Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

17.12.2008 um 20:00 Uhr

Der Autor ruft

von: Fabse

Wer sich wundert, dass hier so wenig passiert, dem sei einmal mein neuer Blog zum literarischen Schaffen ans Herz gelegt.

21.05.2008 um 07:33 Uhr

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

von: Fabse

indy 

Die Atombombe zerreißt die auf dem Testgelände aufgebaute Siedlung und selbst die Marines, die mit dem Auto auf der Flucht sind, werden von der Druckwelle ins Jenseits befördert. Über sie hinweg fliegt ein Kühlschrank, der einige hundert Meter weiter auf den Boden knallt. Der Mann, der unversehrt dort heraus steigt, hebt seinen Hut vom Boden auf und blickt gen Himmel. Am Horizont baut sich ein Atompilz auf – Willkommen zurück, Dr. Jones!

 

Das Flehen der Fans hat nach 19 Jahren endlich ein Ende gefunden, denn unser aller Lieblings-Archäologe Henry Jones Jr. greift wieder zu Hut und Peitsche. Bereits 1992 hatten die Mannen um George Lucas und Steven Spielberg ein Skript gezimmert, dessen Hauptaugenmerk der Suche nach der versunkenen  Stadt Atlantis galt, und das letztlich - in der Form eines Point-and-Click-Adventures umgesetzt - die Computer-Spiel-Fans nachhaltig begeistern sollte. Es machten Gerüchte die Runde, dass das aus der Lucas Arts-Schmiede stammende Game die Vorlage für die nächste cineastische Jagd nach Artefakten darstellen könnte, doch im Laufe der Zeit wurde eine filmische Umsetzung von „Fate of Atlantis“ immer unwahrscheinlicher. Mit Lucas als ausführenden Produzenten und Spielberg auf dem Regiestuhl darf der Vater aller Abenteurer jetzt endlich wieder über die Leinwand springen und peitschen: Statt Atlantis geht es bei  „Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull“ allerdings auf die Suche nach der goldenen Stadt Eldorado.

 

1957: Knapp zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit Indiana Jones (Harrison Ford)  gemeinsam mit Sallah, Marcus Brody und seinem Vater gen Horizont ritt. Die Wettrennen gegen die Nazi-Expeditionen sind ebenso Geschichte, wie auch das recht unbeschwerte Leben als Lehrkraft am Marshall College. Nach dem Tod  von Marcus prangt eine Statur zu seinem Gedenken vor der Lehranstalt und an Indys Vater erinnert ein Foto auf seinem Schreibtisch. Als Jones auch noch nach einem Zwischenfall auf dem Gelände der Area 51 seinen Lehrstuhl einbüßt, beschließt er nach Leipzig zu reisen um dort seine Tätigkeiten als Professor der Ägyptologie und Archäologie fortzuführen. Weit kommt Indy dann aber doch nicht, denn der Teenager Mutt (Shia  LaBeouf) kreuzt seinen Weg und berichtet davon, dass Jones’ einstiger Studienfreund Professor Oxley  (John Hurt) verschwunden sei. Verfolgt von einer sowjetischen Armeetruppe um die Parapsychologin Dr. Spalko (Cate Blanchett) macht sich das Duo daran, den vermissten Freund aufzuspüren.

  

Kaum ein Film seit Lucas’ „Star Wars-The Phantom Menace“ war mit solch einer Erwartungshaltung konfrontiert worden, wie „Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull“. Der Pessimismus der sich seit der Sichtung der Prequels des Mannes von der Skywalker Ranch eingestellt hatte, war auch  maßgebend, als die neusten Abenteuer Indys von offizieller Seite aus bestätigt wurden. Würden etwa der Look , die neuen Figuren und die Story ähnlich bei den Fans für Unmut sorgen  wie einst Jar Jar Binks und die krude Star Wars-Vorgeschichte? Würde Shia LaBeouf etwa genauso fehlbesetzt sein wie ein Hayden Christiansen, der den Anakin-Charakter mit seiner schauspielerischen Talentlosigkeit zur Lachnummer degradierte?

