... und vergiss nicht, meine Seele zu küssen ...

21.03.2011 um 12:05 Uhr

Begegnungen der besonderen Art

von: Wari

Es war etwas für´s Herz, dieses Wochenende. Ich hatte kinderfrei und war zu einer Geburtstagfeier eingeladen. Nur wenige der Gäste kannte ich und dennoch ergaben sich herzliche, wohltuende Gespräche. Es kamen Menschen verschiedener Nationalitäten zusammen. Jung und alt und es wurde viel gelacht. Mit so manchem konnte ich plaudern und scherzen, obwohl wir uns nie zuvor im Leben begegnet waren. Ein Fest der Herzlichkeit und Wärme. Wohltuend in diesen Zeiten allemal, da an so vielen Ecken der Egoismus unserer Gesellschaft wie ein Faustschlag ins Gesicht wirkt. Nicht aber an jenem Abend, an dem die Überraschungsparty stattfand und sich so viele einfanden um einen herzensguten Menschen hochleben zu lassen. Als es ernst wurde und einige das Tanzbein schwangen, verzog ich mich in die Küche und erledigte die notwendigen Arbeiten, bis meine Freundin mich mitnahm und zwang, in die Runde der Tanzenden einzusteigen. Im ersten Moment wäre ich gerne wieder gegangen, doch dann schickte ich alle Bedenken weit weg und tanzte. Die Füße fanden ihren Rhythmus und begannen mich zu erfrischend bolivianischer Gitarrenmusik mitzureißen. Es tat gut, denn plötzlich begann ich jeden Muskel meines Körpers wieder zu spüren und wusste, dass ich dies viel öfter machen sollte. Alles im Rhythmus der Musik abzuschütteln. Juchzend hüpften wir auf dem Parkett um die Wette und wirbelten umher. Und mitten in der Nacht, als die letzten Gäste sich gerade auf den Heimweg machten und der DJ sein Equipment verstaute, nutzte ich die Chance, öffnete behutsam den Deckel am Klavier und setzte mich. Um meiner Aufgeregtheit wegen, versuchte ich alle noch anwesenden Gäste wegzudenken und begann zu spielen. Erst ein paar Melodien, die sich durch tägliches Üben einfach eingebrannt hatten und dann, ja dann spielte ich frei ... improvisierte, was ich so nach vier Monaten Klavierspielens improvisieren konnte und vergaß alles um mich herum. All die Musiker, die einige Zeit zuvor die erfrischendste Gitarrenmusik gespielt hatten und die WIRKLICH etwas von Musik verstanden und all jene, die vielleicht schon viele, viele Jahre ein Instrument spielen und darin auch perfekt sind. Ich vergaß Zeit und Raum und ließ die Finger über die Tasten wandern. Und just in jenem Moment war es wieder da, das Gefühl, was mich vor Monaten an einem anderen Instrument irgendwann einholte. Dieses wunderbare Gefühl von vollkommen bei sich sein, vom inneren Gleichgewicht, von Harmonie und in sich ruhen. Und genau an diesem Punkt wusste ich, es war die beste Entscheidung, die ich vor einigen Monaten getroffen hatte.

Als ich fertig gespielt hatte, standen die restlichen Gäste um mich herum und waren baff. Keiner von ihnen wusste, dass ich mit Klavierspielen begonnen hatte und in nur vier Monaten schon derartige Stücke spielte. Sie wollten mehr, aber irgendwann musste ich passen, die einfachen Stücke erschienen mir zu simpel und bei den wirklichen schönen fielen mir leider die Noten nicht mehr ein *seufz*

Als mir meine Freundin gestern erzählte, wie begeistert ihr Mann, einer der bolivianischen Gitarristen, war und dass er meinte, wir könnten doch zusammen was auf die Beine stellen und Konzerte geben, musste ich schmunzeln und sagte ihr, dass wir darüber in fünf Jahren nochmal reden könnten. Und es erinnerte mich an einen Eintrag, den ich der Tochter meiner besten Freundin ins Freundebuch schrieb: In der nahen Zukunft möchte ich als klavierspielende Künstlerin meine Jungs ernähren können. :-) Vielleicht war das ja gar keine spinnerte Idee. Ich bin mir sicher, das, was ich schrieb, auch erreichen zu können.

