30.05.2007 um 23:44 Uhr
29.05.2007 um 20:34 Uhr
Interview mit Thomas D
Just zum Auftakt ihrer "Fornika für dich"-Tour besuchten Fotografenass Christoph Neumann und ich Deutschlands HipHopper No. 1, "Die Fantastischen Vier", und in Zusammenarbeit mit unserer Bielefelder Kollegin Saskia Pels führten wir ein recht witziges Interview mit Thomas D. , der viel zum neuen Album "Fornika" erzählte und dem viel zitierten Aufdruck "Alte Herren des Rap" entsagte.
Hallo Thomas,
momentan seid ihr ja mit eurem aktuellen Longplayer „Fornika“ auf großer Europa-Tournee. Seit der letzten CD „Viel“ sind nun mehr gerade drei Jahre vergangen. Ihr habt euch scheinbar nicht viel Zeit zum Ausruhen gegönnt, oder?
- Ja, das stimmt schon. Drei Jahre sind für die Fantas nicht wirklich eine lange Zeit zwischen den Veröffentlichungen der Alben. Zwischen „4:99“ und „Viel“ hatten wir zum Beispiel fünf Jahre Pause. Das wollten wir uns diesmal ersparen, denn wenn man wirklich zu lange weg ist, muss man sich wieder viel mehr erarbeiten, da man ja irgendwie so ein bisschen weg war. Nach der letzten Tour konnten wir die alten Songs fast schon nicht mehr selber hören und da haben wir uns gedacht, dass es an der Zeit wäre ein neues Album zu machen. Mit neuem Material dann live auf der Bühne zu stehen bedeutet natürlich auch, mehr Spaß zu haben wenn man neue Stücke spielen kann.
Mitte der 90er gab es mit der Band „Megalomaniax“ eine Kollaboration, bei der die Bands zusammen die Fanta 4-Songs in Crossover und Hardcore-Versionen eingespielt hatten. Wäre es bei euch, und dem Material, das seitdem entstanden ist, auch wieder angedacht solcherlei Projekte zu verwirklichen und fortzuführen?
- Ich glaube, dass so etwas bei den „Megalomaniax“, mit denen wir viel Spaß damals hatten und die wir sehr mögen, bei dieser einmaligen Sache bleiben wird. Bei uns ist das so, dass wir halt realisieren was sich spontan ergibt. So wie auch die Unplugged-Sache damals. Wenn man uns fragt und wir da Lust drauf haben machen wir das. Allerdings muss ganz klar der Spaß im Vordergrund stehen oder qualitativ gute Sachen dabei rumkommen. Bei „Megavier“ war das eher ein Spaßprojekt. Generell genügt sich aber diese Band. Speziell was Co-Operationen mit anderen Bands angeht, so winken wir zuerst immer einmal ab. Wir vier genügen uns da schon selbst und manchmal sind wir schon drei zuviel. *lacht* Angedacht ist also so etwas momentan nicht und wir konzentrieren uns gerade voll auf die Tour. Primär steht im Winter auch eine Tour durch ganz große Hallen an.
„Fornika“ präsentiert sich an vielen Ecken auch sehr selbstironisch und geht musikalisch andere Wege, als im HipHop-Genre üblich. Viele Besprechungen betonen die Reife, die dem Album inne liegt. Wenn man nun, wie ihr, schon so lange Zeit zusammen Songs schreibt und Musik macht- Wird das eigentlich ab einem gewissen Alter immer schwieriger da Material abzuliefern mit dem man gleichermaßen zufrieden ist und hinter dem Endprodukt steht?
- Man hört so was ja oft, dass man mit dem Alter reifen würde und so. Ich glaube, die meisten Leute verbinden mit dem fortschreitenden Alter immer körperliche Gebrechen und irgendwann dann eine solide Rente, oder so… Tatsächlich ist das aber so, dass, wenn man etwas schafft und zum Nächsten geht, dass da die Erfahrung, sich nicht wiederholen zu wollen und was neues zu versuchen, das Unterfangen schwieriger gestaltet. Je mehr man geschaffen hat, umso mehr schränkt man sich dadurch auf einer Seite auch ein und muss sich selbst wieder mehr fordern um was zu leisten, was einen selbst auch wieder kickt. Dinge brauchen ihre Zeit und die Frage ist dann, was man geleistet hat und wohin man damit noch kommen will. Wir dachten, dass das nur bei uns schwieriger geworden wäre, aber andere Kollegen haben uns dann bestätigt, dass das bei ihnen genauso wäre. Gott sei Dank, klappt es letztendlich aber doch wieder was neues hinzubekommen. Da es auf der Welt ja schon so viele Songs gibt, die sich generell immer um ähnliche Themen drehen, so wie Gefühle im Allgemeinen, gibt’s immer wieder dann geile Songs, wo es jemand geschafft hat so was neu zu bearbeiten. Manche Leute verändern in ihrem Leben die Sicht gegenüber den Dingen und haben halt dann die Möglichkeit neu darüber zu schreiben. Gerade deshalb ist es recht schwer nach kurzer Zeit einem Album das nächste hinterher zu schieben. Da muss Zeit vergehen und rückblickend muss man sagen, dass man das Ganze nun anders ausdrücken würde. Dann kann das wieder anders klingen.