Trotz der überwiegenden Durchschnittlichkeit welche Spielberg in den letzten Jahren auf die Leinwand brachte, zeigt sich Hollywoods einstiges Wunderkind bei der Wiederbelebung der Jones-Franchaise glücklicherweise wieder in Top-Form.  

Die Nazis als Gegenspieler hat Spielberg endgültig ad acta gelegt und den WW II. ausgiebig  in seinen „seriösen“ Filmen behandelt. Von daher kaum verwunderlich, dass Indy nun in Zeiten des Kalten Krieges seine Peitsche schwingen darf und sich mit den Sowjets ein Rennen um einen mysteriösen Kristallschädel liefert.

Nach bewährten Rezept dient der McGuffin um die Suche nach dem Kristallschädel der Zusammenführung  zweier Generationen und wieder einmal mehr trotzen die haarsträubenden Action-Sequenzen jeglichen physikalischen Gegebenheiten. Innerhalb des Indiana Jones-Universums macht das sogar Sinn. Auch wenn diesmal zahlreiche CGI-Effekte zum Einsatz kommen, fühlt sich die Mischung aus Selbstreferenzen, üblichen Klamaukeinlagen und Verfolgungsjagden homogen an. Waren es bei den Vorgängern noch die Action-Serials der 30er Jahre, so würdigen Spielberg und Lucas nun die  Science-Fiction-Streifen der 1950er Jahre und reichern diese mit den bekannten und beliebten Zutaten der Vorgänger-Filme an.  Ein Film für die Fans hatten Lucas und Spielberg versprochen – und genau das ist Kingdom of the Crystal Skull letztlich auch geworden. Einzig die Schlusssequenz kann das Niveau der vorangegangenen zwei Stunden nicht ganz halten und versteht sich eher als Zugeständnis an die „Notting Hill“-Fraktion.

08.05.2008 um 21:42 Uhr

Charlotte Roche rennt gegen die Wand: Feuchtgebiete

von: Fabse

Der Charmin-Bär liegt erschlagen auf der Lichtung und der netten Fahrradfahrerin aus der Werbung hat man das blutige Tampon in den Mund gedrückt. Sollte es irgendwem einfallen um Hilfe zu schreien oder Raumspray auf die Leichen zu sprühen, so hagelt es Schläge und die Reste der letzten Darmspülung.

Einen (literarischen) Kreuzzug gegen die „Generation Sagrotan“ und die Stereotypie einer klinisch reinen Gesellschaft hatte sich Charlotte Roche auf die Fahnen geschrieben als es darum ging, den inhaltlichen Schwerpunkt eines Autoren-Debüts auszubalancieren, doch der Feuilleton-Liebling verhebt sich durch die krude Ansammlung von Themen-Komplexen, die zwar vermeintliche Situationsdeixis beweisen wollen, aber letztlich inkohärent verpuffen.roche

 

  Im Mittelpunkt des Geschehens findet sich die 18-jährige Helen Memel, die sich nach einer missglückten Intimrasur im Krankenhaus auf der Proktologie-Station  wieder findet. Während Roches  Protagonistin sich von ihrer Operation im Rektalbereich erholt, bekämpft sie die Langeweile des Klinikalltages durch Masturbation, Verspottung der Konsens-Gesellschaft und dem Sinnieren über ihre zahllosen favorisierten Sexualpraktiken.Nebenher findet Scheidungskind Helen, dass so ein Krankenhausaufenthalt eine gute Gelegenheit wäre, ihre Eltern wieder zu vereinen. 

 

 

 Was sich vom Plot her für eine launige Erzählung empfehlen würde, begräbt „Feuchtgebiete“ unter Unmengen von Fäkalien und stilistischen Unzulänglichkeiten. Roche ist so eifrig dabei sämtliche Tabus zu brechen, dass die Einsicht, offene Türen einzurennen sich einfach nicht mehr einstellen mag. Anal-Sex, Elektra-Komplexe, das trinken eigener und fremder  Kotze, Drogenkonsum, Atheismus: Absolut alles was anecken könnte bei Person X oder Y muss dem Leser um die Ohren geprügelt werden. Streckenweise mag das anmuten, als ob Bushido damit beauftragt wurde eine Zusammenfassung von „American Psycho“ , „Josefine Mutzenbacher“ und  gesammelten Catherine Breillat-Werken niederzulegen.  Kurz, aber alles andere als prägnante, Sätze reihen sich aneinander und wollen Tempo suggerieren, denn die absolute Befreiung von allem was irgendwo als mädchenhaft verkauft werden könnte, kennt bei Roche keine Pause. Auf dem Weg zum Ziel verliert „Feuchtgebiete“ jedoch selbiges komplett aus den Augen und stößt beinahe vorhersagbar gegen jede noch so kleine Wand des selbstgebauten Irrgartens. Letztlich ergießt sich die Erzählung sogar noch in Splatter-   Exzesse, doch bereits da weiß der Rezipient genau, dass die vorhergehenden 170 Seiten aus mindestens 130 Seiten Tristesse und Langeweile bestanden haben.   

