erschreckt. Und Du ? " - " Mich hat das Schattenmonster gefressen." - " Aha." - " Tja..."
Natürlich versucht man, wenn man den Keller oder Dachboden betritt, das alles zu vedrängen. "Geister und Monster gibt es ja gar nicht !", sagt man sich dann, nur darf man auch nicht all die anderen furchtbaren Wesen vergessen, die in diesen Räumlichkeiten leben. Spinnen zum Beispiel; derartige Orte sind ein Paradies für diese achtbeinigen Ungeheuer. Die warten nur darauf, die Körperwärme eines Menschen zu spüren, um sich dann von der Decke direkt auf den Kopf abzuseilen. Da braucht man sich auch keine Illussion machen; selbst die einfache Webspinne hat Kieferklauen und eine Giftdrüse. Bevor man sich versieht, wird man von mehreren Spinnen angesprungen, die sich überall festbeißen und Deinen Körper mit Gift vollpumpen. Und schon liegt man betäubt am Boden und wird von den Ratten gefressen - die übrigens auch noch sehr viel häufiger in Kellengewölben anzutreffen sind, als man denkt. Außerdem lauert in den Dachböden und Kellergängen meist noch eine ganz andere Gefahr: Der Pilz - die Geißel der Menschheit. Er lauert an den Wänden und schießt unaufhaltsam seine Sporen in die Luft, die man während des Aufenthaltes einatmet. Unter Umständen setzen sich diese Sporen in der Lunge fest, keimen auf und befallen den gesamten Körper. Bevor man sich versieht, ist man tot.

25.01.2006 um 04:55 Uhr

Abendlicher Besuch

von: Solus

Ich hatte das Fenster nicht sehr lange offen gehabt,
als ich überrascht feststellen mußte, daß ein kleiner Engel,
wohl von der Wärme des Feuers im Kamin angelockt,
in mein abgedunkeltes Zimmer geflogen war.

Bevor er wieder entschwinden konnte,
hatte ich das Fenster schnell verschlossen,
und durch den Kamin konnte er auch nicht fliehen,
da ihn die hohen Flammen seine befederten Flügel verbrannt hätten.

Ängstlich blickte das nur wenige Zentimeter große Geschöpf auf mich herab,
während es an der Decke des Zimmers an einer Stelle fliegend,
sich in sicherem Abstand von mir positionierte
und langsam seine hoffnungslose Lage verstand.

Als ich den Engel endlich mit meinem Schuh getroffen hatte,
fiel er regungslos zu Boden, sodaß ich ihn sehr leicht aufheben konnte.
Vorsichtig legte ich seinen zerbrechlich anmutenden Körper
auf den alten Holztisch und schaltete meine Leselampe ein.

Ich brauchte nicht viel Kraft anzuwenden,
um mit einem leisen Knirschen seinen linken Flügel vom Körper zu trennen.
Er fühlte sich äußerst leicht an, und unter dem dünnen Federkleid
befand sich nur eine graue Haut und leicht zerbrechbare, weiße Knochen.

Mit einem frisch geschärften Fischmesser
konnte ich den winzigen Brustkorb problemlos öffnen.
Das rubinrote Blut, welches mir vorerst einen weiteren Einblick verwehrte,
füllte ich in ein leeres Schnapsglas, das noch auf dem Tisch gestanden hatte.

Mit Ausnahme eines roten, ovalen Gebildes,
es mußte sich wohl um das Herz dieses Wesens handeln,
konnte ich zwischen all dem feinen Fleisch- und Muskelgewebe
keine weiteren Organe entdecken.

Überraschend für mich war auch, daß sich im Kopf dieses Lebewesens kein Gehirn befand
und der Schädel, nach der Entfernung sämtlichen Fleisches,
wie schon die kurz zuvor aus den von mir abgetrennten Gliedmaßen gewonnenen Knochen,
plötzlich in sich zerfiel.

Meine Untersuchung erbrachte leider keinen Hinweis,
ob es sich bei diesem Wesen tatsächlich um einen Engel,
oder um irgendein mir fremdartiges Tier handelte.

Da der Torso und die abgetrennten Körperteile
für weitere Untersuchungen nicht mehr zu gebrauchen waren,
wickelte ich die Reste in ein altes Taschentuch und legte es in den Hausmüll.

...gewidmet den schätzungsweise Neuntausend Blogigo-Benutzern mit dem Wort "Engel(chen)" im Nickname.

23.01.2006 um 08:28 Uhr

Zwischen S und U

von: Solus

Musik: Boston Boys - 99 Bottles of Tea

Jetzt sind es ja doch noch -15 Grad geworden. Mein digitales Thermometer zeigt schon gar keine Zehntelgrad mehr an, sondern nur noch eine große -15. Da haben mich die Hersteller aber ausgetrickst. Haben mir minderwertige Ware verkauft in der Hoffnung, daß ich es nie merken würde. "Wann ist es draußen auch schon mal so kalt.", werden die sich gesagt haben, "Das merkt der nie, daß das Ding ab -10 Grad keine Kommastelle mehr kann." Und ich hab mich noch gewundert, wer da so komisch gelacht hat, als ich dem Verkäufer das Geld gab. Das war der Firmenchef höchstpersönlich, der im Backstagebereich des Elektronikfachhandels stand und sich freute, daß jemand seinen Schrott gekauft hat. Ärgerlich.

Aber darüber wollte ich eigentlich gar nicht schreiben, sondern über ein viel schöneres Thema. Der letzte Beitrag von mir hat ja am Ende ein gutes Stichwort geliefert; Jugendherberge. Und als ich heute so meinen Pfefferminztee schlürfte, wie es im Winter gern mal tue, um den Genuss, ein langes, heißes Bad zu nehmen, noch vernünftig abzurunden, da fragte ich mich, warum eigentlich in Jugendherbergen immer dieser elende Tee serviert wird. Ist das eigentlich heute noch so ? In den ganzen Herbergen, die ich in meiner Schulzeit besuchen durfte, war das noch so. Zum Frühstück gab es immerhin neben Tee noch Milch zu trinken, aber ab dann den ganzen Tag nur noch Tee. Tee zum Mittag. Tee zum Abendbrot. Und wenn die Jugendherberge etwas luxoriöser war, durfte man sich auch zwischen den Mahlzeiten mal eine Tasse Tee auslassen, aus diesen riesigen Metallfässern mit den kleinen Hähnen zum aufdrehen, die selbst im geschlossenen Zustand immer etwas tropften. Das hat man am ersten Tag noch tapfer ausgehalten, aber dann hoffte man schon, daß die Lehrerin ihre endlosen Waldwanderungen mal so verlegt, daß man zwischendurch in einem Dorf vorbei kommt, um sich dort Limonade kaufen zu können. Meistens kam man auch an irgendeinem Tante Emma Laden vorbei, weil die Lehrerin den Tee ja selbst satt hatte, und dort konnte man sich endlich mit vernünftigen Getränken eindecken. Konnte, hat man aber nicht. Denn sobald man den Laden betreten hatte und die ganzen tollen Lebensmittel sah, wurde man von der Freiheit übermannt, endlich mal Geld auszugeben, ohne dabei unter den wachsamen Augen von Mutti zu sein. Also wurden erst einmal zwei Tüten Chips in den Einkaufskorb gelegt, dazu abgepackte Würstchen und eine Tafel Milka-Schokolade. Dann aber gleich zum Getränkeregal und sogleich der sorgvolle Blick auf seinen viel zu kleinen Rucksack. Zusammen mit den Chipstüten wäre da nicht mehr viel Platz drin, also kaufte man nur zwei Dosen Cola, man müßte eben rationieren und dann würde das schon reichen. Hat es natürlich nicht getan. Die erste Dose war schon während des Heimwegs draufgegangen, die andere hatte man Abends aufgemacht, aber nur etwas daraus getrunken und danach unter das Bett gestellt. Am nächsten Morgen war natürlich die Kohlensäure raus, sodaß man das Zeug zwischen dem Frühstück und dem Beginn der nächsten Wanderung schnell noch austrank, bevor es überhaupt nicht mehr schmeckte. Nachmittags verspürte man natürlich wieder diesen unbarmherzigen Durst. Also ging man widerwillig in den Speisesaal und stellte fest, daß die Küche geschlossen und das Teefass leer war. Der Drang nach Flüssigkeit wurde immer stärker und stärker. Letztendlich blieb da noch eine Möglichkeit. Man ging ins Bad, griff zum Zahnputzbecher, füllte ihn mit dem braunen Wasser, was sich da aus dem Wasserhahn quälte und trank es. Es sah aus wie Cola und schmeckte nach Zahnpasta, weil in dem Becher noch kleine Reste davon am Boden geklebt hatten. Und gerade, wenn man sich dann fragte, ob jemand noch tiefer sinken könnte, als diesen Mist zu trinken, sah man seinen Zimmernachbarn, der aus einer Mundwasserflasche trank. Aber nicht wegen dem Durst, sondern damit die Lehrerin nicht merkte, daß er wieder heimlich geraucht hatte.

22.01.2006 um 09:25 Uhr

Die Opfer von Väterchen Frost

von: Solus

Musik: Gustav - Rettet die Wale

Die versprochenen -15 Grad sind es noch nicht geworden, aber immerhin zeigt mein digitales Thermometer schon mal -7.2 Grad an. Nach der politischen und gesellschaftlichen Kälte zieht also nun auch die Meteorologische in Deutschland ein. Da kann sich jeder glücklich schätzen, der zu hause die Heizung aufdrehen, oder sich ein heißes Bad einlassen kann. Das sollte man nie als selbstverständlich ansehen, denn es gibt Unzählige, die das alles nicht tun können. Die Rehe z.B. - die stehen jetzt gerade mitten im Wald und frieren sich halb tot. Zwar haben sie ein schönes, kuscheliges Fell, aber wer sich schon mal im Winter nur mit einem Fell bekleidet in den Wald gestellt hat, wird bestätigen können, daß es einem doch recht schnell sehr kalt wird. Und Rehe können sich auch nicht warme Atemluft in ihre Hufe pusten, oder sich über Kreuz ihre Ärmchen warmreiben. Das sind ganz arme Schweine, und anstatt die ganzen Tierschützer mal in den Wald gehen und die Rehe mit Heizdecken versorgen, schleppen die lieber einen Wal durch Berlin. Ärgerlich.

