Das überraschende Fazit dieser Woche: Noch immer wohnt ein kleiner, gemeiner Stein in meiner Niere, und die einzigen Menschen auf der Welt, die man wirklich als Freunde bezeichnen kann, sind die Telekom-Mitarbeiter.
<<< Rewind <<<
Sonntag:
Wie geplant schleppte ich am Nachmittag meinen wertvollen Computer in die neue Wohnung; und den meines Vaters auch. Ich hatte nur nicht daran gedacht, daß ich ja eigentlich die körperliche Verfassung eines Fünfzigjährigen habe. Und so war das Heben von den paar wenigen Paketen eine derartige Belastung für mich, daß ich mir da an diesem Tag etwas zugezogen habe. Wahrscheinlich sogar mehreres, aber auffällig war erst einmal nur, daß sich Abends in meinem Kopf das Gefühl breitmachte, sämtliche Gehirnzellen wären angeschwollen und würden gegen die Schädeldecke drücken. Das nahm ich vorallem in meinen Ohren wahr - als würde die ganze Zeit ein Auto ganz langsam auf der Straße entlangfahren. Ich hoffte, daß das am nächsten morgen wieder verschwunden wäre.
Montag:
Umzugstag, und leider waren die Probleme nicht wirklich verschwunden. Das drückende Gefühl hatte sich in einen tiefen, dumpfer Ton verwandelt, der permanent in meinem rechten Ohr ertönte. Mal etwas mehr, mal etwas weniger - aber da weiß man dann schon sofort, daß das nichts ist, was von allein wieder weggeht.
Kurz vor 8 Uhr kamen die Möbelpacker - bezahlt von den Leuten, die uns aus dem Haus haben wollen. Zuerst ein etwas dicklicher, junger Mann mit kurzer Haaren und rundem Gesicht. Nach einem prüfenden Blick aus dem Fenster stellte er fest, daß der Aufzug nicht an das Rechte, sondern an das linke, von uns zugestellte Fenster reichen würde - wegen des Baumes vor unserem Haus. "Aber der Mann, der hier war und das alles geplant hat, wollte das rechte Fenster nehmen." meinte meine Mutter. - "So ein älterer Typ mit grauen Haaren, oder ? Der erzählt ständig solchen Mist. Der braucht mal eine Brille !" schimpfte der Möbelpacker und begann die Kartons zur anderen Seite zu tragen.
Inzwischen war ein weiterer Umzugsmann dazugestoßen, scheinbar ihr Anführer. Klein und muskulös war er, und man würde ihn wohl in die Kategorie "Frohnatur" einordnen. Dieser nette Mann begann nun damit, die Möbel auseinanderzuschrauben, während er gleichzeitig mit 120 locker-flockigen Sprüchen pro Minute für eine karnevaleske Stimmung sorgte.
In den folgenden drei Stunden wurden nun alle großen Möbelstücke auseinandergenommen und mitsamt denen, die so durch das Fenster passten, und den fast 70 Kartons per Aufzug nach unten transportiert. Dort standen noch drei weitere Transportmanager, um die ganzen Sachen in ihren LKW zu tragen.
Als sich ihre Arbeit dem vorläufigen Ende näherte, fuhr mich mein Vater in die neue Wohnung. Dort konnte ich mich erst einmal in Ruhe auf dem Boden setzen und meinem Tinnitus zuhören. Im Grunde war dieser Ton ja mal eine nette Abwechslung gegenüber dem ständigen hochfrequenten Rauschen in meinem kaputten, linken Ohr, aber so lassen konnte ich das wirklich nicht. Da mußte ich wohl oder übel heute noch zum Arzt.
Nach einer halben Stunde fanden sich meine Eltern in der neuen Wohnung ein und erzählten, daß die Möbelpacker erst einmal etwas essen gefahren sind und daß sie versuchen wollen, auf der Hofseite per Aufzug über den Balkon alles wieder in die Wohnung zu transportieren. Kein angenehmer Gedanke, wie sie da meinen schönen Fernseher auf ihrem ungesicherten Aufzug hoch in den 6.Stock transportieren, aber um schon die gute Nachricht vorweg zunehmen, bei dem Umzug ist nur eine einzige Sache von mir kaputtgegangen, und das ist die häßliche Tonfigur, von der ich neulich beim Thema Geburtstag berichtet habe. Sowas von schade aber auch.
