Das geheimnisvolle Blog ins zauberhafte Nichts

29.04.2006 um 05:24 Uhr

Solusinema: Kikis kleiner Lieferservice

von: Solus

Mal wieder nichts zu schreiben, darum gibt es eben eine neue Ausgabe meiner Film-Review-Reihe, die eigentlich damit erst zur Reihe wird, weil es Review Nummer 2 ist. Und dann schon wieder ein Anime; noch einen kommentiert, und mir rennen hier die japanophilen Mädels die Bude ein. Gut, knuffig sehen sie aus, in ihren Cosplay-Catgirl-Verkleidungen, aber irgendwie führen sich viele von denen japanischer auf, als es ein Japaner selbst je tun würde. Das nervt schon ein bißchen. In dem Zusammenhang stelle ich mir auch die Frage, warum es eigentlich keine Mädchen gibt, die total auf Hawaii abfahren - das wäre doch die optimale Partnerin: Wenn man Abends von Arbeit kommt, wird man von ihr im Natural-Strand-Outfit begrüßt, bekommt einen Blumenkranz umgehängt, und darf sich während des Abendbrotes an ihrer hypnotischen Tanzkunst erfreuen. Hachja...obwohl, das wäre eher die optimale Haushälterin. Die optimale Partnerin trägt dann doch mal lieber das Catgirl-Outfit. (und zwar das aus "Batman 2"...)

Aber genug des Blödsinns und kommen wir nun endlich zum Review.

Film: Kikis kleiner Lieferservice (1989, Hayao Miyazaki)

Story: Kiki, eine dreizehnjährige Hexe, muß das tun, was jede Hexe in diesem Alter tun muß: Das Elternhaus verlassen und ein Jahr lang in einer fremden Stadt leben, um unabhängig zu werden und ihre Fähigkeiten zu verbessern. Glücklicherweise ist in der heilen Welt des Films kein Platz für perverse Gewalttäter, die es auf einsame, minderjährige Mädchen abgesehen haben könnten, sodaß diese Regel alle supertoll finden und Kiki samt sprechender, schwarzer Katze und fliegendem Besen schon bald eine namenlose Stadt am Meer erreicht. Dort findet sie Unterschlupf bei einer schwangeren Bäckersfrau und beschließt, einen Lieferservice aufzumachen, denn das Einzige, was sie wirklich gut kann, ist auf ihrem Besen fliegen. Zwar kann sie eigentlich nicht mal das und wäre damit, müßte sie in eine Zauberschule, ganz klar ein Fall für die Sonderklasse, aber irgendwie schafft sie es doch, mit viel Glück die ersten Aufträge zu meistern. Ein größeres Problem stellt hingegen ihr Privatleben dar, denn der flugbegeisterte Junge Tombo würde gern mal mit ihr...fahrradfahren, oder besser gesagt fahrradfliegen. Aber da erreicht der Film auch schon seinen tragischen Moment, denn Kiki bekommt Kopfschmerzen, wird übellaunig und hat plötzlich keine Zauberkräfte mehr. Ist das nur ihre erste Regel oder hat sie ihre Fähigkeiten für immer verloren ? Wer weiß, wer weiß...

Mein Senf dazu: Eine junge Hexe, die ihre Eltern verlassen muß und eine sprechende, schwarze Katze ? Klingt gewaltig nach "Sabrina", und in Anbetracht gewisserer optischer Ähnlichkeiten zu den gleichnamigen Archie-Comics liegt zumindest die Vermutung nahe, daß sich die Macher ("Das wandelnde Schloss", "Prinzessin Mononoke") durchaus von der beliebten Comicserie inspiriert lassen haben. Wie auch immer, sehenswert ist der Film durchaus. Zwar geht es inhaltlich manchmal etwas zu kindisch zu, während andere Szenen für Kinder wiederum schlichtweg zu langweilig sind (mal ganz zu schweigen von der eher unspektakulären Handlung ansich), aber dank der liebenswerten Figuren und der netten Erzählweise macht der Film durchaus Spaß. Der Zuschauer findet sich für knapp 90 Minuten in einer Welt wieder, in der Probleme keine sind und das Böse nicht einmal in Ansätzen existiert. Aber keine Angst, Zuckerguss und Glücksbärchis bleiben einem erspart und das Ende ist schon fast elfterseptemberesk. Kritisch anzumerken sei daher nur, daß dem Film zehn Minuten mehr durchaus gut getan hätten. So entsteht jedoch am Ende der Eindruck, daß "Kikis kleiner Lieferservice" auch der Pilot zu einer Serie sein könnte, oder zumindest schon Teil 2 in der Mache ist. Dem war aber nicht so, Kikis weitere Abenteuer blieben unerzählt. Das macht sie zwar zu etwas Unvergänglichem, aber eben leider auch Unvollständigem.