Denken wir aber auch an die Regenwürmer. Diese kleinen Schlankheitsfanatiker haben nicht mal ein Fell, daß sie wenigstens etwas wärmen könnte, nein, die sitzen splitternackt mitten in der Erde und frösteln vor sich hin. Bewegen können sie sich natürlich auch nicht, denn der Boden ist so hart gefroren, daß sie keinen Millimeter vorwärts kommen. Die sitzen da monatelang in ihrem dunklen Gefängnis und frieren. Wer weiß, wieviele Regenwürmer während dieser Zeit eine Klaustrophobie entwickeln und an ihrem Wahnsinn zu Grunde gehen. Aber sieht man mal irgendwo einen Tierschützer, der die Erde mit warmen Wasser begießt ? Nein ! Wale durch Berlin schleppen ist ja wichtiger.

Natürlich gibt es auch Tiere, denen ist die Kälte egal. Man denke nur an die hier gebliebenen Vögel. Dank ihrer Federn halten sie auch niedrige Temperaturen problemlos aus. Wer schon mal im Winter in einem Federbett geschlafen hat, wird das bestätigen können. Oder all die Tiere, die der Spezies namens "Ungeziefer" angehören, die sind auch vollkommen winterresistent. Warum, weiß ich auch nicht, und wenn ich zur Winterszeit am Fenster stehe und auf den meterhohen Schnee blicke, sage ich mir jedes Jahr erneut, daß das diesmal kein Käferlein und keine Mücke überlebt hat, aber kaum wird es warm, springt man wieder im Zimmer herum und erschlägt ein Ungetier nach dem anderen - außer man hat das Pech und ist in einer hamburger Jugendherberge mit einem Tierschützer als Zimmergenossen, der plötzlich ganz böse wird, wenn man eine garstige Spinne erschlagen will und sie dann sofort behutsam zum Fensterbrett trägt. Ich hatte ihn damals gefragt, warum er sich denn nicht lieber um größere, seltenere Tiere kümmert, zum Beispiel Wale...

21.01.2006 um 09:17 Uhr

Lottotipp IV - Na nun aber mal los jetzt hier !

von: Solus

Folgende Zahlen habe ich für diesen Sonnabend im Lotto gespielt: 1,4,30,33,46,48

21.01.2006 um 06:53 Uhr

Du, sag mal, ich habe da mal eine Frage...

von: Solus

Musik: Helge Schneider - Ich drück die Maus

Mit dem Aufblühen der menschlichen Zivilisation haben die Menschen damit begonnen, sich gegenseitig Fragen zu stellen, anhand deren Antworten sie ihre Mitmenschen diskriminieren und ausgrenzen. Das waren am Anfang Fragen nach dem Glauben und der Herkunft, und kurz darauf auch noch nach der sexuellen und politischen Ausrichtung. Irgendwann wurde dann auch danach gefragt, welche Produkte man nutzt und wo man sie gekauft hat. Wir erinnern uns alle noch an das Dauerthema "Markenbewußtsein", das in den Neunzigern Dauergast in den Medien war, und z.B. von Schülern erzählte, die andere Schüler ausgrenzten, weil diese die falsche Kleidung trugen. "Wo hast Du Deine Jeans gekauft ?" - irgendwie schon kurios, was da manche Menschen für Fragen stellen. Und nun, in den Morgenstunden des 21.Jahrhunderts, ist wie aus dem Nichts eine neue Frage aufgetaucht, die sich mit der ständig wachsenden Popularität des Internets immer mehr Menschen gegenseitig stellen, und die fast schon wichtiger geworden ist, als alles andere: Welchen Browser benutzt Du ?

Eigentlich gibt es ja gar nicht so viele Browser. Neben dem Internet Explorer freut sich inzwischen der Mozilla Firefox großer Beliebtheit, daneben soll es auch Leute geben, die Opera oder den Netscape Navigator benutzen, und die total verrückten Computer-Nerds, die mit Nicht-Windows-Betriebssystemen arbeiten, surfen wiederum mit ganz anderen Browsern auf den Datenautobahnen. Eigentlich geht es aber nur um die Frage, ob man den Internet Explorer benutzt, oder nicht. Und je nachdem, wie man diese Frage beantwortet, entscheidet Dein Gegenüber nicht nur, ob man trendy ist, nein, anhand Deines Browsers schließen einige sogar auf Deinen Geisteszustand. Ich war ja während meines in den Sand gesetzten Studiums doch ab und zu mal in der Universität, Studiengang angew. Informatik, und wenn ich dort zwischen all den Spinnern saß und irgendwann spontan erwähnte, daß ich den Internet Explorer benutze, schauten mich immer alle sofort schockiert an, als hätte ich gerade erzählt, daß ich kleine Kinder verspeise. Und kurz darauf konnte man dann in ihren Gesichtern erkennen, wie sie sich "Der Typ hat echt keine Ahnung. Was sucht der überhaupt hier ?!" dachten.
Aber auch, wenn man sich nicht gerade in irgendeiner Universität befindet, sondern ganz normal im Internet kommunizieren möchte, kann man recht schnell die Browserfrage gestellt bekommen. Angenommen man hat ein softwaretechnisches Problem, das speziell, oder aber auch nur entfernt mit dem Thema "Internet" zu tun hat, und betritt eines der unzähligen Foren, um dort nach Hilfe zu suchen, dann stellt der Erste, der davon liest, sofort die neue Frage der Fragen: Welchen Browser benutzt Du ? Wenn man nun artig Auskunft darüber gibt, daß man den Internet Explorer benutzt, wird sofort bei dem Rest der Anwesenden ein ganz spezieller Verhaltens-Mechanismus in Gang gesetzt. Der erste Kommentar auf Dein Geständnis ist meistens "bisst du aber blödt! da bis du selbher dran schuld wenn du jetz problem hasst!" - dicht gefolgt von dem freundlichen Hinweis eines anderen hilfsbereiten Mitmenschen "Installiere Dir Firefox, dann hast Du keine Probleme mehr !". Das klingt schon fast nach dem Bekehrungsritual einer Sekte, und dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn ein weiterer Wildfremder Dir zusammen mit den süßesten und freundlichsten Worten gleich seine Handynummer zuschickt, damit Du ihn sofort anrufen kannst, wenn Du bei der Installation des neuen Browsers irgendwelche Probleme hast. Und bevor Du es Dir doch noch anders überlegst, erzählt Dir ein weiterer "Freund" von den ganzen Sicherheitslücken, die Dein alter Browser hat, und das dieser Browser den ganzen Tag nichts weiter zu tun hat, als den gesamten Inhalt Deiner Festplatte zu katalogisieren, nach verwertbaren Daten zu durchsuchen und die dann ganz still und heimlich an Microsoft zu schicken. Zu diesem Zeitpunkt sollte Dir klar werden, daß sie Dich eingekreist haben und Dich erst wieder gehen lassen werden, wenn Du zu ihrem Browser konvertiert bist. In dem Fall am besten sofort den Computer herunterfahren und nie wieder anschalten, denn beim nächsten Zusammentreffen werden sie sicherlich nicht so freundlich sein.

Wenn jemand so etwas mehrmals mitgemacht hat und sich dann auch noch ständig entsprechende Kommentare von seinen Freunden anhören muß, die während ihres Besuches gesehen haben, das Du den "falschen" Browser benutzt und Dich dann auch gleich bekehren wollen, dann kann natürlich der eine oder andere doch schwach werden. Deshalb nehmt Euch meinen Aufruf zu Herzen: Behaltet Euren Browser ! Internet Explorer Benutzer aller Länder vereinigt Euch ! Viva IE !

Wenn ihr in Zukunft die Frage gestellt bekommt, welchen Browser ihr benutzt, verkündet stolz und unbeirrt die Wahrheit ! Laßt Euch auch nichts einreden; Viren gibt es auch für Firefox, und mit dessen steigender Beliebtheit werden es auch immer mehr werden. Und Tabbed-Browsing finden auch nur die Leute gut, die zu faul sind, ihre Maus ein paar Millimeter weiter hoch zur Startleiste zu bewegen...

...Wie ? Ihr habt Eure Startleiste unten ? Seid ihr aber blöd !

