Das geheimnisvolle Blog ins zauberhafte Nichts

27.07.2006 um 15:59 Uhr

Lebenszeichen

von: Solus

Musik: Depeche Mode - Home

Wieder raus, aus dem Krankenhaus. Bericht folgt natürlich, wobei es im Grunde eigentlich auch ausreicht, noch einmal den Schlimme Woche - Eintrag hier hineinzustellen. Ich müßte nur die befürchtete OP durch eine bis dahin jenseits meines Vorstellungsvermögens liegende Einsetzung eines sogenannten "Pigtails" ersetzen. Ansonsten stimmt alles...also nicht komplett und chronologisch, aber irgendwie lag ich mit meiner Schwarzmalerei doch schon verdammt nahe an der Realität.

Aber was soll's. Erstmal wieder zu hause. Erstmal.

18.07.2006 um 23:35 Uhr

Auf ein Neues.

von: Solus

Musik: Aphex Twin - To cure a weakling child

18.07.2006 um 02:37 Uhr

Review zu "The Eraser", Thom Yorke

von: Solus

Es scheint eine harte Zeit für die noch lebenden, musikalischen Genies angebrochen zu sein. Erst bringt Jochen Distelmeyer ein grandioses Album heraus und wird dafür von den Fans mit verbalem Stuhl beworfen, und jetzt ist niemand geringeres als Thom Yorke mit seinem ersten Soloalbum "The Eraser" ins Kreuzfeuer geraten. Musik, nach der sich der geneigte Radioheadfan vor gut zwei Jahren noch alle Finger geleckt hätte, ist dem Pöbel nun nicht mehr gut genug. Plötzlich nervt das elektronische Pling-Plong, und ein heulend-wimmernder Mr.Yorke erst recht. Dabei hat der Gute zusammen mit dem langjährigen Radioheadproduzenten Nigel Godrich ein kleines, feines Album erschaffen, das den Erwartungen der Fans entspricht und doch im Detail überrascht. Aber vielleicht ist das ja auch das Problem; denn würde es sich um irgendwelches experimentelle Herumgespinne handeln, also ähnlich wie zum Beispiel die Alben, mit denen Björk inzwischen ihre Fans verarscht, dann könnte da niemand Vergleiche zu "Kid A", "Amnesiac" oder den elektronischen Meisterwerken auf "Hail to the Thief" ziehen. So aber sagt der unmusikalische Zuhörer "Das klingt ja wie Kid A, nur schlechter.", und der musikalische Zuhörer meint zumindest "Was die Songs für Meisterwerke sein könnten, wenn alle Radioheads daran gearbeitet hätten...". Wenn man sich etwas Zeit für "The Eraser" nimmt, wird man aber merken, daß beide Aussagen vollkommen falsch sind. Die Erste sowieso, denn wie man aus diesem Album "Kid A" heraushören will, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Die einzige Parallele ist, daß beide Alben wunderschön nebelige Bilder im Kopf malen, nur handelt es bei "The Eraser" eher um giftigen Nebel, der sich auch zumeist erst gegen Ende des Liedes durch den Klangteppich frisst. Und was das "Was wäre wenn" angeht, erübrigt sich diese Überlegung in vielerlei Hinsicht, denn die Songs sind, so wie sie sind, schon perfekt und würden nicht anders auf einem regulären Radioheadalbum klingen, und als reguläres Radioheadalbum wäre "The Eraser" wiederum nicht möglich, weil weder Jonny, Ed, Colin, Phil noch Thom selbst mit einem Album zufrieden wären, das aus diesen 9 Songs besteht, ohne daß das nun wiederum bedeutet, daß die Lieder schlecht wären. Sie gehen nur eben allesamt in eine andere Richtung. Dies ist auch der Grund, warum das Album eigentlich existiert. Thom Yorke hätte seine Songs entweder auf mehrere Alben und B-Seiten verteilen müssen, das hätte durchaus noch funktioniert, oder eben gleich allesamt auf ein Album. Die Bezeichnung "Solo-Album" verwehrt sich der Mann mit dem hängenden Lid aber übrigens; Radiohead-Spinoff-Album passt wahrscheinlich auch besser, zumal die anderen Mitglieder ja doch ihre Cameo-Auftritte auf dem Album haben.