Fazit: Rundum netter Film für Jung und Alt, wobei inzwischen wohl eher nur noch für Letztere, weil die Kinder von heute doch eher auf Monster, hektische Kämpfe und hektische Monsterkämpfe stehen.

26.04.2006 um 07:31 Uhr

Banaler Pausenfüllertext

von: Solus

Musik: Radiohead - Life in a Glass House

Viel zu erzählen habe ich zur Zeit nicht, das ist dem einen oder anderen sicherlich schon aufgefallen. Die Sprechstundenhilfe hat mir erst für nächsten Monat einen Termin gegeben; voher kann ich also auch nichts Neues von meinen kleinen Nierensteinchen erzählen. Dann ist da noch dieses dumpfe Gefühl in meinem Kopf; nagut, das ist immer da und daher kein Grund, hier keine schönen Artikel zu schreiben, nur erinnert es mich eben an die Zeit, als es noch nicht existierte und ich so voller Tatendrang und Euphorie war. Ich war sehr hyperaktiv damals, kaum auszuhalten. Ich wollte immer im Mittelpunkt stehen. Dafür wurde ich gefürchtet und gehasst, oder ausgelacht. Im Grunde sollte ich eigentlich froh sein, daß ich jetzt so ein teilnahmsloser Zeittotschläger bin. Aber damals hätte ich hier sicherlich ein furioses, nie endenwollendes Feuerwerk an großartigen Texten abgebrannt. Stattdessen gibts hier nun dieses Herumgejammer. Da kann man ja auch gleich jeden anderen Blog lesen, denn gejammert wird überall. Am liebsten lese ich ja, wenn so 14jährige Mädchen in Blogeinträgen biblischen Umfangs ihre ganzen Probleme auswalzen. Das finde ich schön, wie sie so mit der Welt nicht zurecht kommen und sich Gedanken darüber machen, warum das denn so ist. "Warum nur ist die Welt so schlecht ?" fragen sie sich. Manchmal möchte ich ihnen sogar die Antwort verraten, oder zumindest, daß sie in ein paar Jahren schon von selbst auf die Antwort kommen werden. Also zumindest hoffe ich das, denn es soll ja sogar über 30jährige geben, die die Antwort immer noch nicht gefunden, oder schon wieder vergessen haben. Vielleicht sollte ich ja eine teure Hotline aufmachen, sodaß mich die verzweifelten Mädchen alle anrufen können und ich ihnen dann die Welt erkläre, oder ihre Hausausgaben, da bin ich flexibel. Da könnte ich echt viel Geld damit verdienen, und später sogar eine nächtliche Anruf-Show auf Sat.1. Schade nur, daß ich so motivationslos bin, sonst würde ich das glatt mal versuchen. Dem Plan fehlt eben noch ein ganz bestimmtes Element, etwas, das mich dazu animiert, es auch wirklich voller Tatendrang und Euphorie durchzuziehen. Was könnte das nur sein, was da fehlt. Ja was wohl...

23.04.2006 um 04:31 Uhr

Lottogigo

von: Solus

Musik: Sugarcubes - Deus

Mein Lottozahlenermittlungssystem trägt erste Früchte: Ich habe einen Dreier. Wäee sogar ein Fünfer gewesen, hätte ich in eine andere Richtung spekuliert. Aber das wird schon noch. Und wenn ich richtig reich bin, kaufe ich Blogigo, um Zugriff auf die IPs zu haben. Dann kann ich endlich beweisen, daß etwa 90% aller Blogigo-Blogs einer einzigen Person mit zuviel Zeit gehören.

21.04.2006 um 17:48 Uhr

Sterntaler Teil 2

von: Solus

3. Die Vorhersage

Der Anrufter hat seine Frage gestellt, die Daten wurden in den Laptop "eingegeben", bzw. die Karten wahllos auf den Tisch gelegt, nun kommt es zur Vorhersage, überraschenderweise dem Kernstück dieser ganzen Prozedur.