Gegen 14 Uhr klingelte es an der Tür und ein freundlicher Mann von der Telekom beglückte uns mit seinem Besuch. Mein Vater hatte ja schon alles umgemeldet und heute mußte nur noch im Keller der Anschluß freigeschaltet, sowie die Leitung vom Keller bis zur Wohnung getestet werden. Dazu schloß der Mechaniker sein Testgerät an das Kabel in der Wohnung an und verschwand in den Keller. Wenig später kam er wieder zurück und meinte "Irgendwie geht das noch nicht.". Er bastelte etwas mit seinem Gerät herum, verschwand erneut und als er wieder aus dem Keller zurückkehrte, glänzte der Angstschweiß in seinem Gesicht, denn, wie er uns nun vorsichtig beibrachte, funktionierte die Leitung immer noch nicht, und wahrscheinlich hatte er schon tausendmal erlebt, daß aus irgendeinem Grund, für den er nichts konnte, die Leitung nicht ging und er dann von der Kunden beschimpft und bedroht wurde. Darum nahm er sich besonders viel Zeit, uns den Sachverhalt zu erklären. "Sehen sie, ich habe hier an der Leitung dieses Gerät angeschlossen." erklärte er, "Und das macht düdelüdel. Aber unten im Keller höre ich das Düdelüdel nicht ! Da kommt kein Signal an." Mein Vater wies dem ängstlichen Mann darauf hin, daß in meinem Zimmer eine zweite Telefondose wäre. Also prüfte er die Dose in meinem Zimmer und wurde ganz aufgeregt. "DA ! Hier macht es düdelüdel !!!". Das war nur nichts Gutes, denn das bedeutete schlichtweg, daß das Kabel im Vorsaal nicht in den Keller, sondern in mein Zimmer reichte und das eigentliche Kabel zum Keller fehlte. Unter tausendfacher Entschuldigung machte er uns klar, daß er da nichts machen kann - das Kabel muß ein Elektriker legen. Dies erklärte er dann auch noch mal meiner Tante, die zufällig in der Gegend herumstand, und auch noch einmal dem Möbelpackeranführer, als dieser eine locker-flockige Bemerkung über die Telekom machte. Dann gab er uns noch die Nummer der Telekomhotline, entschuldigte sich und verschwand wieder.
Um 15 Uhr machte ich mich auf dem Weg zu meiner Ärztin, um mir eine Überweisung geben zu lassen. Dann zu meiner HNO-Ärztin, die wie erwartet auch nicht sagen konnte, wie diese bösen Ohrgeräusche nun zu Stande gekommen sind. Sie murmelte etwas von zu wenig Flüssigkeit aufgenommen, aber wie es mit nicht wirklich existierenden Leiden eben so ist, können die Ärzte da nur schwammige Vermutungen anstellen. Immerhin konnte nachgewiesen werden, daß es bei meinem Hörvermögen im Bereich der tieferen Frequenzen einen Einbruch gab, also mußte da gestern schon irgendetwas passiert sein. So bekam ich neben den obligatorischen Spritzen ins Ohr, die ich schon vom letzten Jahr kannte, auch noch irgendetwas Fieses in den Arm gespritzt. "Prednisolol" oder so - auf jeden Fall kein Placebo, denn meine Ärztin suche erst einmal in meiner Akte herum, ob ich das Zeug schon mal bekommen hatte, und an den beiden darauffolgenden Tagen wurde ich auch noch einmal explizit gefragt, ob ich dieses Medikament auch wirklich gut vetragen habe.
