Lehrerverband : "Fremdsprachenschule erhalten"
http://www.abendblatt.de/daten/2005/06/29/453388.html
(Hamburger Abendblatt vom 29.06.2005; von Peter-Ulrich Meyer)
Thomas Schuback (39, DLH-Vorstand) startet den Aufruf des DLH auf seiner Pressekonferenz, freut sich über die Solidarität der Landes-Fachverbände Moderne Fremdsprachen und des Deutschen Spanischlehrerverbandes, weist auf deren Presseerklärung hin und merkt an: „Die Kampagne für die Staatliche Fremdsprachenschule hat erst begonnen.“
„Sehr geehrte Frau Senatorin Dinges-Dierig,Die Zeit drängt – schnelle Entscheidung im Interesse der Betroffenen!
Bereits jetzt erhält die Schule Anfragen, z. B. vom Berufsinformationszentrum (BIZ), ob der Bildungsgang wirklich im August 2006 nicht mehr angeboten wird. Deswegen muss jetzt Ihr Machtwort zur Rettung des Bildungsganges und der Schule kommen. Das haben die jungen Menschen in dieser Stadt verdient.“
Schlechte Standortförderung statt Förderung beruflicher FremdsprachenkompetenzDer Bildungsgang wurde vor 40 Jahre auf Drängen der Außenwirtschaft eingeführt. Ein Blick in die Stellenanzeigen der einschlägigen Tageszeitungen genügt. Immer mehr Firmen haben steigenden Bedarf an qualifizierten, sprachkompetenten kaufmännischen Mitarbeitern. Gerade hier liegen die Stärken der Absolventinnen und Absolventen der SFS. Sie verfügen über hervorragende fremdsprachliche-kommunikative und bürotechnische Kompetenzen und haben den anerkannten Berufsabschluss „Staatlich Geprüfte Kaufmännische Assistentin für Fremdsprachen“ erworben. Dies befähigt sie, alle angebotenen kaufmännisch-fremdsprachlichen Tätigkeitsfelder in gehobenen Positionen qualifiziert zu besetzen. Bildung ist ein Standortfaktor – dies gilt insbesondere für eine wachsende Stadt in einer globalisierten Welt.
Thomas Schuback: „Wir benötigen in Zukunft mehr Fremdsprachenkompetenz in Hamburg, wenn wir international aufgestellte Unternehmen halten wollen oder neue Unternehmen nach Hamburg holen wollen.“ Der DLH warnt davor, kurzsichtige Sparpolitik an der Bildung zu betreiben.
Kim-Eva
Wempe, Juniorchefin Wempe KG (London – Madrid – Paris –
Wien – New York):
„...Ich würde
dies als einen großen Verlust für Hamburg ansehen. Es
schwächt die Chancen der zukünftigen Berufsanfänger.
Ich spreche aus eigener Erfahrung, denn ich habe nach dem Abitur 1980
die Fremdsprachenschule als Vorstufe zum Betriebswirtschaftsstudium
(Hamburger Modell) besucht. Obwohl ich am Gymnasium als
Leistungskurs Englisch sowie Französisch belegt hatte, war der
Unterricht nicht ausreichend für das Berufsleben...“ 7.6.05
Widersprüchliche Aussagen durch die Senatorin
Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig hat erklärt: „Die Einrichtung vollzeitschulischer beruflicher Bildungsgänge und deren Anerkennung durch die Kammern ist eines der wichtigen Ziele, dass wir in Hamburg im Rahmen des Prozesses der Reform der beruflichen Bildung erreichen wollen.
Thomas Schuback vermutet, dass die Senatorin einem Konflikt ausweichen will: „Warum sonst ist diese Ausbildung nicht Gegenstand des Reformprozesses?“
Olaf Krüger (stellvertr. Vors. Handel, DLH und Lehrer an der SFS) sieht die Staatliche Fremdsprachenschule auch als ein Opfer der Berufsschulreform: „Der Sparzwang ergibt sich einerseits aus der Streichung von 64 Stellen für die Berufsschulreform andererseits aus der Verminderung der beabsichtigten Streichung bei der Sprachförderung für den vorschulischen Bereich. Die Senatorin stopft offensichtlich jetzt nur Löcher anstatt eine fundierte Bildungspolitik zu betreiben.“
Thomas Schuback ergänzt: „Es könnte aber auch sein, dass die Behörde im vorauseilenden Gehorsam der Handelskammer zuarbeitet. Es ist ja bekannt, dass diese gegen vollzeitschulische Bildungsgänge ist und vollquallifizierende schulische Ausbildung nicht will.“
Es ist ein Trauerspiel, dass die Senatorin offensichtlich die Möglichkeiten des neuen Berufsbildungsgesetzes nicht nutzen will. Deswegen wird bereits im Vorwege, bevor die eigentliche Berufsschulreform begonnen hat, bei diesen Bildungsgängen gestrichen.