Die einzelnen Songs exzessiv auseinanderzunehmen, würde meinen, wie auch Euren zeitlichen Rahmen sprengen, deshalb nun nur zu jedem Lied ein paar kurze Worte:
1.The Eraser
Weil wir gerade beim Thema Cameo-Auftritt waren - die ersten Lowfi-Klavierakkorde, mit denen das Titellied und damit das Album eröffnet wird, stammen von Jonny Greenwood. Thom nahm ihn mit einem Diktiergerät auf und baute aus den einzelnen Akkord-Samples eine neue Melodie. So einfach kann Komponieren sein. Jemand stellte einmal fest, daß Thom noch nie ein Liebeslied gesungen hat, und "The Eraser" handelt wohl auch eher wieder von einer kaputten Beziehung. Macht nichts. Der Refrain klingt trotzdem wunderschön, vorallem weil sich Mr.Yorke im Chor selbstbekleidet. Das hat er natürlich auch früher schon getan, und doch klingt es anders, als bisher. Irgendwie ein bißchen nach Michael Jackson. (Als der noch gut war, natürlich)
2.Analyse
Ein magisches, kraftvolles Lied über die Unmöglichkeit, die größeren Zusammenhänge zu erkennen. Musikalisch großartig umgesetzt mit warmen, elektronischen Tönen, trauriger Klavierbekleidung und einem lässigen Breakbeat. Die Textstelle "The candles in the city,it never looked so pretty." beschreibt laut einem Interview ein Erlebnis in Zentral-Oxford, als Thom eines Abends nach hause kam und es in der Straße einen Stromausfall gegeben hatte, sodaß die Menschen in ihren alten Häusern Kerzen angezündet hatten. Als wäre die Zeit um 150 Jahre zurückgedreht. Ein sehr schönes Bild in einem sehr schönen Song.
3.The Clock
Der mit Abstand schwächste Track des Albums. Klingt nach einem Zug, der durch die Prärie fährt und handelt von jemanden, der nicht wahrhaben will, daß seine Beziehung (?) vorbei ist - oder auch nicht. Die wenigen Sätze bieten zu wenig Informationen, um erahnen zu können, was der Radioheader mit diesem Lied sagen möchte, und warum es überhaupt existiert. Es gibt zwei Gründe, warum das Album nicht der ganz ganz große Wurf ist - einer ist dieser Song.
4.Black Swan
"Cause this is fucked up, fucked up" - Mit Black Swan hat Thom, unter geringer Beteilung von Ed und Phil, im Grunde das Gegenstück zu Lou Reeds "Perfect Day" erschaffen. Wenn man mal einen Tag hatte, an dem alles so richtig schön den Bach runtergegangen ist, hier ist der Song, den man dann Abends unbedingt anhören sollte. Das Lied läuft übrigens im Abspann des bald erscheinenden Films "A Scanner Darkly", und Abspann ist auch das richtige Stichwort, weil sich das Lied wohl besser als letzter Track auf dem Album gemacht hätte. Und da wären wir gleich bei dem anderen Grund, warum das Album toll, aber nicht perfekt ist; die Trackreihenfolge ist schlecht gewählt. Der letzte Track, dazu kommen wir gleich noch, wäre der perfekte Einsteiger gewesen, während so ein flachgehaltenes Lied wie "Black Swan" ein gelungenes Albumende hätte sein können. Auch die anderen Tracks würden in einer anderen Reihenfolge besser in einandergreifen. Ein ähnliches Problem hatte ja schon "Hail to the Thief", da hatte ich es darauf geschoben, daß man diesmal einfach ohne Herumstreiterei das Album im Kasten haben wollte, aber bei "The Eraser" meint Thom, daß er und Nigel da Zusammenhänge zwischen den Liedern gesehen hätte. Alles Einbildung, ganz klar. Aber zurück zu den Tracks...
5.Skip Devided
Ein Song, der von sehr vielen Menschen nicht gemocht wird. Vielleicht, weil er sehr minimalistisch ist, dabei handelt es sich hierbei wirklich um ganz große Kunst, wie die rustikalen, elektronischen Klänge und Thoms Stimme sich gegenseitig dabei unterstützen, eine Spannung aufzubauen. "When you walk in a room I follow you 'round like a dog - I'm a dog, I'm a dog, I'm a lap dog - I'm your lap dog." - wenn man es nicht besser wüßte, würde man meinen, Thom hat dezente Probleme mit seiner Ehe.
6.Atoms for Peace
Ein weiterer minimalistischer Song, zu dem Thom recht fröhlich klingend über Lügen und Löcher im Kopf singt. Scheinbar herrscht Aufbruchsstimmung. Gut, daß sich dieses Lied gerade auf diesem Album befindet, denn überall anders würde es nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient hat.
7. And it Rained All Night
Jetzt läuft das Album entgültig zur Höchstform auf. Ein unendlicher Regen ersäuft New York und Thom fragt sich, warum das alles so schön aussieht. Der Duft der Apokalypse liegt in der Luft und die Würmer kommen aus dem Boden gekrochen, weil sie mal schauen wollen, was denn da oben gerade so los ist. Erinnert an "Weltende" von Jakob van Hoddis, was mir zu Schulzeiten ein wunderbares Pseudo-Déjàvu einbrachte, weil es von dem selben Mädchen in zwei verschiedenen Schuljahren laut vorgelesen wurde. Und immer schlecht vorgelesen.
8. Harrowdown Hill
Noch so ein Hammersong. Der Wütendste, den Thom laut eigener Aussage je geschrieben hat. Er bezieht sich in diesem Lied auf den Waffenspezialisten Dr. David Kelly, der öffentlich zugab, daß das Dossier über die Bewaffnung des Iraks aufgepauscht worden sei, um den Krieg zu rechtfertigen. Wenig später fand man ihn mit aufgeschnittenen Pulsadern tot in einem Fluß in Harrowdown Hill. Laut Thom existierte der Song aber schon 2003, knapp bevor Kelly starb. Es wird daher angenommen, daß das Lied ursprünglich einen anderen Text hatte - und einige Textfragmente davon, die nicht so richtig in den restlichen Kontext passen, wohl noch aus dem ersten Text stammen. Jedenfalls ist "Harrowdown Hill" mit seinem realen Hintergrund ein äußerst verzweifelter und gruseliger Song.
9. Cymbal Rush
Eine weitere Perle auf dem Album, die, wie schon erwähnt, ein wunderbarer Opener für das Album gewesen wäre. Diese traurigen Flanger-Synthi-Strings und dazu diese wundervolle Stimme. Hach, in diesem Lied kann man sich verlieren.