Nervt dieser Stempel „..sind jetzt erwachsen geworden“, den die Presse euch öfter schon aufgedrückt hat, nicht manchmal?
- Das ist ganz schlimm. Wie viele Schubladen, jetzt auch bei „Fornika“ wieder aufgemacht worden sind, ist ätzend. Ich wunder mich da persönlich auch sehr, wie viele Medienpartner da total unvorbereitet sind. Die haben das Album kaum gehört und haben demnach auch nichts mehr zu fragen. Klar, wir geben ja schon seit 18 Jahren Antworten. Trotzdem war das bei „Viel“ schon der Fall: Da hieß es dann, ob wir nun erwachsen seien. Bei „Fornika“ lautet die Frage dann, ob HipHop mit 40 denn nun überhaupt noch gehen würde. Ich kann mich und mein Alter nicht so definieren, wie es die Außenwelt wohl gerne hätte. Ich fühle mich weder erwachsen, noch wie jemand, der 38 ist, was ich scheinbar ja bin. Das geht mir voll am Arsch vorbei.*lacht* Muss ich mich jetzt echt in dieses Denkschema begeben um da jemanden zu erklären, dass ich so nicht funktioniere? – Sowas fällt mir sehr schwer. Die Band hat am Anfang den Fehler gemacht auf diese Altersfragen auch die ganze Zeit zu antworten. Sich ständig zu erklären mündete dann in unmöglichen Fragen. Eine Journalisten wollte sogar mal wissen, warum wir überhaupt ein neues Album gemacht haben. Wenn man sich diese Frage mal auf der Zunge zergehen lässt, ist das schon eine unglaubliche Unverschämtheit. Ich frage die ja jetzt dann auch nicht, warum sie ein Interview mit mir macht, da ja vorher schon welche mit mir gemacht worden sind und es die ja schon geben müsste. Ihr habt doch gestern schon die Zeitung gelesen! - Warum lest ihr denn heute die nächste Ausgabe? Arghhhh…! Bitte? Ich mache Musik?!? Ach nee, du hast ja recht! Ich höre jetzt damit auf.*lacht* Es ist scheinbar ja doch so, dass sich der Musik-Fan mit Texten und Emotionen, die Musik ausmachen auseinandersetzt und die Medien zwischen Musiker und Hörer liegen. Daher setzt man sich nicht wirklich damit auseinander, sondern sucht nach Schlagzeilen.
Natürlich, bei einer Band, die die erste war, die HipHop mit deutschen Texten populär gemacht hat, kommt diese Altersfrage ja eh immer auf. Wenn man als Journalist auch älter geworden ist, versteht man ja auch nicht mehr die heutige Jugendszene und die Message, die die gegenwärtige HipHop-Szene gerade inne hat und fragt sich wie das denn die „alten Herren 4“ finden mögen. Ich muss sagen, dass ich in diesem Bild aber nicht lebe. In meinem Körper und im Geiste fühle ich mich immer noch so idiotisch wie früher.*lacht* Als Kind denkt man, dass man gerne erwachsen wäre, da die Erwachsenen immer alles im Griff haben. Ich habe das auch gedacht, aber dann merkt man, dass die Erwachsenen, zu denen man ja dann auch gehört, genauso wenig im Griff haben. Da schaut man dann Bilder von früher an und merkt, dass sich da eigentlich gar nicht viel verändert hat. Alles komplett gelogen! Die ganze Welt die die einem vormachen. Von wegen „alles im Griff“! Man sieht ja wohin so eine Behauptung führt- „Lasst die Kinder mal spielen.“
Wenn ihr jetzt auf alte Alben zurückblickt und die mit neuerem Material vergleicht: Kommt euch das dann, wie zum Beispiel bei „Vier gewinnt“ ,heute pubertär vor?