20.01.2006 um 02:48 Uhr

5...4...3...2...1...

von: Solus

Laßt die Sektkorken knallen, das geheimnisvolle Blog ins zauberhafte Nichts feiert seine einmonatige Existenz ! Wer hätte schon gedacht, daß sich das hier so lange halten würde ? Wahrscheinlich niemand, und das völlig zurecht, denn wer will schon irgendwelche zweitklassigen Albernheiten, Rezessionen fiktiver Bücher und belanglose Meinungen zu uninteressanten Themen lesen, die sich ein Wildfremder aller ein bis zwei Tage aus der Nase popelt. Gut, eine will das ganz bestimmt, und ein Blick in die Kommentare zeigt, daß es sogar noch ein paar mehr sind. Aber nicht viele, denn wendet man auf die Anzahl der bisherigen Besucher und die Zahl der seit Blogbeginn vergangenen Tage eine ganz bestimmte mathematische Formel an, errechnet man einen Durchschnitt von 22 Seitenaufrufen pro Tag. Durch das künstliche Besucheranlocken in den ersten Tagen ist natürlich auch diese Zahl noch zu hoch, aber 20 Aufrufe werden es schon sein. Davon gehen zugegebenermaßen 10 auf mein Konto, denn ich komme mehrmals am Tag hierher, um mich an meinen wunderschönen Beiträgen zu erfreuen. Dann hätten wir noch Redhead, die schätzungsweise fünfmal am Tag vorbeischaut und die restlichen Besucher je einmal. So kann ich voller Stolz berichten, daß ich 6 reguläre Leser habe, bzw. sogar 7, wenn ich mich selbst mit dazuzähle.
Das ist natürlich viel mehr, als ursprünglich mal angedacht war. Darum bin ich zu dem Entschluß gekommen, das Blog in seinen Zielen und seinem Auftreten neu auszurichten. So habe ich in den letzten Tagen von früh bis spät eifrig an einem neuen Design getüftelt, das mit diesem Eintrag an den Start geht und Euch natürlich sofort aufgefallen ist. Nun kann der Besucher jetzt immer, wenn er während des eifrigen Schmökerns meiner Beiträge spontan seine Augen ausruhen will, einfach nach Links schauen, wo ab sofort ein kleines Bildchen von mir zu sehen ist, welchen dem Blog im übrigen sogar noch eine persönlichere Note gibt. Darüber der neue Slogan. Während der Alte für eine sehr spitze Zielgruppe angedacht war, spricht der neue Claim jetzt viel mehr Besucher an. Mit diesem neuen, sympathischen, aber weiterhin selbstbewußten Auftreten wird mein...nein, unser geheimnisvolles Blog ins zauberhafte Nichts bestimmt noch zwei, oder vielleicht sogar drei (!!!) weitere Leser für sich gewinnen. So sieht zumindest das gesteckte Ziel für dieses Jahr aus. Am erfolgreichen Format ansich wird natürlich nichts geändert, sodaß Ihr Euch auch weiterhin auf zweitklassige Albernheiten, Fiktionen und belanglose Meinungen freuen könnt. Daneben wird das Angebot in naher Zukunft sogar noch erweitert. Start dafür sind die Feierlichkeiten zum fünfzigsten Eintrag. Also seit gespannt, wenn es hier demnächst so richtig zu Sache geht.

Ja, mehr Worte sollen zu diesem wichtigen Ereignis erst einmal nicht fallen, außer vielleicht noch der Wunsch, daß Ihr auch weiterhin viel Freude mit meinem Blog habt.

Also viel Freude auch weiterhin mit meinem Blog,
Euer Solus.

18.01.2006 um 09:39 Uhr

b.ziehung.n

von: Solus

Musik: Paul Dimmer Band - Ein weiterer einsamer Tag

Über was Leute so seitenlang jammern können. Da hatte ich letzten Monat mal so einen Blog auf dem Schirm, da weinte sich gerade ein Mädchen aus, daß schon lange keine Beziehung mehr hatte und wenn sie mit ihren Freundinnen ausgeht, wird sie noch nicht mal angeschaut. Ich meine gut, wenn man jetzt scheiße aussieht, kann man sich da schon mal drüber aufregen. Auch ich werde hier demnächst einen umfangreichen Text über meine kuscheligen Schwimmreifen veröffentlichen, aber jetzt so rein partnertechnisch kann Frau auch was machen, wenn der Klapperstorch damals in ihren Genpool Pipi gemacht hat. Einfach sexy Klamotten anziehen, denn Männer sind da ganz einfach gestrickt, dann natürlich noch lächeln und möglichst mit Leuten fortgehen, die noch schlimmer als man selbst aussehen. Das hatte ich ihr auch geschrieben, aber da kommt dann natürlich dieses "So eine bin ich nicht. Ich will jemanden, der mich so akzeptiert, wie ich bin." Na so einen findet man aber sicherlich nicht, wenn man ausgeht. Der Weg vieler Leute führt ja beim Ausgehen zumeist in diese öffentlichen Bordelle mit Tanzmusik...auch Diskotheken genannt. Schon der Name ansich, gar schauderlich, aber den Traumpartner findet man dort nicht. Mein Cousin hat sich z.B. bestimmt zehn Jahre lang einmal in der Woche in so einen Tanzsaal gesetzt, ohne Erfolg. Weder Traumfrau, noch überhaupt mal ein Mädchen hat er von dort abgeschleppt. Der ganze Hausblock dachte schon, er sei schwul. Das war letztes Jahr eine ganz schöne Arbeit für seine Mutter, jeden Hausbewohner "zufällig" auf der Straße zu treffen und dem dann zu erzählen, daß ihr Sohn jetzt eine Freundin hat. Aber zurück zum eigentlich Thema, dieses Mädchen jedenfalls gab dann noch in einem anderen Ningel-Eintrag an, schon seit 50 Monaten keine Beziehung mehr gehabt zu haben. Na das ist doch nun wirklich nichts, über das man sich Sorgen machen sollte. Ich meine, ich bin seit 295 Monaten Single, darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben, ein Fortsetzungsroman, aber mache ich das ? Nö. Bin ja selbst dran schuld. Ich könnte mich doch in eine Diskothek setzen, in sexy Klamotten, weil Frauen bestimmt auch einfach gestrickt sind, lachend, und mit Typen, die schlechter aussehen wie ich. Letzteres wäre kein Problem, aber der Rest muß nun wirklich nicht sein. So eine Beziehung würde wahrscheinlich sowieso auf Dauer nichts werden. Ich habe zwar haufenweise tolle Eigenschaften, die jedes Mädchen sofort in meine Arme treiben würden, wenn sie denn davon wüßten, aber auf der anderen Seite bin ich dann auch wieder zu kauzig und zu kompromisslos, und wenn ich Besuch habe, geht der mir nach ein paar Stunden immer tierisch auf die Eier - wie soll ich da dann erst auf Dauer täglich meine gesamte Freizeit mit einem Menschen verbringen...und meine Anforderung an die schönste Nebensache der Welt könnte in Sachen Quantität ebenfalls zu Problemen führen. Und und und...nein, so eine Beziehung ist nichts für mich, vielleicht in ein paar Jahren. Mal gucken. Bis dahin mache ich mich auf jeden Fall nicht fertig.

Die Einzigen, die mich in der Zeit fertig machen werden, und das machen sie ja jetzt schon, sind meine Hormone. "Wir wollen auch mal wissen, wie da so ist." klagen sie täglich. Ich sag dann "Wisst Ihr doch schon." und die darauf "Aber das ist doch nicht das Selbe !". Ich sage dann immer "Nö, vergesst das mal schön." worauf meine Hormone dann Drohungen ausstoßen. " Wenn Du Dir nicht bald ein Mädchen suchst, machen wir Dich pervers !" sagen sie, " Denk an den einen Typen, der Dich jede Woche anruft. Der ist 40 und hatte noch nie. Und schau mal, was aus dem geworden ist. Möchtest Du auch mit 40 nachts auf dem Boden Deines Zimmers sitzen und Dir einen Katheter einführen, den Du vorher im Müll gefunden hast ?!" - "Pah, mir doch egal. " sage ich dann immer, " Dann wird es wenigstens nicht langweilig." - " Aja, wir können auch dafür sorgen, daß Du jetzt schon auf sowas stehst." - " Ach nö, laßt mal lieber. Die Sache mit den Tieren reicht mir schon. " - " Dann suche Dir jetzt endlich ein Mädchen." - "Ja, mal gucken." - " Nicht -mal gucken-, wir geben Dir noch ein Jahr Zeit !" - " Das habt Ihr vor einem Jahr auch schon gesagt. " - "Aber diesmal meinen wir es ernst." - " Hatte ich schon erwähnt, daß ich neulich im Internet eine Anleitung zur Selbstkastration gefunden habe ?!" Und da ist immer Ruhe. Da haben sie dann doch Angst, die kleinen Racker...

16.01.2006 um 08:47 Uhr

Von der neuen alten Modedroge Schadenfreude und wie sie viele Abendbrote rettete

von: Solus

Musik: Kraftwerk - Boing Boom Tschak

Was ist eigentlich aus Gundis Zambo geworden ? Das war die Moderatorin von "Bitte Lächeln" anfang der Neunziger auf Tele5. Ich weiß noch, als wäre es gestern gewesen, da dachte ich "Die sollte ich morgen mal im Blog erwähnen." Habe ich hiermit getan. Seltsamer Weise schiebt die ja mein Gedächtnis samt Sendung in Richtung RTL2, aber das war dann schon später, als die Sendung von Martina Menningen moderiert wurde, einer Frau, bei der die Google-Bildersuche noch weniger Bilder als bei Gundis Zambo ausspuckt. Und das völlig zurecht. Wobei, ich muß zumindest anerkennend sagen, daß sie samt "Bitte Lächeln" einige Familienfestabendbrote gerettet hat. Das war ja so, und ist es im übrigen auch heute noch, daß sich mein kleiner Familienkreis bei solchen Treffen nicht wirklich viel zu erzählen hat, wohl auch weil die Kommunikation an den übrigen Tagen lückenlos ist. Und wenn dann der erste Alkohol geflossen ist, so etwa eine Viertelstunde nach dem Kaffeetrinken, dann sind die Zungen locker, die Gesprächsthemen aber rar, also erzählt man sich Dinge, die jeweils der andere gar nicht hören will und irgendwann gibt es dann Streitigkeiten. Sowas ist natürlich sehr unterhaltsam, stört aber natürlich die Vorbereitungen auf das Abendbrot, und das ist dann doch äußerst schade - ohne das ich mich mit dieser Aussage jetzt hier als Vielfrass outen möchte, dem ist nicht so, es geht mir eher darum, daß bei Familienfestabendbrotveranstaltungen auch mal ein paar Speisen serviert werden, zu deren Anrichten meine Mutter sonst immer zu faul ist. Jedenfalls, wenn dann eben damals gerade die Stimmung langsam in Richtung "Noch so'n Ding, Augenring" abkippte, schaltete mein Vater ausgefuchsterweise auf RTL2, sodaß im Fernsehen plötzlich ganz viele hinfallende Babys, alberne Tiere, hinfallende Rentner, sowie hinfallende Menschen im Allgemeinen zu sehen waren. Und hast Du nicht gesehen, war die Stimmung sofort wieder ganz oben. Da blieb kein Auge mehr trocken. Besonders meine Tante erfreute sich lautstark an all diesen lustigen Homevideos, und auch der intellektuelle Teil der Familie, also alle anderen außer meiner Tante, waren bestens unterhalten, weil sie bei jedem Clip rätseln konnten, ob dieser nun gestellt war, oder nicht. So verging die Zeit bis zum Abendbrot friedlich und fröhlich, ohne Streitereien.