Das war es dann leider auch schon. Vielleicht ein weiterer, kleiner Kritikpunkt - die Länge, zumal Thom ja mit den kommenden B-Seiten noch Material übrig hat. So schlecht kann das nicht sein, als das diese Songs nicht auch noch auf das Album gepasst hätten. Aber nun gut, 40 Minuten sind gerade mal noch so akzeptabel; und da das kommende (hoffentlich) Meisterwerk von Patrick Wolf genauso lang sein wird, scheint das wohl gerade modern zu sein.
Und was gibt es sonst noch Positives über das Album zu sagen, außer das die einzelnen Lieder bis auf "The Clock" allesamt zwischen wirklich gut und grandios einzuordnen sind ? Nun, vielleicht ja, daß Thom Yorkes S***-Album all das richtig macht, was Björk mit ihrem vergleichbaren "Vespertine" meiner Meinung nach falsch gemacht hat, denn obwohl es sich bei "The Eraser" auch um ein eher in sich gekehrtes, elektronisches Werk handelt, ist es dennoch weder kalt, noch blutleer, und die Musik ist nicht nur Beiwerk, sondern unterstützt Thom dabei, mit seiner Stimme Emotionen und Gefühle zu vermitteln. Die Songs sind groß, obwohl sie klein sind. Ja, wahrscheinlich muß man sich das Album ein paar Mal anhören, bis man richtig drin ist, in Yorkes kleiner Wunderwelt, aber es lohnt sich.

Klick mich: Thom, Jonny und Nigel performen "Cymbal Rush"

 

14.07.2006 um 02:32 Uhr

Mein Block

von: Solus

Musik: Emiliana Torrini - Dead Things

Nach den ersten zwei Tagen war ich mir ja fast sicher, daß in meinem neuen Wohnhaus nur eine einzige Frau wohnt, die bis auf Unsere, sämtliche Wohnungen ihr Eigen nennt. Offiziell wohnt sie genau neben uns, aber gleich schon am ersten Tag kam sie aus einer Wohnung im Erdgeschoss heraus und fuhr mit uns nach oben. Und wenn man die Wohnung verläßt kann es auch durchaus passieren, daß bei ihr die Tür aufgeht und sie dann gleich mit nach unten fährt. Daß immer, wenn ich mal aus dem Fenster schaue, diese Frau gerade mit ihrem weißen Hund das Haus verläßt, ist da kaum noch verwunderlich, und als ich das heute meinem Besuch erzählte, meinte der sofort "Ach die, die habe ich vorhin auch gesehen.". Ab und zu sieht man aber doch manchmal andere Mieter. Anfangs vermutete ich noch, daß diese Leute von unserer Nachbarin bezahlt werden, damit sie es so aussehen lassen, daß hier noch andere Menschen wohnen. Aber inzwischen denke ich schon, daß das Haus mehrere Bewohner hat - unsere Nachbarin hat sich wahrscheinlich schichtweg klonen lassen, um ganztägig präsent zu sein.
Stichwort andere Bewohner - nachdem wir nun über ein Jahr in einem Haus wohnten, in dem nur noch zwei alte Frauen lebten, weil der Rest nach und nach ausgezogen war, ist es jetzt doch etwas ungewohnt, wieder mit so vielen Menschen konfrontiert zu werden. Leider sind diese anderen Mieter nahezu alles alte Leute, deren Kinder schon lange ausgezogen sind. Keine hübschen Nachbarnstöchter, mit denen ich im Fahrstuhl flirten könnte - dabei bin ich ziemlich zuversichtlich, meine Flirttechnik in all den Jahren so verbessert zu haben, daß sie jetzt sogar zum Erfolg führt. Anstatt das Mädchen anzuschauen, und wenn sie zurückschaut, wegzuschauen, werde ich in Zukunft das Mädchen anschauen, wenn sie zurückschaut wegschauen, und dann aber gleich wieder hinzuschauen, um zu sehen, ob sie noch zu mir schaut, um dann wiederum schnell wegschauen zu können, damit sie weiter zu mir schaut, weil sie wissen will, ob ich noch einmal schaue, was ich aber nicht tue, sodaß sie mich interessant findet und anspricht. Das muß endlich klappen !
Jedenfalls sind hier nur ältere bis alte Leute im Haus. Alles sehr langweilig. Angeblich soll ja noch irgendwo ein junger, südländischer Typ wohnen, der sich meiner Mutter gegenüber sehr höflich verhielt, und von den asiastischen Familien habe ich bis jetzt nur das Namensschild gesehen. Ich muß mich wahrscheinlich mal einen Tag an das Fenster setzen und schauen, wer hier so ein und aus geht - inklusive zum Fahrstuhl eilen und schauen, wo er hält. Oder ich frage einfach mal unsere Nachbarin. Die hat ja meiner Mutter schon angeboten, daß sie ruhig fragen könnte, wenn sie etwas über "das Haus", sprich über die Mieter wissen will. - hat meine Mutter dankend abgelehnt, was der Nachbarin sicherlich nicht sehr gefallen hat; wünscht sie sich doch bestimmt eine nette Nachbarin, mit der sie in der wohnhäuslichen Gerüchteküche leckere "Wissen Sie schon das Neuste"-Suppen und "Haben Sie schon gehört"-Eintöpfe kochen kann. Das mag meine Mutter nun gar nicht. Schade aber auch für die Nachbarin. Aber es ist ja sowieso ein ungeschriebenes Gesetz, daß in jedem Haus nur genau eine solche Frau wohnt. Da kann sie natürlich lange warten, daß da jemand mit ähnlichen Interessen nebenan einzieht. Das passiert erst an dem Tag, an dem sie stirbt.
Apropos Sterben, es gibt da etwas, was mein altes besaß, daß neue aber nicht: Geister. Oder eine Seele. Oder wie immer man das auch bezeichnen will. In so einer Altbau-Wohnung hat man immer das Gefühl, daß da irgendetwas oder irgendjemand präsent ist. Vielleicht ist es das Haus, das irgendwie lebt, wenn es Nachts mal wieder irgendwo knarrt, klopft oder rauscht, wenn im heißesten Sommer unerklärlicherweise im Treppenhaus kühle 10 Grad herrschen, oder wenn man auch so jeder Zeit das Gefühl hat, nicht allein zu sein. All das, vorallem dieses Gefühl ist schlagartig weg, wenn man eine Neubauwohnung betritt. Das habe ich als Kind besonders gespürt. Meine Tante wohnte schon damals in einem Neubau - nahezu identische Bauweise wie mein neues Zuhause,  und wenn ich sie besuchte, war ich gar nicht mehr so ängstlich. In der Altbauwohnung wollte ich damals zu keiner Zeit allein bleiben, aber ich weiß noch, wie in der Neubauwohnung mal mein Opa auf mich aufpassen sollte und der mich dann fragte, ob er mal schnell Zigaretten holen gehen könnte und ich damit kein Problem hatte. Entweder sind Neubauwohnung tot, oder deren Bewohner sind es allesamt nicht. Auf jeden Fall schlafe ich hier irgendwie besser.