- Unsere Entwicklung sehe ich eher in verschiedenen Stufen an. Bei der „Jetzt geht’s ab“ hatten wir damals alles aufgeschrieben was wir so im Kopf hatten. Und unsere Interessen waren da natürlich irgendwie typisch Teenie: Jungs, die da ´nen Dicken machen und darüber rappen, wovon sie gerne mehr erleben würden. Frauen, Alkohol und Parties eben. Zum großen Teil so eine Art Wunschdenken. Die „Vier gewinnt“ war ein Versuch mehr in Richtung Pop zu gehen und mit dem Wunsch endlich Popstars zu werden weiter zu kommen. Das haben wir ja dann ja auch irgendwie geschafft. Die Verarbeitung dieses ganzen Wahnsinns fand auf der „Die 4. Dimension“ statt. Das ist für mich persönlich immer noch ein ganz besonderes Album. Vielleicht sogar eines der besten Alben überhaupt, weil es die gewisse Dichte aufweist, die unsere heutigen Songs ausmacht. Nur „Zu geil für diese Welt“ empfinde ich als etwas daneben. Das war gut gedacht, aber leider recht schlecht umgesetzt. Auf dem Album hat die Band gezeigt, dass sie nicht nur aus jungen lustigen Typen in albern bunten Klamotten besteht, die „Die da“ rappen.
Wenn man das Unwort „erwachsen“ überhaupt in den Mund nehmen möchte, so trifft das irgendwie am ehesten bei „Lauschgift“ zu. Das Album spiegelt uns als Band nach wie vor sehr gut wieder. Die Folgenden „4:99“ und „Viel“ waren auch ganz gut. Ich möchte den Alben jetzt kein Unrecht tun, aber finde, dass „Lauschgift“ eindeutig vor denen anzusiedeln ist. Ich glaube, dass wir jetzt mit „Fornika“ wieder einen großen Wurf abgeliefert haben, der in einer Reihe mit „Die 4. Dimension“ und „Lausgift“ steht. Das ist zwar schwer zu sagen, da das Album noch recht frisch ist, aber ich denke, dass wir als Band wieder etwas zugelegt haben. Die Reime sind viel dichter angelegt und musikalisch hat sich einiges getan. Neben den Wortspielen atmet das Ganze auch eine gewisse Leichtigkeit und hat trotzdem den für uns typischen Tiefgang zu bieten, bei dem Humor und Ernsthaftigkeit gut gemischt sind . Mir gefällt das Album. Von der Sorte können wir ruhig noch ein Paar machen.
Du hattest gerade „4:99“ angesprochen. Gerade da kommt es einen oft so vor, als wenn allen Songs des Longplayers eine gewisse Melancholie eigen ist. Wo würdest du das Album in der Bandhistorie einreihen, da es ja teilweise schwermütig ausgefallen ist im Vergleich zu den anderen wie „Lauschgift“?
-Bei „Lauschgift“ sind wir „voll auf die 12“ gegangen. Wenn ich mir das anhöre, dann merke ich, dass die roughen Sachen wirklich derbe nach vorne gehen und die sanfteren Songs wirklich sanft rüberkommen. Vielleicht sogar schmalziger als es geht. Meiner Meinung nach, wurde bei „Lauschgift“ jede Emotion so auf den Punkt gebracht wie es nur ging. Bei „4:99“ kommt alles so ein bisschen „verkopfter“ daher. Es geht nicht so „over the Top“. Was drüben „ Was geht“ ist kommt dort dann mit „Schmock“. Eigentlich ist das ja ein zweites „Was geht“, aber geht doch dann nicht so ab. Da gibt es viele Beispiele in dieser Richtung. Ich empfinde „4:99“ mehr als vier Soloplatten auf einem Album. Jetzt, bei „Fornika“ haben wir es wieder so gehalten, dass wir wirklich fast alle Songs zusammen geschrieben haben. Textlich ist das jetzt qualitativ höher angesiedelt und die verschiedenen Charaktere der Band sind in den einzelnen Songs mehr untergebracht worden ohne das der Song daher geviertelt wird.
