Musik: Knorkator - Ich verachte Jugendliche
Waghalsigkeit gab es schon immer, ja, aber das selbstdestruktive Verhalten der Jugend heutzutage ist schon irgendwo neu. Seien es die S-Bahn-Surfer, die für den kurzen Adrenalinschub ihr Leben riskieren und Selbiges wohl in einigen Ländern wie Südafrika auch schon zu Hauf verloren haben, sei es das inzwischen überall zelebrierte Koma-Saufen, der in gewissen Kreisen praktizierte vorsätzliche Sex mit AIDS-Kranken oder aber, wie ich neulich in einem Sommerloch-Fernsehbericht sah, nun inzwischen auch das Heranhängen an Schiffen, die in den Flüssen fahren, bzw. das Hineinspringen in Selbigen von hohen Brücken, bei dem auf Grund des niedrigen Wasserstandes auch schon mal das eine oder andere Genick brechen kann. Harmloserer Nervenkitzel scheint den Pubertätsdurchschreitern nicht mehr zu genügen. Es muß eine reele Gefahr existieren - die von den Teilnehmern wahrscheinlich trotzdem noch unterschätzt, aber im Unterbewußtsein durchaus wahrgenommen wird.
Das gab es natürlich auch schon in Ansätzen vor 50 Jahren, nur haben sich diese Tätigkeiten seitdem immer mehr zum Mainstream entwickelt, wohl auch auf Grund einer immer ausgeprägteren Gleichgültigkeit und allgemeinen Sorglosigkeit der Jugendlichen. Da stellt sich mir natürlich Frage, wie die Jugend so in 20-30 Jahren ticken wird. Gehört das Spiel mit dem Leben dann entgültig zum Alltag der Jugendkultur ?
Ich hoffe das sehr, denn ich habe schon die eine oder andere Geschäftsidee, mit der man in Zukunft viel Geld verdienen könnte. Der Klassiker wäre natürlich echte "Death-Matches" zu veranstalten - so wie in dem Film "Battel Royal", nur natürlich auf freiwilliger Basis. Eine gewisse Anzahl Jugendliche bekommen Waffen ausgehändigt und dürfen sich dann in einem abgegrenzen Areal gegenseitig jagen und töten. Wer übrigbleibt, gewinnt - einen unzensierten Premiumaccount bei Flickr.com oder etwas in der Art. Aber vielleicht ist diese Idee schon etwas zu progressiv, denn sie setzt nicht nur vorraus, daß die Teilnehmer dazu bereit sind, für etwas Spaß und Nervenkitzel mit ziemlicher Sicherheit den Löffel abzugeben, sie müssen in dem Fall auch noch selbst anderen das Leben nehmen, und das sollte zumindest in 30 Jahren weiterhin moralisch problematisch sein. Beim jugendlichen Spaß der nahen Zukunft muß also wie schon jetzt der Tod per "Unfall" (U-Bahn, Alkohol, Wasserstand, etc.) und nicht durch Mord eintreten.
Das können ja technische Hilfsmittel übernehmen, und so hätte ich als weitere Geschäftsidee diverse Spielzeuge im Sinn, wie z.B. die "Funbomb": Man stelle sich eine bunt bemalte Plastikkugel vor, etwa so groß wie ein Handball. Mit Hilfe eines auf der Kugel befindlichen Displays und zwei Köpfen läßt sich eine Zeitdauer einstellen und mit einem größeren Knopf wird die Funbomb schließlich aktiviert. Nun können die jungen Teilnehmer das spannende Spiel beginnen - das Spielprinzip kann dabei selbst gestaltet werden, aber der empfohlene Grundmodus würde in etwa so aussehen, daß sich alle im Kreis aufstellen und immer nach mindestens 2 Sekunden die Funbomb von einer Person zur Nächsten werfen. Jeder, der die Funbomb bekommt, muß laut bis Zwei zählen, oder wer mutig ist auch noch weiter, denn innerhalb der vorher eingegeben Zeit wird die Funbomb irgendwann plötzlich explodieren und derjenige, der sie gerade in der Hand hält, ist dann eben tot.
Das erinnert natürlich an das bekannte Russische Roulette, nur ist es sehr viel spaßiger - vorallem weil am Ende jemand explodiert. Da fallen dann hinterher solche Sätze wie "Hihi, Du hast da ein Stück Melanie im Haar hängen." oder "LOL, Da liegt Michaels Kopf - Wer hat Lust auf eine Runde Fußball ?" Ja, gesprochene Chatabkürzungen und Fußball wird es sicherlich in zwanzig Jahren noch geben, aber gerade solche Spielzeuge wie meine tolle Funbomb könnten eine beliebte Ergänzung zu den normalen Freizeitaktivitäten werden.
Eine andere Idee wäre, für die etwas intelligentere Zielgruppe, ein modernes Galgenraten. Das von mir entwickelte Spielzeug ist in dem Fall aber nicht das Seil, sondern der Stuhl, auf dem sich der Spieler stellt, bevor er seinen Kopf in die mitgelieferte Schlinge legt. Dann wird der Stuhl per Fußtritt aktiviert und stellt Quizfragen. "Wie heißt der Erfinder der Ununoctium-Bombe ?", "Wann starb Britney Spears ?", "Wer war für den dritten Weltkrieg verantwortlich ?" - bei jeder falschen Antwort senkt sich der Stuhl automatisch um einen halben Zentimeter. Nach einer vorher eingestellten Anzahl von Fragen ist damit natürlich irgendwann Schluß, oder eben schon vorher, wenn der Spieler zuviele Fragen falsch beantwortete.
Aber noch einmal zurück zur "Funbomb"; deren LocalExplosion-Technologie könnte auch serienmäßig ihren Weg ins Handy finden. Das würde nicht nur den Innenminister freuen, der dann Terrorverdächtige gleich per Fernsteuerung in die Luft jagen kann, auch die jugendlichen Besitzer könnten somit 24 Stunden am Tag dem wunderbaren Nervenkitzel ausgesetzt sein, plötzlich in tausend Teile gesprengt zu werden. Einfach das Stichwort "Knallfrosch" an JAMBA schicken, und schon kann der Spaß beginnen, denn einmal pro Monat sendet der Klingeltonanbieter zu einer zufällig ausgewählten Zeit an einen zufällig ausgewählten Teilnehmer das Sprengkommando. Das Handy explodiert, der Besitzer ist tot, und wenn Freunde gar die Explosion zufällig gefilmt haben und das Video dazu auf youtube stellen, bekommen sie zehn Klingeltöne geschenkt.
So könnte ich immer weitermachen - vom vergifteten Alkopop in der Disko bis hin zum etwas harmloseren Party-Brettspiel "Mensch, erblinde doch nicht!" (auf dem Brett befindet sich ein computergesteuerter Laser...) gibt es unzählige Möglichkeiten, die gelangweilte Jugend von Morgen zu amüsieren, und für mich als alter Sack von Morgen daran ordentlich zu verdienen. Aber ich werde mich mit der Realisierung meiner Ideen beeilen müssen, denn auch andere haben scheinbar schon den Trend erkannt...

Das japanische Spielzeug "Kaba-Kick": Russisches Roulette für Kinder