 

 

Zum Auftakt hin ist man noch recht angetan davon, dass Ich-Erzählerin Helen im feinsten Gossenjargon ihre inneren Monologe abhält, doch entgegen dem  Straßenpoeten Bukowski – Der jenen in der Gegenwartsliteratur implantierte - schafft es Charlotte Roche einfach nicht an der Oberfläche zu kratzen. Nach zehn Seiten „Feuchtgebiete“ erkennt man das Muster nachdem das Buch wohl funktionieren soll: Pro Seite möglichst oft „Arsch“ und „Muschi“ als Leitvokabeln untergebracht sowie explizit und voller Detailverliebtheit auswalzen welche Ausscheidungen man sich wieder wie genussvoll einverleiben kann.  Dem Belletristikmarkt bringt diese Formel einen neuen Bestseller, der Roche Geld aufs Konto, aber wer hinter dem Werk - Welches ja Diskussionen über multimedial vertretene Ideale ankurbeln sollte – mehr sucht, der wird kaum Befriedigung erfahren.   

 

 

 Lichtblicke hingegen erfährt die Mär um die widerlichen Ausschweifungen des verhaltensgestörten Teens immer dann, wenn die Autorin versucht ihre Protagonistin gegen Hygiene-Fanatiker Amok laufen zu lassen: Kleine Streiche, wie selbst gebastelte Tampons, die den Aufzug besudeln und das bösartige Verteilen von  Bakterien unter Unschuldigen lassen kleine Momente schwarzhumorigen Talents durchscheinen. Leider verfehlt es Roche dann doch diese Ansätze weiter auszubauen. Der erheiternde Zynismus wird schnell wieder zugemüllt von Fickgeschichten und der äußerst platt präsentierten „Mutti-und-Vati-haben-sich-und-uns-nicht-mehr-lieb“-Storyline. Zum Ende hin entlässt man die Anti-Heldin in die Verzweifelung und hinein in neue Fick-Abenteuer mit dem Pfleger. Natürlich ist das genauso unverständlich und unoriginell wie der Großteil des Buches. 

 

 

 Die Autorin selbst äußerte sich jüngst noch darüber, dass ihr Werk Diskussionen rund um den Hygienewahn und die sexuelle Selbstbeschreibung der Frau entfachen sollte, doch würde „Feuchtgebiete“ in vorliegender einen Diskurs innerhalb der Gender Studies  in der Literatur wohl nur  in so weit aufpeppen, wie ein Komapatient die Metaphysik umkrempeln, wenn man ihn auf seinen Bewusstseinszustand hinweisen würde.  Charlotte Roches Debüt ist mehr Waterloo denn Freiburg 2.0 und trotzdem hagelt es Autogramme vis a vie. Vielleicht sollte unser aller Ex-Lieblingsmoderatorin die Kapitulation ausrufen, denn den Wink mit Helens Arsch kennen wir schon vom Videoclip-Meister MacG.  