Bei „4:99“ kommt es mir so vor, als wenn jeder da seinen Song gemacht hätte und auch die Parts bei denen wir zusammen rappen mehr auf die einzelnen Rapper verteilt wirken. Das ist jetzt wieder homogener. „4:99“ ist vielleicht ein Kompromiss in vielen Bereichen ohne dabei wirklich einen Schritt nach vorne gegangen zu sein. Das kommt mir halt so vor. Wir hatten letztens mal über dieses Thema wieder diskutiert und da meinten die Jungs, dass „4:99“ über weite Strecken noch besser ist als die „Viel“. Die „4:99“ hat auch ein paar Hammersongs drauf, wie „MfG“. Solche Songs zu schreiben gelingt einen auch nur einmal im Leben. Die Idee und die Umsetzung dieses Stückes finde ich selbst echt grandios. Ich will jetzt nicht andere Stücke schlecht machen, aber das ist so ein persönlicher Eindruck.
Bei „Fornika“ fällt auf, dass bei der Produktion ganz anders vorgegangen wurde, als bei den bisherigen Alben. Schlägt sich das auch auf der Bühne nieder?
-Bei „Fornika“ hatten wir zum ersten Mal unsere Live-Musiker auch direkt mit im Studio und haben sie sehr in die Produktion integriert. Wir haben Sessions zusammen eingespielt und aus dem dabei entstandenen Material wieder Samples herauskopiert und weiterverwendet. Bei der Umsetzung auf der Bühne ist es nach wie vor dasselbe Team an Musikern, dass wir schon seit Jahren mit dabei haben und da wissen wir, dass die es drauf haben. Die kennen wir schon so lange und mit denen bleiben wir auch zusammen. Bei den alten Stücken ist das kein Problem und auch die Live-Aufbereitung der neuen Songs war bei denen auch nicht so das Thema. Wir sind jetzt erstmal auf einer kleinen Club-Tour um etwas zu proben, was die neuen Stücke angeht. Wir haben unser Set umgestellt und spielen jetzt wieder einen neuen Song am Anfang. Wir waren da vorerst nicht ganz zu frieden. Als Opener hatten wir erst „Yeah Yeah Yeah“ und gestern in London haben wir dann „Fornika“ als erstes gespielt. Heute versuchen wir dann wieder ein anderes neues Stück. Wir sind da etwas am Formen was das Set angeht. Das ist das Gute an der Club-Tour: Da kann man experimentieren und ausprobieren und das nimmt einen dann auch keiner übel. Wenn du zum Beispiel auf Festivals spielst, wo du nur eine Stunde auf der Bühne hast um 50.000 Leute zu rocken, da solltest du dann schon super auf den Punkt kommen.
Habt ihr generell auch die Erfahrung gemacht, dass gewisse Songs beim Publikum nicht zünden wollen, und diese dann komplett aus dem Set verbannt?
-Wie gesagt, wir stellen um. Tatsächlich ist es momentan so, dass die erste Single aus „Fornika“ namens „Ernten was wir säen“ überhaupt kein Problem für das Publikum ist, während jetzt die zweite Auskopplung „Einfach sein“ so langsam kommt. Ein grandioses Stück wie „Yeah Yeah Yeah“ geht momentan noch nicht so gut. Es kann sein, dass die Platte noch etwas Zeit braucht und die Leute sie öfters hören müssen oder auch mitsingen können. Bei alten Sachen wie „Picknicker“ hören die Leute die ersten Töne und schon gehen alle mit, grölen und drehen komplett durch. So etwas ist halt über zehn Jahre gereift und bei der neuen Platte kann man nicht erwarten, dass da sofort solche Euphorie herrscht. Wenn ein Stück allerdings auf Dauer nicht kommt dann fliegt das aber auch raus. Zum Glück haben wir ja mittlerweile genug Material um zwei Stunden lang auf der Bühne Gas zu geben ohne jetzt alle Stücke der neuen platte zu spielen. Die Neuen machen natürlich mehr Spaß, weil sie für uns auch frischer sind. Bei „Sie ist weg“ bin ich ganz froh, dass ich es nicht rappen muss. Das kommt so aus dem Rückenmark, wie Michi oft schon gesagt hat. Es ist schon eine gute Nummer, aber man freut sich mehr auf die neuen Sachen, wo man auch mal denken muss, wie denn der Text eigentlich noch mal geht. Das erste Stück der neuen Platte zum Beispiel: Hammerschwerer Text und so ein bisschen in die Richtung von „MfG“ tendierend. Bei der Premiere in Brüssel haben wir das gut hinbekommen, aber gestern beim Konzert haben wir’s voll vergessen.*lacht*. Da heißt es dann: „Aufwachen, meine Herren, und schnell weitermachen.“
29.05.2007 um 20:09 Uhr
Bücherregal: Inferno Part 2
Entgegen der Planung, dass Bücherregal mit zwei weiteren Einträgen für die vergangenen zwei Monate zu komplettieren, weiche ich nun leider doch auf noch zwei weitere Ausgaben aus. Der Berg an Arbeit, der hier gerade noch zu erledigen ist, ist an dieser kleinen Umstrukturierung nicht ganz unschuldig.
