
Hellraiser (1987-2005)
Unlängst ereilte ja sämtliche erfolgreichen und einst innovativen
Horrorfilme der Fluch der Franchise Gesetzmäßigkeiten. Filme ,deren
einstige Verdienste, den nicht greifbaren Schrecken für sein Publikum
in reinster Form auf zu bereiten und so den Status der wichtigsten
Vertreter seines Genres zu erlangen wie zum Beispiel Wes Craven’s A
Nightmare on Elm Street“ oder John Carpenters „Halloween“.
Gemeinsamkeiten, dieser und auch anderer Vertreter der anerkannten
Kultfilme im Metier des phantastischen Kinos sind schon innerhalb ihrer
Handlungsschauplätze und derer aufgebrochenen vermeintlichen Sicherheit
vor dem Unbekannten und bedrohlichen zu finden, die das Idyll heimsucht
und so dem Publikum genügend Raum für Identifikation mit dem Plot und
der gewünschten Empathie zum Protagonisten und dessen Handeln in der
Wiederherstellung der zerrütteten Ordnung einräumt.

Genau der Zusammenbruch der geregelten Sicherheit, die von innen heraus
gesprengt wird führt den belebenden Impuls des ernsthaften Horrors mit
sich. Wenn ein Freddy Krueger die Träume der Vorstadt Teenager
heimsucht oder Michael Meyers errichteten Schutzwall der Kleinstadt
Haddonfield einreißt wird ein realer Bezug geschaffen der das
Harmonieempfinden seiner Rezipienten erschüttert
Und so erste den belebenden
Tabubruch, der zur wegweisenden Neuerung avanciert erreicht. Wenn
erstmal gemäß der Sequelpolitik genau jener Grad der Innovation
unterwandert wird und in einer immer wiederkehrenden Regelmäßigkeit der
anvisierten Zielgruppe feil geboten wird, kann eigentlich nur noch die
Stilisierung der Antagonisten und deren feste Integration innerhalb der
Populärkultur den ökonomischen Aspekt der Produktionen gewährleisten.
Die früheren Schreckgespenster unterliegen ihrem Dasein als reines
Produkt anstatt nur ambivalente Boten des Einbruchs in das Alltäglich
zu sein.
Das exploitative Verlangen des Kollektivs regelt von da an den
Umsatz der neueren Auflage des einstig umjubelten Originals: In
ähnlichen Bahnen wie das neue Foto des Abziehbild-Hollywood-Stars beim
privaten Ehebruch von Paparazzis fotografiert und der Masse öffentlich
zum Fraße vorgeworfen wird, so kann die Merchandise-Maschinerie die das
neue Abenteuer des Horrorserienhelden begleitet auf ihre Reputation
hoffen. Wenn aber auch an dieser Front kein Heller mehr zu holen sein,
so bleibt dem findigen Produzenten nur noch eine Rückbesinnung zum
Originalkonzept oder einer Neustrukturierung des abgenutzten Musters
über. Besonders am Beispiel von Clive Barker’s Hellraiser lässt sich
diese schablonenhafte Entwicklung äußerst gut nachzeichnen.
Hellraiser (1987)
Mitte der 1980er feiern bereits etablierte und von ihrem
Schrecken kastrierte Horror-Ikonen wie Freddy Krueger, Michael Meyers
und JasonVorhees ihr fröhliches Stelldichein in Comics, auf T-Shirts,
Feuerzeugen und in Posterbüchlein für das Jugendzimmer, als ein nur mit
1 Millionen Dollar Budget ausgestattete Film eines bis dato höchstens
Insidern bekannten englischen Schriftstellers die Ernsthaftigkeit in
das Genre zurückholt.