Leider wurde "Bitte Lächeln" und all die anderen Clipshows ja 1998 abgesetzt. Seitdem ängstige ich mich bei jedem Familienfest, ob auch wirklich das Abendbrot stattfindet. Richtig sicher ist das seitdem nie mehr gewesen...bis jetzt. Denn nun gibt es sie ja wieder. SuperRTL hat es vorgemacht und die restlichen Sender ziehen nach. Zwar läuft, wenn ich mich nicht irre, keine der Sendungen zu dieser bestimmten Zeit zwischen Kaffeetrinken und Abendbrot, aber das kommt bestimmt noch. Schadenfreude ist eben nicht nur ein Kind des 20.Jahrhundert, nein, auch 2006 sind die Leute wieder süchtig danach, andere Menschen zu sehen, denen es schlechter geht, als einem selbst, auf die mit dem Finger gezeigt wird und die ausgelacht werden - besser die, als ich.

Das ist mir persönlich natürlich fürchterlich egal, ich betrachte da auch wieder nur die Wirtschaftlichkeit und sehe Sender, die mit für sie kostenlosem Archivmaterial Topquoten einfahren, also finde ich die Clipshows eigentlich sogar super. Es stört nur ein bißchen, daß nun täglich gern mal meine Mutter ins Zimmer gesprungen kommt und mir euphorisch von irgendwelchen albernen Tieren und hinfallenden Babys erzählen will, obwohl ich schon mehrfach erwähnte, daß man sowas dann schon selbst gesehen haben muß und ich das, selbst wenn, wahrscheinlich nicht wirklich sehr lustig finden würde. Irgendwie ist es schon in bißchen schade, daß sich in all den Jahren meine Mutter auf intellektueller Ebene ihrer Schwester angenähert hat.

14.01.2006 um 23:38 Uhr

Solus, der Blogtöter

von: Solus

Musik: Radiohead - Exit Music

Ich mache mir da jetzt doch ein paar klitzekleine Vorwürfchen. Warum ? Nun, da war dieser Weblog , den hatte ich zufällig entdeckt und gelesen. War erstmal nur ein Eintrag, der von einer "Sie" handelte, die sich spontan dazu entschieden hatte, aus ihrem Leben auszubrechen. Der Prozess, der da nun in den kommenden Wochen im Blog dokumentiert werden sollte, würde seinen Höhepunkt an ihrem Geburtstag finden, wenn sie dann einfach die Stadt verläßt. Aber dazu kommt es jetzt scheinbar nicht, denn es blieb bei diesem einen Eintrag, und nun ist der Blog auch noch ganz verschwunden. Schuld daran könnte ja vielleicht, eventuell, wahrscheinlich auch nicht, oder aber möglicherweise doch, der eine Kommentar sein, der unter diesem ersten Eintrag geschrieben wurde. Und, jetzt nicht erschrecken, der Autor dieses Kommentars war ich !

Ich hatte da eigentlich nur auf die Schnelle einen kleinen fiktiven Bericht über eine Gepardin formuliert, die im Zoo aus ihrem Gehege ausbrochen war, aber ihre Flucht an der Mauer, die den Tierpark umgab, abbrechen mußte und daraufhin wieder in ihren Käfig zurückkehrte. Das fand ich netter, als den üblichen Rhabarber im Sinne von "Niemand kann wirklich ausbrechen. Du machst Dir da nur etwas vor." zu schreiben. Aber besser wäre es wohl gewesen, gar nichts zu schreiben, denn nun hat die Person ihre Flucht scheinbar aufgegeben, weil sie meinen Text total überzeugend fand. Und darum ist auch der Blog verschwunden. Ich habe ihn auf dem Gewissen. Schade irgendwie, wäre sicherlich interessant gewesen, das weiter zu verfolgen. Das nächste Mal schreibe ich auf jeden Fall nichts. Versprochen.

Anmerkung: Dieser Text geht natürlich davon aus, daß der Blog keine fiktive Geschichte erzählen wollte, daß der/die Autor(in) nicht eigentlich plötzlich keine Lust zu schreiben mehr hatte, und daß mein Kommentar tatsächlich die Fähigkeit besaß, jemanden derartig zu beeinflussen, daß die Person daraufhin ihre gesamten Pläne umwirft. Da die Wahrscheinlichkeit, daß das alles wirklich so geschehen ist, relativ gering ist, sollte dieser Eintrag daher im Grunde nur als weiteres Symbol meines übersteigerten Egos bewertet werden.

14.01.2006 um 03:42 Uhr

Lottotipp III - Kann gar nicht schiefgehen

von: Solus

Folgende Zahlen habe ich für diesen Sonnabend im Lotto gespielt: 6,13,18,28,44,47

14.01.2006 um 03:38 Uhr

Buchtipp: Janosch Siebenberg, "Der Zylinder"

von: Solus

Musik: Scandinavian Music Group - Kun Puut Tekee Seittiä

In seiner Wahlheimat Österreich ist Janosch Siebenberg ein gern gelesener Autor, während seine Bücher hier zu Lande eher noch ein Geheimtipp sind. Vielleicht ändert sich das ja endlich mit seinem neuen Werk mit dem Titel "Der Zylinder", das Zeug dazu hat es allemal.
Ganz klassisch beginnt der Autor mit der Einführung in die Rahmenhandlung. Ein junger Mann, von Beruf Schriftsteller, der an einer Schreibblockade leidet, besucht mit seiner leicht infantilen Freundin einen Jahrmarkt, um sich vom Stress seiner Arbeit zu erholen. Dort wird er von seiner Bekleiderin dazu überredet, sich mit ihr die Vorstellung eines Zauberers anzuschauen. Widerwillig setzt er sich zwischen die doch sehr viel jüngeren Zuschauer und ist anfangs von den Taschenspielertricks des Magiers ganz und gar nicht begeistert. Doch dann beginnt der Zauberer damit, aus seinem Zylinder ein Kaninchen zu ziehen, wodurch im Kopf des Schriftstellers wie von Geisterhand eine Geschichte entsteht. Und damit findet sich der Leser auch schon in der ersten der ingesamt sechs Episoden wieder, welche die Geschichten von immer anderen Personen erzählen. Je nachdem, was der Zauberer aus seinem Zylinder zieht, thematisiert die Episode etwas anderes. Das weiße Kaninchen als Wegweiser zur inneren spirituellen Welt, wahrscheinlich den meisten durch "Alice im Wunderland" bekannt, löst zum Beispiel eine Geschichte über einen unzufriedenen Familienvater aus, der seine Familie an einer Raststätte zurückläßt und dann allein ins Gebirge fährt, um dort zu sich selbst zu finden. Ebenfalls sehr lesenswert ist auch die Episode der Taube, das Symbol des Weiblichen. Ihre Geschichte handelt von einer frisch geschiedenen Frau, die plötzlich ihre lesbische Seite entdeckt und sich in die zehn Jahre jüngere Nachbarin verliebt. Der Höhepunkt des Buches ist aber sicherlich die Sanduhr-Episode. Als Symbol des Vergänglichen läßt sie im Kopf des Schriftstellers die Geschichte eines polnischen Totengräbers entstehen, der als Kind dazu erzogen wurde, alle Deutschen zu hassen, und nun plötzlich in Deutschland arbeiten muß. Gerade mit dieser Episode schafft es Janosch Siebenberg wieder an frühere Werke anzuknüpfen, in denen er auf verblüffende Art und Weise seinen schwarzen Humor und ernste Themen meisterhaft miteinander zu verbinden wußte. So schafft es "Der Zylinder" die Fans bisheriger Siebenberg-Werke genauso zu unterhalten, wie jene Leser, die ihren Lieblingsautor mal von einer anderen Seite kennenlernen wollten. Und da der in Ungarn geborene Autor erst kürzlich in einem Interview ankündigte, auch in zukünftigen Büchern nicht vollständig zu seinem ganz speziellen Humor zurückzukehren, der ihn berühmt gemacht hat, könnte "Der Zylinder" ja sogar das von den Fans bisher empfohlene Buch "Die tote Mutter" als Siebenstein-Einstiegsdroge ablösen. Wer den Autor also noch nicht kennt, kann dennoch sorglos zugreifen. Es lohnt sich wirklich.