Als Fausregel gilt erst einmal: Alle Dinge, die da passieren werden, geschehen frühstens in zwei Monaten, besser sogar drei oder gar sechs. Man will ja schließlich für längere Zeit auf dem Sender bleiben und da wäre es ungünstig, wenn plötzlich jemand anruft und meint "Sie haben behauptet, ich würde in zwei Wochen im Lotto gewinnen - nun ist die Zeit um und nichts ist passiert ! Sie lügen doch !". Nach etwa zwei Monaten haben die Anrufer hingegen meist keine Motivation mehr, telefonisch darauf hinzuweisen, daß die Geschehnisse, die man für sie so liebevoll erfunden hat, gar nicht eingetreten sind. Die Mehrzahl der Menschen, die bei Astroshows anrufen, sind außerdem Polyoraklisten, also Personen, die bei vielen verschiedenen Wahrsagern anrufen. Sie wissen nach zwei Monaten gar nicht mehr, wer welche Vorhersage wann gemacht hat. Hatte man aber doch einmal einen Monooraklisten mit einem guten Gedächtnis in der Leitung, der nach zwei Monaten tatsächlich anruft und herummault, sagt man einfach, daß sich die Zukunft im ständigen Fluss befindet, da noch andere Faktoren eine Rolle spielen und man damals natürlich mit der Vorhersage recht hatte, es aber eben noch etwas länger dauert.

Da stellt sich natürlich die Frage, warum man sich bei der Vorhersage, wie weiter oben angedeutet, überhaupt Mühe geben sollte. Nun, als Wahrsager kann man sehr gut von seinem Job leben, wenn man einen gewissen Kundenstamm hat, der immer wieder und wieder anruft. Diese Leute müssen natürlich vollkommen überzeugt sein, daß man tatsächlich wahrsagen kann. Außerdem, und das gilt speziell für die Fernsehsendung, kann ein Anrufer, wenn man etwas so Falsches vorhersagt, daß gar nicht eintreten kann, derartig skeptisch klingen, daß das andere potentielle Kunden verschreckt. Man muß den Anrufern also etwas erzählen, daß glaubwürdig klingt und sie hin und wieder sogar zu begeisterten Kommentaren motiviert, vorher man das doch alles weiß. Eine bessere Werbung kann man sich nicht wünschen.

Wie sieht also so eine glaubwürdige und geldbringende Vorhersage aus ?
Nun, wichtig ist auf jeden Fall, daß sie immer eine positive Tendenz aufweist. Ab und zu sollte man natürlich auch einmal eine negative Vorhersage machen, am besten immer dann, wenn man auf Grund der Anrufer-Analyse davon ausgehen kann, daß die Zukunft des Anrufers auch tatsächlich nicht sehr rosig aussieht.

Beispiel: Eine Frau ruft mit trauriger Stimme an und fragt, welche Zukunft ihre Beziehung hat. Klarer Fall: Wäre die Beziehung gut, würde sie nicht anrufen. Und da sie traurig klingt, sind die Probleme auch gar nicht mal so klein. Kurz gesagt: Die Beziehung ist hinüber.

Dies teilt man natürlich der Anruferin mit, verbunden mit dem Hinweis, daß man ja ein glaubwürdiger Wahrsager ist, der den Leuten auch Dinge sagt, die sie nicht hören wollen. Natürlich erzählt man der Anruferin auch noch, daß sie sich in vier bis sechs Monaten neu verlieben wird. Und dann wird alles gut.

Man sollte auch auf Äußerungen eingehen, die der Anrufer während der Vorhersage von sich gibt, um rückwirkend seine Wahrsage-Fähigkeiten zu demonstrieren.

Beispiel: Ein Mann ruft mit ernster Stimme an und fragt, wie die finanzielle Lage in der Zukunft aussieht. Sie sieht natürlich gut aus, und zwar richtig gut. In dem Moment, als man das sagt, seufzt der Mann "Ach, das wäre ja so schön.". Also reagiert man sofort und meint "Wie ich sehe, waren da in den letzten Monaten finanziell große Hürden." Da staunt der Mann am anderen Ende, woher man das wohl weiß und fragt "Ja woher wissen sie denn das ?!" - "Das steht in den Karten." antwortet man ganz selbstverständlich. Danach werden die Telefonleitungen glühen.