Basierend auf Barkers Kurzgeschichte The Hellbound Heart verfügt
Hellraiser, dessen Produktionstitel Sadomasochists from beyond the
Grave, schon einiges seines Inhaltes vorweg nimmt , über all jene
Elemente die einen späteren Kultstatus begründen. Seiner Tradition
streng verpflichtet setzt der Film seine Akzente auch in der extremen
graphischen Ausarbeitung seines Grundkonstrukts vom überaus deutlichen
Horrors, der aus der sexuell konnotierten Situiertheit heraus die
Sicherheit im Inneren der Familie aufsprengt. Vor allem aus seinen
mystischen und religiösen Implikationen macht Barker keinesfalls einen
Hehl: Überdeutlich und im Sinne der Teilung von Eros und Thanatos
findet die absolute Ekstase ihren Höhepunkt im graphischen Tod durch
zerreißen vor dem Hintergrund der bösen Stiefmutter bis zum
unvermeidlichen Brudermord.
Nicht nur im Sinne der erneuten Menschwerdung erscheint der Untote
Frank wieder im geschlossenen Kreis des Familieninneren, viel mehr
scheint genau die Modifikation der eigenen Fleischlichkeit und der
Ausbeutung der fremden Körper das Ziel zu sein, dass das Erreichen der
vollkommenen Lust sichert. Nicht nur der physische Geschlechtsakt steht
nunmehr zur Debatte um den Gipfel des Climax zu erreichen, sondern das
totale Konsumieren des begehrten Fleisches. Am Ende dieses Prozesses
vervollständigt sich das Fleischpuzzle noch zur Annahme der Identität
des Opfers/ Liebhabers. Franks Begierde, die sich in der
bedingungslosen Nekrophilie von Julia reflektiert und die Verdammnis
der Freier, die Franks Lust stillen besiegelt.
Die Wächter der Hölle, die Cenobiten, scheinen bereits im ersten
Teil nur Abgesandte zu sein, deren eigener zuvor menschliche Drang nach
der totalen Lust versagt blieb und die nun als eine Art von
vorgöttlichen Propheten erscheinen um Franks Unterfangen, die
vollkommenste Stufe zu erreichen mehr ahnden wollen als dessen Flucht
aus der Hölle. Schon der Charakter des Straßennamens in der das Haus
der Familie Cotton steht, gibt Hinweise auf die finale Konfrontation,
in der mehr die Perversionen und Neigungen der aufeinander treffenden
Personen und Dämonen ausgetragen wären um das Moralgefüge wieder zu
rehabilitieren: Die Adresse 55 Ludovico Place, eröffnet nicht nur den
Bezug,den Franks Taten und dessen Sühne an Gemeinsamkeiten zu Alex in
Clockwork Orange aufweisen und in welchen der Werdegang vom nach
Erfüllung suchenden Jäger in die Rolle des gejagten Opfers umkehren,
sondern finden noch einen weiteren Anhaltspunkt im abschließenden
Auftritt eines dem Hippogryph artverwandten , der die Puzzlebox an sich
nimmt um weitere Seelen der Hölle zu überantworten.
Des weiteren schmückt sich Hellraiser mit Motiven, die von de
Sade, bis über John Milton zu Aleister Crowley, einen
fetischzentrierten Okkultismus entwerfen , bei dem endgültig die
Gottwerdung des Menschen durch die Sexualmagie und deren Vermischung
mit dem Satanismus einher gehen. Franks abschließendes „Jesus wept“
bildet hier das Manifest, an das Hellbound:Hellraiser 2 beinahe
lückenlos anknüpft um die epischen Vorahnungen, die der Erstling beim
Zuschauer erwirkt weiter ausführt.
Hellbound:Hellraiser 2 (1988)
Tony Randels Fortsetzung, die sich an einem Script von Barker
selbst orientiert führt die Story genau dort weiter, wo die zweite
Instanz einer möglichen Sicherheit neben der Familie zu suchen ist: Die
Tür zwischen der Hölle und der Realität öffnet sich in einem
Krankenhaus, dem Ort des Vertrauens, der Hilfe und der Fürsorge. Julia,
die mittlerweile Franks Rolle übernommen hat wird nicht unabsichtlich
wieder aus der Unterwelt zurück geführt, sondern dient dem sadistischen
Dr. Channard mehr als Instrument der Erlangung seiner selbst
herbeigesehnten Göttlichkeit. Die Ausbeutung ihm unterstellter Körper
ist ihm im Gegensatz zu Frank im ersten Teil schon innerhalb der
weltlichen Existenz ein Begriff und zur Vervollständigung seiner
Phantasien und Gelüste ist der Abstieg zu Leviathan, dem Gott der Hölle
der finale Schritt.
Leviathan, dessen Erscheinung der allmächtigen Puzzlebox in einer
„geöffneten“ Form gleicht stößt akustische Intervalle aus, die dem
Morsealphabet nach das Wort „God“ immerzu wiederholen. Der Aufruf, dass
das Erlangen der eigenen Göttlichkeit in der parallelen Welt, die sich
vornehmlich der realen Welt mit Verlockungen der Macht bedient rapid
ist, wird auch in Flashbacks visualisiert in denen der früheren
Identität des Cenobiten Pinhead Beachtung geschenkt wird. Ebenfalls der
Begriff der eigenen Hölle, die auch in den späteren Sequels wieder
aufgegriffen wird, erhält hier in verschiedenen Passagen des Labyrinths
ein Gesicht. Wie schon in Hellraiser liegt hier der Kernpunkt des
Exkurses in der Auslöschung des Selbst , indem die Gebote eines
Schöpfergottes befolgt werden und der totale fleischliche Auflösung
vorausgeht.