11.01.2006 um 06:32 Uhr

Meine Abenteuer in der Dresdner Uniklinik im Jahre 2000, Teil 3

von: Solus

Mittwoch - 9.8.2000
Mir ging es wieder besser. Kein Wunder, nach der Nacht. Ha ! Das Hauptproblem war aber eigentlich mein Magen, der wohl einfach nicht die Medikamente vertragen konnte. Deshalb bekam ich jetzt noch mehr Medikamente, die dafür sorgten, daß ich regulären Medikamente vertragen konnte. Gegen 8 Uhr kam, wie an jedem Tag, die Putzfrau herein, die aber diesmal sehr viel gründlicher putzte. Nicht, daß sie sonst einen schlechten Job gemacht hätte, aber an diesem Morgen putzte sie sich fast die Hände blutig. Wenig später kam dann noch die nette, hübsche Schwester ins Zimmer gestürzt und zupfte die Gardinen zurecht und erzählte mir, daß heute bei der Visite der Chefarzt dabei wäre und hier deshalb alles perfekt sein müßte. Ich sollte auch, sobald sich die Tür öffnen würde, sofort den Fernseher ausschalten. Und dann, eine halbe Stunde später, öffnete sich tatsächlich die Tür. Panisch drückte ich den Aus-Knopf der Fernbedienung und blickte voller Erfurcht in die leuchtende Aura dieses gottgleichen Mannes, der da durch die Tür schwebte. Ich weinte vor Glück, denn ich erblickte Schönheit und Perfektion. Nagut, das ist jetzt alles ein bißchen übertrieben, denn im Grunde war da ja nur dieser eine ältere Herr, der mir vor ein paar Tagen die Kamera ins Ohr gesteckt hatte. Dieser Mann, samt einer Horde anderer Ärzte (mit leicht geduckter Haltung, um ihre Demut auszudrücken) fragten nach meiner Befindlichkeit und teilten mir dann freudig mit, daß ich ab heute verstärkt Lauftraining machen sollte, weil das Gleichgewichtsorgan dsa Laufen komplett neu erlernen muß, und ich dann schon bald nach hause könnte. Dabei lächelte mich der hellhaarige Arzt besonders an, woraufhin ich zurücklächelte. Dabei zitterte aber aus unerfindlichen Gründen einer meiner Mundwinkel, woraufhin der Arzt mein Gesicht näher betrachtete, weil diese Entzündung, wegen der ich im hier war, auch die Gesichtsnerven zerstören konnte. War aber natürlich alles in Ordnung, und so zogen die Ärzte glücklich davon, und ich konnte wieder den Fernseher einschalten.
Davon hatte ich nur leider nichts viel, denn schon kam die nette, hübsche und eine gemeine, blonde Schwester ins Zimmer und ordneten an, daß ich nun draußen mal im Gang ein bißchen laufen solle. Devot, wie ich bin, folgte ich dem Befehl und marschierte unsicher den Gang entlang. Die nette, hübsche Schwester beobachtete das und lachte, wenn ich mich am Ende des Gangs wie ein Soldat um 180 Grad drehte. Das Bogenlaufen war eben noch ein bißchen schwierig. Drinnen dann, als sie die Sachen meines Zimmernachbarn ordnete, meinte sie, daß Männer wie kleine Kinder wären. Was hatte diese Äußerung wohl zu bedeuten ? Hmm...

Donnerstag - 10.8.2000
Mein Zimmernachbar wurde entklassen und ich bekam einen Neuen. Diesmal ein Fünfjähriger. Um Zwölf Mittags fing er plötzlich zu weinen an.  Dann winkte er in Richtung Fernseher und wimmerte, ich soll ihn ausmachen, weil er schlafen will. Obwohl ich keine Kinder mag, gab ich nach. Da er aber nach eine halben Stunde immer noch nicht schlief, sagte ich "Na wenn Du nicht schläfst, kann ich auch wieder den Fernseher einschalten !" und tat selbiges. Später kamen meine Eltern, brachten Ersatz für die vollgekotzte Hose vom Dienstag. Und schon wieder weinte der Typ. Diesmal weil sein Vater nicht da war. Der kam dann irgendwann, war vermutlich froh, diese Heilsuse mal loszuhaben. Am Abend ging es dann weiter. Wieder sollte ich den Fernseher ausmachen, ich drehte ihn aber nur etwas leiser, woraufhin dieser eine Stunde lang weinte. Dann hatte er es satt und rannte zur Schwester, der bösartigen, Blonden. Die bat mich, den Fernseher noch leiser zu machen, und ging wieder. Daraufhin weinte der Fünfjährige weiter und lief wieder zur Schwester, die mich nun Zwang, den Fernseher auszuschalten. Man hätte ja auch die letzten Tage, als es mir so schlecht ging, Rücksicht auf mich genommen. Ist natürlich ein blödes Argument, denn das gehört ja mit zum Service. Nur unter großem Protest und dem Verlangen, den Typen ein anderes Zimmer zu geben, fügte ich mich. Während der Kerl sich nun langsam in den Schlaf weinte, fragte ich mich, ob es wohl nach einem Unfall aussehen würde, wenn er am nächsten Morgen mit seinem Kissen auf dem Gesicht gefunden werden würde.

Freitag - 11.8.2000
Am nächsten Tag wurde mein weinender Nachbar operiert, aber scheinbar nicht an den Tränenkanälen, denn als er später aufwachte, weinte er wieder. Seine Eltern ließen sich an dem Tag gar nicht erst blicken. Die schienen wirklich froh zu sein, ihn los zuhaben. Am Abend war der Kerl vom Weinen wenigstens so müde, daß er schlief und ich Fernsehen schauen konnte.

Sonnabend - 12.8.2000
Früh, als ich draußen mit den anderen Patienten auf dem Gang auf die tägliche Untersuchung wartete, staunte ich nicht schlecht. Da stand doch der Typ aus meinem Zimmer vor ein paar anderen Kleinkindern und gab an, nicht geweint zu haben, als man ihn gespritzt hatte. Ich hätte ihn in diesem Moment Lügen strafen können, vor all den anderen Kindern, aber ich beließ es dabei, ihn in dem Moment einen ganz bösen Blick zuzuwerfen. So richtig angst konnte ich ihm damit aber nicht machen.
Wieder im Zimmer kam dann die Schwester und entfernte dem Nervsack die Kanüle, durch die die Medikamente getropft werden. Und was hat er da gemacht ? Richtig, geweint. Seine Eltern holten ihn später ab und so hatte ich das ganze Wochenende das Zimmer für mich allein.
Die nette, hübsche Schwester war auch noch einmal in meinem Zimmer und erzählte mir, daß sie heute Abend mit der Familie ein Grillfest veranstaltet. Sie wollte scheinbar das Telefon des nun freien Bettes in ein anderes Zimmer bringen, bekam aber den Stecker nicht aus der Dose. Die gemeine, blonde Schwester (nicht zu verwechseln mit der bösartigen, Blonden) kam dazu und schnauzte die nette, hübsche Schwester an, daß sie keine Ahnung hätte. Als sie dann aber selbst nicht das Kabel herausbekam, freute sich die hübsche Schwester und wir lächelten uns beide an. Hach...leider habe ich sie seitdem nie wieder gesehen.

Sonntag - 13.8.2000
Heute kam es entgültig zur Konfrontation. Die bösartige, blonde Schwester, wollte mir tatsächlich früh das Fernsehen verbieten. Es war die gleiche Schwester, die mir schon am ersten Tag verbieten wollte, raus zu gehen und die mich aufforderte, das Fernsehen auszuschalten, weil das Nachbarsackgesicht geweint hatte. Diese Schwester versuchte nun, nachdem sie den Donnerstag anscheinend als Sieg gewertet hatte, mir das Fernsehen wegzunehmen. Man kann mir alles nehmen, ABER NICHT DAS FERNSEHEN !!!! Also erlebte sie mich mal von meiner anderen Seite, der dunklen, bösen Seite, wo anstatt meiner sonstigen Diplomatie pure verbale Gewalt herrscht. Am Ende konnte sie bloß noch den Satz einwerfen: " In anderen Krankenhäusern muß man für Fernsehen bezahlen. " Ich wunderte mich über das Argument und fragte: " Ja, na und ? " Schließlich war ich schon in anderen Krankenhäusern und hatte auch schon bei gleichem Fernsehkonsum bezahlt.
Später dann beim Tropfwechsel mußte sie aber noch eine Spitze loslassen. Sie fragte, ob meine Eltern kommen. Als ich verneinte, meinte sie, daß sie jeden Tag von Chemnitz nach Dresden fahren müßte und das es nun keine so riesige Strecke wäre. Wollte sie mich nun gegen meine Eltern aufhetzen ? Zwecklos, schließlich war ich es, der seinen Eltern jeden Tag sagen mußte, daß sie nicht kommen brauchen.

Montag - 14.8.2000
Früh wurde mir mitgeteilt, daß ich am nächsten Tag gehen könnte. Nach der morgentlichen Untersuchung mußte ich wieder in den Untersuchungsraum des Chefarztes, in dem vorerst nur ein paar Studenten warteten. Der hellhaarige Arzt schob die Ohrenklappe beiseite, fischte diverse Tamponaden aus dem noch angeschwollenen Ohr und wartete dann auf den Chefarzt. Als dieser kam und sich dazu bereitmachte, in mein Ohr zu schauen, merkte der hellhaarige Arzt an, daß er schon die Tamponaden entfernt hätte. Aber anstatt ihn dafür zu loben, grunzte ihn der Chefarzt an, daß er das selbst sehen würde. Mit meinem Ohr hingegen war aber scheinbar zufrieden.
Wieder zurück wurde mir mitgeteilt, daß ich in ein anderes Zimmer umziehen mußte. Seltsamerweise war das auch Zweibettzimmer, bloß halt schon mit Zimmernachbar, ein Junge etwa im gleichen Alter. Wir redeten nicht viel, denn ich kannte ihn ja gar nicht und war im übrigen sowieso nur damit beschäftigt, die Stunden rückwärts zu zählen. So verging der Tag.

Dienstag - 15.8.2000
Früh wurde noch ein kurzer Check gemacht, mir alles Wichtige gesagt, dann kamen auch schon die Eltern, mit denen ich, noch immer etwas unsicher auf den Beinen, das Krankenhaus verließ. Ich hatte es geschafft. Ich war wieder frei.