09.07.2006 um 16:32 Uhr

Es kommt immer anders, als man denkt, auch wenn man versucht, vorher an alles zu denken

von: Solus

Das überraschende Fazit dieser Woche: Noch immer wohnt ein kleiner, gemeiner Stein in meiner Niere, und die einzigen Menschen auf der Welt, die man wirklich als Freunde bezeichnen kann, sind die Telekom-Mitarbeiter.

<<< Rewind <<<

Sonntag:
Wie geplant schleppte ich am Nachmittag meinen wertvollen Computer in die neue Wohnung; und den meines Vaters auch. Ich hatte nur nicht daran gedacht, daß ich ja eigentlich die körperliche Verfassung eines Fünfzigjährigen habe. Und so war das Heben von den paar wenigen Paketen eine derartige Belastung für mich, daß ich mir da an diesem Tag etwas zugezogen habe. Wahrscheinlich sogar mehreres, aber auffällig war erst einmal nur, daß sich Abends in meinem Kopf das Gefühl breitmachte, sämtliche Gehirnzellen wären angeschwollen und würden gegen die Schädeldecke drücken. Das nahm ich vorallem in meinen Ohren wahr - als würde die ganze Zeit ein Auto ganz langsam auf der Straße entlangfahren. Ich hoffte, daß das am nächsten morgen wieder verschwunden wäre.

Montag:
Umzugstag, und leider waren die Probleme nicht wirklich verschwunden. Das drückende Gefühl hatte sich in einen tiefen, dumpfer Ton verwandelt, der permanent in meinem rechten Ohr ertönte. Mal etwas mehr, mal etwas weniger - aber da weiß man dann schon sofort, daß das nichts ist, was von allein wieder weggeht.
Kurz vor 8 Uhr kamen die Möbelpacker - bezahlt von den Leuten, die uns aus dem Haus haben wollen. Zuerst ein etwas dicklicher, junger Mann mit kurzer Haaren und rundem Gesicht. Nach einem prüfenden Blick aus dem Fenster stellte er fest, daß der Aufzug nicht an das Rechte, sondern an das linke, von uns zugestellte Fenster reichen würde - wegen des Baumes vor unserem Haus. "Aber der Mann, der hier war und das alles geplant hat, wollte das rechte Fenster nehmen." meinte meine Mutter. - "So ein älterer Typ mit grauen Haaren, oder ? Der erzählt ständig solchen Mist. Der braucht mal eine Brille !" schimpfte der Möbelpacker und begann die Kartons zur anderen Seite zu tragen.
Inzwischen war ein weiterer Umzugsmann dazugestoßen, scheinbar ihr Anführer. Klein und muskulös war er, und man würde ihn wohl in die Kategorie "Frohnatur" einordnen. Dieser nette Mann begann nun damit, die Möbel auseinanderzuschrauben, während er gleichzeitig mit 120 locker-flockigen Sprüchen pro Minute für eine karnevaleske Stimmung sorgte.
In den folgenden drei Stunden wurden nun alle großen Möbelstücke auseinandergenommen und mitsamt denen, die so durch das Fenster passten, und den fast 70 Kartons per Aufzug nach unten transportiert. Dort standen noch drei weitere Transportmanager, um die ganzen Sachen in ihren LKW zu tragen.