30.12.2007 um 21:37 Uhr

Das war 2007

von: Fabse

 

Bald beendet derbes Geböller das Jahr 2007 und um ehrlich zu sein, bleiben einige wirklich tolle Erinnerungen an dieses Jahr zurück. Einserseits habe ich begonnen mein Buch "Keine Diskussionen" zu schreiben, das in diesem Jahr noch erscheinen wird, und auch so manch andere Begebenheit erfreute mein Herz. So erfreute mich meine Frau 2007 mit allerlei tollen Sachen und auch an der Arbeitsfront lief es ungewöhnlich beständig und gut. Zusammen mit Chris Neumann entstanden Extras für zwei DVDs der E-M-S Media, im Audiokommentar von Craven (Label X-Cess) diskutieren Thilo Gosejohann und Jörg Buttgereit über meine Ansichten zum Dawn of the Dead-Remake und Oliver Kalkofe empfiehlt mein Gekritzel hier höchstpersönlich auf seiner Homepage. Auch wenn keine Interviews dabei rum kamen war meine Zeit mit Ralf Schmitz und Eva-Maria Hagen sehr lustig und ich machte Bekanntschaft mit Anti-Piraterie-Ikone Clemens Rasch. Was den Herrn Rasch angeht, so blicke ich auf ein lustiges 2008, in dem er für einige Albernheiten entlohnt werden wird. Hier mal schnell der Poll:

Filme 2007, die Spaß gebracht haben: (keine feste Reihenfolge)

Black Christmas (auf DVD), Grindhouse, I am Legend, The Simpsons Movie, Blade Runner Final Cut, Hostel 2, Superbad und viele andere mehr

Filme, die so asozial waren, dass ich brechen musste:

Rob Zombie's Halloween, Saw 4, Das wilde Leben, The Hills have Eyes 2 Remake und weitere Filmkrüppel

Feine Bücher, die mein Regal erfreuten:

Arthur C. Danto – Analytische Philosophie der Geschichte

Paul Feyerabend - Wissenschaft als Kunst

Joseph Conrad - Herz der Finsternis

Rüdiger Safranski - Heidegger, ein Meister aus Deutschland


Hunter S. Thompson - Fear & Loathing in Las Vegas / Hells Angels/ Rum Diary / The Gonzo Papers

2007 schallte vornehmlich aus den Boxen:

The Hives

The Pogues

Dropkick Murphys

The Strokes

Johnny Cash

Adam Green

Vampyros Lesbos-OST

Schulmädchen-Report-OST

Größte Enttäuschungen 2007

Pokern erlebt durch miese Fernsehsender einen Boom in Pöbel-Gefilden und verhinderte Filmkritiker mit Rechtschreibschwäche sind albern genug um Poker-Blogs zu eröffnen.
Das neue Mando Diao-Album zündet kaum und deklassifiziert sich als eskapistisches Gesülze mit Pseudo-Anspruch. Gut gemeint ist selten gut gelungen.



Schönste Momente 2007

Jeder Moment mit meiner Frau, Kurz-Tripps nach Hamburg und Berlin.

Interessantester Interviewpartner 2007

Hier wird 2007 in denkwürdiger Erinnerung bleiben, denn

Dietmar Wischmeyer, Uwe Boll und Wladimir Kaminer waren meine absoluten Wunsch-Interview-Partner und ihnen gebührt mein besonderer Dank. Jungs, ihr seid super!

Film des Jahres:

Grindhouse (just nebenThe Simpsons Movie)

 

 

 

Album des Jahres:

Dropkick Murphys -The Meanest of Times

30.12.2007 um 20:55 Uhr

Interview mit Stoppok

von: Fabse

Der wunderbare Musiker Stefan Stoppok machte, im Rahmen seiner aktuellen Tournee, vor kurzer Zeit auch bei mir vor der Haustür einen Zwischenstopp. Daher gibt es heute mal ein kleines Interview, das ich mit ihm führen durfte. Herzlicher Dank dafür geht raus an Dirk und den sehr lustigen Stefan Stoppok selbst. 

 sto

Im Sauerland hast du ja ab und an auch Konzerte gegeben im Laufe deiner Kariere. Ist das heute dein erster Besuch in Lüdenscheid?

- Ich dachte eigentlich auch, dass das mein erster Besuch in der Bergstadt ist, aber ich musste mich da eines besseren belehren lassen. Ich war schon einmal 1992 hier und habe im damaligen Jugendzentrum Schillerbad ein Konzert mit meiner Band gegeben. Nach unserem Konzert wurde der Laden allerdings geschlossen, was darauf zurück zu führen war, dass da irgend etwas mit Drogenhandel gelaufen sein soll. Das haben mir zwei Leute erzählt, von denen ich nicht unbedingt glaube, dass die lügen würden. Tja, und da es hier ja nicht unbedingt gute Konzertsäle gibt, hat es etwas länger gedauert, bis ich mal wieder hier her gekommen bin.