11.01.2006 um 06:27 Uhr

Meine Abenteuer in der Dresdner Uniklinik im Jahre 2000, Teil 2

von: Solus

Dienstag - 1.8.2000
6.30 Uhr, also eigentlich eine Zeit, in der ich ins Bett gehe, wurde ich geweckt. Zum Frühstück gab es Marmelade und Weißbrot, das schlimme Erinnerungen an einen Krankenhausaufenhalt in meiner Kindheit weckten. Der Koreaner durfte am Bett essen. Dann wollte er aufstehen und auf das Klo gehen. Doch die Schwestern drückten ihn ins Bett zurück und übergaben ihm eine Urinflasche. Also stellte er sich ins Bett und pinkelte in die Flasche, so circa 2 Minuten. Ich wunderte mich schon, daß die Flasche nicht überlief. Die Schwestern rannten dann mit der Flasche davon, der Japaner schlief wieder. Währendessen hatte mir die Schwester den typischen OP-Rock und Thrombosestrümpfe in die Hand gedrückt, die ich tapfer anzog.
7.30 Uhr war Visite. Der Oberarzt von gestern sagte: " Ja, ähmm...ihre Leberwerte sind nicht gut. Außerdem gab es viele Notfälle. Jedenfalls werden sie erst morgen operiert." Im Laufe des Tages kamen dann noch der Chefarzt, der Stationsarzt, der Betäubungsarzt, der Operateur und ein hellhaariger Arzt und erzählten mir, daß ich erst morgen dran wäre. Dabei fielen dann solche Sprüche wie " Dafür machen wir es dann besonders gut. " oder " Dafür kannst du auch einen Tag früher gehen." Irgendwie verrieten sich aber auch die Ärzte, sodaß ich zu dem Entschluß kam, daß die Leberwerte bloß Mittel zum Zweck waren, und eigentlich nur die vielen Notfälle an der Terminverschiebung schuld seien.
Mit dem Vietnamesen, dem es langsam besser ging, konnte ich nicht reden. Nicht, daß ich nicht wollte, aber er konnte einfach kaum Deutsch. Da kam einmal die Schwester ins Zimmer und der Japaner meinte: " Bitte Fenster zu, sonst ich Hatschi Hatschi ! ". Vielleicht aber sagte er ja auch "Hatshi hatshi", also etwas in seiner Muttersprache, das übersetzt "ich reiß Dir Dein Herz aus der Brust und verfüttere es an die Hunde." bedeutet.

Mittwoch - 2.8.2000
Wieder mit OP-Kittel und Thrombosestrümpfe bekleidet, wartete ich auf meine Operation. Dann, gleich nach der Visite, hängten die Schwestern die Türen aus und fuhren mein Bett aus dem Zimmer. " Heut' ist kein guter Tag zum sterben " dachte ich so bei mir und lachte innerlich über den gelungenen Insiderwitz. So fuhren mich die Schwestern die Gänge entlang, bis in einen Vorraum, wo ich von mir unbekannten Schwestern verkabelt wurde. Dann tauchte der Betäubungsmann auf, sagte ein paar beruhigende Worte und setzte mir die Atemmaske auf. Wie ein Profi atmete ich tief ein, schloß die Augen und...schlief !
Als ich wieder die Augen öffnete, saß der Operateur vor mir und sagte: " War höchste Eisenbahn ! Die Entzündung war riesig. " Dann schloß ich die Augen.
Erneut öffnete ich die Augen. Diesmal stand der hellhaarige Arzt vor mir und sagte: " Ich habe mir gerade mal den Operationsbericht durchgelesen. War ja ziemlich knapp. Noch zwei Wochen später und die Entzündung hätte sich bis zum Gehirn ausgebreitet. Dadurch wäre es zur Hirnhautentzündung gekommen. " Ich schloß die Augen wieder.

Donnerstag - 3.8.2000
Die halbe Nacht durchgekotzt und ständiger Schwindel verschlechterten meinen Zustand. Der Tropf neben mir war in Dauerbetrieb, vom Vietnamesen bekam ich gar nichts mit, außer daß er sehr oft rülpste. Am morgen klingelte dann daß Telefon, was mich wunderte, da ich gar nicht die Telefonkarte reingesteckt, sondern nur das Telefon angemeldet hatte. Ich nahm ab und sprach mit meiner Mutter, der ich gleich von meinem verhindertem Tod berichtete. Am Nachmittag kamen dann meine Eltern samt Tante persönlich vorbei. Noch immer kotzend wechselte ich mit ihnen ein paar Worte. Plötzlich kam die Schwester herein und befahl dem Chinesen, in ein anderes Zimmer zu ziehen. Dieser torkelte sogleich zum Schrank, holte sein gesamtes Hab' und Gut heraus und taumelte dann aus dem Zimmer. So hatte ich den Raum ab sofort für mich allein.

Freitag - 4.8.2000
Noch immer kotzend, bekam ich am morgen gesagt, daß ich nüchtern bleiben soll. Zur Visite meinte man dann, man wolle untersuchen, ob ich nochmal operiert werden würde. Anscheinend hatte mich das dezent aufgeregt, denn plötzlich spürte ich ein Krippeln im ganzen Körper - ich hyperventilierte. Eine Schwester hielt mir eine Tüte an den Mund, während der hellhaarige Arzt angerannt kam und meinte, es müßte doch nicht operiert werden. Durch das Bohren wären vermutlich kleine Knochensplitter in die Flüssigkeit des Gleichgewichtsorgan gelangt, die sich erst einmal absetzen müßten.

Sonnabend - 5.8.2000
Endlich ! Seit mitte des Tages hatte ich nicht mehr erbrochen. Früh wurde ich runter in die Audiometrie gefahren, wo die Knochenleitung überprüft wurde. Mein Gehör schien recht gut zu sein. Am Nachmittag kamen wieder die Eltern. Ansonsten ein recht langweiliger Tag.

Sonntag - 6.8.2000
Nachdem ich von einer älteren, aber netten Schwester früh gewaschen wurden war, sie meinte übrigens, daß ich mich bestimmt darauf freue, das wieder selbst zu tun, während ich im gleichen Moment dachte, daß das doch schön ist, mal derartig bedient zu werden, ging es jedenfalls erneut zur Audiometrie.
Eine dumme Angewohnheit aller Ärzte dort ist es, mit einer Stimmgabel erst auf ihr Knie zu hauen und es dann an meinen Kopf zu halten, verbunden mit der Frage, wo man den Ton denn hört. Das nervt vorallem, wenn man von allen Ärzten, die sich auf Grund meines noch labilen Zustands bei mir die Klinke in die Hand gaben, ständig eine Stimmgabel an den Kopf gehalten bekommt. Der letzte Arzt schaute dann etwas verwundert, als ich ihm sagte, wo ich den Ton höre, obwohl er mir die Gabel noch gar nicht an den Kopf gehalten hatte. Aber auch dieser Tag verging. Mitten in der Nacht weckte mich die Schwester auf und fragte, ob alles O.K. ist. Was sollte das bloß ?

Montag - 7.8.2000
Mein Schwindel war nun eigentlich vollständig verschwunden. Die Ärzte nun ebenfalls zuversichtlich, nachdem ich schon wieder mehrmals eine Operation angedroht bekommen hatte, verordneten mir etwas Bewegung. Und so machte ich nach dem Mittagessen, was ich wie immer zu 90% auf den Teller gelassen hatte, woraufhin ich mir wieder blöde Fragen anhören mußte, warum jeden Tag nichts essen würde, meine ersten Schritte - Richtung Klo. Das ständige In-die-Flasche-pinkeln hatte ich satt. Im Klo angekommen, war ich aber so desorientiert, daß mein Urinstrahl sonst wohin landete. Aber das war mir egal. Ich mußte es ja nicht wegmachen. Wieder zurück ins Bett geschleppt, freute ich mich über meine unglaubliche Leistung. Gleichzeitig ging plötzlich draußen die Sonne los und schien in mein Zimmer. Es schien, als wäre die Natur ein Spiegel meines Inneren.
Gegen Mittag bekam ich einen neuen Zimmernachbarn; einen Achtjährigen, der schon seit fünf Jahren mehrmals an den Ohren operiert wurde. In seinen matten Augen hatte sich Hoffnungslosigkeit ausgebreitet. Aber vielleicht waren ja diesmal die Ärzte erfolgreich. Als ich Abends die Simpsons anschaute, kam eine Schwester herein und fragte, ob ich nicht langsam zu alt für solche Trickfilme sei. Ich stellte fest, daß gerade diese Serie so konzipiert ist, daß auch auch alte Leute Spaß an dieser Serie haben können. Sie könnte sich das ruhig mal anschauen. Darauf meinte sie etwas zerknirscht, daß sie wahrscheinlich nicht sehr viel älter, wenn nicht sogar jünger als ich wäre. Hätte ich nicht gedacht - lag vielleicht an ihrer Frisur und der Brille. Ich kann aber auch so das Alter anderer Menschen schlecht einschätzen.
In der Nacht kam mal wieder eine Schwester herein. Diesmal weckte sie den Achtjährigen, der tief und fest schlief, und fragte, ob er was zu Trinken haben will. Was sollte nun wieder der Blödsinn ? Der Kleine hatte fest geschlafen, warum soll er da trinken wollen ???