Ein weiterer nützlicher Tipp ist: Denke immer in Klischees und Vorurteilen. Der türkische Mann ist fremdgegangen und hat deshalb seine Freundin verloren, und die russische Frau ist arbeitslos, weil sie bei ihrem vorhergehenden Job im Betrieb herumgestänkert und andere Frauen beschimpft hat. Wenn man so etwas in den Karten liest, darf man das natürlich erst einmal nicht so konkret formulieren - kann aber, wenn der Anrufer darauf anspringt, sich mit solchem Wissen auch weiter aus dem Fenster lehnen, denn dann liegt man garantiert richtig.

Man muß sich also, um nun letztendlich ein Resume zu ziehen, für jede Art von Frage/Anrufer eine Standardantwort im Kopf zurechtgelegt haben, die man nur noch etwas anpassen muß. Das ist anfangs schwierig, aber mit der Zeit funktioniert das vollkommen automatisch.
"Ich habe ein Problem im Job, wie geht es da weiter ?" - "Es wird eine Unterredung mit dem Chef geben."
"Wird mein Geschäft wieder besser laufen ?" - "Erst einmal nicht, aber wenn Sie ihr Geld in den nächsten sechs Monaten zusammenhalten, wird es wieder besser."
"Werde ich mich erneut verlieben ?" - "Natürlich, in spätestens sechs Monaten sind sie wieder in einer Beziehung, die auch lange Zeit stabil bleibt."
"Wie wird es mit ihrer finanziellen Lage in der Zukunft aussehen, Herr Wahrsager ?" - "Fantastisch. Ich verdiene mir hier eine goldene Nase und baue mir einen großen, leichtgläubigen Kundenstamm auf, von dem ich Jahre lang leben werde."

21.04.2006 um 17:47 Uhr

Sterntaler Teil 1

von: Solus

Habt Ihr schon diese tollen, neuen Astro-Shows gesehen, die des Nächtens jetzt immer auf Sat.1 und Kabel 1 laufen ? Gut, so neu sind sie eigentlich gar nicht. Die liefen ja schon längere Zeit auf NBC Deutschland, Kika und einigen kleinen, lokalen Sendern. Nun aber haben sie es ins große Mainstreamfernsehen geschafft. Die Zukunftsvorhersage scheint also eine richtig gute Goldader zu sein, für den Sender, wie auch für den Vorhersager, sodaß wahrscheinlich der eine oder andere sicherlich schon überlegt hat, nicht selbst einmal vor die Kamera zu treten und mit Karten oder Laptop bewaffnet das große Geld zu machen. Das einzige Problem dabei ist natürlich die fehlende Gabe. Die Wahrsager aus dem Fernsehen sind natürlich alle echt und können tatsächlich in die Zukunft schauen, sonst würden Sat.1 und Kabe 1 die ja nicht ins Programm nehmen. Aber als nüchterne, materielle Durchsschnittsmenschen, die wir alle sind, würden wir natürlich in so einer Astroshow nur Blödsinn vorhersagen und ganz schnell wieder auf der Straße landen. Deshalb habe ich einmal einen kleine Sammlung von Tipps und Tricks für Euch erarbeitet, wie Ihr trotz mangelnder Fähigkeiten für einen erfolgreichen Fernseh-Astrologen gehalten werdet. Das ist natürlich nicht die feine Art, und ich will hier auch niemanden zum Betrug anstiften, aber ich möchte einmal aufzeigen, wie man so etwas denn theoretisch praktizieren könnte.

1. Die Person, die Masche und das Auftreten

Oberste Priorität hat immer, daß möglichst viele Zuschauer zum Telefon greifen und natürlich auch anrufen. Um das zu erreichen, kann man nicht als Franz Müller aus Bottrop vor die Kamera treten. Nein, man muß sich unbedingt einen richtig guten Namen zulegen; am besten einen Orientalischen oder einen Namen, der nach Zigeunerherkunft klingt. "Saskea", "Ayliana", oder "Balthacus" wären z.B. mögliche Namen. Der Fantasie ist da fast keine Grenzen gesetzt, es darf nur nicht zu sehr nach "Herr der Ringe" oder "Star Wars" klingen, sonst wirkt man unglaubwürdig.
Entsprechend zum Namen benötigt man auch noch eine neue Herkunft. Man ist in Deutschland aufgewachsen, das ist natürlich klar, aber die Mutter oder Großmutter sollte schon aus Syrien oder Zigeunigeria kommen und einem die mystische Gabe vererbt haben. Die Fantasievolleren unter Euch können sich ja noch zusätzliche Geschichten ausdenken, z.B. daß man in der Walpurgisnacht geboren wurde, als zufälligerweise gerade der Mond, der Jupiter und die Erde eine Gerade bildeten und ihre kosmische Energie damit vertausendfachten, die ihr beim Eintritt in dieses Leben mit aufgenommen habt. Diese tollen Geschichten könnt Ihr während der Sendung dem Publikum ab und zu einmal erzählen, um sich so eine hohe Credibility zu verschaffen.