Was jetzt deine Konzerte im Sauerland angeht, hast du da nun gewisse Erwartungen, was das Publikum angeht?

- Der Sauerländer ist ein recht normaler Mensch, glaube ich, und von daher habe ich jetzt keine extremen Erwatungen. Wenn ich es recht bedenke, so bin ich ja auch recht selten im Sauerland. Zuletzt war ich in Iserlohn. Das ist jetzt zwei Jahre her und auch daran kann ich mich nicht besonders gut erinnern. Das hat jetzt nichts mit dem Publikum zu tun. Mehr ist das mein persönliches Manko. Wenn man viel rum kommt, dann ist die Festplatte im Kopf immer sehr schnell voll und deshalb räumt ich manchmal unbewusst etwas auf. Ich mache da dann immer den Platz frei und es ist etwas beschwerlich mich dann an einzelne Konzerte zu erinnern.

Braucht man als Künstler immer so eine Art Neustart im Kopf? So eine Art Re-Boot um sich nicht von Eindrücken und Erwartungen geißeln zu lassen und unter Druck zu geraten, wenn man sich beispielsweise selbst toppen will bei Konzerten?

-Das ist eine gute Frage. Man muss sich wirklich immer einem Reset unterziehen um nicht für sich selbt in eine Art von Fluß zu geraten. Wenn man also eine sehr gute Tour hinter sich hat und denkt, dass die folgende jetzt noch besser werden müsste, dann verkrampft man schnell. Das ist wie mit allen anderen Dingen im Leben und jeder kennt so etwas von sich. Da schiebst du dann mit deiner Frau die unheimliche Nummer und beim nächsten Mal bist du du dann voll gestresst, weil du denkst, dass das nächste Mal unbedingt gleichwertig oder besser sein muss. Normalerweise kann man sich so was aber knicken. Innerhalb der Tour merken wir das: Wenn ein Abend wirklich super war, dann wird der nächste zwangsläufig einfach nicht so gut. Da darf man selbst nicht so enttäuscht sein, denn das Publikum war ja am Abend zu vor nicht dabei und für die Leute war es ja trotzdem gut. Das ist eine der größten Schwierigkeiten überhaupt, sich selbst jeden Abend aufs Neue wieder auf Null zu stellen.

Selbst wenn man das ausblendet, ist das nicht irgendwie trotzdem so, dass man zwanghaft versucht einen gewissen Standard zu halten, was Qualität angeht?

- Ja, klar! Man richtet sich da nach einem eigenen Level, das man sich festsetzt.

Wenn du jetzt Solo, oder mit Band unterwegs bist: Ist das so, dass das Publikum da sich stark von einander unterscheidet, oder sind es immer die gleichen Leute, die einen begleiten?

- Das variiert zum Glück. Ich bin da besonders froh drüber, dass es da jetzt nichts stereotypes gibt. Wenn das anders wäre, so würde mich das auch langweilen. Das ist einer der Gründe, warum ich auch stets versucht haben nicht unbedingt einen auf Popstar zu machen. Ab einer gewissen Größenordnung bekommst du immer nur ein stereotypes Verhalten vom Publikum geboten. Als Künstler ödet mich das furchtbar an, wenn icch weiß, dass bei einer Ballade dann alle Feuerzeuge angehen oder wenn ich was anderes spiele, klatschen alle standarisiert unrhythmisch mit. So was ist in Deutschland aber meistenteils immer noch der Fall. Wenn man mit Band, Solo oder im Duo auf Tour ist, so habe fest gestellt, dass sich das Publikum auch verjüngt. Ich finde es toll, dass es viele junge Leute zu meinem Konzerten zieht. Und das obwohl wir in den Medien nicht präsent sind und da statt finden. Da braucht es kein VIVA um den Kids zu suggerieren, dass wir cool oder so was wären. Wir brauchen dieses Spiel nicht mit zu machen und trotzdem kommt immer neues Publikum dazu. Teilweise steigen Alte ja auch aus und gehen nicht mehr vor die Tür, aber Junge kommen wieder dazu. Sicher, wir haben auch Fans, die uns seit Anfang an begleiten, aber das ist mehr so ein Wechselspiel. Ist man mit der Band unterwegs, so kommen auch die Rockfans vorbei, die jetzt niicht unbedingt bei der Solo-Tour im Publikum sind. Ist ja auch klar, so was.