Inzwischen war es 18 Uhr, als ich wieder nach hause kam. Die Umzugsleute waren gegangen und meine Mutter hatte die Frau angerufen, die für unseren Umzug zuständig war und der wir schon all die anderen Mängel mitgeteilt hatten, um ihr von dem nicht vorhanden Kabel zu berichten. Ich war natürlich äußerst skeptisch, denn diese Frau hatte sich bis jetzt nur darum gekümmert, daß der Abfluß der Badewanne nicht mehr verstopft war, und das auch nur, nachdem sich meine Mutter mehrmals bei ihr gemeldet hatte. Da könnte es ewig dauern, bis ich endlich wieder Zugang zu meinem lebenswichtigen Internet hätte.
Den Rest des Abends legte ich mich ins Bett und schaute Fernsehen. Ich war ungewöhnlich erschöpft und müde. Dabei sollte mich das Medikament eigentlich eigentlich eher unruhig werden lassen.
Dienstag:
Früh wieder zur HNO-Ärztin, die nächsten 4 Spritzen abholen. Keine Besserung mit dem Ohrgeräusch. Außerdem fühlte ich mich immernoch nicht gut. Wieder zu hause erzählte mir meine Mutter, daß der Hausmeister da gewesen war, um sich das Problem mit dem Telefon anzusehen, obwohl meine Mutter gestern der Frau erklärt hatte, daß das nur ein Elektriker machen kann. Selbigen wollte nun der Hausmeister verständigen, der sich ja hoffentlich im Laufe des Tages melden würde.
Meinen Krankenhausbesuch mußte ich nun natürlich absagen, denn die Behandlung meines Ohres kann man ja nicht abbrechen, bevor es nicht wieder richtig funktioniert. Außerdem soll man wohl auch clean sein, falls es zur Operation kommt. Nach all den Spritzen war das bei mir sicherlich auch nicht der Fall.
Nachmittags besuchte uns wieder meine Tante, um zu helfen. Nur gab es eigentlich nichts zu helfen, sodaß sie die meiste Zeit auf dem viel zu kleinen Stuhl saß. Nun ist meine Tante ziemlich dick und damit auch schwer, sodaß meine Eltern abends feststellen mußten, daß sie mit dem Stuhl große Abdrücke in den neuen Laminatboden gedrückt hatte. Nachdem sie sich schon einen Tag zuvor sehr über Schleifspuren auf dem neuen Boden geärgert hatten, ärgerten sie sich nun noch mehr. Ironischerweise war es ja auch meine Tante gewesen, die zu Laminatboden geraten hatte. Ich hatte von anfang an auf Teppich plädiert, aber auf mich hört ja wieder keiner.
Gegen Abend fand ich jedenfalls endlich die Zeit, meinen Computer anzuschließen. Zur großen Überraschung funktionierte er auf der Stelle. Sonst muß man bangen, daß er noch die Festplatten erkennt, wenn man ihn mal um einen Zentimeter verrückt, aber einen Kompletttransport übersteht er problemlos. Merkwürdig. Anstatt den Abend mit meinem elektronischen Freundin-Ersatz zu verbringen, legte ich mich aber wieder ins Bett und schaute Fernsehen - das Indiz schlechthin, daß es mir nicht gut ging.
Mittwoch:
Wieder zur Doktorin, mich spritzen lassen. Ich hatte ja eigentlich gedacht, daß diesmal die andere Ärztin in der Praxis wäre, denn die Ärztin, die Montags und Dienstags arbeitet, spritzt ziemlich schlecht ins Ohr. Tut weh und blutet hinterher sehr stark. Diesmal nun auch wieder, aber wie ich hörte, sollte morgen die andere Ärztin da sein. Außerdem bekam ich noch Ginkgo-biloba-Blätter-Tabletten. Tolles Zeug; wirkt nicht nur gegen Ohrgeräusche, sondern auch gegen geistige Leistungsstörungen, Konzentrationsprobleme und depressiver Stimmung. Seit ich das nehme, bin ich endlich mal wieder richtig glücklich...nein, nicht wirklich. Ist eben doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber die Ohrgeräusche veränderten sich immerhin zu einem leisen Zirpen, das stellenweise gar nicht mehr zu hören war.