Bleibt noch die Frage, ob man mit den Karten oder dem Laptop arbeitet. Dies hängt im Grunde nur vom Aussehen ab. Wenn man eher unkonventionell aussieht, oder eine Frau ist, dann auf jeden Fall die Karten benutzen. Der eher seriösere Mann greift hingegen zum tragbaren Computer. Er sollte dabei vorallem vorher noch einmal trainieren, daß er, wenn er bei der Datenabfrage wahllos auf die Tasten tippt, möglichst konzentriert und angestrengt aussieht. Übertreiben braucht man es aber auch nicht, denn wenn sich z.B. am anderen Ende der Leitung ein Russlanddeutscher befindet und als Geburtsort "Brzdanywztr nahe Vwerwztrikow" angibt, reicht es einfach, wenn man "Ah ja, das hat das Programm gefunden." sagt, oder auch einfach nur nickt, während man fröhlich "q-w-e-r-t-z, ich geh dann ins Bett" eingibt.

Wichtig ist im übrigen noch, daß man immer eine freundliche und sympathische Ausstrahlung aufrecht erhält, und je nachdem, welchen Eindruck der Anrufer macht, entweder etwas menschlicher, oder aber professioneller wirkt. Letzteres ist zum Beispiel notwendig, wenn die Person am anderen Ende der Leitung so klingt, als wäre es ihm mit der Antwort äußerst ernst. Die Hauptsache bleibt jedoch, egal wer anruft, daß man immer überzeugend wirkt.

2. Der Anruf

Hat man jenes Auftreten erarbeitet, sollten schon bald die ersten Zuschauer anrufen, um ihre Fragen zu stellen. Die Fragen sind in der Regel ziemlich unsinnig, weil sie sich die Anrufer oftmals auch gleich selbst beantworten könnten, sei es aus der Lebenserfahrung heraus, oder aber, weil sie die Antwort schon kennen, jedoch nicht wahrhaben wollen. Meistens geht es um Beziehung, Geld oder Beruf. Gesundheitliche Fragen beantwortet man im Fernsehen natürlich nicht, da alles, was man sagt, ja vor Zeugen geschieht und man in dem Bereich schnell verklagt werden kann, wenn man z.B. Opa Emil vorhersagt, daß der stechende Schmerz im linken Arm und das Herzrasen, was er gerade hat, auch ohne Arztbesuch wieder verschwindet, dies jedoch sich als nicht ganz richtig herausstellt.

Weiterhin ist es äußerst wichtig, daß man den Anrufer nicht unterbricht, notfalls sogar bei zu spärlich formulierten Fragen noch einmal nachhakt. Jede Information, die man vom Anrufer während des Gespräches erhält, ist nämlich extrem nützlich für unsere Vorhersage. Dabei muß man auch neben dem, was der Anrufer sagt, unbedingt darauf achten, wie er es sagt, und welchen Eindruck der Anrufer im Allgemeinen macht. Eine nährere Erklärung dessen folgt sogleich.

15.04.2006 um 04:25 Uhr

WCS

von: Solus

Musik: Flaming Lips - Mr. ambulance driver

Ich bin am Boden zerstört und nervlich komplett am Ende. Ich weine den halben Tag, während der anderen Zeit wirken die Beruhigungstabletten. Es ist so fürchterlich. Man denkt immer, daß einem so etwas nie passiert wird, und dann bekommt man vom Arzt diese Diagnose gesagt und wird brutal auf den harten Boden der Realität gerissen. Ich weiß einfach nicht mehr weiter, ich bin völlig verzweifelt. Dabei ging es eigentlich nur ein bißchen Rheuma, was ich wohl haben könnte, woraufhin mich meine Ärztin zum Röntgen geschickt hat. Und da stand ich dann in Unterhosen in der Umkleidekabine, ich sollte noch mit dem Anziehen warten, weil vielleicht noch mehr Bilder gemacht werden müßten, da öffnete die Schwester plötzlich die Tür und sagte: "Mit dem Gelenk ist soweit alles in Odnung, aber...Sie...Sie haben Nierensteine !!!"