Als sich ihre Arbeit dem vorläufigen Ende näherte, fuhr mich mein Vater in die neue Wohnung. Dort konnte ich mich erst einmal in Ruhe auf dem Boden setzen und meinem Tinnitus zuhören. Im Grunde war dieser Ton ja mal eine nette Abwechslung gegenüber dem ständigen hochfrequenten Rauschen in meinem kaputten, linken Ohr, aber so lassen konnte ich das wirklich nicht. Da mußte ich wohl oder übel heute noch zum Arzt.
Nach einer halben Stunde fanden sich meine Eltern in der neuen Wohnung ein und erzählten, daß die Möbelpacker erst einmal etwas essen gefahren sind und daß sie versuchen wollen, auf der Hofseite per Aufzug über den Balkon alles wieder in die Wohnung zu transportieren. Kein angenehmer Gedanke, wie sie da meinen schönen Fernseher auf ihrem ungesicherten Aufzug hoch in den 6.Stock transportieren, aber um schon die gute Nachricht vorweg zunehmen, bei dem Umzug ist nur eine einzige Sache von mir kaputtgegangen, und das ist die häßliche Tonfigur, von der ich neulich beim Thema Geburtstag berichtet habe. Sowas von schade aber auch.

Gegen 14 Uhr klingelte es an der Tür und ein freundlicher Mann von der Telekom beglückte uns mit seinem Besuch. Mein Vater hatte ja schon alles umgemeldet und heute mußte nur noch im Keller der Anschluß freigeschaltet, sowie die Leitung vom Keller bis zur Wohnung getestet werden. Dazu schloß der Mechaniker sein Testgerät an das Kabel in der Wohnung an und verschwand in den Keller. Wenig später kam er wieder zurück und meinte "Irgendwie geht das noch nicht.". Er bastelte etwas mit seinem Gerät herum, verschwand erneut und als er wieder aus dem Keller zurückkehrte, glänzte der Angstschweiß in seinem Gesicht, denn, wie er uns nun vorsichtig beibrachte, funktionierte die Leitung immer noch nicht, und wahrscheinlich hatte er schon tausendmal erlebt, daß aus irgendeinem Grund, für den er nichts konnte, die Leitung nicht ging und er dann von der Kunden beschimpft und bedroht wurde. Darum nahm er sich besonders viel Zeit, uns den Sachverhalt zu erklären. "Sehen sie, ich habe hier an der Leitung dieses Gerät angeschlossen." erklärte er, "Und das macht düdelüdel. Aber unten im Keller höre ich das Düdelüdel nicht ! Da kommt kein Signal an." Mein Vater wies dem ängstlichen Mann darauf hin, daß in meinem Zimmer eine zweite Telefondose wäre. Also prüfte er die Dose in meinem Zimmer und wurde ganz aufgeregt. "DA ! Hier macht es düdelüdel !!!". Das war nur nichts Gutes, denn das bedeutete schlichtweg, daß das Kabel im Vorsaal nicht in den Keller, sondern in mein Zimmer reichte und das eigentliche Kabel zum Keller fehlte. Unter tausendfacher Entschuldigung machte er uns klar, daß er da nichts machen kann -  das Kabel muß ein Elektriker legen. Dies erklärte er dann auch noch mal meiner Tante, die zufällig in der Gegend herumstand, und auch noch einmal dem Möbelpackeranführer, als dieser eine locker-flockige Bemerkung über die Telekom machte. Dann gab er uns noch die Nummer der Telekomhotline, entschuldigte sich und verschwand wieder.

Um 15 Uhr machte ich mich auf dem Weg zu meiner Ärztin, um mir eine Überweisung geben zu lassen. Dann zu meiner HNO-Ärztin, die wie erwartet auch nicht sagen konnte, wie diese bösen Ohrgeräusche nun zu Stande gekommen sind. Sie murmelte etwas von zu wenig Flüssigkeit aufgenommen, aber wie es mit nicht wirklich existierenden Leiden eben so ist, können die Ärzte da nur schwammige Vermutungen anstellen. Immerhin konnte nachgewiesen werden, daß es bei meinem Hörvermögen im Bereich der tieferen Frequenzen einen Einbruch gab, also mußte da gestern schon irgendetwas passiert sein. So bekam ich neben den obligatorischen Spritzen ins Ohr, die ich schon vom letzten Jahr kannte, auch noch irgendetwas Fieses in den Arm gespritzt. "Prednisolol" oder so - auf jeden Fall kein Placebo, denn meine Ärztin suche erst einmal in meiner Akte herum, ob ich das Zeug schon mal bekommen hatte, und an den beiden darauffolgenden Tagen wurde ich auch noch einmal explizit gefragt, ob ich dieses Medikament auch wirklich gut vetragen habe.
Inzwischen war es 18 Uhr, als ich wieder nach hause kam. Die Umzugsleute waren gegangen und meine Mutter hatte die Frau angerufen, die für unseren Umzug zuständig war und der wir schon all die anderen Mängel mitgeteilt hatten, um ihr von dem nicht vorhanden Kabel zu berichten. Ich war natürlich äußerst skeptisch, denn diese Frau hatte sich bis jetzt nur darum gekümmert, daß der Abfluß der Badewanne nicht mehr verstopft war, und das auch nur, nachdem sich meine Mutter mehrmals bei ihr gemeldet hatte. Da könnte es ewig dauern, bis ich endlich wieder Zugang zu meinem lebenswichtigen Internet hätte.
Den Rest des Abends legte ich mich ins Bett und schaute Fernsehen. Ich war ungewöhnlich erschöpft und müde. Dabei sollte mich das Medikament eigentlich eigentlich eher unruhig werden lassen.