Am Tag darauf schaffte ich es zumindest noch fast pünktlich, die Wohnung einigermaßen in einen begehbaren Zustand zu versetzen, bevor zwei liebe Freundinnen zum Brunch eintrafen. Wie selten hatte ich das in der letzten Zeit einmal gehabt ... alle Zeit der Welt, keine Kinder da und dann zusammen sitzen, gemütlich frühstücken, ein Käffchen trinken und die Seele baumeln lassen. Es fühlte sich die ganze Zeit nach tiefer innerer Zufriedenheit an, nach Gemeinsamkeiten und liebevollen Gesten. Stimmig würde ich sagen von der ersten bis zur letzten Minute. Und es schwebte eine große Portion Kreativität im Raum, jeder auf seine Art hat ein unglaubliches Potential und wir könnten Bäume ausreißen. Zusammen. Es hat sich gezeigt, dass wir Vernetzung brauchen, Kontakte nutzen müssen und gemeinsam über Möglichkeiten der Kreativitätsausbrüche nachzudenken. Schließlich wollen wir sie nicht ungenutzt verpuffen lassen.

Danke, meine Liebe, deine Pralinen waren köstlichst, bleib da dran, da steckt so unheimlich viel Potential drinnen. (Aber steck die Schere nicht zu weit weg, dafür bist du zu gut! Sollen sie dir doch den Meister fördern!!!)

Es war ein Wochenende voller Leben, Liebe, Wärme, Harmonie und geballte gute Laune! War´s der kommende Frühling, der´s hergab? Egal - es war einfach wunderbar!

 

14.03.2011 um 10:04 Uhr

Verfilxt und zugestöppselt.

von: Wari

Ich steh auf grün. Das wissen alle, die mich kennen. Und ich liebe grün nicht nur bei Klamöttchen, sondern auch in der Natur, an der Wand, im Kopf. Überall einfach. Am meisten aber wohl bei einer Sache: bei meinem absoluten Lieblingsduft. Der stammt von CK. Und ist immer noch In2U POP Und genau dieses Duftwässerchen scheint es nur noch ein einziges Mal auf dieser großen weiten Welt zu geben. Im nervigsten Versteigerungshaus dieser Welt, was mit e beginnt und in der Bucht endet. Sie werden sich zu Tode bieten und ich werd leider nicht dabei sein. Oder hat jemand mal ne Million für mich übrig?

 

PS: Ja, ich weiß, es gibt andere Probleme, ich hab auch genügend andere Probleme. Aber frau wird ja wohl nochmal träumen dürfen.

11.03.2011 um 19:34 Uhr

Dreisamkeiten

von: Wari

Stimmung: GRANDIOS!
Musik: Samba Bossa Nova

Da saßen wir nun. Zwei lange Wochen in unseren vier Wänden und mussten uns auskurieren. Zeit, um sich auf´s Notwendigste zu konzentrieren. Wichtig nur wir, unsere müden Körper und die wohlersehnte Gesundheit. Alles zwang uns zur Ruhe und mich zu der Einsicht, dass ich gerade in jenem Moment, in dem es auch mich niederstrecken wollte, nur genügend Kopfbeherrschung brauchte, um die Krankheit zu bezwingen. Die äußeren Umstände ließen es nicht zu, dass auch ich ernsthaft krankwerden konnte. Also gab ich meinem Körper zu verstehen, dass ich jetzt genügend Stärke brauche und ich gebe ehrlich zu, dass vielleicht gerade das für die Jungs da sein müssen, den entscheidenden Kraftschub gab. Ich nahm also alles nur im Eiltempo mit, was die Jungs in zwei Wochen auskurieren mussten. Und ich war im Nachhinein gesehen nicht mal böse über diese Auszeit, obwohl sie uns mitten in der schönsten Ferienzeit traf. Aber sie schaffte etwas, was im Alltagsgrau nicht möglich war. Sie ließ uns drei zusammenrücken. Wir kamen uns näher als in allen schönen Momenten der letzten Zeit. Wir teilten unsere Sorgen, unsere ungesunden Momente und versuchten das Beste daraus zu machen. Wenn es die Kraft der Jungs zuließ, spielten wir ein Brettspiel, welches ich zum Geburtstag bekommen hatte und es wurde unser absolutes Lieblingsspiel, bei dem sogar ich lernte, verlieren zu können, ohne in Groll zu geraten. Wir laßen tonnenweise Bücher, wir erlaubten uns übermäßigen Filmkonsum ;-) und viele, viele Kuscheleinheiten. Wir ließen unserer Kreativität freien Lauf, malten, bastelten und lachten gemeinsam. Wir ließen unsere Körper den Schlaf nachholen, den sie brauchten und achteten darauf, dass es uns allen gut ging. Wir lernten wieder ein Stück mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen und auch mal zugunsten des Anderen zurückzustecken.