Nierensteine, das ist natürlich für mich als Mann das absolute Worst Case Szenario, der Supergau, schlimmer als Krebs und AIDS zusammen. Kleine, kantige Steine kleben in meinen Nieren, was ja nicht weiter schlimm wäre, aber früher oder später fallen diese Steine ab und bahnen sich dann langsam ihren Weg durch den Harnleiter. Brutal schleifen sie dicke Furchen ins Gewebe, während sich dahinter der ätzende Urin langsam staut und den porösen Kanal unaufhaltsam dehnt. Irgendwann erreichen diese Steine letztendlich mein Glied, reißen dort die Harnröhre auf, um sich unter den unglaublichsten aller Schmerzen ihren Weg nach draußen zu bahnen. Wahrscheinlich wird dabei meine Eichel vollkommen zerfetzt. Mein Intimbereich wird nur noch ein blutiger Brei sein, und mein Leben nichts mehr wert, sodaß mir nichts anderes ürbrig bleibt, als meinem Onkel nachzueifern und den Freitod zu vollziehen. Dabei hatte ich noch so viel vor. Ich wollte noch das neue Radiohead-Album hören, und Lars von Triers "Dimension" sehen, und...achja, Geschlechtsverkehr wäre ja auch mal ganz interessant. Aber das wird nun wahrscheinlich alles nichts. Ich bin verdammt zu quälendem Schmerz und vorzeitigem Tod. Elende Nierensteine; verdammt seid ihr in alle Ewigkeit !

10.04.2006 um 02:17 Uhr

Die Frage

von: Solus

Musik: Antony and the Johnsons - Hope there's someone

Wenn ich aufwache und im Traum gerade ein wildfremdes Mädchen geküßt habe, frage ich mich, ob irgendwo auf der Welt ein Mädchen existiert, das gerade aufgewacht ist und sich fragt, ob der wildfremde Typ, den sie im Traum gerade geküßt hat, ja vielleicht irgendwo auf der Welt existiert.

09.04.2006 um 02:11 Uhr

Smells like coward spirit

von: Solus

Musik: Erdmöbel - Onkel Goldesser

Da hat es tatsächlich mal einer durchgezogen, den ich persönlich kenne, oder besser gesagt kannte, denn die Rede ist vom guten, alten Freitod. Ein Onkel von mir, ich kannte ihn kaum, aber ein bißchen eben schon, hat sich neulich des Morgens einen Aktenordner unter den Arm geklemmt, ist in seine Garage gegangen und kam nicht wieder. Die Frau wunderte sich, sein Sohn ging auch mal zur Garage, bekam aber die Tür nicht auf, und Abends hat dann sein zweiter, älterer Sohn samt Frau selbst mal nachgeschaut und die Garagentür aufgestoßen. Aber natürlich kam er zu spät, das Blut war schon vor vielen Stunden aus den Armen gelaufen. Nach dem ersten Schock, dicht gefolgt von "Warum nur hat er das gemacht ?", denn schließlich ist es doch ziemlich albern, wenn man sich als 65jähriger das Leben nimmt, fand der Sohn noch am selben Abend heraus, daß sein Vater immense Schulden hatte. Der verblichene Onkel hat nämlich schon seit Jahren heimlich immer neue Kredite aufgenommen und jonglierte mit Haushaltslöchern herum, daß es einem ganz schwummerig werden würde, wenn man denn davon gewußt hätte. Hat aber keiner, nicht mal seine Frau, die zwar von dem großen Schuldenloch wußte, daß auf Grund einer fehlgeschlagenen Selbstständigkeit existierte, aber das wurde von ihr erfolgreich ignoriert, gepaart mit dem ebenfalls erfolgreichen Leben in einer Scheinwelt. - die ist nun mit einem Mal zerfallen. Im Briefkasten liegt eine dezente Anfrage nach den letzten 10 Monatsmieten, mehrere Bankinstitute würden ihr Geld samt Zinsen auch gern mal wiedersehen, und wieviele private Geldgeber sich melden, wenn die Todesanzeige geschaltet ist, bleibt auch noch abzuwarten. Dem Sohn gruselt es jedenfalls gewaltig, denn auch, wenn er das Erbe ausschlägt, wird da noch einiges an Schulden übrigbleiben, die man so einfach nicht losbekommt. Ich bin jedenfalls sehr froh, daß das kein ganz naher Verwandter war.

