Interview mit Dietmar Wischmeyer
Bereits des Öfteren habe ich mich in der Gezuppelwelt als riesiger Fan vom Schaffen des Dietmar Wischmeyer geoutet. Im Rahmen der Berichterstattung über ein Gastspiel des „Arschkrampen“-Vaters in Dortmund, für den wap-Wochenanzeiger machten sich also der liebe Chris Neumann und ich uns auf, um den Meister der heiteren Misanthropie höchstpersönlich zu treffen und ihm neben einem Eintrag in das Autogrammbuch noch ein kleines Interview abzuluchsen. Hier mal das komplette Interview dieser monumentalen Geschehnisse.
Wenn man an Dietmar Wischmeyer denkt, so denkt man ja auch automatisch an all die verschiedenen Figuren aus deiner Feder wie zum Beispiel Pränki, Kurt Krampmeier oder den kleinen Tierfreund, denen du ja mit deiner Stimme Leben einhauchst. Muss man da bei so vielen Charakteren auch nicht einen leichten Hang zur Schizophrenie an den Tag legen?
- Das wäre dann ja eher schon eine "Mega-Phrenie", oder? Eigentlich ist das so, dass man manchmal auch ein paar Probleme damit hat, die Figuren auf der Bühne oder beim Schreiben auseinander zu halten. Da muss man manchmal schon höllisch aufpassen, dass zum Beispiel nicht das „Arschkrampen“-Vokabular bei einem „Willi Deutschmann“ mit reinrutscht. Speziell bei den Krampen ist die spezifische Sprache von Kurt und Gürgen ja auch Dreh- und Angelpunkt des Humors. Ähnlich wie die Verwandtschaftsverhältnisse bei „Frieda & Annelise“. Da kann man schon mal durcheinander kommen. Was das Thema anbelangt, so habe gibt es eine Internetseite von einem Fan, der dort viele der Ausdrücke der „Krampensprache“ erklärt. Bei mehr als fast 200 speziellen Begriffen kann man da ja bald ein Lexikon herausgeben.
Gerade bei dem sich ständig erweiternden Universum, das die „Arschkrampen“ umgibt sind sich ja manche Fans des Duos nicht mehr sicher, ob das Ganze in nunmehr drei Parallelwelten spielt. Wo genau sind die Abenteuer von Kurt und Gürgen jetzt wirklich angesiedelt?
- Speziell die „Krampen“ sind bei mir nicht an Zeit und Ort gebunden. Das sind eigentlich Superhelden, wie man sie aus Comics kennt. So etwa wie Spider-Man und Konsorten. Die können überall da auftauchen, wo man sie gerade dringend braucht. Sowohl in Stalingrad wie auch an den Ufern des Urinoko und im Land der Infrarot-Leguane. Der Kernpunkt der Abenteuer ist halt nur immer die Schankwirtschaft „bei Gertrud“.
Wird es in absehbarer Zeit wieder neue Abenteuer der Krampen, vielleicht auch Live, geben?
- Wenn ich den Oliver Kalkofe überreden kann und er Zeit dafür hat, bin ich sofort dabei. Lust habe ich schon. Mal sehen, was nächstes Jahr zum 20. Jubiläum des „Frühstyxradio“ alles passiert. Bei der letzten CD „Satanziege“ hatte ich ihn ja zwei Jahre lang angefragt, bis er endlich mal Zeit gefunden hatte, die mit mir aufzunehmen. Man merkt bei der CD auch recht deutlich, dass sie zwischen ICE und Taxi entstanden ist. Wir hatten da keine Zeit zum Proben und ein Track wird auch mit Lachanfällen unsererseits unterbrochen. Das ist mehrfach passiert und wir haben das ebenso draufgelassen, wie auch
die Taxibestellung für den Kalkofe.
Du bist ja auch Autor für Hans Werner Olm und gibst demnächst ja einige Vorstellungen zusammen mit ihm. Bei seiner TV-Show gab es die Figur „Der Kranke“, die frappierende Ähnlichkeiten zu deinem „Pränki“ aufweist. Zufall?
- Das ist natürlich die gleiche Diktion wie beim „Pränki“. Der Olm spielt die Rolle wirklich so, wie ich mir die Figur vorstelle. Wir hatten da noch einige Sachen mehr gedreht, die leider im Endschnitt nicht mehr zu sehen waren. Einige Sachen würden die TV-Sender dem Publikum einfach nicht zutrauen.
Hättest du generell Interesse daran, noch weitere Charaktere aus deiner Feder als TV-Helden zu sehen?
- Fernsehen ist immer so umständlich. Auf so was habe ich keine Lust. Sollen mal lieber die anderen Leute machen. Außerdem stinken die deutschen Comedy-Formate gegen die US-Produktionen meist ab. Die Amis haben das halt drauf und die meisten Produktionen aus Deutschland sind ätzend.
Das heißt, dass du auch von der momentanen Spontan-Comedy-Klamotte a la „Schillerstrasse“ nichts hältst?
