Antrag an die Personalversammlung für das Personal an Hamburger Berufliche Schulen
Die Personalversammlung kritisiert den von der BBS und der Firma Mummert & Partner AG vorgelegten Bericht zur Evaluierung des LehÂrerÂarbeitszeitmodells und weist wesentliche Aussagen des BeÂrichtes als wissenschaftlich unhaltbar zurück. Der Bericht ist geraÂde den Anforderungen, die an eine Evaluierung des ArbeitszeitÂmodells an beruflichen Schulen zu stellen wären, nicht gerecht geworden.
Die Personalversammlung fordert die Senatorin ein weiÂteres Mal auf, dieses Modell bereits für das Schuljahr 2005/ 2006 zurückÂzuÂziehen. Gerade die höchst unterschiedlichen Durchschnittsfaktoren der untersuchten Beruflichen Schulen zeigen, dass dieses Modell nicht die Rahmenbedingungen bietet, auf denen sich eine BerufsÂschulÂreform aufbauen lässt.
Antragsteller: Thomas Grundt, Olaf Krüger, Thomas Schuback
Die Kritik im Detail
· Die Behörden-Vorgabe für die Evaluierung durch Mummert & Partner war, zu unterÂsuchen, ob die ,,Relationen der Arbeitswerte zueinander nachvollziehbar und verÂtretÂbar sind". Dieses konnte von Mummert & Partner nicht erfüllt werden, da eine wisÂsenÂÂschaftlich begründete Berechnung der Arbeitszeitfaktoren für die einzelnen beÂrufÂlichen Bildungsgänge nicht vorgenommen werden durfte.
Gerade diese Tatsache nimmt die Personalversammlung mit Empörung zur Kenntnis, da sie bereits in 2 Personalversammlungen die Behörde aufÂgeÂfordert hat, eine wissenschaftlich fundierte Berechnung vorzulegen. Es liegt immer noch nicht die Grobform einer Berechnung vor, wie sie für die anÂdeÂren Schulformen existiert.
- Der Bericht ist in vielen Teilen von subjektiv gefärbten Aussagen geprägt und erfüllt damit nicht den Anforderungen, die an eine wissenschaftliche Untersuchung zu stellen wären.
- Relevant wäre insbesondere auch eine Erfassung der Veränderung der UnterÂrichtsÂqualität und des damit verbundenen hohen Aufwands, da das Arbeitszeitmodell geÂraÂde auf der Tatsache aufbaut, dass das Kerngeschäft von Schule der Unterricht ist.
- Die Stellungnahmen der Vertrauensausschüsse der einzelnen Schulen wurden nicht erkennbar in den Bericht eingearbeitet. Sie enthalten aber Aussagen über geÂstieÂgene Belastungen für die Kolleginnen und Kollegen und geben Hinweise auf die AbÂstriche, die bei der Hauptaufgabe ,,Unterricht" hingenommen werden mussten.
- Die Verbesserungsvorschläge richten sich in erster Linie auf eine Steigerung der ProÂduktivität aus der Sicht des Arbeitsgebers.
- Bereits im Ansatz zeigt sich, dass nur auf die alten Zahlen von 1997/98 zurückgegriffen wurde („Tamagotchi-Gutachten“ in NRW). Hier wurde wiederum nur auf die Tatsache abgestellt, dass einige Kolleginnen und Kollegen in dem Bundesland NRW nicht den für uns anzustrebenden Sollwert von 1770 Stunden erreichen.
- Nicht weiter darauf eingegangen wurde, dass der empirisch ermittelt DurchÂschnittswert in NRW mit 1839 Stunden bereits erheblich höher lag als der NormÂarbeitswert. Auch in NRW erbringen viele Kolleginnen und Kollegen engagiert eine höhere Leistung, als der Arbeitgeber von ihnen verlangen konnte (bis zu 3000 Stunden). Hier wäre sogar aus der Sicht eines Arbeitgebers zu kritisieren, dass Mummert & Partner nicht Gefahr einer ÜberÂÂforderung der Kolleginnen und Kollegen sieht.
- Die Personalversammlung kritisiert ausdrücklich, dass Mummert & Partner nur auf die GeÂfährÂdungsbeurteilung Progess hinweist, aber keine Aussagen über die QuaÂlität dieser Projektform einer Gefährdungsanalyse trifft und nicht die ZusamÂmenÂhänge mit der Lehrerarbeitszeit analysiert. Dies wäre aber gerade unter dem GeÂsichtsÂpunkt Beurteilung der Lehrerarbeitzeit und verordneten Mehrarbeit unbedingt notÂwendig gewesen.
- Die Personalversammlung weist die polemischen Ausführungen über die Arbeit der Personalräte und Gewerkschaften zurück. Der Stil des Berichtes und seine manÂgelnde wissenschaftliche Haltbarkeit zeigen, dass hier gerade von den Mängeln des Arbeitzeitmodelles abgelenkt werden soll.
- Die Personalversammlung ist der Meinung, dass sich aufgrund der vorliegenden EvaÂluaÂtion nicht belegen lässt, dass das in Hamburg praktizierte Arbeitszeitmodell dem ,,alten" Pflichtstundenmodell überlegen ist. Vielmehr gibt es viele konkrete Hinweise, dass dieses Modell zu Lasten der Unterrichtsqualität eingeführt wurde.