Dienstag - 8.8.2000
Mein Zimmernachbar wurde nach seiner Operation verlegt. Dafür bekam ich einen 14-jährigen ins Zimmer, Mandelentnahme. Dieser Junge war ein großer Fan der Simpsons, da er mich gleich fragte, ob ich das denn auch anschauen würde, und als ich bejahte, freute er sich riesig. Wie simpsophil er wirklich war, wurde dann aber erst so richtig während der Besuchszeit deutlich, als er seine Mutter frühzeitig wegschickte, um seine geliebte Serie sehen zu können. Es kam übrigens die Folge, in der Skinner seinen Job verliert und dann ein Buch namens "Billy und die Klonosaurier" schreiben will, woraufhin Apu sich aufregt, daß es das Buch samt Film ja schon lange gibt. Großartige Szene.
Meinen Eltern samt Tante und Cousin hatten mich an diesem Tag wieder besucht und mir Himbeerkompott mitgebracht. Am Abend wurde es mir dann plötzlich wieder schlecht. Als ich auf das Klo rannte, um zu kotzen, war der Brechreiz jedoch schneller, der wiederum einen Druck auf das Ohr erzeugte, sodaß es mir schwindlig wurde und ich so voll auf die Schnauze fiel. Und da ich keine Zeit mehr hatte, mich wieder aufzurichten, verschönerte ich mich und das gesamte Bad mit himbeerfarbenem Erbrochenen, worüber sich die Schwester, übrigens die Simpsons-doof-Finderin, sehr freute...
Mein Sturz hatte glücklicherweise keine Schäden angerichtet. Wäre noch was gewesen, wenn ich mir dort die Knochen gebrochen hätte.
In der Nacht hatte ich einen...speziellen...Traum, der erste seit zwei Jahren. Schließlich hatte ich ja seit über einer Woche die Finger von mir gelassen, und da werden dann die Hormone eben irgendwann rebellisch und übernehmen im Gehirn die Kontrolle. Erbärmlich daran war aber, daß ich nun davon träumte, wie ich an mir herumspiele. Dabei hatte ich heute auch mehrmals diese eine, nette, hübsche Schwester gesehen. Warum träumte ich nicht einfach von ihr...

11.01.2006 um 06:22 Uhr

Meine Abenteuer in der Dresdner Uniklinik im Jahre 2000,Teil 1

von: Solus

Musik: Erdmöbel - Geau wie ich mir es wünsche

Tante Redheads Krankenhausfantasien haben mich spontan auf die Idee gebracht, hier doch mal mein unglaublich interessantes Krankenhaustagebuch aus dem Jahre 2000 zu veröffenlichen.

Montag - 31.7.2000
Früh um 6 Uhr ging es los, zusammen mit meinen Eltern nach Dresden, per Auto natürlich. Halb Acht sollte ich in der Universitätsklinik sein. Da wir aber schon etwas früher ankamen, wurde noch kurz die Elbe begutachtet. Tolles Wasser ! Dann endlich im Krankenhaus auf Station 3A angekommen, mußten wir erst einmal zur Verwaltung, um das Vertragliche zu regeln und eine Telefonkarte kaufen. Wieder zurück wurde als nächstes der stellvertretende Stationsarzt besucht, der mich untersuchte und etwas von Trommelfell neu beziehen und Entzündung entfernen erzählte - "Alles Routine, machen wir hier jeden Tag. *grinz*" Dann verließen mich meine Eltern, während ich in mein Zimmer gebracht wurde. Oberschwester Helga sagte: " Da ist noch ein Chinese im Zimmer. Aber der wird gerade operiert. " Dann ließ sie mich allein.
Das Zimmer war wirklich komfortabel. Zwei Betten, zwei Schränke, zwei Nachttische mit Telefon, ein Fernseher, ein großes Fenster in Richtung Süden, ein Weiteres in Richtung Westen, eine häßliche Deckenlampe und ein schnuckeliges separates Bad mit Klo, Waschbecken und Duschkabine. Nicht schlecht. Als nächstes wollte ich mehr über meinen Zimmernachbar rausbekommen. Also durchwühlte ich seine Sachen und entdeckte ein Akku-Aufladegerät und einen Wegwerfrasierer. Er mußte also mindestens 16 Jahre alt und technisch interessiert sein.
Irgendwann zwischen zehn und elf Uhr kam dann der Betäubungsmann mit einem Praktikanten und ging nochmal den von mir ausgefüllten Fragebogen durch. Dann schaute er mir in den Mund, sagte zu seinem Praktikanten: " Und, siehst du es ? " und verschwand wieder. Was war da zu sehen ? Ich schaute mit geöffneten Mund in den Spiegel, sah aber nur mein sexy Gebiss samt verführerischer Zunge. Eine halbe Stunde später ging es dann zum Oberarzt. Der schaute auch hinein, sagte aber fast gar nichts und schickte mich wieder weg. Um zwölf Uhr kam dann eine Schwester herein und brachte das Mittagessen. Ich hatte gelesen, man könnte dort nach Karte bestellen, aber an dem Tag ging das anscheinend nicht, und so brachte sie mir Nudeln mit Tomatensoße und Pilzen. Pilze - meine Todfeinde ! Freundlich lehnte ich ab, sagte, daß ich keine Pilze vertragen kann, und ließ sie das Essen wieder mitnehmen. Meine Pilzabneigung wurde sofort in den Akten vermerkt, sodaß während des gesamten Aufenthalts die Köche nun darauf achten mußten, mir nichts Pilziges zu servieren. Dafür bekam ich einen neuen Teller, mit einer Roullade, Kartoffeln und einer Soße, die schon an der Oberfläche eine Haut gebildet hatte - Pfui ! Ich stach mit der Gabel in die Roullade, daß heißt ich habe es versucht, doch sie war viel zu hart und mir verging der Appetit völlig. Nun konnte ich den Teller so ja nicht wieder abgeben - ich mußte die Roullade loswerden. Also überlegte ich, wie ich das denn völlig unauffällig schaffen könnte. Die Toilette runterspülen ging nicht, die Spülung war zu schwach, um die Roullade nach unten drücken zu können. In die Deckenlampe kleben war auch keine gute Idee, denn sobald jemand das Licht angeschaltet hätte, wäre an der Wand der riesige Schatten einer harten, vergammelten Roullade erkenntbar gewesen. Dann kam mir die rettende Idee mit dem Fenster. Ich wickelte die Roullade in eine Serviette ein und warf sie mit aller Kraft aus dem Fenster, mit dem Ziel, sie in den Büschen verschwinden zu lassen. Leider landete sie auf Grund meiner schwachen Muskulatur nur auf der Wiese und war so ziemlich sichtbar, da gleich daneben der Weg entlang führte. Schon kam der erste Passant und begutachtete den Serviettenpatzen. Schnell schloß ich das Fenster und versteckte mich.
Nachdem ich den restlichen Tellerinhalt so sortiert hatte, daß es wie gegessen aussah, brachte ich den Teller nach vorn und wartete dann in meinem Zimmer auf 13.30 Uhr. Dann nämlich sollte der Chefarzt höchstpersönlich mich begutachten.
Als die Zeit gekommen war, wurde ich in einen Gang geleitet, wo ich mit anderen Patienten wartete. Dann irgendwann schrie jemand meinen Nachnahmen und ich betrat einen dunklen Raum mit vielen jungen und nicht mehr ganz so jungen Menschen, die im Kreis um den Untersuchungsstuhl standen, neben dem ein älterer Mann, vermutlich der Chefarzt, saß. Ich setzte mich auf den typischen HNO-Stuhl und wurde nach links gedreht. Dann schaute der Chefarzt in mein Ohr, genauer gesagt ins rechte, gesunde Ohr. " Ähh...das Ohr ist aber in Ordnung ?! " fragte der Chefarzt und war nach meiner Zustimmung sichtlich erleichert. Wäre peinlich vor all den Studenten gewesen, wenn er nix gesehen hätte. Jedenfalls schaute er dann ins linke Ohr und freute sich, dort etwas erkannt zu haben. Damit die Studenten sich auch freuen konnten, führte er nun eine Kamera ein und ich konnte nun endlich mal mein Ohr von innen sehen. Auf einem Fernseher erblickte ich die Kamerafahrt durch die Tropfsteinhöhlen meines Ohres samt solcher Sehenswürdigkeiten wie Polypen, einer Entzündung und ein völlig demoliertes Trommelfell. Dessen Anblick erinnerte ein wenig an ein Steak, das man zu etwa dreiviertel mit Ketchup bedeckt hatte. Der Chefarzt erklärte mir alles und bereitete dann die OP-Anweisung vor.
Wieder im Zimmer schaute ich etwas Fernsehen, bis plötzlich die Tür aufging und der Vietnamese hereingefahren wurde. War doch etwas älter als vermutet, so um die Dreißig. Er lag in seinem Bett und schlief. Die Schwestern verkabelten ihn mit einem Herzschlagmesser und errichteten ein seltsames Gerät vor seinem Bett, welches ständig Nebel in sein Gesicht bließ. Dann meinten die Schwestern, ich solle lieber erst einmal rausgehen, der Koreaner bräuchte Ruhe. Also ging ich in den viel zu kleinen Aufenthaltsraum und schaute Fernsehen - "Takeshi's Castle". Ich wollte mich, falls es zu einem Gespräch mit meinem Zimmernachbarn kommen würde, mit der japanischen Kultur vertraut machen.
Um Drei Uhr, zur Besuchszeit, kamen meine Eltern wieder. Als wir in den Park wollten, sagte die Schwester, wir müßten auf den Operateur warten, der könnte aber erst um Fünf kommen. Wir warteten, und warteten, bis ich tatsächlich erst zwei Stunden später endlich von meinem Metzger begrüßt wurde. " Guten Tag, mein Name ist Kaftan ! " stellte sich der Bärtige vor und erzählte dann etwas von einer vermuteten Entzündung, sodaß mein Knochen entweder angebohrt oder weggeschabt werden müßte. Grinzend verließ er uns wieder. Als wir nun endlich an die frische Luft wollten, hielt uns die Schwester erneut davon ab. Bei mir müßte nochmal etwas geröntgt werden. Also warteten wir eine halbe Stunde, hatten die klinische Krankenhausluft dann aber entgültig satt und gingen doch hinaus. Draußen führte uns der Weg an meiner Roullade vorbei. Inzwischen hatten sich circa ein dutzend Wespen auf ihr niedergelassen, die etwas überrascht waren, als ich sie samt Roullade mit einem Tritt ins Gebüsch befördert wurde. Dann setzten wir uns auf eine Bank vor meinem Fenster und warteten. Wenig später kam eine Frau mit einem Schäferhund an uns vorbei. Plötzlich rannte der Hund ins Gebüsch, und als er rauskam, hatte er die Serviette mit der Roullade und den Wespen im Maul, und rannte damit zu seinem Frauchen. Die Frau rieß sie ihrem Hund wieder weg und warf sie zurück auf die Wiese. Als der Hund wieder zur Roullade wollte, nahm sie ihn an die Leine und zog ihn davon.
Um sieben Uhr verabschiedete ich mich dann von meinen Eltern und ging zurück auf die Station. Dort wurde ich rasiert, am Kopf natürlich nur. Wieder in meinem Zimmer würgte ich noch mein Abendbrot rein, Schnitte mit Wurst, und schaute leise Fernsehen, um den Chinesen nicht zu wecken. Gegen 22 Uhr beschloß ich zu schlafen.

