Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

29.12.2015 um 14:23 Uhr

Nachträge ... Dezember 2014

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Hells Bells (AC/DC)

Warum nur ist mir der Verlust meiner Einträge so nahe gegangen?

Vielleicht, weil die Adventszeit in diesem Jahr eine Zeit der inneren Einkehr bis hin zur Selbstzerfleischung war. Ohne D*chungelquest war ich allein mit mir selbst. Keine Suche mehr. Kein Ziel mehr. Nur ich. Mit allen meinen Sehnsüchten, Bedürfnissen, Hoffnungen und Ängsten. Am grössten die Angst, es könne an mir liegen.

Ein Urlaub, der keiner war. Angefüllt mit Verpflichtungen. Küchenweihnachtsfeier, Projektweihnachtsfeier, Fortbildung, Besuch bei der Patentante ... und schwupps war der heilige Abend da. Die eigentlichen Vorbereitungen gestalteten sich entspannt, da eigentlich nichts vorzubereiten war. Den Baum gönnte ich mir. Wieder beim regionalen Händler vor dem Schwimmbad nebenan. So klein, dass ich ihn selbst tragen konnte, meinen kleinen grünen Nordmann. Peking-Fichte kommt für mich nicht infrage .... lieber gar kein Baum als Plastik. Einkaufen? Für wen denn? Die Söhne Heiligabend beim Vater, Weihnachten macht meine Schwester ... und am zweiten Feiertag auch allein. Schönes Intermezzo das Damenweihnachten bei GlamourGirl. Und dann die Tage mit mir.

Heiligmorgen hatte das MünchnerKindl zu Austern geladen. Wir sassen also zu fünft um zwei riesige Austernteller. Die Söhne probierten höflich und verzichteten dankend. Wir schlemmten und ergaben uns dem Trunk aka Weißwein. So heftig, dass ich froh über den Spaziergang zu meinen Eltern war, um einigermaßen auszunüchtern. So heftig, dass mir, als ich alleine zuhause meine Wohnzimmertür öffnete, plötzlich alles egal war und ich mit Broten auf der Couch Nonnenfilmchen schaute.

Der Katzenjammer kam am ersten Feiertag. Auf meinem Weg am Fluss entlang. Nur Menschen mit Alibi unterwegs. Hunden, Kindern oder Laufpartnern. Die armen Seelen wie mich erkannte ich sofort. Und es tat weh, zu dieser Gruppe zu gehören. Aussortiert. Auch, wenn ich dazu selbst beitrug, weil ich manchmal zu anspruchsvoll war. Neuntes Rad am Wagen wie jedes Jahr. Ohne Partner inkomplett bei dieser Familie, die so anders feiert als ich es mir wünschen würde. Wie gerne hätte ich ältere Brüder gehabt, mit denen es sich an Feiertagen bei Wein lachen lässt bis in die Nacht? Wie gerne hätte ich ein Haus voller Leben als mein Elternhaus bezeichnet. Mein Elternhaus ist still. Besuch stört eher. Und genauso verhalten sind Feiern.

Abends halfen die Nonnen im Fernsehen. Und ab dem nächsten Tag dann die Steuererklärungen. Und ein schöner Abend mit Frau Liberty lenkte ein bisschen ab ... Insel der Frauen mal wieder.

Ein Urlaub, der keiner war. Nicht einen Tag verpflichtungsfrei. Nicht einen Tag ungebunden. Nicht einen Tag wirklich ausgespannt. Und nun eigentlich nur froh, bald wieder in den Job zu dürfen.

In meinen Einträgen habe ich mich mit alledem intensiv auseinandergesetzt. Mir selbst den Spiegel vorgehalten. Ich schreibe, also lerne ich. Das Geschriebene ist verloren. Und damit manche Erkenntnis, die noch sickern muss und durchs mehrmalige Nachlesen erst verankert worden wäre. Das ist es, was mir nahegeht ... die unvollständige Auseinandersetzung mit mir selbst!