Weil es ist wie es ist

20.07.2007 um 14:58 Uhr

Abwarten

Geduld war nie eine meiner Tugenden. Ganz besonders nicht im Moment. Alles geht so quälend langsam. Dabei bestätigen Ärzte, Schwestern und eigentlich alle Menschen, die es gut meinen, dass man keine Wunder erwarten darf und dass es den Umständen entsprechend voran geht.

Dennoch ist es ein fürchterliches Gefühl, nichts tun zu können. 

Jan ist häufig bei ihm. Ich denke, das hilft ihm sehr. 

Nachdem er die ersten Tage nach der Nachricht von Marks Tod eigentlich gar nicht gesprochen hat, bricht nun alles aus ihm heraus. Er weint, überhäuft sich mit schlimmsten Vorwürfen, bekommt Beruhigungsmittel. Ein Psychiater besucht ihn regelmäßig. An anderen Tagen ist er wieder so ruhig, geradezu lethargisch. 

Und immer stehe ich nur daneben und weiß nicht, was ich tun soll. Was soll ich sagen? Was nur? Ich lasse ihn von Mark erzählen, höre ihm zu, halte seine Hand. Aber ob das hilft, ist fraglich. Ob überhaupt irgendetwas helfen kann. 

Und ich zweifle an der Entscheidung, es ihm überhaupt schon gesagt zu haben. Vielleicht macht das im Moment alles nur noch schlimmer. 

Ich versuche mich abends viel abzulenken, telefoniere viel. Obwohl ich Urlaub habe, ist an Schlafen nicht zu denken, ganz im Gegenteil, ich schlafe kaum noch. 

Jan hat sich als große Stützte erwiesen. Ich weiß nicht, woher er die Kraft nimmt, aber er ist quasi der Fels in der Brandung für die ganze Familie. 

Aber letztlich bleibt wohl doch nichts anderes als abwarten und sich in Geduld üben. Mach mich jetzt nochmal auf den Weg in die Klinik. 

10.07.2007 um 23:26 Uhr

Verspätete Wahrheiten

Jan hat es ihm am Donnerstagnachmittag gesagt, eine Ärztin war auch dabei, sonst niemand.

Nein, es gab keine Vorwürfe, nichts dergleichen. 

Als ich nach der Arbeit zu ihm kam, schien er einfach nur leer. Ich blieb bis spät am Abend bei ihm, auch wenn wir so gut wie nicht redeten. Er sagte, er könne nicht reden, wüsste nicht, worüber. Ich wusste es auch nicht. Was hätte ich sagen sollen? Dass es mir leid tut? Ja, prima.

Das wirklich Schlimme war auch nicht das Schweigen. Wirklich schlimm war und ist diese Leere in seinen Augen. Und das Wissen, dass es ihm nun nicht nur physisch schlecht geht, sondern auch seelisch. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass das eine das andere aufhebt - er ist physisch nicht in der Lage zu trauern, und gleichzeitig nimmt ihm die Trauer das letzten Fünckchen Kraft und Zuversicht. Ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll.

 
Und ich weiß auch nicht, wie ich ihm in diesen Momenten helfen soll. Seit gestern spricht er wieder etwas mehr - allerdings nicht über Mark. Ich weiß nicht, wie lange es wohl dauern wird bis es aus ihm herausbricht. 

Immerhin habe ich jetzt drei Wochen Urlaub. So kann ich ihm wenigstens Zeit schenken. Wirklich helfen kann ich ihm vermutlich nicht.

Jan kommt auch regelmäßig. Vielleicht wird er mit ihm bald über alles sprechen. Immerhin kannte Jan Mark auch seit Jahren.

Keine Ahnung wie es weitergeht. Ich weiß nur, dass er mir, so wie er momentan wirkt, große Angst macht.  

 

 

07.07.2007 um 18:24 Uhr

Lange her...

...seit ich das letzte Mal hier geschrieben habe.  So viel ist passiert und in den nächsten Tagen werde ich mich mal hinsetzen und ausführlich berichten. Mein "Blog-Ventil" hat mir wirklich gefehlt.

Andreas geht es mittlerweile ein wenig besser, auch wenn er noch immer auf der Intensivstation liegt.

Mittlerweile weiß er von Marks Tod. 

Ich werde in den nächsten Tagen berichten.