09.01.2006 um 08:50 Uhr

Die Langeweile

von: Solus

Die Langeweile
bohrt sich durch meine Stirn
und pflanzt mir ihr Kind
in mein kleines Hirn.

Dort wächst es, ganz langsam
und heimlich heran.
Bis ich an rein gar nichts mehr
Freude empfinden kann.

Und füllt es dann später
den gesamten Schädel aus.
Will es ganz plötzlich
aus seinem Nest heraus.

Es fliegt auf grauen Schwingen
majestätisch dahin.
Hinterläßt in mir eine Leere und
die Frage nach dem Sinn.

09.01.2006 um 01:41 Uhr

die, die viel haben, und nicht ich

von: Solus

Musik: Rocko Schamoni - Geld ist eine Droge

Ich habe mir mal angeschaut, wer so alles in meinem Geburtsjahr ebenfalls das Licht der Welt erblickte; kann man ja z.B. auf wikipedia.de tun, wenn man da eine Jahreszahl eingibt. Jessica Alba ist zum Beispiel 1981 geboren - die sieht doch eigentlich älter aus, oder ? Und Beyonce, die auf jeden Fall noch sehr viel älter aussieht, ist ebenfalls in dem Jahr geboren. Bekannte Jungs gibt es auch, unter anderem Elijah Wood oder Justin Timberlake. Die sind alle in etwa so alt wie ich und haben trotzdem mehr Geld auf dem Konto. Sauerei !
Deutsche Namen tauchten in der Liste natürlich auch auf: Jeanette Biedermann, Ben, Cosma Shiva Hagen, Nora Tschirner, Janin Reinhardt - die haben auch alle mehr Geld als ich auf dem Konto. Große Sauerei !
Noch schlimmer ist eigentlich nur, daß es dutzende Leute gibt, die noch viel eher als ich geboren sind und trotz weniger Lebenzeit reicher und berühmter sind. Keira Knightley, 1985 geboren z.B. - die auf jeden Fall sehr sehr sehr viel älter aussieht, oder Lukas Podolski, ebenfalls 1985 aus seiner Mutter gezogen. 1987 Hilary Duff - wenn ich mich nicht irre die reichste Nichterwachsene im Amiland. Oder Emma Watson, 1990, Dakota Fanning 1994, und immer so weiter. Die sind alle sehr viel jünger als ich und haben trotzdem mehr Geld auf dem Konto. Megagroße Sauerei !
Tja, die haben es geschafft, die sind alle reich, während ich scheinbar mein bisheriges Leben eher suboptimal genutzt habe. Aber das soll sich nun ändern. Ich will genauso viel Geld wie Jessica Alba, Lukas Podolski und Hilary Duff auf dem Konto haben. Um das zu erreichen, bleibt mir nur eine Möglichkeit: Ich muß den Sozialismus einführen ! Überall !

08.01.2006 um 03:35 Uhr

Die überbewertetsten Filme der Welt

von: Solus

In meiner beliebten Serie "Die überbewertetsten Filme der Welt" möchte ich mich heute gleich zwei Filmen widmen, die auf Grund ihrer klaren Positionierung gegen den Faschismus immer wieder in den Lieblingsfilm-Listen vielen Leutchen auftauchen, obwohl sie eigentlich gar nicht so herausragend sind. Da beide in den letzten zwei Tagen im Fernsehen liefen, konnte ich mich noch einmal vergewissern, daß meine Meinung über diese Filme, die ich mir vor Jahren gebildet habe, tatsächlich berechtigt ist, und das ist sie ohne Zweifel.
Als erstes hätten wir da also "American History X", ein Film über den Faschismus in der Gegenwart. Die Story ist schnell erzählt; Derek, früher Nazi und Mörder, jetzt ein total netter Typ, kommt aus dem Gefängnis und muß feststellen, daß nun sein jüngerer Bruder Danny zum Nazi wird. Also schubst er den örtlichen Nazi-Anführer zu Boden, macht seinem Bruder klar, daß Nazis uncool sind und am Ende gibt es natürlich den obligatorischen Mord. Der Plot ist also nicht gerade sehr inhaltsvoll, aber das kann man zur Not durchgehen lassen. Was mich aber wirklich richtig ärgert, ist die verblödete Geschichte rund um Dereks Wandlung. Er ist ja nicht nur irgendein dummer Glatzkopf, der die falschen Freunde hatte, sondern ein Vollnazi und Psychopath. Er hat den Schwarzen eiskalt hingerichtet. Und dann wird er einmal vergewaltigt und schon ist er die Vernunft und Toleranz in Person. Ist das die Botschaft des Films ? Alle Nazis und Mörder einmal von hinten kräftig durchnehmen und schon sind sie bessere Menschen ? Wenn es doch noch so einfach wäre, ich würde an vorderster Front mitvögeln, aber die Realität sieht eben anders aus. Und da kann ein Film, der sich mit so einem ernsten Thema beschäftigt, nicht solchen Mist erzählen. Der Zuschauer glaubt das am Ende noch und denkt sich "Ach, spätestens im Knast merken die Nazis dann schon, daß sie falsch liegen, da brauche ich mir keine Gedanken darum zu machen." Im übrigen ist die Wirkung auf den Zuschauer eher gering, da er sich mit den Personen, deren Häßlichkeit in dem Film dargestellt wird, nicht identifizieren kann. Alles in allem ist "American History X" also nichts weiter als unnützer Hollywoodschund.
Trotzdem hat der Film auf imdb eine Wertung von 8,4 - genauso viel wie auch der zweite Film hat, den ich kritisieren möchte. "Das Leben ist schön" heißt er und die Story dieses Films ist schnell erzählt. Ein jüdischer Italiener gründet zur Zeit des Dritten Reiches eine Familie, und nachdem sich Deutschland und Italien verbunden haben, wird er mit Sohn und Frau in ein KZ gebracht, wo er fortan versucht, seinen Sohn vor den Nazis zu verstecken. Am Ende gibt es natürlich den obligatorischen Mord.
Die Idee, bzw. das Konzept ansich ist theoretisch ja gar nicht mal so schlecht. Anstatt den Zuschauer zwei Stunden lang zu deprimieren, baut man erst einmal eine gute Stimmung auf, sodaß es umso schmerzlicher ist, wenn diese dann wieder zerstört wird. Nur sieht das in der Praxis leider so aus, daß das erste Drittel des Films nur daraus besteht, wie sich Roberto Benigni von einem Sketch zum anderen kaspert, und das auch noch auf diese furchtbar überdrehte Art und Weise, als hätte er sich eine halbe Packung Kaffee durch die Nase gezogen. Ich mochte Benigni als Taxifahrer in "Night on Earth", da hat sein Humor funktioniert, aber dieses besagte erste Drittel wirkt eher wie eine Collage diverser Benigni-Sketche, die er noch in irgendeiner Schublade herumliegen hatte und dann einfach lieblos ins Drehbuch mit hineingebastelt hat. Im Mittelteil schwächt sich das Ganze dann glücklicherweise ab und der Film beginnt doch noch eine Geschichte zu erzählen. Die ist zwar nicht sonderlich interessant, schildert aber immerhin in Ansätzen, wie sich der Antisemitismus und andere grausige Ideen in Italien ausbreiten. Das dritte Kapitel wirkt dann wiederum eher wie ein Remake von "Nackt unter Wölfen", nur weniger glaubhaft, denn daß sich der Junge eine Lüge nach der anderen erzählen läßt, obwohl er vorher als intelligent und aufgeweckt dargestellt wurde, erscheint doch eher unwahrscheinlich. Am Ende dann, etwas gehetzt, die unvermeidliche Exekution des Protagonisten, die der Zuschauer aber natürlich nicht zu sehen bekommt, damit man nicht komplett seine gute Laune verliert. Alles in allem ist "Das Leben ist schön" sicherlich nicht der Totalausfall, über den man sich in agressiver Form aufregen müßte, aber etwas ärgerlich ist es schon, daß dieser Film auf Grund des mangelhaften, orientierungslosen Drehbuchs und einem hyperaktiven Benigni sehr viel von seinem Potential verschenkt. Schade.
Nun werden sicherlich viele Leser fragen "Und, Du Schlauberger, was ist denn dann Deiner Meinung nach ein guter Film, der den Faschismus thematisiert ?!". Ich muß sagen, daß das gar nicht mal so einfach zu beanworten ist. Die ganzen Klassiker habe ich jetzt nicht so vor Augen, als daß ich mich darüber äußern kann. Aber mir fällt da ein kleiner, sympathischer Film namens "Zug des Lebens" ein. Dem wurde zwar eine ähnliche Kritik an den Kopf geworfen, wie ich sie hier für "Das Leben ist schön" formuliert habe, und in dem Film gibt es ebenfalls einen hypenaktiven Spinner, für dessen Rolle übrigens Benigni angedacht war, der glücklicherweise ablehnte, aber der Film ist unterhaltsam und amüsant, und ich möchte sogar behaupten, daß der eine oder andere Zuschauer nach dem Film seinen jüdischen Mitbürgern, falls vorhanden, eventuell etwas weniger mißtrauig entgegentreten wird. Das wäre dann schon mehr, als die beiden Filme da oben je vollbracht haben.