05.04.2006 um 04:52 Uhr

Das übliche Wohlstandsherumgejammere, während in Afrika Kindersoldaten an AIDS verrecken

von: Solus

Musik: Sigur Ros - Svefn g englar

Wer schon einmal mitverfolgt hat, wann ich so meine Einträge tätige, wird über folgende Aussage meinerseits nicht überrascht sein: Meine innere Uhr tickt nicht richtig ! Soll heißen, wenn ich im Normalfall früh aufstehe, bin ich Nachts ungefähr zwei Stunden später müde, als es der Rest der Welt ist. Wenn ich dann ins Bett gehe, liege ich etwa noch einmal zwei Stunden wach, bis ich endlich einschlafe - um natürlich am nächsten Morgen, würde mich kein Wecker aus dem Schlaf reißen, ein oder zwei Stunden später als am Tag davor aufzuwecken. Die logischste Erklärung dafür ist, daß ich eigentlich ein Außerirdischen bin, der von einem Planeten stammt, der 28 Stunden braucht, um sich einmal um sich selbst zu drehen. Aber da mich meine außerirdischen Eltern scheinbar nicht wieder abholen wollen, quäle ich mich so Tag für Tag mit zu wenig Schlaf herum.

In den letzten Wochen habe ich nun ein Experiment gemacht. Nachdem sich trotz Weckerstellerei und dem energischen Aufweckdienst meiner Mutter mein Tagesrhythmus in den letzten Monaten so verschoben hatte, daß ich am Ende früh um 11 Uhr ins Bett ging, zwischen 13-14 Uhr einschlief und irgendwann nach 20 Uhr wach wurde, entschied ich mich, diesen Zustand mal wieder etwas zu normalisieren. Also ging ich, in einem Zeitraum von fast genau zwei Wochen, jeden Tag erst ins Bett, wenn ich wirklich Müde war, und ließ mich von nichts und niemanden vorzeitig wecken. So verschob sich mein Schlafrhythmus immer weiter und weiter, bis ich bald 20 Uhr ins Bett ging, und dann am nächsten Tag 23 Uhr. Durch diesen Sprung hatte ich das erstrebte Optimum erreicht, denn während der nächsten vier Tage war ich seltsamerweise tatsächlich gegen Mitternacht wunderbar müde und schlief sogar schon nach einer Stunde ein. Ich fühlte mich in dieser Zeit auch richtig gut; viel lebendiger als sonst, zufriedener, agiler. Aber wie schon erwähnt, hielt das leider nicht an und nun bin ich schon wieder bei früh um 5 Uhr ins Bett gehen. Der Wecker steht fest auf 13:30 Uhr - und eine spätere Zeit kommt nicht in die Tüte. Dafür bin ich aber jetzt wieder ein Zombie, trotz des Tageslichts, auf dessen Mangel ich meine Lustlosigkeit geschoben hatte. Aber es ist eben doch der ausreichende Schlaf, der mir fehlt. Elender kaputter Schlafrhythmus aber auch !

Und die doofen Baldriantabletten sind auch für'n Arsch !

04.04.2006 um 03:02 Uhr

Bilder keiner Ausstellung

von: Solus

Musik: Deine Lakaien - Wasted Years

Heute präsentiere ich das wahrscheinlich langweiligste Bild, was ich je gezeichnet habe. Es ist vorallem deshalb so langweilig, weil es ursprünglich gar nicht als Gemälde fungieren sollte, sondern als Hintergrund für ein Adventure, welches ich während einer diesen kreativen Kurzimpulse beschlossen hatte zu machen, nachdem es schon seit 1999 durch meinen Kopf geistert, ich es aber dann wieder sein gelassen habe. Deshalb nun nicht als Kulisse für die brillianteste Geschichte, die jemals auf dem interaktiven Wege erzählt wurde, sondern als einfaches Bild: Der Zaun

01.04.2006 um 20:31 Uhr

Warum wir uns am 1.April gegenseitig verarschen

von: Solus

Musik: Rauli - Spy vs Spy II (Late Nite Mellow)

"Guck mal, da ist ein Fleck auf Deiner Hose !" - "Woooo ?" - "April, April ! Da ist gar kein Fleck auf der Hose, sondern auf dem Hemd." Sicherlich durfte das jeder schon einmal erlebt haben. Kaum hat man das Kalenderblatt abgerissen, bekommt man vom besten Freund oder von den Eltern aufgezeigt, wie leichtgläubig man doch ist. Sicherlich hat sich jeder schon gefragt, was hinter diesem Brauch eigentlich steckt und wie er überhaupt zu Stande kam. Also möchte ich heute in meiner äußerst beliebten "Warum Wir"-Reihe einmal den Hintergrund jenes albernen Tages beleuchten.