Dienstag:
Früh wieder zur HNO-Ärztin, die nächsten 4 Spritzen abholen. Keine Besserung mit dem Ohrgeräusch. Außerdem fühlte ich mich immernoch nicht gut. Wieder zu hause erzählte mir meine Mutter, daß der Hausmeister da gewesen war, um sich das Problem mit dem Telefon anzusehen, obwohl meine Mutter gestern der Frau erklärt hatte, daß das nur ein Elektriker machen kann. Selbigen wollte nun der Hausmeister verständigen, der sich ja hoffentlich im Laufe des Tages melden würde.
Meinen Krankenhausbesuch mußte ich nun natürlich absagen, denn die Behandlung meines Ohres kann man ja nicht abbrechen, bevor es nicht wieder richtig funktioniert. Außerdem soll man wohl auch clean sein, falls es zur Operation kommt. Nach all den Spritzen war das bei mir sicherlich auch nicht der Fall.
Nachmittags besuchte uns wieder meine Tante, um zu helfen. Nur gab es eigentlich nichts zu helfen, sodaß sie die meiste Zeit auf dem viel zu kleinen Stuhl saß. Nun ist meine Tante ziemlich dick und damit auch schwer, sodaß meine Eltern abends feststellen mußten, daß sie mit dem Stuhl große Abdrücke in den neuen Laminatboden gedrückt hatte. Nachdem sie sich schon einen Tag zuvor sehr über Schleifspuren auf dem neuen Boden geärgert hatten, ärgerten sie sich nun noch mehr. Ironischerweise war es ja auch meine Tante gewesen, die zu Laminatboden geraten hatte. Ich hatte von anfang an auf Teppich plädiert, aber auf mich hört ja wieder keiner.
Gegen Abend fand ich jedenfalls endlich die Zeit, meinen Computer anzuschließen. Zur großen Überraschung funktionierte er auf der Stelle. Sonst muß man bangen, daß er noch die Festplatten erkennt, wenn man ihn mal um einen Zentimeter verrückt, aber einen Kompletttransport übersteht er problemlos. Merkwürdig. Anstatt den Abend mit meinem elektronischen Freundin-Ersatz zu verbringen, legte ich mich aber wieder ins Bett und schaute Fernsehen - das Indiz schlechthin, daß es mir nicht gut ging.

Mittwoch:
Wieder zur Doktorin, mich spritzen lassen. Ich hatte ja eigentlich gedacht, daß diesmal die andere Ärztin in der Praxis wäre, denn die Ärztin, die Montags und Dienstags arbeitet, spritzt ziemlich schlecht ins Ohr. Tut weh und blutet hinterher sehr stark. Diesmal nun auch wieder, aber wie ich hörte, sollte morgen die andere Ärztin da sein. Außerdem bekam ich noch Ginkgo-biloba-Blätter-Tabletten. Tolles Zeug; wirkt nicht nur gegen Ohrgeräusche, sondern auch gegen geistige Leistungsstörungen, Konzentrationsprobleme und depressiver Stimmung. Seit ich das nehme, bin ich endlich mal wieder richtig glücklich...nein, nicht wirklich. Ist eben doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber die Ohrgeräusche veränderten sich immerhin zu einem leisen Zirpen, das stellenweise gar nicht mehr zu hören war.

Und auch meine Schwächephase fand ein Ende. Mit neuer Kraft und neuem Elan konnte ich mich nun so richtig über die Hausmeister ärgern, denn natürlich waren gestern keine Elektriker gekommen, und als meine Mutter ihn anrief, meldete sich jemand anders, gefolgt von dem hörbaren Dialog "Hier ist so eine Frau dran - wegen dem Telefonkabel. Wann der Elektriker kommt..." - "Wie ? Achso, muß ich noch anrufen...". Meine Mutter legte sofort auf; die ganze Telefoniererei mit dem Handy war so schon teuer genug, da muß man eben einmal darauf verzichten, stinkfaule Hausmeister zu beschimpfen, wie sie es sonst wohl getan hätte. Stattdessen rief sie die Verantwortliche für unser Haus an, die erst einmal äußerst schockiert war, weil man ihr mitgeteilt hatte, daß da nur ein kleines Problem mit der Telefondose wäre. "Und die ganzen Handwerker, die die Mängel in der Wohnung beseitigen sollen, konnten sie alle telefonisch noch nicht erreichen !" - na wie überraschend. Die Frau versprach sich jedenfalls sofort darum zu kümmern und wenig später meldete sich auch schon der Elektriker, der sich gleich am nächsten Tag darum kümmern wollte.