Und auch meine Schwächephase fand ein Ende. Mit neuer Kraft und neuem Elan konnte ich mich nun so richtig über die Hausmeister ärgern, denn natürlich waren gestern keine Elektriker gekommen, und als meine Mutter ihn anrief, meldete sich jemand anders, gefolgt von dem hörbaren Dialog "Hier ist so eine Frau dran - wegen dem Telefonkabel. Wann der Elektriker kommt..." - "Wie ? Achso, muß ich noch anrufen...". Meine Mutter legte sofort auf; die ganze Telefoniererei mit dem Handy war so schon teuer genug, da muß man eben einmal darauf verzichten, stinkfaule Hausmeister zu beschimpfen, wie sie es sonst wohl getan hätte. Stattdessen rief sie die Verantwortliche für unser Haus an, die erst einmal äußerst schockiert war, weil man ihr mitgeteilt hatte, daß da nur ein kleines Problem mit der Telefondose wäre. "Und die ganzen Handwerker, die die Mängel in der Wohnung beseitigen sollen, konnten sie alle telefonisch noch nicht erreichen !" - na wie überraschend. Die Frau versprach sich jedenfalls sofort darum zu kümmern und wenig später meldete sich auch schon der Elektriker, der sich gleich am nächsten Tag darum kümmern wollte.
Donnerstag:
Pech gehabt. Die andere Ärztin war zwar da, die Schlechtspritzende aber auch, die im Behandlungszimmer mit aushalf und somit auch bei mir wieder die Spritzen setzte.
Früh tauchte dann der Elektriker auf und hatte innerhalb von 10 Minuten ein Kabel vom Keller in unsere Wohnung gezogen. Er erzählte uns, daß bei diversen Rekonstruktionen die Mieter in diesem Block nie die Tür aufgemacht hätten, sodaß z.B. noch viele Mieter alte DDR-Badewannen und Toiletten hätten. Kann man nachvollziehen, denn die DDR-Badewannen waren schön groß. Nicht nachvollziehbar hingegen, daß sich einige auch einem Telefonanschluß verwehrt hatten, sodaß es in diesem Block neben unserer Wohnung noch acht Weitere ohne Telefonkabel gab.
Gleich nachdem der Elektriker gegangen war, rief mein Vater bei der Telekom an und, man möchte es kaum glauben, stand auch schon drei Stunden später ein Mitarbeiter vor unserer Tür, der alsbald alles angeschlossen hatte. Wir fragten ihn gleich noch, wie das nun mit DSL wäre, denn der Mann vom Montag hatte gesagt, daß es wohl nach dem Anschluß noch vier Tage dauern würde, bis DSL verfügbar sein würde. Der freundliche Telekommann prüfte die Leitung und stellte fest, daß DSL noch nicht funktionierte. Er schaute sich auch noch die neue Router-Modem-Konstruktion meines Vaters an, deren Funktionalität ich sowieso schon anzweifelte, und bestätigte meinen Verdacht. Netterweise erklärte er aber gleich ausführlich, was man da alles beachten müßte, und dann später an der Tür meinte er noch "Wegen dem DSL...ich rufe dann vielleicht noch einmal an."
Toller Service ! Und mehr noch, tatsächlich rief er wenig später noch einmal an und sagte, daß er sich um die DSL-Freischaltung gekümmert hätte. Eventuell wäre das erst einmal nur die 1000er, aber da würde sich dann in den nächsten Tagen nochmal jemand melden: Auf jeden Fall müßte es gehen. Und das tat es auch. Sogar doch schon mit der richtigen Übertragungsgeschwindigkeit. Man hat ja schon viel Schlimmes über die Telekom samt deren Lakaien gehört, aber in dieser Woche sind mir wirklich nur Mitarbeiter begegnet, die darauf bedacht waren, daß der Kunde zufrieden ist.
Ebenfalls gute Nachrichten vom Ohr, denn während des Tages war das Geräusch endlich verschwunden und taucht seitdem nur noch auf, wenn ich Nachts ins Bett gehe und früh aufstehe. So fand diese doch schon ziemlich doofe Woche noch ein versöhnliches Ende.