Bei meiner wochenlangen Recherche fand ich heraus, daß niemand so richtig weiß, warum wir uns denn nun am 1.April gegenseitig veralbern. Allerlei seltsame Theorien gibt es da; von Lucifer, der an besagtem Tage aus dem Himmel verbannt wurde, über die Kalenderreform von König Karl IX, bis hin zu einem Narrenball, den die Frau von Heinrich IV für ihren Mann abhielt. Alles Unfug, sage ich, denn auf Grund meiner brillianten Kombinationsgabe und investigativer Nachforschung habe ich den wahren Grund der aprilchen Schelmereien herausgefunden und kann sie Euch hier weltexklusiv präsentieren.

Alles begann im Jahre 1881. Reichskanzler Otto von Bismark fürchtete, daß die Sozialdemokraten mehr und mehr an Einfluß gewinnen würden und letztendlich per Revolution so etwas Fürchterliches wie Demokratie und Sozialstaat einführen könnten. Ihm blieb daher nichts anderes übrig, als selbst etwas Soziales zu initiieren, um dem Feind den Wind aus den roten Segeln zu nehmen. Und so erfand Bismark etwas, daß es selbst heute noch gibt: Die Krankenkassen. Im November 1881 legte er seine Pläne dem Reichstag vor und dank der geringen Bürokratie damals konnte das Krankenversicherungs-Gesetz schon im Dezember 1884 in Kraft treten. Was viele nicht wissen, schon damals gab es die Praxisgebühr, die jedoch direkt als Einkommen an den Arzt ging. Davon mußte er leben, und das konnte er während der ersten drei Monate des Jahres 1885 sehr gut, denn in den Wintermonaten Januar, Februar, März wurde damals natürlich so ziemlich jeder einmal krank und mußte entsprechend für das Quartal 10 Reichsmark an der Arzt bezahlen. Sich im Rausch des Reichtums befindend, warfen die neureichen Medizinmänner ihr Geld zum Fenster heraus, ohne daran zu denken, daß auch einmal schlechtere Zeiten kommen könnten. Und die kamen natürlich, schon wenige Wochen später, denn mit dem Frühling endete auch die Zeit der vollen Wartezimmer. Das zweite Quartal wurde zum finanziellen Desaster für die Ärzteschaft. Nur wenige, die zumindest ein paar Reichsmark aufgespart hatten, überlebten diese schrecklichen drei Monate. Das dritte Quartal mit seiner Urlaubszeit und den damit verbundenen Sportunfällen, und das vierte Quartal, in dem es ja wieder kalt war, liefen glücklicherweise wieder besser, aber die Ärzte standen weiterhin vor dem Problem, daß es auch im nächsten Jahr diese finanzielle Dürreperiode geben würde. Also griffen sie zu einer List. Im März des darauffolgenden Jahres teilten die Ärzte ihren gesamten Patienten mit, daß diese totkrank seien und auf Grund des Quartalsystems erst im nächsten Quartal mit der rettenden Behandlung angefangen werden könnte. Es versteht sich von selbst, daß all die "Todgeweihten" natürlich am ersten Tag des nächsten Quartals, also dem 1.April 1886 die Praxen stürmten, artig ihr Geld bezahlten und beim sich die Hände reibenden Arzt Heilung ersuchten. Dieser meinte dann einfach "Reingelegt ! Sie sind gar nicht totkrank." was den Patienten sehr freute, bis er auf dem Nachhauseweg so langsam merkte, daß man ihn doch ziemlich veralbert hatte. Um sich abzureagieren, und um sich nicht alleine so blöd zu fühlen, legte diesen abgezockten Leute wiederum andere herein, was sich an diesem Tage zu einer riesigen Kettenreaktion entwickelte. Ein Jahr später fuhren dank den errichteten Fabriken von Benz und Daimler schon die ersten Autos auf den Straßen, und auf Grund der damit verbundenen Autounfälle waren die Finanzen der Ärzte ab sofort auch im 2. Quartal gesichert, sodaß sie nicht wieder zu so einer List greifen mußten. Das hielt jedoch die restliche Bevölkerung nicht davon ab, sich am 1.April wieder gegenseitig Hereinzulegen - und das tun sie bis Heute. Bis in alle Ewigkeit. Für immer.