- Da ist natürlich nicht alles schlecht, was die Kollegen da machen, nur interessieren tut mich das nicht wirklich. Wenn man nachher sieht, dass da wem Ideen gekommen sind, die einem selbst auch so ähnlich gekommen wären, findet man das ja gut. Problematisch ist da nur, dass man in Versuchung geraten könnte bestimmte Sachen unbewusst zu kopieren und so was will ich ja nicht.
Wie stehst du zum Thema „Kunst und Kommerz“ ? Hat man da nicht manchmal so dieses Gefühl, nur lustig funktionieren zu müssen?
- Das bedingt sich und ist nicht unbedingt ein Widerspruch. Ich finde es schon superangenehm, dass ich da eine Arbeit habe, die mir selbst riesigen Spaß macht und mir gleichermaßen die Butter aufs Brot bringt. Man muss ja auch von etwas leben und wenn das so auch angenehm geht, stört das nicht großartig. Ich will ja so der Welt nichts großartiges mitteilen. Hab da kein immenses Bedürfnis wie zum Beispiel andere Leute. Macht Spaß und bringt Geld.
Wie läuft das bei dir ab, wenn du eine neue Figur für die Frühstyxradio-Shows konzipierst?
- Ich gehe da nicht ran und denke mir, dass ich da jetzt was konzipieren müsste. So was mache ich nicht. Die Realität liefert einfach immer noch die besten Vorlagen für schräge Typen. Da nimmt man die Eigenarten von Leuten, denen man im Alltag begegnet und kombiniert die mit Stimmen oder Eigenschaften von anderen Gestalten, die man absonderlich und komisch empfindet. Wo wirklich alles stimmte, war der Charakter „Pränki“. Ich war damals mit einem Kollegen unterwegs und musste dringend telefonieren. Da gab es früher noch diese großen gelben Telefonzellen und wir warteten auf den Mann, der da in einer Zelle die ganze Zeit telefonierte. Als ich ihm durch die Türscheibe der Zelle Zeichen gab, dass wir in Eile seien, machte er sie auf und hielt uns eine Hand voll blauer Pillen entgegen. Mit absolut verrauchter, und dem Kehlkopfkrebs naher, Stimme erzählte er dann was von wegen „Die Pillen hat mich den Archhzzzt gegeben und den hat gesacht, dass ich wieder operiert werden muss..“ Das war der „Pränki“ in Natura und dem hat man weitere Geschichten auf den Leib geschrieben.
Das Publikum bei den Lesungen deiner „Schwarz- und Logbücher“ ist ja ein etwas anderes, als zum Beispiel bei den Auftritten mit der „Frühstyxradio“-Crew. Erkennst du da bei den Zuschauern auch noch den ein oder anderen Fan der ersten Stunde heraus?
- Das Publikum ist da sicherlich ein anderes und das sind Lesungen, da kann man auch Figuren wie „Der kleine Tierfreund“ noch mit einbringen. Der ist da schon kompatibler als beispielsweise „Pränki“ oder „Willi Deutschmann. Oft sind aber auch alte Fans unter den Besuchern, die einen schon lange Jahre die Treue halten. Die erste Generation von Hörern des „Frühstyxradio“ ist heute so Mitte 30 und war damals beim „Erstkontakt“ meist Student oder bei der Bundeswehr. Gerade bei der Bundeswehr hörten wir früher von sehr vielen Stammhörern
Oftmals kommt ja die Stadt Bielefeld bei dir in Shows vor und deren Status als Ort, indem man die „Kaputten“ nicht wohnen lässt. Welche Beziehung hegst du gerade zu dieser Stadt?
- Ich habe ja in Bielefeld studiert und aus vielen meiner damaligen Mitkommilitonen ist ja richtig was geworden. Was mir an der Stadt so gefällt ist dieses Flair, was die Menschen dort umgibt. Die sind nicht so aufgesetzte Wichtigtuer wie du das bei anderen Großstädtern immer hast. Berlin, Düsseldorf und so: Da ticken die Leute anders.
Was kann man in nächster Zeit noch alles an Projekten erwarten? Ist da viel Neues in der Mache?
- Im Moment bin ich ja auf Solo-Tour, aber Herbst kommt dann eine Bühnentour mit „Frieda und Annelise“. Die heißt „Das Braune Gold von Plattengülle“ und dafür muss ich ja auch noch einiges schreiben. Ansonsten erscheint auch demnächst ein neues Buch von mir und die Vorbereitungen für eine neue CD-Box zum 20. Geburtstag des „Frühstyxradio“ laufen an.
Kann man dann eventuell auch bald auf neue Abenteuer von Willi Deutschmann gespannt sein?
Ha! Gerade wegen der zweiten Solo-CD vom Deutschmann habe ich letztens schon eine Wette verloren. Ich hatte gewettet, dass ich die schon bald fertig haben würde und hatte es zum genannten Termin nicht geschafft die raus zu hauen. Kann gut sein, dass die noch in diesem Jahr kommen wird.