Olaf Krüger: „Die Senatorin sollte sich auch in dieser Frage mit der Handelskammer zusammensetzen und eine echte Reform auch an der Staatlichen Fremdsprachenschule in die Wege leiten.“ Verschiedene Modelle sind denkbar, zum Beispiel:
Gestaffelter Aufbau des Bildungsgangs, so dass nach 2 Jahren eine Möglichkeit besteht, zusätzlich zur kfm. fremdsprachlichen Ausbildung der Berufsabschluss eines etablierten Berufes verliehen werden kann. (vgl. § 43 BBiG)
Nutzung der Anrechnungsmöglichkeiten nach § 7 BBiG, d. h. die Ausbildung an der SFS ist so zu strukturieren, dass Teile der Ausbildung auf etablierte Berufe angerechnet werden. Dann greift selbst das Kostenargument nicht mehr.
Frauenbildung – in Hamburg seit der CDU-Regierung von geringem Wert
Die Staatliche Fremdsprachenschule bietet Generationen von vor allem Schülerinnen eine gute Ausbildung. Die Ausbildung hat einen guten Ruf, der dem Interesse der Schülerinnen und der Stadt und ihrer Wirtschaft dient. Die Schülerinnen der SFS bestätigen, dass sie in einer unglaublich kurzen Zeit eine Berufsausbildung erhielten, die ein ganzes Leben lang hielt.
Olaf Krüger vom DLH fragt: „Warum hört man in dieser Behörde eigentlich nicht, was die Frauen in dieser Stadt zu sagen haben? Der DLH fordert die Spitzenfrau der CDU für Bildungsfragen, Frau Senatorin Dinges-Dierig auf, hören Sie auf diese Frauen und nicht auf die Männer in der Behörde oder Handelskammer! Als ich vor ca. 30 Jahren an der SFS anfing, war diese Schule kleiner, aber die Schüler hatten bessere Voraussetzungen. Von einer CDU-Regierung hätten wir erwartet, dass sie höhere Leistungen von den Schülern fordert, aber nicht, dass sie gleich ganze Bildungsgänge für Frauen streicht. Bildung für Frauen lohnt sich und eine fremdsprachlich geprägte Berufsausbildung erst recht!“
Olaf Krüger verweist darauf, dass nun schon die Töchter ehemaliger Schülerinnen wiederum die SFS durchlaufen haben: „Es mutet doch recht eigenartig an, wenn der Senat auf die Kleine Anfrage der SPD am 10.06.05 ausführt: „Es besteht keine bildungspolitische Notwendigkeit, das Angebot fortzuführen. Was heißt das? Sind jetzt die jungen Frauen in dieser wachsenden Stadt so reich, dass sie sich die Privatschulen leisten können? Es ist doch aber gerade ein Witz, dass in Hamburg bei der Vermittlung von Fremdsprachenkompetenz gespart werden soll. Hat sich der Senat von dem Projekt „Wachsende Stadt“ verabschiedet?
Abschließend
die Aussage einer ehemaligen Absolventin dieses Bildungsganges (Name
aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht, kann bei
vlwhamburgvorstand@yahoo.de abgefragt werden):
Seit März 2000
bin ich als Administrative Coordinator im Hamburger Büro tätig.
In
dieser Funktion organisiere ich unter anderem die Einstellung neuer
Mitarbeiter(innen) im Sekretariatsbereich. Ich sichte die
Bewerbungsunterlagen, führe Bewerbungsgespräche und wirke
maßgeblich an der Entscheidung mit, wer eingestellt wird. Auch
aus diesem Grunde kann ich nur betonen, wie wichtig es ist, dass die
KFA-Klassen bestehen bleiben. Denn nur sie, und das wiederhole ich
gerne, sind eine wirkliche Alternative zu Ausbildungen an den
Privatschulen. 3.6.05
Behörde trifft Sparbeschluss aufgrund falscher Zahlen! - Streichung der Ausbildung zur kfm. Assistenz fremdsprachliche Richtung für Abiturienten
Offensichtlich beruht die Entscheidung der Senatorin, die seit über 40 Jahren bestehende einjährige Ausbildung der Staatl. Fremdsprachenschule zur staatlich geprüften Assistentin / Assistenten Fachrichtung Fremdsprachen für Abiturienten zu streichen, auf unsauber recherchierte Zahlen.