Kommt es dir offt unter, dass gewisse Fans immer nur die gleichen Songs hören wollen und enttäuscht sind, wenn sie nicht ihr gewünschtes Hit-Programm geboten bekommen?

- So ist das bei mir nicht unbedingt. Die Leute, die zu meinen Konzerten kommen, die schätzen mich als Künstler ebenso wie als ganze Person. Manchmal gibt es schon Einwürfe mit Wünschen und wenn das nett rüber kommt gehe ich auch schon mal darauf ein. Aber im Prinzip sind die Leute immer zufrieden. Ich hab mittlerweile so viele Songs geschrieben, dass es mir manchmal selbt recht schwer fällt, das Programm zusammen zu stellen. Da kann man dann gerade nur immer 25 Songs oder so spielen und muss leider etwas reduzieren. Ich versuche das von Tour zu Tour neu zusammen zu stellen und das klappt auch ganz gut.

Passiert das auch zwischen den einzelnen Abenden?

- Sicher! Auch während des laufenden Abends baue ich da neue Sachen mit ein. Kommt sehr selten vor, dass da jeder Abend eine gleiche Set-Liste hat.

Um auf den Medien-Pool zurück zu kommen: Ist es für euch manchmal schwierig neben VIVA & Co. nebenher zu laufen und trotzdem konstant erfolgreich zu sein?

- Diese Schiene haben wir ja zum Glück schon durchlebt. Anfang der 90er kamen ja die ganzen Musiksender auf uns zu und unser Song "Dumpfbacke" lief überall rauf und runter. Da kamen dann Leute und wollten immer nur den Song hören. Mit denen haben wir uns quasi angelegt und auch wirklichen Stress gehabt. Für mich persönlich habe ich fest stellen müssen, dass VIVA und so nicht der richtige Weg ist. Gegenwärtig ist diese ganze Maschinerie auch so öde geworden. An neuen Sachen findet da wirklich nichts neues mehr statt. Man darf den Jugendlichen gar nicht erst erzählen, wie sie da verarscht werden, so unglaublich ist das geworden. Da ist nichts hippes. Die hippen Sachen finden doch zum Beispiel im Berliner Untergrund oder so statt, aber bestimmt nicht bei MTV oder VIVA. Leider stellt man das aber dort so dar. Früher war es klar, dass Innovationen auf der Straße zu finden sind und nicht im Fernsehen. Heute erzählt man aber den Zuschauern das Gegenteil, doch leider ist es nicht so, wie man den Kids weiß machen möchte. Kultur findet dort bestimmt nicht statt!

Ist es manchmal schwer gegen diese Musik vom Reißbrett anzukommen, oder geht man zwangsläufig Kompromisse mit sich selbst ein, wenn einen so etwas umgibt?

- Es gibt Künstler, die so was machen, aber in dem Moment sind das keine Künstler mehr, die man ernst nehmen könnte. Sicher gibt es da Leute, die schnell frustriert sind und dann zynisch werden unter solch einem Druck, aber für mich ist das nichts. Ich bin Künstler und ich gehe auf die Bühne. Und das schätzen die Leute an mir, wenn ich ehrlich bin. Bei mir gibt es keinen Zynismus. Ich brauche nicht zu denken, dass ich ein Millionen-Publikum verdiene und nur weil nicht so viele im Publikum sind, muss ich nicht gekränkt sein. Ich gehe auf die Bühne um Spaß zu haben. Da ist mir aucch egal, ob draußen der Weltuntergang tobt. Das hatte ich auch als Jugendlicher schon: Ich sehe Sachen und kann sie auch kritisieren, aber den eigenen Spaß lasse ich mir da durch nicht nehmen. Das ist doch das wichtigste überhaupt. Auch wenn morgen alles den Bach runtergeht, braucht man sich den heutigen Tag nicht vermiesen zu lassen.