Zwei Jahre lang hatte sich Günter Wallraff seinerzeit in der Rolle des Ali Levent als Leiharbeiter bei Thyssen verdingt um das Ausmaß der Ausbeutung türkischer Arbeiter in der Bundesrepublik ans Tageslicht zu bringen. Egal, ob Wallraff bei den Vorbereitungen zur Rolle widerwärtige Zustände in McDonalds-Küchen aufdeckt, sich als menschliches Versuchskaninchen gesundheitlich ruiniert oder beim politischen Aschermittwoch der CSU erfährt, dass Antisemitismus und Rassismus mehr als nur geduldet werden: Trotz unmenschlichen Zuständen und lebensgefährlichen Situationen verliert er nicht seinen Humor. Die erweiterte Neuauflage von „KiWi“ enthält zusätzliche 200 Seiten, die die Folgen des Berichtes nach Erscheinen dokumentieren.
Gleich ein ganzes Team an Autoren aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen haben sich zum Begleitband der letzt jährigen Freud-Ausstellung „Kino im Kopf“ zusammengetan. Das Buch rund um den Vater der Psychoanalyse und seinen Einfluss auf das Medium Film vereint Aufsätze von herausragenden Vertretern aus den Bereichen Kunsttheorie, Filmwissenschaft, Filmpraxis, Psychologie und Neurologie. Abgerundet wird der reich bebilderte Band einem Interview mit Michael Haneke und einem Blick auf die psychischen Eigenheiten der Filmikonen.
Der Vortrag, den Theodor W. Adorno zum Soziologentag 1959 hielt und der jetzt in Buchform vorliegt, erweist sich als polemisch aufgeladenes Pamphlet, das mit dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um PISA-Studien und Zentralabitur diese aufflammen lässt. Die Gefahren der Halbbildung, die an eine Idealisierung des allgemeinen Wissensfundus gemessen werden, gehen mit dem Klassendenken einher anstatt einen Bildungsstandard zu garantieren. Am Ende dieser Entwicklung steht der typische Konsument, der die Allgegenwart des entfremdeten Geistes als Richtlinie akzeptiert.
21.05.2007 um 23:41 Uhr
Bücherregal: Inferno Part 1
Einige Wochen sind in der Gezuppelwelt ja schon vergangen, ohne, dass das Bücherregal wieder von sich Reden gemacht hätte. Um es auf den Punkt zu bringen: Es war nur die Ruhe vor dem Sturm, denn nun folgt der erwartete Overkill an neuen Errungenschaften, die jede Ikea-Vitrine feucht werden lassen sollten. Hier der erste Teil (Die Folgen 2 und 3 kommen in den nächsten zwei Tagen online).
Was wäre wohl besser geeignet als das Sperrfeuer im Regal zu beginnen als die Schriften des „Father of Gonzo”? Selbst wer von Thompsons radikalen Schreib- und Recherchestil bis jetzt noch nichts gehört haben sollte, der könnte jedenfalls schon einmal über die Verfilmung des Kultromans „Fear & Loathing in Las Vegas“ durch Terry Gilliam gestolpert sein. Gerade für Freunde der Adaption sollte der Roman daher schon zur Pflichtlektüre erkoren werden. Einen ganzen Batzen an Drogen im Kofferraum und dicht bis in die Haarspitzen machen sich der Journalist Raoul Duke und sein Anwalt Dr. Gonzo, gegen Ende der 70er, auf um vom Mint 44 –Motocross –Rennen in Las Vegas zu berichten. Neben Chaos, verwüsteten Hotelzimmern und verdutzten Polizisten hinterlässt das Duo dabei eine Schneise der Verwüstung und die Gewissheit, dass die Woodstock-Generation auch nur einer Seifenblase von Freiheit aufgesessen ist. Thompsons Werk zeichnet sich durch einen äußerst brachialen Schreibstil aus, der schon Suchtpotenzial entfaltet nachdem die erste Seite umgeblättert wurde. Entgegen ähnlich gelagerten Berichten in Romanform ist es überaus schwer das Buch auch nur kurze Zeit aus den Händen zu legen. Besonders Kennern der Verfilmung sei hierzu geraten, denn neben einer chronologischen Veränderung der Erzählung finden sich noch einige Passagen, die überaus vergnüglich gestaltet nur dem Roman vorenthalten sind. Sollte man in Versuchung geraten, das Buch mit dem Film zu vergleichen ( Also echt!?!), so wird das Erstaunen groß sein, wie eng sich doch Gilliam an die Vorlage hält. Rein dramaturgisch ist das, als unverfilmbar betitelte, Buch ein Glücksgriff für das Kopfkino.