Und als es den Jungs langsam wieder besser ging, schoben wir hier und da ein bisschen Schule ein, die ja wieder begonnen hatte. Anders als im Klassenzimmer konnte ich mir natürlich Zeit nehmen, um die Dinge altersgerecht aufzubereiten und spielerisch an die Jungs zu bringen. Wir hatten also ein bisschen Zeit, ins homeschooling reinzuschnuppern und mussten feststellen, dass wir im falschen Land wohnen. Mit welcher Begeisterung Kinder Wissen in sich aufsaugen, wenn es nur kindgerecht an die Lernwilligen herangetragen wird, konnte ich schon in den ersten Tagen sehen. Es tut weh, zu wissen, wie begeistert die Kinder sind und wieviel davon in den Schulen totgetrampelt wird. Wie zunichte gemacht wird, was Kinder eigen ist - Dinge erforschen und wissen zu wollen. Es ist nur eine Frage, wie man ihre Neugier anstachelt. Mit den trockenen Methoden der meisten Schulen wird so viel kaputt gemacht, auf Eis gelegt und in falsche Bahnen gelenkt. Wie entspannt ging es doch in dieser einen Woche zu. Wir drei sind staatsschulmüde und würden am liebsten nach England, Amerika oder Skandinavien auswandern, wo homeschooling ein ganz normales Alltagsbild ist. Hier in Deutschland geht das nicht, obwohl nachgewiesen ist, dass Homeschool-Kinder häufig zufriedener und genauso wissend sind. Meine Jungs jedenfalls haben nach dieser einen Woche gesagt, dass sie viel lieber von mir unterrichtet werden möchten, als weiter in die Schule zu gehen. Das tat weh! Und so bleibt mir nur, am Nachmittag auszugleichen, was vormittags verbockt wird

Homeschooling ist nicht spaßig, es bedeudet harte Arbeit für die Eltern und eine starke Hand, weil man natürlich dranbleiben muss. Aber man hat eben auch die bestmögliche Wahl für sein Kind, man muss ihm nichts eintrichtern, kann das Wissen spielerisch an die Kleinen weitergeben und ihnen neue Wege zum Lernen aufzeigen. So benutzten wir für eine Arbeit eine Methode von Frau Birkenbihl, erstellten ABC-Listen und Cluster-Strukturen, um uns ein bestimmtes Thema zu erarbeiten. Schön nicht nur die Ergebnisse, sondern auch der Spaß, den wir während des Erarbeitens hatten. Es schwingt viel Traurigkeit in meinem Herzen, wenn ich sehe, was möglich wäre und nicht möglich ist.

Und dennoch hat es uns Dreien Auftrieb gegeben, Zusammenhalt gefördert, auch wenn an manchen Tagen die Fetzen zwischen den Jungs flogen. Immerhin wissen wir jetzt, wie wir daheim lernen und ich bin froh, dass ich meine Kinder wenigstens an drei Tagen in der Woche so zeitig abholen kann, dass wir noch genügend Zeit haben, um schulisch auf unsere Art und Weise zu lernen und gemeinsam zu wachsen. Ja, auch für mich ist es ein stetes Wachsen, welches sich unheimlich gut anfühlt. Es stärkt nicht nur die Jungs, sondern auch mich und es macht auch mich neugierig auf die Welt.

Wenn ich mir anschaue, welche Sensibilität sie in den letzten Wochen entwickelt haben, so freut es mich um so mehr, dass wir diese Augenblicke geschenkt bekamen. Dass wir Zeit bekamen, uns auf uns zu konzentrieren und uns selbst am wichtigsten zu werden.

Allen Dank meiner Jungs ernte ich dann in Aussagen wie "Du bist die beste Mama auf der Welt.", "WIR sind eine tolle Familie.", "Mama, immer wenn ich beim Papa bin, dann werde ich ein wenig traurig. Weil ich dann an all die wundervollen Dinge denke, die du für uns machst, die du mit uns machst.".

Was gibt es also besseres auf dieser Welt, als diese wundervollen Kinder, die so unendlich dankbar sind, dass wir eine Familie sind?

Nichts.

Und dennoch bin auch ich dankbar. Für die Eltern, die ich hatte. Weil sie trotz meiner Dickköpfigkeit, die auch heute noch anhält, immer zu mir gestanden haben und weil sie mich meinen Weg gingen ließen, ohne mich in ein Schema zu pressen, ohne mir explizit vorzuschreiben, wie ich zu leben habe (von vorsichtigen Versuchen meiner Mom mal abgesehen :-)). Und auch wenn ich mit meinem Dad heute ab und an noch in verschiedene Streitgespräche verwickelt bin (wir werden aber ruhiger mit der Zeit :-)), so bin ich ihm sehr nah und lerne ihn eigentlich immer mehr zu schätzen.

Ich höre mich sentimental an? Jo, ich bin es auch, weil ich mich glücklich schätzen kann, so wundervolle Kinder zu haben, die einen erquickenden Blick für die vielen Nettigkeiten im Leben bekommen.

In diesem Sinne lasse ich meinen Jüngsten die abschließenden Worte sprechen in der Hoffnung, dass viele Eltern ihre Kinder so liebevoll sehen können:

"Mama, ich bin so glücklich und zufrieden mit meinem Leben!"