Thomas Schuback (Vorstand DLH) verschärft die vor 2 Wochen geäußerte Kritik des DLH: „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass in Hamburg einschneidende Spar-Beschlüsse von solch einer Tragweite am grünen Tisch mit falschen Zahlen und ohne genaue inhaltliche Überprüfung des Bildungsganges getroffen werden.“
Die Behörde behauptet, dass 70% der Absolventen anschließend in eine duale Ausbildung übergehen.
Thomas Schuback dazu: „Die Zahlen der Behörde können schon bei einem oberflächlichem Draufschauen nicht stimmen, da erfahrungsgemäß viele Abiturienten nach einer Berufsausbildung studieren wollen. Wahrscheinlich wurden in den Zahlen der Behörde die Realschüler/-innen, die gar nicht studieren können und die Abiturienten vermischt. Vor einigen Jahren hat die Behörde nämlich diesen vorher selbständigen Bildungsgang für Abiturienten (fremdsprachliches Sekretariat) in einen neuen verkürzten Bildungsgang der kfm. Assistenz „staatlich geprüften Assistentin / Assistenten Fachrichtung Fremdsprachen“ für Abiturienten überführt.“
Erst aufgrund der von der SPD gestellten „Kleinen Anfrage“ scheint es zu interessieren, dass in der Schule andere Erkenntnisse vorliegen. Die Staatliche Fremdsprachenschule hat aufgrund von Fragebögen die Zahlen von den 2 letzten KFA-Jahrgängen (2003/04, 2004/05) ermittelt, die eine andere Sprache sprechen und auch von der Behörde hätten erfahren werden können.“
Arbeit im Beruf (inkl. Praktika und Jobs) 17,40%
Auslandsaufenthalt 15,20%
Stellensuche 10,90%
weitere Berufsausbildung 23,90%
Studium 31,00%
weiterer Schulbesuch 1,70%
Auch diese Zahlen reichen Thomas Schuback noch nicht:
„Wichtig wäre eine Befragung derselben Absolventen über einen längeren Zeitraum, da z. B. viele Stundenten die Berufsausbildung an der Staatlichen Fremdsprachenschule und Studium kombinieren oder sogar das Studium abbrechen und mit der Berufsausbildung ihr Geld verdienen. Wenn 24 % der Absolventen eine weitere Berufs-ausbildung anstreben, sind das nicht die 70 %, die von der Behörde genannt wurden!!!
Um seriöse Entscheidungen in der Bildungspolitik zu treffen, müssten auch bei diesem Viertel der Absolventen untersucht werden, ob nicht gerade aufgrund dieser berufsbezogenen Fremdsprachen-Ausbildung an der SFS diese Jugendlichen einen Ausbildungsplatz bekommen haben. Wenn Hamburg meint, nicht mehr in die Jugend investieren zu können, ist dies ein grausamer Trugschluss. Allerdings sollte die Ausbildung dann auf die duale Ausbildungszeit angerechnet werden
Thomas Schuback ergänzt: „Die Zahlen der SFS weisen darauf hin, dass leider die hohe Arbeitslosigkeit in Hamburg auch junge Frauen mit Abitur zunehmend trifft. Dann ist es geradezu zynisch, jetzt diesen Bildungsgang zu streichen.“Die Behörde behauptet, dass sie seit Jahren mit der Schule Gespräche über diesen Bildungsganges geführt habe.
Olaf Krüger (Lehrer und DLH-Vorstandsmitglied): „Das kann doch nicht wahr sein! Auf welche Gespräche vor wie viel Jahren bezieht sich die Behörde? Eine Evaluation ist uns nicht bekannt und geht wohl auch nur mit uns. Die Rückmeldungen, die ich nun seit fast 40 Jahren von Schülerinnen und Unternehmen bekomme, sind durchweg positiv! Gerade durch die Einführung des Lernfeldunterrichtes, der auf sehr viel Computer-Arbeit beruht, ist unsere Ausbildung praxisnah. Hamburg hat hier zu Recht über 1 Mio. € investiert. Dieses Geld sollte auch jungen Frauen mit Abitur weiterhin zugute kommen.“
Thomas Schuback: „Die Solidaritätswelle mit der Staatlichen Fremdsprachenwelle ist erst am Anrollen! Die Behörde versucht es von Bildungsgang zu Bildungsgang. Erst war unter Senator Lange die FOS dran, nun ist bei Senatorin Dinges-Dierig die fremdsprachliche Berufsausbildung an der Staatlichen Fremdsprachenschule. Dies ist nicht das, was die weltoffene Hansestadt braucht.“
Der DLH fordert die Senatorin auf: „Nehmen Sie die Streichvorgabe zurück! Geben Sie den Berufsschulen die ca. 60 Stellen zurück, die Sie im Vorwege der Berufsschulreform schon gestrichen haben. Alle Bildungsgänge der Staatlichen Fremdsprachenschule müssen Teil der Berufsschulreform werden!“