Im Jahre 1959 macht sich der Journalist Paul Kemp auf nach Puerto Rico um einen Job bei dem Blatt „San Juan Daily News“ anzunehmen. Schon nach der Ankunft in der Redaktion merkt Kemp, dass das tropische Idyll , das er vermutet vorzufinden langsam dem Verfall nahe ist. Neben Alkohol in Hülle und Fülle, sexuellen Abenteuern und orgastischen Karnevalsfeiern in den Strassen erfährt Kemp, wie jäh die amerikanische Arroganz das Paradies dem totalen Zusammenbruch immer näher rückt. Am Rande seiner Jugend wirkt Paul dabei tatkräftig mit. Thompsons, lange verschollen geglaubten, Debütroman wohnt der später als Gonzo bezeichnete Stil schon inne, ohne dabei allerdings die Weirdness eines „Fear & Loathing in Las Vegas“ zu postulieren. Eher entspannter und mit reumütiger Melancholie behaftet erstreckt sich die literarische Bestandsaufnahme von Thompsons Alterego Kemp. Zwar sind die Höhepunkte der Erzählung etwas spärlicher gesät als in anderen Arbeiten Thompsons, aber das aufpeitschende „Nimm dir was du kriegen kannst, bevor alle Träume sich auflösen“, welches sich stilistisch durch sein Gesamtwerk zieht ist ebenso latent vorhanden.
Holden
Caulfield wird der Pency, einem Internat in Pennsylvania, verwiesen und
beschließt drei Tage vor dem Beginn der Winterferien nach New York zu
reisen. Da seine Eltern keinen Verdacht schöpfen sollen, streift der
17-Jährige durch die verschneite Metropole und gibt sich dem Nachtleben
hin. Zwischen Bars und Hotels pendelnd ereignen sich fatale Treffen mit
allerlei Menschen die Holdens Hass und Ablehnung zu spüren bekommen.
Ob jetzt J.D. Salingers „Catcher in the Rye“ wirklich der Adoleszenzroman schlechthin
ist, zu dem ihn manche machen, sei dahingestellt. Fakt ist, dass die
Odyssee des jugendlichen Antihelden an der Schwelle zum Erwachsenwerden
in ähnlicher Form auch funktionieren würde. Egal, ob sich Caulfield
mehrfach ein blutendes Gesicht einfängt, seine Mitmenschen bewusst und
zeitgleich naiv provoziert oder der verlogenen Gesellschaft ans Bein
pisst: Geltende Normen des Systems und Idealisierungen unterminiert
Salinger ebenso, wie er deren Lächerlichkeiten vorführt. Weniger
Jugendbuch als vielmehr Demaskierung gesellschaftlicher
Selbstverständlichkeiten.
Nach seinen Kurzgeschichten in „Russendisko“ über das Leben als russischer Intellektueller in Berlin nimmt Kaminer die Leser diesmal mit auf eine wilde Reise durch seine Jugend in Moskau. Dass es hier nicht wirklich ernst zugeht und die Grenzen zwischen Realität und Fiktion ineinander übergehen, sollte weniger verwundern als Rust auf dem Roten Platz oder gar der Berufswunsch „Mongoloider“.
21.05.2007 um 00:01 Uhr
Franchise-Terror made in Hollywood
Wer etwa dachte, dass der tumbe dritte Teil der Terminator-Serie Camerons Action-Klassiker zu Grabe getragen hätte, der kann jetzt schon einmal den Brechkübel zu seinem besten Freund machen, denn ab sofort gibt es Clips zur Terminator TV-Serie "The Sarah Conner Chronicles" zu bestaunen um sich zu gruseln.
Gegenüber dieser Art von Negativ-Publicity deutet der erste Teaser zum lange herbeigesehnten "Rambo 4" an, dass hier eine wilde Materialschlacht mit Splatter-einlagen auf die Sly-Fans wartet.
20.05.2007 um 23:34 Uhr
05.05.2007 um 23:47 Uhr
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Na, dann mal los!