Donnerstag:
Pech gehabt. Die andere Ärztin war zwar da, die Schlechtspritzende aber auch, die im Behandlungszimmer mit aushalf und somit auch bei mir wieder die Spritzen setzte.

Früh tauchte dann der Elektriker auf und hatte innerhalb von 10 Minuten ein Kabel vom Keller in unsere Wohnung gezogen. Er erzählte uns, daß bei diversen Rekonstruktionen die Mieter in diesem Block nie die Tür aufgemacht hätten, sodaß z.B. noch viele Mieter alte DDR-Badewannen und Toiletten hätten. Kann man nachvollziehen, denn die DDR-Badewannen waren schön groß. Nicht nachvollziehbar hingegen, daß sich einige auch einem Telefonanschluß verwehrt hatten, sodaß es in diesem Block neben unserer Wohnung noch acht Weitere ohne Telefonkabel gab.

Gleich nachdem der Elektriker gegangen war, rief mein Vater bei der Telekom an und, man möchte es kaum glauben, stand auch schon drei Stunden später ein Mitarbeiter vor unserer Tür, der alsbald alles angeschlossen hatte. Wir fragten ihn gleich noch, wie das nun mit DSL wäre, denn der Mann vom Montag hatte gesagt, daß es wohl nach dem Anschluß noch vier Tage dauern würde, bis DSL verfügbar sein würde. Der freundliche Telekommann prüfte die Leitung und stellte fest, daß DSL noch nicht funktionierte. Er schaute sich auch noch die neue Router-Modem-Konstruktion meines Vaters an, deren Funktionalität ich sowieso schon anzweifelte, und bestätigte meinen Verdacht. Netterweise erklärte er aber gleich ausführlich, was man da alles beachten müßte, und dann später an der Tür meinte er noch "Wegen dem DSL...ich rufe dann vielleicht noch einmal an."
Toller Service ! Und mehr noch, tatsächlich rief er wenig später noch einmal an und sagte, daß er sich um die DSL-Freischaltung gekümmert hätte. Eventuell wäre das erst einmal nur die 1000er, aber da würde sich dann in den nächsten Tagen nochmal jemand melden: Auf jeden Fall müßte es gehen. Und das tat es auch. Sogar doch schon mit der richtigen Übertragungsgeschwindigkeit. Man hat ja schon viel Schlimmes über die Telekom samt deren Lakaien gehört, aber in dieser Woche sind mir wirklich nur Mitarbeiter begegnet, die darauf bedacht waren, daß der Kunde zufrieden ist.

Ebenfalls gute Nachrichten vom Ohr, denn während des Tages war das Geräusch endlich verschwunden und taucht seitdem nur noch auf, wenn ich Nachts ins Bett gehe und früh aufstehe. So fand diese doch schon ziemlich doofe Woche noch ein versöhnliches Ende.

02.07.2006 um 01:07 Uhr

Schlimme Woche

von: Solus

Musik: Element of Crime - Blaulicht und Zwielicht

Die nächsten Tage werden für mich schlimm sein. Ganz schlimm. Das fängt schon heute an, wenn ich nachmittags meinen PC in die neue Wohnung schaffe. Höchstwahrscheinlich wird dieses hochsensible Gerät den Transport nicht überleben; bzw. mich Stunden voller Schweiß und Tränen kosten, es wieder zum Laufen zu bringen. Das wiederum wäre frühstens am Montag möglich, wenn die Möbelpacker unsere ganzen Schränke und viel zu schwer bepackten Pakete transportiert haben. Internet soll ja dann angeblich sofort funktionieren. Da bin ich auch schon sehr skeptisch. Wahrscheinlich geht weder das, noch der Fernsehanschluß. Ist doch immer so.

Am Dienstag muß ich tonnenweise Schrott in meine Schränke verteilen. Alte Schulhefter, Kisten voller Kinderüberraschungsfiguren, DDR-Puzzle und haufenweise Firlefanz - kindisch, kitschig, doof. Vielleicht sollte ich wirklich den Rat eines guten Freundes nachgehen und die ganzen Pakete, die mein Inventar beinhalten, einfach mal in den Müll werfen.

Außerdem muß ich auch noch zu meiner Ärtzin, um mir eine Überweisung für den Urlogen abzuholen, der wiederum mir eine neue Überweisung ins Krankenhaus schreiben muß. Ich frage mich ernsthaft, ob diese Überweisungsschein-Bürokratie tatsächlich Geld einspart, denn sowohl die Ärtzin, als auch der Urologe werden sich für diese kleine Dienstleistung sicherlich bezahlen lassen. Vermute ich einfach mal. Und eventuell geben sie das Ganze sogar gleich als Arztbesuch aus. Wer kann schon nachprüfen, ob ich mir da schnell einen Schein ausdrucken lassen habe, oder ob ich im Sprechzimmer war.