Den Untergang Channards und der seines neuen Paradieses besiegelt
der größenwahnsinnige Drang die Gelüste der verworfenen menschlichen
Hülle mit der des Gottes zu vereinen.
Hellraiser 3: Hell on Earth (1992)

Dem Sohn der Regielegende Douglas Hickox, Anthony ist es zu
„verdanken“, dass die Überführung des Hellraiser Stoffes in die
Popkultur unterzogen wurde. Sämtliche Motive, die in den ersten beiden
Entwürfen der Serie erarbeitet und ausgebaut wurden wirft der dritte
Teil über den Haufen. Neben ständigen Zugeständnissen gegenüber einer
Heavy-Metal-Fan-Klientel, plakativer Mechanismen um den Ursprung der
Geschichte vorzuführen und dem rekrutieren neuer Cenobiten in einer
Diskothek verkommt der Film zu einer B-Film Effekthascherei
sondergleichen. Exploitation in reinster Form, den der albere Kommentar
des „Kamera-Cenobiten“ in seiner Machart gut wiedergibt „ Das Dingen
ist im Kasten!“
Der unaufhaltsame Verfall der innovativen ersten beiden Filme weicht
einer Nummernrevue aus der Klischeeschublade.
Hellraiser 4: Bloodline (1996)
Dem letzten Teil der Serie, dem noch eine Kinoauswertung vergönnt
ist, verpasst die Produktionsgesellschaft Dimension-Films den
Todesstoß: Als epische Geschichte angesiedelt, die die Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft der Puzzlebox beleuchten soll bleibt aus dem
Flickwerk, das am Ende dabei herauskommt höchstens noch ein
durchschnittlicher Popcorn-Gruseler über, der von dem von Regisseur und
FX-Mann Kevin Yagher anvisierten Projekt nichts mehr beinhaltet und der
zusammen montiert mit von Joe Chapelle nachgedrehten Szenen durchgehend
unfertig ausschaut.
Hellraiser : Inferno (2000)

Ein asozialer Cop, der scheinbar in Wahnvorstellungen versinkt
entspricht mehr einer Story, wie sie von den Akte-X Autoren wohl aus
einem Mülleimer gefischt stammen könnte. Zwar wird hier am Ende wieder
die eingangs erwähnte Eigenhölle am Ende des Geschehens aufgerollt,
doch das rettet den miserablen Direct-to-Video-Ramsch dann auch nicht
mehr. Hat mit Barkers Vision außer einem mies ins Script geschrieben
Pinhead absolut gar nichts mehr am Hut. Der damalige Tiefpunkt der
Saga. Als 45 Minuten Folge einer schlechten TV-Serie durchaus
akzeptabel aber als Hellraiser-Fortsetzung unsagbar.
Hellraiser: Hellseeker (2002)
Der Auftakt, von drei Filmen am Stück, die der erfahrene
Hollywood Kameramann Rick Bota
inszenieren durfte, erweist sich wenigstens als recht spannend und
unterhaltsam, da zum einen mit der erneuten Verpflichtung von Ashley
Laurence als Christy Cotton ein Bezug zu den ersten beiden Filmen
gegeben ist und andererseits , da einiges an Botas Erfahrung als
visueller Zauberer bei anderen Projekten wie dem House on Haunted Hill
Remake. Der Rest veräußert sich dann mehr als Kopie von Jacob’s Ladder.
Hellraiser : Deader (2005)
Wieder Rick Bota, wieder optische Spielereien in Videoclip-Optik und
abermals ein aufgeblasener Mystery-Quark, in dem Kari Wuhrer einer
Selbstmord-Sekte auf den Fersen ist, deren Oberhaupt seine
zombifizierten und wiederbelebten Mitglieder nicht den Cenobiten
überantworten möchte. CGI-Ketten, ein paar Gore-Einlagen und Schocks
von der Tonspur gesellen sich zur konfusen Handlung und einer
Hauptdarstellerin, die mit einem Messer im Körper fast 20 Minuten
rumblutet und durch die Stadt läuft, dass es den Zuschauer einiges an
Nerven abverlangt um diesen unsagbaren Quatsch nicht vorzeitig
auszuschalten.
Hellraiser: Hellworld (2005)
Lance Henrikson blamiert sich einem Film, der an
Schwachsinnigkeit kaum noch zu unterbieten ist.Als Programmierer eines
Hellraiser-Computerspiels, lädt der gute Mann hier diverse Teenager auf
eine riesige Hellworld-Party ein, bei der neben Sex und Alkohol absolut
nichts zu finden ist, was die gutgläubigen Teenies anlocken sollte.
Zwar gibt man wie schon beim Vorläufer Verweise zum Bloodline-Film,
aber außer einem lächerlichen Teenie-Slasher mit einer unglaublich
behämmerten Auflösung ist Hellworld reinstes Entertainment zum
Fernseher kaputt schlagen. Bota überspannt hier seine
Stakkato-Schnittparade bis ins unerträgliche. Absolut Bodenlos!
Was bleibt? Ein stark gealterter Doug Bradley, der auf Börsen sitzt,
traurig schaut und dem die Rolle als Pinhead im Nachhinein festgenagelt
hat in indiskutablen Sequels seine Fließband-Gemeinheiten in Form immer
unmotiviert werdender One-Liner auf zu sagen. Hellraiser: Ein ehemals
bahnbrechender Film, der den Horror in den 80ern revolutionierte ist
selbst eine von den Serien geworden, die er damals als popeliger
Einheitsbrei outete.