Nun gut, mit der Krankenhausüberweisung und einer gepackten Tasche muß ich mich jedenfalls am Mittwoch früh im Bethanien Krankenhaus einfinden, um mir dort meinen Nierenstein entfernen zu lassen. Wie lange ich dort verweilen werde, hängt damit zusammen, ob die einfachste Methode, das wird wohl das Zertrümmern sein, bei mir zum Erfolg führt. Wenn nicht, werde ich aufgeschnitten und muß natürlich entsprechend länger bleiben.

Wäre ich ein Optimist, würde ich fest daran glauben, daß ich gleich am Mittwoch Nachmittag zur Trümmerung muß, die erfolgreich ist und ich am nächsten Tag wieder nach hause gehen kann. Aber als fortgeschrittener Krankenhausbesucher stufe ich dieses Szenario als äußerst unwahrscheinlich ein. Stattdessen wird das Ganze wohl so ablaufen:

Mittwoch: Fröhlich stehe ich an der Aufnahme und bekomme von der Schwester mitgeteilt, daß ich gar nicht angekündigt bin. Nur eine Stunde später kann sie mir jedoch mitteilen, daß für mich gerade ein Bett freigeworden ist, während hinter mir zwei Azubis eine Trage mit einem reglosen, zugedeckten Körper davontragen. Froh gelaunt betrete ich mein Zimmer und blicke auf meine Zimmergenossen - fünf 80jährige, die allesamt nach Urin riechen, die ganze Zeit husten und dabei ab und zu einkacken, um 20 Uhr auf ihre Bettruhe bestehen und die ganze Nacht über merkwürdige Geräusche von sich geben. Das weiß ich in dem Moment natürlich noch nicht, sodaß ich mich vergnügt in den Gang setze und auf den Arzt warte, weil man ja am ersten Tag immer untersucht wird, und außerdem erfährt, wie es denn nun weitergeht. Nach dem widerlichen Mittagessen, das ich komplett verweigere und Nachmittags einem trockenen Stück Kuchen hat der Doktor endlich Zeit für mich, also etwa eine Minute, in der er mir sagt, daß ich morgen zur *typisch-klingender Fachbegriff aus der Medizin* muß, dann würden wir weiter sehen.

Donnerstag: Die Schwester teilt mir mit, daß ich um 10 Uhr dran bin und mich schon einmal entkleiden soll. Als ich sie kurz vor dem Mittagessen frage, wann es denn nun soweit ist, teilt sie mir mit, daß das doch erst am Nachmittag etwas wird. Fünf Stunden später stürmt ein Assistenzarzt ins Zimmer und entschuldigt sich, weil heute keine Zeit mehr für mich ist. Aber morgen machen wir das dann bei ihnen besonders gut.

Freitag: Endlich zur Zertrümmerung, die leider keinen Erfolg bringt. "Dann müssen wir den Stein eben rausoperieren ! " meint ein Arzt freundlich zu mir und läuft danach kichernd davon. Als ich nachmittags eine Schwester frage, wann die Operation stattfindet, meint diese "Wahrscheinlich dann morgen...".

Sonnabend: Nach dem obligatorischen Marmeladenbrötchen mit Tee frage ich bei einer Schwester vorsichtig an, wie das nun wird, mit dem Bäuchlein aufschneiden. Sie setzt ein stark verwundertes Gesicht auf und meint "Am Wochenende wird doch gar nicht operiert. Wer hat Ihnen denn das gesagt  ?!".

Sonntag: Ich ärgere mich, daß ich das Finale Deutschland-Frankreich nicht sehen konnte, weil die alten Leute wieder schlafen wollten.

Monntag: Eine schlechtgelaunte Schwester fährt mich in den OP, wo mich der Chiurg mit den Worten "Boah, ich habe seit 40 Stunden nicht mehr geschlafen" begrüßt. Dann wird alles dunkel...und wieder hell...und ein anderer Arzt teilt mir mit, daß der Stein zwar raus ist, ich aber die Narkose irgendwie nicht richtig vertragen habe. Ich müßte noch etwas bleiben, bis sich das ständige Übergeben wieder gelegt hat. Zwei, drei Tage oder so...

Mittwoch, eine Woche später: Verärgert verlasse ich das Krankenhaus. Was waren das für schreckliche Tage ! Aber wenigstens ist der Stein jetzt raus und der anhaltende Schmerz in meiner Niere geht ja sicherlich wieder weg...

 

So wird das wahrscheinlich alles passieren. Und wenn ich mich gar nicht wieder melde, hat man die Operation komplett versaut. Oder noch schlimmer, der Internetanschluß in der neuen Wohnung geht nicht. Ansonsten werde ich dann hier in ein paar Tagen ganz tolle und spannende Geschichten erzählen können. Seid gespannt !

01.07.2006 um 00:15 Uhr

Blick in mein Innerstes

von: Solus

Musik: Erdmöbel - Tätowiert von innen

SKANDAL ! BLOGGER VERÖFFENTLICHT BILD SEINES UNVERHÜLLTEN INTIMBEREICHS ! SCHÄUBLE FORDERT ZENSUR DES INTERNETS !